Schulden und Euro sind Gift für Italien

Die Lehren der Geschichte von Schuldenkrisen.

In der 82. Folge von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ geht es um Staatsschulden, den Euro und Italien. Kann Italien auf Dauer im Euro bestehen?

Schwerpunkt der Episode ist ein Gespräch mit Dr. Tobias Straumann. Der Schweizer Wirtschaftshistoriker lehrt an der Universität Basel und ist Titularprofessor an der Philosophischen Fakultät der Universität Zürich. Im Podcast spricht der Experte für europäische Geld- und Finanzgeschichte über die Lehren aus Schuldenkrisen – wie jener in Deutschland Anfang der 1930er-Jahre – für die aktuellen Herausforderungen.

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Kommentare (26) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Bauer
    Bauer sagte:

    Ich schreibe dies heute aus Siracusa während einem meiner zahlreichen Aufenthalte in Italien seit nun 67 Jahren. Dem Befund der Herren Straumann, Heimberger und Stelter ist beizupflichten. Jedoch ist es immer die Sicht von aussen auf dieses Land. Aus italienischer Sicht präsentiert sich der Sachverhalt in ganz anderem Licht.

    Wir reden von politischer Instabilität. Für den Italiener ist dies der normale Zustand gelebter Demokratie und jedenfalls viel lebendiger als z.B. in D. Es entspricht seinem Lebensgefühl, also warum es ändern nach einem ihm fremden Modell?

    Das löchrige Steuersystem hat eine lange Tradition. Historisch gesehen wurde die Steuereintreibung ‘outsourced’, soll heissen verpachtet. Der Steuereintreiber hatte ein gewisses Fixum dem Staat/Potentaten abzuliefern, was darüber lag, war seines. Das Verfahren lädt dazu ein, sich in Steuersachen klein zu machen und die erforderlichen Reserven lieber privatim zu bildn, statt es einem nimmersatten Staat zu überlassen. In südlichen Augen (ich schliesse hier Griechenland ein) ist das quasi legitimer Selbstschutz. Mundraub ist selbst in D nicht strafbar.

    Italien hat bei seiner Staatsgründung 1860 im wesentlichen das französische Verwaltungssystem übernommen, lange nicht modernisiert, sondern noch weiter ausgebaut. Selbst die inzwischen erfolgten Reformen kratzen da nur an der Oberfläche. Es ist unverändert träge, was dazu verleitet, es zu umgehen oder durch freundliche Fürsorge für die mässig bezahlten Staatsdiener elastisch zu gestalten. Es funktioniert solchermaßen nicht schlecht, man kann als Eingeborener damit recht gut damit zurecht kommen, also warum es dann ändern. Wer weiss, ob es hernach besser wäre.

    Italien ist eine uralte Kulturnation und lebt inmitten der historischen Zeugnisse seines Ursprungs. Das Leben dort ist angenehm und lässt sich leichter ertragen als z.B. in D, nicht zuletzt dank der privaten wirtschaftlichen Reserven, die D in zwei verlorenen Kriegen beinahe restlos verloren hat.

    Die implizierte Fragestellung nach den für Italien wünschbaren Veränderungen, um den Anschluss zurückzugewinnen, ist schon vom Prinzip her nicht angebracht, denn sie sieht Probleme, die von der anderen Seite der Alpen aus garnicht als Probleme wahrgenommen werden.

    Statt sich daran abzuarbeiten sollte die Prämisse sein, Italien seinen way of life zu lassen und in das EU- und Euro-System Kautelen einzubauen, damit uns dadurch nicht unversehens die Taschen geleert werden, bzw. das System zu Bruch geht, bevor man etwas besseres zustande gebracht hat.

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Bauer

      So einfach, wie Sie es darstellen, ist es nicht:

      >Die implizierte Fragestellung nach den für Italien wünschbaren Veränderungen, um den Anschluss zurückzugewinnen, ist schon vom Prinzip her nicht angebracht, denn sie sieht Probleme, die von der anderen Seite der Alpen aus garnicht als Probleme wahrgenommen werden.>

      Es kommt NICHT darauf an, von welcher Seite der Alpen aus die Probleme wie wahrgenommen werden.

      Italien ist TEIL eines SYSTEMS, das Probleme hat.

      Die Frage, die besprochen wird, speziell zwischen Dr. Stelter und P. Heimberger, lautet:

      Wie muss die problematische Situation Italiens und – genauso wie die anderer Staaten, u. a. die Deutschlands – GEÄNDERT werden, wenn das System auf einen Pfad der Selbststabilisierung gebracht werden soll?

      Kurzum:

      Referenz ist das System, nicht ein Land.

      Wird es betrachtet, dann als TEIL des Systems.

      >Statt sich daran abzuarbeiten sollte die Prämisse sein, Italien seinen way of life zu lassen und in das EU- und Euro-System Kautelen einzubauen, damit uns dadurch nicht unversehens die Taschen geleert werden, bzw. das System zu Bruch geht, bevor man etwas besseres zustande gebracht hat.>

      Diese Auffassung geht davon aus, dass irgendwann etwas BESSERES zustande gebracht werden wird.

      Nicht auszuschließen, dass ein Wunder geschieht.

      Aber nach allem, was zu beobachten ist bezüglich der Maßnahmen, die auf allen Ebenen getroffen werden, ist das WUNSCHDENKEN.

      Sehr plausibel ist vielmehr die Auffassung, dass uns zuerst die Taschen geleert werden und dann das System zu Bruch geht.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Diese Auffassung [“Wunschdenken”] geht davon aus, dass irgendwann etwas BESSERES zustande gebracht werden wird. Sehr plausibel ist vielmehr die Auffassung, dass uns zuerst die Taschen geleert werden und dann das System zu Bruch geht.”

        “Wunschdenken” hin oder her, auch wenn das dezeitige dysfunktionale System zerbrochen ist, werden wir für die Zeit danach neue Richtlinen für ein gemeinsames Auskommen mit Italien finden müssen.

        Und spätestens da ist Bauers Ansatz eindeutig der richtige. Oder glauben Sie etwa, dass der Zusammenbruch des Eurosystems gleichbedeutend sein wird mit dem Weltuntergang?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >… werden wir für die Zeit danach neue Richtlinen für ein gemeinsames Auskommen mit Italien finden müssen.>

        Hat niemand bestritten.

        Es muss IMMER ein gemeinsames Auskommen mit Italien gefunden werden – JETZT, bis ZUM und NACH dem möglichen Zerfall.

        Das hat aber Bauer nicht gemeint.

        Er hat gesagt, dass Italien sein way of life zu lassen sei mit Sicherungsmaßen, DAMIT wir keine Nachteile erleiden BEVOR etwas Besseres zustande gebracht wird.

        Das ist eine ANDERE Thematik als die, ob der Zusammenbruch des Eurosystems mit dem Weltuntergang gleichbedeutend ist oder nicht.

      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ D. Tischer

        >> “Referenz ist das System, nicht ein Land.”

        Sie wollen also das Land vergewaltigen dem System zuliebe? Mit Drghi an der Spitze können Sie solche Ideen sofort vergessen. Schön ist alle Theorie vom Schaukelstuhl aus.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        >>> “Referenz ist das System, nicht ein Land.”

        Sie wollen also das Land vergewaltigen dem System zuliebe?>

        WIE kommen Sie darauf, dass ich das will?

        Ausgangspunkt der Diskussion ist die Krise bzw. Instabilität des Systems.

        Hören Sie sich die Diskussion Dr. Stelter mit P. Heimberger an oder auch die zwischen Dr. Stelter und Dr. T. Straumann mit etwas anderem Schwerpunkt an. Demnach lautet die Frage:

        Wie könnte das SYSTEM so verändert werden, damit es in einem Modus der Selbststabilisierung kommt?

        Es geht um die Veränderung des Systems.

        Sie haben ja Recht, dass die Lösung nicht darin liegt, dass getan wird, was aus deutscher oder italienischer Sicht „richtig“ oder vorteilhaft ist.

        Ich stimme dem zu, da ich u. a. gesagt habe, dass der Vorschlag von Dr. Stelter, die Italiener ihre Staatsverschuldung mit einer einmaligen Vermögensabgabe hinreichend senken zu lassen, einfach nicht zielführend ist, auch wenn er rechnerisch, aber eben nur rechnerisch realisierbar erscheint.

        Aber die Veränderung des Systems ist nur durch Veränderungen möglich, die u. a. AUCH Italien betreffen.

        Diese Veränderungen muss Italien natürlich MITTRAGEN können.

        Daher ist den Italienern nicht etwas zu diktieren, das sie nicht mittragen können oder wollen.

        Wo findet bei diesem Verfahren eine Vergewaltigung statt?

        NIRGENDS.

        Es gibt nur eine Lösung mit Italien, Deutschland etc. ODER es gibt keine derartige Lösung.

        Dann setzt sich der Krisenmodus eben fort, bis das System kollabiert.

      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ D.Tischer

        Ich habe zum Glück nicht die Gewohnheit, mich mit der linken Hand am rechten Ohr zu kratzen.

    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Bauer

      “Statt sich daran abzuarbeiten sollte die Prämisse sein, Italien seinen way of life zu lassen”

      Richtig. Mit den Italienern könnten wir Deutsche sehr gut zusammenarbeiten, zum Beispiel in einem Freihandelspakt oder einem gemeinsamen Binnenmarkt oder von mir aus auch noch in einem Verteidigungsbündnis, solange wir dem Land seinen Lebensstil lassen.

      “(…) und in das EU- und Euro-System Kautelen einzubauen, damit uns dadurch nicht unversehens die Taschen geleert werden, bzw. das System zu Bruch geht, bevor man etwas besseres zustande gebracht hat.”

      Ich glaube aber nicht, dass das innerhalb des Eurosystems funktioniert oder auch außerhalb des Euro innerhalb einer EU, die über ihr immer größer werdendes Budget Umverteilung betreibt.

      Es ist einfach keine gute Idee, mit allen seinen Freunden ein gemeinsames Haushaltskonto aufzumachen, inklusive denen, die einen völlig anderen Umgang mit Geld und dem Konzept vom Staat pflegen als man selbst.

      Leider haben wir es getan, und die finanziellen Verschränkungen wieder zu entflechten wird leider hässlich.

      Antworten
      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ R. Ott

        >> “Es ist einfach keine gute Idee, mit allen seinen Freunden ein gemeinsames Haushaltskonto aufzumachen, inklusive denen, die einen völlig anderen Umgang mit Geld und dem Konzept vom Staat pflegen als man selbst.”

        Recht haben Sie! Es funktioniert nicht einmal auf der niedrigsten Ebene, nämlich mit der eigenen Frau, die keineswegs Italienerin sein muss. Nach meinen Beobachtungen gibt es da auch nur zwei Lösungen, um den Ehefrieden zu wahren. Entweder man leistet einen fixen Beitrag zum Haushaltskonto oder man liefert sein Gehalt gleich vollständig bei der Frau ab.

        Zur Sache selbst: Tiefere Ursache des Dramas ist die sture Intransigenz der EU in Sachen Euro, die von Frankreich ausgeht und von dort gepflegt wird, um D an der Kandare zu halten. Um Bewegung in dieses nach aller Voraussicht negativ endende Spiel zu bringen, gibt es eigentlich nur noch eine Lösung, nämlich Italien seine mini-bots zu gestatten und selbiges mit Wohlwollen aus Brüssel zu begleiten. Dies erfordert natürlich erheblichen Druck seitens D in der EU. Der kann aufgebaut werden mit der offenen Entwicklung und Vorbereitung eines Plan B, nämlich des DEXIT. Ich meine es ernst.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        >Um Bewegung in dieses nach aller Voraussicht negativ endende Spiel zu bringen, gibt es eigentlich nur noch eine Lösung, nämlich Italien seine mini-bots zu gestatten und selbiges mit Wohlwollen aus Brüssel zu begleiten.>

        Das ist eine theoretische Lösung, die zwar umsetzbar ist, also nicht nur auf dem Papier funktionieren würde.

        Es ist aber eine Lösung OHNE praktische Relevanz.

        Denn es stimmt einfach NICHT, was Sie als Prämisse annehmen:

        > … die sture Intransigenz der EU in Sachen Euro, die von Frankreich ausgeht und von dort gepflegt wird, um D an der Kandare zu halten.>

        Klar, Frankreich will das.

        Aber Deutschland und andere Länder wollen es letztlich auch – MÜSSEN es letztlich auch wollen.

        Denn KEINE Regierung und keine sonstigen maßgebenden Entscheider in der EU WOLLEN den Zerfall der Eurozone, den es mit dem Austritt Italiens gäbe.

        Erst wenn eine GEWÄHLTE Mehrheit in Italien es will, werden dort mini-bots eingeführt werden können.

        Können, aber möglicherweise nicht verwirklicht, wenn die EU das Land mit hinreichend vielem Geld zuschüttet, das die betreffende Regierung zur Ruhigstellung der Bevölkerung verteilen kann.

        Bisher hat das funktioniert, es funktioniert unter Draghi so und es wird zumindest bei den ihm folgenden Regierungen versucht werden, diese Funktionalität fortzusetzen.

        Nichts leichter als das, da die EU sich ja in Eigenregie verschulden kann.

        Eben erst angefangen damit, ist noch viel zu bewirken mit dieser Finanzierungfazilität.

      • Bauer
        Bauer sagte:

        @ D. Tischer

        >> “Erst wenn eine GEWÄHLTE Mehrheit in Italien es will, werden dort mini-bots eingeführt werden können.”

        Wenn die Mehrheit in Italien realisiert, dass Draghi bei Lagarde auf Granit beisst und nicht liefert, wird er abserviert, denn dieses Schema funktioniert ausgezeichnet in I. Was dann kommt wissen nur die Götter.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        Da kann ich Ihnen mal nicht widersprechen.

        Ich unterstreiche Ihre Auffassung vielmehr:

        Vermutlich wird er viel früher abserviert.

  2. Zweifler
    Zweifler sagte:

    Bemerkenswertes Gespräch mit Dr. Tobias Straumann. Auffallend ist, daß die „Guten“ (im Sinne von Denkvermögen und Wissen) immer bescheiden auftreten. Dazu zähle ich selbstverständlich auch Dr. Stelter.
    Ein Gegenbeispiel ist das Auftreten sogenannter Crashpropheten: Meist laut und arrogant, oft auch intolerant.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Was eingangs zu Italien gesagt wurde, ist richtig:

    Das Land hat extrem hohe Staatsschulden, denen strukturelle Defizite zugrunde liegen, die im Wesentlichen bis heute fortbestehen.

    Es ist Konsens bei den Entscheidern in der EU, dass Italien in der Währungsunion und EU bleiben muss, damit diese nicht kollabieren.

    Daher wird Folgendes getan:

    a) Die EZB verhindert mit dem Aufkauf von italienischen Staatsanleihen, dass die Staatsschulden das Land destabilisieren. Die Staatsschulden können sogar problemlos weiter ansteigen.

    und

    b) Draghi bekommt erst einmal EUR 200 Mrd. auf die Hand – ein Großteil davon als nicht rückzahlbare Transfers der EU -, um das Land strukturell so zu ändern, dass es zu keiner Dauerbelastung wird.

    Die wesentlichen Bedingungen, unter denen Draghi dies angeht, hat Dr. Stelter genannt. Sie sind durchweg UNGÜNSTIG:

    Demografische Entwicklung, Arbeitslosigkeit bzw. Abwanderung vor allem auch der besser Ausgebildeten, viel zu viel Beschäftigte beim Staat, zu geringe private und staatliche Investitionen und Korruption.

    Vor allem: politische INSTABILITÄT – es besteht KEIN Konsens in der Gesellschaft hinsichtlich der erforderlichen Maßnahmen.

    Bei diesen NEGATIV-Bedingungen einen allein schon durch die Veränderungen BELASTENDEN Strukturwandel zu erreichen, ist UNREALISTISCH.

    Es wird daher nicht Einmal-, sondern DAUERTRANSFERS geben müssen.

    Finanzierung durch kontinuierliche MEHR-Verschuldung der EU.

    Da damit KEINE nachhaltige materielle Wohlstandsmehrung der Bevölkerung verbunden ist, kommt es zu einem WETTLAUF zwischen TRANSFERS und politischer RADIKLALISIERUNG.

    Ausgang offen, aber die Waage neigt sich erkennbar zu letzterem.

    Im Augenblick nicht bestimmbare, sondern potentielle Risiken sind das europäisch ungelöste Migrationsproblem und, bei Konsumverzicht dank der Energiewende, möglicherweise Einbußen beim Tourismus sowie anhaltende Pandemie-Lockdowns.

    Ergänzender Vergleich:

    Im April 1945 beliefen sich die deutschen Auslandschulden auf 394 Reichsmark. Das Londoner Schuldenabkommen 1953 beinhaltet, dass Deutschlands Auslandsschulden von den anfänglich berechneten 29,3 Mrd. Mark auf 14,8 Mrd. Mark reduziert wurden. Mit diesem Betrag wurden die Vor- und Nachkriegsschulden, darunter die Dawes-, Young- und Kreuger-Anleihen abgegolten.

    Ein solcher Schuldenschnitt konnte nur erreicht werden, weil man Westdeutschland als wirtschaftlich starkes Bollwerk gegen den Ostblock brauchte.

    Die Zahlungsverpflichtungen konnte problemlos erfüllt werden, weil Westdeutschland vor allem in den 50er- und 60er Jahren ein hohes Wirtschaftswachstum aufwies.

    Diese beiden Bedingungen bestehen für die Eurozone/EU und speziell Italien nicht.

    Es ist daher m. A. n. eine Illusion, auf eine derartige Lösung für Italien zu hoffen.

    Der Zerfall des Konstrukts Eurozone/EU ist vorgezeichnet.

    Nichts anderes im Kern hat Dr. T. Straumann gesagt und P. Heimberger kann mit zurechtgerückten Daten und institutionellen Reformen, die KEINE realwirtschaftlichen sind, auch nichts an der Realität ändern.

    Antworten
  4. foxxly
    foxxly sagte:

    ….. es gibt keine alternative, als das gelddrucken, bis es kracht! dies scheint schon bei vielen mitlerweile der o-ton zu sein. da ist die Eu mit eingeschlossen. man wird sie aber kaum vor der geld-finanzpolitischen explosion auseinanderbrechen lassen. und wird daher gezwungen sein nahezu unendlich geld in das system zu pumpen.

    mich verwundert schon:
    wir hatten ehrlicher weise noch nie eine zeit, in der das wachstum größer war, als die verschuldung.
    geht ja auch nicht, weil wachstum sogar eine höhere verschldung verursacht, eben durch dieses kreditgeldsystem.
    darin musss jemand die schulden tätigen, ob staat, unternehmen, konsument oder teilweise miteinander; – bzw. auch auf kosten andere länder.

    wer die historie nicht kennt und aufarbeitet, wird sie wiederholen! eine alte erkenntnis.
    mit diesen kreditgeldsystem machen wir dies beispielhaft!

    das einzige, was in diesen geldsystem bleibt, sind lösungen zu suchen, welche die exponential geschwindigkeit verringert, – bis zu seinen tode.

    hierzu wäre die größte relevante frage, wie schafft man den ausgleich zwischen der realwirtschaft und dem finanzsektor herbei zu führen? (löst aber noch nicht das grundproblem unseres exponentiellen geldsystems)

    ich habe den eindruck, dass immer mehr diese genannten negativen zusammenhänge erkennen, aber nicht ausprechen, dürfen oder können.

    mir fehlt als echte gewinnbringende diskussion, sich zu damit beschäftigen, wie denn ein alternatives, zukünftiges geld-und wirtschaftssystem gestrickt sein muss, um die bisherigen bekannten fehler zu vermeiden.

    alle anderen diskussionen sind nicht zielführend und nichts weiter, als eine beschäftigungstherapie, leider!

    die heutige diskussion mit h. straumann fand ich interessant, aber sie war eher nur eine treffliche zustandsbeschreibung, mehr nicht!

    Antworten
    • Josef Streicher
      Josef Streicher sagte:

      Das sehe ich ähnlich. Wirklich neue Diskussionen wird es erst dann geben, wenn es noch viel deutlicher kracht im Gebälk. Momentan wirkt die Situation ja stabilisiert.

      Antworten
    • Alexander
      Alexander sagte:

      @foxxly

      “wir hatten ehrlicher weise noch nie eine zeit, in der das wachstum größer war, als die verschuldung.”

      Das Wachstum übersteigt die Verschuldung, wenn die Prodkutivität zunimmt, z.B.
      – durch Bildung für Migranten, Bildung allgemein
      – durch Elektrifizierung, Nachrichtentechnik
      – durch Gesundheitsleistung
      – durch innere und äußere Sicherheit
      – durch Infrastruktur, Logistik
      – durch verbesserte technische Produkte aller Sektoren

      …weil diese Übung kein Selbstläufer ist, sind viele konjunkturpolitische Massnahmen Strohfeuer, obwohl sie früher / woanders einmal wirksam waren.

      …wenn man schon alles hat, sinkt der Nutzen und steigt die Illusion von Nachfrageersatz durch Konsum…..sobald dieser die Produktivität untergräbt…..Foglen wie bekannt.

      Deflation der Preise setzt im übrigen Neuverschuldungspotential frei, wie die Deflation zur Innovation anregt…..weil neue Produkte wieder Nachfrage erzeugen….

      Außerhalb des dualen Zahlensystems gibt es deutlich mehr Optionen als 0 und 1.

      Antworten
      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ alexander

        wenn eine produktivität zb. den ausstoß steigert bei gleichen kosten, dann soll die menge auch gekauft werden. d.h. es müssen mehr konsumenten für diese menge an gütern, geld hernehmen und kaufen.. dieses geld fehlt für einen anderen konsum usw.

        sie können es drehen und wenn wie sie wollen, wenn die bilanz (gesamtbilnaz), auch durch produktivität steigt, steigt auch das kreditvolumen (plus zinsen)

      • Alexander
        Alexander sagte:

        @foxxly

        “produktivität zb. den ausstoß steigert bei gleichen kosten”

        Nimmt die Produktivität zu sinken die Kosten, das kann sich auf Preise auswirken.

        Sinkende Textilkosten / Preise bei steigender Qualiät, kleidete die Menschen billiger und machte viele arbeitslos, aber nur vorübergehend d.h. wir haben heute Überfluß an Kleidung und kein Mensch kräht heute nach diesen BS Jobs.

        Stagnierende Produktivität – wie überall im Westen – bei steigenden Transferkosten ….senkt den Lebensstandard oder erhöht die staatliche Verschuldung zur Durchblutung dieser Gesellschaften….

        Der Ostblock scheiterte daran seine Produktivität zu verbessern obwohl sehr viel Potential in diesen Gesellschaften lag.

        Argumente von Ausstoß steigern und Konsumenten vermehren ist so eines der Kollektivisten, weil die Welt nicht in Salden abbildbar ist, weil man MEHRWERTE NICHT VOLLSTÄNDIG BILLANZIEREN KANN.

      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ alexander
        der ostblock: ein sozialismus kann eben sein potenzial nicht ausschöpfen, auch wenn es vorhanden wäre/ist.

  5. AL
    AL sagte:

    “Was die Erfahrung aber und die Geschichte lehren, ist dieses, daß Völker und Regierungen niemals etwas aus der Geschichte gelernt und nach Lehren, die aus derselben zu ziehen gewesen wären, gehandelt haben.”
    – Quelle: Hegel, Vorlesungen über die Philosophie der Geschichte, 1837 (posthum)

    Antworten
  6. Karl
    Karl sagte:

    Herr Straumann sagt, er kann sich nicht vorstellen, dass ein System durchhaltbar ist, in dem die Zinsen nie mehr über die Nulllinie erhöht werden können. Vielleicht doch, denn der Nullzins ist immerhin Sharia-konform. Und das ist die Vorwegnahme der Zukunft Europas nach heutigen Daten der Demografie.

    Antworten
  7. weico
    weico sagte:

    Tolles Interview mit Herrn Straumann ….der die Konstruktionsfehler des Euro bzw. der “Währungsunion”, einmal mehr, klar aufzeigt.

    Kurz und schmerzlos seine Einschätzung (bei Minute 57:01-57:22) die ich ebenfalls teile , wie man der Schulden- bzw. Nullzinsfalle sitzt .Daher ist eine starke Inflation, im Euroraum, praktisch ausgeschlossen….wenn man nicht den schnellen und totalen Zusammenbruch riskieren will .

    Fazit: BrEXIT war erst der Anfang und die EU-“Finanzhilfen sind schlich ein hinauszögern des unvermeidbare. !

    Antworten

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