Kritik am Diskurs, aber Pluspunkte für „Wumms“

Hinter den Kulissen: Ökonomen-Schaulaufen zum Konjunkturprogramm für die deutsche Wirtschaft

Der Austausch von Politikern und Wirtschaftsexperten steht in Folge 26 von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ im Mittelpunkt. Es geht um die Frage, auf welcher Basis politische Entscheidungen fußen. Wie fließen ökonomischer Sachverstand und wissenschaftliche Erkenntnisse in Regierungsentscheidungen ein? Daniel Stelter hat hierfür eine Sachverständigen-Anhörung zum Neustart der Wirtschaft in der Corona-Pandemie analysiert.

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Kommentare (7) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Dietmar Tischer sagte:

    Es ist erstaunlich, was in diesem Podcast zu hören ist.

    Das schreit geradezu nach Kommentierung.

    A. Zur wirtschaftlichen SITUATION und den ERFORDERNISSEN eines wirksamen Konjunkturprogramms

    Die Sparquote ist außerordentlich hoch. Dies zwar auch deshalb, weil die Menschen kaum Gelegenheit haben, Geld auszugeben (online-Handel ausgenommen).

    Aber nicht nur:

    Die Menschen geben zu wenig Geld aus, weil sie ZUKUNFTSÄNGSTE haben u. a. angesichts der hohen Zahl von Kurzarbeitern, von der keiner wirklich weiß, ob sie in Vollbeschäftigung oder steigender Arbeitslosigkeit mündet.

    Man weiß es nicht auch angesichts einer möglichen zweiten Infektionswelle und einer möglichen Insolvenzwelle im Spätherbst und Winter.

    Was muss ein Konjunkturprogramm leisten, wenn es SCHNELL WIRKSAM sein soll?

    Es MUSS – wie richtig festgestellt wurde – positive Erwartungen STABILISIEREN.

    Dies kann es NUR, wenn es BESTEHENDE Strukturen VERFESTIGT.

    Denn tut es das Konjunkturprogramm nicht, WACHSEN die Zukunftsängste, weil alles andere als das Bestehende die Menschen tendenziell VERUNSICHERT, wenn sie damit konfrontiert werden, ohne es selbst zu wollen.

    Ich verstehe daher nicht, wie Dr. Stelter sagen kann, die Koalition habe RICHTIG gehandelt, bestehende Strukturen nicht zu verfestigen.

    Sie hat FALSCH gehandelt, insbesondere bezüglich der Automobilbranche und hier der Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren.

    Diese betreffen ca. 90% der produzierten Automobile.

    Schon vor der Coronakrise haben Zulieferer Insolvenz angemeldet, weitere werden folgen, Massenentlassungen stehen bevor.

    Die Hersteller werden ihre Halden mit Rabattschlachten abbauen und noch in diesem Jahr Entlassungen ankündigen. Denn von der Auslandsnachfrage ist nicht viel zu erwarten, mit evtl. der Ausnahme China.

    Das gesagt, schließt NICHT aus, AUCH ein Programm für INVESTITIONEN aufzulegen, also in der ZUKUNFT wirkende Ausgaben zu tätigen.

    Aber ein solches kann schnell wirkende Maßnahmen NICHT ersetzen.

    B. HEMMNISSE bei der UMSETZUNG von beschlossenen Maßnahmen.

    Ich vermisse eine klare URSACHENANALYSE von Hemmnissen, die im Bereich des ADMINISTRATIVEN liegen und solchen, die INTERESSEN von Bürgern direkt betreffen.

    Die Ursache administrativer Hemmnisse liegt vor allem in der REGULIERUNGSDICHTE und –KOMPLEXITÄT.

    Die Verwaltungen haben in vielen Fällen nicht die Expertise, größere Ausschreibungen sachgerecht, d. h. FACHLICH richtig und RECHTLICH sicher (EU-Recht!) zu bearbeiten. Sie brauchen Consulting-Hilfe – von der Ortsverwaltung bis zu Bundesministerien (Beschaffungswesen der Bundeswehr z. B.). Sie in Anspruch zu nehmen, kostet Zeit und natürlich Geld.

    Hier könnte nur VEREINFACHUNG und damit Abschied von der KONSENSHALTUNG, es allen recht machen zu wollen, helfen.

    Ich sehe nicht, dass sich da viel bewegen wird.

    Die Ursachen, die Interessen der Bürger berühren, liegen letztendlich im ABSCHIED vom MARKTGESCHEHEN.

    Wenn die dominierende Fahrmobilität nicht mehr gemäß individueller Präferenzen durch Märkte erfüllt, sondern durch einen interventionistischen Zentralismus DIRIGISTISCH durchgesetzt wird wie mit E-Fahrzeugen, dann MUSS die Durchsetzung tendenziell in die INTERESSEN der Individuen eingreifen – insbesondere auch auf der angebotsseitigen NOTWENDIGKEIT, regenerative Energie in großem Umfang zu produzieren und zur Verfügung zu stellen.

    Nach Lage der Dinge wäre das, wenn überhaupt, bestenfalls dann zu leisten, wenn viele Menschen quasi ein Windrad im Garten oder vor der Haustür stehen hätten. Dagegen wehren sie sich und zwar zu Recht, auch wenn sie für die Energiewende sind.

    Denn die dadurch verlorene Lebensqualität ist für sie ein zu hoher Preis.

    Die Politik muss das akzeptieren, um die Stabilität im Lande nicht erodieren zu lassen und die Energiewende nicht zu gefährden. Sie akzeptiert es – der Ausbau der Windräder an Land ist praktisch tot. Off shore-Windräder werden zukünftig bis zu 300 m über dem Wasser Strom produzieren. Diese Zentralisierung hat wiederum logistische Konsequenzen, die der Trassenführung wegen REGIONAL zu Problemen führen werden.

    Es wird daher dauern, bis der in der Nordsee produzierte Strom in Kempten ankommt.

    Die Grünen und andere „Aktivisten“ sollten überlegen, wie dies mit der grundsätzlich von ihnen gewollten BÜRGERBETEILIGUNG zu schaffen ist.

    Geld genug ist zwar da, um zu versuchen, die Menschen damit ruhig zustellen.

    Die Frage ist, ob dieser vielfach bewährte Ansatz auch im Fall der Energiewende erfolgreich sein wird.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Nach Lage der Dinge wäre das, wenn überhaupt, bestenfalls dann zu leisten, wenn viele Menschen quasi ein Windrad im Garten oder vor der Haustür stehen hätten. Dagegen wehren sie sich und zwar zu Recht, auch wenn sie für die Energiewende sind.“

      Das ist ja wie bei Maos „Großem Sprung nach vorn“, als die Kommunisten einen Hochofen zur Stahlerzeugung in jedes kleine chinesische Dorf bauten. Heute soll es also die Windkraftanlage im Vorgarten sein – aber bitte mit Genderklo im Sockel für die Diversgeschlechtlichen, die uns ja besonders am Herzen liegen.

      https://energy-charts.de/power_de.htm?source=all-sources&year=2020&week=4

      Am 23. Januar 2020 zogen die Stromverbraucher in Deutschland früh um 06:00 Uhr eine Gesamtleistung von 64 Gigawatt, alle Windkraftanlagen (Onshore+Offshore) stellten eine Leistung von 3,72 Gigawatt bereit. Photovoltaik konnte die Lücke leider nicht ausgleichen, denn früh morgens um 6 scheint im Januar blöderweise noch keine Sonne.

      Wir müssen also die installierte Leistung der Windkraftanlagen in Deutschland grob überschlagen ungefähr verzwanzigfachen, um unseren Strombedarf an einem Januarmorgen mit schwachem Wind durch „erneuerbare Energien“ decken zu können. Mit Windkraftanlagen in Vorgarten-Größe (setzen wir ganz großzügig mal 5kW Leistung pro Anlage an) entspricht das in der Tat der maoistischen Verspargelung aller Wohngebiete – das wären nämlich 12 Millionen Stück. Und das gilt auch nur unter der heroischen Annahme, dass die neu zugebauten Anlagen genau die gleiche Ausbeute wie die bereits existierenden Anlagen hätten, was sehr unwahrscheinlich ist, weil beim Ausbau der Windenergie natürlich zuerst die guten Windstandorte bebaut wurden.

      Leider sind viele der Befürworter der Energiewende gleichzeitig zu dumm zum Rechnen. Vermutlich kein Zufall.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Sie sind defätistisch – einfach positiv denken, wie die Koalition.

        Endlich geht ein RUCK durchs Land:

        Nachdem auch der Koalition so langsam zu dämmern scheint, dass die E-Energiewende an die Wand fährt zumindest mit Blick auf das vorgegebene Ziel, wird das nächste Fass aufgemacht.

        Zitat aus dem offiziellen Papier zu den Koalitionsbeschlüssen:

        >Die Bundesregierung wird kurzfristig die „Nationale Wasserstoffstrategie“ vorlegen. Deren Ziel soll es sein, Deutschland bei modernster Wasserstofftechnik zum Ausrüster der Welt zu machen. Darüber hinaus fördern wir den direkten Einsatz von grünem Wasserstoff in Flugzeugantrieben ebenso wie die Entwicklung von Konzepten für „hybridelektrisches Fliegen“ (Kombination von Wasserstoff/ Brennstoffzellen/ Batterietechnologie). {Finanzbedarf: 7 Mrd. Euro} … In diesem Zuge sollen auch geeignete Wasserstoffspeicherverfahren für den globalen, kosteneffizienten Transport von Wasserstoff entwickelt werden. Die Gründung einer europäischen Wasserstoffgesellschaft zur Förderung und Erschließung gemeinsamer internationaler Produktionskapazitäten und -infrastrukturen wird ausgelotet und bei ausreichend europäischer Unterstützung vorangetrieben. {Finanzbedarf: 2 Mrd. Euro}>

        Das muss man mal setzen lassen, um sich klar darüber zu werden, WAS „Wir fördern den EINSATZ“ (was nicht die „Tauglichkeit beweisen“ und auch nicht „Bereitstellung“ ist) heißt:

        KEINER weiß, OB überhaupt und wenn, WIE die Wasserstofftechnologie in WELCHER Form WO in welchem VOLUMEN zu WELCHEN Preisen eingesetzt wird – aber in Berlin WEISS man bereits, wie viele Mrd. Euro man ausgeben MUSS – die angesetzten Summen sind der Kick off-Preis wie ehemals die Kugel Eis -, um AUSRÜSTER der WELT (!!) zu werden.

        Wenn man das weiß, braucht man natürlich keine Märkte.

        Deutsche Hybris genügt vollkommen – und die Bazooka ist sowieso geladen.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Darüber hinaus fördern wir den direkten Einsatz von grünem Wasserstoff in Flugzeugantrieben ebenso wie die Entwicklung von Konzepten für ‚hybridelektrisches Fliegen‘ (Kombination von Wasserstoff/ Brennstoffzellen/ Batterietechnologie). {Finanzbedarf: 7 Mrd. Euro}“

        Na ob das nötig sein wird? Das rein batterieelektrische Fliegen macht doch super Fortschritte:

        „The world’s largest all-electric-powered utility aircraft conducted its maiden flight on Thursday, reported Flight Global. (…) The current configuration of eCaravan has passenger capacity between 4-5 with a flight range of 100 miles.“
        https://www.zerohedge.com/technology/worlds-largest-all-electric-passenger-aircraft-makes-maiden-flight

    • Avatar
      Gregor_H sagte:

      Vielen Dank für den Link zu diesen präzisen Ausführungen.
      Jetzt verstehe ich auch, warum Salvini so heftig gegen Kredite des EMS kämpft.

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    Alexander sagte:

    ->Mehrwertsteuersenkung für 6 Monate.

    Ab dem 01. Juli werden also alle Einzelhänder des täglichen Verbrauches alle ihre Preise um die Senkung der Mehrwertsteuer neu bepreisen? Nein, ich bezweifle sogar, dass die Ersparnis bei großen Anschaffungen wie Kfz an die Endverbraucher weitergegeben wird, Stichwort Coronazuschlag beim Friseur.

    Warum, da die Umsatzeinbrüche mit allen Folgen für die Sicherheit der Unternehmen schlimmer waren als 3% für 6 Monate.

    Wer profitiert?

    Die Software-Dienstleister und Buchhaltungsdienstleister, die jetzt mit Sonderschichten sämtliche Buchungssysteme für 6 Monate umstellen müssen, weil es eben nicht mit geänderten Rechnungsbeträgen getan ist. Zahllose Forderungen müssen für den Zeitraum berichtigt werden, absurd bei Zahlungsverkehren zwischen Unternehmen – die per Vorsteuerabzug keine MwSt bezahlen müssen.
    (vgl. Leasingzahlungen über den Senkungszeitraum hinaus bei jährlichen Zahlungsweisen)

    Am langen Ende dürften die Umsatzsteuerprüfungen durch die Finanbehörden alle jene zur Strecken bringen müssen, die versuchen in der Grauzone der Übergangszeit 3%ige Profite ein zu heimsen und damit einen Generalverdacht auf Lust zur Umstatzsteuerhinterziehung gegen @alle auslösen….

    Kompliziert wird die interne Abrechnung von umsatzsteuerpflichtigen Leistungen an Mitarbeiter oder Geschäftsführer, weil auch deren Abrechnung Stichtagsgenau nachgewiesen werden muss – 6 Monate lang.

    DEUTSCHLAND…. du Schlaraffenland aller Bürokraten.

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