Was tun mit dem Geld? ‒ Jeremy Grantham

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Jeremy Grantham, seit über vierzig Jahren im Anlagegeschäft tätig und hier regelmäßig verlinkt, zählt zu den profundesten Analytikern der Kapitalmärkte. So sind seine Renditeprojektionen ein Muss für jeden Anleger. Heute im Interview mit der FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • Noch keine Blase, denn: „Weicht der um die Inflation bereinigte Preis um zwei Standardabweichungen vom langfristigen Trend ab, sprechen wir von einer Spekulationsblase. So weit ist es erst, wenn der S&P 500 über 2250 klettert. Aktuell notiert er bei rund 2100 Punkten, es fehlen also noch etwa 7%“ ‒ bto: Naja, viel fehlt nicht mehr!
  • „Die beiden besten Bewertungskennzahlen sind wahrscheinlich das Tobin’s Q – also der Aktienkurs relativ zu den Wiederbeschaffungskosten aller Vermögenswerte – und das Shiller-Kurs-Gewinn-Verhältnis. Sie liegen bei rund 1,5 und 1,7 Standardabweichungen. Es fehlen also noch rund 10%, bis eine Blase angezeigt wird.“ ‒ bto: auch nicht viel. Die Kurse können übrigens auch vor dem offiziellen Erreichen des Blasenstatus fallen!
  • Anzeichen einer Blase: „Eine Fülle an Fusionen und Übernahmen oder ein paar richtig verrückte Ereignisse im Markt: Sie erwachen, und der Nasdaq bricht am Morgen um 12% ein. Das geschah im März 2000. Am Nachmittag holte er den Verlust auf. Oder Sie lesen zum Beispiel, dass das Land unter dem Kaiserpalast in Tokio gleich viel wert ist wie ganz Kalifornien. Wenn Sie solches beobachten, gilt es, vorsichtig zu werden.“
  • „… der Bullenmarkt (ist) noch nicht vorbei. Der Markt wird bis mindestens Oktober haussieren, wahrscheinlich bis zu den Wahlen. Dann ist ein guter Zeitpunkt, vorsichtiger zu werden“ ‒ bto: Ziel: S&P 500 2250 Punkte
  • Zu Anleihen: „Die Renditen sind zwar entsetzlich tief, und sie schmerzen, aber das ist keine Blase. Anleihen werden nicht durch klassisches Blasenverhalten nach oben getrieben.“ ‒ bto: Die Käufer sind gezwungen, da zu investieren.
  • Wenn die Preise einer Anlage genügend hoch steigen, kann der Markt einbrechen, auch wenn das Fed auf seiner Seite ist. Trotz aller Hilfe des Fed brachen die US-Aktienkurse im Jahr 2000 um 50% ein. Der Nasdaq verlor 82%. Und obwohl das Fed alles Erdenkliche unternahm, platzte die US-Immobilienblase. In einer richtigen Blase ist auch das Fed machtlos.“
  • “ Wenn Sie entscheiden müssten, wer die Konsequenzen des nächsten Crashs zu tragen hätte – Notenbanken, Private, die Banken oder andere Unternehmen –, würden nicht auch Sie das Fed oder die EZB wählen? Und hoffen, dass sie sie irgendwie tragen könnten, indem sie ihre Bilanzen von «schrecklich» auf «viel schlechter» aufblähen?“ ‒ bto: Das denke ich auch, inklusive der erforderlichen Monetarisierung der Staatsschulden.
  • „Das Kurs-Gewinn-Verhältnis in der Greenspan-Bernanke-Yellen-Ära, die nun seit rund dreissig Jahren anhält, lag um rund 60% höher als in den achtzig Jahren davor. Und das heisst, die künftigen Renditen werden viel schmaler ausfallen.“
  • „In ein, zwei Jahren, nach dem dritten Crash, werden die Leute womöglich genug haben von diesem Wahnsinn, und es wird ein Notenbankchef ernannt (…), der an eine altmodischere Welt, an Austerität und die Österreichische Schule der Volkswirtschaftslehre glaubt. (…) Das wäre grossartig. Aber der Aktienmarkt würde wohl sehr heftig reagieren und einbrechen.“

Mit Blick auf die Alternative ist Graham allerdings auch nicht richtig hilfreich: „Sie können Ihre Bargeldquote erhöhen und absolut keine Rendite erzielen. Und wenn wir in vier Jahren noch immer weiterwursteln, wird das sehr schmerzhaft sein. Sie werden Kaufkraft verloren und während dieser Zeit keine Rendite erzielt haben. Es könnte sich herausstellen, dass das die am wenigsten schlechte Strategie war, aber es könnte auch sehr schlecht gewesen sein.“ ‒ bto: Und zusätzlich drohen Bargeldverbot und Bail-in bei der Bankenrettung, würde ich noch ergänzen.

FINANZ und WIRTSCHAFT: «Aktien überteuert, aber noch keine Blase», 28. April 2015

2 Kommentare
  1. D.Coleman says:

    Guten Tag Herr Stelter, seit Monaten verfolge ich nun Ihren Blog und bedanke mich herzlichst für die äußerst anregenden Analysen und Kommentare.

    Zur den „nicht hilfreichen Alterantiven“ von Herrn Graham:
    Sicherlich hat auch J.G. keine Glaskugel, doch im Kern sagt er, dass wenn man mit vollen Händen an einer Quelle schöpft, sicherlich auch nur Dreck dabei sein kann -> Versagen der Bargeldstrategie.
    Hierauf kann ich nur die vergangen Beiträge von bto anmerken, dass eine Grundausrichtung mit vielen Standbeinen (Diversifikation: Edelmetalle, Bargeld, Immobilien etc. = Weg von „Papier“) erforderliche ist um auf zumindest die wahrscheinlichsten Szenarien gefasst zu zu sein. Wer am Beginn der Suche nach einer möglichen Antwort steht, dem sei das Buch: „Der Crash ist die Lösung“ von Matthais Weik & Marc Friedrich, ebenfalls erwähnt bei bto, empfohlen.

    Zu guter letzte möchte ich auch Menschen wie Graham – ohne Wertung – vorwerfen, dass wenn diese eine todsichere Strategie hätten, diese wohl ggf. (nur) durch einen evtl. Informationsvorsprung, selbst gegenüber relativ gut informierten Lesern, wie hier bei bto, funktionieren wird.

    Beste Grüße

    D.Coleman

    Antworten

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.