Knappheiten und Über­gewinne

Deutschland muss sich mit marktwirtschaftlichen Instrumenten auf eine Gasmangellage vorbereiten.

Russlands Krieg gegen die Ukraine fegt vermeintliche Gewissheiten vom Tisch. Die Auswirkungen können gravierend sein, beispielsweise durch einen einseitigen Lieferstopp von russischem Erdgas. In der 142. Folge von „bto 2.0 – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ diskutieren wir deshalb Mechanismen für den Umgang mit einer Gasmangellage in Folge von Sanktionen oder einem russischen Embargo. Ein weiteres Thema sind die Rufe nach einer Übergewinnsteuer. Prof. Dr. Achim Wambach, Präsident des ZEW – Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und Vorsitzender der Monopolkommission der Bundesregierung sowie Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des Bundeswirtschaftsministeriums, bring jede Menge Expertise dazu ein. Außerdem kommentiert Dr. Daniel Stelter die Zinswende der EZB ganz aktuell.

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Kommentare (7) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Stoertebekker
    Stoertebekker sagte:

    Ach, das war doch mal eine uneingeschränkte Freude. Das, was Prof Wambach bzgl. Politik gesagt hat, macht Mut (kaum Eingriff in Preismechanismen, Auktionen zum Füllen der Gasspeicher, Suche nach guten Marktmodellen usw.)

    Zum abschließenden Fazit von @DS ebenfalls Zustimmung, allerdings eine kleine Zusatzbemerkung. Es stimmt zwar, dass im Economist von steigenden Ölexporten Russlands geschrieben wird, allerdings steht im selben Artikel, dass der russische Export von Raffinerieprodukten, u.a. Diesel, sehr stark zurückgegangen ist und sich freie Raffineriekapazitäten in Russland und China aufbauen, während der Rest der Welt bei mehr als 100% Auslastung läuft.

    Also schon eine Verknappung des Angebots – nicht beim Öl, aber den Produkten der ersten Folgestufe.

    Antworten
  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Gasembargo:

    Es wird ein Schock sein – schnell, drastisch, massiv durchweg ALLE betreffend.

    Sich heute darauf einzustellen, ist richtig (LNG-Terminals, Auffüllung der Gasspeicher etc.)

    Es gibt aber UNÜBERWINDBARE Problem, dies KONSEQUENT zu tun:

    a) die Privaten Haushalte

    Ihnen Anreize zu setzen, WENIGER Gas zu verbrauchen, ist bei relativ GERINGER Nachfragelastizität – ein unterkühltes Kinderzimmer verkraftet heute kaum noch eine Familie – und vergleichsweise HOHER Inflation politisches Dynamit auch dann, wenn sie NACHTRÄGLICH dafür belohnt werden.

    Denn es hieße: noch weniger Verbrauch als der inflationär eh schon eingeschränkte.

    Das ist als GEWOLLT politisch nicht durchsetzbar.

    b) die Unternehmen

    Wenn Unternehmen wie diskutiert für 6 Monate aus dem Markt gehen, dann sind in der Regel gut bezahlte Arbeitnehmer für 6 Monate ihren Job los, OHNE zu wissen, ob sie ihn nach 6 Monaten zurückerhalten werden (Substituieren heißt NICHT: weiter so mit anderem Energieeinsatz).

    Das ist als GEWOLLT politisch NICHT durchsetzbar.

    Kurzum:

    Es wird bei einem Gasembargo ohne HARTE Zuteilungsregeln mit Präferenz für die Privaten Haushalte, Krankenhäuser etc. NICHT gehen.

    Was richtig ist:

    Positive LANGFRISTEFFEKTE durch Marktpreise sind sehr BEACHTLICH und sollten NICHT unterschätzt werden.

    Sie sind aber bei einem Gasembargo – SCHOCK (!) – politisch NICHT relevant, weil Politik und Gesellschaft mit den KURZZEITEFFEKTEN umgehen müssen.

    Antworten
    • Hansjörg+Pfister
      Hansjörg+Pfister sagte:

      @Herr Tischer:
      “Es wird bei einem Gasembargo ohne HARTE Zuteilungsregeln mit Präferenz für die Privaten Haushalte, Krankenhäuser etc. NICHT gehen. ”
      Sie können für die privaten Haushalte keine Zuteilungsregeln oder dergleichen durchsetzen. Wenn die Privaten kein Gas mehr bekommen, heizen sie eben mit Strom, was dann hier zu Engpässen führt. Den Strom abstellen ist auch keine Lösung, denn das kann man nicht zeitweise machen, weil dann Nachholeffekte eintreten. D.H. sie lassen dann eben Boiler und E-Radiator, Herd usw. volle Pulle laufen, solange Strom da ist.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Pfister

        “Den Strom abstellen ist auch keine Lösung, denn das kann man nicht zeitweise machen, weil dann Nachholeffekte eintreten.”

        Doch, wenn Ihr einziges Ziel die unmittelbare Verbrauchsreduzierung ist, dann schon.

        “Den Strom abstellen ist auch keine Lösung, denn das kann man nicht zeitweise machen, weil dann Nachholeffekte eintreten. D.H. sie lassen dann eben Boiler und E-Radiator, Herd usw. volle Pulle laufen, solange Strom da ist.”

        Diese Nachhol- und Ausweicheffekte führen letztendlich dazu, dass das Stromnetz zusammenbricht, und schon frieren alle tatsächlich für die Freiheit, ob sie wollen oder nicht. Das ist alles ausgerechnet. ;)

        “Wir können auch einmal frieren für die Freiheit, wir können auch einmal ein paar Jahre ertragen, dass wir weniger an Lebensglück und Lebensfreude haben.” -Joachim Gauck
        https://www.youtube.com/watch?v=lisra4udwM4

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Hansjörg+Pfister

        >Wenn die Privaten kein Gas mehr bekommen, heizen sie eben mit Strom, was dann hier zu Engpässen führt.>

        Das sagen Sie so.

        Und was Stromengpässe für die Industrie bedeuten, dass ihnen das erforderliche Gas gesichert wird, reden sie nicht einmal.

        Wenn die gesamte Warmwasserversorgung, was NICHT nur Heizung ist, am Gas hängt, dann kann man nicht einfach auf Strom umstellen.

        Unabhängig davon:

        Der Staat wird eine deutlich spürbare Einschränkung des Gasverbrauchs der Privaten Haushalte NICHT zulassen, weil er bzw. die ihn vertretende Regierung die Gefahr beschwören würde, die LOYALITÄT der Bürger zu verlieren.

        Das wäre ein FUNDAMENTALER Schaden, möglicherweise ein nicht mehr gutzumachender, den keine VERNÜNFTIG handelnde Regierung auch nur ansatzweise in Kauf nehmen wird, SOLANGE sie nicht dazu durch GROSSE Not gezwungen ist, in einem Krieg z. B.

        DESHALB ist die bestehende Regelung so getroffen worden.

      • Hansjörg Pfister
        Hansjörg Pfister sagte:

        “Wenn die gesamte Warmwasserversorgung, was NICHT nur Heizung ist, am Gas hängt, dann kann man nicht einfach auf Strom umstellen.”
        Naja, es kommt darauf an. Ich habe bei mir letzten Samstag einen Putin Abzweig installiert, d.h. ich kann jetzt meinen Gasbrennwertkessel (der einen integrierten Warmwasserboiler hat) umgehen und mein warmes Wasser über einen elektrischen Boiler beziehen, den ich letztes Jahr installiert habe, weil die Heizung kaputt war und der Austausch sehr lange gedauert hat (keine Handwerker). Weniger ambitionierte Heimwerker machen sich das warme Wasser dann via E-Herd (Kochtopf) oder Tauchsieder. Reicht zum Zähneputzen und für eine Katzenwäsche auch. Sagen Sie es bitte nicht weiter, das muss unter uns bleiben: Ich bin Mitglied bei den anonymen Warmduschern.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Hansjörg Pfister

        Ist ja o.k.

        MIETER dürfen dies allerdings nicht.

        Wenn sie es dennoch tun würden, sagen wir aus „NOTWEHR“ bei einer deutlich spürbaren Rationierung von Gas, müssten sie damit rechnen, dass ihnen gekündigt wird.

        Fazit:

        Es geht in Situation wie einem Gasembargo, generell: bei externen SCHOCKS darum, das, was als GRÖSSTMÖGLICHER Schanden ERACHTET wird – es aber nicht sein muss – zu verhindern.

        Das kann nur durch ZUTEILUNGEN erfolgen.

        Was selbstverständlich WIEDERUM Schäden hervorruft.

        Ich ERKLÄRE nur das WARUM – weiter nichts.

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