Deutschland hat keine Teflon-Wirtschaft

Dr. Stelter und Dr. Kooths über die zunehmend dirigistische Wirtschaftspolitik der Bundesregierung

In der 41. Folge von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ kommt einer der renommiertesten Ökonomen der Bundesrepublik zu Wort, Prof. Dr. Stefan Kooths, Leiter des Prognosezentrums im Institut für Weltwirtschaft. Er erklärt, inwiefern der aktuelle Abschwung weniger ein konjunkturelles als ein strukturelles Problem ist und er spricht über die Interventionsspirale der deutschen Wirtschaftspolitik und seine Meinung zur Modern Monetary Theory.
Außerdem analysiert Dr. Daniel Stelter die „Charta für Klimaneutralität und Wirtschaftskraft“ des Bundeswirtschaftsministers und sagt, warum diese 20 Punkte von Peter Altmaier gut gemeint, aber nicht ganz durchdacht sind.

… oder hören Sie diesen Beitrag über Ihre eigene Player-App:

Kommentare (28) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Michael Schultz sagte:

    Wirtschaftspolitischer Unverstand gepaart mit ideologischer Gesinnung führen zu vermehrtem Staatsintervetionismus und zur Gefährdung unseres Wohlstands. Wieder einmal eine brilliante Analyse in Ihrem Podcast. Vielen Dank für Ihre hervorragenden Beiträge.

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    Moritz Bode sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    Ich bin derzeit Student der Volkswirtschaftslehre und höre Ihren Podcast nun schon seit einigen Monaten.
    Ich möchte mich einfach einmal ganz herzlich bei Ihnen für Ihr Engagement, Ihre Arbeit und Ihre klaren Worte bedanken. Der Podcast analysiert realitätsnah und ungefärbt die aktuellen gesellschaftlichen Probleme und präsentiert schlüssige Lösungsansätze auf Grundlage der Gesetzmäßigkeiten der Volkswirtschaftslehre.
    Diesen Blickwinkel betrachte ich persönlich als sehr wertvoll, da ich ihn weder im Schulunterricht, noch in den öffentlichen Medien wiederfinde.
    Die letzte Folge und insbesondere das äußerst interessante Interview mit Prof. Dr. Stefan Kooths hat mir dies einmal mehr vor Augen geführt: Solch eine kritische Untersuchung der derzeitigen Klimapolitik und ihrer Auswirkungen ist meiner Einschätzung nach richtig und fundiert; sie findet jedoch in weiten Teilen der Öffentlichkeit nicht statt.
    In diesem Sinne möchte ich Sie bei Ihrem Einsatz für die Wahrheit und eine verantwortungsbewusste Politik bestärken.
    In Vorfreude auf die nächste Folge,
    Moritz Bode

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    Michael Stöcker sagte:

    Vieles was Kooths hier vorträgt ist durchaus korrekt; was auch nicht weiter verwunderlich ist, da es bei geschätzten 80 % aller Themen eine hohe Übereinstimmung gibt zwischen den ökonomischen Denkschulen.

    Beim Thema Geld fängt aber mal wieder die totale Verwirrung an. Das beginnt schon damit, dass auch Kooths ein archaischer Tauschökonom ist, der von einer modernen Geldwirtschaft keinen blassen Schimmer zu haben scheint (siehe hierzu auch weiter unten die Anmerkungen von Herrn Menéndez). Eine Tauschwirtschaft ist etwas fundamental anderes als eine Geldwirtschaft. Hierzu Peter Spahn:

    „der ökonomische Gehalt des Faktums, daß das Marktsystem realiter als Zahlungswirtschaft fungiert, ist von der Wirtschaftswissenschaft kaum hinreichend gewürdigt worden. Schon die Entscheidungen zugunsten bestimmter Zahlungsmittel prägten große Kapitel der Wirtschaftsgeschichte. Dies verdeutlicht, daß die Anforderungen an ein funktionsfähiges Zahlungsmedium außerordentlich hoch sind und daß seine Bereitstellung mit vielfältigen politisch-ökonomischen Interessen verknüpft ist. Die Organisation der Marktökonomie als Geldwirtschaft impliziert darüber hinaus, daß die Einkommensbildung nicht von der Ressourcenausstattung der Akteure, sondern − nachfrageseitig − von der Bereitschaft zur Geldausgabe abhängt. Dies ist denn auch der eigentliche Grund dafür, warum in der Marktwirtschaft im Prinzip die Güter reichlich, Arbeit als Produktionsfaktor tendenziell überschüssig und das Geld knapp sind, während in der Planwirtschaft die Güter stets Mangelware darstellten − und das Geld kein Geld war.“ https://wipol.uni-hohenheim.de/fileadmin/einrichtungen/wipol/Publikationen_Spahn/geldwirt.pdf

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      Michael Stöcker sagte:

      Und was Kooths an der sogenannten MMT kritisiert, geht voll daneben. Denn anders als Kooths insinuiert, gibt es bei der MMT EXAKT die gleiche REALE Beschränkung, von der Kooths behauptet, dass diese in der MMT nicht existiere und von daher der Staat ohne jede Begrenzung Geld schaffen könnte. Wer auf Basis dieser Falsch-Argumentation die MMT diskreditieren will, macht sich selber unglaubwürdig. Und wer in diesem Kontext auch noch die Schizophrenie bemüht, der weiß es entweder nicht besser oder betreibt bewusste Falschinformation. Mit Wissenschaft hat jedenfalls weder das eine noch das andere etwas zu tun.

      Richtig liegt Kooths hingegen hierbei: MMT ist weder neu noch eine Theorie, sondern vielmehr alter Wein in neuen Schläuchen.

      Und wenn Kooths bemängelt, dass doch gerade die Reichen von der Staatsverschuldung profitieren (was völlig korrekt ist), dann spräche doch gerade diese Kritik für eine Umgehung der Reichen und somit für eine direkte Finanzierung durch die Notenbank.

      Zum Thema „private Währungen“: Geld war, ist und bleibt dualistischer Natur. Das werden weder die Austrians noch die Kommunisten jemals ändern können.

      Und Kryptos sind einfach keine Währungen, SOLANGE ihnen der staatliche Teil fehlt. Von daher werden sich solche Krypto-Token auch nicht beWÄHREN.

      Und den potentiellen Wettbewerb der privaten Währungen gibt es bereits realiter: Es ist der Wettbewerb der Banken. Nur diejenigen Banken überleben, die Kredite auf solider Basis vergeben. Falls nicht, scheiden diese aus dem Wettbewerb aus. Das Giralgeld einer Dresdner Bank war einfach nicht so erfolgreich. Von daher gibt es diese Bank heute nicht mehr. Insofern ist die Forderung von Hayek bereits seit Jahrzehnten Realität, könnte aber durchaus auch noch ein wenig konsequenter umgesetzt werden.

      Und noch etwas: Der Dollar sowie die Fed ist primär PRIVATER Natur. Einfach mal die Eigentümerstruktur studieren, Herr Kooths.

      Wer das Geldsystem verstehen möchte, der sollte weniger bei Hayek und Kooths suchen, sondern vielmehr bei Jeff Snider.

      Jobi hatte hier kürzlich auf ein ganz ausgezeichnetes Interview mit Jeff Snider und Lyn Alden verlinkt, das auch ich allen Foristen hier nur wärmsten empfehlen kann: https://youtu.be/B4xcCO9v-Os

      Ach so: Es wäre natürlich schön, wenn Herr Dr. Stelter nach dem Kooths-Verriss vom Samstag auch noch Ulrike Herrmann zu Wort kommen ließe; denn anders als Kooths hat sie ganz sicherlich das Geldsystem weitestgehend korrekt erfasst und auch beschrieben.

      LG Michael Stöcker

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        „Und noch etwas: Der Dollar sowie die Fed ist primär PRIVATER Natur. Einfach mal die Eigentümerstruktur studieren, Herr Kooths.“

        So ein Unsinn. Die Fed gibt es als Institution in den USA nur deshalb, weil sie vom amerikanischen Parlament durch Verabschiedung des „Federal Reserve Act“ begründet wurde. Wenn das Parlament dieses Gesetz wieder abschaffen würde, dann würde das der Fed die Existenzgrundlage entziehen.

        Pub. L. 63-43
        AN ACT To provide for the establishment of Federal reserve banks, to furnish an elastic currency, to afford means of rediscounting commercial paper, to establish a more effective supervision of banking in the United States, and for other purposes. December 23, 1913
        https://govtrackus.s3.amazonaws.com/legislink/pdf/stat/38/STATUTE-38-Pg251a.pdf

        “ Es wäre natürlich schön, wenn Herr Dr. Stelter nach dem Kooths-Verriss vom Samstag auch noch Ulrike Herrmann zu Wort kommen ließe; denn anders als Kooths hat sie ganz sicherlich das Geldsystem weitestgehend korrekt erfasst und auch beschrieben.“

        Wieso vermuten Sie einfach mal, dass Herrmann richtig liegt? Etwa weil sie linksradikal ist und „die Partei immer recht“ hat? ;)

        Ansonsten finde ich den Vorschlag der Einladung an Frau Herrmann sehr gut, das könnte ausgesprochen unterhaltsam werden.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Richard Ott

        „Wenn das Parlament dieses Gesetz wieder abschaffen würde, dann würde das der Fed die Existenzgrundlage entziehen.“

        Ein ernsthafter Versuch würde in guter alter Tradition mit einem Shooting ausgebremst werden. Der letzte Heroe war Kennedy. Insofern: Theoretische Klimmzüge ohne praktische Relevanz.

        Hier gibt es eine gute Zusammenfassung zum rechtlichen Status des Fed: https://youtu.be/-Y0I-vVLBVQ

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        Michael Stöcker sagte:

        „Wieso vermuten Sie einfach mal, dass Herrmann richtig liegt? Etwa weil sie linksradikal ist und „die Partei immer recht“ hat? ;)“

        Selbst wenn dem so wäre, wie Sie es in Ihrer manischen Fixierung mal wieder zum Besten geben: Ich habe eines ihrer Bücher gelesen (Der Sieg des Kapitals). Im Gegensatz zu Kooths hat sie die zentrale Rolle des Bankensystems für die Entwicklung des Kapitalismus korrekt erfasst. Und: Herrman ist so ganz und gar nicht auf Linie mit den „Linksradikalen“: https://soffisticated.wordpress.com/2012/09/03/das-misverstandnis-von-sahra-w/

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        „Ein ernsthafter Versuch würde in guter alter Tradition mit einem Shooting ausgebremst werden. Der letzte Heroe war Kennedy. Insofern: Theoretische Klimmzüge ohne praktische Relevanz.“

        In der Lage wie wir sie 2020 haben, würde so ein „Shooting“ vermutlich dazu führen, dass ein neuer Bürgerkrieg in den USA ausbricht.

        Davon abgesehen: Die Natur einer Organisation, die ihre rechtmäßige Auflösung durch Attentate verhindern würde, ist weder staatlich noch privat, sondern kriminell. In den USA gibt es dafür den Straftatbestand der „seditious conspiracy“:

        „If two or more persons in any State or Territory, or in any place subject to the jurisdiction of the United States, conspire to overthrow, put down, or to destroy by force the Government of the United States, or to levy war against them, or to oppose by force the authority thereof, or by force to prevent, hinder, or delay the execution of any law of the United States, or by force to seize, take, or possess any property of the United States contrary to the authority thereof, they shall each be fined or imprisoned not more than 20 years, or both.“
        (Title 18 US States Code, § 2384)

        „Und: Herrman ist so ganz und gar nicht auf Linie mit den ‚Linksradikalen'“

        Und das machen Sie ausgerechnet an ihrer Bewertung von Wagenknecht fest? Wagenknecht ist nun wirklich keine typische Vertreterin der Linksradikalen mehr, so wie wir sie im Moment in Deutschland haben. Deshalb wurde sie in der Linkspartei ja auch kaltgestellt. Trotzkisten mögen keine Thälmann-Kommunisten, das ist schon seit fast 100 Jahren so.

        Die Genossin Hermann scheint mir einer dritten Kategorie zuzuneigen, ich würde sie eine „etatistische Finanzmarktsozialistin“ nennen, die gerne die Mittelschicht enteignen möchte (in ihrer Rhetorik sind das natürlich schon „die Reichen“) um damit die Großbanken zu retten und ansonsten einen möglichst großen Staat will, der die Wirtschaft möglichst weitgehend „steuern“ soll:

        „Bei diesem lustvollen Crash-Szenario übersieht Sahra Wagenknecht jedoch, dass man spätestens seit 1929 weiß, dass ökonomisch nichts so gefährlich ist wie eine Massenpleite von Banken. Denn dann wird nicht nur Finanzvermögen vernichtet – sondern es stockt auch die gesamte reale Produktion, weil die Nachfrage zusammenbricht. Wie Erhard glaubt auch Wagenknecht an eine saubere Trennung zwischen Finanz- und Realwirtschaft. Aber genau diese Trennung gibt es nicht.

        Wer die Realwirtschaft nicht gefährden will, muss die Banken retten.

        (…)

        Beiden Traditionen [denen von Wagenknecht und Erhard] gemeinsam ist, dass sie mit dem Keynesianismus nichts anfangen können, der auf eine »makroökonomische Steuerung« setzt. Genau diese Lösung hat sich aber historisch im New Deal bewährt. Es ist daher keine harmlose Pointe, wenn Wagenknecht ständig Erhard zitiert“
        https://www.neues-deutschland.de/artikel/236485.warum-nicht-roosevelt.html

        Ist vermutlich eine Berufskrankheit von Bankkaufleuten, die sich als Parasiten in unserem marktwirtschaftlichen System eingerichtet haben und mittlerweile erwarten, dass die Banken regelmäßig gerettet werden, egal wie schlecht die kaufmännischen Entscheidungen der Bänker waren. Das sind vermutlich diejenigen, die auch darüber erleichtert wären, wenn die Abschaffung einer Zentralbank verhindert werden würde, indem man ein paar Abgeordnete oder Regierungsmitglieder erschießen lässt. Da ist mir als schöpferischer Zerstörer die Sicht von Wagenknecht deutlich sympathischer.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Stöcker

      >Beim Thema Geld fängt aber mal wieder die totale Verwirrung an. Das beginnt schon damit, dass auch Kooths ein archaischer Tauschökonom ist, der von einer modernen Geldwirtschaft keinen blassen Schimmer zu haben scheint.>

      Wie so oft bei Ihnen:

      Nicht hingehört, aber es besser wissend.

      Prof. Kooths (37:00 ff) sagt:

      „Heute gibt es leichtere Möglichkeiten, auf andere Tauschmittel umzusteigen, als es vor 30, 40, 50 Jahren der Fall war.“

      Ob das AUCH heißt, dass es leichter sei, ein ANDERES Tauschmittel als WÄHRUNG zu IMPLEMENTIEREN, ist nicht ersichtlich. Denn er sagt dazu nichts.

      Die Diskussion darüber hat Herr Menéndez angestoßen.

      Ihm geht es um vielmehr um die SOUVERÄNITÄT, ein Tauschmittel bereitzustellen und vom MISSBRAUCH dieses Privilegs, sagt damit aber nicht, dass unserer Wirtschaft NUR eine Tauschwirtschaft sei.

      Weil er NUR vom Tauschmittel redet, ist er kein archaischer Tauschökonom und ob er von einer modernen Geldwirtschaft etwas versteht oder keinen blassen Schimmer davon hat, ist IHRE Spekulation.

      >Und was Kooths an der sogenannten MMT kritisiert, geht voll daneben. Denn anders als Kooths insinuiert, gibt es bei der MMT EXAKT die gleiche REALE Beschränkung, von der Kooths behauptet, dass diese in der MMT nicht existiere und von daher der Staat ohne jede Begrenzung Geld schaffen könnte>.

      Wieder nichts als IHRE Rechthaberei.

      Prof. Kooths sagt NICHT, dass es bei MMT keine REALE Beschränkungen gäbe und DAHER der Staat ohne jede Begrenzung Geld schaffen könne.

      Das ist Ihre verquaste Logik.

      Er sagt vielmehr AUSDRÜCKLICH, dass es reale auch bei MMT reale Beschränkungen gibt, Zitat:

      „Eigentlich sind zwar Güter knapp, aber der Staat kann diese Knappheit in seinem EIGENEN Budget überwinden, das ist natürlich Unfug … damit zu suggerieren, der Staat könne BELIEBIG auf die Ressourcen der Akteure zugreifen.“

      Das heißt:

      Nach MMT gibt es keine BUDGETRESTRIKTION für den Staat, weil er sich mittels seiner Notenbank FINANZIEREN kann und er sich dadurch – FOLGE – als BEFÄHIGT ansehen kann, beliebig auf die nach wie vor BESCHRÄNKTEN Ressourcen zugreifen zu können.

      Funktional unbegrenzte FINANZIERUNG des Staats ist eine Sache.

      Die damit suggerierte MÖGLICHKEIT, beliebig auf die – UNABHÄNGIG davon – BEGRENZTEN Ressourcen zugreifen zu können, eine andere.

      Prof. Kooths hält das auseinander und diskreditiert nicht mit einer Falsch-Argumentation die MMT.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Weil er NUR vom Tauschmittel redet, ist er kein archaischer Tauschökonom und ob er von einer modernen Geldwirtschaft etwas versteht oder keinen blassen Schimmer davon hat, ist IHRE Spekulation.“

        Nein, das ist keine Spekulation. Einfach mal das Parkhausbeispiel von Kooths durchdenken: https://youtu.be/B_p0OliT0OE

        Wer den Unterschied zwischen einem Leihvertrag und einem Kreditvertrag nicht kennt, der sollte sich besser nicht zu einem Kreditgeldsystem äußern: zumal es bei Kooths nicht um eine Leihe ging – denn ein Leihvertrag ist unentgeltlich – , sondern um einen Mietvertrag. Aber darüber müssen sich Tauschökonomen ja keine Gedanken machen.

        „Prof. Kooths sagt NICHT, dass es bei MMT keine REALE Beschränkungen gäbe und DAHER der Staat ohne jede Begrenzung Geld schaffen könne.“

        Natürlich gibt es auch bei Anwendung der MMT reale Beschränkungen. Kooths unterstellt den MMTlern aber, dass diese davon ausgingen, dass es KEINE Begrenzung gäbe. Und genau das behauptet die MMT NICHT. Auch bei den ernstzunehmenden MMTlern gibt es REALE Beschränkungen; und somit selbstverständlich auch MONETÄRE. Allerdings können sie diese Grenze nicht genau bestimmen, da sie letztlich auch unbestimmbar ist (complex adaptive system).

        Der große Unterschied: Kooths glaubt nicht an erfolgreiche antizyklische Konjunkturpolitik, wohingegen die meisten Ökonomen genau daran glauben. Ganz oben auf der Liste stehen in der Tat die MMTler.

        „Prof. Kooths hält das auseinander und diskreditiert nicht mit einer Falsch-Argumentation die MMT.“

        Nein, das hält er in Bezug auf MMT gerade nicht auseinander; und zwar genau mit dem Ziel, die MMT der Lächerlichkeit auszuliefern. Das ist ebenso unredlich wie die vorherigen Verrisse von Summers & Co: „Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich…“

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Habe mir ein Stück weit angehört, was Prof. Kooths im von Ihnen verlinkten Vortrag sagt.

        Anfangs das:

        „Entwicklung des Geldsystems mit Disruption.

        Weiterentwicklungen möglich.

        Geld ist URSPRÜNGLICH ein PRODUKT des Marktes, kann also wiederum ein Produkt des Marktes werden.

        Wenn es also WAHR wäre, dass Geld NUR durch einen staatlichen Setzungsakt in die Welt kommen kann, dann wären die denkbaren Alternativen viel spekulativer als wenn wir davon ausgehen können, dass Geld ursprünglich ist durch private Übereinkunft der Markakteure entstanden.

        Das gibt uns ein anderes Sichtfeld, auf das, was dann in Zukunft auch möglich sein KANN.“

        Diese Gedanken sind nicht zu kritisieren, wenngleich man sagen muss, dass das Geldsystem und das jeweilige gesetzliche Tauschmittel heutzutage AUCH oder VORRANGIG sogar ein staatlicher Setzungsakt sind und damit JEGLICHES diesbezügliche Marktgeschehen zumindest unter VORBEHALT steht.

        Danach bringt er sein Parkhausbeispiel:

        Das Parkhausbeispiel von Prof. Kooths zur FRAGILITÄT unseres Geldsystems ist UNSINN.

        Die Fragilität des Geldsystems besteht NICHT darin, dass die Geschäftsbanken das Geld auf den Bankkonten VERLEIHEN, SO wie er es mit dem verliehenen Autos der Parkhausgesellschaft suggeriert.

        Sie verleihen es nicht, die Analogie ist voll daneben.

        Das ist eine erstaunlich SCHWACHE Leistung für einen Prof. der Volkwirtschaftslehre.

        Und ja: Das DISQUALIFIZIERT ihn in Sachen Geldsystem, nicht jedoch bezüglich seiner Kritik an MMT, soweit sie den Podcast betrifft.

        Anhand der von Ihnen verlinkten Ausführungen STIMME ich Ihrer Beurteilung von Prof. Koothe bezüglich seines Verständnisses des Geldsystems ZU.

        Kannte diesen Vortrag nicht, hatte mich bei meiner Kritik Ihnen gegenüber lediglich auf das bezogen, was er im Podcast sagte.

        Dort war vom GELDYSTEM und seiner Krisenanfälligkeit nicht die Rede.

  4. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Prof. Kooths:

    >Wir machen uns immer weniger Gedanken darüber, was eigentlich die Grundlage unseres Wohlstands ausmacht.>

    Warum ist das so?

    Offensichtlich glauben die Menschen in großer Zahl und vielleicht sogar mehrheitlich, dass die SCHAFFUNG von Wohlstand als etwas grundsätzlich GEGEBENES anzusehen ist und man sich daher um WICHTIGER Erscheinendes Gedanken mache müsse, insbesondere um den KLIMAWANDEL und die VERTEILUNG des Wohlstands.

    Das ist nachvollziehbar aufgrund der Lebensweise der allermeisten Menschen in unserem Land:

    Man hätte zwar gern mehr, aber ein MANGEL, der am besten durch die Märkte mit Schaffung von mehr GESAMTWOHLSTAND behoben werden MÜSSTE, ist nicht die Erfahrung der allermeisten Menschen.

    Vielmehr:

    Die Märkte werden oftmals als BEDROHUNG des erreichten Wohlstands angesehen.

    Ob diese Einschätzung richtig oder falsch ist, soll hier dahingestellt bleiben. Wie immer wieder betont, bin ich NICHT der Meinung, dass die Deformierung und Ausschaltung der Märkte durch den Staat die einzige Ursache für die Bedrohungswahrnehmung sind. Sie ist m. A. n. AUCH den Bedingungen der durch die erfolgreiche spätkapitalistischer Wohlstandsentwicklung geschuldet (globalisierte Märkte SIND Märkte).

    Wie auch immer:

    Die BEGRENZUNG des Klimawandels, eine als gerecht angesehene VERTEILUNG des Wohlstands oder GENERATIONENGERECHTIGKEIT – so Altmaier: „Zur Erreichung von GENERATIONSGERECHTIGKEIT schlage ich vor …“ sind ZIELE, die Märkte NICHT setzen, weil Märkte grundsätzlich KEINE Ziele setzen können.

    Wenn Ökonomen als ÖKONOMEN derartige Ziele PRÄFERIEREN und das auch noch in öffentlichen Diskussionen, agieren Sie nicht als Ökonomen, sondern als Mitglieder der Gesellschaft, die ihre Reputation MISSBRAUCHEN.

    Die genannten Ziele sind nicht diktatorisch bestimmte Ziele, sondern sie haben sich aus der Gesellschaft heraus entwickelt.

    Wenn mit demokratischem Verfahren politische Mehrheiten gebildet werden, die diese Ziele verfolgen, besteht die VERPFLICHTUNG, dass Maßnahmen zur Zielerreichung ergriffen werden.

    Die Volkswirtschaftslehre hat dazu im Wesentlichen als Beitrag zu leisten:

    Identifizierung, Darlegung und Bewertung der möglichen Maßnahmen nach Vor- und Nachteilen; Abgabe begründeter Empfehlungen, welche Maßnahmen zu präferieren sind.

    Die Ablehnung von Maßnahmen, WEIL sie ORDOLIBERALEN Prinzipien NICHT genügen, ist nicht gerechtfertigt.

    Lehnen Vertreter der Volkswirtschaftslehre aus DIESEM Grund derartige Maßnahmen ab, DISQUALIFIZIEREN sie sich und sind UNBEACHTLICH.

    Sie sie ÜBERLÜSSIG?

    Sie sind es nicht, wenn sie die Politik und die Gesellschaft darauf hinweisen (können), dass die verfolgte ZIELERREICHUNG die PRÄMISSE ihrer ZIELSETZUNG entwertet:

    Verfolgung der Ziele BERAUBT die Gesellschaft der Ressourcen, ihre Ziele zu erreichen, weil gesellschaftlicher WOHLSTAND nicht in erforderlichem Maß erhalten und geschaffen wird – durch NEGIERUNG von und VERZICHT auf marktwirtschaftliche Wirkmechanismen.

    Solange das nicht auf der Tagesordnung öffentlicher Kommunikation steht, bleibt es dabei:

    Wir sind eine von Gesinnungsethik getriebene statt von Verantwortungsethik geleitete Gesellschaft.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Offensichtlich glauben die Menschen in großer Zahl und vielleicht sogar mehrheitlich, dass die SCHAFFUNG von Wohlstand als etwas grundsätzlich GEGEBENES anzusehen ist und man sich daher um WICHTIGER Erscheinendes Gedanken mache müsse, insbesondere um den KLIMAWANDEL und die VERTEILUNG des Wohlstands.“

      Ich glaube es geht noch viel weiter: Schaffung von Wohlstand sehen staatliche Transferleistungsempfänger vom Hartzer bis zum Staatssekretär gar nicht mehr für nötig an, solange man die verbliebene Substanz noch nicht aufgefressen hat.

      Beim Trendthema „Digitalisierung“, von dem auch der Mainstream glaubt, dass es für die zukünftige Schaffung von Wohlstand sehr wichtig wäre, leisten wir uns eine „Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung“ im Rang einer Staatsministerin, Dorothee Bär, die solchen Blödsinn vorschlägt:

      „Fake News sind inzwischen zu einer massiven Bedrohung unserer Demokratie geworden. Darauf war und ist der demokratische Diskurs nur ungenügend vorbereitet. Was wir deshalb brauchen, ist eine Bundeszentrale für digitale Aufklärung. Sie kann helfen, eine gemeinsame Tatsachenbasis zu schaffen – so unterschiedlich die Ansichten und Interpretationen der Fakten dann auch sein mögen.

      Was ist WLAN? Wie erkenne ich Fake News? Was ist ein Algorithmus? Überträgt 5G das Coronavirus? Der Teenager wie die Seniorin müssen auf einer solchen Plattform gleichermaßen fündig werden. Denn gerade in einer Zeit der großen digitalen Umbrüche ist es wichtiger denn je, dass Menschen gut informiert sind.“

      https://www.wiwo.de/politik/deutschland/digitale-aufklaerung-ein-mausklick-fuer-mehr-muendigkeit/26193786.html

      Bär will eine neue staatliche Behörde, die im Internet für alle nur vorstellbaren Zielgruppen erklärt, was WLAN ist. (Und natürlich die Deutungshoheit darüber gewinnen, was „Fake News“ sind und was nicht – das ist die eigentliche Zielrichtung, das hat aber mit Digitalisierung überhaupt nichts zu tun und dafür brachen wir auch keine neue Behörde, ein Presseamt zur Darstellung ihrer eigenen Position hat die Regierung schon längst, und dazu kommt noch der zwangsbeitragsfinanzierte Staatsfunk.)

      Wenn die Mehrheit glauben würde, dass Digitalisierung wirklich wichtig wäre, dann müsste Dorothee Bär wegen offensichtlicher Inkompetenz in hohem Bogen aus der Regierung herausgeworfen werden. Das passiert aber nicht. Dafür geht es uns immer noch zu gut.

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      Alexander sagte:

      @ Dietmar Tischer

      „Die genannten Ziele sind nicht diktatorisch bestimmte Ziele, sondern sie haben sich aus der Gesellschaft heraus entwickelt. “

      Ist das Trollerei oder nur Realitätsverlust? Genau so verhielt es sich mit der Zustimmung der Deutschen zum ersten Weltkrieg und wenig darauf schoß man guten Gewissens zu Beginn des zweiten zurück. Kein Regime verzichtet auf die Zustimmung seiner Bürger, was es so wichtig macht einen jeden vom gemeinnützigen wirken der Ziele zu überzeugen.

      Jedes mal bilden Kinder die Speerspitze der Entwicklung, weil man leere Hefte normalerweise in der Schule beschreibt. Mit dem Schulzwang setzte deshalb auch die Diskussion ein, was man lehren müsse und Wilhelm von Humboldt stellte zurecht die Frage nach den Grenzen der Wirksamkeit des Staates: https://www.mises.de/public_home/topic/18 ..was ihm die Zensur seiner Überlegungen einbrachte.

      Zum Wilhelminismus musste man erziehen, wie die Ganztagsbetreuung nicht nur in der DDR flächendeckend Zustimmung schuf – sondern heute sogar in Bayern. Die FFFkids verstehen noch gar keine Zusammenhänge beschämen aber ihre Familien und geben die Bilder im öffentlich rechtlichen ab, die das Regime sehen will. Deshalb verbeugt sind unsere liebe Kanzlerin auch so gerne vor Greta…inmitten der 2.ten Pandemiewelle.

      @Renée Menéndez
      Erich Maria Remarque – „der schwarze Obelisk“…spielt im Jahre 1923 zur Zeit der Inflation in Deutschland in der Stadt Werdenbrück. Der schwarze Obelisk reflektiert auch die Tricks, mit denen sich die Menschen ein Überleben sichern. Der Autor war Zeitzeuge. https://de.wikipedia.org/wiki/Der_schwarze_Obelisk

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        >„Die genannten Ziele sind nicht diktatorisch bestimmte Ziele, sondern sie haben sich aus der Gesellschaft heraus entwickelt. “

        Ist das Trollerei oder nur Realitätsverlust?>

        Weder noch.

        Es ist die FESTSTELLUNG eines realen Sachverhalts.

        >Kein Regime verzichtet auf die Zustimmung seiner Bürger>

        Demokratische jedenfalls nicht – sie können es auch gar nicht.

        >… was es so wichtig macht einen jeden vom gemeinnützigen wirken der Ziele zu überzeugen.>

        Die Ziele wirken NICHT immer gemeinnützig.

        Sie wirken auf ALLE – das ist ein Unterschied.

        Deshalb ist allen aufzuzeigen, INWIEWEIT die Ziele NÜTZEN oder SCHADEN.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @Dietmar Tischer

        Die Gemeinnützigkeit von Klimaschutzzielen ist politischer Konsens (vgl. Altmeier), nachdem sämtliche Institutionen weltweit von keinem größerem Problem berichten. Individuelle Rechte (Egoismen) können per Definition gar keine Rolle spielen, wenn es um das Schicksal unseres Planeten geht.

        Auf geringerer Betrachtungsebene haben Sie selbst mir zur Grenzöffnung erläutert, dass die Kanzlerin ihrem Amtseid nachkommt, wenn sie im Alleingang die Verhältnisse in Afrika zu verbessern sucht.

        Der Entgrenzung nach innen, durch Aufgabe von Grenzkontrollen für Zuwanderer – folgt die Entgrenzung nach außen – wenn die BRD am Hindukusch verteidigt wird oder das Weltklima von Berlin aus konserviert wirt.

        Hier wurden Mechanismen geschaffen, die es erlauben gegen die Interessen der finanzierenden Bürger zu regieren. Der lockdown durch die covid-19 Pandemie entwickelt sich zum Finale unseres kapitalistischen Systemes, weil man die Durchblutung des ökonomischen Kreislaufes unterbrach – ohne seine Finanzierung zu ändern.

        Kritik über diese Großereignisse wird als unmenschlich beschämt, was allgemein verständlicher ist als wissenschaftliche Studien. Die Angst vor dieser Ausgrenzung bringt jene Zustimmung, die persönliche/individuelle Folgekrisen billigend in Kauf nimmt.

        Unfreie Zustimmung ist wie ein erpresstes Geständnis = wertlos & ein Kennzeichen von Regimen, die früher einmal demokratisch/monarchisch/theologisch/ideologisch legitimiert waren.

        Es gibt keinen Weg zurück, denn die Angst vor persönlichen Konsequenzen hat die einzelnen Staatsgewalten längst durchsetzt.

        „Der Wähler steht vor der Klemme, daß er zur freien Entscheidung eingeladen wird durch eine Macht, die sich ihrerseits nicht an die Spielregeln zu halten gedenkt. Es ist die gleiche Macht, die ihm Eide abfordert, während sie selbst
        von Eidbrüchen lebt.“ (Ernst Jünger, der Waldgang)

        Selbstverständlich divergieren wir beide, Herr Tischer, immer über die Bewertung von Realität.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        >Selbstverständlich divergieren wir beide, Herr Tischer, immer über die Bewertung von Realität.>

        Das mag sein.

        Was aber der Fall ist:

        Sie oder im vorliegenden Fall Ernst Jünger nehmen die Realität NICHT hinreichend wahr.

        Beleg dafür:

        >… eine Macht, die sich ihrerseits nicht an die Spielregeln zu halten gedenkt.>

        Das ist gerade einmal die halbe Wahrheit, ihre andere Hälfte lautet:

        Sie ÜBERLEBT in aller Regel NICHT, wenn sie fortwährend die Spielregeln MISSACHTET.

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        Alexander sagte:

        @Dietmar Tischer

        „Sie ÜBERLEBT in aller Regel NICHT, wenn sie fortwährend die Spielregeln MISSACHTET.“

        …..ist eine Binsenweisheit, weil es nicht um die Endlichkeit politischer Systeme geht, sondern den aktuell Lebenden um bereits erlittene und noch verursachte SCHÄDEN.

        Bis zum Juliattentat 1944 auf Hitler sollten erst 50% der Gefallenen zu beklagen sein, die andere Hälfte innerhalb der wenigen Monate bis zum 08.05.1945….

        Noch schlimmer als die Vermögensvernichtung während der Regierungszeit seit dem heißen Ausbruch der Finanzkrise ist die Verschwendung von Lebenszeit in einer demographisch auslaufenden Leistungsgesellschaft.

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    Renée Menéndez sagte:

    Die Fähigkeit „der Menschen sich ein neues Tauschmittel zu suchen“ ist dann doch wesentlich eingeschränkter, als in der Vorstellung von Herrn Koohts. Ein interessantes Beispiel ist die sog. „Zigarettenwährung“, bei der normalerweise suggeriert wird, daß für die Abwicklung von Transaktionen Zigaretten die Hände gewechselt hätten. Dies mag gelegentlich auch der Fall gewesen sein, aber nach meinem Kenntnisstand waren die Zigaretten eine Art Referenzobjekt, worin der Preis ausgedrückt wurde, wobei dann nach Maßgabe des aktuellen Wechselkurses von Zigarette zu Hauptwährung der Kaufpreis dann doch in „normalen“ Geldeinheiten gezahlt wurde. Die Zigarette hatte quasi den Status des sog. „numeráire“, d.h. das einzige, was man auf dem Gang zum Schwarzmarkt in Erfahrung bringen mußte, ist, wie hoch der aktuelle Kurs der Zigarette ist.

    Der anschaulichste Beleg dafür ist das bekannte Bild eines Käufers, der 1923 den Kaufpreis mit einer Schubkarre zum Händler fährt. D.h. selbst in Hyperinflationszeiten kommt es nicht zu der insinuierten Suche nach einem „neuen Tauschmittel“, sondern es wird nach wie vor mit der angestammten Währung gezahlt. Die Rolle der „Zigarette“ im Nachkriegsdeutschland spielte seinerzeit der Wechselkurs zum Pfund oder Dollar, ohne daß man angefangen hätte von einer „Dollarwährung“ zu fabulieren – auch wenn das wie gesagt durchaus gelegentlich der Fall gewesen sein mag.

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      Richard Ott sagte:

      @Renee Menendez

      „Der anschaulichste Beleg dafür ist das bekannte Bild eines Käufers, der 1923 den Kaufpreis mit einer Schubkarre zum Händler fährt. D.h. selbst in Hyperinflationszeiten kommt es nicht zu der insinuierten Suche nach einem „neuen Tauschmittel“, sondern es wird nach wie vor mit der angestammten Währung gezahlt.“

      Wenn ich als Käufer im Oktober 1923 noch einen Händler gefunden hätte, der so doof war mir seine Waren gegen Papiermark zu überlassen, dann wäre ich auch mit einer Schubkarre voll Geldscheinen zu ihm gefahren…

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        Renée Menéndez sagte:

        Bei dem biblischen Alter, welches bei einem angenommenen Alter von 7 Jahren in 1923 sich auf inzwischen 107 Jahre aufsummiert, werde ich natürlich niiiieeeemals widersprechen… :-)))

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        Richard Ott sagte:

        @Renee Menendez

        Versuchen Sie mal, das Argument zu verstehen anstatt zu mutmaßen, wie alt ich gewesen sein könnte, wenn ich 1923 tatsächlich schon gelebt hätte…

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Renée Menéndez

      >Die Fähigkeit „der Menschen sich ein neues Tauschmittel zu suchen“ ist dann doch wesent-lich eingeschränkter, als in der Vorstellung von Herrn Koohts.>

      Sind Sie sicher, dass es an der mangelnden FÄHIGKEIT der Menschen hängt, ein neues Tauschmittel zu finden, wenn es die TECHNOLOGIE gibt (Kryptowährungen), sich relativ problemlos eine Währung zu „verschaffen“.

      Bezogen auf Ihr Beispiel:

      JEDER kommt an Zigaretten und kann damit tauschen.

      Ist es nicht vielmehr die REGULIERUNG, die das neue Tauschmittel VERHINDERT?

      Scheint mir nicht sonderlich schwierig zu sein, da man gezielt in den Web-Verkehr eingreifen kann.

      Vermutlich müssen dann ein paar Kollateralschäden in Kauf genommen werden, aber mein Gott, es wäre nicht das erste Mal, wenn der Staat durchgreift.

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        Renée Menéndez sagte:

        @Dietmar Tischer

        Wenn Austrians über „alternative Tauschmittel“ reden meinen sie eine Alternative zu dem verhaßten FIAT-Geld. Nun ist aber letzteres nicht nur (gesetzliches) Zahlungsmittel auf den Märkten (die im wesentlichen eine institutionalisierte Form der Rationierung darstellen), sondern es ist auch Lohnzahlungsmittel, Steuerzahlungsmittel und Objekt von Schuldverhältnissen (Banken) uvm. . Dieses durch viele Funktionalitäten entstehende soziale Geflecht ist nicht durch eine „Suche nach einem Tauschmittel“ substituierbar, mal abgesehen davon, daß in Hyperinflationszeiten auch die Tauschwerte der üblichen Wertgegenstände alles andere als stabil sind.

        In solchen Zeiten sind Märkte ja gerade das Rationierungsschema, welche die monetäre Nachfrage an das vorhandene Angebot anpassen (Verkäufermärkte). Das dadurch entstehende Problem ist, daß die sich dort einstellenden Preise i.d.R. mit den (aus sozialen Gründen) administrierten Preisen nicht übereinstimmen und als Folge die Schwarzmärkte entstehen, wo die Preisregulierungen komplett unterlaufen werden und sich die Knappheitspreise herausbilden. Das gefällt den Preisregulierern nicht und daraufhin wird die Polizei mit der unlösbaren Aufgabe betraut, den Schwarzmarkt zu bekämpfen. Bekämpft wird aber nicht das Tausch-/Zahlungsmittel sondern die genuine Funktion von (Verkäufer-)Märkten.

        Bei den Kryptos gibt es quasi dieselben Formen wie bei Währungen: man kann floaten (Bitcoin), hart peggen (Stablecoin) oder versuchen ein currency board regime mit einem Währungskorb (Libra 1) durchzuhalten. Variante 2 und 3 sind die Optionen für währungspolitisch abhängige Länder (xyz-Coins), die stets von der Dollarisierung (coin-run) bedroht sind – da kann man auch gleich bei dem FIAT-underlying bleiben (vgl. deadcoins.com ). Bei den floatenden coins gibt es das häßliche Problem, daß je nach Kursentwicklung entweder der Käufer oder der Verkäufer als Trottel aus dem Geschäft geht – keine gute Voraussetzung für ein „Tauschmittel“. Ein derartiges „Tauschmittel“ zum Objekt von Schuldverhältnissen zu machen ist dann auch selbst bei moderaten Laufzeiten ein Himmelfahrtskommando – von Dauerschuldverhältnissen wie Girokonten ganz zu schweigen.

        Fazit: Kryptos sind im wesentlichen technisch aufgehübschte Regional- oder Komplementär“tauschmittel“, die dem Bargeld der Zentralbanken bei weitem nicht das Wasser reichen können (zumal Bargeld ja tatsächlich existiert). Insofern ist es auch völlig sinnlos etwas zu verbieten, was keine Alternative darstellen kann. Warum die Zentralbanken begonnen haben daran mitarbeiten ihr Alleinstellungsmerkmal abzuschaffen, kann ich auch nicht erklären…

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        Richard Ott sagte:

        @Renee Menendez

        „auf den Märkten (die im wesentlichen eine institutionalisierte Form der Rationierung darstellen)“

        Sie halten Märkte für eine „institutionalisierte Form von Rationierung“? Meinen Sie das ernst?

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Renée Menéndez

        Was Sie sagen, ist nachvollziehbar und einsichtig.

        Vielleicht sind wir uns mit dieser Auffassung einig:

        Die Menschen sind durchaus fähig, ein neues Tauschmittel zu SUCHEN und – Stand der Technik –können die Menschen es auch relativ problemlos FINDEN, aber:

        Es wird NIE das sein, was ein GESETZLICHES Zahlungsmittel ausmacht und kann daher dieses nicht ersetzen.

        Entscheidend ist das, was Sie als SOZIALES GEFLECHT, das durch die FUNKTIONALITÄT des gesetzlichen Zahlungsmittels hergestellt wird, bezeichnen.

        Die Arbeitsteilung in dieser Welt erfordert ein offenes System des Zahlungsverkehrs, das vielfältige Interaktionen mit effizienten, stabilen, reproduzierbaren und skalierbaren Verhaltensweisen, Verfahrensroutinen, Vertrauenspositionen etc. ermöglichen muss.

        Ein anderes Zahlungsmittel müsste das bestehende ablösen und es quasi FRIKTIONSLOS gleichwertig ersetzen.

        Ich sehe zwar, dass sich gewisse Modalitäten bei einem existierenden Zahlungsmittel ändern können, etwa die Barzahlung gegenüber digitalen Bezahlens an Bedeutung verliert.

        Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die SUMME aller Funktionalitäten durch ein Nach- und Nach-Adaptionsverfahren von einem anderen Zahlungsmittel quasi FRIKTIONSLOS übernommen werden kann.

        Damit bestätigt sich auch meine Auffassung:

        Vor allem die Staatsgewalt würde aufgrund ihrer Eigeninteressen in einen solchen Prozess eingreifen.

        Sie bestünden darin, dass sie mögliche Unsicherheiten des Übergangs nicht dulden kann, weil diese das Gesamtsystem destabilisieren könnten und weil sie die Gestaltungshoheit nicht aus der Hand wird geben wollen.

  6. Avatar
    Alexander sagte:

    Danke für die Arbeit + Mühe + Zeit sich nicht davon abbringen zu lassen, freiheitliche Positionen zu besetzen. Gewisse Schwächen sind ehrlichen Libertären immer klar, der mainstream erzwingt allerdings immer kompromisslosere Positionen, weil es zwischen persönlicher Verantwortung=Freiheit und kollektiver Haftung eben keinen Kompromiss geben kann.

    Wer glaubt Gewinne kollektivieren/hochversteuern zu dürfen um die Verluste zu privatisieren lebt auf der Scheibenwelt… nach den geldpolitisch induzierten Konjunkturen + Neuverschuldungsrunden versucht die aktuelle Bundespolitik genau das in der Folge der Pandemie.

    Lassen Sie sich, Herr Stelter, nicht von immer wieder kehrenden Trollereien entmutigen!

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