Der konsequent falsche Weg der EZB

Prof. Richard Werners kritische Sicht auf Governance und Politik der Europäischen Zentralbank

Ein tiefgehender Dialog über Politik und Geschichte der Notenbanken steht im Zentrum der inzwischen 50. Ausgabe von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“.
Gesprächspartner ist der weltweit renommierte Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Richard Werner. Er war von 2011 bis 2019 Mitglied des EZB-Schattenrats, lehrt als Professor für Banking und Finance an der De Montfort University in England und inzwischen auch an der Fudan-Universität in Shanghai. Er prägte den Begriff des „Quantitative Easing“, der quantitativen Lockerung.
Mit ihm spricht Daniel Stelter über diese Form der expansiven Geldpolitik, insbesondere in Bezug auf die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Rezession und die weltweite Verschuldung sowie über die Folgen der EZB-Politik.

… oder hören Sie diesen Beitrag über Ihre eigene Player-App:

Kommentare (83) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Dietmar Tischer sagte:

    @ Dr. Gero von Grawert

    Ich gehe auf die Punkte ein, zu denen ich eine deutlich ANDERE Meinung habe:

    >Die beste Strukturpolitik ist Wettbewerbspolitik, das Zulassen schöpferischer Zerstörung, Föderng des Unternehmertums, Bessere Rahmenbedingungen für Risikokapital, gute Bildung, Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge in den Schulen, Wissenschaft und Infrastruktur, technischer Fortschritt… >

    Das stimmt NICHT für UNSERE Gesellschaft, genauer: deren SELBSTVERSTÄNDNIS:

    Zerstörung, auch schöpferische wird NICHT akzeptiert, wenn damit zu hohe Arbeitslosigkeit verbunden ist. Automobilität mit Verbrennungsmotoren hat viele Arbeitsplätze geschaffen. Würden wir keine E-Mobilität wollen, müssten bei der hohen Produktivität der Automobilproduktion und Überkapazitäten – aufgrund von fallenden Margen durch kostensenkende Skalierung aufgebaut – bei uns Arbeitsplätze abgebaute werden.

    Das ist kein Plädoyer für E-Mobilität. Denn E-Mobilität vernichtet viele Arbeitsplätze – der Ist-Zustand ist entscheidend – und verlangt KONTINUIERLICH hohe Subventionen (Fahrzeuge, Batterieforschung, Ladesäulen etc.), OHNE eine dem Aufbau konventioneller Automobilindustrie auch nur vergleichbare Anzahl von Arbeitsplätzen zu schaffen (von der technologischen Machbarkeit reden wir mal nicht).

    Fazit:

    Wettbewerbspolitik ist NUR dann die beste Strukturpolitik, wenn sie die Summe gut bezahlter Arbeitsplätze erhält bzw. für mehr derartiger Arbeitsplätze sorgt. Wen nicht, ist sie „schädlich“, genauso wie die damit verbundenen Innovationen – nach UNSEREM Verständnis, dass die Wirtschaft GESELLSCHAFTLICHE und nicht nur INDIVIDUELLE Ansprüche zu erfüllen habe, DANN jedenfalls, wenn die individuellen NICHT mehr hinreichend bedient werden.

    Dieses gesellschaftliche Verständnis ist m. A. n. nicht eine Marotte von Irregeleiteten, sondern durch das System des Kapitalismus generiert und als ANSPRUCHSHALTUNG gefestigt worden.

    Daher ist die hier am Blog ausführlich besprochene These von Milton Friedmann (NYT, 1970) NICHT mehr ZEITGEMÄSS.

    Hier die Links, da Ihnen als Newcomer am Blog – aus meiner Sicht sehr willkommen – die Diskussion vielleicht entgangen ist:

    https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/milton-friedman-zum-zweck-von-unternehmen/ – comments

    und weiterführend hier:

    https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/john-authers-erklaert-warum-milton-friedman-verloren-hat/

    > Kapitalistisches System zu produktiv für Vollbeschäftigung im produzierenden Gewerbe Diese Ängste sind älter als Gerhard Hauptmanns „Die Weber“ und meines Erachtens falsch:>

    Diese Ängste sind REAL.

    Schauen Sie sich an, wie viele gut bezahlte Jobs im verarbeitenden Gewerbe der USA seit 1990 verloren gegangen sind und wo in USA neue entstanden sind. In den Servicebranchen, die weit weniger zahlen (Segmente der Finanzbranche natürlich ausgenommen).

    Verluste im zweistelligen Bereich auch in Frankreich und Italien.

    Bei uns mittlerweile VERSTÄRKT einsetzend.

    >M.E. schaffen wir das Kunststück, enorm viel Geld auszugeben ohne dem Klima zu helfen.>

    Sehe ich genauso.

    Und nicht nur das:

    Wir werden mit diesem Kunststück nationale und internationale KONFLIKTE schaffen, von denen wir nicht die geringste Ahnung haben, ob sie überhaupt beherrschbar sein werden.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Würden wir keine E-Mobilität wollen, müssten bei der hohen Produktivität der Automobilproduktion und Überkapazitäten – aufgrund von fallenden Margen durch kostensenkende Skalierung aufgebaut – bei uns Arbeitsplätze abgebaute werden.“

      Nein. Nachfrage für Autos gäbe es auf der Welt noch reichlich. Schauen Sie sich Afrika an. Alleine Nigeria zum Beispiel hat schon über 200 Millionen Einwohner und angeblich (da traue ich den Schätz-Statistiken nicht) nur lächerliche 3 Millionen PKW, das ist ein Vierzigstel der PKW-Dichte von Deutschland: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/415061/umfrage/pkw-bestand-in-weltweiten-laendern/

      Da hätten sicher viele Leute gerne ein Auto von einem deutschen Premiumhersteller. Die meisten können nur im Tausch keinen Mehrwert auf dem globalen Markt bieten, aber das ist ein Problem, das die Nigerianer selber lösen müssen. Ist natürlich schwieriger als nach Deutschland zu „flüchten“ und hier Sozialleistungen geschenkt zu bekommen, aber langfristig spricht es für die Tatkraft der Nigerianer, dass anteilig nur so wenige von ihnen den Dünnbrettbohrer-Weg über den Missbrauch unseres Asylsystems gehen.

      Zum Glück werden in Nigeria bald viele Gebrauchtwagen aus Europa auf dem Markt kommen – allerdings nur solche mit einem ganz schlimm klimaschädlichen Verbrennungsmotor. ;)

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Sie verwechseln Nachfrage mit Produktion.

        Die Nachfrage nach Automobilen ist da und, keine Frage, sie ist viel größer als die Menge, die in Deutschland hergestellt werden kann.

        Auch Nachfrage nach gebrauchten in Deutschland gefertigten Automobilen gibt es.

        Aber die Produktion migriert in die Länder, die am billigsten produzieren, OHNE dass dabei gravierende Qualitätseinbußen in Kauf zu nehmen wären.

        Deutschland gehört nicht dazu.

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    Michael Mohnburg sagte:

    Gratulation zur Jubiläumsausgabe! Ihr Podcast ist eine informative Bereicherung! Machen Sie weiter so!
    Das Thema Geldentwertung wird uns für die nächsten Jahre wohl erhalten bleiben und dramatische, von den meisten als überraschend empfundene, Auswirkungen auf breite Teile der Gesellschaft entfalten. Wie immer ist die Inflation keine Naturkatastrophe, sondern von den Zentralbank-Bürokraten herbeigeführt. Deren Propagandamaschine läuft auf Hochtouren und es ist mittlerweile unerträglich, wie die Brandstifter nach der Feuerwehr rufen.
    Vor diesem Hintergrund war auch ihr Interviewpartner in der aktuellen Ausgabe ein interessanter Gast. Da ich Professor Werner bislang noch nicht auf dem Schirm hatte, obwohl ich mich seit vielen Jahren mit Geldtheorie und Finanzmarktgeschichte beschäftige, habe ich die Gelegenheit zur Recherche genutzt und war etwas verwundert, dass so gut wie keine aktuellen Beiträge von Prof. Werner in der Fachpresse zu finden waren, auch nicht über seine eigene Homepage. Vielleicht habe ich aber auch nicht ordentlich gesucht.
    Zum Stichwort Reichsbank möchte ich noch auf den aktuellen Vortrag „Die EZB auf den Spuren der Reichsbank“ von Professor Thorsten Polleit hinweisen. Das wäre sicher auch ein spannender Gesprächspartner.
    Im Jahr 1873 hatte der britische Ökonom Walter Bagehot den Zentralbanken einige kluge geldpolitische Regeln formuliert, die verantwortungsvollen Notenbanken stets als Richtschnur dienten. Die Zeiten seriöser Geldpolitik sind offenbar schon lange vorbei und anstatt dem Wohl der Allgemeinheit zu dienen, werden kleine, aber mächtige Interessengruppen bedient. Mit der Corona-Pandemie gibt es nun einen geradezu perfekten Sündenbock, hinter dem die monumentalen geldpolitischen Fehler der Vergangenheit versteckt werden können. Historiker späterer Generationen werden die heutigen Zentralbank-Bürokraten hoffentlich nicht ungeschoren davon kommen lassen.
    Die über Jahrzehnte hinweg entstandenen ökonomischen Ungleichgewichte und Fehlentwicklungen sind inzwischen so groß geworden, dass es längst nicht mehr um die „Ankurbelung“ der Wirtschaft oder das „Abfedern“ eines Abschwungs geht, sondern nur noch um das Hinauszögern des Zusammenbruchs der Schuldenpyramide und mit ihr des gesamten Finanzsystems.

    Möge ihr Podcast viele Menschen erreichen, die sich bisher nicht mit dieser komplexen Materie auseinandergesetzt haben. Die Mainstreammedien geben in dieser Hinsicht leider ein jämmerliches Bild ab.

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    Cilten sagte:

    Schade, ich hatte in meiner Ökonomieausbildung nie solche interessanten Köpfe (nur die langweiligen Gleichgewichtsfanatiker). Ich freue mich, dass es noch solche Ökonomen gibt.
    weiter so …………………

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    Josef Streicher sagte:

    Dass Herr Prof. Werner in der Finanzbranche als Liebling herumgereicht wird, wundert mich nicht. Fordert er doch, dass den Banken jeder Verlust und jeder faule Kredit von der Zentralnotenbank abgenommen wird. Mir als Unternehmer oder Privatperson würde das auch gefallen. Warum also nicht auch für mich und alle anderen? Weil in diesem Fall unser Geld- und Finanzsystem schnell am Ende wären.

    Der entscheidende Punkt ist die seit den 1970/80er Jahren einsetzende Welle von Deregulierungen im Finanzsektor (Geschäftsbanken durften gleichzeitig wieder Investmentbanken sein, ungezügelte Derivate-Geschäfte, Hedgefonds, Private-Equity, …) Es wurde immer lukrativer, im Finanzsektor zu „investieren“, anstatt reale Produkte und Dienstleistungen herzustellen.

    Diese Deregulierung führte zu einem Aufblähen des Finanzsektors, und das wiederum zu Blasenbildungen an den Börsen. Nach dem Platzen wollten/mussten die Banken gerettet werden. Staaten und Zentralnotenbanken kamen ins Spiel, um das Desaster zu bereinigen.

    Für mich kann die Lösung daher nur in einer Re-Regulierung liegen, dem Zurückzudrängen und Schrumpfen des gesamten Finanzmolochs, damit es wieder attraktiv wird, in reale Bereiche und Dienstleistungen zu investieren und Arbeitsplätze zu schaffen.

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      troodon sagte:

      @ Josef Streicher
      Wie kommen Sie zu der Auffassung, dass Prof.Werner „in der Finanzbranche als Liebling herumgereicht wird“?

      Mit seinen gewünschten Eingriffen in den Bankensektor, dürfte es genau anders herum sein, mindestens was die Großbanken betrifft.

      “ Für mich kann die Lösung daher nur in einer Re-Regulierung liegen, dem Zurückzudrängen und Schrumpfen des gesamten Finanzmolochs,“

      Somit müsste Ihnen doch seine Forderung gefallen:
      „Sie würden keine Kredite mehr vergeben etwa für den dann gehebelten Kauf von Wertpapieren und auch nicht für Konsumzwecke, denn beides steigert am Ende nicht unsere reale Wirtschaftsleistung.“ (aus dem von mir bereits verlinkten FAZ Artikel)

      Prof Werner sehe ich als klaren Gegner der Großbanken, die nur einen kleinen Teil der Bilanzsumme als Kredite an die Realwirtschaft vergeben. Stattdessen ist er ein klarer Befürworter lokaler Banken. Dies hängt evtl auch mit seiner Herkunft zusammen.
      Dazu : https://www.youtube.com/watch?v=r6i3GANUw-o

      Ich gehe somit davon aus, dass Sie Prof. Werner falsch einordnen.

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        Josef Streicher sagte:

        Ihren Kommentar weiter unten kann ich natürlich unterstützen. Den FAZ-Artikel finde ich auch sehr gut.

        Ich bezweifle allerdings, ob die Finanzbranche es sich gefallen ließe, durch Kreditvergabelenkung ausgetrocknet zu werden. Sie erinnern sich an die 8%-Klausel. Das ist der Anteil, den eine Bank im Falle einer Krise aufbringen müsste, bevor der Staat oder die ZNB eingreift. Das war 2015. Keine zwei Monate nach Beschlussfassung stand Monte Dei Paschi di Siena auf der Tagesordnung, und sie wurde prompt, unter Umgehung der brandneuen Regelungen, vom italienischen Staat zu 100% gerettet. Ab diesem Zeitpunkt kamen sämtliche Regulierungsversuche auf EU-Ebene zum Erliegen.

        Das wirklich Empörende ist jedoch Folgendes: Banken und Versicherungen zocken, als gäbe es kein Morgen. Dann das drohende Aus. Sie klopfen an die Tür einer ZNB, die nimmt ihnen die faulen Kredite ab. Es kann weitergehen wie zuvor. Prof. Werner sagt, das sei alles kein Problem, das seien bloß Luftbuchungen, es bleibt alles im Finanzsektor.

        Also jetzt wäre plötzlich alles nur Luft, nichts. Bis zum Crash war es allerdings geballte Finanzkraft. Und die Inhaber konnten damit auf Einkaufstour gehen oder ganze Imperien (Amazone) aufbauen. Also: Wenn’s gut geht, stecken wir die Kohle ein, wenn’s daneben geht, war alles nur Luft. Und hier bin ich wieder bei meiner ersten Aussage: Ich als Unternehmer hätte das auch gerne! Alice in Wonderland. Das ist ein Skandal, und das ist eine Verhöhnung der Normalbürger.

        Japanische und europäische Politiker haben den Zorn ihrer Bürger vermutlich instinktiv gespürt und daher die Übernahme von Problemkredite nur zögerlich zugelassen – mit allen Nachteilen, wie Herr Prof. Werner ausgeführt hat.

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        troodon sagte:

        @ Josef Streicher
        Ich stimme doch ihrer Kritik an der Finanzbranche zu !
        „Ich bezweifle allerdings, ob die Finanzbranche es sich gefallen ließe, durch Kreditvergabelenkung ausgetrocknet zu werden.“
        Auch da stimme ich Ihnen aktuell zu.
        Nichts desto trotz ist es eben so, dass man den Vorschlag von Prof.Werner zur Übernahme der faulen Kredite durch die NB nicht ohne seine weiteren Vorschläge/Auflagen beurteilen sollte.

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    Stoertebekker sagte:

    @Michael Stöcker (@trodoon)
    „Es führt mAn kein Weg an staatlichen Investitionen vorbei. Erst mit zeitlicher Verzögerung werden dann auch wieder die privaten Investitionen nachziehen (crowding in).“

    Das ist aus meiner Sicht viel zu deutsch gedacht. Mittlerweile haben wir derartige Mengen an Kapital in privater Hand, dass Musk, Bezos & Consorten dem Staat Sitzplätze in ihren Raumtransportern anbieten (werden). Und Tesla baut die Ladeinfrastruktur eben selbst und läuft nicht zu irgendwelchen Gipfeln ins Kanzleramt. (Förderungen nehmen die natürlich trotzdem mit.)

    Es fehlt uns in Deutschland an der Vorstellung, was begeistertes Unternehmertum bewegen kann (u.a. privates Geld einsammeln – gerade in Anbetracht der niedrigen Zinsen allerorten). Und infolgedessen fehlt es uns an begeisterten Unternehmern. Übrig bleibt der Ruf nach dem Staat. Der mit seinem Regulierungs- und Genehmigungswahn zu allem Unglück auch noch die wenigen begeisterten Unternehmer ausbremst.

    Hin und wieder allerdings gibt es auch hierzulande großartige Geschichten (businessinsider.de/wirtschaft/mobility/ein-baecker-aus-hilden-baut-europas-groesste-e-auto-raststaette-tesla-v/)

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Stoertebekker

      >Das ist aus meiner Sicht viel zu deutsch gedacht.>

      Dafür gibt es GRÜNDE.

      Wenn hierzulande im öffentlichen Bereich praktisch ALLES für praktisch ALLE möglichst billig und am besten auch gleich UMSONST sein soll, weil es andernfalls nicht gerecht ist, dann kann man mit Investitionen im öffentlichen Bereich nicht VIEL Geld, wenn überhaupt welches verdienen.

      Da macht kein RENDITEORIENTIERTER Investor mit.

      Was dabei herauskommt, sieht man an den Schulen.
      Schulunterricht KOSTENLOS für alle in KAPUTTEN Schulgebäuden.

      Die Gesellschaft bekommt, was sie haben will.

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    Alexander sagte:

    Notleidende Staatsanleihen gibt es nicht wenn die Zentralbank kauft.

    Notleidenden Kredite kaufen saniert nicht die überschuldeten privaten Kreditnehmer, das zugrundeliegende Problem der Finanzkrise von 2007ff. In den USA konnten die Geschäftsbanken anschließend nur eine Konsumkonjunktur entfachen über heute notleidende Studenten- oder Autokredite… die Deindustrialisierung konnte QE nicht aufhalten, weil die überschuldeten Unternehmen weder Innovation noch frisches Pfand hatten…Deindustrialisierung als Folge.

    Mich stört massiv, dass Prof. Werner die Erfolgsgeschichten der BRD und Japans ohne den Koreakrieg erzählt, der Initialzündung der Wirtschaften durch die Nachfrage der Befreier von 1945. In einen Markt dessen Nachfrage nach Kredit von realter Nachfrage gespeist wird – Nachfrage für Produktionsmitel -> Arbeitsplätzen … und die Bevölkerung um jeden Preis kaufen muss um Mängel zu beseitigen… kann man kaum mit den gesättigten Märkten der EU und ihren Überkapazitäten vergleichen. Die BRD und Japan starteten von einem Wohlstandsniveau von Null….

    Gut erzählt, aber nicht schlüssig erklärt.

    In keinem Land werden privaten Schuldner durch Zentralbankkäufe entschuldet, das ließe die Marktverzerrung unter den Wähler auch gar nicht zu…..

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      Dr. Lucie Fischer sagte:

      @Alexander
      Die überdeterminierten Bedeutungen des Korea-Krieges wird kaum verstanden , und Ihr Hinweis hilft .
      Immerhin hat M*A*S*H* zur Deglorifizierung militärischer Vernichtung beigetragen .
      Unverheilte Wunden schmerzen noch Generationen danch, selbst wenn Verletzungen verstanden und und operiert werden. „meatball-surgery“ genügt nie. Die irrationale Verehrung des idealisierten Kim beruht bis heute auf entsetzlicher Angst vor totaler Vernichtung.

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        Alexander sagte:

        @Dr. Lucie Fischer

        Danke.

        Ohne das Leid und den Verzicht des Wiederaufbaus relativieren zu wollen, braucht sich der Bundesbürger nichts vor zu machen, Krieg schafft Vermögen.

        Warum sonst führen die USA ununterbrochen AngriffsKrieg und wird der einzige Präsident als „Unperson“ abgewählt, der in seiner Amtszeit keinen neuen entfachte?
        Der Applaus für Trump (+dt. Presse), als er im Irak und Afghanistan die MAOBs ( youtu.be/euWNclNRVsU ) abwerfen ließ und zum Kriegsverbrecher wurde….enttarnt die orchestrierte Heuchelei, eckelhaft.

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        Richard Ott sagte:

        @Alexander

        „Der Applaus für Trump, als er im Irak und Afghanistan die MAOBs abwerfen ließ“

        Ja, das war für mich eine der verstörendsten Erfahrungen des vergangenen Jahrzehnts. Alles was Trump macht, finden die Linksmedien schon aus Prinzip ganz schlecht – außer wenn er Länder im Nahen Osten bombardieren lässt, dann ist er plötzlich „präsidential“. Entlarvend.

        https://www.youtube.com/watch?v=OLUvhjRTpwE

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    Stoertebekker sagte:

    Oh Mann – stöhnt etwas verspätet der nach praktisch Verwertbarem Suchende – was machen wir jetzt mit dem? 😤 Statt Erhellung eröffnet sich ein neuer Kleinkriegsschauplatz im ohnehin großen Durcheinander – ein (möglicherweise zu Recht) schmollender Professor, der den Zentralbanken übelnimmt, QE nicht entsprechend seiner Theorie umgesetzt zu haben.

    Das ist ja noch ok und leuchtet ja auch ein (den Banken ihre schlechten Schulden abnehmen). Und dann wird die Fed als Paradebeispiel des „richtigen QE“ angeführt. Und damit kommen Fragen über Fragen.

    a) Die Kurse der amerikanischen Banken mögen danach ja in die Höhe gegangen sein. Aber das heißt doch längst nicht, dass QE auch GEWIRKT hat – die Bankbilanzen sahen einfach wieder besser aus. Und der Moral Hazard kann von vorn beginnen. (Darüber hinaus kann der Interessierte ja mal beim Stöckerschen Guru Jeff Snider zur Wirkung von QE nachhören – da gibt’s zumindest mal Ansatzpunkte, über die der Praktiker nachdenken kann.)

    b) Gerade in den USA werde Kredite doch massiv für Konsum und nicht Investitionen vergeben. Und im Moment wartet die ganze Welt darauf, dass der Amerikaner wieder KONSUMIERT, damit wir produktive Kapazitäten erweitern können.

    c) Es mag ja durchaus sein, dass die Zentralbank die Geschäftsbanken weiter einschränken will. Ob die „richtige“ Kreditvergabe in den produktiven Bereich nun aber direkt von der Zentralbank oder über den Umweg der „richtigen“ (bei der Zentralbank zu hinterlegenden) Sicherheiten von den Geschäftsbanken gesteuert wird, ist für die Realwirtschaft doch egal. Für mich ist das eine ein Filialsystem und das andere ein Franchising-Modell. Die eine, steuernde (sowjetische) Zentralbank bleibt es am Ende doch. Allerdings wäre mit dem Wegfall des Geschäftsbankensystems das Forschungsgebiet des Professors futsch.

    d) Wenn die Zentralbank den Geschäftsbanken die schlechten Kredite zum Nominalwert abnimmt und die eigentlich abzuwertenden Sicherheiten in die eigene Bilanz nimmt – sind wir dann nicht bei MMT? Nur eben nicht über Staatspapiere sondern über Privatpapiere. Statt des tatsächlichen Wertes von 20 Geldeinheiten (und eines Abschreibungsbedarfs von 80 Geldeinheiten) werden die ursprünglich geschöpften 100 Geldeinheiten im System gelassen.

    Vielleicht sind einige meiner Gedanken nicht zu Ende gebracht. Es bleibt aber das ungute Gefühl, dass diese Ein-Themen-Forscherei in der VWL wenig oder nichts zur Lösung unserer Probleme beiträgt. Und es ist einem schon fast peinlich, wenn man bei der Frage nach dem Studienfach „economics – the dismal science“ angeben muss…

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    Dr. Gero von Grawert sagte:

    Wissenschaftliche Modelle bilden die Realität nicht 1:1 ab, sondern erfassen idealerweise das Wesentliche des untersuchten Problems. Ihre Qualität bemisst sich an Ihrer Fähigkeit zur Prognose. Prof. Werners differenzierte Aussagen zu den Ursachen von Inflation scheinen ex ante eine hohe prognostische Qualität bewiesen zu haben – höher als quantitätstheoretische Überlegungen.
    Ich danke für den zweiten höchst anregenden Beitrag dieses unkonventionellen Denkers.
    Die Aussage, dass eine Zentralbank notleidende Bankkredite ohne realwirtschaftliche Nachteile für irgend jemanden aufkaufen können soll, überzeugt mich nicht sondern erscheint als Bilanztrick: Wenn die Bank ihre wertgeminderte Forderung an die Zentralbank verkauft und dafür den Nominalwert erhält, hat das zumindest eine Verteilungswirkung zugunsten der Bankeigentümer. Eine künftige Erörterung dieses Punktes würde mich freuen.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Dr. Gero von Grawert

      >Wenn die Bank ihre wertgeminderte Forderung an die Zentralbank verkauft und dafür den Nominalwert erhält, hat das zumindest eine Verteilungswirkung zugunsten der Bankeigentümer.>

      Wenn sie zugunsten von jemandem ist, MUSS sie zuungunsten von jemandem sein.

      Ist sie das?

      Wenn die Besserstellung der Geschäftsbank die Notenbank NICHTS kostet, dann ist damit KEINE Schlechterstellung der Notenbank verbunden.

      Was ist mit dem Schuldner, dessen Gläubiger – angenommen ein realwirtschaftliches Unternehmen – nach dem Kauf die Notenbank ist?

      Er ist nicht schlechter gestellt, denn er hat den gleichen Schuldendienst statt an die Geschäftsbank nun an die Notenbank zu leisten.

      Nehmen wir an, dass die Notenbank darauf besteht, dass der Schuldendienst auf den NOMINALWERT der Anleihe geleistet wird und nicht nur auf den wertgeminderten Betrag.

      Angenommene Folge:

      Der Schuldner kann ihn nicht leisten und steht vor der Insolvenz.

      Angenommene Lösung:

      Die besser gestellte Geschäftsbank gewährt dem Schuldner einen Kredit, der diesen vor der Insolvenz rettet (Zombifizierung).

      Sie müsste es NICHT, es ist aber auch kein Problem für sie, da sie bessergestellt wurde durch die Notenbank.

      Sie verdient etwas an dem Kredit, weil sie sich Bearbeitungsgebühren gutschreiben kann, und wird demnach den Kredit gewährleisten.

      Folge:

      Die Geschäftsbank ist jetzt wieder in einer schlechteren Position, da der Schuldner ihr genauso wie der Notenbank den Schuldendienst nicht leisten kann.

      Weitere Folge nach dem Rezept von Prof. Werner:

      Die Notenbank kauft der Privatbank AUCH diesen notleidenden Kredit ab.

      Das Spiel wiederholt sich wieder und wieder.

      Es ist im VERHÄLTNIS von Privatbank zu realwirtschaftlichem Schuldner eine PERPETUUM MOBILE.

      Einzig und allein die Bilanz der Notenbank verlängert sich.

      Es kostet sie nichts …

      Was sagen Sie dazu?

      REGULIERUNG, nach der die Privatbank den letzteren Kredit NICHT an das Unternehmen gewähren darf?

      Warum nicht:

      Dann haben wir wunderbar sanierte Banken und reihenweise in Insolvenz gehende Unternehmen.

      Das kann man durchaus „Lösung“ nennen.

      Wir brauchen schließlich Banken, die Kredite vergeben können.

      Wenn es in hinreichender Zahl keine Kreditnehmer gibt, haben das weder die Privatbanken, noch die Notenbank zu vertreten.

      Neue schöne Welt.

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        Dr. Gero von Grawert sagte:

        @Dietmar Tischer
        [Wenn die Maßnahme zugunsten der Bankeigentümer ist], >MUSS sie zuungunsten von jemandem sein.[…perpetuum mobile / Bilanzverängerung kostet die Notenbank nichts] Was sagen Sie dazu?<
        Ich sehe kein free lunch – das aus dem Zyliner gezauberte Kaninchen entpuppt sich als Gurke: Der Aufkauf erhöht ceteris paribus die Geldmenge, wenn der notleidende Kredit nicht zurückgezahlt wird, ist diese Erhöhung dauerhaft. Der erhöhten Geldmenge steht kein adäquater Wert gegenüber.
        Der Ankauf senkt letzlich die Kaufkraft der Währung – je nach Verwendung der Mittel durch die Bank steigen die Assetpreise oder die Preise von Gütern und Dienstleistungen. Positive Angebotsschocks und unausgelastete Kapazitäten mögen den zweiten Typ von Inflation bremsen – beide Arten entwerten aber die Kaufkraft des Geldes mit allen Verteilungswirkungen.
        Unabhängig davon, ob Geschäftsbanken durch die Zentralbank über eine Erhöhung der Geldmenge oder durch direkte staatliche Hilfen gerettet werden, irgendjemand muss die Zeche zahlen.
        Richtig – wir brauchen funktionierende Banken, vor allem solche, die Kredite nicht primär für den Erwerb bestehender Assets vergeben, sondern Investitionen in die Realwirtschaft fiinanzieren. Wie das erreicht werden kann, ist eine eigene Diskussion.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        >Wenn die Bank ihre wertgeminderte Forderung an die Zentralbank verkauft und dafür den Nominalwert erhält, hat das zumindest eine Verteilungswirkung zugunsten der Bankeigentümer.>

        „Wenn sie zugunsten von jemandem ist, MUSS sie zuungunsten von jemandem sein. Ist sie das? Wenn die Besserstellung der Geschäftsbank die Notenbank NICHTS kostet, dann ist damit KEINE Schlechterstellung der Notenbank verbunden.“

        Wenn die Notenbank eine *WERTGEMINDERTE* Forderung zum ursprünglichen Nominalwert aufkauft, dann ist doch offensichtlich, dass sie ihre Eigentümer damit schlechter stellt.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Die Notenbank stellt ihre Eigentümer, sagen wir den Staat oder die Staatengemeinschaft (EZB) nicht schlechter:

        Die Eigentümer erhalten die wertgeminderte, aber dennoch werthaltige Forderung (20% vom Nominalwert).

        Die Notenbank hat zwar MEHR als den Wert bezahlt, nämlich den Nominalwert.

        Aber das ist KEIN VERLUST von 80% (100% – 20%), weil der Kauf die Notenbank NICHTS gekostet hat.

        Die Eigentümer GEWINNEN mit jedem Kauf.

        Das ist das BESONDERE am MONOPOL des Geldschöpfens der NOTENBANKEN.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Die Eigentümer GEWINNEN mit jedem Kauf.“

        Nein. Das gilt nur genau dann wenn die Notenbank-Eigentümer (also alle Bürger des betreffenden Staates oder Währungsraumes) gleichzeitig keine Bargeldbestände, Giroguthaben, Anleihen oder ähnliche auf nominale Beträge lautende Forderungen in der Währung haben, in der die Notenbank das neue Geld schöpft. Für alle anderen verwässert die neue Geldschöpfung der Notenbank die Kaufkraft der existierenden Forderungen.

        Geld ist ja kein Selbstzweck, die Leute interessieren sich nur dafür und wollen es gerne haben, weil man damit viele schöne Dinge kaufen kann. Auf die Kaufkraft kommt es an, nicht auf den nominalen Wert.

        Die meisten Leute kapieren den Mechanismus aber nicht und fragen sich dann an anderer Stelle ganz überrascht, wieso denn beispielsweise die Immobilienpreise und davon abgeleitet auch die Mieten in den letzten Jahren so massiv gestiegen sind (dabei sind die Immobilien sind noch so wertvoll wie vorher, nur die Währung mit dem sie das messen, ist pro Einheit jetzt viel weniger wert), das muss doch an den bösen Immobilienspekulanten liegen, da sollten wir eine Mietpreisbremse einführen…

        Die einzigen, die mit jedem Kauf zweifelsohne „gewinnen“, sind die Angestellten und Funktionäre der Notenbank. Die wären ja arbeitslos, wenn die Währung zusammenbräche und niemand mehr die Dienste der Notenbank bräuchte.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Sie haben RECHT, dass die Notenbank die Eigentümer (Bevölkerung) des Eigentümers der Notenbank (Staat) schlechter stellt.

        Das erfolgt wie Sie richtig sagen und auch Dr. Gero von Grawert richtig gesagt hat durch Entwertung der Kaufkraft des Geldes.

        Was die Banken machen dürfen bzw. nicht dürfen lt. Prof. Werner und evtl. tun:

        Siehe weiter unten am Thread die Diskussion mit troodon und M. Stöcker.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Ihre Zeilen werfen bei mir die Frage auf, welche Kredite die EZB tatsächlich den Geschäftsbanken lt. Prof Werner abkaufen sollte.

        Nur die bei denen die Insolvenz des Gläubigers schon eingetreten ist oder alle leistungsgestörte Kredite ?

        Bei ersterem käme es dann max. zu einer Neukreditgewährung der Geschäftsbank an das „gesundete“ Nachfolgeunternehmen.
        Bei zweitem stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen die Geschäftsbank neue Kredite an den Schuldner vergeben dürfte. Grundsätzlich soll doch möglichst vermieden werden, dass die neuen Kredite in absehbarer Zeit wieder leistungsgestört sind.
        Wäre m.E. eine Nachfrage bei Prof.Werner wert, wie er sich dies konkret vorstellt.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Es ist mir auch nicht völlig klar, was Prof. Werner genau meint.

        Ich meine aber, dass es ihm um die BESSERSTELLUNG der Banken geht, weil er sagt, dass die EZB mit ihrer jetzigen Geldpolitik die Baken quasi liquidiert, um ein rein staatliches Bankenwesen à la Sowjetunion einzuführen.

        Ich tippe demnach eher auf „neue Kredite an den Schuldner vergeben“, zumal es auch nicht ersichtlich ist, warum plötzlich ein gesundes Nachfolgeunternehmen auftauchen sollte, (nur) WEIL die Bank einen neuen Kredit vergeben kann.

        Das würde auch ganz gut mit 20% Wert der Anleihe korrelieren. Die Anleihe eines bereits insolventen Unternehmens kann zwar auch zu 20% vom Nominalwert notieren, aber in vielen Fällen dürfte es weniger sein.

        >Grundsätzlich soll doch möglichst vermieden werden, dass die neuen Kredite in absehbarer Zeit wieder leistungsgestört sind.

        Wäre m.E. eine Nachfrage bei Prof. Werner wert, wie er sich dies konkret vorstellt.<

        Sehe ich auch so.

        Ich sehe jedenfalls nicht, dass die Privatbank aufgrund von Regulierung MEHR Kredite an nachhaltiger wirtschaftende Unternehmen vergibt.

        Der IMPULS für Kreditgewährung muss m. A. n. von der REALWIRTSCHAFT, also von Unternehmen, die Kredite aufnehmen wollen, kommen.

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      Dr. Gero von Grawert sagte:

      Meine Überlegung waren nicht präzise genug. Der Schluss auf einen Kaufkraftverlust hält nicht in jedem Fall.
      Was genau passiert bei dem Ankauf des notleidenden Kredits der Bank (B) durch die Zentralbank (ZB) für die beiden Akteure und die Währungsnutzer (WN)?
      Die ZB gibt kostenfrei frisch geschöpftes ZBgeld im Nominalwert von 100 an die B und erhält dafür ein Asset im Marktwert von 20: Vorteil ZB 20, Vorteil B 80.
      Die Bank hat kein Interesse, Cash zu halten, sondern kann mit dem ZBgeld folgende Dinge tun:

      1. Kauf oder Finanzierung bestehender Assets (Aktien, Bonds, Immobilien)
      => Assetpreise steigen => Kaufkraftverlust des Geldes in Höhe von 80
      Veränderungen: ZB +20; B +80; WN -80
      => Summe (Fall 1) = 20 + 80 – 80 = +20

      Ergebnis (Fall 1): +20

      Verteilungswirkung:
      WN verlieren aufgrund unproduktiven Kapitaleinsatzes und bei ausgelasteten Kapazitäten, ZB und B gewinnen.
      Auswirkugen auf das Zinsniveau (i):
      Der Kauf von Aktien u Bonds senkt i, der Eigenkauf von Immobilien bertifft i nicht, die Finanzierung von Immobilienkäufen erhöht das Kreditangebot und senkt i. Zinswirkungen betrachte ich unten nicht mehr

      2. Kauf oder Finanzierung neuer Assets (Aktien, Bonds, Immobilien)
      a) Aktien, Bonds: positiver Multiplikatoreffekt, wenn Unternehmen und Staat das erhaltene Kapital für neue Aktien/Bonds produktiv verwenden
      b) Immobilien:
      – Positiver Multiplikatoreffekt bei unausgelasteten Kapazitäten
      – Kaufkraftverlust bei ausgelasteten Kapazitäten (Preiserhöhung)
      Veränderungen: ZB +20; B +80; WN: X ? Gewinn/ Verlust möglich, Verlust ist vermutlich -80);
      => Summe (Fall 2): + 100 + X > 20; Die Summe ist vermutlich > 20

      Ergebnis (Fall 2): > + 20 (> Ergebnis Fall 1)

      Verteilungswirkung:
      WN verlieren bei unproduktiver Verwendung des frischen Kapitals u ausgelasteten Kapazitäten, können bei produktiver Verwendung des Kapitals aber auch gewinnen. ZB und B gewinnen.

      3. Finanzierung produktiver Aktivitäten (Güter, Dienstleistungen, Forschung)
      a) Positiver Multiplikatoreffekt bei unausgelasteten Kapazitäten
      b) Kaufkraftverlust bei ausgelasteten Kapazitäten, aber stets auch
      c) Erhöhung der Produktionskapazitäten und mittelbar des Angebots
      Veränderungen: ZB +20; B +80; WN: X ? X (Fall 3.) ist wg. a) und c) vermutlich > X (Fall2)
      => Summe (Fall 3): +100 + X > Summe (Fall 2)

      Ergebnis (Fall 3): >> +20

      Verteilungswirkung:
      WN verlieren bei unproduktiver Verwendung des frischen Kapitals u ausgelasteten Kapazitäten, können bei produktiver Verwendung des Kapitals aber auch gewinnen. ZB und B gewinnen.
      Schlussfolgerung:
      Wir brauchen Banken, die Kredite für produktive Zwecke vergeben können (frei nach Dietmar Tischer :-).
      Die Beurteilung des Aufkaufs notleidender Kredite durch die Zentralbank hängt ab von der Verwendung der Mittel durch die Bank und der Kapazitätsauslastung nachfragter Leistungen.
      Hab ich wesenliche Punkte vergessen oder falsch eingeschätzt?

      Antworten
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        Dr. Gero von Grawert sagte:

        Verzeihung: Im Fall 2 muss es heißen:
        Veränderungen: ZB +20; B +80; WN: X ? Gewinn/ Verlust möglich, Verlust ist vermutlich kleiner 80 (> -80)

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Dr. Gero von Grawert

        Ich bin kein Profi, wenn es um solche Rechenoperationen geht.

        Sie sind m. A. n. aber der GRUNDSÄTZLICH richtige Ansatz für eine Bewertung der Effekte.

        Was wirklich ENTSCHEIDEND ist – und das zeigen Ihre Fallrechnungen ja auch:

        WOHER kommt die Nachfrage für produktiv eingesetzte Kredite, wenn die Wirtschaft in einem ANHALTEND deflationären oder nahezu deflationären Modus ist?

      • Avatar
        Stoertebekker sagte:

        Alle neuen Effekte, die nach der Übernahme der schlechten Schulden durch die ZB erfolgen, hätte man auch, wenn die Bank die 80 Geldeinheiten abschreiben muss. Im Zweifel über einen anderen Kreditgeber. Insofern sollte die Betrachtung analytisch nur auf die 80/20 begrenzt bleiben (dh hier Inflation).

        Mir erschließt sich schlicht nicht, warum Banken nicht insolvent gehen können sollen. Die eine stirbt, eine neue kommt. Einem produzierenden Unternehmer nimmt in schwierigen Zeiten doch auch niemand seine Schulden ab.

        Da wir gelernt haben, dass Banken zwar Kapitalsammelstellen, die Kreditbereitstellung aber unabhängig vom gesammelten Kapital erfolgt, braucht es nur einen Schutzmechanismus für das gesammelte Geld. Für Sparbücher und Giro-/Tagesgeldkonten den Zwangsbeitrag zur Einlagensicherung, für die über die Bank getätigten Investitionen in Aktien, Bonds etc. nicht einmal das.

        Das grundsätzliche Problem der fehlenden Kreditnachfrage bleibr davon natürlich unberührt. Aber das ist – wie hier von mehreren bereits ausgeführt – eine andere Baustelle.

      • Avatar
        Dr. Gero von Grawert sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Ich bin auch kein Profi in solchen Betrachtungen, habe schlicht versucht, die möglichen Fälle zu erkennen und zu durchdenken.
        Die Nachfrage nach produktiven Krediten hängt letzlich von positiven Erwartungen ab und diese wiederum von folgenden Komponenten:
        1. Die rechtlichen und steuerlichen Rahmenbedingungen
        2. Das Zinsniveau: Ich investiere nur, wenn meine erwartete Marge größer als mein Kreditzins ist.
        Das gilt unabhängig von den das Zinsniveau bestimmenden Faktoren
        3. Die konjunkturelle Entwicklung
        4. Der allgemeine Wachstumtspfad der Volkswirtschaft (Kapital, Arbeit, technischer Fortschritt)
        5. Vertrauen in die Stabilität des Währungsregimes und den Erhalt der Kaufkraft.
        Natürlich gibt es starke wechselseitige Abhängigkeiten dieser Komponenten.
        Ich halte es für die elementare Aufgabe des Staates, diese Rahmenbedingungen möglichst positiv zu gestalten und Unternehmertum zu fördern (ohne Kühe keine Milch).
        Weil das Handeln der EZB Punkt 5 m.E. nicht gewähleistet, sollte politisch alles dafür getan werden, das zu erreichen: Kluge Lösungvorschläge liegen vor. Je größer die Target-II Salden werden, desto schlechter wird die deutsche Verhandlungsposition. Historisch hätte die Zustimmung zu großzügigen Hilfen mit Forderungen nach Reformen des Währungsregimes verbunden werden können. Stattdessen darf sich nun die EU verschulden und die EZB macht, worauf sie Lust hat.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Mir erschließt sich schlicht nicht, warum Banken nicht insolvent gehen können sollen.>

        Können sie schon und es gehen auch Banken in die Insolvenz.

        Das Problem ist allerdings nicht das von Einzelschicksalen, wenn das GESAMTE Bankensystem anfällig ist.

        Wenn EINE Bank insolvent wird, dann wird es auch eine NÄCHSTE, die Gläubiger der insolventen ist und die ihr gewährten Kredite abschreiben muss etc., etc.

        Der DOMINOEFFEKT ist das Problem.

        Und:

        Wenn eine Bank insolvent wird, bekommt man ganz schnell einen BANK RUN, weil die Leute Ihre Bankguthaben in Bargeld tauschen wollen.

        Dann müssten Merkel und Scholz ran und den Menschen erklären, dass sie dies ganz beruhigt lassen können, weil der Staat für ihre Guthaben garantiert.

        Merkel kann das, hat es schon mit Steinbrück geübt.

        Bei Scholz bin ich mir nicht ganz so sicher.

        Er würde schon eine gute Figur machen, aber seine Partei, die SPD ist das Problem.

        Da weiß man nicht, ob Frau Esken schon Schuldige gefunden hat, bevor Scholz erklärt hat, dass es keine gibt und wir uns alles leisten können, weil wir in der Vergangenheit so gut gewirtschaftet haben ;-)

      • Avatar
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer
        >Der DOMINOEFFEKT ist das Problem.>

        Das verstehe ich schon. Aber die Zeiten haben sich doch geändert. Es gibt keine Sparzinsen mehr, die erwirtschaftet werden müssen.

        Wenn unsere ganze Diskutiererei hier stimmt, dann können die Banken ganz ohne Sparer (ie Geldeinsammeln) Kredite erzeugen.

        Das ist – bei vernünftiger Kreditvergabe – die eine Säule des Gewinns der Banken. Die andere ist die Servicegebühr für den Verkauf von Produkten irgendwelcher Fondsgesellschaften, der Weiterleitung von Aufträgen an Börsenhändler etc.

        D.h. das nicht an diese Partner weitergeleitete Geld der Sparer wird eigentlich nur in den (elektronischen) Safe gelegt. Zinsen werden darauf nicht gezahlt, müssen demzufolge auch nicht erwirtschaftet werden. Ggfs. wird sogar eine Aufbewahrungsgebühr (negativer Zins) erhoben. Wo genau liegt dann das Problem? Der Bankenrun kann – bezogen auf die Sparguthaben – doch nur ein Problem der ausreichenden Banknotenverfügbarkeit sein. Und das bleibt temporär.

        Wenn die Bank allerdings jede Menge schlechte Kredite ausgibt, also unternehmerisch schlecht wirtschaftet, soll sie insolvent gehen können. Das einzig Kritische ist der Schutz der Sparguthaben. Die müsste man von den Kreditaktivitäten trennen. That’s it.

        In einer Welt, in der alle Anleger ein Depot beim Online-Broker hielten und die Sparer ihr zinsloses Sparbuch sowie die für den Alltag nötigen Girokonten bei der Zentralbank, könnten Geschäftsbanken wieder wie normale Unternehmen behandelt und im Zweifel in die Insolvenz entlassen werden. Sie könnten aber auch wieder echte Bankiers werden, ernsthaft in Projekte investieren, die Geld erwirtschaften und dafür Gelder einwerben und Provisionen verlangen (analog Private Equity).

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Dr. Gero von Grawert

        Es ist alles richtig, was Sie von 1. bis 5. sagen.

        Ich glaube aber, dass alle Punkte, so WICHTIG sie auch sind, überspielt werden durch Megatrends – vor allem: Globalisierung, demografische Entwicklung, Warensättigung –, die auf einer Handlungsebene liegen, auf der die Regierungen, welcher Couleur auch immer, NICHTS Entscheidendes bewirken können.

        Dazu kommt, dass das kapitalistische System viel zu PRODUTIV ist, um in den entwickelten Volkswirtschaften so viele Menschen in den gut bezahlenden Unternehmen des produzierenden Gewerbes zu beschäftigen, wie da gern beschäftigt werden wollen.

        Daher suchen immer mehr Menschen ihr Heil beim Staat.

        Nur beispielhaft:

        40% der Jugendlichen studieren und davon wollen 30% in den sicheren Staatsdienst.

        Kurzum:

        Auch ohne zu hohe Verschuldung (Mehltau auf der Wirtschaft), dauerhaft Euro/EU-Krise und zunehmende Spaltung der Gesellschaft (Tendenz zu sozialer Instabilität) sehe ich eine m. A. n. NICHT abwendbare ANPASSUNG NACH UNTEN.

        Das erfolgt mit dem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft – Vollbeschäftigung mit vielen Billigjobs.

        Wir folgen den USA mit ca. 10 bis 20 Jahren Verspätung.

        Kurzum:

        Ich erkenne eine STRUKTURELLE Krise unser Gesellschaft bzw. Volkswirtschaft, die noch von unserer Exportstärke überspielt und verdeckt wird.

        Es gibt NICHT die gesellschaftlichen Kräfte, die eine Wende herbeiführen können.

        Die spannendste Variable und von mir als Großexperiment ohne Versuchsanordnung eingestuft:

        Die Energiewende.

        Keine Ahnung wie das ausgeht, ich bin aber sicher, dass es ein sehr konfliktbeladenes Projekt ist.

        Und:

        Je weiter sie fortschreitet, desto mehr wird das System zu einem INTERVENTIONISTISCHEM ZENTRALISMUS mutieren.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebecker

        >Der Bankenrun kann – bezogen auf die Sparguthaben – doch nur ein Problem der ausreichenden Banknotenverfügbarkeit sein.>

        Nein – nicht nur.

        Bankkunden sind GLÄUBIGER der Banken insoweit sie Guthaben auf ihren Konten haben.

        Ist eine Bank pleite und droht die nächste Pleite zu gehen, ist ihr Geld futsch (vorausgesetzt, dass die gesetzliche Einlagensicherung nicht greift, was der Fall IST, wenn es eine Kettenreaktion gibt.)

        Viel Bargeld wollen die meisten Leute gar nicht haben, weil die Aufbewahrung Probleme mit sich bringt und der Zahlungsverkehr mit Bargeld eine mühsame Sache ist.

        >Das ist – bei vernünftiger Kreditvergabe – die eine Säule des Gewinns der Banken.>

        Ist sie NICHT, weil „vernünftige Kreditvergabe“ vielfach nicht möglich ist, sollte sie aber SEIN.

        > … wieder echte Bankiers werden, ernsthaft in Projekte investieren, die Geld erwirtschaften und dafür Gelder einwerben und Provisionen verlangen (analog Private Equity).>

        Sie können als Banker so ECHT sein wie sie wollen, wenn die Kreditnachfrage nicht hinreichend ist, können sie nicht viel bewegen.

        Und GENAU das ist das PROBLEM in den wachstumsschwachen entwickelten Volkswirtschaften der westlichen Welt und Japans.

        NIEMAND kann jemanden ZWINGEN einen Kredit aufzunehmen.

        Immer wieder:

        Man muss sehen, dass sich die STRUKTUR des Systems fundamental GEÄNDERT hat.

        Das Finanzwesen ist wichtig, aber letztlich nur eine FOLGE, wenn auch zu Teilen eine politisch gewollte, WEIL die Realwirtschaft nicht mehr wächst.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Dr. Gero von Grawert

        „1. Kauf oder Finanzierung bestehender Assets (Aktien, Bonds, Immobilien)
        => Assetpreise steigen => Kaufkraftverlust des Geldes in Höhe von 80
        Veränderungen: ZB +20; B +80; WN -80
        => Summe (Fall 1) = 20 + 80 – 80 = +20
        Ergebnis (Fall 1): +20“

        So einfach kann man das nicht rechnen. Der Kaufkraftverlust des Geldes durch QE ist ja (zumindest bei kleinen QE-Beträgen, dann lässt es sich noch leicht rechnen) kein absoluter Betrag, sondern prozentual das Verhältnis des durch QE neu geschöpften Geldes zur Gesamtmenge des bereits existierenden Geldvermögens.

        Anschaulich aber unvollständig dargestellt: Die EZB wird im Jahr 2021 jeden Monat (!) voraussichtlich QE im Rahmen von 0,9% der jährlichen Wirtschaftsleistung des Euroraumes machen, das sind knapp 11% im geamten Jahr. Gesamtwirtschaftsleistung des Euroraumes ist ungefähr 10000 bis 12000 Milliarden Euro pro Jahr, je nachdem wie hart die Corona-Krise weiter zuschlägt. Je nachdem wie man es rechnet, sind das dann 1000 bis 1200 Milliarden frisch geschöpfte QE-Euros im Jahr 2021.

        Nehmen wir erstmal vereinfachend an, dass das in jedem Land der Eurozone gleich wirkt, dann sind das in Deutschland 11% von der jährlichen deutschen Wirtschaftsleistung von ungefähr 3300 Milliarden Euro, also auf Deutschland bezogen 330 Milliarden Euro.

        Die Gesamtsumme der Nettogeldvermögen von privaten Haushalten in Deutschland war in Q2 2020 insgesamt 4720 Milliarden Euro, da sind aber 1370 Milliarden Euro Aktien und Investmentfondsanteile mit drin, der Rest von 3350 Milliarden Euro sind Bargeld, Sichteinlagen, Spareinlagen und Inhaberschuldverschreibungen. Immobilien sind in der Statistik leider nicht berücksichtigt, Gold fehlt auch – obwohl Wertpapiere ja merkwürdigerweise in der Statistik drin sind.

        Quelle: https://www.bundesbank.de/resource/blob/848024/7ab0532feb03d57b3986ea87cb8167c7/mL/2020-10-16-geldvermoegen-anlage-data.pdf

        Wir können annehmen, dass ein Großteil dieser Anlagen mittlerweile eine Verzinsung von nahe 0 Prozent hat. Die Kaufkraft dieser 3350 Milliarden Euro quasi zinsloser Spareinlagen der Privathaushalte wird direkt dadurch geschmälert, dass die EZB anteilig für Deutschland 330 Milliarden neue Euros schöpft und ins System pumpt.

        Wenn nun weiterhin das passiert, was wir in den vergangenen Jahren seit der Eurokrise beobachtet haben, nämlich dass die Euro-Südländer (insgesamt von der Gesamtwirtschaftsleistung mehr als doppelt so groß wie Deutschland, mit entsprechend auf sie entfallenden QE-Anteil in Höhe von locker über 500 Milliarden Euro in 2021) mit den frisch geschöpften Euros vor allem in Deutschland Sachwerte wie zum Beispiel Immobilien einkaufen, dann bekommen wir weiterhin massive Steigerungen bei den Asset-Preisen.

        Wenn die deutschen Privathaushalte einen größeren Teil ihres Vermögens in Sachanlagen (Immobilien oder Aktien) und weniger auf dem Sparbuch oder in Lebensversicherungen anlegen würden, dann könnten sie dem ganzen Zauber deutlich gelassener entgegen sehen, aber das ist dem Deutschen ja leider zu riskant. Da wählen viele lieber die SED und führen die DDR-Wohnraumbewirtschaftungspolitik wieder ein, was genauso übel enden wird wie in den 1980er Jahren. Selber schuld.

      • Avatar
        Dr. Gero von Grawert sagte:

        @ Dietmar Tischer 18:48
        > Megatrends / Regierung ohne wesentlichen Einfluss
        Ich stimme Ihnen zu, dass die Regierung Megatrends nicht ändern kann – aber sie kann beeinflussen, wie gut oder schlecht eine Volkswirtschaft (mal abgesehen von der EU) mit diesen Trends umgehen kann.
        Strukturwandel unter Wettbewerb ist die Lösung (SWL) oder „Schumpeter wird’s richten“:
        Die beste Strukturpolitik ist Wettbewerbspolitik, das Zulassen schöpferischer Zerstörung, Föderng des Unternehmertums, Bessere Rahmenbedingungen für Risikokapital, gute Bildung, Vermittlung wirtschaftlicher Zusammenhänge in den Schulen, Wissenschaft und Infrastruktur, technischer Fortschritt…
        > Kapitalistisches System zu produktiv für Vollbeschäftigung im produzierenden Gewerbe
        Diese Ängste sind älter als Gerhard Hauptmanns „Die Weber“ und meines Erachtens falsch: SWL
        Der Markt ist flexibler als die Heerscharen derjenigen, die sich „schützen“ lassen, d.h. das Geld der anderen wollen.
        > Jugendliche wollen in den Staatsdienst
        Wir brauchen eine Kultur, die Risiko stärker akzeptiert; geschäftlich zu scheitern muss o.k. und darf kein Stigma sein. Wenn es funktioniert, muss es sich aber auch lohnen.
        > Dienstleistungsgesellschaft mit Billgjobs
        Angebotsschock auf dem Arbeitsmarkt und globalisierter Handel üben einen Lohndruck aus; technischer Fortschritt und gute Jobs erhöhen die Löhne; nach staatlicher Umverteilung sind die Nettoeinkommen in Dtld recht gleich. Den Billiglohnsektor sollte es geben: Ohne ihn würden gering Qualifizierte 0% ihres Einkommens selbst erarbeiten und von der Allgemeinheit für’s Daheimbleiben bezahlt (vdAfDb). Mit Billiglohnsektor und staatlichen Zuschüssen ist das Ergebnis besser als ohne. Ein hoher Mindestlohn führt zu vdAfDb.
        > Strukturelle Krise, noch von Exportstärke überdeckt
        Einverstanden
        > Fehlen gesellschaftlichen Kräfte, die Wende herbeiführen können
        Lassen Sie uns daran arbeiten…
        > Energiewende: Großexperiment ohne Versuchsanordnung
        Einverstanden; idealerweise erfolgt sie technologieoffen mit Preisen für Schadstoffe;
        wie dumm, dass mit enormen Kosten vermiedene Emissionen bei uns dem globalen Klima nichts nützen, wenn nicht gleichzeitig die Förderung von Öl und Gas gedrosselt wird – aber warum sollten die Ressourcenbesitzer das tun? Möglicherweise bringen die politischen und technolgischen Maßnahmen die Ressourcenbesitzer dazu, aus Sorge vor geringerer künftiger Nachfrage aktuell besonders viel zu fördern.
        Gleichzeitig entwerten wir gut funktionierende Assets, ersetzen sie zwangsweise durch Technologieen mit insgesamt schlechter Energie- und Umweltbilanz, halsen uns unsichere Technologien mit teurer, neu zu schaffender Ausfallinfrastruktur auf und landen letzlich bei neuen Gaskraftwerken oder französischem Atomstrom. M.E. schaffen wir das Kunststück, enorm viel Geld auszugeben ohne dem Klima zu helfen.
        > Interventionistischer Zentralismus
        Einverstanden (mit Ihrer Erwartung / Beschreibung des IST-Zustandes ;-)

      • Avatar
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Ich habe versucht, in die Zukunft zu schauen und mal die Argumente der diversen Diskussionen zusammenzufassen. (Sie argumentieren noch mit dem Zustand im Jetzt.)

        a) Geldschöpfung (= Kredite) ist ohne Spareinlagen der Bankkunden möglich.
        b) Sparer können ihr Geld zur Bank tragen oder sonstwie/-wo lagern. Zinsen werden nicht fällig. Ggfs. Gebühren.
        c) Da die Kredite von den Banken unabhängig von den Einlagen ausgegeben werden können, könnten Kreditbanken und Sparsammelstellen unabhängig voneinander existieren. Schlechte Kredite wirken dann NICHT auf Spareinlagen zurück. Es gibt keine Gefahr des Bankenruns.
        d) Wenn nun die Zentralbank jedem ein Girokonto für den täglichen Zahlungsverkehr zur Verfügung stellt, kann der bargeldlose Zahlungsverkehr problemlos funktionieren.

        Banken sind dann Kreditbanken, Investmentbanken, Fondsverkäufer, Aktienhändler usw. Und wenn es für das Produkt Kredit keine Nachfrage gibt, verschwinden eben die Kreditbanken. Investitionen werden dann zB über Private Equity finanziert.

        Die volkswirtschaftliche Wirkung mit Bezug aufs Wachstum ist damit nicht geklärt, aber meine Diskussion ging eher um den Bankensektor und die Notwendigkeit seiner Rettung.

      • Avatar
        Dr. Gero von Grawert sagte:

        @Richard Ott 24.11.20 22:15
        >So einfach kann man das nicht rechnen. Der Kaufkraftverlust des Geldes durch QE ist ja (zumindest bei kleinen QE-Beträgen, dann lässt es sich noch leicht rechnen) kein absoluter Betrag, sondern prozentual das Verhältnis des durch QE neu geschöpften Geldes zur Gesamtmenge des bereits existierenden Geldvermögens. sie hat einen Vorteil von 80 €. Wenn die Bank nun einen Kredit für den Kauf eines bestehenden Assets in Höhe von 100 € vergibt, steigen Nachfrage und Geldmenge um 100 € und treffen auf ein konstantes Angebot. Dieser Fall der Geldschöpfung führt daher zu einem Kaufkraftverlust der Währung und Enteignung der Besitzer nominalwertgesicherter Forderungen in Höhe von exakt 80 €

        Sofern mein Modell das Wesentliche der Vorgänge erfasst, ist die Einfachheit des Beispiels seine Stärke, nicht seine Schwäche. Natürlich könnten wir den absoluten Wert von 80 € als Anteil der gesamten Geldmenge darstellen, aber das macht den Kern des Vorgangs nicht leichter, sondern schwieriger erkennbar. Bei gleicher Erklärungskraft sind einfache Modelle besser als komplexe (Ockhams Rasiermesser).

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Sie argumentieren noch mit dem Zustand im Jetzt.>

        Richtig.

        MUSS ich auch, wenn ich VERÄNDERUNGEN realistischerweise einschätze.

        a) bis c) ist theoretisch machbar.

        a) wird praktiziert, Spareinlagen haben aber einen Effekt.

        c) wäre ein sehr positiver Effekt.

        d) wird kommen, daher b) überflüssig.

        >Und wenn es für das Produkt Kredit keine Nachfrage gibt, verschwinden eben die Kreditbanken. Investitionen werden dann zB über Private Equity finanziert.>

        Richtig, das ist die Konsequenz.

        Aber nach Lage der Dinge VÖLLIG inakzeptabel, weil die ARBEITLOSIGKEIT zu hoch wäre.

        Wer bevölkert dann noch das Bankenviertel in Frankfurt?

        Wer kompensiert die Menschen, deren Immobilien versteigert werden, weil sie den Job verloren haben und die Kredite nicht mehr bedienen können?

        Oder bei d) möglich:

        Die NOTENBANKEN finanzieren, wobei sich dabei die SPANNENDE Frage stellt, WIE sie die Finanzierung verstehen – als KREDITGEWÄHRUNG wie die Geschäftsbanken mit der Folge von Unternehmensinsolvenzen, oder als FINANZIERUNG, um Bestimmtes/Gewünschtes REALWIRTSCHAFTLICH zu bewirken und damit Insolvenzen nicht entstehen zu lassen (AKTIVE Zombifizierung durch die Notenbanken, was dann aber NICHT mehr die heute verstandene Zombifizierung wäre)

        Siehe auch den @ troodon aufgerufenen Link:

        Princess of the Yen ab Min 11:05:
        https://youtu.be/p5Ac7ap_MAY?t=665

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Dr. Gero von Grawert

        „Natürlich könnten wir den absoluten Wert von 80 € als Anteil der gesamten Geldmenge darstellen, aber das macht den Kern des Vorgangs nicht leichter, sondern schwieriger erkennbar“

        Es ist aber der einzige Weg, zum Kern des Vorgangs überhaupt vorzudringen und nicht unzulässig zu vereinfachen.

        Das Problem beim Geldschöpfen ist die Verwässerung der Kaufkraft des schon exisiterenden Geldes – und dieser Effekt ist umso stärker, je ungünstiger das Verhältnis von frisch geschöpften zu schon existierenden Euros ist.

  9. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Ich habe selten so viel RICHTIGES und so viel FALSCHES zusammen gehört.

    RICHTIG ist, was Prof. Dr. Werner zum Finanzsystem Zentralbanken/Privatbanken sagt.

    Man kann aber schon ein Fragezeichen setzen, ob die Zentralbanken in BELIEBIGER Menge notleidende Kredite aufkaufen können.

    Ja, es kostet sie erst einmal NICHTS.

    Daraus folgt aber nicht, dass dies KEINE Folgen hat.

    FALSCH ist:

    1. Die ERKLÄRUNG, warum die Banken in einer GRUNDSÄTZLICH schwierigen Situation sind. Sie sind es NICHT durch die Geldpolitikpolitik der Notenbanken, obwohl diese ihnen zumindest teilweise auch geschadet hat.

    Sie sind es durch die MANGELNDE Kreditnachfrage der Unternehmen aufgrund von MANGELNDER Nachfrage für deren Produkte („savings glut“).

    Daher sind die langfristigen Zinsen gefallen, daher sind die Banken im Renditewettbewerb dabei, niedrige Zinsen zu vereinbaren und über Skaleneffekte und Assetfinanzierung auf einen grünen Zweig zu kommen.

    Das ist weitgehend Konsens, ohne dass dies mit Einzelmechanismen bereits hinreichend belegt wäre.

    2. Die AUFFASSUNG, dass mittels SANIERTER Banken Wachstum zu generieren sei. Wenn es keine Kreditnachfrage gibt, gehen auch sanierte Banken pleite.

    Das WIRKLICHE Problem ist die FEHLENDE Kreditnachfrage für die Schaffung von produktiven Sachkapital. Die Bankensanierung ist notwendig, aber nicht hinreichend.

    Es ist VÖLLIG richtig, was M. Stöcker sagt:

    >es eine gute Idee ist, eine Bad Bank bei der EZB zu installieren, um die Bankbilanzen zu sanieren. Allein das wird nicht ausreichen, um die Kreditvergabe für reale Investitionen wieder anzuregen.>

    3. Die Auffassung, dass das Boom-Bust-Problem praktisch IMMER von den Notenbanken generiert wird. Das ist falsch für bestimmte Probleme, u. a. dieses:

    Nach Bildung der Eurozone gab es keine Peripheriewährung (Lira, Drachme et.), die ABEWERTEN konnte. Die Zinsen für die Staatsanleihen MUSSTEN fallen, weil die Risikoaufschläge wegfielen. Die Staaten der Peripherie konnten sich viel günstiger verschulden und taten es auch. So hatte z. B. Griechenland um 2010/11 ein Defizit von ca. 13% aufzuweisen (Boom) bei schon hoher Staatsverschuldung. Die REGIERUNGEN hätten es verhindern können und müssen, nicht die EZB.

    Die EZB kann nur EINE Geldpolitik betreiben für die gesamte Eurozone.

    Dass 2015 Griechenland aufgrund der UNVERMEIDLICHEN Austeritätspolitik – eben REDUZIERUNG der Staatsverschuldung und damit enorme nachfrageseitige Schwächung der Wirtschaft -, in eine Krise fiel mit praktischem Bankrott aller privaten Banken (Bust), ist nicht der EZB geschuldet.

    Sie hat damals mit ELA-Krediten in Höhe von ca. 100 Mrd. Euro den Zusammenbruch des griechischen Bankensystems vermieden.

    4. Die UNTERSTELLUNG, dass insbesondere die EZB die ABSICHT habe, die privatwirtschaftlichen Banken zu vernichten (Sowjetsystem). Es mag die FOLGE eines Handelns sein, dass sie mit ANDEREN Absichten betreiben.

    Das ist aber etwas anderes.

    Wer hat etwas davon, wenn die privaten Banken pleitegehen?

    Niemand, auch die EZB nicht, weil dann die GESAMTE Wirtschaft in Schockstarre verfällt.

    In diesem Fall ist auch die EZB erledigt.

    5. Die AUSLASSUNG, dass EZB eine SATZUNG hat, nach der sie NICHT machen kann, was sie will. Bürokratien kann man BÄNDIGEN, durch Regulierung bzw. Satzungen und Kontrolle. Das wird in vielen Fällen gemacht und funktioniert. Man muss es nur wollen.

    Die Politik und der EuGH können es aber nicht wollen, weil dann der Eurozone und vermutlich auch die EU zerfallen.

    Die EZB ist nach Lage der Dinge, die LETZLICH verursacht wurde durch eine FEHLGELEITETE Politik, die an die Konvergenz unterschiedlicher Volkswirtschaften glaubte, der RETTER of LAST RESORT.

    Fazit:

    Prof. Dr. Werner kämmt mit seiner Auffassung über nahezu ALLE Epochen, ohne SPEZIFISCHE wirtschaftliche Umstände zu berücksichtigen.

    Dies führt zu einer Fehleinschätzung speziell der EZB.

    Herausgekommen ist die Präsentation eines SCHULDIGEN.

    Fakt ist, dass die POLITIK nicht MEHR in der Lage ist, das System stabil zu halten.

    Die LIQUIDITÄTSSCHWEMME muss überspielen, dass es nicht mehr weit weg oder unmittelbar vor der INSOLVENZ (Zerfall) ist.

    Das kann in der Eurozone/EU nur die EZB leisten.

    Sie liefert.

    Antworten
    • Avatar
      troodon sagte:

      @Dietmar Tischer
      „Es ist VÖLLIG richtig, was M. Stöcker sagt:

      >es eine gute Idee ist, eine Bad Bank bei der EZB zu installieren, um die Bankbilanzen zu sanieren. Allein das wird nicht ausreichen, um die Kreditvergabe für reale Investitionen wieder anzuregen.>“

      Prof Werner fordert auch ganz klare Eingriffe in die Banken, wenn diese durch die NB gerettet werden. Dies ist im Podcast leider zu kurz gekommen. Er hatte sich aber in der FAZ 2014 konkret geäußert:
      „Klar muss sein, dass eine Bank nur diese Erleichterung bekommt gegen harte Bedingungen.“…“Sie würden keine Kredite mehr vergeben etwa für den dann gehebelten Kauf von Wertpapieren und auch nicht für Konsumzwecke, denn beides steigert am Ende nicht unsere reale Wirtschaftsleistung.“
      https://blogs.faz.net/fazit/2014/10/15/oekonomen-im-gespraech-8-richard-werner-darueber-warum-die-kreditkaeufe-der-ezb-sinnvoll-sind-4794/

      Wenn die Banken nicht mehr bestimmte Möglichkeiten hätten Kredite zu vergeben, wäre es durchaus möglich, dass die Kreditvergabe an die Realwirtschaft LANGFRISTIG angekurbelt würde. Sie MÜSSTEN sich zwangsweise wieder stärker mit den realwirtschaftlichen Krediten beschäftigen. Es bliebe ihnen nichts anderes übrig…

      Zudem würde der Physiker keine automatisierten Handelssysteme mehr für Hedgefonds schreiben, da sich das Geschäft nicht mehr oder weniger lohnt. Er nutzt seine Kompetenz wieder für realwirtschaftliche Dinge, gründet im besten Fall ein innovatives Unternehmen, dem man als Bank mit Kredit zur Verfügung steht. Natürlich wäre dies ein SEHR steiniger Weg, da zunächst die negativen Aspekte zu Tage treten würden (die dann ehemaligen Hedgefondsmitarbeiter schränken z.B. ihre Nachfrage nach Luxusartikeln etc. ein). Die Früchte würde man erst nach einigen Jahren ernten können.

      Wird es so kommen ? Nein.
      Möglich wäre dieser Weg aber. Und aus meiner Sicht wäre er auch langfristig richtig.

      Antworten
      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ trodoon

        „Wenn die Banken nicht mehr bestimmte Möglichkeiten hätten Kredite zu vergeben, wäre es durchaus möglich, dass die Kreditvergabe an die Realwirtschaft LANGFRISTIG angekurbelt würde. Sie MÜSSTEN sich zwangsweise wieder stärker mit den realwirtschaftlichen Krediten beschäftigen. Es bliebe ihnen nichts anderes übrig…“

        Reine Finanzkredite zum Kauf von Bestandsassets gehören sowieso verboten (inkl. Eigengeschäft). Aber selbst wenn sich die Banken dann wieder auf den realwirtschaftlichen Kredit konzentrieren würden, gäbe es nicht genügend neue Schuldner für reale Investitionen, da die vorhandenen Kapazitäten völlig ausreichen, um die aktuelle Nachfrage zu befriedigen.

        Es führt mAn kein Weg an staatlichen Investitionen vorbei. Erst mit zeitlicher Verzögerung werden dann auch wieder die privaten Investitionen nachziehen (crowding in).

        Und nicht zu vergessen, was Heinz D. Kurz zu Schumpeter geschrieben hatte:

        „Sowohl in der Ausgangs- als auch in der Endlage gibt es weder „Unternehmer“ noch „Kapitalisten“, sondern nur „statische Betriebsleiter“. Entsprechend gibt es weder Profit noch Zins, sondern nur Löhne und Grundrenten.“

        „Der Unternehmer bedarf des Kredits. Diesen erhält er vom Bankier, der „zusätzliches Geld schafft“[…] Um Unternehmer zu werden, muss dieser zuerst Schuldner werden. Das Risiko trägt letztlich jedoch der Bankier.“

        „Kapital sind weder produzierte Produktionsmittel noch kumulierte Ersparnisse usw., wie es die gängigen Theorien behaupten. Ja, um einen Prozess der Entwicklung in Gang zu setzen, ist überhaupt keine Ersparnis vonnöten. Es genügt die Kreditvergabe an die Neuerer. Erst im Gefolge von deren Innovationen kommt es zu Ersparnissen aus den realisierten Gewinnen und steigenden sonstigen Einkommen.“ https://blogs.faz.net/fazit/2012/02/24/alte-meister-2-von-der-rastlosigkeit-des-kapitalismus-zum-100-geburtstag-von-joseph-schumpeters-theorie-der-wirtschaftlichen-entwicklung-266/

        Ansonsten aber völlig d’accord.

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Michael Stöcker
        „Es führt mAn kein Weg an staatlichen Investitionen vorbei. Erst mit zeitlicher Verzögerung werden dann auch wieder die privaten Investitionen nachziehen (crowding in).“
        Das wäre sehr wahrscheinlich so. Und in Anbetracht der Aufgaben bzgl. Digitalisierung in D wäre dies auch dringend geboten.

        Der erfolgreich Hedgefonds Physiker dürfte allerdings genügend Startkapital in den letzten Jahren angesammelt haben, um die eigene Firma aus vorhandenen, eigenen Mitteln zu gründen. Klar ist seine Rücklage einmal durch einen Kredit an wen auch immer entstanden.

        „Der Unternehmer bedarf des Kredits. Diesen erhält er vom Bankier, der „zusätzliches Geld schafft“[…] Um Unternehmer zu werden, muss dieser zuerst Schuldner werden. Das Risiko trägt letztlich jedoch der Bankier.“
        Tja, gäbe es doch noch genügend Bankiers die die Risiken persönlich tragen müssten, dann wären etliche Kredite in der Vergangenheit nicht bewilligt worden. Stattdessen haben wir die oft Boni gierigen Bankster, mit den entsprechenden Folgen… Damit meine ich selbstverständlich nicht den „normalen“ Bankangestellten an der direkten Kundenfront.

        „Reine Finanzkredite zum Kauf von Bestandsassets gehören sowieso verboten (inkl. Eigengeschäft). “
        Ausnahme würde ich für die eigengenutzte Immo sehen wollen.

      • Avatar
        troodon sagte:

        Kleine Anmerkung noch:
        Grundsätzlich gehe ich davon aus, dass Prof Werner die absichtliche Schwächung Europas durch das Großkapital aus den USA im Hinterkopf hat, wenn er die EZB betrachtet. Das mag übertrieben sein, gänzlich von der Hand zu weisen ist es m.E. nicht. Ein extrem wirtschaftlich starkes, geeintes Europa könnte eine Konkurrenz sein. So muss man sich aus Sicht der USA nur um China kümmern…

      • Avatar
        ruby sagte:

        @ troodon
        Sehe ich ebenso und zwar für Deutschland beginnend mit dem Eintritt der USA in den ersten Weltkrieg und in Mittel- sowie Südamerika bereits nach dem Ende des Bürgerkrieges zwischen Nord- und Südstaaten.
        Golddeckung und Silberdollar sowie Papiergeldhistorie gehören ebenfalls zu diesem Untersuchungsgegenstand wie die Beziehungen zu China seit deren Öffnungen der Küsten und Häfen.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Prof. Werner fordert klare Eingriffe für die Banken, die notleidende Kredite an die Notenbank verkauft haben, wie von Ihnen zitiert:

        “Sie würden keine Kredite mehr vergeben etwa für den dann gehebelten Kauf von Wertpapieren und auch nicht für Konsumzwecke, denn beides steigert am Ende nicht unsere reale Wirtschaftsleistung.“

        >Wenn die Banken nicht mehr bestimmte Möglichkeiten hätten Kredite zu vergeben, wäre es durchaus möglich, dass die Kreditvergabe an die Realwirtschaft LANGFRISTIG angekurbelt würde. Sie MÜSSTEN sich zwangsweise wieder stärker mit den realwirtschaftlichen Krediten beschäftigen. Es bliebe ihnen nichts anderes übrig…>

        ZWANGSWEISE zuwenden:

        Ja richtig, wenn KEINE Kredite für gehebelte Sachwerte (Wertpapiere und Immobilien) und keine Kosumentenkredite, DANN zuwenden an Unternehmen die Kredite für INVESTITIONEN erhalten wollen.

        Das ist logisch richtig, praktisch illusorisch, wenn die Unternehmen NICHT investieren wollen.

        M. Stöcker verweist zu RECHT darauf in der Antwort an Sie.

        Was ist dann NOCH logisch für die Banken, um Geld zu verdienen?

        WEITERE Zombifizierung von Unternehmen.

        Damit verdienen sie an den Bearbeitungsgebühren.
        Siehe weiter oben mein Post @ Dr. Gero von Grawert.

        Der Weg, den Sie avisieren:

        Theoretisch möglich, bei DEFLATION kaum gangbar, aber natürlich wünschenswert.

        Fazit:

        Sie, M. Stöcker und ich stimmen beim Wünschenswerten überein.

        Wir alle sind mehr oder weniger skeptisch, ob es gelingt oder gut gelingt.

        Der Staat ist NOTWENDIG für die Generierung realer Nachfrage, aber er wird m. A. n. NICHT das Momentum leisten können, das für ein sich selbst verstärkendes privatwirtschaftliches Wachstum erforderlich wäre.

        Bei der letzten Aussage ist die Energiewende außer Acht gelassen, weil der Saldo-Effekt m. A. n. nicht absehbar ist.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Dietmar Tischer
        „Was ist dann NOCH logisch für die Banken, um Geld zu verdienen?

        WEITERE Zombifizierung von Unternehmen.“

        Das wird sicherlich nicht das Ziel von Prof.Werner sein. Somit wäre auch hier eine Nachfrage sinnvoll.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        D’accord.

        Der Punkt ist:

        Seine Darlegungen, WOHIN die Kredite gehen sollten – Schaffung PRODUKTIVEN Sachvermögens ist RICHTIG.

        Ich würde aber gern einmal hören, W I E das in Gang kommen soll.

        Ein sanierter Bankensektor ist dafür notwendig, aber nicht hinreichend.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Wenn ich seine Ausführungen richtig verstehe:
        Dezentralisiertes Bankensystem+ Credit Guidance/Window Guidance für die Realwirtschaft= Vorgabe der NB an die Geschäftsbanken in welche realwirtschaftlichen Sektoren wie viele zusätzliche Kredite vergeben werden sollen.

        Ob dies tatsächlich in der heutigen Zeit in Europa zu den gewünschten Ergebnissen führt, ist selbstverständlich fraglich.
        Japan nach dem 2.WK, ja da hatte es funktioniert.

        Aber schlimmer als die aktuelle Situation mit zu viel Krediten an die Finanzwirtschaft bzw. für bestehende Assets, wäre es imho sicher nicht.

        Princess of the Yen ab Min 11:05:
        https://youtu.be/p5Ac7ap_MAY?t=665

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Danke für den Link, kannte die Nachkriegsthematik in Japan nicht.

        Abgesehen davon, dass ich die SITUATION und die gesellschaftlich-kulturelle MENTALITÄT nicht für vergleichbar halte, sind die Fragen:

        a) MACHBARKEIT – wollen wir das?

        Ja, in großer Note, aber sicher nicht jetzt.

        b) FOLGEN – wollen wir sie?

        Sicher jetzt nicht freiwillig, aber vielleicht irgendwann einmal müssen wir sie akzeptieren.

        >Aber schlimmer als die aktuelle Situation mit zu viel Krediten an die Finanzwirtschaft bzw. für bestehende Assets, wäre es imho sicher nicht.>

        Da bin ich ANDERER Meinung:

        Wenn es gelingt, die AKTUELLE Situation mit zu vielen Krediten im Finanzsystem und für bestehende Assets unter Kontrolle zu halten, d. h. dafür zu sorgen, dass ihre Entwicklung NICHT zum Systemabsturz führt, dann wird NICHT wie in Japan umgesteuert.

        Die EZB kann und MUSS helfen im Finanzsektor mit u. U. nachteiligen Effekten, darf aber NICHT demokratisch nicht legitimiert die FAKTISCHE Wirtschaftpolitik mit Credit Guidance/Window Guidance ausüben.

        Das akzeptieren die Volksvertreter und die Regierungen nicht.

        Lagarde, Schnabel & Co. werden NICHT die Wirtschaftslenker in Europa.

        Die Alternative stellt sich schlicht nicht.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Dietmar Tischer
        „Die Alternative stellt sich schlicht nicht.“
        Das sehe ich aktuell auch so.

        In der Theorie wäre es m.E. besser wir würden den aufgeblähten Finanzsektor mit seinen Boom und Bust Zyklen besser an die Ketten legen, stattdessen eine Kreditvergabe fast ausschließlich an die Realwirtschaft durchsetzen.

        Durch eine Änderung der Unterlegung der Kreditvergabe mit Eigenkapital der Banken KÖNNTE man daran etwas ändern.
        Eventuell bräuchte man die Credit Guidance auch gar nicht. Aber das ist alles nur theoretisches Gedöns, kommt so nicht.
        Und der Gedanke einer Kreditlenkung durch Lagarde, Schnabel und Co gruselt mich, so dass ich froh bin, dass es nur Theorie ist.

  10. Avatar
    Karl Margin sagte:

    Prof. Richard Werners klingt ja noch apokalyptischer-crashprophetischer als Markus Krall und Dirk Müller zusammen – auch wenn er alles in einem ruhigeren Ton vorträgt. Super, bitte mehr davon!

    Antworten
  11. Avatar
    Rolf Peter sagte:

    Wenn die Zentralbank einen wertlosen Kredit zum Nominalbetrag ankauft, fallen keine Kosten an? Der Kreditnehmer bekam mit dem Kredit einen Anspruch über Ressourcen, die er jetzt nicht mehr wie ursprünglich vereinbart rueckuebertragen kann. Irgendjemand verliert dann irgendwo irgendwas. Irgendwo geht eine Budgetrestriktion nicht mehr auf.
    Deswegen kritisiert er auch die Gleichgewichtstheorie. Müsste er seine Behauptungen gesamtwirtschaftlich konsistent aufschreiben, würde er merken, dass er irgendwo falsch liegt.
    Wenn ich nur wüsste, wie, dann würde ich sagen, es wird Zeit, dass wir einen Goldstandard als Parallelwährung einführen.

    Antworten
  12. Avatar
    Dr. Lucie Fischer sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,
    Vielen Dank für diesen Podcast, der es wert ist, mehrfach gehört zu werden.
    Darf ich als Laie fragen, warum fort-dauernd behauptet wird, die EZB sei “ unabhängig“?
    Das gaukelt per Begriff doch ein neutrales Engagement für das “ Gemeinwohl“ vor.
    Prof. Werner hat aber ( 42:21) dargelegt, dass die Notenbanken PRIVAT sind, – die Schacht- Reichsbank 1923 ( war mir nicht bekannt) offenbar JP Morgan/ Reparations-Komittee.
    Wenn es Prof. Werner die Aussage wagt, dass die EZB agiere , wie die Reichsbank, “ fast kriminell“ ( 46:10) mit der Politik des Banken-Killing, und stehe “ über Recht und Gesetz“ ( min. 58:02) , dass NIEMAND die EZB stoppen könne-
    sollte die Draghi-Bazooka-Dicke-Berta-Kriegswaffen-Metaphern gebrauchende EZB dann nicht öffentlich als
    TOXISCH, dysfunktonal -destruktiv für Banken, Wirtschaft, Gesellschaft und Bürger bezeichnet werden?
    Wenn es stimmt ( habe Quelle nicht gefunden, Erinnerung), dass die Mitglieder der EZB sich juristische Immunität verschafft haben- wäre das nicht eine Diskussion wert? ( Denn die Bedeutung dieser eternalen Straf-Freiheit schliesst – mal wieder- jede Haftung aus und öffnet Missbrauch Tür und Tor).
    Selbst,wenn viele Bürger grundlegende Details des Finanz-Systems nicht verstehen, würde alleine die Präzisierung der Begriffe zu klarerem Denken verhelfen:
    Gerade WEIL aktuell die Bildungspolitik alles versucht, den Wortschatz ( auch an den Universitäten, ein Witz!) auf niedrigstes Niveau zu dimmen:
    https://www.faz.net/aktuell//karriere/hochschule/wie-political-correctness-und-cancel-culture-diskriminieren
    ( FAZ vom 20.11.2020)
    Für die psychiatrische Behandlung schwer kranker Patienten ( die z.B. Probleme mit der Realtiäts-Prüfung haben) ist die genaue Präzisierung der Begriffe Voraussetzung für schärfere innere und äussere Wahrnehmung. Zeitaufwendig, aber oft ( nicht immer) hilfreicher als Medikamente. Klare Begriffe ermöglicht klares Denken, die Politik / EZB fördert aber Begriffs-Konfusion. Das zu korrigieren sollte möglich doch
    ( noch?) möglich sein?

    Antworten
    • Avatar
      Bauer sagte:

      @ Frau Dr. L. Fischer

      Die EZB mag sich ‚unabhängig‘ fühlen, aber de facto ist sie ‚unkontroliert‘, in ihrer gegenwärtigen Verfassung womöglich auch unkontrollierbar. SIe ist ein typische Ausgeburt französischer Staatsauffassung, wie die EU im übrigen auch.

      Antworten
    • Avatar
      Michael Mohnburg sagte:

      „die Politik / EZB fördert aber Begriffs-Konfusion. Das zu korrigieren sollte möglich doch
      ( noch?) möglich sein?“

      @ Frau Dr. L. Fischer

      Ein ehrenwerter Gedanke, ABER: die Begriffs-Konfusion ist zentraler Bestandteil des PLANS! Nur dadurch gelingt es der Zentralbank-Propaganda überhaupt, nennenswerte Zweifel an geldpolitischen (Fehl-)entscheidungen schon im Ansatz zu ersticken. Der größte gelungene PR-Coup in dieser Hinsicht ist wohl, dass sich die Zentralbanken als „Währungshüter“ in den Sprachschatz (fast) aller Medien eingeimpft haben. Dank des staatlichen Geldmonopols, das ungedecktes Geld zum gesetzlichen Zahlungsmittel machte und Zentralbanken mit der Produktion dieses Geldes betraut hat, haben moderne Regierungen – mit Hilfe ihrer Notenbanken – die
      Möglichkeit, ihre Schulden zu monetarisieren, das heißt, durch die Zentralbank zu inflationieren. Große Teile der Bevölkerung verstehen die Ursachen der Inflation nicht. Politiker und ihre Notenbankbürokraten werden alles versuchen, damit sich daran nichts ändert. Denn nur durch Verschleierung der wahren Zusammenhänge ist es diesen Gruppen möglich, Sündenböcke für die
      Unannehmlichkeiten der Inflation zu präsentieren, um vom eigenen Versagen abzulenken.

      Antworten
  13. Avatar
    weico sagte:

    @ Hubert Hug

    „Für mich stellt sich zentral immer wieder die Frage, warum die Erkenntnisse von Experten wie Ihnen von den verantwortlichen Politikern nicht umgesetzt werden.“

    Vermutlich einfach darum, weil es in der Ökonomie unzählige „Experten“ mit unzähligen „Erkenntnissen“ gibt.

    Das beste Beispiel ist ja die Dauerfrage …..ob die Zinsen steigen bzw. fallen werden bzw. ob eine starke Inflation bzw. Deflation/Rezession kommen wird.
    Die Meinung der „Experten“ ist dabei so unterschiedlich wie das Wetter.Herr Stelter’s Erkenntnis in Ehren…aber bei der Inflationsvorhersage liegt er schon seit Jahren schief.

    Beim Wetter spricht man aber ehrlicherweise ,je nach Zeitraum, von VORHERSAGEN . Bis 10 Tage ist,bei „stabiler“ Wetterlage, ein TREND erkennbar .Die prinzipielle GRENZE einer WETTERVORHERSAGE liegt, nach dem Mathematiker Wladimir Igorewitsch Arnold,bei 2 Wochen.

    Zudem gibt es in der Ökonomie ,wie beim Wetter, Paradoxa ….

    Ein interessantes ist z.B.das Schuldenparadoxon:

    https://www.cmegroup.com/de/education/featured-reports/the-economic-stimulus-relief-debt-paradox.html

    Nebenbei: Wenn ein „Experte“ vor Jahren vorhergesagt hätte,dass man bei seiner Bank Zinsen auf sein Erspartes ZAHLEN muss,dann wäre er wohl als Spinner abgestempelt worden.

    Heute sieht es in der Schweiz so aus,wenn man ein Privatkonto hat:
    https://www.moneyland.ch/de/negativzinsen-schweizer-banken

    Antworten
  14. Avatar
    markus sagte:

    „Auch die Position, höhere Zinsen würden der Konjunktur zuträglich sein, höre ich bislang nur von MMT-Vertretern.“

    Das wurde so nicht gesagt. Es wurde gesagt, dass hohe Zinsen und gute wirtschaftliche Entwicklung korrelieren. Und dass die Zinsen eher aus der wirtschaftlichen Entwicklung resultieren (und nicht umgekehrt). Somit wurde im Prinzip gesagt, dass die Zinsen irrelevant für die Konjunktur sind.

    Antworten
  15. Avatar
    Jakob Luttermann sagte:

    Ein ökonomischer Leckerbissen für alle wirtschaftshistorisch Interessierten.
    Glückwunsch zu diesem spannenden Interview zur Jubiläumssendung.
    Ich meine, dass hier aber eine Einordnung und teilweise ein Faktencheck von Ihnen notwendig ist.
    So würde mich Ihre Einschätzung zur Position Prof. Werners der Bewertung von Schrottanleihen zum Nominalwert und dem damit verbundenen Verlust des EZB- Seigniorage Kapital interessieren.
    Auch die Position, höhere Zinsen würden der Konjunktur zuträglich sein, höre ich bislang nur von MMT-Vertretern.
    Zur Historie: Zwar war die Reichbank in Pribatbesitz, unterstand bis zum Autonomiegesetz 1922 aber den Entscheidungen der Regierung. Sonst hätte sich wohl auch der Krieg gar nicht finanzieren lassen. Der spätere Präsident der Reichsbank, Schacht, Anfangs noch der liberalen DDP nahestehend, wurde maßgeblich von Stresemann und Finanzminister Luther inthronisiert. Also zumindest bei der Auswahl des Präsidenten hatte die Regierung noch großen Einfluss. Dem insinuierten Darstellungen, die Unabhängigkeit der Zentralbank hätte mit zur Machtübernahme der Nazis beigetragen, sollte widersprochen werden. Er meinte vermutlich eher die Austeritypolitik Brünings, die damals aber dem Zeitgeist entsprach. Die Zentralbanken waren dagegen mit den Herausforderungen völlig überfordert. Nicht nur die Reichsbank, sondern alle wesentlichen Zentralbanken.

    Antworten
    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      @ Jakob Luttermann

      „So würde mich Ihre Einschätzung zur Position Prof. Werners der Bewertung von Schrottanleihen zum Nominalwert und dem damit verbundenen Verlust des EZB- Seigniorage Kapital interessieren.“

      Meine Einschätzung dazu hatte ich bereits gestern formuliert: https://think-beyondtheobvious.com/was-wir-vom-erfinder-des-quantitative-easing-lernen-koennen/#comment-168027

      Richtig ist allerdings, dass es eine gute Idee ist, eine Bad Bank bei der EZB zu installieren, um die Bankbilanzen zu sanieren. Allein das wird nicht ausreichen, um die Kreditvergabe für reale Investitionen wieder anzuregen. Dafür brauchen wir insbesondere höhere Einkommen in den unteren und mittleren Einkommenssegmenten, damit auch die Nachfrage wieder anspringt. Insofern sind ZUERST massive staatliche Investitionen in Bildung und Infrastruktur erforderlich, bevor auch die private Kreditnachfrage wieder anspringt.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      @ Dagobert

      Im Gegensatz zu Ihnen plädiere ich eindringlich für eine exzellente frühkindliche Bildung; und zwar in Anlehnung an den Kanton Zürich. Da geht es spätestens ab dem 4. Lebensjahr mit dem Chindsgi los: https://www.zh.ch/de/bildung/schulen/volksschule/kindergarten.html . Wer zuvor bereits zwei Jahre eine Kita besucht hatte, ist meisten deutlich besser für den Chindsgi vorbereitet. Dann wären auch die ernüchternden Erlebnisse von Christian Anders an deutschen Hauptschulen bald weitgehend Geschichte.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Avatar
        Dagobert sagte:

        @Michael Stöcker

        Wo/Wann haben Sie denn einen Gegensatz zur Bildung gelesen?

        Der blinde Fleck Ihrer Logik hat den Ruf von @Chrisitan Anders natürlich nicht zu Ende zu deuten verstanden. (*)

        Frühkindliche Erziehung in Chindsgi ist auch nur die Übersetzung des DDR Bildungssystemes nach dem Westen, damit progessive Erzieher mit der Konditionierung im Sinne des Zeitgeistes einer familiären Prägung keinen Raum lassen? In der Zwischenzeit „malocht“ die Mutter für die Kosten und man heißt die Tätigkeit „emanzipiert“, während der Vater darum kämpft hinreichend Ressourcen zu bieten, um den Ausbruch weiblicher Hypergamie zu unterbinden?
        Das einzige was unsere Familien ununterbrochen erleiden ist finanzieller asset price Druck, möglichst abgemildert durch die Transfers der Eltern- und Großelterntiere – ohne die Familie ein Fall für Peter Zwegat wäre, demnächst pandemisch….von gekündigtem home office aus.

        Als Mitteleuropa noch zur Topelite der Welt gehörte, waren es die Klöster in jeder Gemeinde, welche neben Betreuung auch Werte vermittelten – heute werden Bildungsstreiks aus den staatlichen Einrichtungen heraus organisiert (vgl. Greta) – Chindsgi nur für den Internetbeitrag…und seine gläubigen Leser.

        Ist Chindsgi tatsächlich ein Wettbewerbsvorteil, gewänne die Masse aus der Konkurrenz desselben keine Vorteile. So bleibt nur die Hoffnung „spinnerter“ Elterntiere, dass ihre Sprößlinge den Sprung nach vorn machen; nach dem Ballett-, Klavier-, Schach-, Ruder-, Schwimm und Jujutsu-Unterricht.

        Zu Beobachten sind vor allem überforderte Borderliner in den Dualen Ausbildungssystemen, die nach einem Sturzflug durch das Bildungssystem (im Zuge der elterlichen Trennung) eine Ritalinentwöhnung hinter sich haben….und noch nicht wissen, was sie machen wollen….Versicherungen oder Gärtnerei..

        (* Christian Anders wollte nicht erzählen wie sich die Ethnien der chaotischen Jahrgänge zusammensetzen, weil man in Mitteleuropa nach der indigenen Unterschicht mit Hang zum Millieu schon angestrengt suchen muss. Eingeborene bildungsferne Schichten gehen in Europa demnächst in Rente, ihre Nachfolger rekrutieren sich vor allem aus dem Kreis der Zugewanderten – in ihrem Desintegrationswillen vielfältig bestärkten – aus aller Herren Länder/Religionen.
        Es gilt: https://www.achgut.com/artikel/integration_sieben_thesen

        Ein Paradebeispiel für einen – „Schulabbrecher“ mit „Realschulabschluß“ der als „Kfz Mechantroniker“ (Polizeit [NRW?]) nun einen Autohandel führt…. mir symphatischer als Sören oder Malte und demnächst vielleicht an der FOS/BOS…
        youtu.be/GWUydiodd6M )

        Bildung, Bildung, Bildung – einfach Geld schöpfen und in staatlichen Systemen investieren…..

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Dagobert

        „(* Christian Anders wollte nicht erzählen […]“

        Gut, dass jemand besser weiß, was ich so erzähle, als ich selber.

        Es war ein Erfahrungsbericht.

        Problemanalyse (= persönliche Meinung in diesem Fall): Einige (in entsprechenden Schulen: Sehr viele) Eltern von Kindern sind emotional gesehen Kinder im Körper von Erwachsenen, die selber Kinder kriegen, die dann qua Elternhaus emotional Kinder bleiben, während die Körper zu denen von Erwachsenen heranreifen, was dann…
        Dieses Problem wirkt sich auch auf die fachliche Bildung und die Reifung des Intellekts aus. Das ganze reproduziert sich dann über Generationen.

        So die knackig kurze und politisch inkorrekte Zusammenfassung meiner Erfahrung.

        Wer das einmal gesehen hat kann begründet die Meinung ausbilden, das maximal viele Ressourcen in die frühkindlichen Betreuungs- und Bildungsangebote sollten. Dass die Mutter nicht zu Hause wäre, ist oft gar nicht die Problemstellung – sie ist da.

        Man kann hier eine Gegenposition beziehen, dann muss man aber richtig tief bohren, um Argumente bauen zu können.

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        Dagobert sagte:

        @Christian Anders

        Frühkindliche staatliche Erziehung zur Behebung elterlicher Mängel darf bei Erfolgszwang KEIN Angebot sein.
        Ein Problem wenn Migrationshintergrund der Nachteil ist, den 2te.+x Generation Deutsche von Geburt an nicht haben. Frühe Ehen, familiär arrangiert, sind kein Kennzeichen jüngerer europäischer Entwicklung – eher das Gegenteil.

        Aus Gründen der Gleichheit alle Kinder unter staatliche Obhut stellen, bringt den Verlierern nichts und schadet den Eliten, weil der Erziehungserfolg unter der Bedingung von Integration und Inklusion ausgeschlossen ist. Wer das nicht begreift war in seiner Schulzeit kein „Streber“….und wurde deshalb nicht (von Lehrkräften) gemobbt.

        „…Gegenposition beziehen, dann muss man aber richtig tief bohren, um Argumente bauen zu können.“
        Das wollen Sie nicht und ich auch nicht, nur die fake Illusion von Stöcker ins Land der Züricher Besserverdiener zurck befördern….war meine Absicht.

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        Christian Anders sagte:

        @Dagobert

        „Ein Problem wenn Migrationshintergrund der Nachteil ist, den 2te.+x Generation Deutsche von Geburt an nicht haben.“

        Sie machen Worddropping. „Was ich mal sagen wollte…“
        Nehmen Sie Bezug zu meinen Aussagen, wenn Sie meinen Namen nutzen!

        Ich habe eine persönliche Sicht geliefert und kann versichern, dass in meinem Fall Migrationshintergrund NICHT das Problem war.
        Es war schlicht, dass Bildungsferne eines Elternhauses (die gefühlt nicht mit dem kulturellem Hintergrund korreliert) einfach fast zwangsläufig reifeverzögerte Kinder ausspuckt, die im jetzigen Bildungssystem chancenlos sind und selber bildungsfern enden.

        Bei allen wirtschaftlichen Themen zum Überbau und zum System ist das die untere Ebene, auf der es hakt. Nachdem Banken für zig Milliarden gerettet wurden kann keiner sagen, eine Reform wäre nicht finanzierbar. Sie ist höchstens nicht gewollt, weil zu anstrengend, zu disruptiv, zu destabilisierend.

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        Dagobert sagte:

        @Christian Anders

        1. Entschuldigen Sie den faux pas Ihren Namen erwähnt zu haben, sie haben sich gründlich dekontaminiert und weiträumig distanziert.

        2. Ich bedaure wirklich mich auf den Mist von Stöcker eingelassen zu haben und darüber schulisches Versagen nicht allein an der DEUTSCHEN Mehrheitsgesellschat fest zu machen.
        Natürlich hat die von Ihnen beschriebene UnterSchicht kein Recht darauf seine Kinder nach gusto zu erziehen, sondern muss diese sobald als möglich dem Staat aushändigen, wie es sich für Unmündige gehört.

        3. Und tschüss.

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        Christian Anders sagte:

        @Dagobert

        Ich empfehle, den Power-Button ihres Hirns zu betätigen. Evtl. aktiviert sich dann die sinnerfassende Lesefähigkeit.

        „nicht allein an der DEUTSCHEN Mehrheitsgesellschat fest zu machen.“

        SIE haben es sogar EXKLUSIV woanders festgemacht. Warum? Weiß der Geier…

        „Entschuldigen Sie den faux pas Ihren Namen erwähnt zu haben“

        Na gut.
        Nicht jeder darf entschuldigen, meinen Namen mit rassistischem Kackscheiß in einen Top zu rühren.
        Gern geschehen.

        „Natürlich hat die von Ihnen beschriebene UnterSchicht kein Recht darauf seine Kinder nach gusto zu erziehen,“

        Doch, das Recht haben sie.
        Ich stelle aber fest, dass es gemessen an den Ansprüchen, die unsere Gesellschaft an Bildung und Kultur hat, oft Ergebnisse erzielt, die diese Ansprüche nicht erfüllen können.
        Wir könnten diskutieren, ob das an der Gesellschaft, den Ansprüchen, oder der „UnterSchicht“ liegt. Oder ob das überhaupt relevant ist.

        Aber das will ja keiner. Denn, macht man das Thema mal auf, dann:

        „Und tschüss.“

        *winkewinke*

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        „Es war schlicht, dass Bildungsferne eines Elternhauses (die gefühlt nicht mit dem kulturellem Hintergrund korreliert) einfach fast zwangsläufig reifeverzögerte Kinder ausspuckt, die im jetzigen Bildungssystem chancenlos sind und selber bildungsfern enden.“

        Und Sie glauben ernsthaft, das würde sich ändern, wenn diese Kinder ab dem Alter von 2 oder 3 Jahren in einen deutschen Kindergarten gesteckt würden?

        Die sind danach immer noch reifeverzögert, aber dazu noch mit der aktuell modischen Ideologie frühkindlich gehirngewaschen.

        „Na gut. Nicht jeder darf entschuldigen, meinen Namen mit rassistischem Kackscheiß in einen Top zu rühren.“

        „Kackscheiß“? Na, jetzt ist mir klar, wo Sie herkommen. Wenn Sie Ihre links-anale Phase überwinden, dann erkennen Sie vielleicht, dass die Unterschicht in Deutschland größtenteils einen Migrationshintergrund hat.

        Das ist einfach die Realität, mit Rassismus hat das überhaupt nichts zu tun. Dafür umso mehr mit Merkels sogenannter „Flüchtlingspolitik“ und der versäumten Integration von mittlerweile schon 3 Generationen von zugewanderten Türken und deren Nachfahren.

        Bonusfrage für extra „Kackscheiße“-Kropolalie von Ihnen: Wie erklären Sie sich eigentlich, wieso es bei Türken und Arabern so viele Bildungsverlierer gibt, während zugewanderte Vietnamesen und andere Asiaten in Deutschland sehr erfolgreich sind?

      • Avatar
        foxxly sagte:

        @ ff
        zum thema bildung sollte man vielleicht schon differenzieren:
        mit der heutigen kompliziertheit, – also mehr die bedingungen neben dem berufsfach, – sind die heutigen anforderungen ungleich höher.
        früher konnte ein volksschüler nach der 8. klasse und mittleren zeugnisnoten, durchaus ein erfolgreicher unternehmer werden.
        wenn heute, vergleichbar mit früher, die hemmnisse wie zb verwaltung, finanziell, perspektiven, etc. weg wären, dann würden sehr viel mehr jugendliche, eben auch große chancen haben aus sich mehr zu machen.
        insgesamt ist eine riesen perspektivlosigkeit vorhanden. das liegt nicht alleine am bildungsgrad.
        und ich denke auch, dass der bildungsnotstand besser definiert werden sollte., wo, wie , was etc.?
        die heutige reine fachliche bildung ist schon gut.
        eine sehr spezialisierte bildung ist schon mehr fraglich, wenn dann der mensch die zusammenhänge verliert, oder gar zu einem gesellschaftsunfähigen individum degeneriert.
        grundsätzlich gilt:
        alle möglichkeiten, techniken etc. die heute erreichbar sind, sind manche in ihrer anwendung vielleicht problematisch: stichworte atom, genetik, u.a.

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Dagobert

        „Wo/Wann haben Sie denn einen Gegensatz zur Bildung gelesen?“

        Hier: „Dieselbe politische Gleichmacherei trägt natürlich durch das gesamte Bildungssystem. Der Absturz an Leistungsfähigkeit ist ununterbrochen Ergebnis politischer Interventionen, die empfindlichste Sektoren der Gesellschaft als Ziel soziologischer Massenexperimente (Integration, Inklusion, Ganztag, Krippen etc. pp. ) preis gibt.“ https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/mmt-ist-kein-geeignetes-instrument/#comment-167450

        „Frühkindliche Erziehung in Chindsgi ist auch nur die Übersetzung des DDR Bildungssystemes nach dem Westen“

        Nicht nur hiermit haben Sie den Boden rationaler Diskussion verlassen. Und Ihre „Diskussion“ mit Herrn Anders spricht Bände. Insofern: We agree to disagree.

      • Avatar
        Dagobert sagte:

        @Christian Anders / Michael Stöcker

        Bildungsferne ist eine Tatsache die sich aus sozialen Umständen ableiten lässt und nicht universelles Privileg * einer Rasse/Religion/Nationalität ist. *Wäre dem so, hätte sich Europa nie entwickelt.

        Aufstiegsmigration hat viel mit der Überwindung wirtschaftlichen Mangels zu tun und kann nur über durch die Überwindung sozialer Nachteile erfolgreich sein.

        Abstiegsmigration heißt Entwicklungshilfe und ist erfolgreich, wenn Ursachen beseitigt werden – durch Aufklärung. Aufklärung wovon?…. von den Umständen, die man hierzulande nicht aussprechen darf ohne beschähmt zu werden. Freiheitliche Demokratie 2020ff…..

        Rassismus ist Erfindung von Sklavenhaltergesellschaften zur Legitimation derselben. Das Ende der Sklaverei setzte eine koloniale Großmacht durch. Heute dient der Vorwurf von Rassimus nur noch zur Legitimation von Transferleistungen…..die Umkehrung von Sklaverei schlechthin.

        Mein Misstrauen gilt jenen, die ihre Argumentation beständig auf Beschähmung und negierten Tatsachen aufbauen, was man früher als Lüge bezeichnete. Unser Dissens erstreckt sich über alle politischen Felder: Wirtschaft, Energie, Verteidigung, Soziales, Bildung, Religion, Klima, Familie…..weil mir der Erhalt unseres Entwicklungsstandes wichtiger ist als politische Utopien.

        Tatsächliche Furcht flösst mir der vorgetragene HASS ein, unter der dünnen Firnis von Zivilisation/Bildung.

        Beruhigend weis ich die Mehrheit der Migranten bei meiner Position, denn kaum jemand will auf das Niveau der Herkunftsländer absteigen…..

  16. Avatar
    foxxly sagte:

    podcast: eine interessante , eher geschichtliche aufarbeitung.
    quintessenz: gelddrucken kann kurzfristig hilfreich sein, aber es löst keine grundsätzlichen probleme

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    • Avatar
      foxxly sagte:

      ein weiterer aspekt: warum bringt die EZB die banken in nöten? warum wollen sie mehr eigengeschäfte machen? (letzteres wurde von prof. einigermaßen beantwortet.)
      Banken werden manchmal mit großen firmenpleiten in bedrängnis gebracht. meist aber sind sie durch eigengeschäfte selber schuld an ihren dilemmer; – beispiel deutsche bank!
      vielleicht steckt auch ein gewisses kalkül der notenbank dahinter, denn die banken sind big to fail; – sie werden auf staatskosten/steuerzahler, gerettet.
      dies würde jedenfalls in eine bestimmte strategie passen, wonach immer mehr vermögen zur hochfinanz wandert, was systemisch sowieso der fall ist.
      nun, klaus schwab WEF weltwirtschaftsforum davos, hat bereits verkündet, „2030 werden wir nichts mehr besitzen“
      wenn wir jetzt bereits die vermögensverteilung auf der welt anschauen, dann ist es leicht möglich, dass durch die exponentialfunktion des Kreditgeldes, vermögen von vielleicht 98/99%, oder mehr, sich in ganz wenigen händen sich befinden werden.
      oder k.schwab weiss einen anderen weg dahin?

      Antworten
  17. Avatar
    Hubert Hug sagte:

    Guten Tag Herr Dr. Stelter,
    ich höre mir sehr gerne die wirtschaftlichen und politischen Beiträge von intelligenten Menschen an.
    Daher bin ich auch gerne Stammleser/-Hörer bei Ihnen.
    Für mich stellt sich zentral immer wieder die Frage, warum die Erkenntnisse von Experten wie Ihnen
    von den verantwortlichen Politikern nicht umgesetzt werden.
    Wenn m.E. in Deutschland durch das Listensystem der Parteien das „Peter Prinzip“ vorherrscht,
    unterstelle ich doch unseren Politikern ein gewisses Maß an Grundverständnis -zumindest in
    Zusammenarbeit mit deren vielen Beratern, um klügere Entscheidungen zu fällen.
    Warum ist das so ? Was ist ihre Erklärung ?
    Das WEF u.a. präferieren seit einiger Zeit den „Great Reset“. Gerne würde ich mir diesbezüglich
    einen Beitrag von Ihnen wünschen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Hubert Hug

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    • Avatar
      JürgenP sagte:

      @ Huber Hug
      Wenn gute Ideen mehrheitsfähig sind, werden sie umgesetzt.

      Die anderen müssen „bearbeitet“ werden, damit sie mehrheitsfähig werden. Sie müssen entsprechend der gegenwärtigen Entscheidungsmechanismen durch Aushandlung von Kompromissenso lange weichgespült werden, bis sie mehrheitsfähig sind. Aus guten Ideen werden bestenfalls mittelmäßige, viel zu häufig auch schlechte Lösungen.

      Das ist angesichts der immensen Probleme einfach nur schlechtes Management durch schlechte Managementprinzipien.

      Dafür können die Politiker, die aus guten Ideen mittelmäßige oder schlechte Lösungen kompromissieren, nur bedingt etwas. Sie werden sie von Beratern beraten, deren Horizont zwar im Detail spitze (… „Virologen“), in Bezug auf Wirkungen in komplexen Zusammenhängen außerhalb ihres speziellen Horizontes in der Regel gleich Null ist. Dass hießt, es fehlen die richtigen Experten am Tisch. Es ist nicht erkennbar, dass sie dieses Prinzip ändern wird – also bleibt es bei schlechten Lösungen trotz viel besserer Ideen.

      Ein gutes Beispiel ist die „Finanzierung“ von coronabedingten Ausfällen bei Freiberuflern, Kleinst- / Einzelunternehmern & Künstlern. Eine gute Idee zum Beginn der Pandemie (Dr. Stelter) wurde nicht aufgegriffen. Stattdessen entstand ein bürokratisches Monster von Bazooka-Scholz & Co, d.h. durch in der Mehrzahl freigestellte beamtete Politiker und deren „Berater“ aus staatlich gesponserten Institutionen.

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      • Avatar
        ruby sagte:

        @Jürgen P.
        Schauen Sie zum Netzwerk der „Dominion“ianer wegen Mehrheiten.
        Das ist dieses … Programm, das eine Stimme mit 0,75 und die andere mit 1,25 gewichtet.

    • Avatar
      Rolf Peter sagte:

      „Für mich stellt sich zentral immer wieder die Frage, warum die Erkenntnisse von Experten wie Ihnen
      von den verantwortlichen Politikern nicht umgesetzt werden.“

      Expertenerkenntnis besteht aus wissenschaftlich begründeten wenn-dann-Aussagen, nicht aus Zielvorgaben und Meinungen.
      Wenn ein Experte seine Meinung zum Besten gibt (wozu er natürlich alles Recht der Welt hat), dann äußert er sich nicht als Experte.
      Soweit also ein Experte seine Meinung in eine Diskussion einbringt, ist sein Beitrag nicht mehr wert als jede andere Meinung auch. Herr Stelters Beiträge sind zum größten Teil Meinungen.

      Zweitens ist Expertenwissen umso weniger wert, je komplexer das System ist, auf das sich das Wissen bezieht. Man kann Wirtschaftspolitik oder Unternehmertum nicht so lernen, wie man Maschinenbau lernen kann. Eine Volkswirtschaft lässt sich praktisch nicht steuern; man kann sich nur durch Versuch und Irrtum vortasten. Deshalb ist in solchen Bereichen Expertenwissen nicht so viel wert. Je nach Experte erhält man auch sich widersprechende Aussagen. Expertenwissen wird nur aufgegriffen, wenn es irgendwelchen durchsetzungsfähigen Interessen dient.
      Abgesehen davon sollte man bei den hier behandelten Themen immer vorsichtig mit Expertenvorschlaegen sein, wenn der Experte selbst kein „Skin in the Game“ hat.

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