Trump ist kein Superlativ, aber …

… die Wirtschaftsbilanz von Donald Trump ist nicht so schlecht wie sein Stil.

Folge 11 von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ beantwortet die Frage, nach dem ökonomischen Erfolg der „America first“-Politik von Donald Trump. In der öffentlichen Wahrnehmung dominieren seine Verbalangriffe, Sanktionen und Strafzölle. Aber was bleibt unterm Strich aus Sicht des Ökonomen? Auch dank Ihrer Themenwünsche steht in der neuen Folge Donald Trump und seine Wirtschaftspolitik in der Analyse.

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Kommentare (11) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Thomas Moellers sagte:

    Sehr geehrter Herr Stelter!

    Sehr interessanter Artikel. Bei der Berechnung des amerikanischen BIP komme ich aufgrund von Beobachtungen und von externen Analysen auf ganz andere Ergebnisse.

    Vielleicht wäre ein Podcast zu dem Thema es einmal wert, ihn zu erstellen.

    An den Methoden der amerikanischen Wirtschaftsstatistik ist schon früh massive Kritik geübt worden, wie urbs-media in einem Online-Artikel vom 15.4.2002 unter dem Titel: „Statistische Schönfärberei bei den amerikanischen Konjunktur- und Wirtschaftsdaten“ berichtet. Siehe dazu http://www.urbs.de > Aktuelle Infos > Geld und Finanzen (s. ggf. im dortigen Archiv)

    Würde man die Logik der USA zur Berechnung des BIP auf Deutschland übertragen, käme man sehr grob gerechnet auf einen signifikant höheren Wert als bisher veröffentlicht.

    Die offiziellen Statistiken der USA (und auch China) sind also mit größter Vorsicht zu genießen!

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    Jens Schirner sagte:

    Lieber Herr Stelter,

    vielleicht war ich nicht 100% aufmerksam beim Zuhören, aber folgendes erstaunt mich:
    Bei der Korrelation von 5% Budgetdefizit und rund 3% Wachstum in den USA argumentieren Sie, daß angesichts des Potentialwachstums (Bevölkerung und Produktivität =1%) die Staatsausgaben nur mit Mühe das Ziel erzwungenen zusätzlichen Wachstums des BIP erreichen. Wie jeder nicht-keynesianische Ökonom seit Jahrzehnten weiß: Der Multiplikator von Staatsausgaben zu Wirtschaftswachstum liegt immer unter 0, sprich: Ankurbelung durch Staatsausgabenerhöhung ist immer Unsinn, hat außer Verschuldungsgrad kaum je die reale Wirtschaft strukturell verstärkt.
    (New Deal und ähnliche echte Krisen wären eine Diskussion wert.)

    Später aber sagen Sie, sie hielten es für gut, wenn Trumps Ankurbelungspolitik auch in Europa übernommen werde. Ich bin überrascht.
    Wenn ich richtig zugehört habe, ist dies ein innerer Widerspruch.
    Zum anderen ist unser Mittelmeerblock bis zu Frankreich ja am Ende des Trump´schen Pfades und beweist den Mißerfolg der Ausgabenorgie: Fast untragbare Verschuldung und staatliche Handlungs- und Reformunfähigkeit, der Multiplikator liegt vermutlich bereits unter 0. Dabei wurde unrealistische Erwartungshaltung in Politik und Öffentlichkeit erzeugt, der Staat werde schon jedes Problem mit mehr Geld lösen.
    E voila: nun kommt der New Deal!

    Lieber und geschätzter Herr Stelter, falls ich doch aufmerksam mitgedacht haben sollte, müßte ich Sie der Inkonsequenz zeihen. Mich dünkt, sie hätten sich in einem grundlos optimistischen Moment im Gegensatz zu Ihren immer scharfen Analysen mit Scheuklappen in Herrn Fratzscher & Co´s Zug nach Nirgendwo gesetzt.

    Mir ist bewußt, daß liberale Positionen (im alten englischen, nicht im neuen amerikanischen Sinn) nicht mehrheitsfähig sind.
    Aber der Überschuldung ist es am Point of Return egal, ob ihr Vater Clinton, Bush, Obama oder Trump hieß, Greenspan, Bernanke, Yellen oder Powell.
    Wie Sie an anderer Stelle faktenreich zeigen, wird die Bugwelle der Verschuldung irgendwann über den Bug ins Boot schwappen. Nur Zeitpunkt und Ausmaß des Schadens sind ungewiß.

    Letztlich scheint mir Trumps Wirtschaftspolitik der Rede nicht wert, weil es außer der Steuerreform keine außer rhetorischen Veränderungen gibt. Er verschiebt nur etwas die Gewichtungen, wie auch bei der Nato-Debatte.
    Wie so oft ist nicht das Bißchen interessant, was in der Zeitung steht, sondern was nicht dort steht: Trump hat die Tea Party – Bewegung in den Hintergrund gedrängt, die den Staat verschlanken wollte. Er wettert gegen den deep state. Statt diesen zu entmachten, setzt er lediglich seine Leute herein wo möglich, und erhöht dessen Ausgaben.
    Im Rückblick wird man wohl sagen, daß der Wechsel von Obama zu Trump nicht viel mehr Wandel bedeutete als der von Clinton zu Bush d.J.: Much ado about nothing.

    Das Feld der Differenzen liegt auf kulturellem und moralischem Gebiet. Traditionelle verankerte Werte wie Kernfamilie, persönliche Autonomie gegen Bevormundung, Organisation der Gesellschaft durch freie Bürger statt Bürokraten, etc. gegen Patchwork-Gender-Familie im Staatsdienst. Während diese Themen im staatsgläubigen Europa gerade noch zunehmen (übrigens fast ausschließlich copy-and-paste aus USA), identifizierte Trump die Gegenbewegung als seine Wählerbasis. Und Wahlen gewinnt er nicht mit Wirtschaftsthemen, sondern hiermit.
    Die USA entstanden GEGEN den Staat. Dieser ist das potentielle Problem freier Bürger. Deswegen ist das Recht auf Waffen ein Sicherungsmechanismus des Bürgers GEGEN den STAAT.
    Als Nation mit 99% Einwohnern mit Migrationshintergrund und der erfolgreichsten Integrationspolitik der Weltgeschichte braucht das Land das, was wir als Leitkultur nicht definieren können. Diese haben sie auch. Die Gefährdung besteht in der universitär-linken politischen Korrektheit mit ihren Multiplikatoren in Politik, Verwaltung, Bildung und Medien, den Mainstream-Akademikern.

    Da wir es also mit einem Kulturkampf um Erbe und Zukunft der westlichen Zivilisation zu tun haben, bei dem im täglichen kulturellen Output der USA von Aristoteles über Jesus und Marx alles ins Feld geführt wird …

    … bin ich der Meinung, daß das wesentliche Versäumnis der Trump-Administration ist, sich gerade nicht von der gescheiterten Nachfragepolitik zu verabschieden und die gleichen Fehler wie die EU zu machen. Gerade und nur die angelsächsische Aufklärung hat wirtschaftspolitische Erfolgsrezepte geschrieben und bewiesen seit 250 Jahren.

    Wie immer erfreut über Ihre anregenden und vielfältigen Beiträge,
    Jens Schirner

    Und hier schließt sich der Kreis: Der Unterschied zwischen Trump´s „Wirtschaftspolitik“ und der in Europa ist marginal. Und natürlich ist Europa auf dem gleichen Weg, seit Jahrzehnten. Der größte Unterschied: Europa ist bereits weiter, damit sklerotischer und krisenanfälliger.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Jens Schirner

      >Gerade und nur die angelsächsische Aufklärung hat wirtschaftspolitische Erfolgsrezepte geschrieben und bewiesen seit 250 Jahren.>

      Das sehe ich auch so.

      Aber bleiben Sie nicht dabei stehen, sondern befassen Sie sich einmal mit dieser Frage:

      Ist auszuschließen, dass die unbestreitbar großen Erfolge AUCH zu Zuständen geführt haben könnten bzw. führen können, die es vielen Menschen als vorteilhaft erscheinen lassen, das Erfolgsmodell nicht fortzuführen – jedenfalls nicht so wie in der Vergangenheit?

      Ich würde es nicht ausschließen.

      So halte ich es z. B. nicht für vorteilhaft, dass diesem Erfolgsmodell entsprechend die Weltbevölkerung um weiter Mrd. Menschen zunimmt.

      Die Entgegnung eines Anhängers der angelsächsischen Aufklärung – ich bleibe einmal bei dieser Verortung – würde lauten:

      Was von vielen Menschen als nachteilig angesehen wird, IST in der Tat nachteilig, aber nur entstanden, weil in die wirtschaftspolitischen Erfolgsrezepte eingegriffen wurde.

      Diese Entgegnung enthält Folgendes:

      a) Es wurde in die wirtschaftspolitischen Erfolgsrezepte eingegriffen.

      Diese Aussage ist richtig, durch Tatsachen belegbar.

      und

      b) Wenn es keine Eingriffe gibt, entsteht auch nichts prinzipiell Nachteiliges.

      Das ist ein Glaubenssatz, der als Counterfactual weder belegbar noch widerlegbar ist.

      Er ist aber BESTREITBAR, anhand der Funktionalität der wirtschaftspolitischen Erfolgsrezepte und dessen, was durch sie erreicht wurde.

      Beides ist empirisch belegbar.

      Will sagen:

      Wenn Menschen am Existenzminimum sind und faktisch nichts zu verlieren, sondern viel zu gewinnen haben, werden sie die wirtschaftspolitischen Erfolgsrezepte ohne große Einwände akzeptieren und ihnen entsprechend handeln.

      Wenn sie das getan haben über einige Generationen sind ihre Nachkommen in einer anderen Situation, nämlich Wohlhabende.

      In DIESER Situation haben sie viel zu verlieren und – möglicherweise – relativ wenig oder so wenig zu gewinnen, so dass sie die Erfolgsrezepte nicht mehr verfolgen, sondern sie zumindest modifiziert sehen wollen.

      Fazit:

      Die wirtschaftspolitischen Erfolgsrezepte mögen zwar nach wie vor wirksam sein – was hier mal nicht hinterfragt werden soll –, aber ihre Einschätzung bzw. Relevanz wird anders eingeschätzt aufgrund der Ergebnisse, die mit ihnen zustande kamen.

      Das übersehen Sie in Ihrer Argumentation.

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    Richard Ott sagte:

    Trumps Stil ist doch nicht schlecht! Er wird massiv und permanent von linken Politikern und linken Haltungsjournalisten angegriffen und – für einen Politiker unerhört: Er wehrt sich erfolgreich dagegen! Ihm haben wir es zum Beispiel zu verdanken, dass der Begriff „fake news media“ so eine Durchschlagskraft entfaltet hat, inklusive „Fake News Awards“: https://www.nytimes.com/2018/01/17/business/media/fake-news-awards.html

    Klar, dass die linken Volkserzieher dann gefrustet sind und ihm „schlechten Stil“ vorwerfen. Diesen hilflosen Vorwurf braucht man sich deshalb aber nicht zueigen zu machen.

    Ein Gedankenspiel: Wenn Trump in Thüringen zum Ministerpräsident gewählt worden wäre, hätte er bestimmt nicht so schnell aufgegeben wie Kemmerich. Aber wird haben halt in Deutschland keinen Trump, sondern nur die FDP, die in jede Hose macht, die man ihr hinhält. Aber das immerhin sehr stilvoll.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Richard Ott:

      Stimmt. Meine Meinung dazu ist: Herr Kemmerich hat es fast im Alleingang verbockt. Wenn er sich hingestellt hätte und gesagt hätte, ich bin gewählt. Jetzt ernenne ich mal Minister und stelle mein Regierungsprogramm vor, auch wenn es nur bis zum Ende des genehmigten Haushalts reicht, wäre die Diskussion eine andere. Keiner hätte ihn als Interviewpartner ignorieren können, nicht einmal Anne Will. Selbst ein Parteiausschlussverfahren aus der FDP hätte er entspannt sehen können, denn auch jetzt wird er nie mehr etwas dort, d.h. er hätte sowieso nichts mehr zu verlieren gehabt. Aber er hätte einen demokratischen Diskurs setzen können und die Tür für Union und FDP für vernünftige Abstimmungskooperationen mit der AFD öffnen können, solange diese keine extremen Anträge stellt. So ist inzwischen alles dem Faschistenvorwurf ausgesetzt, selbst wenn die Hamburger FDP mit der AFD stimmt, wenn die Zahl der Zigarettenstummel im öffentlichen Raum reduziert werden soll…

      https://www.tichyseinblick.de/meinungen/kampagne-gegen-liberale-fdp-stimmt-mit-afd-fuer-reduzierung-von-zigarettenkippen/

      Den Originallink bringe ich gleich einen Beitrag später.

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        Richard Ott sagte:

        @ Frau Finke-Röpke

        Perfide, nicht wahr? Faschisten machen sinnvolle Vorschläge und locken andere Abgeordnete damit zur Zustimmung für ihre Anträge. Beruhigend, dass nur die protofaschistische FDP darauf herein fällt, ansonsten steht der antifaschistiche Schutzwall fest in Hamburg. ;)

        Aber Hamburg ist ja harmlos, das geht noch viel schärfer. Hier im Erzgebirge macht ein Kreistagsabgeordneter von der NPD (!) gerade Vorschläge, wie ein Unfallschwerpunkt auf einer Bundesstaße (daher ist der Landkreis verantwortlich) entschärft werden könnte. Wie sollten die aufrechten Demokraten links der Mitte darauf reagieren? Komplett ignorieren? Oder aus antifaschistischem Prinzip das Gegenteil von den NPD-Vorschlägen beschließen? Oder erst den NPD-Antrag ablehnen und dann leicht umformuliert selbst einbringen, wenn die Vorschläge sinnvoll sind? Ganz schön heikel, und die Bundesstaße führt auch noch auf die Autobahn (Hitler! Hitler!) in Richtung Polen!

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