STELTERS MAILBOX: Wie rette ich mein Geld vor dem Eurocrash?

„Sehr geehrter Herr Stelter,

gerne lese/sehe ich Sie. Allerdings nicht als Impulsgeber, da unser/e Denken und Erfahrungen zu ähnlich sind und ich eher frisches Brainfood und Widersprüchliches lese als das, was ich in unserem Alter für historisch gesichertes Wissen halte. Gerade stöbere ich auf Ihren Seiten und stoße auf die 2015 zuletzt bediente Frage „Was tun mit unserem Geld“. Hier finde ich zumindest für mich noch Fragen, die mich auch seit 2012 beschäftigen – genauer: seitdem Frau Merkel Herrn Schäubles Grexit-Plan verhindert hat. Diese lauten: Was passiert eigentlich mit dem Vermögen deutscher Sparer/Anleger beim absehbaren €-Crash? Ich gehöre nicht zu den aktuell aufgewachten Crash-Propheten, halte diesen aus volkswirtschaftlichen Gründen aber für – irgendwann – unausweichlich.
Ich meine, von Märkten etwas zu verstehen. Bei einem solchen Crash kommt aber das Handeln von (Zentral-) Banken und Regierungen hinzu, das ich für unkalkulierbar halte.
Fragen wie: „Vermögen aus dem Euroraum, reicht die kleine Schweiz oder muss es USA sein?“ oder „Verliert der Sparer unter 100.000,- bei Bankenrun und Zwangssteuer auf sein Vermögen oder profitiert er von der sofort einsetzenden Aufwertung der DM?“, wie auch „Gold halten in ETF, im Schließfach oder im Garten?“ drängen sich auf. Selbstverständlich ist die Antwort bei größeren oder großen diversifizierbaren Vermögen wieder eine andere.
Ich habe im Freundeskreis noch keine völlig befriedigende Antwort gefunden. Nur eines ist sicher: Wenn es passiert, muss alles lange vorbereitet sein. Bei Bankenrun und Kapitalverkehrssperre ist es zu spät.
M. E. müsste diese Frage mindestens Hunderttausende Deutsche beschäftigen, was sie wohl aber nicht tut. Wir wandern wie die Lämmer zur … -Bank.

Ich erwarte natürlich keine Antwort. Vor meinem geistigen Auge imaginiere ich hier lediglich einen Dialog zwischen Herrn Sinn, Axel Weber, Thomas Mayer und Ihnen und versuche, mir die Gesprächsbestandteile vorzustellen.

Herzlichen Gruß und alles Gute“

Spannende Fragen. Ich würde sie so strukturieren:

1.     Kann es einen „Euro-Crash“ geben?

2.     Welche Auswirkungen hätte ein Euro-Crash auf Wirtschaft und Finanzmärkte?

3.     Auf welche Szenarien muss man sich einstellen?

4.     Was bedeutet das für die Geldanlage?

Lassen Sie mich die Fragen der Reihe nach besprechen:

1.     Kann es einen „Euro-Crash“ geben?

Ich denke, die kurze Antwort lautet ja. Wir wissen, dass die grundlegenden Probleme des Euro nicht gelöst wurden. Im Gegenteil haben sich die Mitgliedsländer der Eurozone immer weiter aus­einander­entwickelt, statt sich anzunähern.

Obwohl der Leser das Szenario für „gesichertes Wissen“ hält, lohnt sich ein zusammenfassender Blick, den ich schon früher an dieser Stelle gebracht habe.

Wir haben es mit einer Schuldenkrise zu tun, ausgelöst durch den Euro, der die Realzinsen viel zu tief gehalten und damit die Party erst ermöglicht hat:

Die (unvermeidliche) Krise konnte nur mit billigem Geld unterdrückt werden.

 

Das hat zwar funktioniert, aber nur vordergründig. In Wirklichkeit wird die Wirtschaft dadurch nicht gesund. Zombies!

 

Obwohl: Vielleicht geht es ja mehr darum, Italien und die anderen bankrotten Staaten zu „retten“?

 

Fakt ist: Die Eurozone hat sich erholt, aber in einigen Ländern sieht es sehr schlecht aus.

 

Aber die Wirtschaft hat sich immer ungleicher entwickelt. Beispiel 1: Der deutsche „Finanzzyklus“ ist völlig anders (und weniger ausgeprägt) als in den anderen Ländern. Bei uns gibt es weniger Schulden des Privatsektors und deshalb nicht diese Volatilität:

Wachstum und Produktivitätsfortschritte haben sich nicht angenähert. Im Gegenteil, die Eurozone ist noch heterogener als zuvor. Es gab nur in den Boomjahren die Illusion einer besseren Synchronisation – eine schuldenfinanzierte Illusion!

Zugleich nimmt der Handel innerhalb der Eurozone relativ ab statt zu. Gerade Deutschland lebt viel mehr von anderen Ländern!

Derweil wachsen die Schulden immer weiter an:

Und die Banken bleiben insolvent (wobei ernstzunehmende Stimmen Fortschritte sehen):

Jetzt soll mehr Umverteilung helfen, vor allem die Möglichkeit, die gute deutsche Bilanz – wenn man mal die verdeckten Verbindlichkeiten vergisst! – als Beleihungsbasis zu mobilisieren!

Problem Nr. 1: Selbst, wenn wir wollten, wir können gar nicht. Siehe unsere demografische Entwicklung!

Problem Nr. 2: Selbst, wenn wir könnten, es würde nichts bringen! Sagt der IWF!

Problem Nr. 3: Selbst, wenn es etwas bringen würde, wäre es fair? Ich denke nicht:

Was die Französin Christine Lagarde (damals noch beim IWF) nicht davon abhält, trotz der Studien des IWF mehr Umverteilung zu fordern. Da wissen wir wenigstens, was sie in Zukunft bei der EZB betreibt. Dabei hat ihr Landsmann und früherer Chefökonom Olivier Blanchard schon 2015 gewarnt, dass eine Fiskalunion den „dysfunktionalen“ Euro nicht retten könnte: → Fiscal Union will never fix a dysfunctional Eurozone warns Ex-IMF Chief

 

Und all das für eine Währungsunion, die schlechter funktioniert als eine hypothetische Währungsunion aller Länder der Welt, die mit dem Buchstaben „M“ beginnen!

Aber: Was kümmert es die Politik?

Die Darstellungen sind nicht mehr auf dem neuesten Stand. Studien des IWF zeigen aber, dass es sich nicht grundlegend verbessert hat, nachzulesen hier:

→ Der IWF zeigt, dass der Euro nicht funktionieren kann – Nehmt es doch bitte zur Kenntnis!

Damit ist unstrittig: Der Euro wurde nicht zuletzt durch die Politik der EZB stabilisiert, aber nicht saniert. Allen Beteuerungen der Politik zum Trotz. Wie groß die Risiken sind, zeigt auch ein Blick in die Geschichte. Die lateinische Münzunion hatte letztlich ähnliche Geburtsfehler.

→ Die lateinische Münzunion – Ein Präzedenzfall für den Euro

Dort heißt es im Fazit: „Sowohl damals wie auch heute ist ein wesentlicher Grund für das Weiterbestehen der Münz- bzw. Währungsunion die Scheu vor den Kosten der Auflösung. Damals sorgte man sich um die Monetisierung der Silberreserven und den Aufbau von Handelshemmnissen in Europa. Heute sind ebenfalls die hohen Kosten, etwa durch den Ausgleich der Target-Salden aber auch die Wettbewerbsnachteile durch Handelshemmnisse in Europa zu nennen. Sehr viel mehr als damals spielen auch die politischen Kosten eine gewichtige Rolle. Die politische Einheit Europas ist heute sehr viel fortgeschrittener als damals. Mit dem Scheitern des Euros stünde auch die Existenz der Europäischen Union auf dem Spiel.“ – bto: Das aber bedeutet, dass man den Euro sanieren muss, wenn man die EU retten will. Doch genau das findet nicht statt! Übersetzt: Es wird scheitern mit verheerenden Folgen.

2.     Welche Auswirkungen hätte ein Euro-Crash auf Wirtschaft und Finanzmärkte?

Bevor ich zu meinem zusammenfassenden Szenario komme, ein Blick auf eine schon früher bei bto besprochene Studie der Deutschen Bank zu dem Thema: → Was passiert, wenn der Euro platzt?

  •  „A Eurozone break-up is likely to be one of the largest financial and economic shocks in modern history. In earlier work we demonstrated that there is plenty of historical experience of currency union break-ups including Scandinavia, the Latin Currency Union, Yugoslavia and the USSR. But the Eurozone is unique in both size and level of financial integration. This makes historical precedents a poor benchmark for assessing the consequences.” – bto: was übrigens das Verschleppen der Krise durch die Politik zu einem umso größeren Verbrechen macht. Der Schaden eines chaotischen Endes dürfte verheerend sein.

Erstaunlich geringe Abweichungen vom fairen Wechselkurs

Zunächst analysiert die Bank die Abweichungen vom „fairen Kurs“ für die einzelnen Länder. Das Ergebnis erstaunt: „Contrary to popular belief we find that these are quite small.”

Dabei geht die Bank so vor:

  • „We use Purchasing Power Parity (PPP) and Fundamental Effective Exchange Rate (FEER) models to calculate fair value. The PPP model assumes that real effective exchange rate should converge to its average pre-EMU level. The FEER model assumes that the real effective exchange rates should adjust to whatever level would bring national current accounts to the average pre-EMU levels, this being consistent with domestic saving-investment equilibria.“ – bto: Das klingt vernünftig. Wie sonst, sollte man es machen?
  • „In terms of purchasing power parity, we observe the predictable pattern of the northern member states being undervalued and the periphery being overvalued. At one end of the scale, Finland, France, and Germany are about 10% undervalued. At the other end, Spain, Greece, and Portugal are 5-15% overvalued. In aggregate, the euro is currently cheap.“ – bto: Es stellt sich die Frage, ob dies begründet ist.

Abbildung 1: PPP-Analyse

Dann zeigt die Bank auch noch die Entwicklung über die Zeit. Interessanterweise waren Italien und Frankreich nie überbewertet und profitieren sogar von einem global gesehen schwachen Euro. Spanien, Griechenland und Portugal hatten eine erhebliche Überbewertung, die sich außer in Portugal abgebaut hat:

Abb. 2: PPP im Zeitablauf

  •  „Moving on to the external balance FEER model, the results suggest that the aggregate euro is currently even more undervalued than on PPP, the result of current account balances generally sitting above their equilibrium levels.“ – bto: was daran liegt, dass die Länder in einer tiefen Rezession stecken und deshalb weniger importieren.
  • „(…) the implicit Greek drachma and the Portuguese escudo are much closer to fair value than on PPP. If this seems surprising, consider that in cyclically adjusted terms the periphery is running current accounts that comfortably exceed pre-EMU averages. External balances have improved considerably since the financial crisis.“

Abb. 3: Leistungsbilanzen und theoretische Wechselkurse

Nach den Analysen ist der Franc, wenn überhaupt unterbewertet, weshalb sich kein Abwertungsgewinn ergeben dürfte. Diese wäre nur Folge der dann geänderten Wirtschaftspolitik, die auf notenbankfinanzierte staatliche Ausgabenprogramme setzt.

Aufwertung, statt Abwertungen zu erwarten (Modell)

Allgemein wird davon ausgegangen, dass es zu einer Abwertung der neu eingeführten Währungen der ehemaligen Eurokrisenländer inklusive Frankreichs kommt. Nimmt man das Modell der Deutschen Bank, so ist dem nicht so. Im Falle einer friktions- und kostenlosen Auflösung (o. k., unwahrscheinlich) würden sich die Währungen gemäß dem oben genannten Modell entwickeln und gegenüber der Welt eher aufwerten. In Summe ist also ein geteilter Euro mehr wert als ein einheitlicher:

  • „In aggregate – and under the brave assumption of no cost – a trade-weighted basket of legacy European currencies should appreciate. The euro is undervalued by about 10% in trade- weighted terms or 8% against the US dollar.(..) the German deutschmark turns out to be overvalued against all currencies except the Irish punt. Portugal would devalue by up to 15% against Germany but only 5% against the dollar. A new Greek drachma would not have to devalue at all against the dollar and only 10% against Germany.“ – bto: wie gesagt, basierend auf der Annahme, dass das Modell passt und es zu keinem Überschießen an den Märkten kommt.

 Abb. 4: Veränderung der nationalen Währungen gegenüber dem US-Dollar. (Ich denke, die Bank hat hier im Titel Under- und Overvaluation verwechselt. Der Dollar ist sicherlich überbewertet):

 In der Praxis 30 Prozent Sturz des Euro

 Die Bank erweitert dann die Modellannahmen:

  • „Clearly, the assumption of a ‘zero-cost’ Eurozone break-up is unrealistic. A break-up would have very large cyclical and structural implications. (…) We estimate the impact on the euro in two steps, starting with how much euro weakness would be likely to materialize just before break-up. In a perfectly rational market, the value of EUR/USD just before break-up should be equal to the value of its constituents just after.“ – bto: was eine unglaubliche Intelligenz des Marktes voraussetzt. Eher dürfte es deutlich darunter liegen.

Losgehen dürfte der Anfang vom Ende mit der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen, um ein weiteres Anschwellen der Target2-Forderungen/Verbindlichkeiten zu verhindern:

  • „The defining event of a Eurozone break-up would be a capping or outright suspension of cross-border Target 2 payments, the ECB’s system of real-time cross-border euro settlement. This could happen by the ECB capping or suspending commercial banks’ access to central bank liquidity. Capital controls and a loss of market-access would likely entail financial costs much greater than those experienced by Greece or Cyprus or indeed the 2008 financial crisis.“ – bto: Vor allem wäre es ein überdeutliches Zeichen. Dann ist es auch aus Anlegersicht zu spät, zum Handeln.
  • „Taking it all together our baseline would therefore be that capital controls, a ‘sudden stop’ and large levels of unhedged FX exposure would generate a deep recession and lasting negative effects on productivity.“ – bto: Zuvor hat die Bank den Zusammenhang von Produktivitätsfortschritten und Wechselkursen erläutert. Demnach gehen schwache Produktivität und schwache Wechselkurse einher. Der Verlust an Produktivität ist denkbar.
  • Hinzu kommt dann noch eine strukturell höhere Inflation in den Ländern der Peripherie (wie vor dem Euro), was auch zu tendenziell schwächeren Währungen führt: „As a baseline, we assume that the market would expect inflation in the periphery (including France) to widen by 2.2% relative to their trading partners on an annual basis over the next ten years, worth about 25% in the REERs in ten years’ time.“ – bto: nachvollziehbar.
  • „The PPP fair value of the overall trade-weighted EUR would decline by about 30% from 10% over-valued to 20% under-valued. Approximately half of the adjustment would be due to a negative productivity shock and the other half due to a positive inflation shock.“ – bto: Das ist schon ein erheblicher Schock.
  • „From being under-valued by around 10% the Deutschmark would shift to being moderately cheap. On the flipside, the periphery would appear dramatically over-valued from current levels: Spain, Greece, Italy and Portugal would all need to devalue by more than 40%.“– bto: womit natürlich die DM gegenüber diesen Währungen massiv aufwerten würde mit den entsprechenden Folgen für die Konjunktur.
  • “At one extreme, then, the Portuguese escudo could be almost 70% weaker against the USD. At the other end, the Deutschmark would need to depreciate by 15%, which is required for the REER to remain stable against significantly devaluing European peers. Lastly, we also included other European currencies to show that they would depreciate 2-3% against the dollar to preserve their competitiveness against a devaluing Eurozone.” – bto: Chaos pur.

 Abb. 5: Verglichen mit dem Modellwert nach Euro-Ende wären die Währungen alle überbewertet (müssten also deutlich fallen):

Kapitalflucht verstärkt die Abwertung

  •  „All things considered, we estimate that global reserve managers would retain only an 8-10% allocation to the DEM after break-up. This implies a reallocation of around $0.5-0.9 trillion of reserve manager’s current Eurozone assets of $1.6trn. How much would this be worth in EUR de-rating? We use a simple relationship between the basic balance and EUR/USD that has proven quite robust since the start of the financial crisis. Assuming that $0.5trn would be liquid enough to be reallocated to the US over the course of six months, this debt reallocation flow would be worth a roughly 30% depreciation in EUR/USD.“ – bto: wobei man daran erinnern sollte, dass die DM früher allein eine Bedeutung hatte wie der Euro heute!

Abb. 6: Die Wirkung der Kapitalflucht

Doch damit nicht genug. Auch der Privatsektor aus der ehemaligen Eurozone dürfte sich an der Flucht beteiligen (wenn er nicht, was viel intelligenter wäre schon vorher Kapital in andere Währungsräume verlagert): „Our assumption of capital flight is extremely conservative because net private sector flows are assumed to remain unchanged. (…) First, in the event of break-up it is unlikely that core European markets can offer sufficient size and liquidity to accommodate safe- haven capital flight from the periphery. Second, the uncertainty around post- break-up arrangements and the cost that this may entail for Germany would reduce the attractiveness of German assets as a safe-haven. (…) Finally, there have been 2.5 trillion of capital inflows into Europe since 1999 a portion of which is likely to be attributed to a ‘euro’ premium related to the ECB policy credibility and a (partial) implicit German guarantee on all Eurozone assets. (…) A 500bn EUR reserve re-allocation would be the lower bound of potential capital flight in the run-up to breakup.“ bto: nichts wie raus aus Europa wäre die Zusammenfassung.

Monsterwelle an Notenbankgeld

Natürlich würden die Notenbanken der Welt in einem noch nie dagewesenen Maß auf diesen Schock reagieren. Vor allem die Fed dürfte eine Monsterwelle an US-Dollar Liquidität über die Weltmärkte rollen lassen. Dies erwartet auch die Deutsche Bank: „For the Eurozone, this would imply ten-year bund yields going to -10bps, the QE peak of last September. The Fed could push ten-year Treasury yields back to 1.5%, close to the lows of both last year and 2012. In that scenario, the beta of roughly 10cents per 100bps implies EUR/USD rising 5-7%. This lift in EUR/USD would also be consistent with the German schatz yield going to -1.5% and two-year Treasury yields falling to zero. An even bigger Fed reaction pushing 10yr UST yields down to 1% would provide a positive offset to EUR/USD that is closer to 10%.” – bto: Ich denke, diese Annahmen sind noch zu vorsichtig. In Wahrheit stehen wir dann vor der Kernschmelze. Ohnehin muss man bedenken, dass die Zinsen seit dem Zeitpunkt der Studie noch weiter gesunken sind und wir also von tiefem Niveau eine weitere Verschlechterung sehen werden.

 Ein klares – trübes – Bild

Die Zusammenfassung der Bank ist dann auch nicht verwunderlich:

Abb.: 7 Zusammenfassung

Fazit der Bank: „If the market were to price this scenario (…), EUR/USD could fall by about 25%. Our results suggest that no Eurozone currency would benefit from being on its own—and we would specifically caution against the notion that the Deutschmark would appreciate outside the Eurozone.“ – bto: wieso sollte sie auch angesichts der dann realisierten (da sind sie ja schon) Billionenverluste?

Das war nun eine Studie. Andere Studien kommen zu anderen aber letztlich ähnlichen Ergebnissen:

→ Noch eine Studie zum Ende des Euro

Wir können also festhalten:

  • Ein Eurozerfall ist ein Alptraum für Wirtschaft und Finanzmärkte.
  • Es würde alle Länder stark treffen, wobei jene, die stärker abwerten vermutlich einen Vorteil haben gegenüber Ländern wie Deutschland, die weniger abwerten (gegen den Dollar) oder gar aufwerten.
  • Für Vermögensbesitzer ist es ein sehr turbulentes Szenario, in dem davon auszugehen ist, dass es in praktisch allen Anlageklassen hohe Schwankungen und zum Teil heftige Verluste geben wird.

3.     Auf welche Szenarien muss man sich einstellen?

Es ist einfach zu sagen, es kann nicht funktionieren, deshalb wird es nicht funktionieren und es knallt. Problem dabei: So dürfte es nicht sein, wie die letzten zehn Jahren bewiesen haben. Der Wille der Politik, das Projekt um faktisch jeden Preis zu erhalten, ist zu groß. Außerdem genießt die Gemeinschaftswährung in praktisch allen Umfragen noch deutliches Vertrauen der Bürger. Selbst Salvini hat in Italien Abstand von der Idee des Uscitalia genommen, weil die Idee gerade bei den Sparern nicht populär ist. Zu gut erinnern die sich an die absehbare Enteignung durch hohe Inflation zu Lira-zeiten.

Deshalb gehe ich davon aus, dass der Euro noch länger lebt, als wir uns das denken können. Mit jeder neuen Krise werden zwei Dinge passieren:

  • Mehr Entwicklung Richtung einer „echten Währungsunion“ wie auch von deutschen Ökonomen gefordert. (Unter falschen Annahmen bezüglich der Einhaltung der Regeln und bezüglich der Wirksamkeit der Maßnahmen, wie hier analysiert:  → Ökonomenvorschlag zur Rettung des Euro
  • Mehr Eingriffe der EZB.

Letztere hat enormes Potenzial, dem Euro weitere Jahre zu kaufen. Die Vorarbeiten dafür sind gemacht, vor allem dank der geschickten Personalpolitik des französischen Präsidenten Macron. Er hat

  • mit Ursula von Leyen eine ihm hochloyale Kommissionspräsidentin (ohne ihn wäre sie ehemalige Ministerin mit unangenehmem Untersuchungsausschuss), die deutsche Interessen an letzter Stelle sieht.
  • mit Christine Lagarde eine EZB-Präsidentin, die immer schon französische Interessen an erste Stelle gestellt hat und bereits beim IWF trotz der gegenteiligen Ergebnisse von Studien aus dem eigenen Haus mehr Umverteilung gefordert hat.
  • mit dem ehemaligen Wirtschaftsminister Thierry Breton einen weiteren Franzosen an entscheidender Stelle als Kommissar mit Zuständigkeit für den Binnenmarkt.

Diese drei werden entscheidend in der nächsten Phase der Eurokrise sein. Unter dem Deckmantel der Klimarettung wird es zu direkter Finanzierung der Staaten durch die EZB kommen. Geschickt verpackt wird auch die deutsche Regierung zustimmen – so wie in den letzten zehn Jahren – weil so die Bürger weiter über die tatsächlichen Kosten des Projekts getäuscht werden. Das übrigens unabhängig davon, ob die Grünen (mit)regieren oder nicht. Frau Merkel hat schließlich auch Draghi grünes Licht gegeben zur faktischen Schuldensozialisierung über die EZB-Bilanz, um einen Offenbarungseid dem Volk gegenüber zu vermeiden. Deshalb folgende Szenarien:

  • Den Euro gibt es in zehn Jahren noch, getragen von EZB-finanzierten Konjunktur- und „Green-Deal“-Programmen, steigender Staatsverschuldung und weiteren Eingriffen in die (wirtschaftliche) Freiheit. Planwirtschaft auf europäischer Ebene unter französischer Führung. Das ist das Grundszenario, dem ich 80 Prozent Wahrscheinlichkeit gebe.
  • Der Euro zerfällt ganz oder teilweise. Diesem Szenario gebe ich 20 Prozent Wahrscheinlichkeit. Einen Zerfall kann ich mir nur aus politischen Gründen vorstellen, wenn es für Politiker in einem Land eine attraktive Option ist. Dies wäre aber nur dann gegeben, wenn man mit dem Ziel auszutreten, Wahlen gewinnen kann. In Frankreich aber auch Italien haben wir gesehen, dass dies nicht der Fall ist. Es müsste also zuvor eine deutliche Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage eintreten oder in Italien der Niedergang fortdauern. Das kann entweder durch eine neue Finanzkrise, eine Verschärfung des Handelskrieges oder einen anderen externen Schock (Krieg im Nahen Osten) eintreten oder aber durch eine neue Welle der Unzufriedenheit ausgelöst durch eine neue Migrationswelle, der die EU erneut hilflos gegenübersteht.

Fazit: Das Risiko bleibt bestehen und es kann jederzeit akut werden. Allerdings denke ich nicht, über Nacht. Denn über Nacht käme es nur zu einer Neuordnung der Eurozone, wenn diese von der Politik in einer wirklich geheimen Aktion vorbereitet würde. Für mich undenkbar, nicht weil ich den Politikern es nicht zutraue es zu machen. Ich traue ihnen nicht zu, es zu können.

4.     Was bedeutet das für die Geldanlage?

Wir wissen also, dass die Eurozone bei Erhalt vor einer Phase des relativen Niedergangs steht. Dies auch aufgrund schlechter Demografie, verfallendem Bildungswesen, Einwanderung in die Sozialsysteme, verpassen der Zukunftstechnologien, schlechter Produktivitätsentwicklung und falschen politischen Prioritäten, die nicht am Wohlstand der Bürger orientiert sind, sondern an politischen Wunschprojekten, die mehr oder weniger sinnvoll sind. Bespiel: Planwirtschaft, um klimaneutral zu werden, während andere Regionen sich über die Zuwanderung der Unternehmen und Arbeitsplätze freuen. Dies alleine macht die Eurozone (und die EU) als Region für Kapitalanlage unattraktiv. Hinzu kommt dann noch eine allgemein Richtung Sozialismus tendierende Politik mit höheren Steuern, mehr Umverteilung und Eingriffen in die Eigentumsfreiheit. Selbst bei uns, wie die politische Diskussion zeigt.

Hinzu kommt das jeder Zeit gegebene Event-Risiko eines Eurozerfalls. Dieser käme zwangsläufig mit Kapitalverkehrsbeschränkungen (vom IWF bereits als legitim eingestuft) und Vermögensverlusten durch direkte Forderungsausfälle und – so man etwas retten kann – durch politische Eingriffe gegen jene, die Vermögen erhalten haben. Gerne als Lastenausgleich oder aber Sondersteuer auf Immobilien (Hauszinssteuer in den 1920er-Jahren.)

Die Schlussfolgerungen sind damit klar und von mir immer wieder beschrieben, so unter anderem hier:

→ Anleger – Raus aus Europa

→ Was wäre wenn der Euro platzt?

  1. Da alle, die hier leben, schon einen erheblichen Anteil ihres Vermögens in Deutschland/der Eurozone haben (Renten/Pensionsansprüche, selbst genutzte Immobilie, eventuell weitere vermietete Immobilien, auf Deutschland/Europa ausgerichtete Aktienfonds), sollte eigentlich das gesamte übrige, nicht hier benötigte Vermögen außerhalb der Eurozone und der EU angelegt sein.
  2. Dies beginnt mit international diversifizierter Anlage in Aktien, Immobilien und Anleihen/Cash. Dies lässt sich durch Fonds, REITS etc. abbilden und kann auch bei deutschen Banken gehalten werden. Dieses Portfolio bietet dann bereits eine währungsmäßige Diversifikation, man kann aber zusätzlich darauf achten, diese Anlagen in anderen Währungen zu halten. Gold gehört natürlich auch in physischer Form dazu. Solange man in Deutschland ansässig ist und keine Steuern hinterzieht (was man nicht tun sollte und ohnehin angesichts internationalen Informationsaustausches nicht tun kann), spielt es im Endeffekt keine Rolle, wo das Portfolio gehalten wird. Wenn der Staat es besteuern will – und das wird er nach dem Crash definitiv wollen, entkommt man ihm nicht.
  3. Es spielt aber in anderer Hinsicht eine Rolle: Zum einen dürfte es bei einem innerhalb der EU gehaltenen Portfolio nicht möglich sein, zu handeln, wenn die Krise akut ist. Zum anderen kann das Finanzamt nicht direkt auf ein Konto im Ausland zugreifen. Eventueller Goldbesitz ist im Ausland ebenfalls vor einem unmittelbaren Zugriff sicher. All dies spricht dafür, trotz höherer Komplexität und Kosten, dieses Portfolio außerhalb der EU zu lagern.
  4. Letzteres ist wiederum deutlich einfacher gesagt als getan, wie ich kürzlich festgestellt habe. Ein Bekannter wollte in Singapur sein Geld anlegen (gute Idee, da außerhalb des Euro, sehr stabiles und gut regiertes Land) und musste feststellen, dass Bürger der EU wegen der erheblichen Auflagen der EU nicht mehr als Kunden akzeptiert werden. Ähnlich dürfte es auch in anderen als sicher anzusehenden Regionen sein, was unterstreicht, wie sehr die Politik schon jetzt die Freiheit des Kapitals einschränkt, sicherlich nicht ohne Hintergedanken!
  5. Nun bin ich kein Experte für Geldanlage und vor allem für die Anlage von Geld im Ausland. Meine Sicht auf die Optionen ist deshalb unvollständig und auch unqualifiziert. Ich denke, dass die Schweiz eine Option bleibt, allerdings geben ich mich keinen Illusionen hin. Wenn es hart auf hart kommt, wird das Land Anweisungen der EU bezüglich deren Bürger umsetzen und so die Kapitalfreiheit beschränken. Überweisungen von dort in andere Regionen oder der Kauf von anderen Währungen wird, sobald die Krise einsetzt, nicht mehr möglich sein. Vielleicht könnte Großbritannien ein Zufluchtsort werden, was allerdings vom Ergebnis der Verhandlungen mit der EU abhängt. Ich denke allerdings, dass London ein Zufluchtsort für Kapital wird nicht zuletzt, weil das Land über eine lange Tradition im Finanzwesen verfügt und auf absehbare Zeit eine Regierung hat, die die Eigentumsrechte respektiert (bei Deutschland bin ich mir nicht so sicher).
  6. Was zusammengefasst bedeutet: Nicht-Eurozonen-Assets kaufen, außerhalb der Eurozone und der EU lagern und sich damit abfinden, dass nur eine komplette Wohnsitzverlagerung vor Vermögensverlust durch Chaos, Besteuerung und Geldvernichtung schützen kann.

Der Leser hat mir dann noch weitere Fragen geschickt, die letztlich nur Konkretisierungen der Grundaussagen erfordern:

  • „Wenn der TARGET2-Saldo von 800 Mrd. nicht als Schuld vom Schuldner anerkannt wird (s. Island, Zypern), was passiert mit dem Buchverlust? Wird er eingetrieben von 80 Mio. Deutschen, also 10k€ pro Person? Wäre es nicht politisch schöner, ihn bei Vermögenden und Konten über 100k€ einzutreiben? Wenn nur 10 Mio. Deutsche für solche Beträge gut sind, macht das nicht 80k€ p. P.? Bei Ehepaaren also 160k€ pro Paar?“bto: Ich denke, man wird die 800 Milliarden als Verlustvortrag bei der Bundesbank halten und nicht über eine Steuerzahlung refinanzieren, dies dürfte sich nicht lohnen. Da kann ich mich aber irren. Persönlich halte ich alle Möglichkeiten der Finanzierung für denkbar, allerdings spricht in Deutschland viel dafür, dass Immobilien belastet werden.
  • „Wie kann eine solche Zwangsabgabe legitimiert werden, die ja auf Bankkonten recht einfach über Nacht per Gesetz und auch durchgeführt werden kann, bei Immobilien, Firmen, Kunst etc. praktisch nicht machbar ist?“ – bto: Der Lastenausgleich war auch eine zeitlich gestreckte Zahlung, vor dem Hintergrund würde man es auch so gestalten.
  • „Wenn nach Rückumwandlung von € in DM diese um die derzeit geschätzten 40 bis 0% aufwertet, gilt das auch für €, die man als Deutscher im Nicht-€-Ausland hält?“ bto: Warum sollte es? Warum sollte ein Land wie Italien einem Ausländer mehr zurückzahlen als einem Inländer? Man kann sicher davon ausgehen, dass es immer zur für den Investor schlechtesten Lösung kommt, geht es doch darum, möglichst schuldenfrei neu zu starten!
  • „Mittelfristig ist bei Zerbrechen des Euro eine Aufwertung der Deutschen Mark um 30 bis 50% nicht unrealistisch. Ist das nicht ein (zugegebenermaßen hochspekulatives) Argument für Cash in Deutschland?“ bto: Die Studie der Deutschen Bank (oben zitiert) rechnet auch für die Mark mit einer internationalen Abwertung, weil die Verluste erheblich wären. Kann sein, dass dies nicht zutrifft. Doch selbst dann bleibt die Frage, wie die Verluste hierzulande verteilt werden. Geht man den Weg über die Bankguthaben, ist es keine gute Idee.
  • „Was wäre bei €-Konten im Nicht-EU-Ausland? Würden die auf 0 gestellt, weil die Währung nicht mehr existiert? Oder würden solche Konten von Deutschen von der Aufwertung profitieren?“bto: Es gibt so was wie „Konten von Deutschen“ im Ausland nicht. Die Bank würde die Euro ja irgendwo anlegen und damit Verluste erleiden. Weshalb sollten diese den Kunden nicht belasten?

Bleibt das Fazit: Man kann Vorsorge betreiben und das bietet sich an. Und zwar bevor die Krise wieder akut wird.

Soweit STELTERS MAILBOX für heute. Schreiben Sie mir!

Kommentare (49) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Jens Schirner sagte:

    Lieber Herr Stelter,

    quelle honneur, dankeschön für Form und Inhalt und den ganz weit aufgespannten Horizont.
    Das kann ich sowohl den Profis wie den zweifelnden Laien weiterleiten.

    I am impressed,
    herzliche Grüße,
    Jens Schirner

    P.S.: Ich muß Ihnen ja gestehen, daß viele Teilantworten auf meine Fragen schon auf BTO standen. Ich hatte nur noch nicht alles gelesen. Zusammen mit den üblichen Verdächtigen (unabhängigen Experten), bei denen Sie ja meist das Vorwort geschrieben haben, ergibt sich ein rundes Bild. Mein bescheidenes Vermögen und das derjenigen, die mir Glauben schenken, ist auch dank Ihrer Schützenhilfe bereits auf dem richtigen Weg.

    Antworten
  2. Avatar
    Wolf Palmer sagte:

    @ Gold mit Pfeffer gegen Spürhunde schützen!

    Das also soll das tolle Europa sein, indem man aus versteuertem Geld gekaufte Goldstücke in ein anderes EU-Land nur mit Tarnung bringen kann?
    Oder man zieht mit seinem Auto in anderes EU-Land um und muß dann Einfuhrsteuern zahlen.

    Großartiges Europa für die EU-Radikalen und Euro-Romantiker.

    Und wer wählt solche Regierungen, die ihre Bürger so schikanieren und ausbeuten?

    Gerald Crabtree, Entwicklungs-Biologe:
    „Die Menschen werden immer dümmer!“

    Antworten
  3. Avatar
    Marco sagte:

    In der Grafik „Labour-force projections within Europe look bad for Germany“ sieht man schön, wie das so ist mit den Vorhersagen… Stand November 2019: 45,477 Mio in Germany…

    Antworten
    • Avatar
      troodon sagte:

      @ Christian xxx
      1) Ich denke nicht, dass Anna mit Optionsscheinen, CFD, Futures und sonstigen Derivaten traden möchte.

      2) Bedeutet das neue Gesetz ab 2021, dass Daytrading mit den o.a. Produkten in GRÖßEREM Umfang für Privatanleger in D nicht mehr möglich ist. Genauso gut könnte man sein Kapital auch gleich dem Staat schenken. Denn in dem von Ihnen verlinkten Beitrag steht nicht , dass aktuell das BMF wohl erklärt hat, dass unterjährig die Gewinne voll der Abgeltungssteuer unterliegen und man erst im Rahmen der Steuererklärung bis zu € 10.000,– Verlust verrechnen kann. Dies führt bei Heavy Day Tradern automatisch zu spürbaren Verlusten, selbst wenn reichlich Gewinne erzielt worden sind. Bleibt für diese Gruppe nur die Hoffnung, dass die Auslegung noch geändert wird oder aber das gesamte Gesetz vom Gericht gekippt wird. Ein absolut extremes Beispiel für schwachsinnige (anders kann man es nicht bezeichnen) Steuergesetzgebung in D.
      Da wäre es deutlich fairer man würde Derivate für Privatanleger in Deutschland komplett verbieten.

      Das Nachstehende betrifft wohlgemerkt nur Derivate:
      “ Dadurch zahlen die Anleger grundsätzlich unabhängig von der Begrenzung auf 10.000 Euro unterjährig Abgeltungssteuer und können die Verluste erst mit der nächsten Steuererklärung verrechnen.“
      https://www.private-banking-magazin.de/ab-2021-und-bis-10000-euro-verluste-aus-termingeschaeften-lassen-sich-kaum-noch-verrechnen/?page=2

      Ein drastisches Beispiel für einen DAX Futures Daytrader:
      Kapital von € 150.000,– vorhanden, tradet pro Tag mit 4 DAX Future Kontrakten (=100€ Gewinn/Verlust) pro Punkt.
      An 100 Tagen im Jahr macht er einen Gewinn von 15 Punkten pro Tag= 150.000 Gewinn im Jahr.
      An 100 Tagen macht er einen Verlust von 13 Punkten pro Tag = 130.000 Verlust im Jahr.
      Aktuell, unterliegt der Nettogewinn von 20.000,– der Abgeltungssteuer von 25% (Soli lass ich weg), macht € 5.000 Steuern und einen Nettogewinn nach Steuern von € 15.000,–, so dass der Trader am Ende des Jahres (ohne Entnahmen) über ein Kapital von € 165.000,–verfügt. So weit. so gut und nachvollziehbar.

      Wenn jetzt die o.a. Interpretation durchgezogen wird, passiert ab 2021 folgendes:
      Bruttogewinn bleibt bei 150.000,–, darauf müssen 25% Abgeltungssteuer gezahlt werden = 37.500,–
      Von den 100.000 Verlust kann der Trader im Rahmen seiner Steuererklärung aber nur € 10.000,– geltend machen, erhält dann eine Steuergutschrift von € 2.500,–., die restlichen € 90.000,– müssen auf Folgejahre vorgetragen werden.

      Macht gezahlte Steuern 37.500,– abzgl. 2.500,– Erstattung = 35.000,– Steuern.
      Der Trader zahlt also mehr Steuern als er Gewinn gemacht hat ! Sein Konto sinkt auf 115.000,– von 150.000,– (wenn man die Erstattung sofort mit einberechnet) anstatt auf 165.000 zu steigen. Nach einigen Jahren ist das Kapital vollkommen aufgezehrt und die jährlichen steuerlichen Verluste kann er nicht anders verrechnen. Das ist mal ein elegante Form der Vermögenssteuer…

      Das würde natürlich kein Privatanleger mehr in D machen… Deutschland ist unter Sparbuch Scholz einfach ein tolles Steuerland und inspirierend für Selbstentscheider.

      Wenn so etwas vor Gericht bestand haben sollte, bzw. das BMF seine Sichtweise nicht noch wieder ändert dann gute Nacht.

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        Christian XXX sagte:

        @ troodon
        bitte beachten Sie die Seite 3 des von Ihnen verlinkten Artikels (Absicherungsgeschäfte, Zertifikate …) – das Ding könnte eine gewaltige Sprengkraft entwickeln.
        Aber aktuell liegt alles im Dunkeln …

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Christian xxx
        Das mit den Absicherungsgeschäften habe ich schon verstanden. Ist aber alles wohl insgesamt hier im Blog zu speziell…Schwachsinn bleibt das Gesetz aber definitiv. Mehr Steuern zahlen müssen als Gewinn erzielt zu haben, ist definitiv eine kreative Steuer.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Nö, das ist ein super Thema für das Blog hier. Auch wenn ich zustimme, dass „normale“ Kleinanleger die davon betroffenen Instrumente nicht nutzen werden und auch nicht nutzen sollten weil die viel zu riskant und kompliziert für sie sind.

        Das Bemerkenswerte ist etwas anderes: Das Gesetz ist völlig offensichtlich verfassungswidrig und verstößt klar gegen das objektive Nettoprinzip im Steuerrecht. Wenn der Staat Gewinne aus einer Aktivität unbegrenzt besteuern will, muss er auch Verluste aus der gleichen Aktivität unbegrenzt steuermindernd anrechnen. Scholz und die Große Koalition scheint das aber überhaupt nicht zu interessieren.

        Und das vorgeschobene Ziel des Gesetzes, die böse „Spekulation“ einzuschränken, wird auch überhaupt nicht erreicht, da die Auswirkungen nur auf *EINKOMMENSTEUER*-Pflichtige beschränkt sind. Unternehmen, die bekanntlich *KÖRPERSCHAFTSSTEUER*-pflichtig sind, bleiben davon völlig unberührt. „Grenzüberschreitende Steuergestaltungen“ schränkt das auch nicht ein, wer solche Instrumente zur Steuergestaltung nutzt, hat auch genug Vermögen und Steuerberater um dafür extra Kapitalgesellschaften zu gründen.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Abstrakt und in irgendeiner Ecke (noch), aber auch meine Meinung:

        Ein SUPER Thema für das Blog.

        Das Gesetzesvorhaben zeigt nämlich beispielhalft, dass die Politik schon längst mit dem Rücken in der Wand steht und daher vermehrt wild um sich schlägt.

        Dabei stehen wir erst am Anfang, wie die Kanzlerin heute in Davos verkündet hat:

        https://www.welt.de/wirtschaft/article205293177/Angela-Merkel-in-Davos-Bundeskanzlerin-wird-wieder-zur-Klimakanzlerin.html

        Daraus:

        >Nötig seien „natürlich Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß“. „Diese Transformation heißt im Grunde, die gesamte Art des Wirtschaftens und des Lebens, wie wir es uns im Industriezeitalter angewöhnt haben, in den nächsten 30 Jahren zu verlassen.“ Man müsse zu neuen Wertschöpfungsformen kommen.>

        Es ist schon klar, dass die Menschen demnach die nächsten 30 Jahre die gesamte „Art des Lebens“ umstellen müssen und dabei UNVERSTÄNDLICHES, BELASTENDES und ihnen WIDERSTREBENDES akzeptieren werden sowie sich dem auch anpassen müssen.

        Bleibt jedoch die Frage, wie weit sie das „historische Ausmaß“ der Transformation ertragen KÖNNEN bzw. WOLLEN.

        Ein ganzes Stück weit schon, wie weit ist aber völlig offen.

        Da hilft auch nicht, wie Merkel es getan hat, den Leuten immer wieder zu erzählen, dass „der Preis des Nichthandelns sei sehr viel höher als der Preis des Handelns.“

        Ich bin ganz sicher, dass die Leute und nicht die Regierungen den Preis bestimmen werden, den das Projekt kosten darf.

        Wenn das nicht zivilisatorisch mit dem demokratischen Regelverfahren zu leisten ist, wird die Bestimmung eben „ungeordnet“ auf der Straße stattfinden.

        Auf dem Weg dahin mit abenteuerlichen Regulierungen die KOSTEN zu verschleiern, wird SCHEITERN.

        Wäre die Regierung EHRLICH, indem sie den Menschen wenigstens die Dimension der Umstellung mit Bezug aufs konkrete Leben darlegte, etwa beispielhaft, dass Reisen in dem praktizierten Ausmaß entfiele, würde sie ebenfalls scheitern – allerdings bereits FRÜHER.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Das muss ja selbst für Merkel-Verhältnisse eine grauenhafte Rede gewesen sein. Und dennoch wird sie abgefeiert.

        „Man müsse zu neuen Wertschöpfungsformen kommen.“, sagt Merkel.

        Das ist ein großes Problem für uns, denn sie begreift offensichtlich nicht einmal, wie unsere derzeitige Wertschöpfung funktioniert und wie wichtig billige und stets verfügbare Energie für sie ist.

        „Die Verweigerung des Dialogs, sagte Merkel sogar, „sollte gesellschaftlich sanktioniert werden“; konkretisiert hat sie diese Aussage nicht.“

        Haarsträubender Blödsinn. Dialog kann man nicht erzwingen. Und wie soll das praktisch funktionieren? Soll ich dann bestraft werden, wenn ich nicht oft genug mit Grünen rede, egal welchen Quatsch die erzählen?

        „Cornelius Baur, der Deutschland-Chef von McKinsey, ergänzte gegenüber WELT: „Das war ein klasse Vortrag der Kanzlerin. Sie argumentiert mit Fakten und bekennt sich zum Klimaschutz als gesellschaftlicher Aufgabe. Das ist ein wichtiges Signal.““

        Was für ein Speichellecker.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich weiß nicht, was Leute wie der McKinsey-Chef Bauer wirklich denken, aber so wie sie sich in der Öffentlichkeit äußern, kann man an ihrem Urteilsvermögen zweifeln.

        Am Vortrag der Kanzlerin war die folgende Aussage jedenfalls nicht Klasse:

        „Wir müssen die Fakten mit den Emotionen versöhnen.“

        Das ist vielmehr Unsinn.

        Um was es stattdessen geht:

        Wir müssen das BEHARREN auf unserer heutigen Lebensweise – auch das ist NACHHALTIGKEIT – mit der VERÄNDERUNG hin zu einer gewollt anderen, vermeintlich nachhaltigen versöhnen.

        Das ist nicht Fakten gegen Emotionen, sondern Fakten gegen Fakten, d. h. die Auseinandersetzung mit konkreter VERLUSTERFAHRUNG.

        Der McKinsey –Chef Bauer lässt sich freilich spielend überbieten bei den Reaktionen auf Merkels Rede.

        Aus dem verlinkten WELT-Artikel:

        >Vertreter der deutschen Wirtschaft, die der Rede im großen Saal des Davoser Kongresszentrums folgten, fanden die Worte erfrischend. „Man fühlt sich ethisch zu Hause“, sagte Klaus Hommels, Gründer und Chef der Tech-Investmentfirma Lakestar, im Gespräch mit WELT.>

        Man kann ja viel in die Merkel-Rede rein- und auch viel herauslesen, aber

        „ETHISCH zu Hause“

        nun wirklich nicht.

        Dieser Mann lebt in einem geistig verwahrlosten Zuhause.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Jetzt sehen wir, wovor Trump uns in seiner Rede in Davos gewarnt hat.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        „vorgeschobene Ziel des Gesetzes, die böse „Spekulation“ einzuschränken“
        Sie haben das mal wieder nicht richtig verstanden. Ihr Denken ist einfach noch nicht auf dem Level der hohen Politik.
        Man will doch auch ausdrücklich Privatanleger vor hohen Verlusten aus den Derivaten schützen. Die wollen doch nur das Beste…

        Deshalb verbietet man Derivate für Privatanleger auch nicht einfach. Dann wäre das Thema durch, der Privatanleger hätte aber noch sein Guthaben.
        So führt man die Guthaben über die Steuer einfach einer besseren Verwendung durch den Staat zu. Sie sind da ideologisch noch nicht weit genug mitgenommen worden ;)

        Und sollten sich dann doch die Privatanleger aus den Derivaten komplett zurückziehen, ist man doch gerade dabei das Thema Glücksspiel als mögliche Alternative (ist in der Realität natürlich etwas komplett anderes) neu zu ordnen. Mit Einführung einer neuen bundesweiten Regulierungsbehörde, die dann Lizenzen vergibt. Da verdient dann wenigstens der Staat auch offiziell mit an den Verlusten der Zocker…
        Man hebt die Politik einfach auf ein neues Level und Sie wollen das nicht verstehen. Aber was soll man auch erwarten. Typisch, weiß, Mann (das Alter kommt bei Ihnen mit der Zeit auch noch) ;)

        @ Dietmar Tischer
        Menschen wie Bauer und Hommels läuft der Sabber schon aus dem Mund vor Freude auf kommende Aufträge…

  4. Avatar
    ruby sagte:

    Der ökonomische Niedergang der BR Deutschland ist längst bei eigenstaatlichen Nacheurolösungen eingepreist.
    Macron’s EU Umgestaltung mit Atomwaffen interessiert die deutsche Wirtschaftsindustrie nicht eine Kaffebohne. Konzerne haben sich die Pfänder aufgeteilt siehe Airbus : Standortort Deutschland ist in Liquidations i.L..
    Eine schrumpfende Bevölkerung ist aus der Portokasse des Globalhandels zu bedienen – ab 30 $ pro Barrel Öl funken die Gewinne der US Produzenten (Diskussionveranstaltung bei der FED von Mineapolis 2019). Und hier klagen die Jammer-Bürger über zu hohe Energiekosten. Wann hört die Selbstausbeutung auf 100, 150 oder 200 $?
    Die Landwirte mit ihrem Widerstand werden garnicht als Hindernis eingestuft und die Klimajunkies sind bereits auf Bibelniveau. Bis die neue hoffnungsvolle Aufklärung sie erleuchtet herrscht die nächste Eiszeit und Endmoränen zermalmen die Klimaneutralen Energiemonsteranlagen, welche danach in den neuen Seenlandschaften zersetzt und später bei Erdschichtanalysen die Erdgeschichtskundler zu wagemutigen Spekulationen veranlassen. Aber nein, es war nichts Außerirdisches – just only human. Im Grunde alles normal oder?

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    Anna Nuema sagte:

    Ich (Jg ’65) weiß ja nicht, wie die anderen Leser hier situiert sind. Aber ich beschreibe es für mich mal so. Eine gesetzliche Rente, die vielleicht gerade so auskömmlich sein könnte – mit gewissem Armutsrisiko. Hinzu etwas private Altersvorsorge, zum Teil in irgendwelchen Fonds, eher amerikanische oder asiatische Anlageschwerpunkte. Hinzu kommt eine kleine Menge Goldtaler, privat verwahrt und neuerdings ein wenig Aktiensparen, wiederum mit einem Anlageschwerpunkt, der nicht sehr Eurozone ist. Frage, und ich setze voraus, dass mancher in meiner Lage ähnlich ausgestattet sein könnte, ist dann doch, wie schwer könnte ich – von welchem Szenario auch immer – getroffen werden. D.h. wie sinnvoll ist es wohl, jetzt zu sparen, um später zu haben? Denn so war es seitens des Staates doch empfohlen worden ;-) Denn dass es mir gelänge, mich „mit allem was Du hast“ ins Ausland zu transferieren, erscheint mir schwierig zu sein – und teilweise auch schlicht unattraktiv.
    Na, mag jemand etwas meinen?

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Anna Nuema

      >Frage, und ich setze voraus, dass mancher in meiner Lage ähnlich ausgestattet sein könnte, ist dann doch, wie schwer könnte ich – von welchem Szenario auch immer – getroffen werden.>

      Sie könnten nicht nur, sondern werden SCHWER getroffen werden.

      Das ist m. A. n. jedenfalls eine belastbare Annahmen.

      Daher empfehle ich Ihnen einen ANDEREN Gesamtansatz der Altersvorsorge:

      Sparen Sie ETWAS über das WENIGE hinaus, das Sie mit der gesetzlichen Rente erwartet.

      So dann machen Sie sich FIT fürs Alter:

      Gewinnen Sie KOMPETENZ für Tätigkeiten, die in Zukunft nachgefragt sein werden – es sind nicht unbedingt diejenigen, die heute gut bezahlt werden -, um im Alter 60 bis 80 Jahre noch etwas dazuverdienen zu können.

      Die KÖRPERLICHE Fitness sollte dabei nicht vernachlässigt werden.

      Und dann müssen Sie auch noch dafür BETEN, dass sie bis ins hohe Alter GESUND bleiben.

      Kurzum:

      Eine vernünftige Lebensgestaltung und – fehlt durchweg in den professionellen Ratschlägen zur Altersvorsorge – eine ordentliche Portion GLÜCK, was die Gesundheit betrifft.

      Antworten
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        troodon sagte:

        @ Anna Nuema
        Abgesehen von der sehr sinnvollen, nicht finanziellen Ergänzung von Hr. Tischer, bitte nicht “ in irgendwelchen Fonds“ sparen: Das sollten schon nach vernünftiger Analyse gute, was die Vergleichskennzahlen betrifft, Fonds oder ETF’s sein. Und immer schön auf die Kosten beim Kauf achten…
        GRV, (Aktien-)Fonds und Gold finde ich gut :)

    • Avatar
      Marco Polanzke sagte:

      Anna, Sie könnten Ihr Wahlverhalten überdenken, falls noch nicht geschehen.
      Es gibt Alternativen zu den etablierten Parteien, die den beschriebenen Szenarien entgegenwirken. Die etablierten Parteien vertreten m.E. schon lange nicht mehr die Interessen der DEUTSCHEN Bürger sondern versuchen ein Konstrukt zu erhalten, das sich einige Leute mal ausgedacht haben und nie funktionieren kann/ konnte. Auch finde ich es skandalös, dass der deutsche Bürger zu keiner Zeit gefragt wurde, ob er so ein Europa und diese Falschspielerwährung Euro möchte. In anderen Ländern werden die Bürger dazu befragt. Es wird immer behauptet die Deutschen profitieren von Europa und vom Europa. Quatsch. Die Industrie und deren Anleger/ Eigner profitieren. Der Bürger hat einen Arbeitsplatz aber verdient real weniger als vor 20 Jahren. Die Produkte werden gegen Kredit im Euro-Land verkauft. Die Kredite werden sowieso nicht mehr bedient. Also werden die Bürger versklavt. Sicherer Job > Schuften > Ware ins Ausland verkaufen > Kredit utopisch langfristig oder im Fall der Südländer nie wieder eintreibbar. Wozu also schuften? Kommen wir zum Thema Rente und private Vorsorge. Es werden in dieser Bananenrepublik Milliarden für jeden Mist und alles Mögliche und Zugereisten verbrannt. Warum werden diese Milliarden nicht an die Rentenkasse übertragen, damit diese es anlegen und ein angemessenes Rentenniveau ermöglicht wird. Knapp 45% mit 67 Jahren ist eine Frechheit, eine Unverschämtheit sondergleichen. Ich möchte nicht das Wort Drecksstaat benutzen. Die Nullen in Berlin haben Draghi und seine Nullzinspolitik geduldet. Sie Dulden Lagarde und ihre Nullzinspolitik. Gleichzeit fordern Sie vom Bürger private Vorsorge. Erst die Riester-Rente die 0,0 gebracht hat. Dann sicher Verzinste Papiere. Taugt nicht mehr. Dann Aktien und Fonds. Jeder erinnert sich noch an die Volksaktie. Jetzt kommt Olaf Scholz, der Held der SPD und ökonomischer Nullblicker und will Aktien und Wertpapiergeschäft HÖHER besteuern. Entschuldigung, dieses Laienkasperletheater in Berlin kann man doch als denkender Bürger nicht mehr ertragen. Und alles vor dem Hosianna der Klimakatastrophenverhinderer und EU-Befürworter. Da kommt einem doch die Galle hoch. Leider kann ich daher sämtlichen etablierten Parteien nicht mehr folgen und empfehle es allen anderen gleich zu tun.

      Antworten
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      Hansjörg Pfister sagte:

      @Anna Nuema, Ich bin in einer ähnlichen Situation wie Sie, nur das meine gesetzliche Rente ziemlich klein sein wird, da ich den größten Teil meines Arbeitslebens selbstständig tätig war. So bin ich auf mein erspartes Vermögen vermutlich noch mehr angewiesen als Sie. Den Ausführungen von Herrn Tischer kann ich nur beipflichten. Überlegen Sie sich jetzt, wie Sie nach Renteneintritt noch Einkommen generieren können und zwar am besten so, dass der Staat davon nichts mitbekommmt, sonst nimmt er Ihnen das wieder weg, jedenfalls einen großen Teil davon. Schaffen Sie jetzt die Voraussetzungen dafür. Ansonsten hilft nur Glück, Verstand und vor allem Gesundheit. Als Ergänzung zu den üblichen Anlageempfehlungen, empfehle ich Ihnen eine gewisse Menge Bargeld in Euro und Devisen, je nachdem wo Sie wohnen, vorrätig zu halten. Also Schweizer Franken, tschechische oder dänische Kronen etc. Damit kann man schnell mal über die Grenze und dort etwas kaufen oder sich da auch mal eine Weile aufhalten wenn’s sein muss.
      Hier noch etwas Brainstorming:
      Vielleicht ist der Erwerb landwirtschaftlicher Produktionsfläche (inkl. Wald) mit anschließender Verpachtung auch eine Option für Sie. Überlegen Sie sich, ob Sie sich nicht an einem Kleingeräteverleih (für Heimwerker) bzw. an einem Verleih für Stromerzeuger beteilligen wollen bzw. können (oder sogar selber sowas aufmachen). Diese Sparte wird meines Erachtens in der Krise boomen und es ist eine Investition in Sachwerte.

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        Anna Nuema sagte:

        Vielen Dank für diese sehr interessanten Antworten.
        Ich bin ehrlich verblüfft über den unwidersprochenen Rat in Richtung ausdauernder Erwerbstätigkeit und die Vorbereitung darauf. Damit hatte ich am wenigsten gerechnet.
        Davon abgesehen hatte ich tatsächlich auch schon über „oder dänische Kronen“ nachgedacht. Aber mir ist nicht recht klar, ob und wie sich diese der befürchteten Krise entziehen könnten. Kann vielleicht dazu noch etwas gesagt werden?

      • Avatar
        Hansjörg Pfister sagte:

        @Anna Nuema, die dänische Krone ist an den Eurokurs gekoppelt. Wenn der Euro crasht wird diese Kopplung wohl nicht durchzuhalten sein, d.h. die dänische Krone wertet gegenüber dem Euro drastisch auf. Es kann aber auch alles ganz anders kommen.. Der Wert von Devisen (als Bargeld) besteht aber auch darin, dass man im Falle von drastischen Kapitalverkehrskontrollen immer noch im betreffenden Ausland einkaufen, sich dort aufhalten oder einfach seine Devisen (teuer) verkaufen bzw. eintauschen kann.

      • Avatar
        Anna Nuema sagte:

        Ich tue mich wohl etwas schwer damit, das zu begreifen. Was ich gut verstehe, das ist: Das DKK-Konto in DK nützt mir, denn ich kann dort zur Bank gehen, funktionierendes Geld abheben und eine Weile leben. Was mir bei Währungen schon seit jeher Problem gemacht hat, ist Auf- bzw. Abwertung. ich habe mir mal die Kursverläufe von DKK, SEK, NOK zu EUR angesehen. DKK hat also das feste Verhältnis. Die anderen beiden nicht. Aber unser angenommener Fall, „die Große Krise“ – die sehe ich da natürlich nicht. Was bedeutet es also konkret in Kaufkraft, wenn ich in der Zeit Euros nach Skandinavien verschiffe, um in der Not davon zu zehren?

      • Avatar
        Hansjörg Pfister sagte:

        @Anna Nuema, Sie müssen das wie eine Versicherung begreifen. Man weiß nicht, was die Zukunft bringt. NOK und SEK würden auch gegen Euro aufwerten (insbesondere NOK) oder sie gehen gleich mit über den Jordan. Es ist wie mit meiner Zahnzusatzversicherung. Ich hatte immer Probleme mit den Zähnen. Deswegen habe ich vor 10 Jahren eine solche abgeschlossen, seitdem hatte ich nix mehr mit den Zähnen. Bin ich deswegen traurig? Nein, das was der Zahnarzt da so mit einem veranstaltet ist in der Regel nicht vergnügungssteuerpflichtig, auch wenn es die Versicherung bezahlt. Wenn Sie die Devisen brauchen, sind Sie froh diese zu haben. Wenn nicht, seien Sie froh, dass Sie sie nicht brauchen.

  6. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Weit greifende, sehr gelungene Analyse der Eurozonen-Problematik und Anlageoptionen.

    Grundsätzliche Zustimmung, weil die Auffassungen sehr gut fundiert sind.

    Man kann also folgende Aussage unterstreichen:

    >Den Euro gibt es in zehn Jahren noch, getragen von EZB-finanzierten Konjunktur- und „Green-Deal“-Programmen, steigender Staatsverschuldung und weiteren Eingriffen in die (wirtschaftliche) Freiheit. Planwirtschaft auf europäischer Ebene unter französischer Führung. Das ist das Grundszenario, dem ich 80 Prozent Wahrscheinlichkeit gebe.>

    Die Aussage zu den restlichen 20% Wahrscheinlichkeit:

    >Der Euro zerfällt ganz oder teilweise. Diesem Szenario gebe ich 20 Prozent Wahrscheinlichkeit. Einen Zerfall kann ich mir nur aus politischen Gründen vorstellen, wenn es für Politiker in einem Land eine attraktive Option ist.>

    Die Frage ist, ob die Begründung richtig ist.

    Ist der Zerfall nur dann vorstellbar, wenn er für Politiker, die dann an der Macht sind, eine ATTRAKTIVE Option ist?

    Führen wir uns das Gesamtszenario vor Augen, was angesichts fehlender Konvergenz zu folgender politischen Handlungsoption zwingt:

    >Jetzt soll mehr Umverteilung helfen, vor allem die Möglichkeit, die gute deutsche Bilanz – wenn man mal die verdeckten Verbindlichkeiten vergisst! – als Beleihungsbasis zu mobilisieren!>

    Was die „gute deutsche Bilanz“ hergibt:

    >Problem Nr. 1: Selbst, wenn wir wollten, wir können gar nicht. Siehe unsere demografische Entwicklung!

    Problem Nr. 2: Selbst, wenn wir könnten, es würde nichts bringen! Sagt der IWF!

    Problem Nr. 3: Selbst, wenn es etwas bringen würde, wäre es fair? Ich denke nicht:>

    Soweit so richtig und – bei angemessener Einschätzung unserer Stellung in der Eurozone – quasi HOFFNUNGSLOS für die ultimative Rettung der Eurozone durch deutsche Umverteilungsanstrengungen.

    Wenn darauf aufsetzend der green deal „entgleisen“ würde (Arbeitslosigkeit in Schlüsselindustrien, schnell wachsende Finanzierungsdefizite der sozialen Systeme etc.), dann ist meine Annahme und zugleich die Befürchtung:

    Die politische Lage in Deutschland würde so sein, dass die VERWEIGERUNG deutscher Politiker, die Umverteilung fortzusetzen und damit den Zerfall der Eurozone herbeizuführen, keine attraktive Option, sondern eine Tat der VERZWEIFLUNG wäre – eine unattraktive unter nur noch unattraktiven Optionen.

    Liefe es in diese Richtung – Anzeichen dafür gibt es bereits – könnten die 10 Jahre auf der Intensivstation zu optimistisch sein.

    Das gilt im Prinzip für auch für andere Länder der Eurozone.

    Bevor ich es vergesse, noch ein Hinweis für Anleger, die mit ihrem Vermögen ins Ausland flüchten wollen:

    Wir kriegen auch EUCH!

    Digitalisierung, Vernetzung und KI machen es möglich, dass sich die Staaten nicht mehr von Kapitalflüchtlingen an der Nase
    herumführen lassen müssen.

    Die Nummer mit den CDs aus der Schweiz ist schon heute ein Anachronismus, der wie im Geschäft mit der Musik durch STREAMING abgelöst werden wird.

    STEUERDATEN-Streaming ist die Zukunft, mit der Staaten ihre Bürger ganz entscheidend beherrschen und domestizieren werden.

    Man muss ein Habenichts sein, um dem zu entkommen.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Man muss ein Habenichts sein, um dem [Steuerstaat] zu entkommen.“

      Oder mehrere Identitäten haben, zum Beispiel indem man erfolgreich ein paar Asylanträge in Deutschland gestellt hat. Wenn der böse Franco A. das als deutscher Bundeswehr-Offizier ohne große landeskundliche Kenntnisse von Syrien einmal geschafft hat (der Prozess gegen ihn hat immer noch nicht begonnen, das könnte noch peinlich fürs BAMF werden…), dann kann quasi jeder das. So bekäme der Begriff „Steuerflüchtling“ eine völlig neue Bedeutung…

      Wir schaffen das! ;)

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    troodon sagte:

    Die Eurozone wird in den nächsten sehr wahrscheinlich 10 Jahren tatsächlich nicht zerfallen. Wohin ansonsten mit den ganzen Bürokraten… ;)
    Die werden alles tun, dass der Zerfall nicht stattfindet.

    Nicht ausschließen würde ich aber, dass ein, zwei Staaten sich entschließen die Eurozone verlassen Das hätte aber wahrscheinlich eher zur Folge, dass sich beim Rest die Reihen schließen und man noch mehr auf Zentralisierung setzt.

    Die nächste größere Krise hat gute Chancen dafür „genutzt“ zu werden.Frankreich wird in dieser dann DER Elefant im Raum sein. Unternehmensverschuldung/BIP, Bankilanzsummen zu BIP, dazu die streikfreudigen Franzosen. Dagegen ist Italien aktuell Peanuts.
    Prof.Werner zitiert aus einem persönlichen Gespräch mit einem Gestalter des Maastricht Vertrags: „Wir brauchen eine große Krise, sonst kriegen wir nicht das europäische Finanzministerium und die Vereinigten Staaten von Europa“. Na dann…

    Man sollte sich deshalb bei der Geldanlage nicht zu sehr auf das € Zerfall Szenario verlassen. Folglich sollte man sich mehr mit dem wahrscheinlicheren Szenario des Fortbestehens beschäftigen. Und da sind unverzinste € Kontoguthaben/Festgeld/Anleihen. sicherlich nicht der richtige Weg für einen Großteil der Geldanlage. Statt 2,5 Bio nur 1,5 Bio € in diesen Anlagen bei den privaten Haushalten in D und stattdessen langfristig 1 Bio mehr Aktien (weltweit) macht langfristig 60 Mrd. € p.a. mehr, wenn man realistische Rendite von 6% inkl. Dividenden unterstellt.
    Aber in D diskutiert man lieber Ewigkeiten über schwarze Null, Targetsalden, Investitionen ODER Steuersenkungen etc… Bis dann deutlich etwas passiert sind wahrscheinlich die nächsten 10 Jahre schon wieder rum :(

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @troodon

      „Wohin ansonsten mit den ganzen Bürokraten… ;)“

      https://statistik.arbeitsagentur.de/Statischer-Content/Arbeitsmarktberichte/Ausbildungsmarkt/generische-Publikationen/AM-kompakt-Ausbildungsmarkt-Abbildungen.pdf

      Es ist nie zu spät, einen richtigen Beruf zu erlernen.

      Anteile unbesetzter Ausbildungsstellen an allen gemeldeten betrieblichen Ausbildungsstellen zum 30.09.2019:
      Frisöre 21%
      Lebensmittelherstellung und -verkauf 20%
      Hotel- und Gaststättenberufe 17%
      Hochbau 16%
      Malerei und Lackiererei 15%
      Klempnerei, Sanitär, Heizung, Klima (!!!) 13%

      „Frankreich wird in dieser dann DER Elefant im Raum sein. Unternehmensverschuldung/BIP, Bankilanzsummen zu BIP, dazu die streikfreudigen Franzosen.“

      Ob Frankreich mit einer Präsidentin Le Pen noch viel Interesse an den „Vereinigten Staaten von Europa“ haben wird, wage ich zu bezweifeln, Krise hin oder her.

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      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        Wie wäre es mit „Ob Frankreich mit einer Präsidentin Le Pen in der nächsten (echten) Krise noch viel Interesse an Le Pens Ideen haben wird?“ Gerade wenn Le Pen bereits Präsidentin wäre, könnte es ein „guter“ Zeitpunkt sein, die nächste Krise ausbrechen zu lassen, wenn man das langfristige Ziel verfolgt, die „VSvE“ zu schaffen… ;)

      • Avatar
        troodon sagte:

        …ach und die offenen Stellen sind schon reserviert für die arbeitslos werdenden Industriearbeiter und die dortigen Angestellten. Und wenn die sich weigern, werden die Bürokraten nach mehr Billig-Immigration rufen…

  8. Avatar
    Zweifler sagte:

    Beispiel Italien: Will ein italienischer Staatsbürger im EU Ausland (Deutschland, Österreich) beispielsweise legal Gold, Immobilien oder Aktien halten, muß er jedes Jahr in der Steuererklärung Art und Wert der Anlage angeben. „Fiskalische Überwachung“ nennt sich das auf deutsch übersetzt. Bei Nichteinhaltung sind sehr hohe Strafen vorgesehen. Im Falle von Nicht EU Ausland sind die Vorschriften noch strenger. Ich weiß nicht, ob es Ähnliches in Deutschland gibt, würde mich interessieren.

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    • Avatar
      delidurdu sagte:

      „Will ein italienischer Staatsbürger im EU Ausland (Deutschland, Österreich)…“.
      Gemeint ist wohl: ohne Wohnsitz in diesen Ländern?

      Antworten
  9. Avatar
    stattb sagte:

    Meine kleine eiserne Langfrist-Reserve liegt als Gold in einem nicht-Bank-Schließfach in DE und als Bitcoin auf meiner Wallet, die von nichts und niemandem konfiszierbar oder besteuerbar ist (solange sie dort liegt). Insbesondere bei Bitcoin sind Kapitaltransferbeschränkungen sowieso kein Thema und ich würde mich auch nicht scheuen, mein Gold zu Fuß über die Alpen nach CH oder LI zu tragen um es dort zu versilbern, was immer auch geschehen mag. Der Zoll betrifft mich daher nicht. Von dem Teil meines Kapitals den ich schützen kann (Gold+Bitcoin) wird der Staat keinen Cent bekommen!

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      Thierry sagte:

      @stattbe

      „… zu Fuß über die Alpen …“ ist gar nicht nötig. Sie können ruhig mit dem Auto fahren, wenn Sie …-

      – etwas von Mechanik verstehen. Notfalls eine Lehre machen,

      – einen Werkzeugsatz kaufen und Ihr Auto – möglichst einen älteren Kleinwagen – etwas zerlegen, um es von innen zu besichtigen. Sie werden eine Menge Hohlraum finden, der nur mit Spezialwerkzeug zugänglich ist,

      – Ihre Kontrabande dort einbauen – rüttelsicher,

      – den Mund halten – auch in der Familie,

      – und in der Ferienzeit im Habit eines Unterklassetouristen und mit authentischem, zarten Milieuduft verströmenden Gepäck und zwei Kleinkindern im Auto losfahren.

      Gute Reise!

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thierry

        Vorsichtig mit solchen Ratschlägen.

        Meine letzten Informationen besagen, dass die Spürhunde an der Grenze zur Schweiz nicht mehr nur für das Erschnüffeln von Drogen, sondern auch von Gold abgerichtet werden : – )

      • Avatar
        Thierry sagte:

        @ D. Tischer

        Gold ist inert und verströmt keinen Duft, höchstens die artspezifische Verpackung. Also meinetwegen umpacken und ein bisschen Mottenpulver oder Pfeffer reinstreuen. Wer schon einmal einen Hund hatte, weiss was der dazu meint.

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