STELTERS MAILBOX: Bestätigen Sie Pikettys „großen Wurf“?

In der letzten Woche gab es die erste Folge von STELTERS MAILBOX. Viele Leser fanden die Idee gut, einige machen sich Sorgen, bto würde nun zu einer schlechteren Anlagekolumne verkommen. Nun, ich werde mir alle Mühe geben, dass es nicht soweit kommt. Außerdem erhalte ich ja auch andere Zuschriften, wie diese:

Sehr geehrter Herr Stelter,

ich habe mit Interesse Ihre Replik zu Piketty gelesen.

Ich muss sagen, dass ich sehr erstaunt war (oder auch nicht), dass selbst nach der Lektüre Ihres Buchs Piketty keineswegs so schlecht dasteht, wie ich es vermutet hatte. Noch mehr hat mich erstaunt, dass Ihre Haltung zu vielen Thesen und Haltungen Pikettys im linken Lager nicht für mehr Aufsehen erregt hat. Offenbar ist Ihr Buch tatsächlich in die ‘falschen Hände’ geraten oder wurde in seiner Konsequenz noch gar nicht richtig verstanden.

Spannend fand ich besonders das Kapitel 4.2. Ich hoffe, Ihre Leser haben dies gut verstanden und beherzigt. Allerdings nicht in der von Ihnen erstaunlich offen angedeuteten Weise, sich möglichst gut zu überlegen, wo sie ihr Vermögen verstecken können. Das ist ja leider ein altes übles Spiel, das eines Tages tatsächlich zu weiteren üblen Dingen führen könnte.

Leider vermisse ich stattdessen Ihren Appell an das, was man einmal Solidarität genannt hat (bzw. nicht nur genannt, sondern auch praktiziert). Wenn Schulden abgebaut werden müssen, ist es doch nicht verkehrt zu fragen, wer denn im Verlauf des Schuldenaufbaus auf der anderen Seite des gesellschaftlichen Spektrums die größten Profite eingefahren hat.

Auch Kapitel 5 gibt mir Rätsel auf? In wesentlichen Dingen bestätigen Sie ja regelrecht Pikettys großen Wurf. Man müsste das, was in Ihrem Buch über Ungleichverteilung und die Lösung der Schuldenkrise steht, eigentlich 1:1 der SPD oder der LINKEN ins Parteibuch schreiben. Sehr erstaunlich!! Eine Steilvorlage und ein Schlag ins Gesicht etwa einer Frau Göbel bei der FAZ.

Ich weiß nicht, wie Sie das sehen, aber habe ich da etwas missverstanden in Ihrem Buch? Es würde mich brennend interessieren.

Mit freundlichem Gruß“

Grund genug für mich, mal wieder in mein Buch „Die Schulden im 21. Jahrhundert“ zu blicken. Erschienen ist es bereits 2014 als Zusammenfassung, Bewertung und Ergänzung von Thomas Pikettys Buch Das Kapital im 21. Jahrhundertund schaffte es damals immerhin auf die Bestsellerliste für Wirtschaftsbücher. Im Unterschied zu Pikettys Werk dürfte mein Buch von den meisten Käufern auch wirklich bis zu Ende gelesen worden sein, ist es doch deutlich kürzer.

Im kommenden Frühjahr erscheint das neue Werk von Piketty, welches bisher nur auf Französisch verfügbar ist. Es trägt den Titel Kapital und Ideologie“ und wird uns sicherlich zu gegebener Zeit beschäftigen. Soweit ich weiß, setzt er auf dem Bekannten auf und korrigiert bzw. hinterfragt seine Aussagen aus dem letzten Buch nicht. Stattdessen erläutert er ausführlich, wie seiner Meinung nach die Kapitalbesitzer Medien und Öffentlichkeit manipulieren, um ihren privilegierten Status zu sichern. Als Gegenmaßnahme empfiehlt er hohe Steuern und Vermögenskonfiskation. Ideen, die in Berlin sicherlich auf fruchtbaren Boden fallen.

Doch nun zu den Fragen des Lesers, die ich so zusammenfasse:

  1. Sind die Analysen von Piketty zutreffend?
  2. Was ist dran an Pikettys Empfehlungen?
  3. Bestätige ich Pikettys „großen Wurf“?

Gehen wir die Fragen nacheinander durch:

1.     Sind die Analysen von Piketty zutreffend?

Ich will an dieser Stelle nicht mein Buch abschreiben. In verschiedenen Kommentaren bei bto habe ich mich mit den Thesen von Piketty ebenfalls auseinandergesetzt. Darum hier in Stichpunkten:

  • Piketty beobachtet ein Wachstum von Vermögen, das über der Wachstumsrate der Wirtschaft liegt. In der Folge steigt die sogenannte Vermögens/Einkommens-Quote kontinuierlich an.
  • Er führt dies auf ein „Naturgesetz“ zurück, wonach die Rendite auf Kapital über der Wachstumsrate der Wirtschaft liegt
  • und bemängelt, dass vor allem die großen Vermögen hohe Renditen erwirtschaften und damit nicht nur die Vermögen wachsen, sondern auch die Vermögenskonzentration.
  • Er erkennt im Anstieg der Vermögens-/Einkommens-Quote ein Versagen des Staates, der nicht ausreichend besteuert und damit den Anstieg nicht bremst.
  • Piketty fordert konsequenterweise eine drastische Besteuerung von Einkommen und Vermögen, um so wieder mehr Gleichheit herzustellen.

In meiner Analyse von Pikettys Arbeit stelle ich fest, dass:

  • die Daten von Piketty in der Tat einen Anstieg der Vermögens-/Einkommens-Quote zeigen.
  • die Daten ebenfalls die Aussage, dass es im oberen Bereich zu besonders starken Vermögenszuwächsen gekommen ist, unterstützen.
  • sich kein Naturgesetz dauerhaft höherer Kapitalrenditen als Wachstumsraten finden lässt. Im Gegenteil vernachlässigt Piketty Faktoren wie Steuern, kalkulatorische Miete selbst genutzter Immobilien (die ja per Definition sofort konsumiert und nicht gespart wird) und die Tatsache, dass immer höhere Vermögenswerte mit einer immer geringeren Rendite einhergehen. Je höher die sogenannten Multiples, desto geringer der künftige Ertrag.
  • er die Wirkung des säkularen Trends der Zinssenkung seit Beginn der 1980er-Jahre bei seiner Analyse völlig übersieht, wobei dieser einen wesentlichen Anteil an den steigenden Vermögenspreisen hat.
  • er in diesem Zusammenhang nicht bemerkt, dass faktisch der gesamte Anstieg der Vermögens-/Einkommens-Quote mit der Entwicklung der Preise von Immobilien erklärt werden kann.
  • Piketty die Wirkung von Schulden und vor allem den selbstverstärkenden Effekt eines immer höheren Verschuldungsgrades (Leverage) nicht versteht und deshalb die Kernursache der Entwicklung übersieht: die Verschuldung. Dabei wäre der Anstieg der Vermögen ohne die zunehmende Verschuldung – zu immer tieferen Zinsen entsprechend angefacht – gar nicht denkbar. Deshalb auch der Titel meines Buches.

Aus meiner Sicht arbeitet sich Piketty an den Symptomen ab, statt die Ursache zu beleuchten. Wer eine geringere Vermögens-/Einkommens-Quote wünscht, muss zwangsläufig an unserem Geldsystem ansetzen.

2.     Was ist dran an Pikettys Empfehlungen?

Im Kapitel 4.2 beschäftige ich mich in der Tat mit Pikettys Empfehlungen, die letztlich auf eine konfiskatorische Besteuerung hinauslaufen, um so eine gleichere Vermögensverteilung zu erzielen. Das kann man so fordern, wenn man wie er nur die Symptome betrachtet und die Ursachen nicht erkennt.

Andererseits sehen wir ja, wenn wir auf die Verschuldung der westlichen Welt blicken – im Unterschied zu Piketty betrachte ich bekanntlich nicht nur die Staatsschulden, sondern auch die Schulden des Privatsektors –, dass diese zunehmend negative Wirkungen hat:

  • Die Verschuldung zwingt zu immer tieferen Zinsen, was wiederum zu noch mehr Schulden führt.
  • Damit einhergeht eine zunehmende „Zombifizierung“ der Wirtschaft, was wiederum zu geringerem Wachstum und einer geringeren Schuldentragfähigkeit führt.
  • Neue Kredite haben immer weniger Effekt auf die Realwirtschaft, dienen sie doch zur Aufrechterhaltung der Illusion der Bedienbarkeit alter Kredite und zur Spekulation oder dem Erwerb vorhandener Vermögensgegenstände.
  • Diese ökonomische Eiszeit führt dann weiter in eine Interventionsspirale immer radikalerer geld- und demnächst auch fiskalpolitischer Maßnahmen.
  • Derweil steigen die Vermögenswerte relativ zum Volleinkommen immer weiter, zum einen, weil Geld immer weniger kostet, zum anderen durch zunehmende Spekulation und immer mehr auch wegen eines Vertrauensverlustes der Vermögenden in das System.
  • Ebenso wächst die Bedeutung des Finanzsektors. Diese „Financialization“ führt zu Gewinnen aus unproduktiver Tätigkeit und durchzieht immer mehr auch die Realwirtschaft.

Verschuldung als solche ist aus meiner Sicht kein Problem, sofern sie für produktive Zwecke erfolgt. Das habe ich immer wieder geschrieben und auch in meiner Serie zur Eigentumsökonomik herausgestellt.

Problematisch ist die unproduktive Verschuldung, die die oben genannten Nebenwirkungen hat und damit das System immer mehr ins Ungleichgewicht bringt. Deshalb muss man darüber nachdenken, wie man die Schulden wieder auf ein nachhaltiges Niveau senkt, relativ zum BIP. Die Optionen sind klar:

  • Sparen und tilgen: Problem ist, dass dies auf Ebene einzelner Sektoren und sogar in einzelnen Ländern funktionieren kann – allerdings nicht in einer ganzen Region wie Europa oder gar weltweit. Denn wird gespart aus dem laufenden Einkommen, drückt dies Nachfrage und Wachstum. Italien wird immer wieder als Beispiel für Sparen ohne Erfolg angeführt.
  • Schneller wachsen: Diese Option ist zweifellos die attraktivste. Gelänge es, dass Wachstum der Wirtschaft über das Wachstum der Schulden zu bringen, würde die Schuldenquote über Zeit sinken. Ein Erfolg. Problem ist nur, dass zum einen die Demografie, zum anderen die geringen Produktivitätsfortschritte (auch in Folge der schuldenbedingten Zombifizierung) dazu führen, dass diese Option nicht funktioniert.
  • Höhere Inflation: Klappt das mit dem Realwachstum nicht, würde es helfen, dass nominale Wachstum über das Wachstum der Schulden zu hieven. Also über höhere Inflationsraten. Wie wir in den letzten Jahren gesehen haben, ist es im Umfeld von Überkapazitäten, Globalisierung, Überschuldung und Zombifizierung extrem schwer, die Inflation nach oben zu bekommen. Die genannten Faktoren wirken nämlich alle eher deflationär.
  • Pleiten und Konkurse: Sind die Schuldner zu hoch verschuldet, ist es naheliegend über Zahlungseinstellungen und Pleiten nachzudenken. Dies haben wir in der Großen Depression der 1930er-Jahre erlebt, vor allem konnte man beobachten, wie derartige Prozesse aus dem Ruder laufen und auch Schuldner mit in den Abgrund gezogen werden, die eigentlich solide waren. Deshalb setzt die Politik alles daran, eine solche Bereinigungswelle zu verhindern. Allerdings sind die Nebenwirkungen, wie gezeigt, erheblich.
  • Steuern und Vermögensabgaben: Bleibt als weitere Option jenes, was ich noch zu BCG-Zeiten als „Back to Mesopotamia“ beschrieben habe: ein Schuldenschnitt, der durch Steuern und vor allem Vermögensabgaben finanziert wird. Dann sänken Schulden und Vermögen im Gleichschritt und man könnte das Problem in einem geordneten Verfahren lösen. Wie aktuell diese Überlegungen sind, sieht man an den Überlegungen von IWF und Bundesbank zu Vermögensabgaben und den Empfehlungen von France Strategie zur Teil-Verstaatlichung von Grundbesitz.

In diesem letzten Punkt gibt es – wie ich auch in meinem Buch ausführe – eine gewisse Logik für die Vorschläge von Piketty. Ich glaube auch, dass seine Vorschläge unter dem Deckmantel der Herstellung von Gerechtigkeit teilweise Realität werden. Dies bedeutet allerdings nicht, dass ich seine Analyse teile.

3.     Bestätige ich Pikettys „großen Wurf“?

Nein. Ich sehe zwar die Notwendigkeit, das Problem der Überschuldung durch eine Restrukturierung der Schulden, die zwangsläufig mit entsprechenden Verlusten für die Vermögen verbunden sind, zu lösen. Ich tue dies aber nicht, weil ich Pikettys Analyse teile. Wie gezeigt, verkennt er die eigentliche Ursache für das von ihm analysierte Ergebnis. Er verkennt die Wirkung von Finanzsystem und Geldordnung. Hier hätte er ansetzen müssen, um einen echten Wurf vorzulegen.

Kommentare (30) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    ikkyu sagte:

    Die Überbetonung der Bedarfsgerechtigkeit zu Lasten der Leistungsgerechtigkeit führt langfristig zum wirtschaftlichen Abstieg einer Gesellschaft, da die Leistungsbereitschaft der Bevölkerung unterminiert wird.

    Warum sollte man auch besser sein wollen als die anderen und Entbehrungen auf sich nehmen, wenn man dafür nicht belohnt wird?

    Das Problem dabei ist:

    Wer aufhört, besser sein zu wollen, hat auch aufgehört, gut zu sein.
    (Zitat von ?)

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    Andreas sagte:

    Hallo Herr Dr.Stelter, die Sorge der „schlechteren Anlagekolumne“ teile ich nicht. Sie hatten in früheren Tagen als Sie Unternehmensberater waren schon gute Aktienanalysen gemacht im Magazim EURO soweit ich mich erinnere.

    Ich denke viele Leser interessiert das Thema Anlage: Dies ist ja die einzige Mögflichkeit wo wirklich jeder individuell agieren kann.

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      Thomas M. sagte:

      Ich möchte mich dem anschließen. In Deutschland herrscht Anlage-Analphabetismus, so dass der ein oder andere Hinweis gut wäre. Bto braucht sicherlich keine Anlage-Kolumne mit heißen Tipps werden; dafür gibt’s schon Angebote. Aber das kleine 1×1, wie man auch außerhalb von niedrig bis 0-verzinsten €-Anleihen z.B. fürs Alter vorsorgen kann als Fingerzeig von einem unabhängigen Experten weckt vielleicht das Interesse des ein oder anderen.

      Ein Stückweit ist das sogar Aufklärungsarbeit. Ich sehe es ja im Umfeld, wie die Leute aus Angst vor Schwankungen sich an die nominalen Zahlen klammern und Aktien als „Teufelszeug“ empfinden. Mit so einer realitätsfremden Grundeinstellung der Masse braucht man sich nicht wundern, wenn die Marktwirtschaft abgewählt wird zugunsten der Planwirtschaft.

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    Michael Stöcker sagte:

    @ Bauer

    Was Sie hier als fundamentales Problem ansprechen, ist bereits seit biblischen Zeiten bekannt. Von daher wurde am Endpunkt des Matthäus-Effekts das Land immer wieder neu aufgeteilt.

    Für die Neuzeit wurde das Boden-Drama dann von Henry George neu formuliert. Lord Adair Turner hatte dies als eines der ZENTRALEN Probleme in seinem Buch „Between Debt and the Devil“ ausgemacht.

    Im deutschsprachigen Raum beschäftigt sich insbesondere Dirk Löhr mit dem Thema Bodenwertsteuer: https://www.deutschlandfunkkultur.de/her-mit-der-bodensteuer-zur-wiederkehr-der-neuen-alten.1005.de.html?dram:article_id=426663

    Mit einer Bodenwertsteuer entschärft sich dann auch die Problematik von Finanzkrisen, die bekanntlich in den meisten Fällen mit Immobilienblasen einhergehen.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Ich finde, die Debatte lässt sich abkürzen. Herr Dr. Stelter bezieht die Geldpolitik in seine Analyse ein, Herr Piketty nicht. Warum, weiss wohl nur Herr Piketty alleine. Allerdings fällt es mir schwer, bei Herrn Piketty an fachliche Wissenslücken zu glauben, wenn man seinen beruflichen Werdegang ansieht.

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    Ulrich Remmlinger sagte:

    „Piketty fordert konsequenterweise eine drastische Besteuerung von Einkommen und Vermögen, um so wieder mehr Gleichheit herzustellen.“

    Ist das nicht wieder der uralte Neidreflex?
    Wenn ein Fußballspieler eine Millionengage bekommt, dann doch deshalb, weil er für ein volles Stadion und hohe Einschaltquoten sorgt. Dadurch erhalten eine große Zahl von Leuten Brot und Arbeit. Warum muß man ihm diesen Lohn wegnehmen?
    Es wird immer Leute geben, die besser und cleverer sind als ich. Warum soll ich das nicht neidlos anerkennen?

    Das ganze ist eine sinnlose Diskussion. Es wird nie eine Welt geben, in der sich alle „gerecht“ behandelt fühlen.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Ulrich Remmlinger

      >Wenn ein Fußballspieler eine Millionengage bekommt, dann doch deshalb, weil er für ein volles Stadion und hohe Einschaltquoten sorgt.>

      Nicht nur das, die Millionengagen STEHLEN oder ERPRESSEN die Fußballspieler doch NICHT, sondern sie werden ihnen geradezu AUFGEZWUNGEN.

      Es herrscht Vertragsfreiheit und damit FREIWILLIGKEIT.

      >Dadurch erhalten eine große Zahl von Leuten Brot und Arbeit>.

      Das und noch vielmehr:

      Die große Zahl von Leuten sind MILLIONEN, die nicht arbeiten müssen oder wollen, um die Zeit zu haben, sich STUNDENLANG mit „Kunst am Ball auf dem Rasen“ unterhalten zu lassen.

      Die Fußballspieler LIEFERN und bekommen pro Zuschauerstunde peanuts, wenn man irgendeinen üblichen Stundenlohn in den Dienstleistungsbranchen zugrunde legt.

      Das heißt u. a. auch, dass die hohen Produktivitätsgewinne bei weitem nicht voll einbehalten werden.

      >Warum soll ich das nicht neidlos anerkennen?>

      Wem es bei ein wenig Nachdenken dämmert, dass im System Leistung belohnt wird und große Leistung eben hoch belohnt wird, der hat keine Probleme mit den Millionengagen.

      Das Problem besteht darin, dass Piketty und andere das bei ihren „Analysen“ unterschlagen und damit zwar nicht den einzigen, aber einen wesentlichen Aspekt UNGLEICHER Vermögensbildung ausblenden, um SYSTEMWIDRIG für Gleichheit zu plädieren.

      Ich würde nicht sagen, dass das Ganze eine sinnlose Diskussion ist.

      Es ist aber eine verfehlte.

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        Ulrich Remmlinger sagte:

        Herr Tischer, wenn es Ihnen gelingt, einen einzigen Menschen von ihrer Meinung zu überzeugen, dann ist die Diskussion in der Tat nicht sinnlos. Ob das gelingt?

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    Bauer sagte:

    >> „er in diesem Zusammenhang nicht bemerkt, dass faktisch der gesamte Anstieg der Vermögens-/Einkommens-Quote mit der Entwicklung der Preise von Immobilien erklärt werden kann.“

    Hier liegt m.E. der Schwachpunkt unseres Wirtschaftssystems. Denn Grund und Boden sind keine beliebige Ware. Sie sind nicht vermehrbar und laden gerade deshalb zu ekzessiver Spekulation ein. Die gesamte Angebot/Nachfrage Theorie ist hier nicht anwendbar.

    Man möge bedenken, dass der grösste Wertzuwachs gewöhnlich aus der Umwidmung von Agrarland in Bauland entsteht. Das ist ein rein administrativer Vorgang, den man kaufen kann (keine Widerrede, ich weiss Bescheid!).

    Selbst als hartgesottener Kapitalist sehe ich da Handlungsbedarf. Es wäre den Schweiss der Eingeweihten wert, in diesem Bereich zu einem anderen Modell zu kommen. Wie wäre es, wenn Grund und Boden nicht mehr selbst handelbar wären, sondern lediglich die Nutzungsrechte? Die Erbpacht gibt es ja schon, dieses Rechtsgut könnte zweckentsprechend ausgebaut werden. Die Kommunen könnten sich nur freuen, wenn diese Rechte periodisch auf den Markt kämen und dadurch eine flexiblere Stadtplanung möglich würde. Die Bodenwerte könnten in einem öffentlichen Fond zusammengefasst werden und damit beleihbar bleiben.

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      Richard Ott sagte:

      @Bauer

      „Wie wäre es, wenn Grund und Boden nicht mehr selbst handelbar wären, sondern lediglich die Nutzungsrechte? Die Erbpacht gibt es ja schon, dieses Rechtsgut könnte zweckentsprechend ausgebaut werden. Die Kommunen könnten sich nur freuen, wenn diese Rechte periodisch auf den Markt kämen und dadurch eine flexiblere Stadtplanung möglich würde. Die Bodenwerte könnten in einem öffentlichen Fond zusammengefasst werden und damit beleihbar bleiben.“

      Verstehe ich Sie richtig? Sie wollen sämtlichen privaten Grundbesitz enteignen, in einen öffentlichen Fonds überführen (wieso?) und dann als Sicherheit für Kreditaufnahme benutzen? Welcher Kreditgeber wäre so blöd, das als Sicherheit akzeptieren wenn Grund und Boden selbst nicht mehr handelbar sind?

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        Bauer sagte:

        @ R. Ott

        Ich habe nichts von Enteignen gesagt. Mir ist völlig klar, dass ein derartiger Systemübergang eine Generationenaufgabe sein würde. Allerdings mit zunehmender Brisanz, denn viel Boden ist in D bald nicht mehr haben.

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        Richard Ott sagte:

        @Bauer

        Wie wollen Sie diesen „Systemübergang“ ohne Enteignungen realisieren? „Erbpacht“ bedeutet ja, dass ein Grundbesitzer das Nutzungsrecht an einem Grundstück zeitweilig einem Pächter überlässt, und dieser Besitzer ist in Ihrem imaginierten System ganz offensichtlich der Staat, und nicht mehr private Eigentümer.

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      Alexander sagte:

      @Bauer

      Ihre Überlegung zum Eigentum an Grund und Boden ist vom NachkriegsFrieden geprägt und denkt die Vergangenheit als lineare Veranstaltung in eine endlose Zukunft weiter. Dabei haben uns die wenigen Jahre seit Grenzöffnung gelehrt, wie schnell sich Frieden ändern kann.

      Als hartgesottener Kapitalist dürfen sich auf die Kraft des unsterblichen Marktes vertrauen..

      Aus den 66 Thesen zu Eigentum, Recht und Freiheit v. Prof. Otto Steiger:
      § 1 Gleich allen Menschenrechten ist auch das Recht auf Eigentum
      kein natürliches Recht. Es existiert nicht vom Beginn der Menschheits-
      geschichte an, wird vielmehr in bestimmten Perioden von Menschen ge-
      schaffen, aber auch wieder vernichtet.
      (Quelle: http://www.dasgelbeforum.net/sammlung/Steiger66Thesen.pdf )

      Weil niemand etwas „mitnehmen“ kann, sind alle Eigentumsrechte in Wahrheit nur Pachtrechte von Gnaden des Machtmonopolisten.

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        ruby sagte:

        Und diese „Machtmonopolisten“ agieren gerade in den Subsystemen:
        Militär, Recht, Wirtschaft, Kultur.
        Die BRDeutschland wird gerade im letzten Wohlstandsbringer, der Wirtschaft, zerlegt, ohne daß das Politiksystem Anzeichen von Überlebenswillen für seinen Staat zeigt. Die herrschende Generation gebiert Bedeutungslosigkeit sowohl in Markt- und Börsenwerten, Eigentumssicherung, InfrastrukturInnovation, Human Ressources.
        Wie die Grundsteuerdeformation zu einer Plünderung der Selbstverwaltung führt, zeigt den Abschluß dieser eigentlich vor Ort gestaltbaren Entwicklungen.
        Mit dem Digitalpakt werden Analphaten der Tele-Monopolisten aus den Sculen heraus mutiert. Auswanderung / Abenteuertum wie im Zeitalter der Welterkundung durch Seefahrt und Siedlertum ist keine Veränderungsalternative. Wir lebten mit den Blick zurück, um dadurch das Jetzt zu gestalten. Diese Option zu erhalten ist verloren, es folgt nur der getriebene tägliche begrenzt-singuläre Rush ins negativverzinste Morgen. Garniert mit dem Klimaweltuntergang zur Drohung und Sanktion abweichenden Verhaltens bei jeder Bewegung.
        China, Rußland, USA präsentieren Entitäten der Gewalten und Kommunikationen. Die Inseln des Wissens von Lehre und Forschung haben den Universalismus weggeworfen ihre Freiheit den wirtschaftlichen Ausbeutern verkauft. Horizontalität im Bildungswesen ist zerfressen von Nützlichkeiten der Theorien rationalen Handelns via Google Scholars
        https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-531-19564-3_5 Youtubeschnipselchen im Powerpointformat freigegeben und verteilt vom Massentauglichkeitsalgorithmus im Handyformat mit Clickkompatibalität über Zensurcontrollinginstanzen der Systemadministratoren-Rechtsetzer.

        Wo ist der Wohlstand?

        Die Zahlungsströme unseres Abgabensystems hatten ihn verteilt. Hinter den medialen Schleiern erfolgen die Leistungstransformationen über Kapitalsammelstellen auf die
        Vermögenskonten der Einrichtungbestimmer und Institutionsbesetzer. „I need a unit to sample and hold, new design a new design“ definiert das Prizinp des Könnens.
        Kontinuität bildet Stärke ab, Disruptivität fördert Veränderung. „Für immer jung“

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @ruby

        Eigentumspächter stimmen jedem Abgabensystem (demokratisch) innig zu, wenn es ihrer Sicherheit dienlich scheint – was sich auf Militär, Recht, Wirtschaft und Kultur erstreckt … seit dem Mauerbau von Ur. https://de.wikipedia.org/wiki/Gilgamesch-Epos

        Der Babyboom der Nachkriegsepoche schuf ein ungeahntes Abgabenpotential aus dem heraus man historisch einmalige Entwicklungssprünge finanzieren konnte + Arbeit / Wohlstand / Bildung / Gesundheit für alle.

        Den Zenit haben wir vor längerer Zeit gesehen und ich messe ihn an der Innovationsunfähigkeit, verursacht aus einer Mischung von Hedonismus und Dekadenz. Die aktuelle Unfähigkeit geleistete Zahlungsströme sinnvoll zu leiten gehört zum erreichten Mittelmaß.

        Wenn der Zenit „war“ kippt das System der Einzahlungsströme nach der Auszahlungsseite, was nicht im Interesse der die Subsysteme dominierenden Machtmonopolisten sein kann…denn es wäre die Insolvenz der Finanzierungsketten.

        Aus dieser Perspektive verstehe ich die verhinderte Eurokrise, ausgelöst durch einen Zwergenstaat, mit i.d. Folge maßlosen Bürgschaften ohne verpfändbare Sicherheiten, als systemstabilisierend.

        Genauso stabilisierend verstehen sich die target2 Salden als durch die Buba kreditierte Exportsubvention, wie den Tausch europäischer Staatsanleihen durch die Buba in target2….besichert mit den Pfändern der dt. Buba-Gläubiger/Steuerzahler/Abgabenfinanziers.

        Was an Schmiermittel Geld noch mangelte schuf die EZB Tochter im Auftrag der nationalen NB´s wie die Fed, BoE, BoJ u.Co….weil das Gesamtproblem der Kapitalsammelstellen eines der westlichen Welt einschl. Japan, Australien, Kanada, Neuseeland und den USA ist.

        Ich bin mir nicht sicher ob das Bildungssystem vor den Reformen gekippt war oder danach. In jedem Fall ist Flucht als Auswanderung keine Option für Menschen mit digitaler Demenz und Anpassung familiär erlernte Schlüsselqualifikation, in Gesellschaften die Individualismus ausgrenzen.

        Der Ersatz für schrumpfvergreisende Gesellschaften wird international beworben und beschränkt sie wirklich nicht auf Buntschland. Vielleicht erfüllt die aktuelle Bundesregierung ihren Auftrag mit besonderem Verve, was offensichtlich den Interessen ihrer Abgabenfinanziers widerspricht, aber bestimmt einem größerem Ziel geschuldet ist.

        Größere Ziele gibt es, aber keine die Imker mit ihren Arbeitsbienen diskutieren würden.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Alexander

        Die Imkerei hält viele interessante Analogien für den Zustand Deutschlands und der CDU bereit:

        „Die Drohnenbrütigkeit eines Volkes ist dann gegeben, wenn ausschließlich unbefruchtete Eier in den Zellen vorhanden sind. Als präventive Maßnahme gegen drohnenbrütige Völker hilft nur die rechtzeitige Erneuerung der Königin nach spätestens 2 Jahren. Nach spätestens 6 Wochen ab Auftreten der Drohnenbrütigkeit ist ein Totalverlust des Bienenvolkes unvermeidlich, dann nach spätestens 42 Tagen ist auch die letzte Arbeitsbiene am Ende ihres Lebenszyklus angekommen.“

        Auch zum Zustand der CDU-Führungsebene gibt es Parallelen:

        „Die echte Drohnenbrütigkeit tritt zumeist im Frühjahr oder Spätherbst auf, wenn kein oder nur noch ein sehr kleines Brutnest besteht. In der Regel waren zum Zeitpunkts des Versterbens der begatteten Königin nicht mehr ausreichend junge Brut im Volk, sodass aus einer oder mehreren Arbeitsbienen sogenannte Afterweiseln entstehen, die im Körperbau den normalen Arbeitsbienen sehr ähnlich sind, aber Eier in die Zellen legen.“

        http://www.beeventure.de/imkerei/honigbiene/bienenzucht/koniginnenzucht/afterweisel/drohnenbruetig.html

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        Alexander sagte:

        @Richard Ott

        Gute Völker spüren wenn die alte Königin (Weisel) ihren Höhpunkt hatte und weiseln „still“ um. Die stille Umweiselung geschieht gerne zum Ende des Sommers und die Völker akzeptieren aus Respekt während des Winters sogar zwei Königinnentiere mit eigenen Brutbereichen. Die alte Königin scheidet mit dem Lauf der Zeit still respektiert aus, wie es sich für die alte Stockmutter ziemt.

        Durch Umwelteinflüsse und mangelnde Pflege stark geschwächte Völker bringen die Kraft für eine neue Königin nicht mehr auf. Die Drohnenbrütigkeit ist letzter Versuch per Drohnen eigene Gene zu verbreiten, wenn das Volk untergeht.

        Imker schwefeln kranke und schwache Völker ab, weil es keinen Sinn hat gesunde Einheiten zu riskieren… Aus falsch verstandenem Humanismus gegen Insekten vermeiden Jungimker heute notwendige Konsequenzen, mit allen Folgen für ihren Bienenstand und die umgrenzenden Völker. Das „Bienensterben“ hat viele Ursachen, aber immer dasselbe Ergebnis.

        Wie Sie sagen, viele Gleichnisse und Parallelen.

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    Richard Ott sagte:

    Aus der Leserzuschrift: „Leider vermisse ich stattdessen Ihren Appell an das, was man einmal Solidarität genannt hat (bzw. nicht nur genannt, sondern auch praktiziert). Wenn Schulden abgebaut werden müssen, ist es doch nicht verkehrt zu fragen, wer denn im Verlauf des Schuldenaufbaus auf der anderen Seite des gesellschaftlichen Spektrums die größten Profite eingefahren hat.“

    Angestellte Singles haben in Deutschland schon jetzt laut OCED durchschnittlich 40% Steuer- und Sozialabgabenbelastung auf ihr Einkommen, das ist bereits mehr als genug „Solidarität“.

    Davon abgesehen: Glaubt irgendjemand im Ernst, dass Einnahmen aus neu eingeführten Pikettyschen konfiskatorischen Steuern zum Schuldenabbau verwendet werden und nicht für noch mehr Sozialausgaben oder irgendwelche hirnrissigen staatlichen Konsumprojekte?

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      Bauer sagte:

      @ R. Ott

      Studieren Sie die Währungsreform 1948 und den dazugehörenden Lastenausgleich. Das hat hat damals recht gut funktioniert, obwohl letzterer keineswegs das Gefallen der Betroffenen fand.

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        Bauer sagte:

        @ R. Ott

        „Habe ich irgendwie verpasst, dass vor kurzem ein Weltkrieg zuende ging?“

        Nein, haben Sie nicht. Aber die Situationen ähneln sich. Jetzt haben wir lediglich den reset noch vor uns, der 1948 bereits eingetreten war.

        1948 wurde der Geldüberhang 1:10 beseitigt – diesmal wird es wohl nicht billiger ablaufen als 1:3.

        1948 waren Sachwertbesitzer im Vorteil (Althypotheken wurden als Geldforderungen ja auch 1:10 abgewertet), ihnen wurde der Lastenausgleich aufgebrummt in Form von Zwangshypotheken auf den Grundbesitz in Höhe von 50% des Nettowerts, Laufzeit 30 Jahre, Zins 5%, womit der völlig überschuldete Staat entschuldet wurde. Die daraus resultierenden Annuitäten entsprachen etwa der Hälfte der erzielbaren Mieteinnahmen.

        Nehmen Sie mich bitte nicht wörtlich, ich zitiere aus dem Gedächtnis, was ich als Bub von den Erwachsenen aufgeschnappt hatte. 1980 hat meine Mutter die letzte Rate des Lastenausgleichs beglichen. Amen.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Bauer

        „Aber die Situationen ähneln sich. Jetzt haben wir lediglich den reset noch vor uns, der 1948 bereits eingetreten war.“

        Nein, die Situation heute ist komplett anders als in den 1940er Jahren. Und selbst eine schwere Finanzkrise könnte nicht das Ausmaß an Zerstörung anrichten, das der 2. Weltkrieg in Deutschland verursacht hat – es sei denn, sie löst selbst noch einen großen Krieg aus.

        Am Ende des 2. Weltkriegs waren knapp 10% der deutschen Vorkriegsbevölkerung tot und ein Großteil der Infrastruktur und der urbanen Zentren Deutschlands zerstört, dazu kamen nochmal ungefähr 10 Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, die fast alles verloren hatten und größtenteils in den westlichen 3 Besatzungszonen aufgenommen wurden. Die Idee hinter dem Lastenausgleichsgesetz war, den überlebenden Kriegsgeschädigten zu helfen und dafür Vermögen von denen umzuverteilen, die das Glück hatten, ihr Vermögen durch den Krieg hindurch retten zu können.

        Mit dem, was Piketty an Umverteilung fordert, hat das nicht viel zu tun.

        „ihnen wurde der Lastenausgleich aufgebrummt (…) womit der völlig überschuldete Staat entschuldet wurde“

        Nein, die Entschuldung des Staates kam über die Währungsreform und die begleitenden Gesetze und Abkommen, effektiv mit heftigen Haircuts auf deutsche Altschulden. Von deutschen Privatpersonen gehaltene Staatsanleihen des Deutschen Reichs wurden zum Beispiel komplett für wertlos erklärt, Auslandsschuldner wurden mit ungefähr 50% Haircut rasiert. Mit den Zwangshypotheken aus dem Lastenausgleich holte sich der Staat allerdings Geld zum Umverteilen, um die desolate soziale Ungleichheit im Nachkriegs-Westdeutschland abmildern zu können.

        Glauben Sie wirklich, dass uns Verhältnisse in Deutschland wie 1948 wieder bevorstehen?

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        Bauer sagte:

        @ R. Ott

        Es scheint, dass Sie mich missverstehen wollen.

        Wahrscheinlich im Gegensatz zu Ihnen habe ich das Kriegsende und seine Folgen unmittelbar miterleben müssen. Sie erzählen mir also nichts Neues.

        Meine Ansage ist, dass wir vergleichbares (Währungsreform und Lastenausgleich) wieder erleben werden mit dem bevorstehenden reset, selbstverständlich ohne Krieg, aber wahrscheinlich mit teilweiser Industriebrache. Und „Flüchtlinge“ bekommen wir ja schon längst im Überfluss, allerdings ganz anderer Art. Unsere Flüchtlinge von 1945/47 waren da aus anderem Holz geschnitzt. Noch heute habe ich die grösste Hochachtung, wie die damals ihre besch… Lage gemeistert und oft die Einheimischen mitgezogen haben.

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      Elektroheini sagte:

      „wer denn im Verlauf des Schuldenaufbaus auf der anderen Seite des gesellschaftlichen Spektrums die größten Profite eingefahren hat“
      und folglich gemolken werden soll …

      Nehmen wir als Beispiel drei Klassenkameraden.
      A ist ein fleißiges und strebsames Kerlchen, arbeitet Überstunden, urlaubt in Balkonien oder aufm Campingplatz im Harz. Hat seine Eigentumswohnung schon weit vor der Rente abbezahlt und mittlerweile auch 80k im Aktiendepot und 20k cash für den demnächst fällig werdenen fahrbaren Untersatz.
      B ist weniger fleißig, eher clever. Hat von der Schulbank fast den direkt den Weg auf die Hartzbank eingeschlagen und liegt der Gemeinschaft bis zum Ende seiner Tage auf der Tasche
      C ist unser Sonnenschein. Tritt ins Unternehmen seines Vaters ein und übernimmt den Laden dann auch. Es gelingt ihm, zu expandieren und das Unternehmen binnen 20 Jahen von 5 auf 50 Mitarbeiter auszubauen.

      Welcher der dreien hat nun am meisten Profit eingefahren?
      A Die ETW hat einen Wert von 200k, dazu noch 80k und 20k. Hat A also um 300k profitiert?
      B keine Vermögenswerte. Hat B somit keinen Profit aus dem System gezogen?
      C Mit der Bewertung des Unternehmens tue ich mir schwer, aber C hat zumindest ein selbstgenutzes EFH (400k, abbezahlt), ein vermietetes MFH (500k gehört ihm, der Rest noch der Bank) als Altersvorsorge und 100k cash.
      Hat C nun um eine ganze Mio profitiert?

      oder sieht das Fazit anders aus?
      A durfte in seinem Leben einen niedrigeren sechstelligen Betrag an Steuern an die Allgemeinheit abführen
      C ob und wie man das Schaffen von Arbeitsplätzen als positiv verrechnen kann, weiß ich nicht. C hat in seinem Leben aber einen kleinen siebenstelligen Betrag ans Finanzamt abgeführt.
      B hat die Allgemeinheit einen mittleren sechsstelligen Betrag gekostet

      Nochmal, wer hat jetzt am meisten profitiert und wer soll folglich gemolken werden?
      Antwort: Die Frage ist eine Ablenkung.

      Es ist egal, wer am meisten profitiert hat. Es ist auch egal, wer sich solidarisch verhalten hat und wer nicht. Man kann einem naktenn Mann nicht in die Tasche greifen.
      Gemolken wird folglich dort, wo es was zu melken gibt!

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Elektroheini

        >Nochmal, wer hat jetzt am meisten profitiert und wer soll folglich gemolken werden? Antwort: Die Frage ist eine Ablenkung.>

        Die Frage ist keine Ablenkung.

        Denn die Antwort BEFRIEDIGT zumindest vordergründig die Frage nach der GERECHTIGKEIT.

        Ihre drei Modellfälle sind gleichwohl instruktiv, weil sie aufdecken:

        Wer am meisten profitiert hat, ist die FALSCHE Frage, wenn man nach Gerechtigkeit fragt.

        Man müsste vielmehr fragen, wer hat AM MEISTEN für die Schaffung von Wohlstand geleistet und ist daher aus Gründen der Gerechtigkeit am WENIGSTEN zu belasten.

        Da könnten von mir aus z. B. die ALDI-Brüder stehen, die man dafür nicht durch Abmelken bestrafen sollte.

        >Gemolken wird folglich dort, wo es was zu melken gibt!>

        Das ist bewährte Praxis.

        Es trifft die Mitte, weil’s die Masse macht.

        Das Melken muss viel einspielen, weil es letztlich nicht um Gerechtigkeit geht, sondern darum, möglichst vielen viel zukommen zu lassen.

        „Gerechtigkeit“ ist dafür nur ein Platzhalter.

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        Thomas M. sagte:

        Elektroheinis Beispiel ist in der Tat sehr aufschlussreich. Bei oberflächlicher Betrachtung scheint klar, dass der Harzer der arme Tropf ist und der Unternehmer der Profiteur.

        Man kann die Analyse aber auch durchaus verdrehen und zum Schluss kommen, dass der lebenslange Harz-Empfänger finanziell ähnlich gut wie ein Millionärserbe gestellt ist. Schließlich bräuchte es ganz pi-mal-Daumen so viel Geld, um allein von Zinseinkünften (bescheiden) zu leben.

        „Gemolken wird folglich dort, wo es was zu melken gibt!“
        Und wo die Kuh nicht zu anderen Weiden wegläuft :)

        „Man müsste vielmehr fragen, wer hat AM MEISTEN für die Schaffung von Wohlstand geleistet und ist daher aus Gründen der Gerechtigkeit am WENIGSTEN zu belasten. “

        Diese Art der leistungsorientierten Sicht scheint mir in der Politik und in Zeitungsartikeln/Sendungen selten. Dort herrscht eher eine Bedürftigkeitsfokussierung.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        >Dort herrscht eher eine Bedürftigkeitsfokussierung.>

        Ist auch klar, warum das so ist:

        Geld wird als Wohlstand verstanden. Da genug Geld da ist, kann es nur darum gehen, es zu verteilen.

        Dem Illusionismus sind keine Grenzen gesetzt – solange es nicht wirklich knallt.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Geld wird als Wohlstand verstanden. Da genug Geld da ist, kann es nur darum gehen, es zu verteilen.“

        Genau, und Geld kann man ja auch neu schöpfen um es dann zu verteilen. Wenn sich dann herausstellt, dass Geld und Wohlstand mitnichten dasselbe sind, zum Beispiel weil die Inflation außer Kontrolle gerät (oder in einer neuen SED-Planwirtschaft einfach die Waren fehlen, die man für Geld kaufen könnte während es gleichzeitig Preiskontrollen gibt) dann werden unsere Protagonisten der Bedürftigkeitsfokussierung ganz schön dumm gucken.

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