Zur Wirkung der Medien in Deutschland

Vor einigen Wochen bin ich über einen Artikel in der NZZ gestolpert, der von einer Studie zum Profil von Nutzern von Medien in Europa von der Oxford Universität berichtet. Nun kann ich sagen, dass ich bisher keine schlechten Erfahrungen mit den hiesigen Medien gehabt habe, wenn es um meinen persönlichen Auftritt ging. Auch die letzte – aus meiner Sicht sicherlich unbefriedigende – Diskussion bei hartaberfair würde ich als neutral definieren. Es ist mir halt nicht gelungen, meine Punkte zu machen, und ich muss hier noch an meinen Fähigkeiten arbeiten.

Andererseits kann ich als regelmäßiger Hörer und Zuseher durchaus nachvollziehen, wenn man den Eindruck bekommt, dass die Medien mit einem gewissen „Spin“ agieren. Deshalb waren die Aussagen der Studie so interessant und vor allem war es bemerkenswert, dass die Studie in Deutschland nicht viel intensiver besprochen wurde.

Ja, es wäre ein gutes Talk-Show-Thema gewesen. Grund genug für mich, es zu einem Thema bei bto zu machen, obwohl es nur indirekt mit Wirtschaft zu tun hat. Wie? Nun, zum Beispiel in der Art und Weise wie bei uns über Vermögen, Wohlstand, Zuwanderung und auch Klimaschutz gesprochen wird. Die Medien haben hierzulande heftig am Märchen vom reichen Land mit erzählt. Immer wieder wurde diese Nachricht von den Medien genutzt, um Themen zu positionieren. Wenn Politiker mit dieser Behauptung bestimmte Ausgabenprojekte begründeten, wurde das weder hinterfragt noch angezweifelt.

Es fehlt oft die ökonomische Vernunft. Entweder, weil diese nicht vorhanden oder aber nicht erwünscht ist.

Zunächst zur NZZ, die so berichtete (Highlights):

  • „(…) ARD und ZDF (wird) unterstellt, politisch einseitig zu berichten und eine linke Agenda zu verfolgen. Begründet wird dies meist mit einzelnen Beispielen, wie etwa der euphorischen Berichterstattung einer ARD-Reporterin vom Grünen-Parteitag im Jahr 2018. Dass ZDF und ARD politisch links stehen, ist für manche Kritiker der Sender eine gefühlte Wahrheit, die sich aber schwerlich seriös belegen lässt.“ – bto: Ich habe in den letzten Jahren vermehrt Stimmen gehört, die sich in diese Richtung äußern. Nun mögen dies Einzelstimmen sein, es kann aber auch eine breitere Wahrnehmung sein. Zum Beispiel finde ich die Berichterstattung zum Brexit oft sehr einseitig, die Frage nach den Wirkungen auf die EU wird nur selten gestellt.
  • „Nun publizierte das Reuters Institute der Universität Oxford jedoch eine Studie, die ein aufschlussreiches Bild von den Nutzern dieser Programme zeichnet. Für die Studie hat das Institut den öffentlich-rechtlichen Rundfunk in acht europäischen Ländern analysiert. Die Zuschauer wurden dabei auch gefragt, wo sie sich politisch verorten würden. Pro Land untersuchte das Reuters Institute Gruppen von jeweils rund 2000 Menschen. 26 Prozent des Publikums von ARD und ZDF beschreiben sich demnach als leicht rechts oder rechts der politischen Mitte. 34 Prozent sehen sich genau in der Mitte, und 40 Prozent verorten sich leicht links oder links der Mitte.“ – bto: Nun muss man natürlich sagen, dass die Fernsehmacher nichts für ihr Publikum können. Andererseits ist die Anforderung an einen öffentlich finanzierten Rundfunk sicherlich nicht falsch, alle Schichten der Bevölkerung zu erreichen. Insofern ist der Befund kein guter.
  • „Bei den Zuschauern von ARD und ZDF ist also eine linke Tendenz erkennbar. Sie scheinen sich somit im Durchschnitt vom Publikum vergleichbarer europäischer Sender zu unterscheiden. Bei den meisten in der Studie untersuchten öffentlich-rechtlichen Sendern ergibt sich ein ausgewogeneres Bild der politischen Präferenzen des Publikums.“ – bto: Hervor sticht dabei die BBC. Aus persönlicher Erfahrung muss ich sagen, dass die Morgensendung bei BBC Radio 4 ein Vorbild an ausgewogener Information ist, ganz anders als der Deutschlandfunk, der bei den Informationen am Morgen durchaus einen gewissen „Spin“ bei bestimmten Themen erkennen lässt. Unvergessen ist mir ein fast schon hetzerischer Kommentar gegen Vermieter in der Mittagssendung, der danach leider weder als Skript noch als Podcast verfügbar war. Ich hätte ihn zu gerne auseinandergenommen.
  • „Auf einer Skala von eins bis zehn beantworteten die Teilnehmer der Studie die Frage, für wie vertrauenswürdig sie die Nachrichten von ARD und ZDF halten. Bürger, die sich politisch links oder in der Mitte verorten, halten die Berichterstattung der Sender mit einem Durchschnittswert von 7,1 für relativ wirklichkeitsnah. Jene rechts der Mitte vergaben hier nur einen Wert von 5,0.“ – bto: Das ist kein Erfolg, sondern ein Desaster. Wird das Programm als einseitig oder gar erzieherisch wahrgenommen, verfehlt es das Ziel komplett.
  • „Der Trend, dass Linke den Nachrichten eher Glauben schenken als Rechte, lässt sich bei den meisten untersuchten Sendern beobachten, ist aber fast nirgendwo so ausgeprägt wie in Deutschland. Ein ausgewogenes Ergebnis lieferte auch hier die Befragung von Zuschauern der britischen und französischen öffentlich-rechtlichen Medien.“ – bto: Wie gesagt, das ist ein Problem, setzt doch gerade eine funktionierende Demokratie eine gute Information der Bürger voraus. Jene, die man nicht erreicht, können leicht von alternativen Medien in anderer Richtung falsch informiert werden.
  • „Um junge Menschen im Internet zu erreichen, investieren ARD und ZDF in Spartenkanäle und Onlineangebote. Der Erfolg ist jedoch laut Reuters Institute überschaubar: Nur ein Fünftel der Deutschen zwischen 18 und 25 Jahren nutze diese Angebote. Dass es auch anders geht, zeigt die britische BBC. Sie erreicht laut der Studie online 56 Prozent dieser Zielgruppe.“ – bto: was aber nicht durch eine sichtbare Absenkung der Standards erkauft wird.

Soweit die NZZ. Schauen wir uns doch die Studie mal an:

  • Beginnen wir zunächst mit den untersuchten Anstalten. Diese zeigt die nachfolgende Tabelle, die auch Aussagen über die Budgets pro Kopf macht. ARD, ZDF und Deutschlandradio kosten demnach 112 Euro pro Kopf der Bevölkerung. Sie sind damit die teuersten im Sample, gefolgt von der BBC mit 102 Euro. Alle anderen sind weit abgeschlagen. Wir haben also den teuersten Staatsfunk und die Frage ist, bekommen wir was für unser Geld? Im Deutschlandfunk läuft übrigens gerade eine Kampagne für den gebührenfinanzierten Rundfunk, ohne als Werbung gekennzeichnet zu sein. Dabei sind viele der in diesen Spots gemachten Aussagen Behauptungen, keine Beweise.

Quelle: Reuters Institute Oxford University

Die Studie diskutiert dann den Erfolg der Medien, jüngere und weniger gebildete Bildungsschichten zu erreichen und auch in Neuen Medien zu agieren, bevor es zum eigentlich interessanten Punkt kommt:

  • „Our analysis thus shows that most public service media we cover are relatively successful at reaching politically diverse audiences across the left–right political spectrum. The audiences of ČT and ČRo, Yle, RTVE, BBC, and Rai sit right in the centre of the maps, indicating that they tend neither to the left nor to the right when compared with the population average. We see a slight deviation to the left in France and a slightly larger one in Germany.” – bto: wobei man sagen könnte, dass es in Frankreich wenigstens weniger kostet!

Quelle: Reuters Institute Oxford University

  • Diese Abbildung zeigt das ganze Drama. ARD/ZDF sind ganz klar die Sender für den linken Teil der Gesellschaft. Heute, wo wir selbst bei Hochschulen – die eigentlich den kritischen Diskurs fördern sollen – zunehmend Denkverbote oder Redeverbote haben, ist das ein enormes Warnzeichen. Angesichts der Zusammensetzung der Rundfunkräte muss man da vermuten, dass diese Haltung bis weit in „offiziell“ konservative Kreise reicht. Früher – also zu meiner Kindheit – glaubte man zu wissen, dass ARD eher SPD-nah und ZDF eher CDU-nah waren. Heute sind alle links der Mitte.
  • „In order to learn more about these country differences we want to take another look, now focusing on whether different political audience segments trust PSMs. Broad reach is one thing, broad trust another.“ – bto: Das ist ein wichtiger Punkt. Verliert eine wichtige Bevölkerungsgruppe das Vertrauen, ist alternativen Medien und damit auch unseriösen Quellen Tür und Tor geöffnet.
  • „If we break down the trust scores for our PSMs by different political orientations and look into how people who identify themselves as being on the political left, in the centre, or on the right trust PSMs a complex picture emerges. In France, Italy, Spain, and the UK, PSMs have the highest trust scores among those who self-identify with the political centre. In Germany and Finland, the trust scores are equal or roughly equal among those in the centre and those on the left.” – bto: Und die “Rechten” vertrauen nicht. Das ist aber ein Warnsignal für die Demokratie, dem man mit Angebotsänderung, nicht mit Dämonisierung begegnen muss.

Quelle: Reuters Institute Oxford University

  • Persönlich finde ich, dass ein Wert für das heutejournal des ZDF von 4,9 keine Auszeichnung, sondern eine Ohrfeige ist. Möglicherweise denkt man im Sender, es zeige gute Gesinnung und die erfolgreiche Verfolgung des politischen Bildungsauftrages. Ich bin da skeptisch.
  • Doch nun noch zum Untersegment der „Populisten“. Hier verwundert es angesichts der oben gesehenen Daten nicht, dass die Populisten besonders wenig Vertrauen in die öffentlichen Medien hierzulande haben.
  • Figure 10 shows the differences in the mean trust scores that we find between our populist and non-populist groups for a range of news services across our sample countries. If the difference is negative, populist citizens trust a brand less compared with non-populist citizens; if the difference is positive, populists trust a brand more than non-populists do.” – bto: was logisch aus dem zuvor Gesagten folgt.

Quelle: Reuters Institute Oxford University

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Deutschland steckt nach dieser Studie in einer Krise. Er erreicht weite Teile der Bevölkerung nicht (mehr), wird als parteiisch wahrgenommen und sieht das Problem nicht, sondern agiert ähnlich wie die Politik in Berlin und Brüssel mit einem trotzigen „Jetzt-erst-recht“. Dafür mag es gute Motive geben.

Doch auch hier gilt, dass man durch Parteinahme keine Brücken baut und eben nicht den Beitrag leistet, den der öffentliche Rundfunk eigentlich leisten müsste, um die Gesellschaft zu einen. Mich hat die Studie – und vor allem die fehlende Reaktion darauf – in meiner Befürchtung bestärkt, dass wir in Deutschland vor einer sozialen und gesellschaftlichen Zerreißprobe stehen, in der die Medien eine schlechte Rolle spielen. Nur eine Frage der Zeit, bis es nicht nur Außenseiter sind, die eine Abschaffung der – im Vergleich überhöhten – Gebührenfinanzierung fordern. Übrigens fließen Milliarden dieser Gebühren gar nicht in das Programm, sondern dienen zur Schließung von Finanzierungslücken im üppigen und unterfinanzierten Pensionssystem der Sender.

Hier die Links:

→ nzz.ch: „ARD und ZDF links der Mitte beliebter“, 21. September 2019

→ reutersinstitute.politics.ox.ac.uk: „Old, Educated, and Politically Diverse: The Audience of Public Service News“, September 2019

Kommentare (16) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Sokrates sagte:

    Na, was ist der GEZ-Beitrag denn nun? Gebühr oder Steuer?
    Die Antwort ist wesentlich für die Rechtsfolge: schauen wir mal in die Abgabenordnung, die zur Zeit ihren 100-jährigen Geburtstag feiert. Eine Gebühr ist eine Abgabe für eine erbrachte Gegenleistung, also Müllgebühr, Kfz Anmeldegebühr oder auch die Fernsehgebühr alter Art nur für Fernseher, aber auch schon hier weit gedehnt durch die Unterstellung, daß ein Fensehbesitzer auch die finanzierten Programme konsumiere. Das entsprach der Wirklichkeit von 1952, aber nicht mehr der Wirklichkeit von 2002.
    Also ist es eine Steuer? Eine Abgabe, die unabhängig von einer Gegenleistung allen auferlegt wird, bei denen sich der Steueranknüpfungspunkt verwirklicht; also z.B. einen Haushalt in diesem schönen Lande zu haben. Der zahlt ja auch Müllgebühren? Ja, dafür darf er aber auch einen Mülleimer rausstellen! Bei der GEZ bekommt er solchen ohne sich wehren zu können über die Antenne geliefert.
    Nun denken wir mal weiter: NO TAXATION WITHOUT REPRESENTATION! war der Schlüsselbegriff im Unabhängigkeitskrieg der Amerikanischen Kolonieen! So will es auch die Abgabenordnung: Steuern sind Geldleistungen, …..die von einem öffentlich-rechtlichen Gemeinwesen zur Erzielung von Einnahmen allen auferlegt werden…. (AO§3). Aber hallo. wo ist denn die demokratisch legitimierte Instanz, die die Rundfunksteuer beschlossen hat? Welche Partei hatte diese Agenda, als sie gewählt wurde? Ein Staatsvertrag zwischen den Ländern kann wohl eine Gebühr beschließen, aber doch keine Steuer, nicht wahr Herr Papier?

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    RaS sagte:

    Deutlich aufschlußreicher sind m.E. die Medien-Studien von Swiss Propaganda Research, die der Ebene rechts/links noch die Ebene NATO-konform und NATO-kritisch hinzufügen und aus beiden Ebenen eine Matrix erstellen (Medien-Navigator). https://swprs.org/medien-navigator/
    Die Netzwerke (NGOs, Thinktanks etc.pp), innerhalb derer unsere „Alpha-Journalisten“ verwoben sind, findet man dort ebenfalls (mit Quellen) https://swprs.org/netzwerk-medien-deutschland/
    Beide beziehen sich nicht nur auf ÖR sondern auch auf private Medien (Rundfunk und Print).
    Der ein oder andere erinnert sich vielleicht noch an die Sendung Die Anstalt (aus 2014), welche die Thematik in Bezug auf diverse Printmedien (Süddeutsche, Zeit, FAZ) humorvoll aufbereitet hat. https://www.youtube.com/watch?v=orfI7beLHJo , woraufhin Herr Joffe (Zeit) versucht hat, diese Sendung zu verbieten.

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    Ulrich Remmlinger sagte:

    Für diese Schlußfolgerungen brauche ich keine Studie, da reicht es, Augen und Ohren offen zu halten.
    Was geht wohl in einem AfD-Wähler vor, wenn er täglich von den ÖR Sendern beschimpft wird und das auch noch mit einer monatlichen Zwangsabgabe finanzieren muß? Man lese nur die heutigen Artikel auf tagesschau.de zur Wahl in Thüringen. Es wird ausschließlich negativ über die Partei berichtet. Man lese z.B. den Artikel „Wähler wussten, was sie taten“. Es werden nur Beschimpfungen zitiert, zum Schluß sogar Aiman Mazyek, der AfD-Wählern Rechtsextremismus unterstellt.
    Das Rundfunkgesetz verpflichtet zur Neutralität und die AfD ist nicht verboten, sondern sitzt im Bundestag.

    Statt der Verpflichtung zur Neutralität sehen viele Redakteure ihre Aufgabe aber in der „Volkserziehung“ und im „Journalismus mit Haltung“. Der bereits erwähnte Patrick Gensing und Georg Restle sind wohl die abschreckendsten Beispiele der Journalisten, die von sich überzeugt sind, im alleinigen Besitz der Wahrheit zu sein.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Remmlinger

      „Was geht wohl in einem AfD-Wähler vor, wenn er täglich von den ÖR Sendern beschimpft wird und das auch noch mit einer monatlichen Zwangsabgabe finanzieren muß?“

      Mittlerweile wäre ich ehrlich verwirrt wenn ich in einer öffentlich-rechtlichen Gesinnungs-Propagandasendung mal nicht mindestens als Faschist oder Nazi beschimpft werde weil ich die AfD gewählt habe („Wähler wussten, was sie taten“). Zumal ich ja auch noch aus dem bösen braunen Nazi-Sachsen komme, das schon seit Jahren ein Lieblingsziel der selbsternannten Volkserzieher aus dem Staatsfunk ist. Irgendwann kann man nur noch darüber lachen. Polit-Talksendungen sehe ich mittlerweile wie ein Scripted-Reality-Format (so ähnlich wie „Klinik am Südring“ oder „Familien im Brennpunkt“ im Privatfernsehen), aber mit jeweils grotesk überbezahltem Moderator und viel höheren Produktionskosten.

      Ich kann mittlerweile jedenfalls total nachvollziehen, wie sich Trump-Wähler in den USA fühlen müssen, wenn sie einen Sender wie CNN einschalten. Und wie genial die Wortschöpfungen von der „Lügenpresse“ beziehungsweise den „fake news media“ waren.

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        Ulrich Remmlinger sagte:

        Herr Ott, die Amerikaner müssen aber CNN nicht mit einer Zwangsabgabe finanzieren.
        Ich finde es ganz schlimm, daß ich quasi täglich verprügelt werde und diese „Erziehung“ mir dann noch gegen meinen Willen in Rechnung gestellt wird. Der Abkassierer grinst mich dabei an und sagt provozierend „Demokratieabgabe“.
        So etwas konnte sich nicht einmal George Orwell vorstellen.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Ein guter Beitrag. Wenn ich die Berichterstattung über die Landtagswahl in Thüringen gestern Revue passieren lasse, denke ich mir, dass in den Wahlsendungen weniger über Parteien als über die Berichterstattung in den Medien zu politischen Themen hätte diskutiert werden sollen. Denn so gibt es die Blöcke links, mitte und rechts, die alle nicht mehr miteinander sprechen können. Und irgendwann gehen so die öffentlich-rechtlichen Sender den Weg der Parteizeitungen. Nämlich in die Bedeutungslosigkeit neben Google, YouTube und Co.

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  5. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >Auch die letzte – aus meiner Sicht sicherlich unbefriedigende – Diskussion bei hartaberfair würde ich als neutral definieren. Es ist mir halt nicht gelungen, meine Punkte zu machen, und ich muss hier noch an meinen Fähigkeiten arbeiten.>

    Ich bitte Sie, Dr. Stelter:

    Ihnen konnte nichts gelingen, weil Plasberg das selbst gesetzte Thema völlig verfehlt hat.

    Wenn über Segeln nach Amerika, den Footprint einer privilegierten Journalistenfamilie und das Kochen eines Ministers statt über die Kosten der Energiewende palavert wird, sind Ihre Erkenntnisse einfach nicht gefragt.

    >Die Medien haben hierzulande heftig am Märchen vom reichen Land mit erzählt. Immer wieder wurde diese Nachricht von den Medien genutzt, um Themen zu positionieren. Wenn Politiker mit dieser Behauptung bestimmte Ausgabenprojekte begründeten, wurde das weder hinterfragt noch angezweifelt.>

    WARUM sollten die Medien irgendetwas hinterfragen und damit ihre Zuschauer zum Nachdenken „quälen“, wenn die Bevölkerung von den Politikern hören will, ob sie oder andere von den Ausgabenprojekten unmittelbar profitieren?

    Die Medien und ihre Sendungen werden an QUOTEN gemessen und orientieren sich daran.

    Das ist SYSTEMKONFORM – die Nachfrage bestimmt, was angeboten wird.

    >Nun muss man natürlich sagen, dass die Fernsehmacher nichts für ihr Publikum können.>

    RICHTIG.

    >Es fehlt oft die ökonomische Vernunft. Entweder, weil diese nicht vorhanden oder aber nicht erwünscht ist.>

    Auch richtig.

    Vor allem ist sie nicht vorhanden.

    Das hat neben mangelnder Bildung auch einen eher banalen Grund:

    Wer anhand ökonomischer Vernunft sein Leben gestaltet, macht es sich auch ein Stück weit schwerer. Denn er muss für oder gegen VERZICHT entscheiden, – für die meisten Menschen typischerweise bei „Ausgeben oder Sparen“.

    Viele Menschen wollen sich nicht damit belasten und handeln nach lebenspraktischer statt ökonomischer Vernunft.

    >Setzt doch gerade eine funktionierende Demokratie eine gute Information der Bürger voraus. Jene, die man nicht erreicht, können leicht von alternativen Medien in anderer Richtung falsch informiert werden.>

    Das ist falsch.

    Eine Demokratie kann auch mit schlecht informierten Bürgern funktionieren, solange das demokratische Verfahren der Willensbildung eingehalten und respektiert wird.

    Allerdings:

    Wenn es mit dem Wachstum vorbei ist, wird es schwierig für die Demokratie, da ihre uninformierten Bürger nicht begreifen, dass das von den Politikern Gewohnte – RUNDUMVERTEILEN – nicht mehr möglich ist. Denn dann wird das Verfahren tendenziell immer weniger eingehalten und respektiert. Die politische Willensbildung verlagert sich dann immer mehr auf die Straße.

    Für diese Situation müssten die öffentlich-rechtlichen Medien „Erziehungsanstalt“ der Nation sein, wenn es keine anderen gibt.

    Das können sie aber nicht, weil das Drücken der Fernbedienung freiwillig ist.

    Bei den im Beitrag geschilderten Gegebenheiten kann man sagen:

    Gott sei Dank ist das deutsche Staatsfernsehen freiwillig.

    >Jene, die man nicht erreicht, können leicht von alternativen Medien in anderer Richtung falsch informiert werden.>

    Oder auch richtig bzw. besser informiert werden.

    Es gibt jedenfalls Publikationen, die ANDERS informieren, z. B. dieses Blog.

    Wer informiert sein will, hat in einer freiheitlichen Gesellschaft eine HOLSCHULD – dann jedenfalls, wenn die Schulpflicht geendet hat.

    Das ist an sich in Ordnung.

    Zum Problem wird es allerdings, weil die meisten Menschen nicht zwischen Botschaft und Information unterscheiden können.

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    ruby sagte:

    Seit 1972 war ich Hörer des Deutschlandfunk besonders Wirtschaft & Soziales – heute Wirtschaft und Gesellschaft.
    Nach dem DDR Beitritt integrierte Ernst Elitz als Intendant den Rias Berlin und mit seinem Ausscheiden mutierte der „unabhängige“ Journalismus dort zu einem Propagandaorgan. Ich muß mich hier zügelt, um nicht noch unflätig zu schreiben. Dies sind die letzten Eindrücke meiner 47 Jahre Hörerschaft, die ich durch Einstellung jeglicher Zahlungen demonstrativ bis zur letzten Instanz inklusive Pfändung oder Erzwingungshaft beendet habe. Der öffentliche Auftrag als Grundlage des Zwangs zum kassieren ist einer willfährigen politischen Beeinflussung von oben gewichen.
    „Nevermore thus quothe the raven nevermore“
    Dafür ist jede Sekunde Offenheit zu schade, das Vertrauen in Objektivität bei der Berichterstattung durch die Redakteure ist verloren.

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    Thomas M. sagte:

    Interessante Studie, die zumindest meinem subjektiven Eindruck des vorherrschenden Spins bei bestimmten Themen entspricht.

    Eine kurze Anmerkung: Ich bin mir sicher, dass man „rechts“ in Deutschland nicht als Adjektiv zur politischen Verortung nutzen kann. Dafür ist das Wort zu stark mit extrem negativen Assoziationen aufgeladen. Insofern ist auch nicht überraschend, dass lt. der Übermedien-Website nur 6,4 Prozent aller deutschen Befragten sich als politisch „rechts“ in der Studie einordnen. Die Vergleichbarkeit zu anderen Ländern hinkt damit leider…

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    Markus sagte:

    Bei solchen Untersuchungen stellt sich mir immer die Frage, der Definition der verwendeten Begriffe. So z.B.

    a) was ist eigentlich „links“?
    b) was genau zeichnet populistische Strömungen und Politiker aus?

    Dass linke Parteien links im Parlament sitzen, ist klar. Bedeutet „links“, dass man sich mehr dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt? Ich würde sagen ja. So gesehen sind aber unsere Medien und Poltiker weniger links (solange man die Gemeinschaft nicht nur auf Besserverdiener oder Gebildete einschränkt), sondern vielmehr elitär. Genauso kann man fragen, was der zur Zeit inflationär benutzte Begriff „Populist“ genau bedeuten soll. Ein Politiker, der medienwirksam das verspricht, was das Volk möchte? Es gibt viele Gründe z.B. Trump und seine Politik nicht gut zu finden, trotzdem muss man festhalten, dass er im Vergleich mit seinen Kastenkollegen, überproportional das macht, was er sagt.

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      Richard Ott sagte:

      @TM

      Uebermedien schafft es, jede Studie so zu interpretieren, dass Berliner Lifestyle-Kommunisten und ihre medialen Sprachrohre von Kritik entlastet werden.

      Ich hab die Seite früher auch mal gelesen und dachte wirklich, denen ginge es um objektive Medienkritik. Spätestens mit der Berichterstattung auf der Webseite über den US-Präsidentschaftswahlkampf konnte ich die als Medienkritik verkaufte Propaganda dort nicht mehr ertragen: Trump ganz ganz schrecklich und furchtbar, Hillary Clinton natürlich supertoll, kein Wort über Wikileaks und die geleakten e-Mails von Hillary, kein Wort über die Korruption innerhalb der demokratischen Parteiführung und den manipulierten Vorwahlkampf, kein Wort über die Fälle, in denen Hillary Fragen in Fernsehdebatten vorher zugespielt bekommen hatte, Sanders aber nicht, und so weiter. Eine erbärmlich lückenhafte Themenauswahl für eine Medienkritik-Seite – oder eben Absicht, um eine bestimmte politische Botschaft zu transportieren.

      Mit Zerohedge (von der Webseite würde Niggemeier wahrscheinlich auch sagen, dass es eine ganz ganz böse rechte Propagandaseite ist, wenn er die Artikel dort verstünde) fühlte ich mich da deutlich besser informiert als mit linksradikaler deutscher Pseudo-Medienkritik.

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  9. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Tja, Deutschland auch hier auf dem Weg zu griechischen Verhältnissen, wo der dortige Staatsfunk (ERT) so ultralinks ist, dass er die Anschlussfähigkeit an den Rest der Gesellschaft komplett verloren hat. Die damalige große Spar-Koalition in Griechenland hat die ERT übrigens 2013 geschlossen, die linksradikale Tsipras-Regierung hat die ERT 2015 wieder aufgemacht. Ein kleiner Vorgeschmack auf die Konflikte, die wir hier in Deutschland bekommen werden, wenn eines Tages eine AfD-Landesregierung den Rundfunk-Staatsvertrag aufkündigt. ;)

    Die ERT wird übrigens so ähnlich wie in Deutschland auch über eine Zwangsabgabe finanziert, die jeder Haushalt zahlen muss, die aber praktischerweise über die Stromrechnung mit eingezogen wird. Das erhöht die Zahlungsmoral, wer die ERT-Abzocke nicht zahlen will, kann irgendwann komplett im Dunkeln sitzen. Immerhin kostet der ERT-Zwangsbeitrag nur 3 Euro im Monat, die staatliche Linkspropaganda in Griechenland ist also 50% günstiger als in Deutschland.

    Auch hervorragend übrigens das Vertrauen der Griechen in die Medien, auf dem Weg sind wir hier auch:

    „The data revealed that only 26 percent of the country’s population finds the national media trustworthy. Also addressed in the report is the fact that there are around 87 percent of Greeks who do not believe that their national media sources are free from political and commercial pressures, compared to the rest of the EU bloc, which comes to an average of 57 percent of skeptics.“

    https://greece.greekreporter.com/2016/11/18/eurobarometer-report-greeks-do-not-trust-national-media/

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    • Avatar
      Bernhard sagte:

      3 Euro im Monat habe ich sogar früher (gerne) bezahlt – fürs Autoradio, Fernsehgerät habe ich keines. Aber das sind dann nicht mal 20 % von den im Handstreich eingeführten 17,50 Zwangsbeitrag.

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