Zur Bedeutung des „Kreditimpulses“

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Am Freitag habe ich an dieser Stelle den abnehmenden „Kreditimpuls“ und die Folgen für Realwirtschaft und Märkte diskutiert. Die Citibank hat das Thema nochmals aufgegriffen und erklärt, warum dieser Kreditimpuls so wichtig ist. Leider bin ich dort noch nicht auf dem Verteiler, deshalb via Zero Hedge:

Zunächst die Feststellung, dass das eigentliche Problem die tiefe Inflation ist, die angesichts des „level of credit growth“ eigentlich über  fünf Prozent liegen sollte. bto: Tut sie nicht, weil wir es mit einer Überschuldungssituation zu tun haben.

Dann wird es gerade für Leser von bto und Anhänger der „Debitismus-Theorie“ interessant. Citigroup spricht das aus, was viele Volkswirte nicht wahrhaben wollen. Zunächst die Feststellung, dass die Notenbanken immer mit noch mehr Geld auf eine Krise reagieren. Dann aber die Feststellung, dass „the credit addiction started in 1982 in the UK, while in 2009 it was in China. However, there was a difference: while in the 1982 episode, it took 3 credit units to grow GDP by 1 unit, by 2009 this rate had grown to 6 to 1. Meanwhile, central bankers simply stopped worrying about credit. That also explains the chronic collapse in interest rates starting in 1980 with the Great Moderation and their recent record lows: the world simply can not tolerate higher rates.“ bto: Das ist zentral. Wir haben uns immer mehr Zeit gekauft. Aber man kann sich nicht die Ewigkeit kaufen oder doch?

Und dann die sehr banale (und gerade deshalb so fatale Feststellung): „(…) while the central bank experiment had limited success in stimulating inflation, there was one obvious consequence: credit fuelled asset bubbles around the world.  bto: und wie!

Und hier kommt der „Kreditimpuls“ ins Spiel: „The change in the flow of credit drives GDP growth.“

Der natürlich auch mit den Assetpreisen korreliert

und global vernetzt ist (das ist Globalisierung! Chinesisches Kreditwachstum erklärt die Hauspreise in Sydney!).

Also hängen wir alle am Tropf der Gelddruckmaschinen der Banken. Keine gute Nachricht!

Doch wie schlimm wird es? Auch dazu macht sich die Citibank Gedanken: „Expect markets to flounder as central banks try to exit.“  bto: und nicht nur das. Was passiert, wenn der Kreditfluss stoppt?

Zunächst die deutliche Korrelation zwischen den Zentralbankkäufen und den Zinsen. In diesem Fall dem Zinsaufschlag für Unternehmens- gegenüber Staatsanleihen.

Dann die naheliegende Feststellung, dass „without the Fed buying and/or reinvesting, either yields will have to surge or equity prices will tumble, for the simple reason that $1 trillion in incremental net issuance is about to  hit the market, and this time there will be no price indescriminate buyer to soak it up“. bto: Da gilt dann doch die Regel von Angebot und Nachfrage!

Was aber zu einer Spirale führt: Die Investoren kaufen, weil die Notenbanken (und damit die tiefen Zinsen) sie dazu „zwingen“. Sobald die Notenbanken aufhören, kaufen auch die Investoren nicht mehr bzw. verkaufen. Damit sind wir in einer Sackgasse.

Das führt zu der spannenden Frage:  „What happens if they eventually find they can’t exit?“

Das ist dann interessant: „One possible answer is, well, bad and involves gold, lead and canned foods.(…) the answer is (hopefully) the other one: welcome to Japan, a world where central banks can never exit and have to keep injecting liquidity in perpetuity (until they run out of things to buy) or risk complete collapse.“ bto: Ich denke auch, es wird das zweite, nur kann es eben nicht ewig gehen.

Fazit der Citigroup: „Today’s credit impulse leads to tomorrow’s buyers’ remorse.“  bto: Das kann man wohl sagen!

zeroehedge.com: „Why The (Collapsing) Global Credit Impulse Is All That Matters: Citi Explains“, 20. Juni 2017

zeroehedge.com: „Citi: Expect Markets To Flounder As Central Banks Try To Exit„, 20. Juni 2017

6 Kommentare
  1. MT says:

    „…until they run out of things to buy…“
    Das ist ja schon am Laufen, wenn man sich z.B. das hübsche Aktienportfolio der SNB ansieht (1% aller Apple Aktien, etc. pp.).
    Darüber wundere ich mich schon eine Weile und vielleicht kann mir hier jemand einen Tip geben:
    – dürfen das (bald auch) alle übrigen Zentralbanken?
    – jagen die sich dann gegenseitig die Preise hoch?
    – das Ganze für lau, d.h. mit „geschöpftem“ Geld, für das (unmittelbar) niemand einen Tropfen Schweiß investieren mußte?
    – wie kommt man da als kleiner privater Altersvorsorgesparer mit, der ab und an ein paar kleine Stückchen davon aus seinem 8h-pro-Tag-Nettolohn abzweigen muß?
    – und was sollen das dann für ach so „freie Märkte“ sein?

    Wer was weiß – Danke!

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  2. NW says:

    Danke MT, dass Sie die Aktienkäufe der SNB hier thematisieren!

    Diese in den Kontext des internationalen Rechts oder gar in moralische Kautelen einzubetten, ist mir bislang – wie Ihnen – nicht gelungen:

    Schöpfe CHF, kaufe damit EUR und USD (um CHF-Aufwertung entgegenzuwirken) – und erwerbe mit eben diesen EUR + USD dann „hard assets“ (i.e. Unternehmensanteile). Ziemlich cooles „Geschäftsmodell“ aus Sicht der Schweizer.

    Nun steht bspw. der russische Rubel nicht wirklich unter Aufwertungsdruck – im Gegenteil. Aber man stelle sich einmal vor, die russische Zentralbank würden ähnlich verfahren und sich in amerikanische, gelistete Unternehmen einkaufen. Der Aufschrei in US-Medien und Öffentlichkeit wäre ziemlich groß. Gleiches Thema im Falle China. Bei den „neutralen“ Schweizern – bislang – ein scheinbar nicht beachtetes Thema.

    @DS + Leser: Wer kennt brauchbare Stellungnahmen zum Thema SNB und darüber hinaus?

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