Wie lange wirkt eine Dunkel­flaute wirklich?

Am 26. Juni 2022 geht es in meinem Podcast erneut um das Thema der Energieversorgung in Deutschland. Die Laufzeitverlängerung für die Atomkraftwerke ist wieder im Gespräch, nachdem der Industrieverband Kern erneut darauf hingewiesen hat, dass diese Verlängerung technisch kein Problem ist und die Brennstäbe beschaffbar wären.

Grundlegender ist eine andere Herausforderung, nämlich jene, mit einem System aus 100 Prozent erneuerbarer Stromversorgung die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Hier stellt die sogenannte Dunkelflaute ein Problem dar. Die meisten Studien kommen zu dem Schluss, dass diese kein Problem sei, dauert sie doch maximal zwei Wochen. Doch stimmt das? Wahrscheinlich nicht, wie eine neue Studie von Oliver Ruhnau und Staffan Qvist vorrechnet. Demnach muss ein viel längerer Zeitraum überbrückt werden. Mit Staffan Qvist spreche ich dazu auch am Sonntag.

Hier die Highlights (Übersetzung von mir):

  • „Die Machbarkeit einer 100 % erneuerbaren Stromversorgung ist weiterhin ein kontroverses Thema. Da ein vollständig erneuerbares Stromsystem in den meisten Ländern stark auf Wind- und Sonnenenergie angewiesen ist, ist ein häufig diskutierter Aspekt die Systemzuverlässigkeit bei Ereignissen mit geringer Verfügbarkeit dieser variablen Energiequellen. Am Beispiel Deutschlands haben solche Extremereignisse auch öffentliche und politische Aufmerksamkeit erhalten, und der deutsche Begriff ‘Dunkelflaute’ hat es in die internationale Debatte geschafft.“ – bto: Dunkelflaute als internationaler deutscher Exportbegriff, wer hätte das gedacht?
  • „Frühere Studien zu Erneuerbaren-Knappheitszeiten konzentrierten sich meist auf Windenergie. Diese Studien sind in ihren Ansätzen und Ergebnissen ähnlich. Sie definieren einen Schwellenwert, unterhalb dessen die Windleistung oder Windgeschwindigkeit als „gering“ gilt. (…) Die maximale Dauer von Schwachwindereignissen, die in diesen Studien identifiziert wurden, beträgt 4–10 Tage.“ – bto: weshalb man zu der Aussage kommt, dass es kein so großes Problem sei, diesen Zeitraum zu überbrücken.
  • „Weitere Zeitreihenanalysen ergaben, dass Schwachwindereignisse aufgrund der geografischen Glättung ausgeprägter sind, wenn man sich auf einzelne Orte konzentriert, und weniger extrem werden, wenn man den geografischen Umfang auf die kontinentale Ebene ausdehnt.“ – bto: Kein Wunder, irgendwo bläst der Wind immer, mag man sagen.
  • „Schließlich erweiterten Raynaud et al. den Anwendungsbereich auf Solarenergie, Wasserkraft und Last, um ‘Energiedürren’ zu untersuchen, definiert als Perioden, in denen erneuerbare Energien weniger als 20 % der Nachfrage decken. Sie fanden heraus, dass ein Mix aus erneuerbaren Energien die Dauer von Energiedürren im Vergleich zu einzelnen Energiequellen um den Faktor zwei oder mehr reduziert und dass die Dauer von Energiedürren in Szenarien mit 100 % erneuerbaren Energien 2 Tage nicht überschreiten wird.“ – bto: Das sind genau die Aussagen, auf denen unsere gesamte „Strategie“ der Energieerzeugung basiert. Es ist also kein Problem.
  • „Die Gegenüberstellung der Ergebnisse aus Zeitreihenanalysen und Optimierungsmodellen erscheint aus drei Gründen interessant. Erstens deuten die größeren Speichervolumina in den Optimierungsstudien darauf hin, dass der Speicherbedarf nicht direkt aus der Länge der schlimmsten Dunkelflaute, die durch Zeitreihenanalysen identifiziert wurde, abgeleitet werden kann. Zweitens erscheinen die größeren Speichervolumen in den Optimierungsstudien kontraintuitiv, da diese Studien Flexibilitätsoptionen über die Speicherung hinaus beinhalten, die in den Zeitreihenanalysen nicht berücksichtigt werden. Drittens basieren die obigen Optimierungsmodelle auf 1–3 Wetterjahren, und es bleibt unklar, ob diese Jahre die schlimmsten Dunkelflaute-Perioden enthalten, die durch Zeitreihenanalysen auf der Grundlage von Datensätzen mit mehreren Jahrzehnten identifiziert wurden.“ – bto: Klartext. – Die bisherigen Studien erfassen nicht die wirklichen Extremereignisse und die Annahmen bezüglich Speicher und alternative Quellen sind nicht immer konsistent.
  • Deshalb diese Analyse: „Diese Studie schließt die Lücke zwischen Zeitreihenanalysen von Extremereignissen und Optimierungsmodellen. Zum einen analysieren wir 35 Jahre Erneuerbare- und Last-Zeitreihen, um die Dunkelflaute hinsichtlich des über einen bestimmten Zeitraum anfallenden maximalen Energiedefizits zu charakterisieren. Wir berechnen auch die erforderliche Speicherenergiekapazität mit einem stilisierten Kostenoptimierungsmodell unter Verwendung der gleichen Eingangszeitreihen.“ – bto: Es ist also die Analyse mit dem tatsächlichen Risiko und nicht einem zu optimistisch berechneten.
  • „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl Zeitreihenanalysen als auch Optimierungsmodelle häufig mit Vereinfachungen ausgestattet sind, die zu einer Unterschätzung der Speicheranforderungen führen können. Bei Zeitreihenanalysen erscheint es unzureichend, kurze Perioden mit extremer Knappheit zu betrachten, da diese von anderen Knappheitsperioden umgeben sein können, die gemeinsam den Speicherbedarf definieren. Bei Optimierungsmodellen erscheint die Analyse einzelner Jahre unzureichend, da diese nicht unbedingt Extremereignisse beinhalten.“ – bto: Wir haben also mehr Extremereignisse UND diese können nacheinander erfolgen, was eben zu längerer Unterdeckung der Erzeugung führt.

Konkret sieht das dann so aus:

  • „Wir verwenden ein Optimierungsmodell, um das kostengünstigste 100% erneuerbare Stromsystem für das Beispiel Deutschland zu finden. Das Modell entscheidet über Investitionen in variable erneuerbare Generatoren und Stromspeicherung in Batterien und über Wasserstoff. Gleichzeitig wird der Speichereinsatz unter Berücksichtigung bestehender Bioenergie und Wasserkraft (inkl. Pumpspeicher) optimiert. Das Optimierungsproblem erstreckt sich über 35 aufeinanderfolgende Jahre auf stündlicher Basis. Für jede Stunde muss die Primärstromversorgung aus erneuerbaren Energien plus Speicherentladung minus Speicherladung und Abregelung gleich der Last auf Landesebene sein.“ – bto: Es wird also zu jedem Zeitpunkt der Bedarf gedeckt – entweder durch Erzeugen oder durch Speichern/Wasserstoff.
  • „Die Eigenschaften des mehrjährigen kostenoptimalen 100 % erneuerbaren deutschen Stromsystems sind in Abbildung 1 zusammengefasst. Auf der Angebotsseite sind fast 300 GW variable erneuerbare Erzeuger installiert: 92 GW Solar-PV, 94 GW Onshore-Wind und 98 GW Offshore-Wind. Bei Solar-PV und Onshore-Windkraft ist dies fast doppelt so viel wie die installierte Leistung im Jahr 2020; für die Offshore-Windkraft bedeutet dies eine Steigerung um mehr als das Zehnfache. Diese variablen Generatoren werden durch etwa 81 GW Speicherentladekapazität ergänzt, darunter größtenteils wasserstoffbefeuerte Gas- und Dampfturbinen (Kurz: GuD)-Anlagen (62 GW). Perspektivisch entspricht die installierte Kapazität der GuD-Anlage fast der Durchschnittslast, während die Gesamtentladekapazität 77 % der Spitzenlast (105 GW) liefern kann. Die Ladeleistung des Speichers liegt mit rund 72 GW etwas unter der Entladeleistung. Bis zu 161 GW erneuerbare Überschusserzeugung werden abgeregelt, weil dies wirtschaftlicher ist als der Bau weiterer Speicher.“ – bto: Das klingt zunächst nicht nach einem besonders kosteneffizienten System, weil erhebliche Überkapazitäten aufgebaut werden müssen.
  • „Die Speicherenergiekapazität, die im Fokus der vorliegenden Arbeit steht, beträgt 56 TWh. Der größte Teil davon entfällt auf Wasserstoffspeicherung (54,8 TWh), während bestehende Pumpspeicherkraftwerke 1,3 TWh und Batterien nur 59 GWh (0,059 TWh) beitragen. Unter Berücksichtigung der Entladeeffizienz entspricht das Speichervolumen einer maximalen Bereitstellung von 36 TWh Strom. Das sind etwa 7 % der Jahresbelastung oder 24 d der durchschnittlichen Belastung – viel länger als das, was bisherige Zeitreihenanalysen aufgrund ihrer Definition einer Dunkelflaute finden. Die Speicherdauer beträgt 23 d für Wasserstoff, 6 d für Pumpspeicherkraftwerke und 6 h für Batterien.“ – bto: Wir brauchen also deutlich mehr Speicher, um das System abzusichern.
  • „Die gesamte Primärversorgung aus erneuerbaren Quellen beträgt etwa 700 TWh, was etwa 130 % der modellierten Jahreslast entspricht (…) Nur 65 % der Primärenergieversorgung dienen direkt der Last (455 TWh), während 23 % in Speicher geladen werden (160 TWh) und 12 % abgeregelt werden (84 TWh). Die Speicherentladung beträgt 92 TWh (17 % der Last).“ – bto: Das unterstreicht erneut, welche gigantischen Überkapazitäten geschaffen werden müssen.

Doch wie lange brauchen wir wirklich Speicher?

  • „Da frühere Zeitreihenanalysen Knappheitsereignisse mit einer Dauer von bis zu 10 d identifizierten, konzentrieren wir uns zunächst auf den knappsten Zeitraum von 10 d. Wir finden, dass dieser Zeitraum im Dezember 2007 liegt. Das Energiedefizit in diesem Zeitraum beträgt 12,4 TWh (8 d durchschnittliche Last), was nur ein Drittel der 36 TWh Strom ist, die der kostenoptimale Speicher liefern kann. (Allerdings zeigt eine genauere Analyse), dass auch die 2 d vor und der erste Tag nach der schlechtesten 10 d-Periode knapp an Energie sind, obwohl die Versorgung nicht so knapp ist wie während der 10 d. Daher ist mit einem Speicherbedarf von mehr als 10 d zu rechnen.“ – bto: Es gab also davor und danach kürzere Dunkelflauten, was bedeutet, dass die Speicher nicht voll waren, als die zehntägige Dunkelflaute begann und praktisch leer waren (nach den zehn Tagen), als eine erneute Dunkelflaute ansetzte. Wir müssen also den Speicherstand berücksichtigen, wenn wir auf die benötigte Menge kommen wollen.
  • Ergebnis einer solchen Betrachtung: „Das gesamte maximale Energiedefizit beträgt 27 TWh (18 d durchschnittliche Last) und summiert sich über 61 d (knapp 9 Wochen). Diese 61 d umfassen nicht eine Periode mit konstant niedrigem Angebot, sondern mehrere knappe Perioden hintereinander, unterbrochen von kurzen Perioden mit Energieüberschuss (Abbildung 4).“ – bto: Angesichts der Bedeutung der Energiesicherheit sind das ernst zu nehmende Berechnungen!

Abb: Längste Lücke

Quelle: Ruhnau/Qvist

  • Damit noch nicht genug: „Berücksichtigt man jedoch sowohl Speicherverluste als auch Ladebeschränkungen, verlängert sich der schlechteste Zeitraum von 61 auf 84 Tage (12 Wochen, fast 3 Monate).“ – bto: Das sind ganz andere Werte, als man sonst diskutiert.
  • Und jetzt kommt noch eine weitere ‘revolutionäre’ Betrachtung. Statt nur auf Kalenderjahre zu blicken, werden Mehrjahresperioden betrachtet: „Bei der mehrjährigen Optimierung haben wir festgestellt, dass der Speicherbedarf durch eine Winterperiode definiert wird, die den Kalenderjahreswechsel kreuzt. (…) Bemerkenswerterweise unterschätzt die einjährige Optimierung den langfristigen Speicherbedarf systematisch: Das durchschnittliche einjährige Wasserstoffspeichervolumen ist nur halb so groß wie bei der mehrjährigen Optimierung. Das einzige Jahr, das den mehrjährigen Speicherbedarf nahezu erfüllt, ist der 12-Monats-Zeitraum von Juli 1996 bis Juni 1997 – der den zuvor ermittelten knappsten Zeitraum umfasst. (…) Die einjährige Optimierung neigt auch dazu, die Kosten zu unterschätzen, wobei 1996–1997 der mehrjährigen Schätzung am nächsten kommt.“ – bto: Die Studien, die uns seit Jahren vorgetragen werden, betrachten also Kalenderjahre und vergessen die Notwendigkeit, Speicher zu füllen, bevor es wieder eine Flaute gibt. Dies ist aber die Basis, auf der wir Entscheidungen zur Zukunft unseres Wohlstands treffen. Fatal!

 Fazit der Autoren:

„Basierend auf unseren Ergebnissen kommen wir zu dem Schluss, dass die Konzentration auf kurze Extremereignisse oder einzelne Jahre irreführend sein kann, wenn die Menge an Speicher benötigt wird, die in 100 % erneuerbaren Stromsystemen benötigt wird. Stattdessen wird für das Beispiel Deutschland der Speicherbedarf durch einen 12-wöchigen oder längeren Zeitraum intermittierender Knappheit definiert, und die Systemplanung auf der Grundlage durchschnittlicher Jahre unterschätzt den Speicherbedarf und die Systemkosten erheblich.“

Die Autoren sprechen in der Studie die Atomkraft nicht an. Sie betonen stattdessen am Ende: „Trotz dieser wirtschaftlichen Herausforderungen und der verbleibenden technologischen Unsicherheit bei einem großflächigen Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur erscheint die geschätzte notwendige Speicherenergiekapazität im Vergleich zur aktuellen deutschen Erdgasspeicherkapazität machbar.“

Machbar ist es, allerdings sind die Dimensionen und damit die Kosten deutlich höher und es fehlt bisher die Erkenntnis der Akteure in Politik und Wirtschaft, wie massiv die Investitionen sein müssen. Die Gefahr von Blackouts ist realistisch.

iopscience.iop.org: „Storage requirements in a 100% renewable electricity system: extreme events and inter-annual variability“, 15. März 2022

Kommentare (29) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Gert Lange
    Gert Lange sagte:

    Das Speicherproblem, bzw. die Lösung dazu, ist so neu ja nicht.
    H.E. Hurst (vorbildlicher Beamter des imperialen Großbritanniens) hat das beispielsweise für die Nilüberschwemmungen, bzw. dem Schutz davor, d.h. Bestimmung der richtigen (sicheren u. wirtschaftlichen) Stauvolumengröße, gelöst (1951, Exponentialfunktion, Exponenten mittels Überflutungsdaten des Nils bestimmt; der sogenannte Hurst-Exponent).
    Quelle: Mandelbrot: Fraktale und Finanzen oder auch gut beschrieben in Götte: Chaos an den Finanzmärkten?
    Das ganze beruht auf Mathematik, das haben Grüne, so sagt man, beim Abi, wenn vorhanden, abgewählt.

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  2. Petersen
    Petersen sagte:

    Die Berechnung ist interessant und diskussionswürdig, aber: Wir haben keine Speicher, ein entsprechender Aufbau ist noch nicht einmal im Ansatz erkennbar. Das staatliche Desinteresse zeigt sich schon daran, dass noch nicht einmal die (steuer)rechtlichen Voraussetzungen geschaffen wurden, um mit Wind-und Solarstrom Speicher füllen und diese hinterher ins Netz einspeisen lassen können.

    Traut jemand dieser Bundesregierung zu, ein Problem wie den Aufbau einer Speicher-Infrastruktur handhaben zu können? Nein, und es gibt keinen Anreiz für Privatinvestoren, weil mit Wind- und Solarstrom seit 2000 extreme Rosinenpickerei betrieben wird. Man hätte von Anfang an dieser Branche eine 24/7/365-Lieferverpflichtung auferlegen sollen, dann wäre parallel zu den Anlagen Zwischenspeicher entwickelt und gebaut wurden.

    Nicht umsonst basiert die gesamte Energiewenden-Politik darauf, dass nach dem Ausschalten von Kernenergie- und Kohlkraftwerken Ergaskraftwerke einspringen. Nun haben wir die Bescherung: Es fehlt das Gas. Wir können nur beten, dass Russland noch einige Jahre weiter liefert; LNG-Tanker werden uns kurzfristig nicht retten.

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  3. Lele Castello
    Lele Castello sagte:

    Die Dunkelflaute bleibt ein unlösbares mathematisches Problem. Mein Matheprof zum Abschluss des 2. Semester, Paolo Manselli, sagte: “Ich hoffe ich konnte euch helfen in eurem Leben unlösbare Probleme frühzeitig zu erkennen ohne das ihr ein Leben lang diesen hinterherläuft”.

    Mögen die keltischen Götter uns vor der Dunkelflaute verschonen. :)

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    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Lele Castello

      >Die Dunkelflaute bleibt ein unlösbares mathematisches Problem.>

      Bevor Sie sich solchen Professoren ausliefern und sich mit derartigen Aussagen Probleme bereiten, sollten Sie lernen, die Welt besser zu „sortieren“.

      Dunkelflaute bezeichnet die PHYSIKALISCHE Phänomene, dass elektrische Energie bei Dunkelheit nicht durch Solartechnik und bei fehlender Luftbewegung nicht durch Windräder erzeugt werden kann.

      Das hat mit Mathematik nichts zu tun.

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  4. jobi
    jobi sagte:

    “bto: Dunkelflaute als internationaler deutscher Exportbegriff, wer hätte das gedacht?”

    Tja, mit der Zeitenwende ändern sich eben auch unsere Exportschlager.

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  5. JürgenP
    JürgenP sagte:

    Wie lange wirkt eine Dunkelflaute wirklich?

    Eine wichtige Frage. Genauso wichtig wie die Frage, wie lange die Verheilung eines Beinbruchs dauert, nachdem der Patient vor lauter Dummheit aus siebenmeterfünfzig Höhe auf das Pflaster gesprungen ist.

    Kleiner Unterschied im übertragenen Sinne: das Bein ist noch nicht ganz gebrochen. Wir befinden uns – betrachtet im Zeitlupenmodus – in der Abknickphase kurz vor dem vollständigen Aufschlag incl. Kopf und Rumpf. Also eine Debatte kurz vor dem Blackout, kurz bevor die Schmerzen richtig einsetzen – und die Folgen, auf die Habeck & Co den zukünftigen Patienten noch moderat vorbereitet.

    Nun wird hier im Blog diskutiert, wie die Abknickphase verhindert / verkürzt / unterbrochen oder gar rückgängig gemacht werden kann. Sinnlos, denn der Prozess ist am Laufen. Da ist gar nichts mehr zu verhindern.

    Um das Ende des Prozesses zu verstehen, muss man an den Anfang des (komplexen) Geschehens der Energieversorgung schauen, sich die Anfangsbedingungen vor Augen führen, die Wirkungszusammenhänge und tatsächlichen Verläufe. Wenigsten in groben Zügen, ganz so wie die medizinische Anamese, um nicht Wesentliches für die Diagnose und Therapie zu übersehen.

    Dazu bedarf es beispielhaft nur der Lektüre der Seiten 406 bis 444 im Buch von Frederic Vester, Neuland des Denkens, Vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter, Kap. 6 Energielösungen (Veröffentlicht 1980).

    Nach umfassender Darstellung der damals nachvollziehbaren Zusammenhänge lautet der erste Satz des letzten Absatzes:

    „Es wäre ein nicht mehr gutzumachender Schaden, wenn die keimenden Aktivitäten in dieser Richtung [regenerative Technologien] durch überwiegende Begünstigung der etablierten [fossilen, atomenergetischen] Verfahren wieder im Sande verliefen“.

    Was bis September 2021 durch Protagonisten passierte ist bekannt, jetzt aber unwichtig. Der angesagte Schaden war schon Jahre zuvor realisiert und nun in letzter Konsequenz vollzogen. Der Patient ist vor rd. 42 Jahren gesprungen und schlägt nun – endlich kann man sagen – mit voller Wucht auf.

    Dumm gelaufen. Aber nicht mehr zu ändern.

    Es stellt sich jetzt die Frage, mit welchen Methoden der Heilungsprozess so beschleunigt werden kann, dass der Patient möglichst schnell wieder auf die Beine kommt und das realisiert, was spätestens vor 42 Jahren hätte begonnen werden müssen. Ob das erfolgreich sein kann, ist eine ganz andere Frage.

    Übrigens: die Typen, die am wenigsten nach zukunftsfähigen Methoden und Lösungen gefragt werden dürfen, sind die Verantwortlichen für das Desaster. Oder hat ein Unfallopfer den Unfallverursache jemals nach Therapiemöglichkeiten gefragt? Üblich ist, Profis zu fragen, die mehr zu bieten haben als – in diesem Fall – konventionelle Dreckschle … Braunkohlekraftwerke und Strahlungsrestmüllerzeuger.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @JürgenP

      “Nun wird hier im Blog diskutiert, wie die Abknickphase verhindert / verkürzt / unterbrochen oder gar rückgängig gemacht werden kann. Sinnlos, denn der Prozess ist am Laufen. Da ist gar nichts mehr zu verhindern. ”

      Jaja, angeblich mal wieder alles “alternativlos”. Klar geht der Aufprall noch zu verhindern, das Gegenteil beweisen auch keine 38 Seiten Kybernetik-Technobabble.

      Wir könnten zum Beispiel ganz einfach neue grundlastfähige Gaskraftwerke bauen, eine Pipeline für deren Versorgung ist schon fertig gelegt und muss nur noch in Betrieb genommen werden. ;)

      Dann kann auch jeder weiterhin so lange duschen, wie er will.

      Antworten
      • JürgenP
        JürgenP sagte:

        @RO “ganz einfach”
        … Aha. Haben Sie schon eine zeitliche Vorstellung, wann die erste grundlastfähige Wunschvorstellung betriebsbereit ist?
        … “alternativlos”. Ja, aus Ihrer Sicht ganz bestimmt. Das ist immer so, wenn Angst und Panik herrscht. Ist genetisch veranlagt. Auch der Mensch war mal ein Fluchttier … die ersten hundert Meter im gasbetriebenen Schnellspurt voran, um festzustellen, dass bei 102 Meter eine Klippe den weiteren Weg unerfreulich gestaltet.

  6. Vater Thiel
    Vater Thiel sagte:

    Was mich anbetrifft: Lieber einen Winter ohne Heizung als nochmal einen Winter mit Masken, 2G, 3G oder sonstigem Unsinn.
    Vielleicht führt ein Winter ohne Gas zur Revitalisierung der Kneipenkultur.
    Das Wirtshaus als Wohnzimmer für kalte Abende, bei Tee und Glühwein.
    Vielleicht gibt es auch wieder eine Renaissance der Wärmestuben, die ich noch aus meiner Kindheit kenne.
    Beheizte Gaststätten, in die man sich auch auf ein kostenloses Glas Leitungswasser setzen durfte.

    Ich dusche übrigens seit Frühjahr 2020 morgens ausschliesslich kalt.
    Weil ich mir einrede, dass das vielleicht besser gegen Corona schützt als Masken und Biontech.
    Und weil nach zwei Minuten kalt Duschen das Schlimmste des Tages schon überstanden ist. Meistens.

    Kleiner Tip: Bei ist das erträglich nur, wenn ich die zwei Minuten unter der kalten Dusche an absolut nichts denke.
    Oder mir im Geiste vorstelle, ich bin bei 40 Grad Aussentemperatur auf Hawaii.
    Das Feeling danach ist jedoch wirklich hoch inspirierend.

    Antworten
    • jobi
      jobi sagte:

      @ Vadder Thiel

      Sie machen alles richtig !
      Allerdings geht es wohl eher um den Industriestandort DE als um Ihre persönliche Wohlfühltemperatur.

      Die Standard-konsumenten unserer Qualitätsmedien lässt man dabei bewusst im Unklaren, wie neulich in der Tagesschau, als es um die Verlängerung der AKW-Laufzeiten geht: Aussage der Politik (“geht nicht”) lässt man vom “Experten” (Politikwissenschaftler!) bestätigen. C.Kämpfert wird zitiert, KK wäre keine Lösung, weil man damit nicht heizen könne ( stimmt, leuchtet sofort ein, geht nur mit Kohle )
      Und unser Wirtschaftsminister gibt Tipps zum Heizkosten sparen.

      Was soll schon schief gehen.

      Antworten
      • Thomas M.
        Thomas M. sagte:

        @jobi

        >KK wäre keine Lösung, weil man damit nicht heizen könne

        Was die immer so reden…

        Sie kann ja mal etwas näher an den Kern gehen, wenn die Kontrollstäbe rausgefahren werden. Wird lecker warm – bis zur Kernschmelze ;)

        Etwas praktikabler da schon: https://nuklearia.de/2018/02/03/nukleare-fernwaerme/

        Und nein: Weder das eine, noch das andere würde ich gerne nutzen. Ist nur zum Fact Checking gedacht.

  7. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Grundlegender ist eine andere Herausforderung, nämlich jene, mit einem System aus 100 Prozent erneuerbarer Stromversorgung die Versorgungssicherheit zu gewährleisten.>

    Muss man so sehen.

    >Hier stellt die sogenannte Dunkelflaute ein Problem dar. Die meisten Studien kommen zu dem Schluss …>

    Das sehe ich anders.

    Die sogenannte Dunkelflaute ist die LÖSUNG des Problems.

    Um dies zu begreifen, braucht man keine Studien, sondern nur den gesunden Menschenverstand.

    Ich gebrauche ihn:

    SOLLTE eine Dunkelflaute EINTRETEN, dann wird die Bevölkerung SOFORT durch UNMITTELBARES Erleben bzw. durch nicht verhinderbare BERICHTERSTATTUNG in den meinungsbildenden Medien darüber aufgeklärt, was dies der Sache nach KONKRET heißen kann:

    ABSEHBAR hohe KOMFORTEINBUSSEN bis hin zu erheblichen VERZICHTLEISTUNGEN mit möglicherweise dauerhaften SCHÄDEN.

    Das ist der Augenblick, an dem die STIMMUNG im Lande KIPPT.

    Stimmungen, gemessen an Umfragewerten, sind ENTSCHEIDEND für Veränderungen.

    Daher:

    Die Blütenträume der Energiewende werden WELKEN.

    Wunschdenken?

    Nein.

    Was erleben wir jetzt, da von der Gasknappheit gerade mal die REDE ist, aber es „nur“ ihre Verteuerung, aber noch KEINE gibt?

    Eine MEHRHEIT der Bevölkerung ist für den Weiterbetrieb von Atomkraftwerken.

    GESTERN noch Teufelszeug und unmöglich, HEUTE „muss man haben“!

    Das darf’s doch nicht geben, gibt es aber.

    Und schon in der Debatte sind Öl- und Gasbohrungen in der Nordsee sowie Fracking in Deutschland.

    Das ist erst der Anfang, denn absehbar ist:

    Angesichts der erbittert geführten Auseinandersetzung um den Verlauf des Kriegs in der Ukraine wird es ab Herbst sehr wahrscheinlich zu einer Rationierung von Gas sowie zu einer spürbaren Rezession kommen – und dies bei ungewohnt hohen Inflationsraten.

    Damit ist der Boden bereitet für die MENTALE Disposition der Bevölkerung bei der öffentlichen ERÖRTERUNG von Dunkelflauten im nächsten Winter, wenn sich auch nur eine abzeichnet.

    Die öffentlichen Debatten werden darlegen, wie sich das Drama ums Gas, es potenzierend, WIEDERHOLEN kann:

    LÄNGER anhaltende Knappheit, NICHT kompensierbar durch den Einkauf von Wind und Sonne, die es woanders gibt (oder Kauf von irgendwo „überflüssiger“ elektrischer Energie aus dem europäischen Verbundnetz), NICHT hinreichend gefüllte Speicher, kurzum:

    ZUSÄTZLICHE Mangelwirtschaft, die nicht nur punktuell, sondern UMFASSEND in die Lebensverhältnisse eingreift.

    MEHR braucht es nicht, damit die Mehrheit zumindest den angelegten Weg nicht weiter voranschreitet.

    Noch geben sich Habeck und die Grünen als besorgte Kümmerer, doch die Schlagzeilen lauten bereits HEUTE:

    Wie TEUER wird Habeck für uns?

    Diese Frage wird häufiger und dringender gestellt werden.

    Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        Ich war schon immer Realist, sehe aber mitunter eine ANDERE Realität als Sie.

        Da ich Realist bin, kann ich nicht Defätist sein.

        Die Dinge und damit das System entwickeln sich, wie sie sich entwickeln und dies m. A. n., OHNE dass Diskussionen viel daran ändern können.

        Dies macht mich nicht mutlos oder verzagt.

        Allerdings:

        Ich sehe keine gute Entwicklung vor uns.

        Diese betrifft nach Lage der Dinge kaum noch mich, sondern vorwiegend andere.

        Das hilft, gelassener DAMIT umzugehen, ohne den Blick davor verschließen zu müssen.

  8. Dieter Krause
    Dieter Krause sagte:

    Es gib für solche Dunkleflautenfälle auch einen europäischen Stromverbund! Deutschland war früher – mit seinen ganzen Kohle- und Kernkraftwerken – wohl der größte Stromexporteur in Europa, heute sehr unterschiedlich: Mal Exporteur, mal Importeur! Was wir in Europa brauchen, sind endlich auch große Ultrahochspannungsgleichstromleitungen aus Spanien/Portugal sowie Italien und den Balkanstaaten wie Bulgarien nach Nordeuropa – so wie in China! Hier wird über diese UHGÜs der Strom aus den großen westlichen chinesischen Wind- und Solarparks bis zu 4.000 km(!) in die Millionenstädte im Osten des Landes geleitet – mit äußerst geringen Stromverlusten! Im REPowerEU-Programme der EU ist dafür aber kein Cent ausgewiesen! Dabei könnte die Spanier auf 2% ihrer Landesfläche (ca. 12.000 km²) mit großen Solaranlagen auf den kahlen kastilischen Hochebenen (kein Agrarland!) wohl fast den gesamten gegenwärtigen Strombedarf der EU produzieren (ca. 2800 TWh) – übrigens zu Preisen von unter 3 Cent/kWh! Ist aber selbst bei den Grünen bis heute noch nicht angekommen. Wer sagt das mal dem grünen Bundeswirtschaftsminister – unterlegt mit schönen A2-großen Grafiken: “Strom von Südspanien nach Deutschland in weniger als 0,01 Sekunden nach dessen Erzeugung zu Preisen von unter 3 Cent/kWh im Einkauf! – Na, klingelt es da im BMWi, Herr Habeck?”
    https://am.pictet/de/germany/mega/spannende-alternative-zu-wechselstrom-in-china

    Antworten
    • Alexander
      Alexander sagte:

      @Dieter Krause

      Sie vergaßen den Totalitarismus, den Europa ausprägen muss um Monstertrassen gegen Interessenwiderstände durchzusetzen http://monstertrasse.net/

      Bis dahin stabilisiert sich Europa sogar via ukrainischer Atomkraftwerke, die jüngst dem europäischen Stromverband zugeschaltet wurden.
      energiezukunft.eu/politik/ukraine-ans-europaeische-stromnetz-angeschlossen/

      Gerade weil die Stromtrassengegner alles Akademiker sind,
      sind die Herrschaften so verbissen unbelehrbar unterwegs,
      man wird kämpfen bis zur letzten “Patrone”…. und von dezentraler Energieversorgung schwafeln.

      30 Jahre Klimawandelpropaganda haben vor allem Lebensunfähigkeit / Wirklichkeitsleugnung geprägt.

      Antworten
    • jobi
      jobi sagte:

      @Dieter Krause

      wir könnten, wir müssten, wir sollten ..
      und technisch alles machbar .. und die Energiewende kostet den Bürger soviel wie eine Kugel Eis ..

      Das einzige, was wir bisher geschafft haben, ist uns in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ jobi

        >Das einzige, was wir bisher geschafft haben, ist uns in ernsthafte Schwierigkeiten zu bringen.>

        Jetzt übertreiben Sie mal nicht.

        Wir haben uns erst dann in ERNSTHAFTE Schwierigkeiten gebracht, wenn die Mehrheit sagt:

        SOOO kann es NICHT mehr WEITERGEHEN.

        Bis dahin ARBEITEN wir mit deutscher GRÜNDLICHKEIT daran, diese Situation hocheffektiv zu ERREICHEN.

        Wir nähern uns …

    • JürgenP
      JürgenP sagte:

      @DK “… wohl fast den gesamten gegenwärtigen Strombedarf der EU produzieren (ca. 2800 TWh) – übrigens zu Preisen von unter 3 Cent/kWh!”.

      Darf ich fragen, warum sich kein Investor an diese Goldader heranmacht?

      Antworten
      • weico
        weico sagte:

        @JürgenP

        “Darf ich fragen, warum sich kein Investor an diese Goldader heranmacht?”

        Weil es nicht unbedingt eine Goldader ist !

        Über die Umweltzerstörung und den gigantischen Wasserverbrauch , für den Unterhalt ,redet halt niemand gerne .

        In solchen öden Gebieten ist Wasser ja eine Mangelware.

        Ein taz-Reportage zeigt die Probleme des “Energiekolonialismus” gut auf….

        “Die Solaranlagen verbrauchen eine Resource, die in der Wüste ein seltenes Gut ist: Wasser. Alle paar Monate müssen die Solarpanels gewaschen werden, damit die Staubablagerungen, die in der Wüste unvermeidlich sind, nicht die Leistung einschränken und so die Produktion vermindern. „Die 3.000 Hektar Solaranlagen, die in der Gemarkung Tabernas geplant sind, brauchen jährlich rund 80 Millionen Liter Wasser“, sagt Bolonio.”

        https://taz.de/Erneuerbare-Energien-in-Suedspanien/!5830308/

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @JürgenP

        “Darf ich fragen, warum sich kein Investor an diese Goldader heranmacht?”

        Na, das grundlegende Problem ist offensichtlich: Auch Photovoltaikanlagen in Spanien produzieren im Sommer viel Strom – aber im Winter fast gar keinen. Das Argumentieren mit irgendwelchen jährlichen Gesamtproduktionszahlen ist entweder Augenwischerei oder aber es zeigt, dass Herr Krause unser Problem gar nicht begreift.

        Wenn wir ein Hochplateau auf der SÜDHALBKUGEL der Erde mit Photovoltaikanlagen zupflastern könnten, wäre das schon eher interessant, dort ist die ankommende Strahlungsleistung der Sonne nämlich genau dann hoch, wenn bei uns Winter ist und wir wenig Photovoltaik-Produktion haben und gleichzeitig besonders viel Energie zum Heizen brauchen.

        Die Leitungsverluste in viele tausend Kilometer langen Stromleitungen sind aber immer so groß, und zwar trotz Ultra-Hochspannungstechnik, dass sich das nicht lohnt – falls der Bau der Stromleitungen überhaupt bautechnisch und politisch realisierbar wäre und wir genug Kupfer dafür auftreiben könnten.

        Alternativ können wir natürlich auch ein “Erdachsenneigungs-Veränderungs-Gesetz” beschließen und dadurch die jahreszeitlichen Unterschiede bei der Sonneneinstrahlung auf der Erde abschaffen, vielleicht arbeiten die Autoren des “Gasspeichergesetzes” im Wirtschaftsministerium schon daran? ;)

  9. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    @Thomas M.

    >>Falls die Gas-Heizungs-kwh mehr als 30cent kostet, fangen die Leute an, einen Radiator zu verwenden, bestimmt ist dann zuuufaellig gerade auch noch Dunkelflaute …
    >Absolut. Spätestens wenn das als Meme populär wird, explodiert der Strombedarf. Ich hab mir wie schon hier berichtet schon mal extra ein paar von den kleinen Heizlüftern geholt.

    Besonders lustig wird es dann, wenn die Leute darauf kommen, dass man auch mit einem elektrischen Backofen heizen kann (Backofentür natürlich geöffnet lassen), wenn das Gas für die Gasheizung zu teuer wird oder rationiert ist…

    In den USA ist “oven heat” schon lange ein Meme, wobei das bisher dort so ging, dass vor allem arme Schwarze ihre Wohnung mit dem Gasbackofen heizen weil der Strom für die Stromheizung damit verglichen viel teurer war. Wie sich die Zeiten ändern! ;)

    “Wir holen uns dann noch Alu-Folie. Da hatter Hr. Ott mal ein lustiges inklusiv-informatives Video gepostet vom Katastrophenschutz. Wenn mal der Strom weg ist: Fenster mit Alu zupappen, um weniger Wärme zu verlieren.”

    Besonders clever ist es übrigens, eine Rettungsdecke zu nehmen. Die kann nach dem Winter umwenden und spart damit im Sommer auch gleich Energie für die Klimaanlage!

    Möchten Sie das Katastrophenschutz-Video nochmal sehen? Sie haben die Teelichtheizung und das Nachbarn zum Kuscheln einladen komplett vergessen!
    https://twitter.com/BBK_Bund/status/1443516558232461314

    Antworten
    • weico
      weico sagte:

      @Richard Ott

      “Die kann nach dem Winter umwenden und spart damit im Sommer auch gleich Energie für die Klimaanlage!”

      Die Deutschen sollten das GANZE viel lockerer sehen und sich ein Beispiel an den Leuten in Odessa nehmen.

      Auf den “Krieg” bzw. “Angriffskrieg” …oder die “Befreiung”…kann man sich ja auch Locker und Positiv einstellen…

      https://twitter.com/spriteer_774400/status/1540248723661459459

      Antworten
    • Thomas M.
      Thomas M. sagte:

      @Hr. Ott

      Die tolle Tontopf-Heizung hatte ich schon wieder vergessen. Ich hatte nur die gemütliche Runde im Kopf und dachte beim erneuten Gucken des Videos aber: Während Corona geht das ja mal gar nicht. So abstandslos!

      Vielen Dank für den Ofentipp. Jetzt kann nichts mehr schief gehen. Mir fällt auch gerade ein, dass ich auch noch eine Heißluftpistole hab. Die Liste von Wärmeerzeugern wird immer länger :) Soll doch mal einer sagen, hier auf bto gäbe es keine Praxistipps.

      #NotMachtErfinderisch

      Antworten
  10. Bauer
    Bauer sagte:

    >> “Und jetzt kommt noch eine weitere ‘revolutionäre’ Betrachtung. Statt nur auf Kalenderjahre zu blicken, werden Mehrjahresperioden betrachtet: „Bei der mehrjährigen Optimierung haben wir festgestellt, dass der Speicherbedarf durch eine Winterperiode definiert wird, die den Kalenderjahreswechsel kreuzt.”

    Das darf doch nicht wahr sein. Aber wenn man Buchhalter Klimapolitik machen lässt, ist offensichtlich alles möglich.

    Schlimm ist auch, dass in den Jahren bisher kein Meteorologe aufgestanden ist und darauf hingewiesen hat, dass das meteorologische Jahr aus wohlerwogenen Gründen von März bis März läuft.

    Und wenn man sieht, wieviel ‘Fortschritt’ in der Studie schon als existent vorausgesetzt wird, bleibt nur der Schluss: ES GEHT NICHT bzw. es wird ruinös teuer.

    Antworten
  11. Joerg
    Joerg sagte:

    was meinen die @Energieexperten

    zu Herrn Stelters Fazit “Die Gefahr von Blackouts ist realistisch.”

    Vor allem wenn man folgendes bedenkt:
    Falls die Gas-Heizungs-kwh mehr als 30cent kostet, fangen die Leute an, einen Radiator zu verwenden, bestimmt ist dann zuuufaellig gerade auch noch Dunkelflaute …

    Das ganze “erneuerbaren Konzept” geht nur mit guenstigem Gas (schnelle hoch/runter Regelung). Mit teurem Gas scheitert es krachend?!

    Oder was sagen die Energieexperten dazu?

    Was tun? Fracking in D? Prinzipiell viel mehr Grundlaststrom (Kohle, Atom) erzeugen und noch mehr Lastabwurf bei Erneuerbaren?

    LG
    Joerg

    Antworten
    • Thomas M.
      Thomas M. sagte:

      @Joerg

      Man muss m.E. zwischen taktischen und strategischen Maßnahmen unterscheiden. Für das aktuelle Problem der Gasverknappung und -teuerung: *bestehende* konventionelle Kraftwerke nutzen und schon gar nicht ausschalten, nur weil man vor ein paar Jahren dachte, es sei eine gute Idee und jetzt Kurs halten will. Also Kohle und Kern. Alle anderen Maßnahmen dauern zu lang und zusätzlich ist ungewiss, was diese tatsächlich zeitigen, wenn man sie jetzt am Reißbrett plant.

      Ein Switch auf 100% Erneuerbare ist ohne große E-Speicher / H2-Infrastruktur ein Pipe-Dream, wenn nicht sogar Scam (wenn die Lücken mit importiertem Strom gefüllt werden). *Ob* und wie man das hinbekommt entscheidet sich in den kommenden Jahrzehnten und ist irrelevant für die kurzfristige Problemlösung.

      >Das ganze “erneuerbaren Konzept” geht nur mit guenstigem Gas (schnelle hoch/runter Regelung). Mit teurem Gas scheitert es krachend?!

      Ich schätze, Putin hatte das Potenzial mit Deutschland als eifrigem und später dann gefangenem Abnehmer gut erkannt, als er mit Schröder unter Rot-Grün die Deals für Gas gemacht hat. Die wollen aus Kohle und Kern raus? Na dann werden sie günstiges Gas brauchen. Die Beweisführung haben wir aktuell.

      Die in der Energiewirtschaft Arbeitenden sind ja nicht dumm. Die Gasturbinenkraftwerke machen beim Vorhaben viel Sinn, weil sie kompakter sind, dadurch leichter dezentralisierbar (>weniger Infrastruktur für Überlandleitungen nötig), weniger Emissionen als Kohle, preislich wettbewerbsfähig und halt dynamisch nutzbar, anders als Großkraftwerke (wie sie schreiben: hoch/runter-regeln). Sie sind auch für mittlere Unternehmen als Investitionsgut realistisch (kommunale Versorger, Industrie).

      >Falls die Gas-Heizungs-kwh mehr als 30cent kostet, fangen die Leute an, einen Radiator zu verwenden, bestimmt ist dann zuuufaellig gerade auch noch Dunkelflaute …

      Absolut. Spätestens wenn das als Meme populär wird, explodiert der Strombedarf. Ich hab mir wie schon hier berichtet schon mal extra ein paar von den kleinen Heizlüftern geholt. Ist zwar Kinderkram im Vergleich zu einer “richtigen” Heizung. Aber hey: Besser als nix, wenn die gasbetriebene Zentralheizung aus bleibt oder Gas ‘nen Euro pro kWh kostet. Wir holen uns dann noch Alu-Folie. Da hatter Hr. Ott mal ein lustiges inklusiv-informatives Video gepostet vom Katastrophenschutz. Wenn mal der Strom weg ist: Fenster mit Alu zupappen, um weniger Wärme zu verlieren.

      Meine Meinung basierend auf individuellen Präferenz und Risikoabwägungen:
      Fracking in D? bitte nicht (basierend auf den Erfahrungen aus den USA -> Ökologisch ziemlicher Käse und nicht mal sonderlich profitabel)
      Prinzipiell viel mehr Grundlaststrom (Kohle, Atom) erzeugen -> ja, bis/falls Speicher da sind; bevorzugt mit Kern wegen Emissionen

      und noch mehr Lastabwurf bei Erneuerbaren? -> nur wenn man D als Industriestandort killen will; Dieselgenerator auf dem Balkon nach indischem Vorbild finde ich jetzt auch nicht so prickelnd und wäre wohl auch Banane ganzheitlich betrachtet (Lastabwurf und dann gehen die ganzen Dieselaggregate an…)

      So weit meine 2 Cent als unabhängiger Nicht-Experte ;)

      Antworten
      • Joerg
        Joerg sagte:

        Danke, @ThomasM

        zu “und noch mehr Lastabwurf bei Erneuerbaren? -> nur wenn man D als Industriestandort killen will; Dieselgenerator auf dem Balkon nach indischem Vorbild finde ich jetzt auch nicht so prickelnd und wäre wohl auch Banane ganzheitlich betrachtet (Lastabwurf und dann gehen die ganzen Dieselaggregate an…)”

        Vielleicht habe ich mich schlecht/verkuerzt ausgedrueckt: Ich meinte Lastabwurf bei WINDTURBINEN (nicht Verbraucherabschaltung in der Industrie): bei zu viel Strom im System, werden diese aus dem Wind gedreht und die Generatoren laufen leer, damit die Netzstabilitaet gewaehrleistet bleibt.
        Je groesser der Windmuehlen-Anteil (oder Photovoltaik-), je oefters der notwendige Lastabwurf bei Windturbinen.
        Je mehr der Anteil konventioneller, schlecht regelbarer Grundlast (Kohle, Atom) je oefters wird der Lastabwurf bei Windturbinen stattfinden muessen?

        Es ist die Wahl von Pest oder Cholera.

        LG Joerg

  12. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    “Drittens basieren die obigen Optimierungsmodelle auf 1–3 Wetterjahren, und es bleibt unklar, ob diese Jahre die schlimmsten Dunkelflaute-Perioden enthalten, die durch Zeitreihenanalysen auf der Grundlage von Datensätzen mit mehreren Jahrzehnten identifiziert wurden.”

    Lustig, dass die Klimareligiösen bei der Temperatur (Erderhitzung!) und beim Niederschlag (Putin! Ach nein, falsches Thema… Dürre!) aus jahrzehntelangen Zeitreihen alle Extremereignisse parat haben und andauernd für ihre Propaganda nutzen, aber die Rechnungen zur Speicherdimensionierung (Baerbock: “das ist alles ausgerechnet”) so einer dünnen Datenbasis beruhen.

    Man könnte fast glauben, die frisieren ihre Modelle, damit nicht herauskommt, dass die Speicher ansonsten gigantisch groß und damit unbezahlbar teuer werden würden…

    “Bei der mehrjährigen Optimierung haben wir festgestellt, dass der Speicherbedarf durch eine Winterperiode definiert wird, die den Kalenderjahreswechsel kreuzt. (…) Bemerkenswerterweise unterschätzt die einjährige Optimierung den langfristigen Speicherbedarf systematisch: Das durchschnittliche einjährige Wasserstoffspeichervolumen ist nur halb so groß wie bei der mehrjährigen Optimierung.”

    Hihi, die gleiche Masche mit der nur unterjährigen Optimierung hat auch das Wirtschaftsministerium für ihre Propaganda schon benutzt, allerdings induktiv statt deduktiv. Die sagten, wenn die Gasspeicher “Ende Dezember voll sind”, dann gibt es gar keine Probleme und wir kommen auf jeden Fall durch den Winter. Aber natürlich sind die Gasspeicher Ende Dezember *nie* voll, in dem Monat wird bekanntlich schon ordentlich geheizt.

    Vermutlich ein Standardtrick. Schön, dass er einmal so detailliert seziert wird.

    Antworten

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