„Warum Syrer nie mehr Deutschland verlassen werden“

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Bekanntlich zitiere ich Gunnar Heinsohn mit seinen Thesen zu Eigentumsökonomie und Demografie bei bto regelmäßig. Heute ein Blick auf den Konflikt in Syrien durch die demografische Brille. Interessante Gedanken:

  • „Während Berlin Hunderttausende von Syrern nur ein paar Jahre mit deutschen Steuermilliarden versorgen will, um sie dann zu repatriieren, legt Damaskus offen, wie es genau diese Absicht verhindern wird. Wer da zurückgeführt werden solle, sei eigentlich gar kein Syrer und wer dennoch die Heimreise versuche, werde als Staatsfeind umgebracht.“ – bto: was nur verdeutlicht, wie blauäugig wir in die Migrationskrise gestolpert sind.
  • „Syrien hat durch 300.000 Tote und 4,2 Millionen ins Ausland Vertriebene seine Bevölkerung gegenüber 2011 bereits um 4,5 Millionen reduziert. Das entspricht der kompletten Einwohnerschaft von 1960. Gleichwohl hat man heute innerhalb der Grenzen 18 Millionen Bürger – das Vierfache von 1960. 2050 sollen sogar 36 Millionen erreicht werden.“
  • „Deutschland stände bei einer Vervierfachung seit 1960 nicht bei 82, sondern bei 290, die Schweiz bei 22 statt 8 und Österreich bei 28 statt 9 Millionen. Ungeachtet ihrer relativ dynamischen Wirtschaft ständen alle drei Länder vor unlösbaren Herausforderungen, wenn sie eine demografische Dynamik à la Syrien auffangen müssten.“ – bto: Das gilt übrigens auch für Palästina, wo sich auch dank der Hilfe aus Europa die Bevölkerung vervielfacht hat. Es ist schon fast ein demografisches Wettrüsten, was dort stattfindet.
  • „Will man verstehen, warum Assad mit seinen Verbündeten aus Moskau und Teheran planvoll weiter massakriert und vertreibt, dann rührt das aus seiner Einsicht, dass die Begrabenen sowie die Verjagten noch lange nicht ausreichen, um das Land demografisch zu beruhigen.“
  • „Obwohl durch das gegenseitige Eliminieren junger Männer der Kriegsindex von 3,8 auf 3,5 gefallen ist, folgen auf 1000 ältere Männer von 55–59 Jahren noch immer 3500 zornige Jünglinge, die etwas werden wollen. Deutschland spürt mit einem Index von 0,66 gerade mal ein Fünftel dieses Drucks, Österreich und die Schweiz (beide 0,8) ein gutes Viertel.“
  • „Zudem geht es Damaskus nicht allein um das Verringern der Menschenzahl, sondern auch um die Steigerung des nicht sunnitischen Bevölkerungsanteils. Assads Alawiten und verwandte Richtungen, die 2011 nur 13 Prozent der Syrer stellten, nähern sich der Marke von 20 Prozent.“ – bto: Auch dies ist ein Aspekt, der bei uns überhaupt nicht betrachtet wird.
  • Ihre Angst vor der eigenen Auslöschung ist lange schon nur allzu berechtigt. Genozidale Bestrebungen von sunnitischer Seite sind mindestens seit 1982 in Hama belegt, als Muslimbrüder die besser gebildeten alawitischen Eliten ausrotten wollen, im ungemein brutalen Gegenschlag aber ihrerseits mindestens 20000 – meist zivile – Anhänger verlieren.“
  • „Im Sender al-Dschasira fordert schon im Mai 2015 der populäre Publizist Dr. Faisal al-Kasim quer durch den arabischen Raum die Ermordung aller Alawiten einschließlich ihrer Kinder.“ – bto: Das ist ebenfalls ein Aspekt, der bei uns in der Diskussion keinerlei Beachtung findet.
  • „Je mehr sunnitische Syrer tot oder vertrieben sind, desto sicherer erachtet das Regime die eigene Zukunft. Im Zweifelsfall werden immer irgendwo Schüsse fallen, sodass Syrien auf Jahrzehnte nicht als sicheres Herkunftsland eingestuft werden kann.“
  • „Europa kann daraus immerhin lernen, dass es viele Länder wie Syrien gibt, die auf Jahrzehnte mit Menschen so überreich beschenkt bleiben, dass Migranten nicht nur fliehen, sondern auswandern.“ – bto: Es ist ja auch keine Flüchtlingskrise, sondern eine Migrationskrise.

Heinsohns bittere Mahnung: „Die Welt hat momentan 52 Länder mit einem Kriegsindex zwischen 3 und 7 – 3000 bis 7000 Junge müssen dort um 1000 frei werdende Positionen kämpfen. Diese prekäre Lage betrifft mit knapp 1,5 Milliarden Menschen die dreifache Bevölkerung der Europäischen Union.“

bto: Wir brauchen dringend eine Antwort auf diese Herausforderung.

-> WELT.de: „Warum Syrer nie mehr Deutschland verlassen werden“, 16. Oktober 2016

17 Kommentare
  1. Monika Bachmeier says:

    Die Argumentation sieht auf den ersten Blick plausibel aus: Bevölkerungsexplosion in Syrien führt zum „youth bulge“, den Assad durch Krieg und Vertreibung wieder los werden will … ein paar Zahlen aus anderen Teilen der Welt haben mich allerdings nachdenklich gemacht (ich gebe nur einige auf die Schnelle herausgesuchte Beispiele):
    Bevölkerungsentwicklung im US-Bundesstaat Arizona 1960 bis heute: Verfünffachung von 1,3 auf 6,7 Mio. (zum Vergleich im Nachbarstaat Mexiko: Verdreifachung von 38,6 auf 122,3 Mio.)
    Bevölkerungsdichte in Südkorea: 492 Einwohner/Quadratkilometer (zum Vergleich Syrien: 92 Einwohner/Quadratkilometer). Syrien steht übrigens in puncto Bevölkerungsdichte weltweit an 47. Stelle, hinter den Niederlanden, Japan, Vietnam, Israel, Deutschland, der Schweiz u.v.a.
    Allein am Bevölkerungswachstum und/oder an der Siedlungsdichte kann es also nicht liegen … (empfehle in diesem Zshg. Zur Lektüre „Warum Nationen scheitern“ von Acemoglu/Robinson).
    Beste Grüße, MB

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  2. Matthias says:

    Das ist doch ganz gezielte Hetze und Desinformation durch Gunnar Heinsohn! Wenn ich mir den Originalartikel auf welt.de durchlese, wird mir schlecht, denn der strotzt doch nur so von Falschdarstellungen.

    Heinsohn behauptet allen Ernstes, dass „Assad seit 2011 durch Tötung und Vertreibung seine Bevölkerung um 4,5 Millionen reduziert hat“? KEIN EINZIGES WORT von den islamistischen Terroristen, die von Saudi-Arabien, Katar, Türkei und auch den USA unterstützt und finanziert werden und die den erst „Bürgerkrieg“ ausgelöst haben. KEIN WORT DAVON, dass, bevor die Terroristen mit Gewalt gegen den syrischen Staat vorgingen, Syrien zu den säkularsten Ländern „dort unten“ gehörte und NIEMAND fliehen musste!

    Der „Bürgerkrieg“ ist nur ausgebrochen, weil Assad sich geweigert hat eine saudische Pipeline durch Syrien legen zu lassen. Deshalb sollte Assad „weggemacht werden“. Das hat der Journalist Robert F. Kennedy Jr. aufgezeigt.
    http://www.nachdenkseiten.de/?p=32213
    https://www.heise.de/tp/features/Syrien-Ein-Krieg-aus-energiepolitischen-Gruenden-3378589.html

    Heinsohn macht den Bock zu Gärtner, stellt die Gegebenheiten BEWUßT FALSCH DAR und daher muss man ihn ganz klar als Lügner und Hetzer bezeichnen, denn GENAU DAS IST ER.

    Da wird tatsächlich behauptet, dass „Assad, Moskau und der Iran planvoll das syrische Volk massakrieren und vertreiben“ obwohl sie die einzigen sind, die die Terroristen wirksam bekämpfen. Bei dieser widerlichen Propaganda und Falschdarstellung kann einem doch nur schlecht werden.

    Und dass Sie, Herr Stelter, diese Lügen einfach übernommen haben, ohne das kritisch zu hinterfragen, liefert auch kein gutes Bild ab.

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      • Michael Stöcker says:

        Die NDS sind grundsätzlich glaubwürdig, aber Müller schießt meiner Einschätzung nach manches Mal über das Ziel hinaus. Hier handelt es sich aber lediglich um eine Übersetzung des Originals. Ich hatte weiter oben die WirtschaftsWoche hierzu verlinkt. Das Ganze nennt man mediale Sedierung. Da verliert auch Dirk Müller die Fassung und legt die Krawatte ab: https://www.youtube.com/watch?v=3QOqpOwpyz8

        LG Michael Stöcker

      • Matthias says:

        Guten Morgen Anna, hast Du ausgeschlafen?

        Was hast Du denn bisher geglaubt was in Syrien passiert? „Kampf um Demokratie und Menschenrechte“?

        Es geht dort nur um die Pipeline, und weil Assad sich weigert, soll er „weggemacht“ und eine willfähige Marionette installiert werden, die dem Pipelinebau dann zustimmt.

        Das ist alles! Auch Deutschland macht da leider mit, Assad zu bekämpfen, und die 1,5 Millionen Flüchtlinge, die nach Deutschland gekommen sind, sind das Ergebnis davon.

        Wenn Dich das empört, wende Dich an Merkel & Co. …. die tragen dafür die Mitverantwortung. Diese Frau grinst bestimmt gerade wieder in Kamera und redet von „Menschnrechten“ und von „Wir schaffen das“.

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