Und täglich wachsen die Schulden

Einerseits könnte ich den Blog einstellen. Es ist alles beschrieben und gesagt. Andererseits geht es mit ungebremster Geschwindigkeit weiter: Schulden, Schulden, Schulden und sollte es zum Minsky-Moment weiterer Schulden kommen, bekämpfen wir die Krise mit noch mehr Schulden! Es kann nur mit einem Krach enden. Sorry. Das mit dem Timing ist zugegebenermaßen das Problem. Damit muss ich leben.

Nun rechnet der IWF also  erneut  vor, dass wir es mit den Schulden (zu) weit treiben:

Fangen wir mit Zero Hedge an, weil da die Bilder so einfach hierher zu kopieren sind:

  • „(…) the IMF once again sounded the alarm on debt, only this time on the public side of the ledger, warning about  what else  excessive global borrowing, and noting that with a total of $164 trillion of debt, or 225% of global debt to GDP (…). 

 

Quelle: IWF

Und zeigt dazu noch, dass diese so hoch sind, wie noch nie in Friedenszeiten in den Industrieländern:

  • „In that vein (…) the fund warned there is an urgent need to reduce the burden of debt in both the private and public sectors to improve the resilience of the global economy and provide greater firefighting capability if things went wrong: Fiscal stimulus to support demand is no longer the priority,“  bto: Tja, ich denke, dass wir es zu weit getrieben haben.
  • „(…) in a blog post posted alongside the Fiscal Monitor report, IMF director Vitor Gaspar said that the United States stands out and singled out the US for criticism, warning was the only advanced country that was not planning to have a falling burden of debt because tax cuts would keep public borrowing high.“  bto: Ich denke, dieser Abbau der Schulden wird nicht stattfinden, weil wir im nächsten Abschwung alle Schleusen öffnen.

  • We urge policymakers to avoid pro-cyclical policy actions that provide unnecessary stimulus when economic activity is already pacing up, Gaspar said; what he really meant was Trump, stop what you are doing before you lead to a debt funding crisis, that finally bursts the global debt bubble.“  bto: Das ist sicherlich eine zutreffende Beobachtung.
  • „The IMF said that the interest burden has doubled in the past ten years to close to 20% of taxes, an escalating cost which reflects in part the increasing reliance on nonconcessional debt, as countries have gained access to international financial markets and expanded domestic debt issuance to nonresidents.“  bto: Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen! Die Zinslast hat sich verdoppelt, obwohl die Zinsen deutlich gesunken sind!
  • „As a result, the IMF again recommended that countries raise taxes and lower public spending to decrease annual borrowing and get the burden of debt on a firmly downward path now that there is no need for fiscal stimulus.  The few exceptions to that advice included Germany and the Netherlands, which the IMF said had ample fiscal space to boost public investment in infrastructure and enhance the long-term resilience of their economies.“  bto: Da hat der IWF aber die latenten Verbindlichkeiten bei uns für Target2, Migration, Alterung und Renten.

Auch die FT bringt es gut auf den Punkt: „The fund was concerned that an abrupt deleveraging process in the private sector could trigger another financial crisis as borrowers tightened their belts simultaneously. In the event of a financial crisis, a weak fiscal position increases the depth and duration of the ensuing recession, as the ability to conduct counter-cyclical fiscal policy is significantly curtailed, the fund said. With the global economy expanding strongly, it recommended that countries such as the US stop using lower taxes or higher public spending to stimulate growth and instead try to reduce the burden of public sector debts so that countries have more leeway to act in the next recession.“  bto: So ist es!

zerohedge.com: „IMF Sounds The Alarm On Global Debt, Warns ‚United States Stands Out‘“, 18. April 2018

ft.com (Anmeldung erforderlich): „IMF sounds alarm on excessive global borrowing“, 18. April 2018

23 Kommentare
  1. Wolfgang K. sagte:

    Hallo Herr Stelter,
    Ihr Blog ist extrem wichtig und informativ in vielerlei Hinsicht – insbesondere als unabhängige Stimme auf fachlich hohem Niveau. Für mich hier wichtiger als FAZ et.al.

    Es gibt immer wieder Phasen, in denen alles gesagt zu sein scheint – wie in der Physik vor Einstein.
    Sie zeigen uns Lesern die großen Spannungen im Finanzsystem und die Zusammenhänge auf (herzlichen Dank dafür !).

    Wann die aufgestauten Energien in Bewegung kommen (und wodurch), ist in komplexen Systemen nicht vorhersehbar.

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  2. Evi Dent sagte:

    In der obigen Tabelle werden für Deutschland im Jahr 2023 etwa 2/3 der heutigen Schulden angezeigt.
    Dann ist doch alles in Butter!
    Oder greift hier Winston Churchill´s Zitat bezüglich Statistiken?
    Oder wird dieses hehre Ziel mit einem Steuersatz von über 90% für die (schon länger) hier lebenden Menschen erreicht?

    Mir persönlich ist viel wichtiger, wie sich jede(r) Einzelne vor dem Krach, an den ich persönlich auch glaube, vorbereiten und schützen bzw. am besten retten kann .
    Immobilien? Aktien? Bargeld? Atombunker? Buddhistisches Kloster?…
    Vielleicht hat jemand ernsthafte und brauchbare Vorschläge dazu.

    Antworten
  3. Johannes sagte:

    bto: „Einerseits könnte ich den Blog einstellen. Es ist alles beschrieben und gesagt.“

    Nicht ganz, werter Herr Stelter :-)

    Mit einer gewissen, an´s morbide grenzenden Neugier ;-) bin ich gespannt, wie der „letzte Akt“ des Schuldentheaters ausklingt (so ich dieses Ende erlebe): Kommt das Helikoptergeld (und wenn ja für wen?)? Wie werden die Regierungen reagieren – kommen die befürchteten Zwangsabgaben auf Werthaltiges (z.B. Immobiliem, Edelmetalle) tatsächlich, oder trauen sich die Regierungen angesichts des ausbrechenden Zorn der Bevölkerungen vielleicht nicht zu diesem Schritt.

    All dies muss begleited, kommentiert und diskutiert werden (so es dann noch geht). Deshalb braucht es Ihren Blog und die Mitforisten.
    Beste Grüße,
    Johannes

    Antworten
    • Wolfgang Selig sagte:

      @Johannes: Sie nehmen mir das Wort aus dem Mund. Der Blog darf bitte auf keinen Fall eingestellt werden, Herr Dr. Stelter!

      Der wichtigste Zeitraum kommt nämlich erst noch. Nämlich dann, wenn der margin call wirklich eintritt. Wir werden dann in relativ kurzer Zeit relativ viel Hühnerhaufenverhalten in der Weltpolitik, in den Medien und in der Wissenschaft sehen. Dann ist es gut, wenn man sich nicht erst noch aus den Trümmern seines bisherigen Weltbildes mühsam berappeln muss, wie es vermutlich bei den meisten Zeitgenossen der Fall sein wird. Und dafür bietet dieser Blog hier eine fast einzigartige Möglichkeit im deutschsprachigen Raum, da sich andere geeignete Institutionen (z.B. Felix Zulauf, Flossbach & von Storch, Thomas Mayer, u.a.) entweder in zu kleinem Kreise oder zu technologisch äußern. Andere wiederum wie z.B. Dirk Müller oder Max Otte interessieren sich zu stark für bestimmte Wertpapiere und weniger für das große Ganze bzw. die Politik. Also bitte, führen Sie den Blog fort! Nach dem Aufräumen des margin calls ist dann immer noch Gelegenheit fürs Aufhören…^^

      Antworten
  4. Quintus sagte:

    Richtig formuliert Herr Selig.
    Auch von mir dieselbe Bitte und gleichzeitig ein großes Lob an Hr.Stelter für diesen aufklärenden Blog.
    Wir befinden uns nun in der Nachspielzeit. Da in den letzten Minuten der regulären Spielzeit bereits viele Fouls zu beklagen waren, dürfte die Nachspielzeit mehr als spannend werden…..
    Übrigens: heute stieg die 10-jährige US-Anleihe auf 2,996% und ist damit nur noch einen Wimpernschlag von der symbolisch sehr wichtigen 3%-Marke entfernt. Mithin kann es also zu Eruptionen am Anleihemarkt kommen……

    Mit freundlichen Grüßen
    Quintus

    Antworten
  5. Tandoori Chicken sagte:

    Die Qintessenz aus all dem ist, daß der Westen nicht den bereits eingeschlagenen japanischen Weg hinsichtlich der Staatsverschuldung weiter gehen sollte.

    Wie schnell eine weitere, ungeplante Zunahme von Staatsschulden in Europa und den USA zukünftig geschieht, hängt m. E. von der Intensität zukünftiger wirtschaftlicher Krisen ab, deren Ursprung ich nicht mehr in der westlichen Welt vermute (die diese aber betreffen werden).

    Ein erster Vorgeschmack diesbezüglich war die Baisse in China 2015.

    Antworten
  6. Johann Schwarting sagte:

    Der Satz:

    „Es ist alles beschrieben und gesagt.“

    ist vor langer Zeit von Paul C. Martin im Zusammenhang mit der Machttheorie des Geldes und dem Debitismus („Also alles ganz simpel“), dessen Kenntnis in mir im Hinblick auf die Zwangsläufigkeit und Unvermeidbarkeit der politischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Entwicklung eine sehr große innere Ruhe und persönliche Gelassenheit erzeugt und der im Hinblick auf die systemisch wachsenden nach Anlage suchenden Guthabensummen eine exzellente Grundlage für die entsprechende Beratung ist, formuliert worden. Es ist eine Illusion und ein vergebliches Bemühen, Prof. Fratzscher oder den stellvertretenden CDU-Fraktionsvorstand im Bundestag Dr. Linnemann („Mir ist jedenfalls kein Beispiel auf diesem Globus bekannt, wo Verschuldung zu Wachstum und Beschäftigung geführt hat. Das Gegenteil ist richtig.“), überzeugen zu wollen. Die gegenwärtigen lokalen und globalen Entwicklungen zeigen mir die Gültigkeit des Satzes: „Und über allem schwebt der Debitismus, der seine Zyklen abspult, egal welche Tricks die Politik anwendet.“ von @Phoenix5 aka Stefan Gruber, Wien.

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  7. eurosklerose sagte:

    Der EZB – Leitzins bei 0% lt. Mario Draghi „für lange Zeit“ ist nur der äußere Ausweis dessen, daß Europa vergleichbar wie Japan aufgehört hat, in der Welt noch eine führende wirtschaftliche Rolle spielen zu wollen.

    Zukünftig Währungspolitik nur noch durch Maßnahmen zur Währungsschwächung wie Anleihenkaufprogramme und Negativzinsen.

    Langsam sollte jedem klar sein, daß die Musik in der Welt anderswo spielt und die Zukunft nicht mehr hier liegt.

    Deshalb kann man den Euro auch rückabwickeln, weil nicht jedes Land in Europa derart abgewirtschaftet ist, daß es einer Geldpolitik für überschuldete Staaten bedarf.

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  8. Dietmar Tischer sagte:

    Es ist längst nicht alles beschrieben und gesagt.

    Denn es wird ZUKÜNFTIG so viel geschehen, dass viel zu beschreiben und zu sagen sein wird.

    Ich schließe mich hier @ Johannes, Wolfgang Selig und Quintus an und würde mich freuen, wenn der Blog weiterbestünde.

    Hier meine Sicht, was wir zu erwarten haben auf den unterschiedlichen Handlungsebenen:

    INNENPOLITISCH werden die Verteilungskonflikte beschleunigt zunehmen und die Tendenz zu politischer Instabilität wird sich verfestigen. Belege dafür erspar ich mir, ist am Blog bereits weitreichend diskutiert worden

    Die EU/EUROZONE betreffend kommen wir auf die Zielgeraden. Es muss jetzt KONKRET festgelegt werden, wie die Risiken neu verteilt (Bankenunion) und Transfers (Europäischer Währungsfonds) organisiert werden. Der Nebel wird sich lichten bezüglich des Weges, den die einzelnen Nationalstaaten gehen wollen und der nationalen Parlamente bezüglich inwieweit sie ihren Regierungen folgen.

    INTERNATIONAL wird die Verschuldung weiter wachsen und der Protektionismus zunehmen mit der Folge weiterer Ungleichgewichte.
    Die Risiken nehmen rund um den Globus zu, wobei nicht zu erkennen ist, wo genau die Bruchstelle sein wird (China, Eurozone, USA, Naher Osten, Türkei …)

    In der Summe:

    Es wird spannend auf allen Ebenen – monetär, politisch, wirtschaftlich.

    Die Lösungen werden zum einen im Regulatorischen und da im Kleingedruckten hochgradig komplexer und vor allem interpretationsfähiger Verträge gesucht werden.

    Selbst für die interessierte Öffentlichkeit wird es da sehr schwierig, überhaupt noch einigermaßen durchzublicken.

    Auf jeden Fall ist akribische Detailanalyse gefragt.

    Die monetäre Lösung kann m. A. n. nur im Paradigmenwechsel vom Schuldgeld zu Helikoptergeld liegen. Es ist die naheliegende und erfolgversprechende Lösung – die Risiken werden selbstverständlich ausgeblendet. Wie das erfolgen soll, ist mir nicht klar. So wie in Japan wird es in Deutschland jedenfalls nicht ablaufen. Es wird vermutlich erhebliche Diskussionen geben und die werden sich hochschaukeln, weil die Widestände hierzulande erkennbar hoch sind.

    Auf diesen Feldern kann noch viel geschehen bis es zu einem Crash kommt.

    Politisch ist das m. A. n. ganz anders.

    Denn STABILISIEREN bringt die Wirtschaft nicht auf einen hinreichenden WACHSTUMSKURS (wenn der, wie erforderlich, überhaupt erreichbar ist).

    Deshalb liegt das größte Risiko bzw. die höchste Wahrscheinlichkeit für Disruption bis zum Crash im Wirtschaftlichen und daraus folgend im Politischen.

    Antworten
  9. Alexander sagte:

    Wenn die Lage nicht zu retten ist, betreibt man habituellen Widerstand und rettet standhaft Reputation und Qualifikation für die Zeit nach dem Irrsinn.

    „Gute Ideen können auf Dauer nicht niedergelogen werden“
    Otto v. Bismarck

    Sie haben vielen Leuten durch ihre Arbeit geholfen ihre Position zu verfeinern, richtige Überlegungen bestätigt und Faktenwahrheit aufrecht erhalten. Auf alle diese Fähigkeiten wird man gesellschaftlich zurückgreifen wollen, wenn das Zeitalter der infantilen Politikdarsteller ohne Gewicht seinen Weg in den Ausguss gefunden hat.

    Danke

    Antworten
    • Johann Schwarting sagte:

      @Alexander

      Ich denke, dass wir vom Politiker-Bashing Abschied nehmen sollten. Die Politiker sind heutzutage nur noch Schauspieler. Es ist sowieso egal – die Beraternetzwerke haben mehr denn je freie Hand. Die ehemaligen Bundestagsabgeordneten Wolfgang Bosbach und Christian Ströbele haben sich in ‚Mensch, Macht, Demokratie‘

      https://www.youtube.com/watch?v=tS-5Sncdt7s

      schon offenbart (00:25:00 bis 00:27:30) – in gerade einmal zweieinhalb Minuten:

      BOSBACH: „Es ist ein klassischer Fall objektiver Unmöglichkeit, alles zu lesen und dann auch noch gedanklich zu durchdringen, was man als Abgeordneter an Vorlagen an Ausschussdrucksachen bekommt und deswegen muss man sich ja gerade in vielen Fällen auf diejenigen verlassen, die die Detailkenntnisse haben müssen, weil es deren Thematik ist.“

      STRÖBELE: „Zumal es ja häufig ja auch nicht für alle zu verstehen ist. Ich gebe ohne Weiteres zu – ich bin nun selber Jurist – das sind ja aber in der Regel juristische Texte und sich dadurch zu quälen, also wir haben bei der Gesundheitsreform, bei anderen auch – bei dem Europäischen Rettungsschirm – manchmal ein paar Tage vorher oder manchmal am Abend vorher, so einen Haufen Papier bekommen und es wäre überhaupt nicht möglich auch das nur zur Kenntnis zu nehmen, geschweige denn zu verstehen. … Das geht nicht, es ist in der Tat so, man muss sich konzentrieren und das bedeutet dann, wenn das wichtige Themen sind, die nicht in die eigene Fachkompetenz fallen, dass man natürlich auch Nachtschichten machen muss. So ist das – die Bürgerinnen und Bürger sehen das alles nicht – sie sehen uns dann nur am nächsten Tag da im Plenum sitzen und dann irgendwo die Hand heben oder mal klatschen, aber das setzt unendlich viel Arbeit voraus, aber völlig richtig, wenn ich mal abschätze, wieviel ich jetzt weiß von den Gesetzen, die ich mit verabschiedet oder wesentlich gestemmt habe, dann ist das vielleicht ein Fünftel oder Zehntel höchstens, das ich da durchblicke.“

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        Konstruktiver Beitrag, der zum Nachdenken aufruft.

        Die FUNKTIONALITÄT scheint mittlerweile so einseitig auf den BEDARF der Regierenden zugeschnitten zu sein, dass selbst seriöse, engagierte Leute – rechne Ströbele dazu, auch wenn ich ganz sicher viele seiner Auffassungen nicht teilen würde – kapitulieren MÜSSEN.

        Im GRUNDE reduziert sich Demokratie damit auf SYSTEMSTABILITÄT.

        Die Regierung gibt gerade noch die Richtung vor und, ganz richtig, den Rest erledigen Beraternetzwerke, internationale Großkanzleien und ein Heer von Ministeriumsbeamten, die auf Sicherheitsmechanismen hinsichtlich Unangreifbarkeit adjustieren.
        Oberste Maxime dabei:

        Es muss sich in der Öffentlichkeit gut verkaufen lassen.

        Das scheint so zu sein, EGAL welche Partei oder Parteienkonstellation die Mehrheit hat und die Regierung stellt.

        Sicher, es gibt da ganz erhebliche Unterschiede, die sich natürlich auch auswirken – gut so.

        Aber die Mechanismen und Verantwortlichkeiten sind dennoch gleich.

        Das ist alarmierend.

      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Ein Geschäftsführer entschuldigt die Konkursverschleppung in den totalen Bankrott (konsumieren jeglicher Werte) mit Systemstabilität? Der Baulöwe Schneider hat bestimmt so gedacht und ging trotzdem in eine JVA. Nachher empfand der diese Lösung – erlösend.

        Zu einer Zeit, als die Folgen der Industrie 3.0 binnen 10 Jahren die Unternehmensschulden halbierten (Quelle BIS) zog die Massenkaufkraft an und die Wirtschaft wuchs – trotz Schuldenabbau! Das war die Zeit als sich Bürger gegen eine Volkszählung wehrten…

        Der Unterschied zur Gegenwart ist deutlich, trotz aller Ankündigungen.
        Ich fürchte, die Politik spiegelt die Gesellschaft gefährlich getreu. Es liegt nicht nur am Trainer, die ganze Mannschaft hat Probleme und neue Spieler auf Warteschleife in Containerunterkünften sind keine Lösung, zumindest nicht in der ersten Welt.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        >Ein Geschäftsführer entschuldigt die Konkursverschleppung in den totalen Bankrott (konsumieren jeglicher Werte) mit Systemstabilität?>

        Das spiegelt nicht das praktischen Leben, jedenfalls nicht das von politischen Entscheidern.

        Vielmehr anders herum:

        Das System muss stabilisiert werden. Wenn nicht, gibt es ein Riesendesaster mit Folgen, die nicht mehr kontrollierbar sind. Aber natürlich hat auch jede Stabilisierung ihre Folgen. Wenn die auftreten und wiederum Stabilisierung verlangen, dann wird wieder stabilisiert.

        Das ist der Modus, in dem die Welt ist.

        Natürlich kann es irgendwann dazu kommen, dass nichts mehr zu stabilisieren ist. Konkurs eben.

        Klar, wird dann rückblickend gesagt, HÄTTE man damals …

        Das ist nicht falsch, aber zugleich akademisch.

        Denn wenn man PERMANENT im Stabilisierungsmodus ist oder zu sein glaubt, dann gibt es keine Alternativen, zumindest keine schmerzlosen.

        Das ist der UNTERSCHIED zu der unmittelbaren Nachkriegszeit.

        Die USA hatten nach dem Krieg einen gigantischen Schuldenberg abzubauen – und schafften es.

        Da musste allerdings viel zusammenkommen, u. a. die unglaubliche Nachfrage nach langlebigen Wirtschaftsgütern, eine stark zunehmende Produktivität, Innovationen etc.

        Unterm Strich: Hohe Wachstumsraten haben das Wunder bewirkt.

        Dafür fehlen heute in den entwickelten Volkswirtschaften alle, aber auch ALLE Voraussetzungen.

      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Die Umstellung auf elektronische Datenverarbeitung betrachte ich als Industrie 3.0. Das fand in den 1980ern statt, während des ersten Golfkrieges, nach den Ölkrisen inmitten einer Hochzinsphase..

        Sie schaffen eine Entschuldigung, wo nichts zu entschuldigen ist – außer wir schaffen Haftung ab. Wer nicht willens ist seine Systeme regelmäßig zu warten und immer weiter wurstelt, erlebt den vollständigen Absturz als Basis für Neustart.
        Wer darüber hinaus alle Wurzeln für Wohlstand untergräbt:
        -Demographie
        -Bildung
        -Infrastruktur
        -inneren Frieden
        -Rechtssicherheit
        -Rechtsstaatlichkeit
        …darf sich nie beklagen. Deshalb ist es notwendig ständig auf richtigen Erkenntnissen zu beharren und dieser kindischen Dummheit keinen Raum für Propaganda – wir schaffen das.- zu lassen.

        Pessimistisch halte ich die Krisen sogar für gewollt, man stellt alle Zähler auf null und regiert weiter. Die verantwortlichen Beamten vor 1945 waren nach dem 08.05 immer noch nicht zu ersetzen – wie die z.B. Claudia Roth in 2022. Das kommt davon, wenn man Haftung aussetzt. Jeder verantwortet sein tun, nicht nur der Steuerzahler dem Finanzamt gegenüber…

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        Wir reden aneinander vorbei.

        Sie:

        >Wer darüber hinaus alle Wurzeln für Wohlstand untergräbt …darf sich nie beklagen.>

        Das ist auch meine Meinung.

        Freiheit und Haftung – da gibt es keine Entschuldigung.

        Wer das eine will, muss auch das andere wollen, wenn das Ganze funktionieren soll.

        Daher rede ich auch nicht über Entschuldigung, wie Sie mir unterstellen, oder – wie andere – über Schuld.

        Vielmehr:

        Ich versuche zu ERKLÄREN, WAS ist und WARUM sich die Dinge mit Bezug auf die Entscheider so entwickeln, wie es der Fall ist.

        Es mag falsch sein, davon auszugehen, dass die entwickelten Volkswirtschaften mehr oder weniger in einem PERMANENTEN Stabilisierungsmodus sind. Argumentierbar ist es allemal.

        Wenn sie in diesem Modus sind, dann ist damit ein ZIEL verbunden, nämlich Destabilisierung – aller historischen Erfahrung nach etwas Verheerendes – zu verhindern.

        Das muss man einfach einmal anerkennen.

        DANN – und ehrlicherweise NUR dann – kann man immer noch werten, etwa derart:

        Noch schlimmer ist es den Konkurs NICHT zuzulassen, d. h. HAFTUNG zu verweigern.

        Ab hier kann man diskutieren.

        Dazu gehört dann auch, warum anscheinend immer wieder Freiheiten verlangt und ausgeübt werden, aber die Haftung gern anderen überlassen wird, allem voran dem Staat, wenn die Dinge schief laufen.

        Und:

        Warum sie dann möglicherweise noch schiefer als schief laufen.

      • Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Danke für ihren Hinweis, wir reden nicht aneinander vorbei – wir verstehen die Zusammenhänge unterschiedlich, denn wir gehören unterschiedlichen Altersgruppen an….

        Ich schulde dem System nichts und seine Stabilisierung schadet meinem Leben. Die Geschichte vom Sozialsystem als Staatszweck ist m.E.n. genauso gelogen, wie die Marktwirtschaft mit sozialem Antlitz.

        Zweifelsfrei werden Bürger bewirtschaftet und mit Steuern bzw. Anreizen gelenkt & per Medien phantastisch getuned. Trotzdem scheitert das System an Unfinanzierbarkeit und man lässt sich das Gefallen da soziale Sicherheit alternativlos ist.

        Kein Preis (Operationskosten, Steuern, Rentenbeitrag) kann geprüft werden. Alle wichtigen Preise kennen nur eine Richtung. Man muss es glauben und genug Geld zahlen um Leben zu dürfen. In den USA sind es glatte Phantasiezahlen – z.B. f. einen Kaiserschnitt + Nachbetreuung. Nur Leben kann zu teuer werden, aber Kredit gibt es? Ist Alphabetisierung + Lebenserwartung der Unterschied zum südamerikanischen Landarbeiter, der Kampf vom 1. zum 1. derselbe?
        (Das schreibe ich als Libertärer.)

        Nun erfordert die Bankenkrise unbegrenzte Feuerkraft von Notenbanken + unbegrenzte Haftung durch die Steuerzahler der Staaten? Bei den Zweckvehikeln und finanziellen Massenvernichtungswaffen könnte man genauso gut das Tote Meer austrinken und keinen Erfolg haben.

        Wohin führen uns die Altvorderen mit ihrer Stabilisierung? Ätschi Bätschi, wir schaffen das…

        Aus meiner Sicht in den Bankrott und meine Frage lautet – cui bono? Gemeinwohl ist es nicht, auch wenn viele Wähler nur an ihre Rente denken.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Alexander

        Mag sein, dass wir die Zusammenhänge unterschiedlich verstehen, auf jeden Fall reden wir aber aneinander vorbei.

        Sie sagen:

        >Wohin führen uns die Altvorderen mit ihrer Stabilisierung? … Aus meiner Sicht in den Bankrott und meine Frage lautet – cui bono?>

        Kann sein, ich will nicht widersprechen. Und fragen können Sie das natürlich auch.

        Das ist aber nicht MEIN Punkt.

        Ich frage, WARUM geschieht, was geschieht.

        M. A. n. lautet die Antwort darauf:

        Niemand, weder mehrheitlich die Bevölkerung, noch die Regierung will einen Bankrott JETZT, weil das als ein nicht hinnehmbares Schadensereignis angesehen wird – daher also Systemstabilisierung.

        Wohin das führt und ob es letztlich überhaupt einem nützt, betrifft ANDERE Fragen.

        Nochmals die Analogie:

        Das Boot droht zu kippen, alle Anstrengungen werden unternommen, es zu stabilisieren.

        Das ist so, geradezu ein Reflex.

        WOHIN das Boot fährt, und ob es nicht VERNÜNFTIGER wäre, es kippen zu lassen und zu versuchen an Land zu schwimmen, WENN man nachdenkt und dabei zu der Überzeugung gelangt ist, dass ein stabilisiertes Boot geradewegs auf die Niagara Fälle zusteuert, ist eine ganz ANDERE Frage.

        Und natürlich eine SEHR berechtigte.

        Und zugegeben: Für jüngere Menschen ist das eine sehr viel relevantere Frage als für ältere.

        Dennoch:

        Man muss die Fragen analytisch trennen, sonst macht die Diskussion nicht viel Sinn.

  10. Carsten Pabst sagte:

    Sehr geehrter Dr. Stelter,
    von Mark Twain stammt folgender Satz:
    Sammle erst die Fakten, dann kannst du sie verdrehen, wie es dir paßt.
    Sie sammeln Fakten und bennen sie auch in Ihren Beiträgen, ohne diese zu verdrehen. Das Verdrehen von Fakten wird auf politischer Ebene in den nächsten Jahren sehr wahrscheinlich stark zunehmen. Insofern ist Ihr Blog unerlässlich und legt hoffentlich weiterhin die Finger in die Wunde(n).
    Und der Handwerker in mir sagt: Man lässt nicht das Messer in der Sau stecken und veabschiedet sich. Und ich denke auch nicht, dass Sie das ernsthaft in Erwägung gezogen haben.
    Freundliche Grüße
    Carsten Pabst

    Antworten
  11. Alex sagte:

    Das amüsante an der Sache mit den Schulden ist m.A.n. eine gewisse Ignoranz Deutschlands. Globale Finanzströme die nachteilig für Deutschland sind betreffen einen einfach nicht. Aus mannigfaltigen Gründen wird auf das Ausland geschimpft und dabei vergessen, dass man gemeinsam im Sumpf steckt. Und dann fällt einem nur ein zu sagen, dass die Anderen einen mit hineingezogen haben.

    Antworten

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