Beim nächsten Mal wird es schlimmer als in der großen Depression

Das komische Gefühl bleibt. Zehn Jahre „nach“ der Krise fühlt es sich immer noch nicht gesund an. Wie sollte es auch. Wir sind ja nicht nach der Krise, sondern mitten drin. Mein Bilderbuch (→ Die Krise ist … ) zeigte das schon 2014.

Auch gibt es genügend Indikatoren für ein sich vergrößerndes Problem, wie in einigen der letzten Beiträge schon diskutiert. Hier nun Ambroise Evans-Pritchard mit einer für ihn typischen knackigen Zusammenfassung:

  • „The world’s major economies are skating on dangerously thin ice and lack the fiscal, monetary, and emergency tools to fight the next downturn. A roster of top crisis veterans fear an even more intractable slump than the Lehman recession when the current ageing expansion rolls over. The implications for liberal democracy are sobering.“ – bto: a) richtig; b) vor allem für solche Traumtänzer wie uns Deutsche. Wir werden voll erwischt werden.
  • We have no ability to turn the economy around, said Martin Feldstein, President of the US National Bureau of Economic Research. (…) a former chairman of the White House Council of Economic Advisors, described a bleak scenario more akin to the depressions of the 1870s or the 1930s than anything experienced in the post-War era. He warned that a decade of super-low interest rates and monetary stimulus by the US Federal Reserve has pushed Wall Street equities to nose-bleed levels that no longer bear any relation to historic fundamentals. Stock prices will inevitably come plummeting back down to earth.“ – bto: wobei Auslöser und Timing natürlich völlig offen sind.
  • „(…) the next bear market – most likely triggered by a spike in 10-year Treasury yields – risks setting off a $10 trillion crash in US household assets. The cascading ‘wealth effects’ will drain the retail economy of $300bn to $400bn a year, causing recessionary forces to mestasasize.“ – bto: was ich als Margin Call bezeichne, die klassische Schuldendeflation.
  • „The eurozone faces an even worse fate when the global cycle turns since the European Central Bank has yet to build up safety buffers against a deflationary shock. The half-constructed edifice of monetary union almost guarantees than any response will be too little, too late.“ – bto: Das sehe ich genauso. Allerdings dürfte es das realistische Szenario geben, dass die Bundesregierung alles stillschweigend mitgeht und die Öffentlichkeit es ohnehin nicht interessiert.
  • „Mario Draghi is going to be very happy when he has left the ECB because it is not clear how they are going to get out of this when they still have zero rates. They can’t play the trick of the cheap euro again, (…)  It is striking that bond yields are still negative on maturities of five years or more in Austria, Belgium, Finland, Germany, Ireland, and the Netherlands (though not in France any longer, interestingly). This is evidence of a profound structural malaise.“ – bto: Und die haben wir ja auch!
  • „Olivier Blanchard, ex-chief economist of the International Monetary Fund, said the US has big enough buffers to cope with a run-off-the-mill recession (…). While the Fed’s balance sheet is already “scary” at $4.2 trillion after previous rounds of quantitative easing, it could go a lot higher. (…) the Fed could buy equities. The Bank of Japan already does this. It is the biggest holder of exchange traded funds on the Tokyo bourse. (…) The Fed could even print helicopter money to fund the fiscal deficit directly, an idea floated by academics after the last crisis but deemed too radical for the political system.“ – bto: Ich zweifle überhaupt nicht daran, dass die Fed es mit aller Radikalität versuchen wird, die deflationäre Depression zu stoppen.
  • „While the US could in theory experiment with helicopter money, (…) It would be a last resort. In the eurozone it would be completely impossible under EU treaty law and the restrictive fiscal rules of the Stability Pact.“ – bto: Das glaube ich nicht. Sie werden alle Regeln über Bord werfen.
  • „Mr Blanchard said it took at least 850 basis points of rate cuts to fight the post-Lehman recession – directly or synthetically through bond purchases under the Wu-Xia model – and this is clearly not available now. His advice is to delay monetary tightening and run the US economy hot until it is safely out of the deflationary doldrums.“ – bto: was sie nicht sein kann, da das Entscheidende nicht die Inflationsrate, sondern der Schuldenstand ist!
  • „What saved capitalism in 2008 were lightning-fast moves by the Fed and the US Treasury to shore up the markets for commercial paper and the asset-backed securities markets, and to stop a run on the money market industry. (…) The tougher rules constrain the Fed’s ability to halt fire-sale liquidation. The Dodd-Frank Act stops it rescuing individual companies in trouble (there must be at least five, and they must be solvent) or lending to non-banks. The Fed cannot issue blanket guarantees of bank debt and money market funds. It can lend only to ‘insured depository institutions’.“ – bto: Ich denke trotzdem, dass die Regeln schnell gebrochen werden, wenn es darauf ankommt.
  • „The worrying question is whether Mr Trump would refuse to “bail out” Europe in a crisis – deeming it their own problem – or might try to use this enormous power as leverage for political or trade policy objectives. In short, it is no longer clear that there is a lender-of-last resort standing full square behind the dollarized global financial system and able to act instantly in a crisis.“ – bto: und das bei rekordhohen Schulden!

The Telegraph: „The next downturn could rival the Great Depression and wipe $10 trillion off US household assets“, 17. September 2018

Kommentare (19) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    SB sagte:

    @Dietmar Tischer:

    „Es gibt diese Menschen. Wir haben relativ große Demonstrationen gesehen, die zumindest unter humanitären Gesichtspunkten und z. T. auch mit dem Verständnis einer Bereicherung unserer Gesellschaft durch Vielfalt für offene Grenzen geworben haben.“

    Das ist auch völlig in Ordnung (wenn auch infantil). Allerdings sind Demonstrationen pro oder contra irgendetwas nicht der Maßstab für das Regierungshandeln, sondern das geltende Recht. Demonstrationen können nur ein Stimmungsbarometer sein. Im „Neuen (Merkel-) Deutschland“ allerdings sind die nicht mal das mehr, denn sie sind großteils staatlich gelenkt und subventioniert.

    „Aber ein klares Mandat wird damit gesetzt werden, wenn es z. B. nach der nächsten Wahl zum BT zu einer Koalition CDU/CSU + GRÜN + SPD käme, genauso wie wenn die Koalition aus CDU/CSU + FDP + AfD (ohne rechten Rand) gebildet würde.“

    Das ist richtig, kann aber nicht den Umstand heilen, dass Merkel und ihre linksgrüne Entourage ihr demokratisches Mandat nicht nur vor der nächsten Bundestagswahl (= 2017) massiv überdehnt, sondern zusätzlich massiv gegen das geltende Recht verstoßen haben. Letzteres bliebe übrigens auch nach einer Wahl solange der Maßstab für das Regierungshandeln, bis es auf demokratischen Wege entsprechend abgeändert wurde. Hält sich eine Regierung nicht an diesen demokratischen Grundsatz, verliert sie ihre demokratische Legitimation, denn sie handelt undemokratisch. Verliert sie ihre demokratische Legitimation, verliert sie ihre Sonderstellung. Merkel hat während ihrer Amtszeit unter Missachtung dieses Grundsatzes nicht nur in Sachen „Flüchtlingen“ Fakten gegen geltendes Recht geschaffen. In dem Fall, dass die Politik Recht bricht, verliert sie im Übrigen grundsätzlich ihre Sonderstellung. Diese kann auch nicht dadurch aufrechterhalten werden, dass ein ggf. großer Teil der Menschen diese Politik gutheißt.

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  2. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Ich verstehe nicht, wie überhaupt jemand glauben kann, dass die Regeln nicht gebrochen werden, wenn viel auf dem Spiel steht.

    Das Brechen von Regeln hat natürlich seinen Preis, u. a. Vertrauensverlust.

    Aber wenn es mit Billigung und gar auf Anweisung von ganz oben erfolgt, ist das erst einmal kein Problem.

    Denn die Sanktionierung der verantwortlichen Regelbrecher ist praktisch nicht möglich.

    Wenn überhaupt, wird erst später sanktioniert – und dann auch noch falsch, wenn das System infrage gestellt wird.

    Denn das fördert Instabilität und ändert nichts zum Besseren.

    Wir erleben es gerade, müssen da gar nicht die USA bemühen.

    Man betrachte nur die Eurozone:

    Vom ersten Verstoß gegen die Maastricht Kriterien bis heute ein Dahingewürge ohne Perspektive und Zukunft.

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    • Avatar
      ikkyu sagte:

      @ D. Tischer

      Warum darf dann der einzelne Bürger nicht die Regeln brechen, wenn viel für ihn auf dem Spiel steht?

      Ich frage mich auch, wohin ihr Radikal-Pragmatismus ohne Ehre letztendlich führt, wenn zusätzlich zum wirtschaftlichen Zusammenbruch (der doch so oder so irgendwann kommt) auch noch das Vertrauen der Bevölkerung in die Integrität staatlicher Institutionen zusammenbricht?

      Meine Prognose:
      Die Leute werden sich irgendwann nichts mehr vorschreiben lassen und ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Dann geht´s wieder zurück zum Stamm!

      Antworten
      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        >Warum darf dann der einzelne Bürger nicht die Regeln brechen, wenn viel für ihn auf dem Spiel steht?>

        Sehr berechtigte Frage.

        Eigentlich müsste auch er die Regeln brechen dürfen, wenn z. B. Frau Merkel auch nur ein Mensch wie jeder Bürger ist.

        Wenn jeder Bürger die Regeln brechen dürfte, hätten wir Anarchie, also Dysfunktionalität (wenn wir einmal ausblenden, dass es vielleicht so etwas wie instinktives Regelverhalten gibt, das die Dinge einigermaßen einschätzbar am Laufen hält, ohne sich dabei in einem strengen Sinn an Regeln gebunden zu verstehen).

        Wenn Politik so verstanden wird, wie ich sie beobachtend verstehe, nämlich als Bemühen, die Stabilität des GANZEN zu sichern, sind deren Top-Entscheider in einer ANDEREN Position als der einzelne Bürger. Dieser haben nicht die Aufgabe, gesellschaftliche Stabilität zu sichern.

        Damit hat das Verhalten der Politiker einen anderen PRAKTISCHEN Stellenwert, was eben auch andere Sanktionsmechanismen beinhaltet.

        Allerdings, damit es keine Missverständnisse gibt:

        Lügen z. B. ist moralisch verwerflich, egal ob Sie oder ich lüge oder Herr Juncker.

        >Ich frage mich auch, wohin ihr Radikal-Pragmatismus ohne Ehre letztendlich führt, … >

        Er führt zu einem Vertrauensverlust, der fatal ist, weil Vertrauen konstitutiv für eine einigermaßen gut funktionierende Gesellschaft ist. Wenn alles gut läuft, wird nicht so genau hingeschaut, ob Regeln gebrochen werden oder nicht – da mag dies nicht so zutage treten. Wenn die Dinge selbst bei größten Anstrengungen der Regierenden als sich schlecht entwickelnd von den Menschen empfunden werden, sieht die Sache jedoch anders aus.

        Dann, richtig, nehmen die Leute ihr Schicksal irgendwann selbst in die Hand.

        Das beginnt ganz harmlos, etwa damit, dass Menschen sogenannte Bürgerwehren aufstellen, die nachts durch die Straßen patrouillieren, um für Sicherheit zu sorgen.

        Dabei wird es nicht bleiben, wenn die Politik nicht liefern kann.

        Und es kann ganz schnell ganz schlimm werden, wenn sie dabei – ersichtlich für jeden – auch noch die Regeln bricht.

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        SB sagte:

        @Ikkyu:

        „Meine Prognose:
        Die Leute werden sich irgendwann nichts mehr vorschreiben lassen und ihr Schicksal selber in die Hand nehmen. Dann geht´s wieder zurück zum Stamm!“

        Das machen einige Bevölkerungsgruppen in Deutschland schon längst, insbesondere solche aus dem Zuwanderungsmilieu (Araber-Clans,Türken-Mafia, PKK-Mafia etc.). Bei den Deutschen, die extrem auf den Staat abstellen (Obrigkeitsgläubigkeit), braucht es da viel mehr, als die bisherigen Umstände. Und es kommt noch ein weiterer, erschwerender Umstand hinzu: Die Deutschen sind Individualisten, was die Rechtsverfolgung und -durchsetzung angeht. Anders als die zuvor genannten Gruppen. Sie können dem Staat deshalb nichts wirklich Elementares (= Gegenmacht) entgegensetzen. Das funktioniert nur, wenn alle an einem Strang ziehen (Clan, Stamm oder wie auch immer man das nennen will). Das heißt allerdings nicht, dass es nicht auch bei den Deutschen soweit kommen kann.

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        SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        „Wenn Politik so verstanden wird, wie ich sie beobachtend verstehe, nämlich als Bemühen, die Stabilität des GANZEN zu sichern, sind deren Top-Entscheider in einer ANDEREN Position als der einzelne Bürger. Dieser haben nicht die Aufgabe, gesellschaftliche Stabilität zu sichern.“

        Was aber, wenn die Politik ihre Aufgabe nicht mehr darin sieht, die Stabilität des Ganzen zu sichern, sondern das genaue Gegenteil beabsichtigt und tut und dazu ganz offensichtlich die Regeln bricht, lügt, trickst, täuscht und alle „Abweichler“ diffamiert? Genau dies ist jedenfalls in D unter der Führung von Merkel der Fall. Dann hat die Politik ihre Sonderstellung verloren.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ SB

        >Genau dies ist jedenfalls in D unter der Führung von Merkel der Fall. Dann hat die Politik ihre Sonderstellung verloren.>

        Nein.

        Politik kann NIE ihre institutionelle Sonderstellung in Form einer Regierung verlieren, weil IMMER – in Gesellschaften wie unseren – regiert werden muss, d. h. jemand sich ums Ganze kümmern muss.

        ABER, funktionale Entwicklungen:

        Wenn die Regierung nicht mehr die mehrheitlichen Erwartungen der Bevölkerung erfüllt, etwa in Sachen innerer Sicherheit, dann erfolgt entweder

        a) Entscheidung für eine andere Politik, aber immer noch Politik im selben System, d. h. grundsätzliche Akzeptanz der Sonderstellung von Politik

        ODER

        b) Entscheidung für ein anderes System und damit eine andere Politik auf völlig anderer Grundlage (Änderung der Verfassung, Abschaffung der Gewaltenteilung etc.)

        Das sind die beiden Varianten von „Merkel muss weg“.

        Bei b) GLAUBEN die Menschen, dass der Politik – jedenfalls der erlebten Politik – keine Sonderstellung zukomme und sie HANDELN daher durch Wechsel zu einem anderen System (schleichende oder offene Revolution).

        Wenn Sie das meinen, haben Sie recht.

        Aber auch unter b) wird der Politik eine Sonderstellung zukommen müssen.

        Funktionale Erfordernisse kann man nicht eliminieren, wenn man nicht Dysfunktionalität, in vorliegenden Fall gesellschaftliches Chaos, schaffen will.

        Utopisten sehen das natürlich anders.

      • Avatar
        SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        Den Verlust der Sonderstellung wollte ich nicht formal verstanden wissen (= Abwahl, Revolution). Die formale Sonderstellung der Politik ist aufgrund der vorausgegangenen Wahl(en) selbst hinsichtlich der Merkel-Regierung noch vorhanden.
        Ich wollte eher darauf abstellen, dass die Ziele der Regierungspolitik und das davon abgeleitete Regierungshandeln an sich ihre Sonderstellung verlieren (können), wenn diese ihrem Zweck, nämlich die Stabilität des Ganzen zu sichern und den Wohlstand ihrer Wähler zu mehren, nicht mehr dienen.
        Dieser Zweck bestimmt sich übrigens aus den Regeln des Grundgesetzes: Er findet sich in der Formulierung des Amtseides wieder.
        Zur Merkel-Regierung: Möge jeder für sich subsumieren, ob die Energiewende, die Euro“rettung“, das Zerstören der deutschen Autoindustrie und vor allem die Einladung von Millionen kulturfremder, ungebildeter Migranten diesem Zweck förderlich ist.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ SB

        >Ich wollte eher darauf abstellen, dass die Ziele der Regierungspolitik und das davon abgeleitete Regierungshandeln an sich ihre Sonderstellung verlieren (können), wenn diese ihrem Zweck, nämlich die Stabilität des Ganzen zu sichern und den Wohlstand ihrer Wähler zu mehren, nicht mehr dienen.>

        Ich denke, dass ich verstehe, was Sie meinen.

        Ich würde nur sagen, dass ENTSCHEIDEND ist, wie die Menschen urteilen:

        Ja, die Regierung sichert die Stabilität des Ganzen und damit auch mein Umfeld so, dass ich nichts zu beanstanden habe ODER eben nicht, so dass ich auf Veränderung poche.

        Im letzteren Fall verliert bei entsprechender Mehrheit die BETRIEBENE Politik, eben die Regierungspolitik an Zustimmung und die Politiker werden abgelöst.

        Ob die Regierung entsprechend ihrem Amtseid handelt oder nicht, ist schwer zu sagen, wenn sie nicht gerade einen Krieg anzettelt.

        Denn den UMSTÄNDEN nach, unter denen jede Regierung handeln MUSS, ist nicht (immer) leicht festzustellen, ob eine Regierung entgegen ihrem Amtseid gehandelt hat, wenn die Bevölkerung viel an deren Handeln zu beanstanden hat.

        Man kann ja sagen, dass Merkel ihrem Amtseid, Schaden vom deutschen Volk abzuwenden, nicht gerecht geworden ist, weil sie im Sept. 2015 die Grenzen nicht geschlossen hat mit der Folge hoher Belastungen für die Bevölkerung.

        Kann man sicher sein, dass es keinen Schaden gegeben hätte und wenn doch, dieser nicht GRÖSSER wäre, wenn sie die Grenzen geschlossen hätte?

        Wir wissen es nicht, weil dies ein Counterfactual ist, dem keine Beweislast zukommen kann.

        Aber denkbar ist schon und ausgeschlossen ist es auch nicht, dass Merkel großen Schaden vom deutschen Volk abgewiesen hat indem sie die Grenzen nicht geschlossen hat.

        Schlüssig lässt sich das, wenn überhaupt, nur an der zukünftigen Entwicklung in Deutschland und Europa ableiten.

        Historiker können das, aber nicht Wähler.

        Daher wird demnächst die Zeit für Merkel abgelaufen sein.

      • Avatar
        SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        „Ich würde nur sagen, dass ENTSCHEIDEND ist, wie die Menschen urteilen:“

        Das ist richtig. Denn davon hängt ab, ob es nach den nächsten Wahlen ein „Weiter so“ gibt (wie 2017 ff.) oder nicht.

        „Schlüssig lässt sich das, wenn überhaupt, nur an der zukünftigen Entwicklung in Deutschland und Europa ableiten. Historiker können das, aber nicht Wähler.“

        Das sehe ich nicht so. Wenn dem so wäre, wären Wahlen komplett überflüssig, da die Wähler ohnehin nicht beurteilen können, was (künftig) gut für sie ist und was nicht. Dann müssten „Experten“ die Regierung bestimmen.
        Regierungspolitik und – handeln bringt nicht nur künftige Entwicklungen, sondern auch solche mit direkter Wirkung. Wenn man die Grenzen nicht schützt, laufen eben – erst recht nach Selfie-Einladung – innerhalb kürzester Zeit Millionen Menschen illegal ins Land. Kommen die dann noch aus dem unteren Milieu kulturfremder Länder, kommt es alsbald zu wesentlich erhöhter Kriminalität und dauerhaft immensen Kosten – beides erhebliche Belastungen für die einheimische Bevölkerung (gleiches gilt für die dilettantische Energiewende). Um das zu erkennen und zu beurteilen, muss man kein Historiker sein. Der gesunde Menschenverstand reicht völlig aus, um anhand der Fakten, also des Ist-Zustandes zu erkennen, welche Regierungspolitik und welches Regierungshandeln funktioniert und welches nicht.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ SB

        >Wenn dem so wäre, wären Wahlen komplett überflüssig, da die Wähler ohnehin nicht beurteilen können, was (künftig) gut für sie ist und was nicht. Dann müssten „Experten“ die Regierung bestimmen.>

        Nein, sie sind nicht überflüssig.

        Es stimmt zwar, dass Wähler und letztlich niemand mit Gewissheit beurteilen kann, ob eine Entscheidung künftig gut für sie ist oder nicht bzw. eine andere, etwa die Alternativentscheidung vom Sept. 2015, die Grenze zu schließen, in der Zukunft zu besseren Zuständen geführt haben würde.

        Dieses prinzipielle Unvermögen macht Wahlen nicht überflüssig.

        >Wenn man die Grenzen nicht schützt, laufen eben … . Um das zu erkennen und zu beurteilen, muss man kein Historiker sein.>

        Richtig.

        Aber manche Menschen erkennen eben (auch) etwas ANDERES als das, was Sie beschrieben haben – etwas, das ihrer Meinung nach durch Öffnung der Grenzen befördert werden sollte.

        Es gibt diese Menschen. Wir haben relativ große Demonstrationen gesehen, die zumindest unter humanitären Gesichtspunkten und z. T. auch mit dem Verständnis einer Bereicherung unserer Gesellschaft durch Vielfalt für offene Grenzen geworben haben.

        Um den Konflikt auf POLITISCHER Ebene zu lösen, d. h. zu bestimmen, wie weiter verfahren wird, MUSS gewählt werden.

        Damit ist dann natürlich noch immer nicht entschieden, wie es tatsächlich weitergeht, weil, wie gesagt, viele Umstände eine Rolle spielen, etwa wie andere Staaten in der EU agieren.

        Aber ein klares Mandat wird damit gesetzt werden, wenn es z. B. nach der nächsten Wahl zum BT zu einer Koalition CDU/CSU + GRÜN + SPD käme, genauso wie wenn die Koalition aus CDU/CSU + FDP + AfD (ohne rechten Rand) gebildet würde.

  3. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Ich denke trotzdem, dass die Regeln schnell gebrochen werden, wenn es darauf ankommt.“

    Das sehe ich ganz genauso, denn die politische Elite Europas hat nicht umsonst J.C. Juncker zum Kommisionspräsidenten gewählt und einen Goldman-Sachs-Banker zum Chef der EZB.

    Zitat: https://de.wikiquote.org/wiki/Jean-Claude_Juncker

    O-Ton: https://www.youtube.com/watch?v=tB2CM2ngpQg

    Schlimm ist nicht die Einstellung von Herrn Draghi und Herrn Juncker, sondern die dahinter liegende Einstellung der versammelten Truppe von Staats- und Regierungschefs bzw. Parlamenten in Europa, die in solchen Leuten die geeigneten Führungspersönlichkeiten für die EU erkennen. Denn mit der Pensionierung von Juncker oder Draghi ist die dahinter stehende Denke bei Leuten wie Frau Merkel ja nicht weg, die zu seiner Ernennung geführt hat.

    Und behaupte hinterher keiner, er hätte es nicht wissen können. Die Herren haben m.E. mit obigen Zitaten offen genug zugegeben, dass sie im Notfall alle Regeln brechen werden. Und es hat ihnen kein einzig wirklich Mächtiger widersprochen. Daher wiederhole ich mich: wir haben noch Zeit, wenigstens den entstandenen Schaden etwas zu verringern; gänzlich vermeiden können wir ihn nicht mehr.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      >Schlimm ist nicht die Einstellung von Herrn Draghi und Herrn Juncker, sondern die dahinter liegende Einstellung der versammelten Truppe von Staats- und Regierungschefs bzw. Parlamenten in Europa, die in solchen Leuten die geeigneten Führungspersönlichkeiten für die EU erkennen. >

      Klare Aussage.

      Was ist die Schlussfolgerung?

      Welche Leute hätte die versammelte Truppe von Staats- und Regierungschefs inkl. Merkel anstatt zum Kommissionspräsidenten und zum Chef der EZB wählen sollen?

      Offensichtlich hätten es solche sein müssen, die Regeln NICHT oder zumindest nicht schnell brechen, wenn es darauf ankommt.

      Das wäre dann jemanden wie Frau T. May in GB, die ersichtlich nicht daran denkt, das Votum für den Brexit zu umgehen, also das Land weiterhin aus der EU führen will, auch wenn mittlerweile absehbar ist, dass GB erheblichen Schaden zu erleiden hat und zudem die Mehrheit HEUTE eine andere Entscheidung herbeiführen würde, wäre nochmals abzustimmen.

      Warten wir einmal ab, wie die Sache für sie ausgeht – das steht hier nicht zur Debatte.

      Ich will nur darauf verweisen, dass solche Forderungen, wie Sie sie aufstellen bzw. implizieren mit Ihrer Beurteilung, nicht ohne Folgen sind – weit über die Moral hinaus.

      Und manchmal, wenn es wirklich darauf ankommt, können die DRAMATISCH sein, wie gerade beim Brexit zu sehen ist.

      Man kann an jedes Handeln moralische Maßstäbe anlegen.

      Werden sie befolgt, kann das im Desaster enden.

      Merke (Spruch von „Links-Kritiker“ Adorno):

      Es gibt kein richtiges Leben im falschen.

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    Ondoron sagte:

    Wir haben keinen Kapitalismus. Wir haben Geldsozialismus. Es wird alles so eintreffen, wie es die Österreicher sagen.
    Alles, wirklich alles, was oben im Beitrag steht, haben die Österreicher vorweggenommen in der Entwicklung. Nur diejenigen Österreicher, die konkrete Daten angaben, lagen falsch (wie Peter Schiff beispielsweise); wer ahnt denn auch schon, welche kriminelle Energie die Zentralbanken und Politiker haben? Es sind Gottspieler, gefangen in ihrem kollektivistischen Konstruktivismus.

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  5. Avatar
    waltomax sagte:

    Wenn es -qualitativ- keine neuen Märkte gibt, dann gibt es auch keine qualitativ neue Produktion, keine entsprechenden Dienstleistungen und keine dahingehende Nachfrage. In solchen Zeiten herrscht Anlagenotstand, weil keine Kredite nachgefragt werden. In Zeiten einer qualitativ bedingten Depression sind Kredite selbst zu einem Zinssatz von null oder zu Minuszinsen nicht mehr zu bedienen, weil das Geld für die Tilgung nicht mehr verdient werden kann. Die Märkte sind übersättigt. Inzwischen geht die Spekulation in eine fast senkrecht steigende Zockerei auf Pump in der Annahme, auch diesmal vom Steuerzahler gerettet zu werden. Doch dürfte die unausweichliche Marktbereinigung auch den Steuerzahler und den Staat so arm machen, dass da nichts mehr zu holen sein wird.

    Hier werden die Dinge überwiegend quantitativ betrachtet, was die kreativen Rahmenbedingungen für ein Wirtschaftswachstum fast völlig ausblendet.

    Daher gehen die meisten Betrachtungen, die hier angestellt werden, nicht auf die tieferen Ursachen ein.

    Siehe dazu:

    https://www.geolitico.de/2017/09/12/mit-denkverboten-gegen-die-wand/

    Die Probleme sind viel fundamentaler, als gedacht.

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    • Avatar
      troodon sagte:

      @ SB
      Dalio sieht eine neue Krise (erst) in rd. 2 Jahren.
      Anhand der Zinsentwicklung und Vermögensungleichheit zieht er Parallelen zu der Phase ab 1937 und verweist auf die möglichen Risiken im Verhältnis USA und China in einem möglichen nächsten wirtschaftlichen Abschwung. Einen Vergleich zum zum Börsencrash 1929 zieht er übrigens nicht…

      Aus meiner Sicht mal wieder sehr interessant, was er insgesamt zu sagen hat:

      Interview mit Dalio auf BusinessInsider: https://www.businessinsider.com/ray-dalio-bridgewater-debt-crisis-downturn-coming-about-two-years-2018-9?IR=T

      Nebenbei kann man sich auch sein neues Buch als pdf Datei kostenlos über einen dort vermerkten Link runterladen… Feine Sache…

      Antworten
  6. Avatar
    Alexander sagte:

    Falsche Preise sind die Ursache jeder Wirtschaftskrise und der Crash ein Angebot des Marktes schnell den richtigen Preis zu finden, natürlich durch Unterschießen. Egal welche Ursache der falsche Preis hat, muss das Niveau den augenblicklichen Anforderungen – dieser Erde – genügen.

    Wer „Geld“ hat, kann auf sein Risiko diese Preisfindung aussitzen. Politik sitzt die Krisen IMMER auf Kosten ANDERER aus, denn staatliche Preise sind GESETZ. Politisches Aussitzen von falschen Preisen heißt DEPRESSION und kann Jahrzehnte andauern.

    Ich bin kein Marktfetischist sondern an Geschichte interessiert und das politische Versagen ist historisch chronisch wobei immer die ANDEREN Schuld tragen.

    Die Lösung ist so einfach wie unmöglich = die Preise anpassen.

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