„Notenbanken vor dem Endspiel?“

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Dass die Notenbanken vor dem Endspiel stehen, ist hier seit langem Thema. Womit ich nicht sagen würde, dass ich mit dieser Auffassung alleine wäre oder es gar als Erster gesehen hätte. Heinz-Werner Rapp von Fern hat dies bei einer gemeinsamen Veranstaltung auch 2014 schon in diese Richtung gehend beschrieben. Die entscheidenden Fragen sind:

  • Wie schnell wird es kommen?
  • Wie stellt man sich darauf ein?

In einem Beitrag für die FINANZ und WIRTSCHAFT fasst Rapp die Situation klar zusammen:

  • „Mit dem Ziel, die jeweiligen Länder vor einer tiefen strukturellen und ökonomischen Krise zu bewahren, haben sich die Notenbanken in den USA, in Europa und Japan in immer extremere geldpolitische Experimente gestürzt.“ – bto: wohl unstrittig! Aber Sie können nur Zeit kaufen, nicht heilen.
  • „Zentralbankpolitik, lange Zeit ein seriöses Handwerk mit klaren Regeln, mutierte zum Spielfeld für geldpolitisches Voodoo. Durch Willensakt der Notenbanken wurden seit 2008 bereits rund 10 Bio. $ an neuem Fiat-Money-Geld geschaffen.“ – bto: Naja, präzise gesagt, wurden dafür Vermögenswerte aufgekauft, es ist also das, was Banken tun. Die Frage ist nur: Wie werthaltig sind diese? Und ist es seriös mit Blick auf die enormen Bilanzsummen mit minimsten Eigenkapital?
  • „Die geldpolitischen ‚Zauberlehrlinge‘ der grossen Notenbanken haben, trotz immer extremerer Ausweitung und Verschärfung ihres monetären Arsenals, bisher erschreckend wenig bewirkt. Weder wurden die angestrebten Inflationsziele auch nur annähernd erreicht, noch hat sich irgendwo auf der Welt das Wachstum zuletzt erkennbar belebt.“ – bto: wovor viele warnen, nicht zuletzt die BIZ.
  • „Schon zu Beginn der unkonventionellen Geldpolitik (…) war jedem Beobachter klar, dass die extreme Geldpolitik lediglich Zeit kaufen konnte, um strukturelle Probleme und grundlegendere Reformen im System anzugehen.“ – bto: Zeit kaufen heißt nicht „Ewigkeit kaufen“.
  • „Dabei wurde ignoriert, dass die westliche Welt schon seit Jahren ein massives Verschuldungsproblem hat. Niedrige Zinsen führen bestenfalls zu Umschuldungen, nicht aber zu neuem Wachstum über neue Verschuldung.“ – bto: Eiszeit eben!
  • „Heute zeigt sich, dass ein grosser Teil der von den G-7-Notenbanken geschöpften Liquidität vagabundierte und eine andere Heimat gefunden hat. Seit 2008 wurden riesige Beträge als Kredit- und Kapitalströme in Schwellenländer umgelenkt. Zusammen mit einer schon vorher gestarteten Kreditexpansion in China führten sie dort zu einer massiven Aufblähung der Verschuldung, speziell bei Privathaushalten und Unternehmen.“ – bto: Das ist ein Erfolg! Man hat den erforderlichen Nachschuldner gefunden, der das System eine Runde weiterbringt. Nur langsam gehen uns die Nachschuldner aus.
  • „Spekulative Sektoren (wie etwa Energie und speziell Ölförderung) und ineffiziente Strukturen in Schwellenländern wurden durch hohe Verschuldung massiv aufgebläht, ebenso wie die entsprechenden Segmente der Finanzmärkte.“ – bto: und damit die Grundlage für Deflation!
  • „Werden die Notenbanken innehalten und ihre bisherige Politik kritisch überdenken, oder wird der Einsatz noch erhöht?“ – bto: Das ist eine rhetorische Frage! Natürlich geben wir Vollgas!
  • „Da sollte jeder Investor alarmiert sein, denn es gibt bereits beunruhigende Signale. So kann die abrupt zunehmende Diskussion über die Abschaffung von Bargeld nicht nur eine Vorsichtsmassnahme gegen Terrorismus sein. Nicht auszuschliessen ist, dass Staaten und Regierungen bereits auf eine weitere Verschärfung ihrer Politik der finanziellen Repression hinarbeiten. ‚Virtuelles Geld‘ und ausschliesslich auf elektronischen Konten liegendes Geldvermögen könnten jederzeit vom Staat mit Negativzinsen belegt oder binnen Sekunden gestrichen und mit Staatsschulden verrechnet werden (‚Haircut‘).“ – bto: Zur Erinnerung, mindestens drei Billionen Euro Schulden in der EU sind untragbar! Das hier kann kommen, ist aber unpopulär.
  • „Als Ultima Ratio der Geldpolitik könnte die grossvolumige Übernahme und Finanzierung von Staatsschulden (sowohl bestehenden als auch neuen) angekündigt und durchgeführt werden. Der Effekt wäre in beiden Fällen gleich: Allen Marktteilnehmern wäre unmissverständlich klar, dass künftige Inflation – quasi mit Gewalt – herbeigeführt wird, und sie würden entsprechend reagieren. Die Deflation wäre de facto beendet.“ – bto: Ich denke, es kommt, aber erst nach einer Fortsetzung der Eiszeit. Erst deflationäre Eiszeit, dann hyperinflationäre Vermögensvernichtung.

Dazu bringt die FuW diese schöne Darstellung:

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

  • „Bei genauer Analyse ist leicht zu erkennen, dass speziell die Bank of Japan sich dieser Art Politik bereits weit angenähert hat. Aber auch die EZB, die Bank of England und das Fed sind schon auf bestem Wege. Letztlich fehlt zu einer effektiven OMF-Politik nur noch der politische Flankenschutz, also entsprechende Vorlagen der Regierungen unter dem Deckmantel des globalen Krisenmanagements.“ – bto: Und der wird kommen!
  • „Ein echter Verlust des Vertrauens in die Allmacht der Notenbanken würde massive Verwerfungen an den Kapitalmärkten nach sich ziehen. Der Jahresanfang hat einen Vorgeschmack darauf gegeben.“
  • „Sollte sich danach aber ein Übergang in das ‚OMF-Szenario‘ abzeichnen, würde am Markt ein neues Szenario entstehen – das monetäre ‚End Game‘: Die Aussicht auf echte Übernahme von Staatsschulden durch Zentralbanken, ergänzt durch gewaltige ‚Keynes-Programme‘, faktisch finanziert von grossen Notenbanken…“ – bto: erst die Eiszeit, dann die hyperinflationäre Geld-Schulden-Vermögens-Entwertung.

Zeit, sich darauf einzustellen.

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Notenbanken vor dem Endspiel?“, 7. März 2016

 

4 Antworten
  1. Axel says:

    Bin mal gespannt, wann das pasiert und in welchem Umfang. Wenn das Geld in Infrastrukturmaßnahmen, soziale Projekt, etc. investiert wird, könnte es mit sinkenden Arbeitslosenzahlen, geringere Staatsausgaben, usw. ja sogar eine Weile gut gehen und überschüßige Liquidität z.b. über Mehrwertsteuererhöhung wieder aus dem Markt genommen werden, um einer Hyperinflation vorzusorgen.
    Wenn die Staatsfinanzierung streng reglemtiert wird, könnte Panik vermieden werden. Das Geld mit Wert (Pfand) unterlegt sein muß gehört dann der geldhistorischen finanzphilosophischen Vergangenheit an und ist ebenso wie das Vertrauen in das Zentralbankgeld ein Relikt der letzten Jahrhunderte. Was dann zählt, ist nur noch die Praktibilität.
    Wie der Finanzmarkt allerdings reagiert, weiß niemand. Vielleicht wird er an die Leine genommen…
    Das Problem dürften aber demokratische Wahlen sein, in denen sich die Parteien mit „Konjunkturprogrammen“ gegenseitig zu übertrumpfen versuchen und so jede Maßvolle Geldpolitik schon im Vorfeld zunichte machen.

    Antworten
  2. Dietmar Tischer says:

    Ich wäre etwas vorsichtiger mit Blick auf ein „Endspiel“.

    >„Die geldpolitischen ‚Zauberlehrlinge‘ der grossen Notenbanken haben, trotz immer extremerer Ausweitung und Verschärfung ihres monetären Arsenals, bisher erschreckend wenig bewirkt. Weder wurden die angestrebten Inflationsziele auch nur annähernd erreicht, noch hat sich irgendwo auf der Welt das Wachstum zuletzt erkennbar belebt.“>

    Die großen Notenbanken haben ihre Ziele nicht erreicht. Das ist nicht dasselbe wie haben „erschreckend wenig bewirkt“.

    Die EZB z. B. hat verhindert, dass die Währungsunion zerfallen ist. Das ist sehr viel angesichts der Tatsache, dass ein Zerfall kurz- bis mittelfristig zu kaum beherrschbaren politischen und sozialen Krisen geführt haben würde. Was langfristig besser ist, Währungsunion oder Zerfall der Währungsunion, ist ein anderes Thema,

    >„Schon zu Beginn der unkonventionellen Geldpolitik (…) war jedem Beobachter klar, dass die extreme Geldpolitik lediglich Zeit kaufen konnte, um strukturelle Probleme und grundlegendere Reformen im System anzugehen.“>

    Zeit kaufen – das ist doch etwas. Wenn die Politik die Zeit nicht nutzt, ist das nicht das Versagen der Notenbanken.

    Wenn es so sein sollte, dass unter verstärktem politischen Druck gesellschaftliche Stabilität nur noch durch staatliche Nachfrage basierend auf der Monetarisierung der Staatsschulden aufrechterhalten werden kann, ist Hyperinflation vorprogrammiert.

    Das heißt aber auch:

    Vernichtung der Forderungen, endlich Entschuldung.

    Der Preis ist allerdings hoch, nämlich ein Vertrauensverlust der Bevölkerung, der in den Konsequenzen völlig unkalkulierbar ist. Zudem würde der Verschuldungsmechanismus wieder angeworfen. Denn Entschuldung ändert per se nichts am Zustand der Realwirtschaft.

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    • Johannes says:

      „Der Preis ist allerdings hoch, nämlich ein Vertrauensverlust der Bevölkerung, der in den Konsequenzen völlig unkalkulierbar ist“

      Beispiele für mögliche Konsequenzen hält die Geschichte vorrätig – unsere eigene zuerst. Ich habe in dem gerade zurück liegenden rheinland pfälzischen Landtagswahlkampf in vielen persönlichen Gesprächen mit gestandenen und gebildeten Menschen Sätze gehört, die ich dachte, nie in Deutschland zu hören zu bekommen; der Vertrauensverlust ist bereits beschleunigend in vollem Gange und thematisch umfassend: die „Euro-Rettungspolitik“, die Wirtschafts – und Sozialpolitik, die Schulpolitik und „oben drauf“ die „Flüchtlingspoliitk“. „Interessant“ ist, das die Menschen zunehmend die „Schnittmengen“ und gegenseitigen Abhängigkeiten der Problemzonen erfassen und die so resultierenden gegenseitigen Verstärkungen der Problemzonen.

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