Jeffrey Gundlach zu Bondmarkt und Aktien – nicht gut

Jeffrey Gundlach, angesehener Manager von Anleihenfonds im Gespräch mit der FINANZ und WIRTSCHAFT. An Klarheit nicht zu überbieten, warnt er vor massiven Problemen im Markt für Unternehmensanleihen in den USA. Ein Thema, das ich schon mehrfach hatten:

Löst General Electric die nächste Finanzkrise aus?

Hier die wichtigsten Aussagen:

  • „Die Anleger sollten das Risiko systematisch reduzieren. Sie müssen stark diversifiziert sein, und das bedeutet: nicht nur in Bezug auf die traditionellen Anlageklassen, sondern mit zusätzlichen Realwerten. Immobilien sind eine sinnvolle Investition. Im Idealfall ist die Hypothek abbezahlt. Falls nicht, sollten Hausbesitzer keine Aktien halten. Anleger sollten kein Geld leihen, um Aktien zu kaufen.“ – bto: Das mit den Immobilien mag stimmen, aber gerade in eher sozialistisch agierenden Gesellschaften ist das mit den Immobilien gefährlich.
  • „Es fühlt sich an wie 2006, als Investoren ­erkannten, dass es eine enorme Überschuldung gibt und dass diese zu einem ausserordentlichen Zusammenbruch der Kreditmärkte führen würde. (…) Der Markt für Unternehmensanleihen in den USA geniesst ein höheres Rating, als er es verdient. Das erinnert an die verbrieften Hypotheken, die vor der globalen Finanzkrise viel zu hoch bewertet wurden. Laut einer Studie von Morgan Stanley ist bei mehr als 30% aller Unternehmensanleihen mit einem Rating in Anlagequalität – Investment Grade – die eigentliche Qualität gemessen an der Verschuldung Ramsch, also im spekulativen Bereich.“ – bto: Das habe ich bereits in dem oben verlinkten Artikel beschrieben. Die Ratingagenturen versagen erneut auf voller Linie!
  • „Der US-Aktienmarkt wird am meisten verlieren. Das zeigen die drei letzten grossen Abschwünge. (…) In den späten Achtzigerjahren sah Japan unbesiegbar aus, wobei der Nikkei jeden anderen Markt so weit übertraf, dass es zu Beginn der Rezession Anfang der Neunzigerjahre zu einer enormen Überbewertung kam. Seither hat der japanische Markt nie wieder dieses Niveau erreicht. Mit der Einführung des Euros herrschte 1999 grosse Begeisterung über die wirtschaftlichen Aussichten für die Währungsunion. Die Aktienmärkte in Europa entwickelten sich stark und übertrafen alle anderen Börsen. Nach der Rezession konnte sich der Markt nie wieder richtig erholen.“ – bto: Gundlach vergleicht also die USA heute mit Japan und Europa früher. Wow. Wenn das nicht pessimistisch ist!

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

  • „An Wert verlieren wird auch der Dollar. Er hat den Höhepunkt bereits erreicht. Er dürfte während der nächsten Rezession deutlich an Wert verlieren, und die USA werden der am schlechtesten abschneidende Markt sein. Dann wird es wohl eine ganze Weile dauern, bis er das bisherige Rekordniveau wieder erreicht. Wenn die US-Börse korrigiert, dann wird sie deutlich korrigieren.“ – bto: weil die USA dann auch in die Eiszeit eintreten.
  • In der nächsten Rezession sollten (die Zinsen) stark steigen, da die US-Regierung Anleihen in der Höhe von mehreren Billionen Dollar emittieren wird, um die Staatsausgaben zu erhöhen. Möglicherweise wird das Fed die Zinsen aber einfach herabdrücken, wie es die Europäische Zentralbank gemacht hat. Das Fed macht ja bereits eine quantitative Lockerung, die Währungshüter geben es nur nicht zu. Sie stellen bereits 200 Mrd. $ an kurzfristiger Liquidität zur Verfügung. Zudem drücken sie indirekt die langfristigen Zinsen.“ – bto: Natürlich wird sie das probieren, die Frage dürfte sein, was mit den Unternehmensanleihen passiert. Da dürften die Spreads durch die Decke gehen.
  • „(…) für das Fed wäre es merkwürdig, von einem Tag auf den anderen aus dem Nichts heraus zu verkünden, dass es eine enorme quantitative Lockerung starten und zehn- sowie dreissigjährige Staatsanleihen kaufen wird. Es braucht einen Katalysator, damit das geschieht. Der Auslöser wird analog zu den Turbulenzen am Geldmarkt von Mitte September sein, als die Zinsen in einem Tag auf fast 10% gestiegen sind und das Fed einspringen musste. Möglicherweise wird es bei den langfristigen Zinsen eine ähnliche Entwicklung geben.“ – bto: Ja, wir brauchen die für alle sichtbare Krise, bevor es losgehen kann.
  • „Negative Zinsen ­wären das Schlimmste, was passieren könnte. Man muss nur schauen, was mit dem Bankensystem Europas passiert ist. Die Underperformance des Bankensektors korreliert genau mit der Rendite der zehnjährigen deutschen Bundesanleihen. Ich weiss nicht, ob Politiker verstehen, dass negative Zinsen fatal sind.“ – bto: Ich weiß, dass sie es nicht tun. Haben ja keine Ahnung von Wirtschaft und sind dazu noch skrupellos.

Quelle: FINANZ und WIRTSCHAFT

  • „Die Schulden sind nicht nachhaltig, die Zinsen ebenso wenig, und die Vermögensungleichheit wird von Minute zu Minute grösser. Wir sind an einem Punkt angelangt, wo es kein Zurück mehr gibt. Beim nächsten Abschwung wird es zu Unruhen kommen. (…) Als Antwort wird die Geldpresse angeworfen werden.“ – bto: natürlich. Und der Klimaschutz wird das Argument liefern.

fuw.ch: „Gundlach: ‘US-Aktien werden am meisten verlieren’“, 30. Oktober 2019

Kommentare (7) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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      Bauer sagte:

      @ Dr.Doom

      „Es wird alles so weiter gehen und die Inflation wird kommen.“ Dies und die Meinung des zitierten Interviews kann ich nicht unbedingt teilen, zumindest nicht mittel- und langfristig.

      Schon richtig, das der Westen gerade mit 20 Jahren Verzögerung in die japanische Lage schlittert. Damit endet aber der Vergleich.

      Die japanische Staatsschuld liegt ganz überwiegend auch bei japanischen Gläubigern, ist also ein nationales Problem, das daher auch unter nationaler Rechtshohheit abgewickelt werden kann. Dem ist nicht so, was die westlichen Industriestaaten betrifft. Dort ist die Staatschuld weltweit gestreut, u.U. sogar mehrheitlich in ausländischer Hand. Das schränkt die Lösungsmöglichkeiten ganz wesentlich ein, vor allem wenn man es mit nicht wohlgesonnenen Gläubigern zu tun hat, die ausser finanziellen auch ganz andere Interessen (z.B. machtpolitische) ins Spiel bringen. Skepsis ist da schon berechtigt.

      China ist in einer besseren Lage, obwohl auch auf dem japanischen Weg, da auch seine Staatsschulden weitgehend nationale Schulden sind wie in Japan, und ausserdem eine Kommandowirtschaft ganz anders eingreifen kann. China ist auch allmählich stark genug, dem Westen ein Bein zu stellen. Der US-Präsident spielt da mit dem Feuer.

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        Richard Ott sagte:

        @Bauer

        Noch mehr Vorteile für Japan: Japan ist ein homogener Staat mit einer homogenen Bevölkerung und kaum Zuwanderung. Das sieht in Deutschland ganz anders aus, und in der Eurozone haben wir nicht einmal einen homogenen Wirtschafts- und Währungsraum.

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        Bauer sagte:

        @ R. Ott

        Wem sagen Sie es? Die Gläubiger des Westens werden nicht die Engelsgeduld der Japaner haben, zumal sie auch unterschiedliche Motive haben, wie bereits angesprochen in meinem ersten Beitrag. Das Schicksal Europa’s wird schon längst anderswo bestimmt.

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      troodon sagte:

      @ Dr. Doom
      “ guter Kommentar “ Mmmmh,irgendwann bekommt auch Borgsmüller vielleicht mal recht…
      Haben Sie sich einmal die Performance der von PSM betreuten Fonds in den letzten Jahren angesehen ?
      Borgsmüller gehört auch zur Kaste der Überbezahlten, die auch nichts wissen.

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  1. Avatar
    Groundhog sagte:

    „Die Schulden sind nicht nachhaltig, die Zinsen ebensowenig“.
    Und Immobilien sind empfehlenswert? Was passiert mit den überzogenen Preisen sollten die Zinsen nicht nachhaltig sein und steigen…

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Die Ratingagenturen versagen erneut auf voller Linie!“

    Das ist m.E. falsch, auch wenn es gut gemeint ist.

    Die Ratingagenturen machen genau das, wofür sie bezahlt werden: sie organisieren für ihre Kunden Kapital.

    Es gibt weltweit seit drei Jahrzehnten nur drei dominante Ratingagenturen:

    Moodys, Standard & Poors und Fitch. Die wichtigsten sind die ersten beiden und die haben zu einem bedeutenden Teil auch noch die gleichen Anteilseigner. Faktisch ein Oligopol. Diese haben nicht die Aufgabe, den Anleger zu schützen, sondern ihren Kunden Kapital zu beschaffen. Daher werden sie auch ausschließlich von den Kapitalempfängern bezahlt und nicht von den Anlegern. Und das tun sie auch erfolgreich.

    Der Fehler liegt darin, dass Anleger glauben, sie können es sich bequem machen und quasi von den Ratingagenturen unentgeltlich eine Kreditwürdigkeitsprüfung oder eine Anlageempfehlung für ihre Anlagegelder erhalten, die auch noch in ihrem eigenen Interesse ist. Auf dem Kapitalmarkt gibt es aber keine Gratismahlzeiten. Ich gestehe aber zu, dass Ratingagenturen nicht viel dagegen tun, diesen Eindruck zu widerlegen. Allerdings sollte einem der gesunde Menschenverstand sagen, dass auch hier die alte Regel gilt:

    „Wes´Brot ich ess, des Lied ich sing.“

    Wer ein echtes Rating will, muss die Ratingprüfung selbst vornehmen oder eine kleine unabhängige Agentur auf eigene Kosten mit einer Prüfung beauftragen. Die gibt es und das wird gelegentlich auch gemacht. Und Jeff Gundlach macht als ehemaliger „king of bonds“ (Barrons) genau das und urteilt daher selbst. Mit seinem Urteil liegt er nach meinem Bauchgefühl nicht ganz falsch.

    Der Fehler liegt bei den vielen Kapitalsammelstellen, die nach externem Rating anlegen und sich fast ausschließlich auf die Expertise von Leuten verlassen, die genau von denen bezahlt werden, denen die Kapitalsammelstelle ihr Geld anvertrauen will. Ich kenne keine kommerzielle deutsche Bank, die sich bei einer Kreditvergabe nur auf die Beurteilung eines Dritten verlässt, die der Interessent für ein Kleindarlehen selbst hat erstellen lassen. Hinzu kommt, dass die US-Behörden das goutieren, weil der Finanzminister der USA, aber auch die von anderen Ländern, massiv von dem System profitieren, da sie allesamt selbst geratet werden und sie weit überwiegend selbst Kreditnehmer sind.

    Der Vorwurf des Versagens ist daher in erster Linie an die Politik und in zweiten Linie an die bequemen Kapitalsammelstellen zu richten.

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