Flassbeck macht es sich zu einfach: Löhne hoch alleine ist keine Lösung

Werner Flassbeck, stramm keynesianischer Ökonom und Staatssekretär unter Lafontaine, wurde bei bto schon mehrfach diskutiert. Unvergessen:

Nun äußert er in einem Interview erneut seine Kernthesen, und da die Eurokrise dank der neuen italienischen Regierung wieder an Aufmerksamkeit gewinnt, bietet es sich an, die Thesen nochmals zu betrachten:

  • Die Arbeitslosigkeit liegt in Frankreich bei neun Prozent, in Italien bei elf Prozent, und auch das nur, wenn man die offiziellen Zahlen nimmt. Dass wir acht, neun Jahre nach Beginn der Rezession die Arbeitslosigkeit nicht weiter gesenkt haben, ist eine Katastrophe. (…) Der Grund ist die gescheiterte europäische Wirtschaftspolitik, dieser Austeritäts- und Sparwahn, (…).“ – bto: wobei man vergisst zu sagen, dass so wirklich nicht gespart wurde. Es wurde nicht richtig Gas gegeben, wie man es nach Keynes & Co. erwartet, aber es wurde auch nicht viel gespart. Richtig ist, dass die Akteure den Charakter der Bilanzrezession nicht verstanden haben.
  • „Wenn es aus irgendeinem Grund zu einer globalen Krise oder einer grösseren Rezession kommt, dann wird es eng. Dann kommen in Frankreich und Italien zur aktuellen Arbeitslosigkeit von rund zehn Prozent noch einmal fünf bis sechs Prozent hinzu, und es wird wirklich ungemütlich. In Italien wird der Lega-Führer Matteo Salvini unter solchen Bedingungen nicht mehr 18, sondern 60 Prozent der Stimmen holen.“ – bto: Konsens.
  • „Deutschlands Erfolg gründet darauf, dass sich seine Lohnstückkosten, also die Lohnkosten, die ein Unternehmer bezahlen muss, um ein bestimmtes Produkt zu produzieren, seit der Einführung des Euros 1999 kaum erhöht haben. (…) Den deutschen Erfolg können Deutschlands Nachbarn unmöglich wiederholen. Wenn alle dasselbe Rezept anwenden, funktioniert es nicht. Einer kann im Kino aufstehen, um die Leinwand zu sehen, aber wenn alle das tun, sieht keiner mehr etwas.“ – bto: schönes Bild. Aber ich denke, es liegt an mehreren Faktoren (Industriemix, Innovation) und vor allem daran, dass wir das immer schon gemacht haben, was früher jedoch die D-Mark aufwertete und damit Nutzen stiftete für die Arbeitnehmer.
  • „So einen außenwirtschaftlichen Schub wie unter der Währungsunion hat die deutsche Wirtschaft in ihrer ganzen Geschichte nie erlebt. Der Exportanteil ist von dreißig auf fünfzig Prozent gestiegen, in bloß zehn Jahren. Solche Zuwachsraten sind schlicht irre. Hätte Deutschland noch die D-Mark gehabt, hätte sich die Währung massiv aufgewertet und die Exportüberschüsse korrigiert. Deutschland war der grösste Nutzniesser des Euros.“ – bto: Und da hänge ich immer. Wo ist denn der Nutzen, wenn wir zinslose Darlehen zum Kauf unserer Güter vergeben, die dann auch nicht getilgt werden?
  • „Durch die Handelsungleichgewichte wird die Währungsunion nämlich zu einer fürchterlichen Falle für die Defizitländer. Weil sie keine eigene Währung mehr haben, die sie abwerten könnten, bleibt ihnen als einziges Mittel, auf Deutschlands Preisvorteil zu reagieren, das eigene Lohnniveau zu senken. Wechselkurse abwerten kann man relativ leicht, starke, flächendeckende Lohnsenkungen hingegen sind für die betroffenen Länder eine Katastrophe.“ – bto: Das stimmt. Vor allem wird es (noch) unmöglicher, die Schulden zu bedienen. In der Analyse sind wir also fast einig, ich halte es nur nicht für eine deutsche „Strategie“ und bezweifle den Nutzen.
  • „Nehmen Sie Griechenland: Die Löhne sind um knapp dreissig Prozent gesunken, und was kam dabei heraus? Eine tiefe Depression. Die Arbeitslosigkeit ist durch die Decke gegangen. (…)Es gibt gemäß der Theorie zwei Mechanismen, die Arbeitsplätze schaffen, wenn die Löhne sinken. Der eine ist die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Ausland. Das ist das, was Deutschland gemacht hat nach 1999, und es hat nur wegen der Währungsunion funktioniert. Außerhalb der Währungsunion hätte es nicht geklappt, weil die D-Mark nach ein, zwei Jahren aufgewertet hätte, und damit wäre der Exportschub vorbei gewesen. Der zweite Mechanismus soll darin gründen, dass Lohnsenkungen die Produktionsstruktur verändern. Die theoretische Annahme besagt, dass die Unternehmen bei tieferen Löhnen mehr Arbeiter und weniger Maschinen brauchen, weil es lohnend wird, teure Maschinen durch billige Arbeit zu ersetzen. Doch dieser Substitutionseffekt lässt sich empirisch nicht beobachten.“ – bto: Das klingt auch einleuchtend, doch was wäre die Antwort? Ja, Flassbeck will hier die Löhne steigern. Ich denke aber, das ist erneut nur Werkeln an Symptomen, eher sollte man die Eurozone verkleinern.
  • „In Deutschland wird der Mythos aufrechterhalten, dass die Hartz-IV-Reformen und die Agenda 2010 ein Beschäftigungswunder ausgelöst haben. Es ist richtig, dass das funktioniert hat, aber nur über den Export. Es gab keinen anderen Mechanismus. Die deutsche Binnennachfrage entwickelte sich wegen der Lohnzurückhaltung katastrophal schlecht.“ – bto: doch mehr noch, weil der Staat nicht investiert hat.
  • „Schauen Sie nach Italien. (…) Das Ergebnis der Wahlen ist absolut anti-europäisch. Bei Cinque Stelle gibt es eine Basisbewegung, die gegen den Euro ist. Die Lega ist massiv und offen gegen den Euro. Das ist das Ergebnis der deutschen Politik, die sechs Jahre Rezession in Italien verursacht hat.“ – bto: Das denke ich auch, aber aus anderen Gründen. Ich meine, es liegt an der Weigerung, die Schulden geordnet abzubauen und den Euro neu zu ordnen.
  • „(…) eine Volkswirtschaft besteht aus vier Sektoren: die Privathaushalte, der Unternehmenssektor, der Staat und das Ausland. Jeder dieser Sektoren kann entweder sparen – das heisst, er gibt weniger aus, als er einnimmt – oder sich verschulden. Man spricht von positiven oder negativen Finanzierungssalden. Wichtig ist nun aber: In einer Volkswirtschaft müssen sich die Finanzierungssalden der vier Sektoren per Definition immer auf null summieren.“ – bto: Das kann man bei Lesern von bto als Wissen voraussetzen.
  • „In Deutschland sieht das nun so aus: Die Haushalte und die Unternehmen haben riesige Sparüberschüsse. Der Staat will sich ebenfalls nicht verschulden. Da bleibt nur das Ausland. Genau das zeigt sich im irrwitzig großen Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands. Er ist das Resultat einer ungenügenden Binnennachfrage: Wenn Haushalte, Unternehmen und der Staat alle sparen, dann bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin Geld ins Ausland zu transferieren. Das geht aber nur, wenn das Ausland sich noch mehr verschuldet.“ – bto: Deutschland wirtschaftet eben wie die Eichhörnchen und es ist selten dumm, in einer überschuldeten Welt Gläubiger zu sein.
  • „Wenn die anderen Euroländer aus ihrer Verschuldungsfalle je herauskommen sollen und wenn die deutschen Haushalte und Unternehmen nicht mehr ausgeben wollen, dann hilft nur eines: Der deutsche Staat muss Schulden machen und seine Ausgaben erhöhen. Deutschland muss endlich abrücken von diesem Wahnsinn der schwarzen Null (…).“ – bto: Bekanntlich sehe ich es auch so, allerdings halte ich es für eine Illusion, dass die anderen auf diese Weise der Verschuldungsfalle entkommen. In Wahrheit ist es doch so, dass wir wenn dann aus anderen Ländern – China – mehr importieren werden. Die anderen sind schlichtweg nicht wettbewerbsfähig. So hat Italien sich im Handel vor allem gegenüber China und den Ölländern verschlechtert. Jetzt, wo die Ölpreise wieder steigen, dürften auch die Überschüsse dieser Länder wieder zurückgehen.
  • „Deutschland muss weg von der Sparpolitik. Es muss die Binnennachfrage anregen, und dazu gibt es zwei Kanäle: über die Löhne – und damit über den Konsum – sowie über die staatliche Nachfrage.“ – bto: Wie wäre es denn mit Steuer- und Abgabensenkungen auf breiter Front?
  • „Es gibt ein weiteres Argument gegen Lohnerhöhungen: Deutschlands Konkurrenten sitzen in Asien, und dort sind die Löhne viel niedriger. –Das ist ein falsches Argument. Erstens gibt es gegenüber Asien ja Wechselkurse, die Ungleichgewichte im Handel kompensieren. Zweitens ist es falsch, zu glauben, man könne ein Niedriglohnland konkurrenzieren, indem man die Löhne senkt. Das ist absurd. Das muss man im Übrigen auch gar nicht, weil ein Niedriglohnland deshalb ein Niedriglohnland ist, weil seine Produktivität gering ist. Deshalb haben sie auch keinen systematischen Preisvorteil gegenüber entwickelten Ländern. Der entsteht nur dann, wenn deutsche Produzenten mit ihrer Technologie nach China gehen und diese dann mit billiger Arbeit kombinieren.“ – bto: Genau das tun sie doch seit Jahren, weshalb sie auch hier nicht genug investieren und so zu den Handelsüberschüssen beitragen. Ich denke, das umgekehrte Argument sticht. Wir würden nicht in den Krisenländern einkaufen, nur in den Urlaub fahren und da sind andere Länder – Türkei – seit Jahren deutlich attraktiver. Warum sollten die Bürger, wenn sie mehr Geld in der Tasche haben, teurer einkaufen?
  • „Es geht um das politische Überleben Europas. Damit sich die Situation entscheidend verbessert, müssten die Löhne in Deutschland fünf Jahre lang um fünf, sechs Prozent pro Jahr steigen. So könnte die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen.“ – bto: Die Löhne werden schon bald aufgrund der Demografie deutlich steigen, die Unternehmen daraufhin noch mehr ins Ausland verlagern. Die steigenden Einkommen werden über mehr Sozialtransfers umgeleitet werden und der Konsum ausländischer Güter und Dienstleistungen wird vor allem in die Taschen günstiger Anbieter außerhalb des Euroraumes fließen.
  • „Kürzlich wurde ich gefragt, wann denn der Staat seine Schulden zurückzahlen müsse. Das muss er aber nicht, er darf es sogar nicht. Wenn der Staat seine Verschuldung abbaut, heisst das ja, dass er das kaum zu lösende Sparproblem, also den Überschuss an Sparkapital, zusätzlich vergrössert. (…) Ob der Staat Schulden von 80, 90, 100 oder 300 Prozent des BIP hat – wie Japan –, ist vollkommen egal.“ – bto: Das dürfte die Italiener freuen. Spaß beiseite, auch diese Argumentation habe ich schon bei bto diskutiert und die ist nicht von der Hand zu weisen.
  • „Die Überschüsse des Unternehmenssektors sind ein neues Phänomen der letzten zehn Jahre. Wir finden sie in einem grossen Teil der Welt, auch in den USA und in der Schweiz. Meine Hypothese ist, dass wir durch die Schwäche der Lohnentwicklung ein permanentes, globales Nachfrageproblem haben. (…) Wegen der Nachfrageschwäche investieren die Unternehmen weniger, und dann werden sie von den Staaten auch noch durch Steuersenkungen gefördert. Die Folge ist, dass ihre Cashflows angeschwollen sind und sie nicht mehr wissen, wohin sie sollen mit dem ganzen Geld. Es gibt zu wenige Investitionsprojekte, weil die gesamte Nachfrage nicht genug gross ist.“ – bto: Da ist sie wieder, die säkulare Stagnation, ausgelöst von Ersparnisüberhängen. Was ist mit Demografie? Wie wirkt die Globalisierung? Richtig ist aber, dass selbst ich die Unternehmen höher besteuern würde, wenn sie nicht investieren. Habe ich ja schon mehrfach geschrieben.
  • Der Staat „müsste dafür sorgen, dass der Anstieg der Produktivität plus Zielinflationsrate den Arbeitnehmern immer ausbezahlt wird. Die Löhne einfach den sogenannten Marktkräften zu überlassen, funktioniert nicht.“ – bto: Wäre es nicht besser, der Staat würde es attraktiver machen, im Land zu investieren, die Abgabenlast senken und investieren?
  • „Wenn jetzt eine radikale Regierung in Italien übernähme, müsste die sehr geschickt vorgehen. Eine Koalition gegen Deutschland zu bilden, wäre auch heute ungeheuer schwer. Macron (…) versucht, Deutschland zu Zugeständnissen zu bewegen. (…) Am Ende wird er Applaus bekommen, und alle werden ihn beglückwünschen, wenn er tatsächlich ein europäisches Budget bekommen hat. Aber das Problem wird sein: Gemessen am BIP der EU wird es so verschwindend klein sein, dass es irrelevant bleibt.“ – bto: Nein, das Problem ist, wie auch der IWF vorrechnet, dass es nie groß genug sein kann. Es funktioniert halt nicht.
  • „Ein Nord-Euro, oder wie auch immer man ihn nennen würde, würde nach einem Austritt der mediterranen Länder massiv aufwerten. Dann wären die heiligen Marktanteile und die Exportüberschüsse der deutschen Industrie akut gefährdet. (…) Deutschland hat einen Exportanteil von fünfzig Prozent, was enorm viel ist für eine grosse Volkswirtschaft. Es hat deshalb am meisten zu verlieren in einer Handelsauseinandersetzung.“ – bto: kein Wort zu den enormen Forderungen, die wir verlieren werden.
  • „(…) es ist nur eine Frage der Zeit, bis das ein böses Ende nimmt. Dass es in Italien so kommen wird, wie es jetzt gekommen ist, war vorauszusehen. Alberto Bagnai, in meinen Augen einer der besten italienischen Ökonomen, ist nun für die Lega angetreten. Er bezeichnet sich selber als Marxisten. Stellen Sie sich vor: ein Marxist in der Lega! Er hat mir gesagt: Du kannst nicht verstehen, was ich tue, aber ich sage dir: Es gibt keine Alternative. Wenn die Lega in eine Koalitionsregierung kommt – sie hat ja noch einen zweiten sehr guten Ökonomen, Claudio Borghi –, wird sie alles daransetzen, entweder Druck für eine Politikänderung aufzubauen oder aber den Euro zu verlassen. In Frankreich ist ein Euro-Austritt immer noch ein Tabu. In Italien ist das nicht mehr so.“ – bto: Es läuft so oder so auf ein ökonomisches, finanzielles und politisches Desaster zu.
  • „(…) besonders Norditalien, ist eine hochkreative und produktive Volkswirtschaft. Sie brauchen jedoch die richtigen Rahmenbedingungen und die richtigen Stimulanzien. Die können nur von der Nachfrageseite kommen. Unter dem Euro wurden die Rahmenbedingungen in Italien zerstört. Die guten italienischen Ökonomen verstehen das.“ – bto: Ich denke auch, dass Italien gut bedient wäre, den Euro zu verlassen.
  • „(…) die Fiskalunion ist nicht die Lösung, das sieht man am Beispiel der deutschen Wiedervereinigung. Die wurde abgefedert durch eine Fiskalunion und durch riesige Transfers, aber Ostdeutschland ist heute noch tief frustriert und strukturschwach.“ – bto: Das freut mich. Gerade von linker Seite wird es ja gerade immer wieder behauptet. Gut, dass Flassbeck es so klar und deutlich sagt.
  • Die Lösung ist, (ein) Festkursverbund mit vernünftiger Lohnkoordination. Das ist das Einzige, was sinnvoll wäre.“ – bto: Und wie, bitte, löst man damit das Schuldenproblem?
  • Die EZB sollte zuständig sein für jedes Land der Eurozone, nicht für keines. Aber nun soll jedes Land immer damit rechnen müssen, für Bankrott erklärt zu werden. Und gegen diese Drohung soll es keine geldpolitischen Mittel mehr geben, sondern nur noch die Arbeitsmarktflexibilität. Das ist vollkommener Irrsinn. (…) Sie hat nicht verstanden, dass sie auch die Zentralbank Griechenlands ist. Sie hätte diesem Land helfen müssen. Stattdessen hat sie diese brutalen Aktionen gemacht in Griechenland und in Zypern und den beiden Ländern den Geldhahn zugedreht, sodass das Bankensystem in den nächsten Stunden zusammengebrochen wäre. Das war eine schwere Verfehlung.“ – bto: Flassbeck sagt also, dass die EZB für alle Staatsschulden einstehen soll. O. k., aber ist das gerecht angesichts der sehr unterschiedlichen Schuldenstände?
  • Eine grosse Volkswirtschaft wie Deutschland kann sich nicht dauerhaft von riesigen Exportüberschüssen abhängig machen. Allen anderen werfen wir Strukturprobleme vor, aber das größte Strukturproblem in Europa ist die deutsche Wirtschaft.
  • „In Ihrer Gesamteinschätzung, global betrachtet, ist es also die deutsche Wirtschaftspolitik, die am meisten Schaden anrichtet? – Ja. Ich hätte das auch nie für möglich gehalten. Die Deutschen werden stur bleiben – ausser wenn es jetzt richtig kracht. Trump hat begriffen, dass mit Reden nichts erreicht wird. Da hat er sich gesagt, na dann hauen wir ihnen eben eins vor den Sack. Zu Recht, fürchte ich. Und was glauben Sie, was geschieht, falls Deutschland einen Wachstumseinbruch erleidet? Die deutsche Industrie würde zu Merkel gehen und sagen: Gib gefälligst Geld aus! Das ist auch schon beim Konjunkturprogramm 2008/2009 geschehen (…).“ – bto: wenn es so einfach wäre. Natürlich würde der Staat dann viel Geld ausgeben, zugleich würde aber die Wohlstandsillusion platzen, die Auslandsforderungen sich in Luft auflösen und die Migrations-Konflikte explodieren.

Flassbeck wohnt übrigens in der Nähe von Genf. Konsequent.

republik.ch: „Die Frage ist, ob sich Europa retten lässt“, 3. April 2018

28 Kommentare
  1. Alexander sagte:

    Mit dem Fall des eisernen Vorhanges sind auch die alten Argumentationsketten von Gewerkschaftlern zusammengebrochen, dito. Keynes.

    Seit 1990 kann jeder Konzern aus Kostengründen globalisieren, gerne innerhalt EU jedoch Ex-Euro – z.B. nach Ungarn. Der Volkswagen aus Warschau hatte (!) einen besseren Ruf als der Fiat aus Turin, wobei sich Rom an die Flassbeckschen Lohninflationsausgleiche hielt. dito. Frankreich.

    Natürlich können das nicht alle Unternehmen, mit fatalen Auswirkungen auf die Kaufkraft der Löhne trotz bundesdeutscher Beschäftigungsrekorde. Die Alternative diese Unternehmen crashen zu lassen ist eine?

    Dieses mal sind „die Linken“ Önonomen zu nationalistisch unterwegs, halt auf EU Ebene.

    Besonders China profitiert vom Gefälle des Lebensstandards zu Europa/USA und diesen nominal durch höhere Löhne zu vergrößern ist die Lösung?

    -> Setzen Heiner, deine Zeit ist vorbei.

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  2. Wolfgang Selig sagte:

    Herr Dr. Stelter, eine Diskussion mit Herrn Flassbeck zur Überschuldung macht wenig Sinn. Er hat weder ein Gerechtigkeitsgefühl für die Fehlanreize im innerdeutschen Finanzausgleich noch für Transfers ohne Gegenleistung innerhalb der EU. Kommunitarismus ist ihm völlig fremd, daher ist er auch Überzeugungstäter. Ihm fehlt hier das Unrechtsbewusstsein, das andere Menschen mit Leistungen haben, denen keine Gegenleistung gegenüber steht und oft nicht einmal ein Einvernehmen mit den Belasteten besteht.

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    • Jens Happel sagte:

      Gerechtigkeit ist ein schwieriges Thema, da hochgradig subjektiv.

      Das Tranfers nicht die Lösung sind sagt Flassbeck ja explizit auch.

      Ich finde die Unterschiede in der Analyse (nicht in der Therapie) zu Dr. Stelter überraschend klein. Wie übrigens auch die Unterschiede zwischen Dr. Flassbeck und Prof.Sinn.

      Ich habe beide (Sinn und Flassbeck) Positionen mal gegenübergestellt und Flassbecks Argumentation an Hand der Daten aus der AMECO Datenbank mal nachgerechnet. Die Excel Tabellen habe ich alle in Dropbox zur Verfügung gestellt, wer will kann es runter laden und selbst nachrechnen.

      http://www.deliberationdaily.de/2018/02/wie-ich-lernte-den-euro-zu-fuerchten/

      Dr. Flassbeck weißt der unterschiedlichen Wettbewerbsfähigkeit eine größere Bedeutung zu und Dr. Stelter den Schulden. Das ist für mich ein bisschen wie die Frage nach Henne und Ei. Eine Vokswirtschaft die bei nachlassnder Wettbewerbsfähigkeit ständig mehr importiert als exportiert verschuldet sich fast zwangsläufig. Ausnahme waren lange USA und UK die durch die Wallstreet und die City Kapitalzuflüsse generieren konnten und so zwar eine negative Handelsbilanz aber eine halbwegs ausgeglichene Leistungsbilanz hatten. (Zur Zeit funktioniert das auch nicht mehr, deswegen dürfte Trump so poltern). Der Süden der EWU hat keine Wallstreet, deswegen gehen für mich nachlassende Wettbewerbsfähigkeit und zunehmende Verschuldung einer Volkswirtschaft beim !AUSLAND! Hand in Hand.

      Dies hat auch langzeitige Auswirkungen, da die Zinsen aus dem laufenden BIP erwirtschaftet werden und ins Ausland abfließen, so dass die Volkswirtschaft längerfristig Federn lässt. Kurz ich teile Dr. Flassbecks These, dass Schulden keine Rolle spielen nicht, wenn es denn seine These ist. Hat er das so ganz explizit wirklich gesagt?

      Schockierend, finde ich dass mehrere Ökonomen, Dr.Stelter, Prof. Sinn und Dr.Flassbeck dem Euro bescheinigen, dass er nicht funktioniert und dass die exorbitanten ExportÜBERschüsse völlig kontraproduktiv sind.

      In den Lei(d)medien liest man darüber erschreckend wenig bis das genau Gegenteil, dort werden die ExportÜBERschüsse abgefeiert, als wären wir wieder Fussballweltmeister geworden.

      In der Politik sehe ich nur totale Ignoranz und Inkompetenz zu dem Thema.

      Mfg Jens Happel

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      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Jens Happel

        >Schockierend, finde ich dass mehrere Ökonomen, Dr.Stelter, Prof. Sinn und Dr.Flassbeck dem Euro bescheinigen, dass er nicht funktioniert …>

        Warum finden Sie das schockierend – was ist schockierend daran, wenn etwas festgestellt wird, dass so OFFENSICHTLICH ist, wie die Dysfunktionalität der Eurozone?

        Oder ist es schockierend, DASS die Eurozone nicht funktioniert?

        Der Meinung kann man allerdings sein angesichts der BEDEUTUNG der Eurozone für uns.

        Und:

        NOCH schockierender ist, dass es offensichtlich UNMÖGLICH ist, sie zum Funktionieren zu bringen.

        Bin einmal kurz über Ihre Abhandlung gegangen.

        Sie sagen:

        „Lediglich die Frage woher die unterschiedliche Inflation kommt beantwortet er (Prof. Sinn, D.T.) anders. Er sagt der Süden hätte durch die billigen Kredite massiv inflationiert (10:50). Die Kredite waren für Deutschland aber genau so billig. Wieso sollte das denn in Deutschland nicht zu Inflation geführt haben? Wieso erhöht das die Preise ausschließlich im Süden? Hier liefert er keine Erklärung.“

        Natürlich liefert er eine Erklärung.

        Die geht so und wird, soweit ich sehe, nicht ernsthaft bestritten:

        Der Zinsen waren vor der Währungsunion im Süden deutlich höher, weil ein Abwertungsrisiko u. a. gegenüber der DM bestand. Mit der Währungsunion ist es entfallen und der Süden konnte sich anders als z. B. Deutschland, wo sich die Zinsen nicht geändert haben, bei geringerer Zinsbelastung MEHR verschulden. Das hat im Süden die Nachfrage hoch getrieben, die Inflation beschleunigt und natürlich auch die Lohnkosten steigen lassen. Für uns war es oberflächlich auch nicht schlecht, weil u.a. mehr BMW und Mercedes nach Griechenland exportiert werden konnten.

        Und:

        Der Zinseffekt hat z. B. Griechenland zeitweise ein Wirtschaftswachstum von 5% beschert.

        Alle haben gejubelt, was für ein Erfolg diese Eurozone ist!

        Kurzum:

        Ihr Fehler ist, dass Sie die dargelegte VERÄNDERUNGEN nicht mit einbeziehen.

  3. Dietmar Tischer sagte:

    >„Deutschlands Erfolg gründet darauf, dass sich seine Lohnstückkosten, also die Lohnkosten, die ein Unternehmer bezahlen muss, um ein bestimmtes Produkt zu produzieren, seit der Einführung des Euros 1999 kaum erhöht haben. (…)>

    Falsch.

    Deutschlands Handelsbilanzüberschüsse gründen darauf, aber nicht Deutschlands Erfolg, der auf ATTRAKTIVEN Produkten beruht, die auch preislich akzeptabel sind.

    >Weil sie keine eigene Währung mehr haben, die sie abwerten könnten, bleibt ihnen als einziges Mittel, auf Deutschlands Preisvorteil zu reagieren, das eigene Lohnniveau zu senken. Wechselkurse abwerten kann man relativ leicht, starke, flächendeckende Lohnsenkungen hingegen sind für die betroffenen Länder eine Katastrophe.“>

    Starke, flächendeckende Lohnsenkungen sind UNMÖGLICH, weil sie GLEICHZEITIG von einer Reduzierung der Schulden begleitet werden müssten. Die ist nicht realisierbar.

    Da wir andererseits auch nicht aufwerten können, sollten sie austreten aus dem Euro. Dann können sie mit einer eigenen Währung wieder abwerten.

    >„Schauen Sie nach Italien. (…) Das Ergebnis der Wahlen ist absolut anti-europäisch. Bei Cinque Stelle gibt es eine Basisbewegung, die gegen den Euro ist. Die Lega ist massiv und offen gegen den Euro. Das ist das Ergebnis der deutschen Politik, die sechs Jahre Rezession in Italien verursacht hat.“ –>

    Quatsch.

    Italien hatte schon vor der Währungsunion so viele Probleme, die zu lösen nicht einmal ansatzweise versucht wurde – etwa der Art, wie es Macron in Frankreich derzeit angeht –, dass Flassbeck einfach nur unseriös ist mit seiner einseitigen Schuldzuweisung.

    >Wenn Haushalte, Unternehmen und der Staat alle sparen, dann bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin Geld ins Ausland zu transferieren. Das geht aber nur, wenn das Ausland sich noch mehr verschuldet.“>

    Falsch.

    Man könnte im Ausland auch Vermögenswerte kaufen.

    >Zweitens ist es falsch, zu glauben, man könne ein Niedriglohnland konkurrenzieren, indem man die Löhne senkt. Das ist absurd. Das muss man im Übrigen auch gar nicht, weil ein Niedriglohnland deshalb ein Niedriglohnland ist, weil seine Produktivität gering ist.>

    Flassbeck blendet die Realität aus.

    Selbstverständlich kann man mit einem Niedriglohn konkurrieren und man muss es sogar, um die INVESTITIONEN im eigenen Land zu halten. Die Gewerkschaften und die Arbeitnehmer in den Exportindustrien wissen das genau und üben DESHALB Lohnzurückhaltung.

    >„Es geht um das politische Überleben Europas. Damit sich die Situation entscheidend verbessert, müssten die Löhne in Deutschland fünf Jahre lang um fünf, sechs Prozent pro Jahr steigen. So könnte die Eurozone wieder ins Gleichgewicht kommen.“ >

    Die Löhne werden in Deutschland nicht derart steigen. Es wäre eine nationale Katastrophe, weil dadurch die Exporte erheblich sinken und die Steuereinnahmen drastisch fallen würden, womit das Sozialsystem nicht mehr finanzierbar wäre.

    Es ist eine Illusion zu glauben, dass Deutschland auf diese Weise das Überleben Europas sichert.

    >Meine Hypothese ist, dass wir durch die Schwäche der Lohnentwicklung ein permanentes, globales Nachfrageproblem haben. (…)>

    Die Hypothese ist nicht haltbar, denn wir haben kein globales Nachfrageproblem.

    >„Die Lösung ist, (ein) Festkursverbund mit vernünftiger Lohnkoordination.>

    Das ist nicht die Lösung, weil NIEMAND die Löhne koordinieren kann und will.

    >„In Ihrer Gesamteinschätzung, global betrachtet, ist es also die deutsche Wirtschaftspolitik, die am meisten Schaden anrichtet? – Ja.>

    Dummes Zeug.

    Wenn schon, dann ZUSAMMEN mit denen, die unsere Güter IMPORTIEREN.

    Fazit:

    Flassbeck ist ein Schwätzer.

    Weil seine „Lösungen“ so REALITÄTSFERN sind, wie es nur geht, hört zu recht niemand auf ihn.

    Antworten
    • Jens Happel sagte:

      Deutschlands Handelsbilanzüberschüsse gründen darauf, aber nicht Deutschlands Erfolg, der auf ATTRAKTIVEN Produkten beruht, die auch preislich akzeptabel sind.

      Sorry, das ist Wortklauberei. Sie sind preislich akzeptabel, da Deutschlands Währung im Euro unterbewertet ist. Wie wollen sie außerdem Deutschlands Erfolg definieren ohne die über 8% ExportÜBERschüsse am BIP zu berücksichtigen? Wenn sie die 8% vom BIP abziehen gibt es keinen deutschen Erfolg mehr.

      Italien hatte schon vor der Währungsunion so viele Probleme, die zu lösen nicht einmal ansatzweise versucht wurde – etwa der Art, wie es Macron in Frankreich derzeit angeht –, dass Flassbeck einfach nur unseriös ist mit seiner einseitigen Schuldzuweisung.

      Fakt ist, das Italien seit Euroeinführung so gut wie kein Wachstum hatte, zuvor aber schon. Deutschland verstößt übrigens schon geraume Zeit gegen die EU-Regel, das die Exportüberschüsse max. 6% des BIPs sein dürfen. Eine Grenze die unsinning hoch ist, und nur durch Druck Deutschlands so hoch gesetzt wurde.

      Man könnte im Ausland auch Vermögenswerte kaufen.

      Damit dies dem Problem des Euros hilft müssten deutsche Unternehmen aber massiv im Süden der EWU investieren oder Deutsche dort immer mehr Immobilien kaufen. Da im Süden der EWU aber die Wettbewerbsfähigkeit niedrig ist und die Wirtschaft dahin krebst, wird genau dies nicht passieren, denn Unternehmen und Privatleute, die investieren wollen in erster Linie Rendite und nicht die deutsche Leistungsbilanz begradigen ;-)

      Selbstverständlich kann man mit einem Niedriglohn konkurrieren und man muss es sogar, um die INVESTITIONEN im eigenen Land zu halten. Die Gewerkschaften und die Arbeitnehmer in den Exportindustrien wissen das genau und üben DESHALB Lohnzurückhaltung.

      Nicht die Löhne per se sind entscheidend sondern die Produktivität! In einer Volkswirtschaft mit eigener Währung, führt Lohnzurückhaltung zu nichts, da die Exporterfolge zur Aufwertung der Währung führen. Immerhin reduziert eine Aufwertung die Importkosten, so dass die Angestellten/Arbeiter durch die stärkere Währung mehr Kaufkraft haben. Arbeitsplätze kann man aber nicht hinzugewinnen. Dies setzt Währungsmanipulationen vorraus, oder ein System wie den Euro. Hier verliert der Süden Arbeitsplätze und die Verschuldung steigt, im Norden gibt es Arbeitsplätze aber keine Kaufkraftzuwächse, da der Süden auch die Währung des Nordens nach unten zieht. Zusätzlich finanziert der Norden die Exportüberschüsse in den Norden zwangsläufig selbst und türmt Forderungen auf, die nicht einbringbar sind. Ich sehe nicht wie man in diesem System von Gewinnern und Verlieren sprechen kann. Das ist für den Norden und den Süden eine loose loose Situation, dies ist zumindest meine Meinung. Das hat das Potenzial den europäischen Gedanken zu sprengen.

      Die Hypothese ist nicht haltbar, denn wir haben kein globales Nachfrageproblem.

      Die Klärung dieser Frage interessiert mich. Ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht. Stutzig mach mich, dass die bereinigte Lohnquote in allen einwickelten Volkswirtschaften seit 1985 im langfristigen Trend rückläufig ist. Parallel dazu blähen sich die Börsen und Derivatehandel immer mehr auf und immer mehr Geld kreist dort. Dort schafft es aber keine Werte und fehlt in der Realwirtschaft. Außerdem wird durch legale Steuervermeidung immer mehr Geld in Steueroasen geparkt ohne Nachfrage zu schaffen. Parallel dazu sehen wir eine Assetinflation auch bei Immobilien. Dies sind schon Anzeichen für mich, die die Theorie eines globalen Nachfragemangel eher stützen als ausschließen.

      Flassbeck ist ein Schwätzer.

      Eher nicht. Bereits 1997 wies er auf die Probleme des Euros hin.

      http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/FR_Dokumentation_DRS_Freitag_31-10-1997_2.pdf

      Bereits 2005 prognostizierte er die Deflationstendenzen

      http://www.flassbeck.de/pdf/2005/8.11.2005/Die%20deutschen%20Lohnst%FCckkosten.pdf

      Zitat:

      Kopieren die Partnerländer hingegen die Strategie des Gürtel-enger-Schnallens, können sie im Preissenkungswettlauf mithalten. Das bedeutet aber
      zwingend, dassdie Zielinflationsrate in der Währungsunion nicht gehalten werden kann, sondern eine Abweichung nach unten erfolgt. Bei einer Zielrate von 2 % nähert man sich dann unversehens der Deflation, deren einmal begonnenem Teufelskreis zu entkommen nur schwer möglich ist.

      Weil seine „Lösungen“ so REALITÄTSFERN sind, wie es nur geht, hört zu recht niemand auf ihn.

      Das wird Dr. Stelter (und auch Prof. Sinn) nur ungern hören, denn ich wüsste nicht dass jemand auf sie hört, von den paar Hanseln hier im Forum mal abgesehen. ;-)

      Mit freundlichen Grüßen

      Jens Happel

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Jens Happel

        >Deutschlands Handelsbilanzüberschüsse gründen darauf, aber nicht Deutschlands Erfolg, der auf ATTRAKTIVEN Produkten beruht, die auch preislich akzeptabel sind.

        Sorry, das ist Wortklauberei.>

        Nicht ich, sondern Flassbeck bringt „Erfolg“ ins Spiel und benutzt damit einen Begriff, der keine ökonomische Kategorie, geschweige denn ein Konzept bezeichnet. Ich antworte ihm darauf ANGEMESSEN mit der Begrifflichkeit „ATTRAKTIVE Produkte“, die zwar auch kein ökonomisches Konzept, aber sachlich richtig ist.

        Wenn Sie weiterhin auf Wortklauberei bestehen, wenden Sie sich an Flassbeck.

        >Italien hatte schon vor der Währungsunion so viele Probleme,…

        Fakt ist, das Italien seit Euroeinführung so gut wie kein Wachstum hatte, zuvor aber schon. Deutschland verstößt übrigens schon geraume Zeit gegen die EU-Regel…>

        Es geht um die EINSEITIGE Schuldzuweisung von Flassbeck an Deutschland („… ist das Ergebnis der deutschen Politik“, die sechs Jahre Rezession in Italien verursacht hat“) und nicht darum, ob wir uns regelkonform oder nicht verhalten haben.

        Um mir zu widersprechen, müssten Sie darlegen, dass die italienischen Probleme NUR durch Deutschland verursacht worden sind. Das tun Sie nicht.

        >Man könnte im Ausland auch Vermögenswerte kaufen.

        Damit dies dem Problem des Euros hilft müssten deutsche Unternehmen aber massiv im Süden der EWU investieren oder Deutsche dort immer mehr Immobilien kaufen.>

        WO wir Vermögenswerte kaufen müssten, steht nicht zur Debatte.

        Denn die Aussage von Flassbeck lautet:

        „Wenn Haushalte, Unternehmen und der Staat alle sparen, dann bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin Geld ins Ausland zu transferieren. Das geht aber nur, wenn das Ausland sich noch mehr verschuldet.“

        Sie müssten nachweisen, dass das SPAREN in Deutschland NOTWENDIGERWEISE zu Transfers – hier: zu einer Verschuldung des Auslands – führt. Das tun Sie nicht.

        >Selbstverständlich kann man mit einem Niedriglohn konkurrieren und man muss es sogar, um die INVESTITIONEN im eigenen Land zu halten. Die Gewerkschaften und die Arbeitnehmer in den Exportindustrien wissen das genau und üben DESHALB Lohnzurückhaltung.

        Nicht die Löhne per se sind entscheidend sondern die Produktivität!>

        Meine Aussage beinhaltet, dass Löhne ein Standortfaktor sind.

        Wenn Sie mir widersprechen wollen, müssen Sie diese Auffassung widerlegen und nachweisen, dass sie keiner sind. Das tun Sie nicht.

        >Die Hypothese ist nicht haltbar, denn wir haben kein globales Nachfrageproblem.

        Die Klärung dieser Frage interessiert mich. Ob dem wirklich so ist, weiß ich nicht.>

        Wenn man z. B. auf China und seine WACHSTUMSRATEN schaut, weiß man, dass es kein globales Nachfrageproblem gibt.

        >Flassbeck ist ein Schwätzer.
        Eher nicht. Bereits 1997 wies er auf die Probleme des Euros hin.>

        Der Verweis auf 1997 ist neben der Sache. Es geht hier um seine Aussagen in einem AKTUELLEN Interview.

        Um mir zu widersprechen, müssten Sie darlegen, dass die von mir kritisierten Auffassungen, die Flassbeck in dem Interview äußert, zumindest ERNSTHAFT diskussionswürdig sind. Das tun Sie nicht.

        Fazit:

        Einige Ihrer Aussagen sind zwar richtig, als WIDERSPRUCH zu meinen Bewertungen von Flassbeck sind sie aber WERTLOS.

        Sie sind wertlos, weil Sie NICHT auf meine Aussagen EINGEHEN, sondern ziellos mit Lehrbuchweisheiten um sich werfen.

        Wenn Sie nicht lernen, wie diskutiert wird, werden Sie vielleicht manches Richtige sagen, aber NIE Recht bekommen (können).

    • Jens Happel sagte:

      @Dietmar Trischer

      Der Zinsen waren vor der Währungsunion im Süden deutlich höher, weil ein Abwertungsrisiko u. a. gegenüber der DM bestand. Mit der Währungsunion ist es entfallen und der Süden konnte sich anders als z. B. Deutschland, wo sich die Zinsen nicht geändert haben, bei geringerer Zinsbelastung MEHR verschulden. Das hat im Süden die Nachfrage hoch getrieben, die Inflation beschleunigt und natürlich auch die Lohnkosten steigen lassen.

      Sie beantworten aber nicht die Gretchenfrage. Warum hat die plötzlich höhere Nachfrage die Handelsbilanz in Negative gerissen? Hätte der Süden seine Nachfrage ausschließlich im Inland gestillt, hätte sich die italienische, portugiesieche etc. Volkswirtschaft bei sich selbst verschuldet und nicht über das Target2 System bei Deutschland.
      Es ist die Kombination aus schlechterer Wettbewerbsfähigkeit gegenüber (u.a.) Deutschland und einer Kreditvergabe ohne Sicherheiten über das Target2 System, das die Probleme erklären kann. Hätte Italien, Portugal etc. alle Waren und Dienstleistungen bei sich selbst gekauft, wären die niedrigen Zinsen und die höhere Inflation erst mal kein Problem gewesen. Italien hatte auch vor dem Euro meistens eine höhere Inflation als Deutschland, aber eben auch Wirtschaftswachstum.

      Die niedrigen Zinsen und die höhere Inflation für sic genommen erklären genau gar nichts.

      Mfg Jens Happel

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Jens Happel

        Ich muss keine Gretchenfrage beantworte.

        Und ich muss auch keine „HÄTTE-Diskussion“ führen.

        Die Frage ist, ob richtig ist, was Sie behaupten:

        >Wieso erhöht das die Preise ausschließlich im Süden? Hier liefert er keine Erklärung.“>

        Ich habe die dargelegt, die Prof. Sinn gegeben hat.

        Ist es eine Erklärung oder ist es keine?

        Ihre Antwort:

        >Die niedrigen Zinsen und die höhere Inflation für sic genommen erklären genau gar nichts.>

        Sie verstehen nicht einmal, was Gegenstand der Diskussion ist.

    • Jens Happel sagte:

      Sie müssten nachweisen, dass das SPAREN in Deutschland NOTWENDIGERWEISE zu Transfers – hier: zu einer Verschuldung des Auslands – führt. Das tun Sie nicht.

      Ich antworte mit einer Lehrbuchweisheit ;-). Eine Volkswirtschaft als ganzes also „sparen in Deutschland“ führt IMMER zu einer Verschuldung des Auslandes!

      Stichwort: Giralgeld und Saldenmechanik, mal googeln

      Sie meinen vielleicht im Ausland investieren, das ist aber nicht sparen. Man spart Geld und investiert in Güter. Der Unterschied ist, dass das Ausland beim „sparen“ Zinsen nach Deutschland zahlen muss beim „investieren“ nicht!

      Wenn man z. B. auf China und seine WACHSTUMSRATEN schaut, weiß man, dass es kein globales Nachfrageproblem gibt.

      Auf meine Frage ob die sinkende bereinigten Lohnquote in den westlichen Industrienationen begleitet von Assetinflation auf ein globales Nachfrageproblem hinweisen, antworten sie mit der Wachstumsrate in China?

      Flassbeck ist ein Schwätzer.

      Der Verweis auf 1997 ist neben der Sache. Es geht hier um seine Aussagen in einem AKTUELLEN Interview.

      Um mir zu widersprechen, müssten Sie darlegen, dass die von mir kritisierten Auffassungen, die Flassbeck in dem Interview äußert, zumindest ERNSTHAFT diskussionswürdig sind. Das tun Sie nicht.

      Brilliant! Sie bezeichnen jemanden uneingeschränkt als Schwätzer wollen das Gegenargument aber einschränken auf einen einzigen Artikel. Da zücke ich meinen Hut und gebe mich geschlagen ;-)

      Einige Ihrer Aussagen sind zwar richtig, als WIDERSPRUCH zu meinen Bewertungen von Flassbeck sind sie aber WERTLOS.

      Sie sind wertlos, weil Sie NICHT auf meine Aussagen EINGEHEN, sondern ziellos mit Lehrbuchweisheiten um sich werfen.

      Lehrbuchweisheit siehe oben

      Wenn Sie nicht lernen, wie diskutiert wird, werden Sie vielleicht manches Richtige sagen, aber NIE Recht bekommen (können).

      Diesen Ratschlag gebe ich ihnen gerne zurück.

      Mfg Jens Happel

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Jens Happel

        >Man spart Geld und investiert in Güter.>

        Eben, das ist eine Möglichkeit.

        Deshalb ist falsch, was Flassbeck sagt:

        >„Wenn Haushalte, Unternehmen und der Staat alle sparen, dann bleibt nichts anderes übrig, als weiterhin Geld ins Ausland zu transferieren. Das geht aber nur, wenn das Ausland sich noch mehr verschuldet.“>

        Denken sie einmal über die Bedeutung von „nur“ nach.

        Flassbeck:

        >Meine Hypothese ist, dass wir durch die Schwäche der Lohnentwicklung ein permanentes, globales Nachfrageproblem haben. (…)>

        Ich:

        >Wenn man z. B. auf China und seine WACHSTUMSRATEN schaut, weiß man, dass es kein globales Nachfrageproblem gibt.>

        Sie:

        >Auf meine Frage …hinweisen … >

        Ihre Frage ist irrelevant.

        Begründen Sie, wenn Sie es können, warum es bei den chinesischen Wachstumsraten DORT ein Nachfrageproblem GIBT oder wenn es keines gibt, warum China nicht zu „global“ zählt.

        Wir reden über einen SACHVERHALT und nicht darüber, was auf was verweist.

        >Brilliant! Sie bezeichnen jemanden uneingeschränkt als Schwätzer …>

        Ich habe nicht gesagt, dass jeder Satz, den Flassbeck jemals gesagt hat, Geschwätz sei.

        Meine Aussage steht im EINDEUTIGEN Kontext seines Interviews.

        SIE treten aus diesem Kontext und unterstellen mir mit „uneingeschränkt“ Oberflächlichkeit und Anmaßung.

        Das passt, so wie Sie argumentieren.

        Ich nehme gern Ratschläge an.

        Sie müssen aber schon Substanz haben, darunter mache ich es nicht.

        Üben Sie noch ein wenig, vielleicht schaffen Sie es einmal.

  4. Veking sagte:

    „bto: Und da hänge ich immer. Wo ist denn der Nutzen, wenn wir zinslose Darlehen zum Kauf unserer Güter vergeben, die dann auch nicht getilgt werden?“
    Die Erklärung steht, denke ich, am Anfang des Artikels: Staatssekretär + rund 10 % Arbeitslosigkeit in Frankreich und Italien. Anscheinend sieht man in den Exportüberschüssen den Grund für die niedrigere Arbeitslosenrate in Deutschland und damit einhergehend vermeintlich bessere Lebensbedingungen.
    In der Politik sind finanzielle Mittel (entweder sie sind da oder werden eingeworben) oft die Mittel, die die Maschine am Laufen halten und nichts, was irgendwie zu lagern wäre.

    Antworten
  5. SB sagte:

    In diesem Zusammenhang:

    Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat in einer Rede in München die europäische Währungsunion als „Fehlkonstruktion“ bezeichnet und vor „Zombie-Banken“ und einer bevorstehenden „großen Finanz-Katastrophe“ gewarnt.

    https://de.sputniknews.com/politik/20180612321133460-eu-finanzen-krise-euro/

    Daraus:

    „Die EU kann und darf sich nicht allein auf die deutschen Finanzen verlassen.“
    „Deutschland hat schlicht nicht genug Geld, um die schlechte Euro-Konstruktion zu retten“,…“

    „Das bisherige Prinzip, dass ökonomisch starke Euro-Staaten wie Deutschland oder auch die Niederlande „die Defizit-Länder – so wie mein Griechenland – finanziell in Krisen unterstützen“, sei nie hilfreich gewesen. „Das ist nicht wünschenswert und auch nicht praxistauglich.“ Berlin sollte weder in einer politischen noch wirtschaftlichen Union „verpflichtet sein, für andere zu zahlen“.

    Interessant…

    „…Zudem würde das Euro-System nur Populisten und rechts-nationalistische Bewegungen in Europa befördern.“
    Frage: Wenn Parteien die Fehlkonstruktion Euro also solche – genau wie Varoufakis selbst – erkennen und dagegen politisch angehen, warum sind sie dann populistisch und rechts-nationalistisch?

    Antworten
  6. RW sagte:

    Man könnte es auch bezüglich der Altschulden so machen, dass alle Schulden, die vor der Euroeinführung gemacht wurden, in eine Bad Bank geschoben werden und dann zu langlaufenden Anleihen (z.B. über 100 Jahre) gewandelt werden. Die Anleihen werden abgezinst. Wenn die Abzinsung den Wert Null erreicht, werden die Anleihen gelöscht, da dann der Kaufpreis durch die Zinszahlungen egalisiert wurde.
    Da vor dem Euro der Verschuldungsgrad Italiens bei 120 des BIP lag, heute bei 130 des BIP ( Aussage von Prof. Sinn) könnte die Eurozone so neu gestartet werden.

    Antworten
  7. Aghdam's Themenabend sagte:

    Ich bin der Meinung dass Deutschland sehr wohl von der Situation profitiert. Ein guter Unternehmer gibt immer mehr als er nimmt- und baut sich so Reputation und treue Kunden auf. Geringe Arbeitslosigkeit bei niedrigen Löhnen ist besser als anders herum. Und dass die Deutschen das verdiente Geld dann nicht gut anlegen ist nicht die Schuld von Handelsüberschüssen. Auch wenn man dann sagt die Italiener sinnd reicher: Die dortigen Immobilienbesitzer haben auch nichts von ihrer Immobilie wenn ihr Land dauerhaft abgehängt wird. Der deutsche Mieter hat einen Job und kann schnell die Stadt wechseln wenn es mal eng wird um dann in der entfernten Stadt sich niederzulassen weil es dort noch Jobs gibt. Ich bin zwar kein Ökonom, aber rein vom Gefühl her würde ich sagen für die Deutschen ist es bis jetzt sehr gut gegangen, und ich beneide die Südeuropäer nicht. Stellen sie sich einmal vor ein guter Freund ist zehn Jahre lang arbeitslos, solche Fälle gibt es dort bestimmt häufiger bei so noch hohen AL-Zahlen. Keine schöne Vorstellung.

    Antworten

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