Deutschland befindet sich in einer Strukturkrise

Die Industrien, auf denen unser Wohlstand basiert, stammen allesamt aus dem Kaiserreich. Damit ist eigentlich schon gesagt, wo das Risiko liegt: Es gelingt uns nicht, neue Industrien zu entwickeln, und die Verteidigung der alten Industrien wird immer schwerer. Klar, deutsche Ökonomen sagen das nicht (laut), aber Franzosen können das. In der F.A.Z.:

  • „Deutschland befindet sich in einer strukturellen, nicht konjunkturellen Krise. Denn die Spezialisierung seiner Industrie ist sehr ungünstig: Auto, Chemie und Maschinenbau stehen für 7,2 Prozent der Bevölkerung. (…) Diesen Industriebereichen geht es sehr schlecht, denn sie setzen auf die Produkte von gestern.“ – bto: Ja, absolut richtig. Auch unsere Patente sind auf die Optimierung in diesen Bereichen fokussiert.
  • „Wir erleben einen strukturellen Umbruch (…) Diesel (…) will heute niemand mehr kaufen. Für Plastik (…) gilt jetzt das Ziel, 90 Prozent zu recyceln. (…) die Landwirtschaft (…) braucht weniger Agrarchemie.“ – bto: Es ist eindeutig, dass wir das letzte Hurra unseres Wirtschaftsmodells erlebt haben. Es wird sich bitter rächen, dass unsere Politik nichts getan hat, um uns besser vorzubereiten, zum Beispiel durch bessere Bildung und Förderung von Innovation.
  • (Die Welt wandelt sich) zur Dienstleistungsgesellschaft. (…) Alle Entwicklungen kommen den Dienstleistungen zugute, nicht der Industrie. (…) Man leiht sich, was man vorher gekauft hat. Daher wird in der Welt künftig viel weniger Kapital gebraucht. Und die deutsche Wirtschaft hat da ein Problem, weil sie noch viele Kapitalgüter produziert.“ – bto: was auch im Maschinenbau ein Problem wird, sobald die Industrialisierung stattgefunden hat.
  • Und, was sind die attraktiven Bereiche? Hier sieht Patrick Artus Frankreich im Vorteil: „Der Flugzeugbau, der Luxusbereich und der Sicherheit- und Verteidigungssektor.“ – bto: tja. Der Flugzeugbau wurde ja nach der Fusion zu Airbus immer mehr von einem Gemeinschafts- zu einem französischen Unternehmen. Da zeigt sich die französische Strategie.
  • „Auf der Kostenseite hat sich die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stark verschlechtert. (…) Deutschland (ist) 16 Prozent teurer als Frankreich oder Italien und 30 Prozent teurer als Spanien. (…) Die Löhne wachsen stärker als die Produktivität. (…) Die Gewinne der Unternehmen sind noch hoch. Das verdanken sie weitgehend den niedrigen Zinsen.“ – bto: So sichert die Politik der EZB auch Arbeitsplätze hierzulande. Kann man sicherlich so argumentieren.
  • „Die deutsche Industrie wird noch stärker Standorte in die billigen Länder Osteuropas verlegen. Die Arbeitslosigkeit wird steigen. Bisher halten die meisten Unternehmen noch ihre Beschäftigten (…).“ – bto: Ich schätze, die Arbeitslosigkeit wäre heute vier Prozentpunkte höher, wenn die Unternehmen ihre Belegschaften an die Nachfrage angepasst hätten.
  • „(…) die Unternehmen (sollten) die Produktion umstellen und auf die Produkte von morgen konzentrieren, etwa Wasserstoff-getriebene Autos.“ – bto: was natürlich verdeutlicht, wie wichtig es ist, mehr und vor allem ergebnisoffen in Forschung und Innovation zu investieren.
  • „Auf jeden Fall können Regierungen nicht die Technologien von morgen vorschreiben, weil sie diese nicht kennen. Der amerikanische Ansatz, über die staatliche Förderagentur Darpa den Unternehmen ohne Einmischung Geld zur Verfügung zu stellen, scheint mir sinnvoll.“ – bto: mir auch! Denn es ist nicht sehr überzeugend, unsere Politiker als die Innovatoren zu sehen.

Fazit auch hier: Die deutsche Party nähert sich dem Ende. Es droht eine Krise, von der wir uns eventuell nicht mehr erholen werden.

faz.net: „Deutschland setzt auf die Industrien von gestern“, 29. Oktober 2019

Kommentare (29) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Bernd Naumann sagte:

    „Das konnten die angloamerikanischen und jüdischen Zionisten“ – wenn ich sowas lese, bekomme ich jedes Mal Gewaltphantasien. Dieser Dreck taucht früher oder später in jedem Forum, in jedem Blog auf. Es ist wie Gülle auf den gedeckten Mittagstisch kippen.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Bernd Naumann:

      Geht mir mit nonkonformist genauso. Ich kann diesen rechtsextremen Mist nicht mehr hören. Wenn man keine Ahnung hat, sollte man nicht kommentieren. Ich an Herrn Dr. Stelters Stelle würde den Beitrag rauswerfen.

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter sagte:

      Sehr geehrter Herr Naumann, ich habe den Kommentar den sie bemängeln gelöscht. Ich teile Ihre Auffassung und bitte ALLE Teilnehmer auf diesen Seiten von solchen pauschalisierenden Aussagen abzusehen. BTO ist ein freiheitliches Forum.

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    Bernd Naumann sagte:

    @Frau Finke-Röpke
    „zwischen China 1979 und 2019“, das wäre nicht gelungen, bestände in China mehr als die Hälfte der Jugend aus bildungsfernen, mit geringer kognitiver Kompetenz ausgestatteten Jugendlichen. Genau dies erfolgt derzeit in D und es verstärkt sich von Monat zu Monat. Betrachten Sie sich die durchschnittlichen Bildungserfolge muslimischer Migranten, jener uns am meisten beehrenden Zuwanderergruppe. Das meine ich mit bildungsdemografischem Schwert. Es ist unumkehrbar, es kann nur noch um die Geschwindigkeit des Sturzes gehen. Empfehle, dazu G. Heinsohn, gerne auch T. Sarrazin zu lesen.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Bernd Naumann:

      Ich bin da optimistischer, wenn ich meine ehrgeizigen muslimischen Mädels im Betrieb sehe. Aber ich gebe zu, dass meine Wahrnehmung nicht repräsentativ ist.

      Wenn Sie bei China etwas in die Vergangenheit zurückgehen, können Sie ähnliche Kommentare seitens der Briten in Zeiten des Opiumkrieges im 19. Jahrhundert über die Unfähigkeit der Chinesen finden.

      Für mich ist nichts in Stein gemeißelt. Ich will aber nicht ausschließen, dass es so wie von Ihnen vorhergesagt kommt; das Risiko dafür ist gewaltig hoch.

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    Bakwahn sagte:

    „bto: was auch im Maschinenbau ein Problem wird, sobald die Industrialisierung stattgefunden hat.“
    Die Industrialisierung???
    Gemeint ist wohl die weitere Automatisierung und Digitalisierung der industriellen Fertigung.

    Ansonsten: interessanter Text, emotionale, wutschnaubende, zornige Diskussion, die den Atem wehrloser Ohnmacht versprüht.
    Was wollt ihr?
    Der Wähler, der Souverän will das so!!! Gewöhnt euch endlich dran.

    Live aus Buxtetown am Esteriver – 13.50 Uhr 4.11.2019
    Felix Haller – seit 2013 alternativ

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    jochen selig sagte:

    Was ist schon modern? Beretta wurde 1526 gegründet und ist heute noch gut im Geschäft. Die Eisenbahn ist älter als das Auto. Was ist nun davon modern? Kernkraft ist neuer als Wind, Sonne, Kohle, Öl. Modern oder unmodern? Diese Etiketten alt/modern werden je nach politischem Standpunkt vergeben.
    Darpa gibt genaue Ziele aus, die wissen schon, was sie wollen. Da kann man nicht einfach an irgendwas rumforschen.
    Ich sehe das Problem in Deutschland eher darin, dass man glaubt, dass die Politik die (technische) Zukunft vorherbestimmen kann. Es existiert in der herrschenden Politikklasse keine Vorstellung davon, zu was ein (kapitalistischer) Staat eigentlich da ist: Rechtssicherheit, Sicherheit innen und außen.

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      Vielen Dank Herr Selig für den vernünftigen Kommentar.
      Nach dem den anderen Kommentatoren nur noch Sarkasmus einfällt, schärfen Sie den Blick auf die Realität und vor allem auf die primären Aufgaben der Regierung.
      Die Struktur unserer „alten“ Industrie sehe ich auch nicht so schwarz. Besonders nach einer Krise ist es vielleicht vorteilhafter Agrochemikalien und Maschinen zu produzieren anstatt der im Artikel empfohlenen Luxusgüter. Ein Industriearbeiter, der gelernt hat eine CNC-Maschine zu bedienen, ist für eine Volkswirtschaft auf jeden fall nützlicher als ein Pizzaausfahrer (Dienstleistung).

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ jochen selig

      >Ich sehe das Problem in Deutschland eher darin, dass man glaubt, dass die Politik die (technische) Zukunft vorherbestimmen kann.>

      Wenn nur dies das Problem wäre.

      Die Politik soll noch viel mehr können.

      Bei Anne Will sagte gestern die als politisches Talent gefeiert Marina Weisband, die von den Piraten zu den Grünen gewandert ist, dass die Politik eine VISION zur Familie in 50 Jahren entwickeln und den Leuten anbieten solle.

      Kein Widerspruch, nichts – offensichtlich eine Selbstverständlichkeit.

      Ich erinnere an einen Politiker, der sozialdemokratischer Kanzler war und zu derartigen Vorstellungen von Politik gesagt hatte:

      Wer Visionen hat, soll zum Arzt gehen.

      Es ist lange her.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Es ist ja richtig, dass sich Deutschland in einer Strukturkrise befindet.

    Es ist vor allem eine SINNKRISE.

    Da hilft es nicht, Trübsal zu blasen, wie:

    >Es droht eine Krise, von der wir uns eventuell nicht mehr erholen werden.>

    Man muss vielmehr die Zeichen der Zeit erkennen und KONSTRUKTIV denken, wie hier:

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article202885942/Klimaschutz-Gruene-fordern-neue-Definition-von-Wohlstand.html

    Wenn wir die Dinge so angehen, wird es bei uns keine Krise geben.

    Die anderen machen die industrielle Drecksarbeit und wir sind fein raus.

    Hier zeigt sich übrigens exemplarisch, wie Politik hin zu einer „postindustriellen Gesellschaft“ GESTALTEN kann:

    Kein nerviges Gehacke über Bedürftigkeitsprüfung, sondern neu DEFINIEREN, damit nie mehr von Bedürftigkeit die Rede sein wird.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      Sehr lobenswert! Reichtum und Armut sind schließlich nur soziale Konstrukte, genau so wie Gender und Identität. Aber nicht nur die Expertin für Kobolde und Stromnetzinfrastruktur Baerbock profiliert sich als Vordenkerin, auch die Komsomolzen von der Grünen Jugend bringen konkret auf den Punkt, welche Forderungen die Grünen in Zukunft haben werden:

      „Mit euch will ich gegen Antisemitismus eintreten, für queerfeministische Klimagerechtigkeit kämpfen und Kapitalismus und Patriarchat überwinden“ – Rebecca Morsch (heißt wirklich so), frisch gewähltes Vorstandsmitglied Grüne Jugend
      https://twitter.com/gruene_jugend/status/1190764769772474375

      Was Baerbock zum Thema klimagerechte Wohlstandsbilanzierung schreibt, ist damit aus queerfeministischer Sicht belanglos, weil sie ja leider keine Lesbe und soweit mir bekannt nicht einmal ein bisschen bisexuell ist. Tja.

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      Quintus sagte:

      Konstruktives Denken bei den Grünen?!

      Das blablameter-Ergebnis für dieses Grüne Manifest:
      Bullshit-Index :0.4
      Ihr Text riecht schon deutlich nach heißer Luft – Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken.

      Aber ich habe von Frau Anna-Lena Baerbock( Originalzitat: An Tagen wie diesen, wo es grau ist, da haben wir natürlich viel weniger erneuerbare Energien. Deswegen haben wir Speicher. Deswegen fungiert das Netz als Speicher. Und das ist alles ausgerechnet.) nichts anderes erwartet….

      Auch die Grüne Jugend macht bereits konstruktive Vorschläge bzw. hat erkannt wofür man in diesen Zeiten kämpfen muß:

      „Wir leben noch immer in einem patriarchialen System, in dem weibliche Lust eigentlich gar keine sein darf.
      Ich kämpfe für eine Welt, in der wir endlich selbst über unseren Uterus entscheiden dürfen“
      Herzlichen Glückwunsch zur Wahl in den Bundesvorstand, @KellichRahel #GJBuKo

      Oder:

      „Mit euch will ich gegen Antisemitismus eintreten, für queerfeministische Klimagerechtigkeit kämpfen und Kapitalismus und Patriarchat überwinden“
      Herzlichen Glückwunsch auch an @becciiu zur Wahl als Beisitzerin in den Bundesvorstand!#GJBuKo

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        asisi1 sagte:

        Das eigentlich schlimme daran ist, das wir diese Leute „Zwangs durchfüttern “ müssen!

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Quintus

        >Sie wollen hier wohl offensichtlich etwas verkaufen oder jemanden tief beeindrucken.>

        Das will ich immer und das mindestens „tief“, darunter mach ich es nicht.

        Aber es gelingt natürlich nicht immer – wie offensichtlich bei Ihnen.

        Ist ja auch kein Wunder, weil sich meine Meinung nicht am Bullshit-Index orientiert.

        Ich nehme lediglich eine FÜHRENDE deutsche Politikerin ernst und bemesse Ihre Aussagen an der Realität.

        Dabei setzte ich voraus, dass diese auch die Leser meiner Beiträge kennen und somit meine Aussagen so bewerten können, wie sie gemeint sind.

      • Avatar
        Quintus sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Der Bullshitindikator betraf den Text von Frau Baerbock !
        Daß sie uns etwas verkaufen wollen, ist nicht ihre Intention und das wissen auch alle Leser, welche sich hier aktiv in diesem Forum betätigen.
        Ich würde Ihnen dies auch nie unterstellen, dazu schätze ich ihre Beiträge zu sehr.

  6. Avatar
    Stefan Bohle sagte:

    Ich sehe aktuell vor allem Vergleiche mit dem Italien der späten 80er/ frühen 90er Jahre
    – umfassende neue soziale Wohltaten
    – finanziert durch billiges Geld der Zentralbanken
    – entgegen aller Beteuerungen geringe staatliche Investitionstätigkeit
    – übermäßige staatliche Eingriffe in die Privatwirtschaft, daraus folgend geringe private Investitionstätigkeeit
    – allerdings – das sei zur Ehrenrettung erwähnt – augenscheinlich keine Korruptionsproblematik auf Regierungsebene

    Der darauf folgende und bis heute nicht abgeschlossene Niedergang geschah nicht im Wege einer großen Krise, sondern graduell, und auch erst mit einem Zeitverzug von 5-10 Jahren. Das Gift des zentralbankfinanzierten Politikversagens liegt aber gerade in dieser wohlfühlig zeitversetzten Wirkung.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Bohle

      „– allerdings – das sei zur Ehrenrettung erwähnt – augenscheinlich keine Korruptionsproblematik auf Regierungsebene“

      Sie sollten Ihre Augen überprüfen lassen. Bundesverteidigungsministerin von der Leyen zum Beispiel war so korrupt, dass sie auf EU-Ebene wegbefördert werden musste:

      „Der Prüfbericht stelle dagegen erhebliche Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von 56 Berater-Verträgen aus dem Zeitraum von 2015 bis 2017 mit einem Gesamtvolumen von 93 Millionen Euro fest, heißt es in dem bericht. Demnach sei in rund 80 Prozent die Notwendigkeit von externen Beratern „nicht nachgewiesen“, die Wirtschaftlichkeit in fast keinem der Fälle geprüft und 44 der 56 Berater-Projekte „freihändig“ vergeben worden.“
      https://www.t-online.de/nachrichten/deutschland/id_84707736/affaere-um-beratervertraege-bericht-von-der-leyen-raeumt-systematische-fehler-ein.html

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Fazit auch hier: Die deutsche Party nähert sich dem Ende. Es droht eine Krise, von der wir uns eventuell nicht mehr erholen werden.“

    Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht, da die Krise die einzige Chance ist, den überflüssigen Quatsch zu beenden, mit dem sich zur Zeit sehr viele beschäftigen (z.B. Mietendeckel, Gendertoiletten, Ölheizungsverbote, etc.). Ich sehe die Chancen 50:50. Entweder es wird wie nach der vorletzten Währungskrise 1923 oder wie nach der letzten 1948 (bezogen auf den Westen). Entweder wählen wir wie beim ersten Mal Sozialismus (ob national oder international ist vermutlich dann schon fast egal, siehe Thüringenwahl) oder Freiheit und Marktwirtschaft wie beim zweiten Mal. Bei Variante 1 erholen wir uns zu meinen Lebzeiten nicht mehr, bei Variante 2 sehr schnell.

    Das Ganze kann man innerparteilich teilweise schön an Personen festmachen: Ramelow oder Kipping? Meuthen oder Höcke? Merz oder Günther? Boris Palmer oder Jürgen Trittin? Niemand oder Kühnert? Schäffler oder Lindner? Gauweiler oder Söder? Geht auch bei Medien: Tichy oder Kleber…

    Und jetzt reden wir noch gar nicht von den Ideen, die die USA, Singapur oder Israel verfolgen. Denn da stellt sich die Frage nach Sozialismus nicht.

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Frau Finke-Röpke

      „Entweder es wird wie nach der vorletzten Währungskrise 1923 oder wie nach der letzten 1948 (bezogen auf den Westen). Entweder wählen wir wie beim ersten Mal Sozialismus (ob national oder international ist vermutlich dann schon fast egal, siehe Thüringenwahl) oder Freiheit und Marktwirtschaft wie beim zweiten Mal.“

      Auch die BRD hatte damals keine komplett freie Wahl. Oder glauben Sie, die 3 westlichen Besatzungsmächte hätten es toleriert, wenn irgendeine linksradikale Partei an die Macht gekommen wäre um statt der sozialen Marktwirtschaft eine sozialistische Planwirtschaft einzuführen und die BRD an die sozialistische Einflusssphäre anzudocken?

      Vielleicht wählen die Deutschen dieses Mal ja auch grünen Sozialismus – also grün wie die Farbe des Islam, mit Planwirtschaft und Umverteilung in der Umma und Sonder-Unterwerfungssteuer für die Dhimmis. Das wäre immerhin eine elegante Methode, um den Feminismus und Genderismus zu entsorgen, als Mann ist das durchaus eine Überlegung wert…

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott:

        Richtig, die BRD hatte keine komplett freie Wahl, aber die sozialistischen Gedankengänge in Frankreich und Großbritannien nach dem zweiten Weltkrieg waren ausgeprägt (mit entsprechenden Folgen, z.B. Margaret Thatcher als Reaktion) und die USA waren von der Preisfreigabe durch Ludwig Ehrhardt anfangs überhaupt nicht begeistert (erst nach den sichtbaren Erfolgen). Die Westdeutschen hätten wesentlich planwirtschaftlicher handeln dürfen (Gott sei Dank taten sie es nicht!), wenn sie nur politisch dem Westen verhaftet geblieben wären. Andere Nato-Mitglieder haben das ja auch gemacht.

    • Avatar
      Bernd Naumann sagte:

      Sehr geehrte Frau Finke-Röpcke,
      es kann, im Gegensatz zu 1948, keine Erholung geben. Alle bildungsdemografischen Fakten stehen dem entgegen. Wenn wir viel Glück haben, können wir uns mittel/langfristig auf dem heutigen Niveau z.B. der Ukraine oder Bulgariens halten. Bildungsdemografie erinnert an das Pendel bei E.A. Poe. Die Folgen kommen unmerklich, langsam näher, die ersten Schnitte ritzen nur die Oberfläche…..TIMSS und VISA in D belegen, dass das Pendel bereits die Kleidung zerschneidet.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Bernd Naumann:

        Das glaube ich nicht. Wir haben inzwischen derartig viel sozialistische Regelungen eingeführt, dass wir alleine durch deren Abschaffung kurzfristig enorme Energien freisetzen könnten. Aber eines ist klar: Jahrzehntelange Irrwege können nicht kurzfristig komplett beseitigt werden. Aber wenn man die Unterschiede zwischen Nord- und Südkorea oder zwischen China 1979 und 2019 sieht, denke ich schon, dass bei der richtigen Politik ganz schön viel Potential bestünde.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Die Krise ist keine Chance.

      Ihr Entweder/Oder entspricht zwar zeitgemäßer digitaler Kommunikation – ich meine das in mehrfacher Hinsicht -, aber Ihr Blick zurück geht an der Realität vorbei.

      Denn:

      Die Menschen wollen keine weitreichenden Entscheidungen treffen, sondern erwarten, dass Ruhe im Karton herrscht.

      Hier aktuell:

      https://www.faz.net/aktuell/politik/wahl-in-thueringen/umfrage-cdu-soll-in-thueringen-mit-linkspartei-zusammenarbeiten-16467726.html

      79% der Deutschen und 91% der Thüringer wünschen sich, dass die CDU mit der Linkspartei zusammenarbeitet.

      Sie haben auch ein Recht dazu:

      Denn Wählen ist nicht nur eine Entscheidung für diese Partei und/oder für diese Führungsfigur, sondern immer auch die Erwartung, eine STABILE, d. h. VERLÄSSLICHE Regierung zu bekommen.

      Eine Partei kann sich der Regierungsbeteiligung verweigern, wenn andere Parteien zusammen eine Mehrheit haben, Stabilität herzustellen.

      Die FDP konnte auf Bundesebene aus den Jamaika-Verhandlungen ungestraft aussteigen, weil CDU und SPD eine mehrheitlich getragene Regierung bilden konnten.

      Dass dies beiden nicht gut bekommen ist, sollte zum Nachdenken anregen, ist aber erst einmal eine andere Sache.

      In Thüringen ist die Lage anders.

      Die CDU kann offensichtlich nicht damit umgehen, wie die Auseinandersetzungen zwischen den Dogmatikern vornehmlich in Westdeutschland und den Pragmatikern vor allem in Ostdeutschland zeigen.

      Wenn sie so weiter macht, geht sie den Weg der SPD.

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      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Eine Partei kann sich der Regierungsbeteiligung verweigern, wenn andere Parteien zusammen eine Mehrheit haben, Stabilität herzustellen.“

        Naja, das Argument können Sie in unserem Mehrparteiensystem fast immer herausholen und gegen jede beliebige Partei wenden. Wieso verweigert sich denn die CDU einer in Thüringen möglichen AfD-CDU-FDP-Koalition?

        An Thüringen entsetzt mich eher, wie großflächig seit einer Woche die Propaganda der Gesinnungsjournalisten in ganz Deutschland läuft, der zufolge die Linkspartei angeblich eine ganz normale Partei der demokratischen Mitte ist. Ich hätte da im Westen deutlich mehr kontroverse Diskussion erwartet.

        Sollte es tatsächlich zu einer Linke-CDU-Koalition kommen, wird die AfD in Zukunft die einfachsten Wahlkämpfe bestreiten können, die Sie überhaupt vorstellen können. Die Einheitsliste der „Nationalen Front“ gegen die AfD gibt es dann nämlich wirklich, nötigenfalls in Form einer Koalition zwischen CDU und Linke, die wir vor 10 Jahren wahrscheinlich noch alle für komplette ideologische Gegenpole gehalten hätten.

      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Dietmar Tischer:

        DT: „Die Menschen wollen keine weitreichenden Entscheidungen treffen, sondern erwarten, dass Ruhe im Karton herrscht.“

        Richtig. Aber immer dann, wenn Sie im Leben mit einer neuen einscheidenden Information versorgt werden, MÜSSEN Sie eine weitreichende Entscheidung treffen. Ob es Ihnen passt oder nicht, auch wenn es Ihre Ruhe stört, denn die Umwelt zwingt Sie dazu.

        Beispiele:

        Egal, ob Ihre Freundin Ihnen erzählt, dass sie schwanger ist, oder ob Ihr Hausarzt Ihnen eine Darmkrebsdiagnose übermittelt. Dann müssen Sie DInge wie Abtreibung ja oder nein, dauerhafte Beziehnung ja oder nein, Chemotherapie ja oder nein, usw. überlegen. Denn diese Sachen werden Ihnen durch den Kopf gehen, sobald Sie nüchtern genug sind, auch wenn Sie nicht daran denken wollen.

        Und genauso wird es in einer Wirtschaftskrise sein. Wenn Ihr Arbeitsplatz wegfällt, Ihre persönliche Inflationsrate kritisch schnell wächst oder Sie einen verzweifelten Einbrecher-Anfänger in Ihrer Wohnung vorfinden – Sie müssen sich mit dem Thema auseinandersetzen, weil es Ihre Grundbedürfnisse betrifft.

        Und wenn die CDU jetzt in Thüringen mit der Linkspartei zusammenarbeitet, kann sie das gerne tun. Daran wird Deutschland m.E. nicht zugrunde gehen. Aber möge sich dann niemand wundern, wenn die einzig übrig gebliebene programmatische Oppositionspartei AFD dann beim nächsten Mal noch mehr Stimmen erhält.

        Ayn Rand sagte dazu einst sinngemäß: Man kann die Realität ignorieren, aber nicht die Folgen einer ignorierten Realität. Die CDU lernt das gerade auf die harte Tour. Die SPD ist schon weiter fortgeschritten bei diesem Lernprozess.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        Ich stimme natürlich dem zu, was Sie zu „Krise auf der persönlichen Ebene“ sagen.

        Und ganz klar, dann MÜSSEN harte Entscheidungen getroffen werden.

        Aber das trifft nicht, was ich sage und meine:

        Es geht mir um das WOLLEN und ERWARTEN der Menschen.

        Weder privat oder politisch – da will keiner Krisen und damit verbunden harte Entscheidungen treffen müssen.

        Deshalb im vorliegenden Fall dieses Votum mit dem „Auftrag“ an die CDU, sich an einer stabilen Regierung zu beteiligen.

        Aber völlig richtig:

        >Man kann die Realität ignorieren, aber nicht die Folgen einer ignorierten Realität.>

        Mal sehen, wie schnell die CDU das lernt.

        Und wir als Bürger des Landes werden auch noch viel zu lernen und harte Entscheidungen zu treffen haben – spätestens dann, wenn die Entscheidungen der Politik uns eine krisenhafte Realität beschert hat.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Wieso verweigert sich denn die CDU einer in Thüringen möglichen AfD-CDU-FDP-Koalition?>

        Sie dürfte sich nicht verweigern, wenn nur diese Koalition eine rechnerische Mehrheit für eine stabile Regierung hätte. (hier angenommen: stabil = rechnerische Mehrheit)

        Sie dürfte sich verweigern, wenn es nicht die einzige Möglichkeit wäre, eine rechnerisch stabile Regierung zu bilden.

        Der CDU ist von außen keine Präferenz unterzujubeln.

        Es ist lediglich zu fordern, dass sie für Stabilität sorgt, so sie dafür unentbehrlich ist.

        Das gilt auch für die FDP.

        Das heißt in der Konsequenz selbstverständlich, AfD-CDU-FDP-Koalition, wenn anders keine Mehrheit zustande kommen kann.

        Damit wäre auch der mehrheitliche WÄHLERWILLE erfüllt.

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