Der PISA-Schock mit Ansage

Was für eine Aufregung: Weil die Schere zwischen Arm und Reich auseinandergeht, haben wir schlechtere PISA-Ergebnisse. So der Tenor des ZDF, von dem wir wissen, dass die Zielgruppe links der Mitte ist → Zur Wirkung der Medien in Deutschland

Da wird dann geschrieben:

  • „Beim Lesen und in Mathe auf Platz 20, in den Naturwissenschaften auf Platz 16: Die neue PISA-Studie der OECD stellt den deutschen Schülern nur ein durchwachsenes Zeugnis aus. In allen drei Fächern verschlechterten sich die 15-Jährigen hierzulande. In Mathe und Naturwissenschaften erzielten die Schüler sogar die niedrigsten Ergebnisse seit Beginn der Studie. Damit fallen die deutschen Schüler wieder auf das Niveau vergangener Jahre zurück. Ein ernüchterndes Ergebnis, nachdem sich die Deutschen seit dem „PISA-Schock“ 2001 immer weiter verbessert hatten.“ – bto: Und wir wissen, wie wichtig gerade die MINT-Fächer sind. Ein Land ohne natürliche Ressourcen braucht Gehirnschmalz. Aber wir denken ja, wir wären „ein reiches Land“. Desaster.
  • „In der PISA-Studie haben asiatische Länder wie Japan oder Singapur die Deutschen weit hinter sich gelassen. Am besten schnitten einzelne Metropolregionen aus China ab. Peking, Shanghai, Jiangsu oder Zhejiang nahmen unabhängig vom Rest des Landes an der Studie teil. Aber auch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern hinken die deutschen Schüler hinterher. Vor allem Estland und Finnland rangieren auf Augenhöhe mit den Spitzenreitern aus Asien. Zu Deutschland gesellen sich im Mittelfeld europäische Partner wie Irland, Slowenien oder Norwegen.“ – bto: Ich erinnere in diesem Zusammenhang an die erschreckenden Zahlen von Gunnar Heinsohn:

Quelle: Gunnar Heinsohn

Ich weiß, dass es immer noch Kritiker gibt, die sagen, Mathematik würde überschätzt. Ich bin und bleibe da anderer Meinung.

Wir alle wissen, dass dies an der Bevölkerungsstruktur liegt. Doch das darf man weder bei der OECD noch beim ZDF so deutlich sagen, weshalb man sich auf die Ungleichheit fokussiert (OHNE zu erwähnen, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland so gering ist, wie fast nirgendwo auf der Welt, Gini von 0,29!)

  • „Die OECD vermutet, dass zwei Entwicklungen für die schlechteren Ergebnisse verantwortlich sind. Zum einen hat sich die Bevölkerung in Deutschland in den vergangenen Jahren verändert. Der Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund ist um vier Prozentpunkte gestiegen. Die Hälfte dieser Schüler stammt laut OECD aus wirtschaftlich schwächeren Haushalten. Und das erklärt zu einem großen Teil, warum die Leistungen der deutschen Schüler zurückgegangen sind. Denn gerade in Deutschland gehe die Schere zwischen Arm und Reich in der Bildung auseinander. Die privilegiertesten Schüler erzielten in der PISA-Studie deutlich bessere Ergebnisse als ärmere Mitschüler.“ – bto: Könnte es nicht sein, dass bildungsferne Schichten weniger verdienen und deshalb auch deren Kinder schlechtere Leistungen bringen? Es liegt natürlich auch an schlechten Schulen, ABER es liegt vor allem an dem Hintergrund der Schüler. Dies zu leugnen, ist nicht nur naiv, sondern ist eine Desinformation.
  • Der Abstand zwischen den obersten und untersten 25 Prozent ist seit 2009 um neun Prozent gestiegen. 113 Punkte beträgt der Unterschied zwischen den wirtschaftlich stärkeren und schwächeren Schülern. Zum Vergleich: Das entspricht in etwa dem Abstand zwischen Deutschland und Kasachstan beim Lesen.“ – bto: Das ist schon eine Verbesserung, liegen doch die Leistungen im PISA in den Herkunftsländern der Migranten noch tiefer. Dazu nochmals Gunnar Heinsohn:

Quelle: Gunnar Heinsohn

Der dazu schrieb: → Mathe, Mathe, Mathe!

  • Es geht um mathematische KompetenzenSie wachsen nicht im Gleichschritt mit steigenden Kinderzahlen, denn man kann nicht lernen, gut in Mathematik zu seinInvestitionen in diese Mutter aller intangible assets können hier in Nullertrag enden, während sie andernorts natürlich heranwachsen. Überdies erreichte man schon 1995 das Maximum dessen, was durch Erziehung erreichbar ist. Der Flynn-Effekt – IQ-Zunahme durch bessere Ernährung, Schulgeldfreiheit und mehr Zuwendung durch weniger Kinder – weicht seitdem in etlichen westlichen Ländern einer Abnahme des IQ. – bto: Hier würde ich allerdings einen wichtigen Einwand bringen. Nach meiner persönlichen Erfahrung kann man mit mehr Engagement bei gleicher Begabung mehr an mathematischen Fähigkeiten herausholen. Natürlich wird nicht jeder zu einem Mathegenie. Aber die meisten könnten mehr. Gerade durch Förderung der guten Schüler wäre mehr Exzellenz möglich.
  • „(…) der noble Glaube, dass bei kostenloser Staatserziehung jeder alles lernen könne, (wurde) bereits durch PISA 2012 widerlegt. Unter 1.000 Migrantenkindern der zweiten Generation konnten damals nur 13 sehr gut rechnen (63 bei den Altdeutschen), über 500 aber endeten mangelhaft bis unbenotbar (gegen 300 Altdeutsche). Bei TIMSS sackte man zwischen 2007 und 2015 vom 12. auf den 24. Platz.“ – bto: Das reiche Land ist schon jetzt Geschichte!
  • Wer eigene Talente hält, fremde Könner gewinnt und Niveausenker fürchtet, bleibt im Rennen. Singapur – bei nur 83 Kindern pro 100 Frauenleben (150 in D) – schafft das mit 45 Prozent Migranten sowie 14 Prozent Muslimen und hat – nach Berechnungen Heiner Rindermanns – nicht nur die klügsten Einwohner der Welt (IQ 105 gegen 100 in Deutschland), sondern auch die gescheitesten Zuwanderer (IQ 106 gegen 92). Gleichwohl macht der Stadtstaat sich Sorgen und betreibt eine Schulreform. Man hat die ähnlich gescheiten Volkschinesen im Nacken, die mengenmäßig 240 Mal stärker sind. Unterricht in Roboter- und Computerbau soll die Schule lockerer machen. Dabei liegt die Landesjugend beim kooperativen Problemlösen längst auf Platz eins. Das Team der nicht einmal sechs Millionen Einwohner holt – gegen China – im Juli Gold beim International Young Physicists‘ Tournament. Auch die beiden Jahre davor ist man die Nummer eins.“ – bto: So bleibt man auch in Zukunft an der Spitze!

Stattdessen geht es bei uns immer mehr bergab: → welt.de: „Grundschüler können nicht mehr richtig schreiben“, 12. Februar 2018

  • „Das zeigte nicht zuletzt der vom Institut für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) im Auftrag der Kultusministerkonferenz erhobene Bildungstrend 2016. Danach erreicht gerade mal etwas mehr als die Hälfte der Viertklässler den Regelstandard beim Schreiben, etwa zwei Drittel beim Lesen und Zuhören. Nur 62 Prozent der Viertklässler haben bundesweit in Mathematik die von der Kultusministerkonferenz vorgesehenen Mindeststandards erreicht.“ – bto: Bestimmt sind nur die Standards bei uns so hoch. (lautes Lachen!)
  • 28 Prozent der Berliner Schüler sind laut IQB-Studie in Mathe so schwach, dass sie die Mindestanforderungen nicht erreichen, in Rechtschreibung sind es sogar 34 Prozent.“ – bto: weshalb die Flucht aus den öffentlichen Schulen ausgeprägt ist. Es können sich nur nicht alle leisten und nicht alle Eltern kümmern sich. Hier beginnt die Ungerechtigkeit.
  • Die aktuellen Ergebnisse der Vergleichsarbeiten, die Berliner Drittklässler (…) sind noch weit dramatischer. 24.000 Grundschüler nahmen teil, drei Viertel von ihnen erreichten die Regelstandards im Bereich Rechtschreibung nicht. Die Hälfte kommt nicht an die Mindestanforderungen heran.“ – bto: Damit verfestigt sich die Armut in der Stadt. Und das ist politisch so gewollt!
  • Wie stark das Niveau gesenkt wird, damit auch alle „mitkommen“ und wie schlecht es für deutsche Kinder ist in mehrheitlich von Ausländern bevölkerten Klassen zu lernen, zeigt sich daran: „(…) auch für deutschsprachige Schüler sind die Zahlen alarmierend: In Rechtschreibung erreichten nur fünf Prozent den Optimalstandard, 40 Prozent liegen auf der untersten Stufe. 60 Prozent der Kinder mit einer anderen Muttersprache blieben unter dem Mindeststandard.“
  • Die Auswüchse eines mangelhaften Rechtschreibunterrichts erreichen auch die Universitäten. So stellt das Institut für Germanistik der Universität Duisburg-Essen (UDE) mit Sorge fest, dass unter den Lehramtsstudenten für das Fach Deutsch deutliche Defizite im Bereich Rechtschreibung und Grammatik vorliegen. Mittlerweile bietet die Universität gezielte Projekte an, bei denen die Sprachkompetenzen von Lehramtsstudenten verbessert werden.“ – bto: Lehramtsstudenten!!! Hast du da noch Worte?

Oder auch hier: → Der Verfall des deutschen Bildungswesens in Zahlen

  • „Die Gruppe der Spitzenschüler bei Pisa-Studien wird kontinuierlich kleiner. So war der Anteil der 15 Jahre alten Schüler, die das Höchstniveau im PISA-Test erreichten, in den Jahren 2006 bis 2015 in Mathematik von 4,5 Prozent auf 2,9 Prozent gesunken. (Es ist also) ein Rückgang der Leistungsanforderungen.“bto: Auch in diesem Bereich ruiniert die Politik die Zukunft des Landes!

Und in Berlin ist es besonders schlimm: → Berliner Bildungspolitik als Menetekel für den Niedergang des Standort

Was wird nun passieren? Statt offen zuzugeben, dass die Art der Zuwanderung – überwiegend unqualifizierte – sich natürlich im schulischen Leistungsniveau niederschlagen muss, wird die Politik lauthals mehr Umverteilung fordern. Wie habe ich schon vor Monaten geschrieben? Erst die Migration, dann der Sozialismus. → „Erst Migration, dann Sozialismus“

Problem ist nur: Das Geld dürfte bald an allen Ecken und Enden fehlen und dann gilt der Spruch von Margaret Thatcher: „The problem with socialism is that you eventually run out of other people’s money.“

Wir müssen uns ehrlich machen und endlich anerkennen, wie unsere Art der Migration wirkt und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Einfach umzuverteilen wird das Problem nämlich nicht lösen.

→ zdf.de: „Pisa: Deutschland so schlecht wie lange nicht“, 3. Dezember 2019

Kommentare (31) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Bauer sagte:

    „… man kann nicht lernen, gut in Mathematik zu sein.“

    Das ist mit Verlaub gesagt nonsense. Man kann! Das Problem ist, dass den Schülern Mathematik nicht altersgeeignet vermittelt wird, weil die Lehrenden selbst Mühe damit haben. Beispiel:

    Eines abends um 19 Uhr stand die 15jährige Tochter der Nachbarn vor meiner Tür: „Wir haben morgen Mathetest und ich habe nichts verstanden“ – „Um was geht es?“ – “ Trigonometrie, die Winkelfunktionen!“ – „Das ist aber reichlich spät, dass Du damit jetzt kommst. Komm‘ rein, wir versuchen es.“ Dann gab es einen Intensivkurs bis 21 Uhr. Sie schaute mich ungläubig an: „Ist das wirklich so einfach?“ – „Ja, und jetzt gehst Du schlafen, das gehört auch zur Vorbereitung.“ Am nächsten Nachmittag kam sie rüber: „Ich habe alles richtig gelöst“ – „Na, also.“

    Und solche Beispiele habe ich viele erlebt. Mathematik ist leichter als alles andere, es gibt keine Ausnahmen oder Büffeln wie in den Sprachen und anderen Lernfächern. Es macht einfach „klick“ im Hirn und dann kann man höchstens noch üben, um die Aufgaben rascher richtig zu erfassen und zu verarbeiten.

    Das Problem ist der Unterricht, und der beginnt mit abstrusen Schulbüchern.

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      @ Bauer
      „… man kann nicht lernen, gut in Mathematik zu sein.“

      wenn Sie „lernen“ durch „büffeln“ ersetzen, stimmt es wieder.

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        Bauer sagte:

        @ U. Remmlinger

        Auch wieder nicht richtig. Man kann mathematische Regeln und Techniken lernen und doch nicht verstehen. Es muss „klick“ machen im Hirn, je eher, desto besser. Mit „klick“ meine ich die logische Kette erfassen. Nicht umsonst muss man dazu ganz von vorn anfangen in der Beweiskette, sozusagen bei Archimedes und Pythagoras. Wenn man da auf halber Strecke einsteigt, wie so oft praktiziert, bleibt alles Hekuba.

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      Horst sagte:

      „Das Problem ist der Unterricht, und der beginnt mit abstrusen Schulbüchern.“

      Auch das ist meine Wahrnehmung, daher schrieb ich:

      „Stattdessen sollten wir uns fragen, in welchen Teilbereichen die Ausbildung der Lehrer offenkundig so nachlässig ist, dass so wenige es schaffen, die Kinder mit Enthusiasmus und Begeisterung auf die Reise in die Welt der Naturwissenschaften mitzunehmen.“

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Wir müssen uns ehrlich machen und endlich anerkennen, wie unsere Art der Migration wirkt und die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Einfach umzuverteilen wird das Problem nämlich nicht lösen.“

    Unsere Probleme hier im Forum löst es ganz sicher nicht. Aber bei der Politik und ihren derzeitigen Vertretern bin ich mir nicht so sicher. Mehr Migration bedeutet mehr Sozialismus, mehr Sozialismus bedeutet mehr Macht für Politiker. Und wenn man die hohe Zahl an Studienabbrechern und Studenten der böse so genannten „Geschwätzwissenschaften“ nimmt, die inzwischen fast alle Parteien durchdringen, ist es aus deren Sicht m.E. rational. Wie sonst soll ein Paul Ziemiak, ein Kevin Kühnert, eine junge grüne oder linke Sozialpädagogin später mal zu ordentlich Geld und Einfluss kommen? Zum Beispiel bei einer verstaatlichten (euphemistisch „vergesellschafteten“) Wohnungsbaugesellschaft oder Automobilunternehmung?

    Insofern ist die Strategie aus eigennütziger Sicht der meisten Politiker nachvollziehbar. Nicht nachvollziehbar ist es hingegen, warum so viele Leute gegen ihre eigenen langfristigen Interessen wählen. Ich kann es mir nur mit Dummheit und Ignoranz aufgrund der derzeit noch zins- und wechselkursbedingten niedrigen Arbeitslosigkeit erklären, lasse mich aber gerne von einer wohlmeinenderen These widerlegen.

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      Ulrich Remmlinger sagte:

      @ Herrn Selig
      „Nicht nachvollziehbar ist es hingegen, warum so viele Leute gegen ihre eigenen langfristigen Interessen wählen. Ich kann es mir nur mit Dummheit und Ignoranz erklären“
      Herr Selig, Sie kennen doch den Spruch: „Wer mit 20 kein Sozialist ist, hat kein Herz und wer mit 40 immer noch Sozialist ist, hat keinen Verstand“.
      Das heutige Wählerverhalten paßt zu der Beobachtung, daß Menschen nicht mehr oder verspätet erwachsen werden. Die Infantilisierung unserer Gesellschaft ist in vielen Bereichen zu beobachten und schreitet fort. Kindisches Verhalten hat heute nicht mehr die negativen Konsequenzen, wie vor 50 Jahren. Verständnis und staatliche Fürsorge verhindern das notwendige, schmerzhafte Lernen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Ulrich Remmlinger

        >Kindisches Verhalten hat heute nicht mehr die negativen Konsequenzen, wie vor 50 Jahren. Verständnis und staatliche Fürsorge verhindern das notwendige, schmerzhafte Lernen.>

        Ich setze noch einen drauf:

        Wer heute überhaupt noch an schmerzhaftes Lernen denkt, gehört entweder zu den wenigen einer als verachtenswert stigmatisierten Elite, oder er ist ein Depp, der noch nicht begriffen hat, dass der Staat jeglichen Schmerz mit irgendeiner Respekt-Leistung zu lindern hat.

        Denn dieser Auffassung nach bemisst sich die Würde des Menschen danach, dass er in jeder Hinsicht, insbesondere materiell, ohne große Existenzängste leben kann und andere das gegebenenfalls mit einzufordernden Transferleistungen respektieren.

        Denn zu leben, ist bereits eine (Lebens)-LEISTUNG, die zu Ansprüchen an andere berechtigt.

        Auch eine Verpflichtung für sich selbst daraus abzuleiten, war vor 50 Jahren.

        Ausnahmen gibt es.

        Es sind nicht wenige, aber der gefühlten Tendenz nach nehmen diese eher ab als zu.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Ulrich Remmlinger:

        Mit der Infantilisierung haben Sie wohl einen wichtigen Punkt, habe ich so noch nicht gesehen. Früher hatten die Leute mit Mitte 20 schon 10 Jahre einen meist privatwirtschaftlichen Beruf und häufig schon ein Kind. Mitte 30 war man Elternteil von Schulkindern, Mitte 40 war wenigstens das erste Kind schon erwachsen.

        Heute geht man als Teenager in ein weltfremdes Gymnasium, studiert mit Mitte 20 oft immer noch auf einen Abschluss zu, reist kinderlos in Urlaub mit Mitte 30, gehört vielleicht mit Mitte 40 zu den „jungen“ Eltern. Kein Wunder, dass da ein Vierzigjähriger irrigerweise glaubt, er gehöre noch zu den Jungen und links wählt. Wenn dann noch Arbeitslosengeld, Bafög, Kindergeld und Mitversicherung bei der Krankenkasse bis Mitte 20 dazukommen, ist es mit der geistigen Selbstständigkeit nicht weit her.

        Ich glaube nur nicht, dass alle jungen Leute damit glücklich sind. Unübertroffen ist für mich immer noch der Tweet der 17jährigen Schülerin Naina 2015, der damals die Runde machte (z.B. in der FAZ):

        „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

        Das wird sich m.E. erst mit dem margin call ändern, denn dann fehlt das Geld für diese gesellschaftliche Lebensweise.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Selig

        „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.“

        Wo sollen die Kenntnisse denn herkommen? Die meisten Lehrer dieser Schülerin hatten sicher auch keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Ein bisschen Gedichtsanalyse-Geschwätz bringt dagegen jeder zusammen, im Zweifelsfall alles auf Feminismus beziehen, das gibt immer Punkte.

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        Ulrich Remmlinger sagte:

        @ Herr Selig, @ Herr Ott
        zur „Gedichtsanalyse“

        Wenn Sie generell die Bildung, die nicht den alltagspraktischen Fähigkeiten dient, abwerten, machen Sie einen Fehler.
        Wir haben in der Schule z.B. Max Frisch gelesen und hatten einen guten Lehrer, der die richtigen Fragen stellte. Das hat mir beim Erwachsenwerden geholfen. Wie man eine Steuererklärung macht, kann man aus dem Konz lernen, dazu braucht es keinen Schulunterricht. Die Schule soll der Persönlichkeitsbildung dienen. Dazu gehören die Klassiker genauso wie Mathematik und Naturwissenschaften.
        Vielleicht gehen zu viele Schüler aufs Gymnasium und damit auf die falsche Schule. Wer mit dem eigenständigen Lesen eines Mietvertrages überfordert ist, hat sicherlich auf dem Gymnasium nichts zu suchen. Wer nach staatlicher Hilfe bei so einfachen Anforderungen wie dem Lesen eines Mietvertrags ruft, der verharrt genau in der Infantilisierung, die ich oben kritisiert habe.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig, Ulrich Remmlinger, Richard Ott

        Man muss nicht unbedingt Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen haben.

        Helmut Schmidt gab an, dass er seine Stromrechnung nicht verstanden hat.

        Dennoch war er ein Mensch, der mit außerordentlichem Verständnis und Weitblick in der Welt agiert hat.

        Meine Auffassung:

        Man muss so viel von der Welt verstehen und d. h. so viel INTERESSE für die Welt aufbringen und so viel KOMPETENZ erwerben, dass man sich wenigstens auf den relevantesten Lebensfeldern mit eigenen ORIENTIERUNGSVERMÖGEN bewegen kann.

        Dazu kann auch eine Gedichtanalyse in 4 Sprachen gehören – aber eben nicht nur.

        Ich glaube, dass auch die Komplexität und Ausdifferenzierung z. B. im Steuerrecht, aber auch auf vielen anderen Feldern eine Mentalität fördert, der zufolge man die eigene Lebensgestaltung mehr und mehr aufgibt:

        Steuern?

        Da gibt es doch Leute, die das FÜR MICH machen können, also brauche ich davon auch NICHTS zu verstehen.

        Das ist aus meiner Sicht auch eine Tendenz, die in uns in den Kollektivismus führt:

        Wenn man zu wenig von der komplizierten Welt versteht, dann muss es doch eine Instanz geben, die die Dinge im
        Griff hat.

        Das ist dann eben der Staat.

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    Horst sagte:

    „Wir alle wissen, dass dies an der Bevölkerungsstruktur liegt.“

    Wer sind WIR ALLE? Und warum sollen schlechte Ergebnisse in den MINT-Fächern an der Bevölkerungsstruktur liegen?

    Stattdessen sollten wir uns fragen, in welchen Teilbereichen die Ausbildung der Lehrer offenkundig so nachlässig ist, dass so wenige es schaffen, die Kinder mit Enthusiasmus und Begeisterung auf die Reise in die Welt der Naturwissenschaften mitzunehmen.

    Für ausgeschlossen halte ich es, dass deutsche Kinder tendenziell „unintelligenter“ sind als südkoreanische oder japanische Kinder.

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      Richard Ott sagte:

      @Horst

      „Für ausgeschlossen halte ich es, dass deutsche Kinder tendenziell ‚unintelligenter‘ sind als südkoreanische oder japanische Kinder.“

      Wieso sollte das grundsätzlich ausgeschlossen sein? Weil es dem Dogma von der angeblichen Gleichheit aller Menschen widerspricht?

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        Thierry sagte:

        @ R. Ott, @ Horst,

        als Wanderer zwischen Welten sehe ich hier etwas anderes.

        Es ist die Schrift !!! Ein Kind des Westens braucht nur 25 Buchstaben zu kennen, ein asiatisches muss so etwa das zehnfache an Schriftzeichen beherrschen, um in der Schule wenigstens die Toilette oder den Notausgang zu finden (und später noch zusätzlich unsere bescheidenen 25 Buchstaben), etwa 1000 um ein Schulbuch zu verstehen, und mindestens 5000 um später im Berufsleben zu bestehen. Und das auch auf dem Computer, der nur 102 Tasten besitzt. Das ist ein uneinholbares Gedächtnis- und Fleisstraining, das anschliessend zur hohen Mathematikkompetenz führt.

        Im Westen sind wir mit der Anzahl der Piktogramme kaum schlechter bedient, aber auch auf dem Rückweg in den Analphabetismus.

      • Avatar
        Horst sagte:

        Ein interessanter Gedankengang.

        Ich würde die Bedeutung der Schriftsprache relativieren, denn, haben Sie mit Ihrem Kind dieses Buch durchgearbeitet „https://www.degruyter.com/dg/viewebookplus/product$002f42888“, sollte es in der Folge sich mindestens ebenso positiv auf Mathematikkompetenz auswirken.

        Darüber hinaus:
        „Mitte der 1990er Jahre wurden an der Fakultät für Linguistik, Philologie und Phonetik der Universität Oxford 30 Schriftsysteme anhand der Kriterien Rationalität, Wissenschaftlichkeit und Origialität geprüft. Hangeul kam auf Platz 1. Es gilt als besonders logisch, leicht einprägsam und leicht zu lernen, was sich eben auch in der hohen Alphabetisierungsrate des Landes niederschlägt.“
        Aus:
        http://world.kbs.co.kr/service/contents_view.htm?lang=g&menu_cate=lifestyle&id=&board_seq=225470&page=71&board_code=
        Ferner:
        https://www.zeit.de/2018/06/koreanisch-schrift-zeichensystem-alphabet-lernen

        Vorstellbar ist, dass die chinesische Sprache aufwändiger zu erlernen ist als koreanisch, warum aber sind dann in Südkorea mehr Kinder (+5% im Vergleich zu China) „Mathekönner“ (liegt es an einer vermeintlich höheren Einschulungsrate in Südkorea?)

      • Avatar
        Thomas Berger sagte:

        @ Richard Ott
        „Wieso sollte das grundsätzlich ausgeschlossen sein? Weil es dem Dogma von der angeblichen Gleichheit aller Menschen widerspricht?“

        Genau, Herr Ott! Sie – dummer, rechtslastiger AfD-Ossi(?) – sind sicherlich dümmer wie ich! Merkt man ja auch beständig in diesem Blog an Ihren wirren Kommentaren! Sie sind eben schwer DDR-geschädigt oder?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas Berger

        Ich will nicht Ihre Meinung angreifen, sondern lediglich daraufhin verweisen, dass Sie kein korrektes Deutsch schreiben, wenn Sie uns mitteilen:

        >Sie – dummer, rechtslastiger AfD-Ossi(?) – sind sicherlich dümmer wie ich!>

        Sie hätten schreiben müssen:

        … sicherlich dümmer ALS ich!

        Ich erlaube mir daher, zu fragen:

        WO sind Sie geschädigt worden?

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Thomas Berger

        War das ein Versuch von Ihnen, inhaltlich über die These, dass alle Menschen gleich intelligent seien zu diskutieren? Oder wollten Sie mich nur ein bisschen beschimpfen?

    • Avatar
      Wolfgang Selig sagte:

      @Horst:

      Wie sehen Sie den Einfluss des Bildungsinteresses der Eltern auf die Leistungen der Kinder? Für mich ist da eine positive Korrelation schon plausibel, auch wenn ich zugegebenermaßen kein Experte bin.

      Oder ohne Fremdwörter ganz plakativ: Kann die Schule ein permanent RTL 2 – sehendes Elternhaus ohne Buch in der Wohnung mit der Einkommensquelle Arbeitslosengeld 2 in Bildungsfragen vollständig ersetzen? Ich würde es mir als Lehrer nicht zutrauen.

      Antworten
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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Einfluss des Bildungsinteresses der Eltern auf die Leistungen der Kinder:

        Ein türkische oder syrische Mutter, die in der ersten Generation in Deutschland lebt, ist aus nachvollziehbaren Gründen nicht erwerbstätig, sondern bleibt Hausfrau und als solche „Herrscherin“ über ihre Kinder.

        Sie beeinflusst und erzieht sie ihrem Traditions- und Rollenverständnis entsprechend und überlässt es nicht einer Kita und der Schule, ihre Kinder so „umzuerziehen“, dass sie mit hinreichenden Fähigkeiten, Verhaltensregeln und Wertvorstellungen weitgehend selbstbestimmt in unser Gesellschaft erfolgreich sein können.

        Es gibt natürlich Ausnahmen, wird sich aber erst in den Nachfolgegenerationen glätten.

        Kurzum:

        Unser Bildungssystem kann noch so gut sein, es ändert an dieser sozio-kulturellen Differenz nichts.

  4. Avatar
    Axel sagte:

    Laut Dr. Krall und aber auch Hr. Sarrazin gibt es eine Korrellation zwischen Intelligenz und Einkommen.
    Demnach wird Intelligenz vornehmlich zur Einkommensverbesserung eingesetzt.

    D. h. im Umkehrschluß, daß ärmere Menschen in der Regel über weniger Intelligenz und Bildung verfügen. Genau diese Gesellschaftsschicht wird jedoch am stärksten staatlich alimentiert und hat als Folge dieser Sozialpolitik die höchste Fertilität. Ausser der Intelligenz wird aber auch Kultur und Mentalität vererbt. Nicht in jeder Kultur ist der Drang nach Bildung gleich stark ausgeprägt. Oft haben kulturelle Indentität und althergebrachte, meist religiös geprägte Traditionen, vorrang.
    In islamisch geprägten Kulturen ist dabei der Drang nach universaler Bildung in diesem Land statistisch gesehen überdurchschnittlich gering.
    Eine seriöse Betrachtung der bildungspolitischen Entwicklungen in unserem Land darf die Folgen der aktuellen Migrationspolitik nicht außer Acht lassen!

    Somit ist das genaue Gegenteil der landläufigen Interpretation richtig: Die meisten Menschen sind nicht ungenügend gebildet, weil sie arm sind, sondern sie sind arm, weil sie über weniger Intelligenz verfügen und in einem Millieu der Bildungslethargie aufwachsen.
    Hier stellt sich also nicht die Frage nach mehr Subventionierung der „sozial schwachen“, sondern, wie man die Anreize für ein staatlich allimentiertes Leben reduzieren, bzw. die Zunahme der bildungsfernen Schichten eindämmen kann.

    Für manche ein sehr kalter, unhumaner Gedankengang, dessen Relevanz für den sozialen Fieden und die Prosperität in Deutschland aber von nicht zu unterschätzender Relevanz ist!

    Zusätzliche Steuergelder sollten also nur gezielt zur Verbesserung der schulischen Leistungen eingesetzt werden, um diese Abwärtsspirale zu durchbrechen und nicht zur Erhöhung des Lebensstandartes auf Lau, in der Hoffnung, der Filius würde bei höherem Leistungsbezug zum Wundergeiger mutieren.

    Mein Vorschlag wäre, niemandem ohne Schul- und Berufsabschluß eine eigene Wohnung zu finanzieren.
    Der Wunsch nach den eigenen 4 Wänden ist sicherlich ein Turbomotivator für jeden Jugendlichen.
    Auch die Eltern sind ab einem gewissen Alter ihrer Zöglinge sehr daran interessiert, die Kinder irgendwann einmal unregelmäßiger zu sehen.
    Wäre da nur nicht Artikel 1 des GG, dieser „Paukenschlag“ der Humanität…

    Das Armut nicht die primäre Quelle für schlechte Bildung ist, bewies übrigens die Zuwanderung der sogenannten „Boat People“ aus Vietnam in den 70er Jahren, die sich auch alle mit Sozialhilfe durchschlagen mußten, aber nach einigen Jahren (und deren Kinder) ein überdurchschnittliches Einkommen erzielen konnten.

    Tja, was Fleiss und Bildungswut für Wunder bewirken kann…

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Am meisten erschreckt mich die Gleichgültigkeit der breiten Masse. Wir könnten bei Pisa auch den vorletzten Platz einnehmen. Dennoch wäre das Abschneiden der deutschen Fussballvereine in der Champions League deutlich wichtiger für die meisten. Die Dummheit hat gewonnen, das muss man so deutlich sagen. Und Leute wie Frau Merkel, Frau Baerbock oder Herr Kühnert haben das frühzeitig verstanden.

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      ruby sagte:

      @Susanne
      Jeden Tag findet die Normalität in den Schulen statt, kein einziges mediales Wort oder Bild bessert die Leistungen der Grundfähigkeiten.
      Der Vortrag von Manfred Spitzer hat konkrete Maßnahmen gefordert. Zehn Prozent Schüler sind aktuell fähig Inhalte eigenständig zu „verarbeiten“.
      90 % werden werden uns eine mehrheitliche Unbildungsgesellschaft bringen mit allen Folgen, die mit den Wirkungsketten zu erfassen ein Horrorszenario offenbart. Dazu praxistaugliche Abhilfen einzuführen, ist Hardcore.

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  6. Avatar
    Wolfram Hartmann sagte:

    Ich kann Herrn Dr. Stelter nur zustimmen. Vielen Dank für diesen Artikel, so traurig er auch sein mag. Ich war selbst 12 Jahre Gesellschafter einer kleinen, aber bekannten Analysefirma in Frankfurt gewesen. Und hatte zwischen 2000 und 2012 viele Bewerber und potentielle Praktikanten interviewt. Dabei fiel mir auf, dass die Mehrzahl der Abiturienten noch nicht einmal einen einfachen Dreisatz lösen konnte. Und die Situation hat sich seitdem wohl eher verschlechtert.

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    John Leontop sagte:

    Der Zustand dieses Landes lässt sich schon allein daran ablesen, dass jemand mit zwei abgebrochenen Studiengängen und einer viereinhalbjährigen Berufserfahrung im Call-Center ein gefragter Gesprächspartner in Nachrichtensendungen und Gesprächsrunden ist.

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    Ulrich Remmlinger sagte:

    „man kann nicht lernen, gut in Mathematik zu sein.“ „Gerade durch Förderung der guten Schüler wäre mehr Exzellenz möglich.“

    Dies sind die beiden Kernsätze. Mathematisches Talent ist dünn gesät. Die, die es haben, muß man finden und fördern. Das Schlimmste was einem mathematischen Talent passieren kann, ist in einer der neuen Inklusionsklassen zu landen, in denen der gute Schüler die weniger talentierten mitziehen soll, aber tatsächlich im Lernen behindert wird. Wenn dann die Eltern nicht das Geld für eine Privatschule haben, geht ein wertvolles Talent verloren.

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      Horst sagte:

      „Wenn dann die Eltern nicht das Geld für eine Privatschule haben, geht ein wertvolles Talent verloren.“

      Eine strittige Aussage, denn:

      1. Alles hängt davon ab, wer (Lehrer) einem Kind begegnet und wie (Methoden-, Kompetenzvermittlung nebst Erreichung von der Erweckung der Freude mit dem Umgang an dem vermittelten Stoff). Hier heißt es: Die Kinder (in der Folge auch die Eltern) können sowohl Pech als Glück sowohl an einer staatlichen als auch an einer privaten Schule haben.
      2. Viele Privatschulen erlassen die Gebühren, sollte das Kind Talent und Leistungswillen mitbringen (Begabtenförderung, Übernahme des Schulkindes durch Stiftungen etc.). Für das Kind zum Nachteil ist, dass Eltern (aus „unteren“ Bildungsschichten) sich schlicht nicht zu behelfen wissen, wie man einen solchen Gebührenerlass formal erwirken kann. Von staatlicher Seite ist Unterstützung auch nicht zu erwarten.

      Individuelles Engagement ebenfalls nicht.

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