Der IWF als größter Zauberlehrling

Goethes Zauberlehrling ist eine treffende Analogie, wenn es um die Politik der Notenbanken geht. Mit ihren Interventionen haben sie in den letzten Jahrzehnten die Welt immer mehr in einen Morast an Schulden, ausufernder Spekulation und Finanzkapitalismus geführt. Nun bekommen sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr unter Kontrolle.

Wichtigster Zauberlehrling in dem Spiel war der IWF – während die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich aus dem Warnen und Mahnen gar nicht mehr rauskam. Was nun, fragt sich auch der IWF, der nun um sein Image besorgt anfängt, ebenfalls laut zu warnen, damit man die Institution auch in Zukunft noch ernst nimmt. Nur so kann man die wichtigsten Ergebnisse des letzten Berichts zur Lage der Weltwirtschaft zusammenfassen.

Zunächst die viel zitierte Feststellung des IWF, dass sich die Weltkonjunktur abschwächt. Erneut muss der Fonds Abschied nehmen von den eigenen überoptimistischen Erwartungen. So schrieb SPIEGEL ONLINE: „Der Internationale Währungsfonds senkte seine Wachstumsvorhersage für das Jahr 2019 – das vierte Mal in Folge – auf nunmehr drei Prozent. Im Juli hatte der IWF noch ein Wachstum von 3,2 Prozent vorausgesagt. (…) Es handelt sich dem IWF zufolge um das langsamste Wachstum der Weltwirtschaft seit der globalen Finanzkrise. Als Gründe nannte der Internationale Währungsfonds zunehmende Handelsbarrieren und wachsende Unsicherheit in Folge geopolitischer Risiken.“ Für mich keine Überraschung, befinden wir uns doch in der Eiszeit, genau aus den oben genannten Gründen.

Doch die wahren Nachrichten des Financial Stability Reports des IWF sind andere:

Da ist zum einen die Warnung vor einer Blase in den Anleihenmärkten – Grund genug zu lachen, wenn es nicht so traurig wäre:

  • „Bond funds holding assets worth about $1.7tn could face difficulties in repaying investors promptly if volatility increases, according to the IMF, which warned that problems in fixed-income markets could potentially destabilise the global financial system. The warning coincides with mounting fears that a dangerous pricing bubble has developed in fixed-income markets where bonds worth $15tn — about a quarter of the debt issued by governments and companies globally — are trading with negative yields.” – bto: Es gibt erhebliche Probleme, die auf der Hand liegen. Schon ein kleiner Zinsanstieg führt zu erheblichen Verlusten und dann zu einer Flucht aus den Märkten. Dies dürfte bei mangelnder Liquidität zu deutlichen Kursverlusten führen.  
  • „Concerns among regulators that bond funds might struggle to meet repayment requests by investors have been amplified by recent liquidity problems involving Neil Woodford, H2O and GAM. Many bond fund managers have reduced their holdings of cash and other liquid assets that provide little or no income in an effort to improve returns.“ – bto: und natürlich, um den Strafzahlungen auf den Konten zu entgehen.
  • „The IMF examined a sample of 1,760 bond funds (about 60 per cent of the $10.6tn in globally outstanding fixed-income assets) to determine if they would still be able to meet the most severe monthly outflows which they had registered since January 2000. It concluded that almost one-sixth of all fixed-income fund assets would face a ‘liquidity shortfall, implying that their managers would not have sufficient cash, liquid assets or credit immediately available to repay investors in the event of a repeat of their largest monthly redemption.“ – bto: Das ist klar, denn die Banken halten auch keine Liquidität mehr vor. Genau was gewünscht ist seit der Finanzkrise. Damit entfällt aber Liquidität im Markt. Im Kern genau das, was ich am Montag mit Blick auf die Risiken von ETF diskutiert habe.
  • „The problems were even more widespread among high-yield funds that invest in lower-quality corporate debt. Almost half of all high-yield fund assets could face a liquidity shortfall if their manager was confronted with a repeat of their biggest monthly withdrawal since 2000, (…) The IMF warned that if bond funds were unable to meet redemption requests, this could spark fire sales where managers dump assets to raise cash, which would inflict losses on other investors and ‘increase the risk for the financial system in the extreme case.” – bto: wie immer wieder hier erklärt. Wir haben schlechte Schuldner (BBB, die eigentlich schon nicht mehr BBB sind), die von hoch geleveragten Investoren mit geringem Puffer gehalten werden, die wiederum auf einen Markt treffen, der ebenfalls keine Liquidität hält. Das ist das Rezept für eine erhebliche Krise an den Märkten.
  • „The IMF (…) suggested that asset managers should be required to better match the redemption period of their funds to the liquidity profile of their portfolios to mitigate the potential for fire sales. This would require sweeping changes in current practice in Europe where the vast majority of mutual funds (Ucits) offer investors daily liquidity despite not having a formal obligation to do so.“ – bto: womit aber eine wesentliche Motivation potenzieller Käufer, diese Produkte zu kaufen, wegfällt. Sie tun es doch genau aus diesem Grunde: Sie wollen die Liquiditätsillusion.
  • „As the share of assets held by central banks rises, there is an increased scarcity of bonds available for investors to purchase, squeezing liquidity in some markets (…) Central banks have crowded out private sector fixed-income investors from government bond markets. Zero-interest rate policies have also forced investors to move into riskier bond investments in a reach for yield (…).“ – bto: Da haben wir wieder die Wirkung des Zaubers, die destabilisiert, statt zu stabilisieren.
  • „US bank loan funds sold to retail investors present an acute example of potential liquidity problems, according to Moody’s, the rating agency. (…) post-crisis regulations had made the banking sector safer while also pushing risks previously held by banks into the investment funds industry. What previously were risks within the banking system may metastasise into illiquidity risks in the investment funds sector (…)“ – bto: Das erinnert mich an mein Bild von dem Ballon, der unter Wasser gedrückt wird und sich derweil immer mehr aufbläht.

Dazu kommt das Problem der schlechten Unternehmensschuldner, wie auch der Telegraph zusammenfasst:

  • „(…) up to 40 per cent of the $19tn of debt owed by companies is now at risk of default if there is a global economic downturn, according to the IMF’s analysis. This could lead to widespread losses for bond funds.“ – bto: Das ist viel schlimmer. Wie ich am Beispiel von GE erläutert habe, droht eine Welle an Herabstufungen, damit Zwangsverkäufen und eine wahre Panik an den Märkten.

Dabei ist das Risiko vor allem in den USA ausgeprägt, wenn man annimmt, dass China die Unternehmen staatlich leichter stabilisieren kann und in Europa von den ungedeckten Verbindlichkeiten in den Pensionsfonds absieht:

Quelle: IMF, The Telegraph

Der Blick auf die einzelnen Länder macht es noch deutlicher, dass wir es mit erheblichen Risiken zu tun haben. Selbst Deutschland steht nicht so gut da, wie man meinen könnte:

Quelle: IMF, The Telegraph

Das Problem ist nun, dass man noch mehr Angst vor der Rezession hat und damit Geld noch billiger machen muss, was genau diese Nebenwirkung nochmals verstärkt. „The IMF has also found that high debt burdens exacerbate the shock of a downturn (…) During the global financial crisis, countries with high leverage in the banking and household sectors experienced more severe recessions (…) corporate debt aggravated the economic outcomes of the euro area debt crisis (and) companies with big debt burdens slash investment and cut jobs during a downturn while lending is squeezed by banks that face losses from defaults.” – bto: Die Zombies treten offen zutage und die Probleme damit auch.

  • „Lulled by the ultra-easy accommodative policy at central banks, companies have not just been piling on the debt for investment, but have weakened their balance sheets to boost shareholder buyouts and issued high-yield debt to fund deal making. (…) The leveraged loan market funds the most indebted companies and buyouts by private equity giants. It is risky, junk-rated debt, but investors have gorged on it because of its high yield, particularly in the US.” – bto: Und wir haben es schon mehrfach in den Jahren diskutiert. Es sind die unerfahrenen und “schwachen” Investoren, die diese Papiere kaufen. Sie verstehen das Risiko weniger und sie können diese auch weniger gut tragen. Panik ist programmiert.
  • „And it is huge, dwarfing the size of the subprime mortgage market just before cracks started to surface. The Bank of England estimates the market was worth around $2.2 trillion in 2018 compared to $1.3 trillion of subprime mortgages in 2006. That debt has been made more risky by the rise of covenant-lite loans, which strip out basic investor protections. Cov-lite loans now make up the vast majority of the market and this debt has even been packaged into bundles called collateralised loan obligations. Some believe this securitisation of the debt is of a similar nature and danger to the collateralised debt obligations responsible for the subprime crisis.” – bto: schlimmer, weil noch weiter verteilt und in der Dimension viel höher.

Doch es gibt auch Stimmen, die sagen, dass das Problem nicht so groß ist, wie hier beschrieben. Unter anderem deshalb, weil die Unternehmen nicht nur hohe Schulden, sondern auch hohe Liquiditätsbestände haben. Das dürften zwar nicht die gleichen Unternehmen sein, aber egal. Einer; der im Frühjahr bei dem Thema noch entwarnt hat, war Gavyn Davies in der FINANCIAL TIMES (FT), immerhin früher bei GoldmanSachs. Doch auch er schlägt nun vorsichtigere Töne an:

  • „I argued in March that this problem was not yet dangerous, but that was probably too complacent. Although US corporate debt-to-income ratios were already close to all-time peaks, other aspects of company balance sheets and financial flows were in much better shape. Profit margins were still fairly robust, the net financial balance of the corporate sector was in comfortable surplus, interest-to-income ratios were low and debt-to-equity ratios were healthy.“ – bto: Es ist aber immer so, dass maximaler Optimismus die Voraussetzung ist, um entsprechende Verschuldung zu ermöglichen. Bis zum Tag des Crashs sieht für gewöhnlich alles super aus.
  • „In the last six months, the condition of US corporate finances has become more worrying. As in other major economies, profit margins have come under increasing downward pressure, because producers’ wage costs have been rising more rapidly than selling prices to the consumer. (…)  Financial risk-taking by US companies in the form of payouts and M&A has increased — in contrast with subdued capital expenditures. Surges in financial risk-taking usually precede economic downturns.” – bto: Es liegt in der Natur der Sache, dass es zu einem Überschießen gegen Ende der Entwicklung kommt.
  • „(…) share buybacks, dividends and merger and acquisition activities — financed by leveraged loans and high-yield bonds — have surged in 2019. These activities have spread to small and medium-sized firms, which the IMF says are particularly vulnerable on the profit front. Taken in isolation from other economic shocks, such corporate financial weaknesses are unlikely to trigger a recession, but they could certainly exacerbate the effects of other contractionary shocks. This is what happened in 2008,when a medium-sized shock in the subprime mortgage market caused an enormous downturn in economic activity. The impact of the trade disputes on business confidence, which has been collapsing in recent months, is the most obvious current threat. As business losses accumulate, and delinquencies and defaults rise, banks are less willing or able to lend. This dynamic feeds on itself, potentially amplifying downside risks into more serious financial stresses or a downturn.” – bto: weshalb – wie gesagt – die Angst vor einer Rezession immer größer wird und damit die Verpflichtung der Politik, nachhaltig das Geld billig zu halten, was wiederum eine Einladung ist, noch mehr Schulden zu machen.

Es ist die Folge von Jahrzehnten billigen Geldes und asymmetrischer Reaktion. Gerade Institutionen wie der IWF haben in ihren Studien immer wieder eine solche Politik gefordert und begrüßt. Notenbanken sind heute wie die Zauberlehrlinge, die die Geister immer mehr füttern, statt sie unter Kontrolle zu bringen. Die Mithelfer und intellektuellen Begründer vom IWF sind dafür mindestens genauso verantwortlich, ziehen sich jedoch auf die Rolle des mahnenden Beobachters zurück. Ohne freilich eine Antwort zu haben, was zu tun wäre. Denn mit etwas höheren Kapitalanforderungen hier und etwas mehr Regulierung dort wird man das System eher destabilisieren als stabilisieren. Dazu sind wir schon zu tief in den Problemen.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Bond bubble puts global financial system at risk“, 19. Oktober 2019

→ telegraph.co.uk (Anmeldung erforderlich): „Is the global $19 trillion debt timebomb on the brink of blowing up?“, 21. Oktober 2019

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „US corporate debt triggers recession concerns“, 20. Oktober 2019

Kommentare (13) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Wolf Palmer sagte:

    Meine Frau Eva Maria und ich haben die destruktive Arbeit von „John Law“ des öfteren angeprangert.

    Meine Frau hat auf ihrer Webseite schon 2013 unter der PROGNOSE das unheilvolle Wirken der Allianz von Notenbank und Politik prognostiziert,und beschrieben, was uns alles in den 20 er Jahren bevorstehen kann.

    Inzwischen haben sich eine Reihe namhafter „Glaskugel-Besitzer“ ebenfalls zu der verheerenden Liaison EZB und den verantwortungslosen politischen Europa-Romantikern geäußert.

    Nicht zuletzt der angesehene englische Historiker und Bestseller-Autor Murray, der in seinem Buch die Zerstörung Europas beschreibt und sich fragt, wie sein kann, daß deutsche Politiker Politik betreiben, die permanent irreversible Schäden an der deutschen Volkswirtschaft hervorruft und dafür immer noch von den deutschen Wählern an der Macht gehalten werden.

    Der Bestseller-Autor Dr.Markus Krall treibt die Politik-Kritik auf die Spitze, in dem er feststellt, daß die Regierung Merkel innerhalb ihrer Amtszeit schon jetzt einen Schaden von 10 Billionen € verursacht hat und dies bedeuten würde, daß täglich 2 Milliarden € „veruntreut werden“ (Zitat Krall).

    4 EX-Verfassungsrichter stellten fest, daß die millionenfache merkelsche Verletzung des GG § 16a, sichere Drittstaaten-Regelung, Deutschland teilweise in den Status eines Unrechts-Staates versetzt hätten.

    In einem Staat, in dem eine Mutter mit Kind wg. Nichtzahlung der GEZ-Zwangsgebühren inhaftiert wird, aber andererseits eine derartige Grundgesetz-Verletzung ungesühnt bleibt, wird in den kommenden Geschichtsbüchern sicherlich als schlechteste Regierung und nachlässigste Justiz nach WK II testiert werden.

    Der Nachfolgerin von „Whatever-it-Takes-John Law“ kann sicherlich unter der Regie von Rothschild-Macron weiterhin die Fortsetzung der schädlichen Geldpolitik zu Lasten der deutschen Steuerzahler und Enteignung der Sparer in beispielloser Weise unterstellt werden.

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    • Avatar
      Seuchenvogel sagte:

      Hallo,

      die 10 Billionen Euro Schaden/ 2 Milliarden Euro pro Tag von Regierung Merkel hat nicht Herr Krall ausgerechnet, sondern Dr. Stelter.

      Viele Grüsse

      Seuchenvogel

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  2. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >Mit ihren Interventionen haben sie (die Notenbanken, D.T.) in den letzten Jahrzehnten die Welt immer mehr in einen Morast an Schulden, ausufernder Spekulation und Finanzkapitalismus geführt. Nun bekommen sie die Geister, die sie riefen, nicht mehr unter Kontrolle.>

    Nicht so voreilig, Dr. Stelter – Sie wissen es nicht, können es nicht wissen.

    Denn der Fall, dass die Geister (in globaler Dimension) unter Kontrolle gebracht werden müssen, ist noch nicht eingetreten.

    Sicher ist nur:

    Die Lage ist prekär.

    Denn unbestritten ist, dass es kritisch wird, wenn die Zinsen steigen oder sich die Weltkonjunktur abschwächt.

    Diese Erkenntnis ist nicht neu, auch wenn der IWF sie ausspricht und mit Zahlen unterlegt.

    Sicher ist auch, jedenfalls für alle, die nach Optionen suchen:

    Wenn, dann können nur noch die Notenbanken „kontrollieren“.

    Die Frage ist nicht, mit welchen Mitteln sie das tun wollen.

    Sie werden Liquidität ins System pumpen wollen und um dies zu erreichen, werden sie KAUFEN, was bei Staat, Banken und der Realwirtschaft an Wert verliert und diese belastet.

    Wenn irgendeine Notenbank z. B. eine gefährdete oder notleidende Anleihe kauft, dann ist Geld im System und die Abschreibungen für diese Anleihe entfallen.

    So wird „kontrolliert“ und stabilisiert werden.

    Selbstverständlich spielt Bonität dabei keine Rolle.

    Denn wie in jedem Krisenfall gilt auch hier:

    Der Zweck heiligt die Mittel.

    Interessant ist, WANN der Krisenfall eintritt, durch WAS er eintritt und von WO aus er sich ausbreitet.

    Das erinnert an Epidemien.

    Aufgrund weit verbreiteter physischer Mobilität können überall in der Welt innerhalb kürzester Zeit immer mehr Menschen betroffen sein.

    Es braucht daher ein ausgeklügeltes Identifizierungssystem, zuverlässige Operationen, um zielgerichtet kontrollieren und isolieren zu können und VIEL GLÜCK, um eine sich ausweitende, nicht mehr kontrollierbare Krise zu verhindern.

    Ich nehme an, dass dies im Prinzip auch für die Notenbanken gilt.

    Die Notenbanken brauchen jedenfalls keinen IWF und dgl., um sich bewusst zu sein, dass es kritisch werden kann und sie – und nur sie – „kontrollieren“ können.

    Sie werden vorbereitet sein.

    Die spannende Frage ist daher, WIE sie das sind.

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  3. Avatar
    Horst sagte:

    Wer ist in diesem Kommentar der Zauberer, wer der Zauberlehrling? Die Notenbanken, semi-konstitutionelle Institutionen wie der IMF, BIS oder Weltbank? Politik hält die Zinsen tief? Wessen Politik? Die der EU, der Nationalstaaten, der Notenbanken? Mehr Fragen als Antworten. Stringenz wäre angebracht.

    „…was wiederum eine Einladung ist, noch mehr Schulden zu machen.“ Trifft für Deutschland nicht zu. „…Jahrzehnten billigen Geldes…“ Wo sind die Jahrzehnte geblieben?

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Horst

      „Wer ist in diesem Kommentar der Zauberer, wer der Zauberlehrling?“

      Der Hexenmeister uneres Zauberlehrlings IWF ist leider nur ein Gaukler, der in Wirklichkeit gar nicht zaubern kann. Kennen Sie diese lustigen amerikanischen UFO-Kultführer, die ihren Sektenanhängern erzählen, die Außerirdischen würden kommen und alle wahren Gläubigen retten wenn man nur einen großen Raumschiff-Landeplatz und 3 schwarze magische Obelisken baut und täglich zu ihnen betet nachdem man dem Guru alle persönlichen Besitztümer überschrieben hat und sich vertraglich verpflichtet, die nächsten 500 Millionen Jahre lang für ihn zu arbeiten? Ist hier genau so, nur mit einem magischen Geldbaum („magic money tree“ – MMT) , der noch gezüchtet werden muss, anstatt zumindest dekorativer Obelisken.

      Antworten
      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ihre Analogie wird den Sachverhalten nicht gerecht und geht somit an der Wirklichkeit vorbei.

        Die Notenbanken sind keine Gaukler, sondern Institutionen, die Geld schöpfen können – und das in signifikantem Volumen. Wer sich damit ernsthaft beschäftigt, zweifelt nicht daran.

        Dass sie es können, wird zudem BEWIESEN anhand aktueller monetärer Staatsfinanzierung in Japan.

        In der Variante „Helikoptergeld für die Bürger“ ist es zwar noch nicht bewiesen worden, es besteht aber nicht der geringste Anlass daran zu zweifeln, dass Notenbanken auch das könnten.

        Was jeweils die Folgen wären bei kontinuierlicher umfänglicher Implementierung, ist ein ganz anderes Thema, wenngleich ein eminent wichtiges und vielleicht das entscheidende, wenn es um eine gewollte und somit legitime Einführung von monetärer Staatsfinanzierung und/oder Helikoptergeld geht.

        Diese Thematik ändert aber nichts an der funktionalen Möglichkeit, dass Notenbanken Geld schöpfen können.

        MMT ist das Bemühen darzulegen, dass die Geldschöpfung durch die Notenbanken für die Realwirtschaft verträglich und sogar förderlich sei und somit Probleme löse, aber keine neuen schaffe.

        Man kann mit guten Gründen darauf bestehen, dass auf der Basis von MMT möglicherweise ein fundamentales Problem des Schuldgeldsystems gelöst werden kann, es aber eine Lösung wäre, die unweigerlich neue schwerwiegende Probleme schaffen würde.

        Das alles hat nichts mit Gaukelei zu tun, sondern mit REALEN Wirkmechanismen unter allerdings neuen Bedingungen.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Die Notenbanken sind keine Gaukler, sondern Institutionen, die Geld schöpfen können – und das in signifikantem Volumen. Wer sich damit ernsthaft beschäftigt, zweifelt nicht daran.“

        Natürlich können sie das. Die Gaukelei besteht darin, dass sie behaupten, damit unsere Probleme lösen zu können, während sie uns in Wirklichkeit in eine sozialistische Planwirtschaft führen, die sich nicht wesentlich vom Frohndienst beim durchgeknallten Sekten-Guru auf dem abgelegenen Bauernhof unterscheidet.

        „Was jeweils die Folgen wären bei kontinuierlicher umfänglicher Implementierung, ist ein ganz anderes Thema“

        Die Folgen sind genau das, worauf ich hinaus will. Vor ein paar Tagen hatten wir doch schon einmal die Erfahrung vom Landkreis Rottweil diskutiert, wo die Kreisverwaltung schon jetzt, also ohne dass die Notenbanken Helikoptergeld ausklappen, nicht mehr genug Leute finden, die als Müllfahrer arbeiten wollen.

        Die Lösung für dieses Problem ist ganz einfach, und jahrzehntelang in der sozialistischen Planwirtschaft erprobt: Arbeitspflicht. Eine noch zu schaffende staatliche Plankommision ermittelt dann den Arbeitskräftebedarf für jeden Sektor und jeden volkseigenen Betrieb und jede kollektivierte landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft.

        Das klingt natürlich ganz böse nach DDR, aber zum Glück haben wir ja unsere Klimakids (die fordern ja auch MMT im Rahmen des „Green New Deal“) und können das ganze ein bisschen grün anstreichen, dann fällt es nicht so auf. Unsere deutsche Greta, Luisa Neubauer, schreibt zum Beispiel in ihrem neuen Buch über ihre grüne Zukunftsvision:

        „Zum Frühstück gibt es Müsli mit Früchten. Die Produkte kommen von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Nähe. In der solidarischen Landwirtschaft (SoLaWi) wird den Betrieben garantiert, dass ihre Erträge Abnehmer*innen finden, so müssen sie sich keinem Preisdruck beugen.“ https://twitter.com/Tomkefitz/status/1183873378584801281

        Sehen Sie? SoLaWi klingt doch gleich viel besser als LPG. Jede ambitionierte Endzeitsekte braucht kluges Marketing.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Die Gaukelei besteht darin, dass sie behaupten, damit unsere Probleme lösen zu können, während sie uns in Wirklichkeit in eine sozialistische Planwirtschaft führen, die sich nicht wesentlich vom Frohndienst beim durchgeknallten Sekten-Guru auf dem abgelegenen Bauernhof unterscheidet>

        Niemand behauptet, dass die Notenbanken unsere Probleme lösen können.

        Aber sie könnten ein sehr wesentliches unserer Probleme lösen.

        Es wäre das Problem, in das wir mit dem Verschuldungsüberhang unseres gegenwärtigen Geldsystems geraten sind, nämlich in eine das Wachstum hemmende Fesselung wirtschaftlicher Aktivitäten – hier am Blog als Eiszeit bezeichnet (der freilich nicht nur der Schuldenüberhang, sondern auch andere Faktoren zugrunde liegen)

        Würde die Notenbanken den Verschuldungsüberhang mindern oder sogar auflösen, hätten wir eine andere, d. h. eine entlastete Wirklichkeit.

        Es wäre keine BEHAUPTUNG, sondern ist eine faktische Lösung, die als solche erst einmal ohne Wenn und Aber festgestellt und anerkannt werden sollte, ohne dass man sie zugleich wollen muss.

        Ich kritisiere, dass Sie das nicht tun.

        In was uns diese Entlastung in Wirklichkeit führen würde, ist erst einmal offen.

        Es kann sehr wohl die Wendung zu einer zentralistisch gesteuerten Wirtschaft sein, wenn die monetär finanzierte Fiskalpolitik das Wirtschaftsgeschehen extrem dominieren würde. Bei an die Bürger verteiltem Helikoptergeld wäre das zumindest direkt sehr viel weniger oder sogar kaum der Fall (indirekte schon durch das ZENTRAL gehandhabte Instrument der Geldversorgung).

        Die mit Recht als wahrscheinlich angesehene Wirklichkeit, zu der eine kontinuierlich umfangreiche Geldschöpfung durch die Notenbanken führen würde, ist eine nicht mehr beherrschbare Inflation und der Vertrauensverlust in das Geld.

        Wenn man dies oder dergleichen annimmt, können Sie sagen:

        Eine derartige Lösung ist keine LÖSUNG, also kann man die Notenbanken als Lösung vergessen – das ist die valide Kritik an der Geldschöpfung der Notenbanken und an MMT, das die realistische Gefahr nicht mehr beherrschbarer Inflation nicht ausräumen kann.

        Den Standpunkt, dass die Notenbanken keine LÖSUNG sind, kann man einnehmen.

        Nimmt man ihn ein, muss man auch einräumen, dass bisher nichts gefunden oder entwickelt wurde, das so verstanden als Lösung gelten kann.

        Man kann sich zwar weiterhin um die eine solche Lösung bemühen, lässt aber die Dinge sich weiter entwickeln – und wenn es denn nicht zu vermeiden ist, in das absehbare Verderben, sagen wir einen Crash.

        Ich glaube nicht, dass es so sein wird.

        Vielmehr werden die Notenbanken ihre Chance erhalten.

        Das schließt aber natürlich nicht aus, dass es früher oder später zu einem Crash kommt.

        Er kommt nur später – und das ist für viele die LÖSUNG.

  4. Avatar
    troodon sagte:

    „Selbst Deutschland steht nicht so gut da,“

    Im Vergleich zu Frankreich steht D auf den ersten Blick bei den nichtfinanziellen Unternehmen im Falle einer größeren, globalen Rezession „hervorragend“ da.
    Gem. IWF Szenario gäbe es 2021 in D 12,35% Unternehmen mit ICR<1, in Frankreich 40,48%. Dazu noch die frz. Bk. mit den riesigen Bilanzsummen…
    Wie gut für Frankreich, dass es Frau Lagarde gibt. Die wird dieses Szenario mit "whatever it takes" 2.0 versuchen nicht eintreten zu lassen.
    Ob es ihr gelingt, werden die nächsten Jahre zeigen. Italien als Elefant im Raum ist schon überholt.

    Warum die FT erneut "recent liquidity problems involving Neil Woodford, H2O and GAM" in einen Topf wirft, ist mir unverständlich.
    H2O hatte aufgrund des damaligen Artikels in der FT innerhalb weniger Tage rd. 30% seiner AUM durch Anteilsrückgaben verloren.
    Hat es den Fondsanteilspreisen nachhaltig geschadet?
    H2O Fonds teilweise +30% seit Mitte/Ende Juni und teilweise knapp +20% bevor der FT Bericht erschien. Die Investoren, die damals panikartig Anteile verkauft hatten,wird es bestimmt freuen…

    Glückwunsch an Boncas :)

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  5. Avatar
    Alexander sagte:

    Der IWF legitimiert durch seine Expertise als Instituion diverse politische Wünsche, Profiteure gibt es sicher auch dann, wenn die Opfer der Politik ausschließlich Steuerkühe sind. Dieser Umstand ist ausdrücklich nicht nur auf die letzten Welten beschränkt….sondern wirkt auch gegen Industrienationen.

    Die Innitiation der Eurokrise, dekonstruktive Massnahmen derTroika unter Beteiligung des IWF sind so beredt, wie die Berufung von Christina Lagarde (IWF a.D.) zur EZB Chefin.

    Ich könnte mir vorstellen, dass systemrelevante Bereiche der Wirtschaft auch dadurch gestützt werden, dass geplatzte Rentenzusagen (egal ob staatliche oder private) durch EZB /FED/BoC/BoJ/BoE „money aus dem nichts“ gedeckt werden. Das ist die Einführung von Bürgergeld an Hilflose, das wir schon von Zahlungen an einreisende Sofortrentner kennen, wenn keine Ausbildungsgrundlage gegeben ist. Nutzenvorteile gegen Langzeitkosten sprechen dafür.

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Alexander

      „Ich könnte mir vorstellen, dass systemrelevante Bereiche der Wirtschaft auch dadurch gestützt werden, dass geplatzte Rentenzusagen (egal ob staatliche oder private) durch EZB /FED/BoC/BoJ/BoE „money aus dem nichts“ gedeckt werden.“

      Für normale Renten an den Plebs? Nur auf großen politischen Druck hin. Da müssen die schon gelbe Westen anziehen oder so. Priorität werden definitiv die Pensionszahlungen an Beamte, ehemalige Abgeordnete, Minister, verdiente Propagandisten und so weiter haben.

      Wenn es eng wird, dann wird sich diese Kaste darauf konzentrieren, sich selbst weiter zu versorgen. Für andere wird es dann nicht mehr reichen.

      PS: Wussten Sie eigentlich, dass vom IWF gezahlte Gehälter wegen des Sonderstatus des IWF als internationale Organisation immer auf Nettobasis und steuerfrei ausgezahlt werden? Zufälle gibts… ;)

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      • Avatar
        Alexander sagte:

        Die Sicherung des Existenzminimums in zumutbaren Wohnngen unter gedeckelten Mieten, gerne kombiniert mit Sachleistungen aus der Tafel, Caritas und Kleiderspenden … war es was ich meinte. Alle erarbeiteten Eigentümer sind natürlich zu veräußern, wie es sozialistische hartz Reform lehrt.

        Die Abbauprozesse für die Hochlöhner der Premiumindustrie haben längst begonnen und die RV wird davon mehr belastet als Berlin lieb sein kann…..

        Die BRD ist auf ihrem Weg.

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