Das Trommelfeuer der Umverteiler wirkt

Heute Morgen habe ich gezeigt, dass die Armut in Deutschland,

  • rückläufig ist.
  • ohne die Zuwanderung der letzten Jahre noch deutlicher zurückgegangen wäre.
  • ein Problem überwiegend von Menschen mit Migrationshintergrund ist.
  • ein relativer Begriff ist, dürfte es doch Migranten hierzulande deutlich besser ergehen als in der Heimat.

Außerdem wissen wir, dass die Einkommensverteilung nach der (erheblichen!) Umverteilung durch den Staat so gleich ist, wie in fast keinem anderen Land der OECD und das Armutsrisiko nirgendwo so gering ist.

Und wir wissen auch, dass die tatsächliche Umverteilung höher ist als die Bürger denken und zudem über dem Niveau liegt, welches sie sich wünschen würden. Klares Zeichen also für gelungene Desinformation.

Was wir wissen, ist, dass die Vermögensverteilung hierzulande ungleicher ist als in anderen Ländern, was aber verschiedene Ursachen hat:

  • starke Belastung der Mittelschicht mit Steuern und Abgaben,
  • falsche Geldanlage der Bürger (weniger Aktien, Immobilien und zu viel Sparbuch und Lebensversicherung),
  • hoher Anteil an Familienunternehmen in Deutschland,
  • unzureichendes ökonomisches Wissen der Bürger,
  • relativ ausgebauter Sozialstaat, der zu geringerer Eigenvorsorge führt.

Alle diese Fakten sind bekannt. Was zur Frage führt, weshalb wir ein ganz anderes öffentliches Meinungsbild haben. Nun, weil Politik und Medien nicht nur das Märchen vom reichen Land, sondern auch das Märchen vom ungerechten Land lauthals und dauernd erzählen. Wie erfolgreich sie damit sind, zeigt diese Umfrage:

  • „Privat vor Staat, so viel freier Markt und so wenig Regulierung wie möglich – solch eine Wirtschaftspolitik lehnt eine große Mehrheit der Deutschen im Jahr 2019 ab. Fast vier von fünf Bürgern sind etwa der Ansicht, dass in den vergangenen Jahrzehnten zu viele öffentliche Leistungen in Deutschland privatisiert wurden. Auch der Aufruf der Bundesregierung zur größeren Eigenvorsorge und -verantwortung vor allem in den Neunziger- und Nullerjahren, der den Abbau der Leistungen in der Renten- und Krankenversicherung begleitete, wird von 74 Prozent negativ bewertet.“ – bto: Abbau von Leistungen? Ich habe nur Rente mit 63 und Mütterrente im Kopf. Und übrigens hat der Bund in den Jahren 2009 bis 2018 immerhin jeweils mehr als 100 Milliarden Euro zusätzlich je in Rente und Gesundheit gesteckt. Das zeigt, wie die Desinformation der Medien verfängt, getrieben von der Agenda, weitere Umverteilung zu begründen.

Quelle: SPIEGEL ONLINE

  • „(…) die meisten Bürger (…)  äußern sich mit überwältigender Mehrheit besorgt über die sozialen Folgen einer ausgeprägt marktliberalen Politik. (…) So stimmen etwa 87 Prozent der Aussage zu, dass die ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen zunehmend zu einem Problem für den Zusammenhalt der Gesellschaft in Deutschland wird.“ – bto: Wo bitte gab es in den letzten 15 Jahren eine „marktliberale Politik“? Da kann man angesichts von Rekordausgaben für Soziales nur lachen.
  • „Das Forum versteht sich als Plattform von Wirtschaftswissenschaftlern, die eine Politik als gescheitert sehen, die auf freie Märkte mit möglichst wenig Regulierung und einen Rückzug des Staates setzt. (…) Die von dem Forum in Auftrag gegebene Online-Umfrage unter 1009 Personen soll diese Thesen stützen. Und tatsächlich geht aus den Ergebnissen hervor, dass die meisten Deutschen im Jahr 2019 eine ausgeprägt marktliberale Ordnung ablehnen.“ – bto: weil sie keine Ahnung von Wirtschaft haben und einer medialen Dauerbeschallung ausgesetzt sind, die ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit hierzulande abgibt.
  • „So sind 57 Prozent der Ansicht, dass der soziale Ausgleich in Deutschland – eines der Grundprinzipien der vielbeschworenen sozialen Marktwirtschaft – heute nicht mehr funktioniert. Nur 36 Prozent sehen diesen Ausgleich zwischen Arm und Reich noch intakt. Und weniger als ein Drittel der Befragten findet, dass die Topreichsten in Deutschland ihren Reichtum auch verdient haben, 62 Prozent sehen das nicht so.“ – bto: und das angesichts einer Rekordumverteilung. Da kann man nur die Frage aufwerfen, ob die Deutschen ahnen, was da auf sie zukommt. Wohl kaum. Was den Punkt mit dem „verdienten“ Wohlstand betrifft: Das kann ich mir nur so erklären, dass es eine Vermögenspreisinflation gibt, die von denjenigen, die kein Vermögen besitzen als ungerecht empfunden wird. Doch da liegt die Lösung woanders, eben bei der Geldpolitik und im Geldsystem, nicht in der Umverteilung, die nämlich alle betrifft, auch jene, die durch Arbeit und Intelligenz zu Vermögen kamen.
  • „81 Prozent schätzen das Risiko eines sozialen Abstiegs heutzutage als größer (54 Prozent) oder gar sehr viel größer (27 Prozent) ein als für frühere Generationen. Noch höher ist mit 83 Prozent der Befragten der Anteil, der erwartet, dass dieses Abstiegsrisiko künftig sogar weiter steigen wird.“ – bto: Und das wird so kommen. Einfach weil es mit dem ganzen Land bergab geht angesichts der Krise, vor der wir stehen. Und der Glaube, dies ließe sich durch noch mehr Umverteilung lösen, ist ein Irrglaube. Wir brauchen genau das gegenteilige Rezept, um Wohlstand überhaupt erst zu erhalten. Also eine ganz andere Agenda!
  • „Gleichzeitig weisen die Deutschen dem Staat Verantwortung angesichts einiger absehbarer sozialer Gefahren zu – etwa der, dass die Digitalisierung und weitere Globalisierung Arbeitsplätze in größerem Ausmaß bedrohen könnte. Insgesamt vier von fünf Befragten stimmen der Aussage, dass die Regierung Betroffene in einem solchen Fall stärker schützen sollte, „voll und ganz“ (23 Prozent) oder „eher“ (57 Prozent) zu.“ – bto: Ich finde auch, dass sich die Vorteile der sozialistischen Wirtschaftsordnung noch nicht ausreichend im kollektiven Bewusstsein der Bevölkerung verankert haben.
  • „Woher dieses Geld kommen soll, darüber sind sich die Befürworter dieser höheren staatlichen Investitionen uneinig: 38 Prozent meinen, der Staat solle dafür neue Kredite aufnehmen, während 42 Prozent dies explizit ablehnen und stattdessen staatliche Ausgaben ‘an anderer Stelle’ kürzen wollen. Weitere 18 Prozent plädieren hingegen für höhere Steuern und Abgaben, um die Investitionen zu bezahlen.“ – bto: Hier war der Moment, wo ich dann doch dachte, dass es noch etwas Vernunft gibt. Angesichts Rekordabgaben wollen die Bürger dann doch mehrheitlich Kürzungen woanders – wäre übrigens Soziales – oder mehr Schulden. Letzteres unterstütze ich bekanntlich aus vielfältigen Gründen auch.
  • „Zumindest zum Teil scheint er sich aus enttäuschenden Erfahrungen mit der Privatisierung öffentlicher Leistungen in den vergangenen Jahrzehnten zu speisen. 78 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass diese zu weit gegangen ist, nur neun Prozent empfinden sie als ‘genau richtig’, und mit sechs Prozent plädiert ein noch kleinerer Anteil dafür, weitere öffentliche Leistungen zu privatisieren.“ – bto: Was kann gemeint sein? Die Telekom und die Post wohl nicht. Wohnungsbaugesellschaften? Vielleicht? Vermutlich sind es eher die kommunalen Dienstleistungen, deren Privatisierung nicht funktioniert hat. Generell ist es ein merkwürdiger Punkt an dieser Stelle.

Womit wir zum Fazit kommen: Es ist merkwürdig.

Wir haben eine geringe Ungleichheit der Einkommen, dank massiver Umverteilung. Wir haben eine Ungleichheit bei den Vermögen aus einer Kombination aus zu hoher Abgabenbelastung, falscher Geldanlage und Vertrauen in den Sozialstaat, was private Vorsorge reduziert. Hinzu kommt die Wirkung des billigen Geldes, was die Vermögenspreise treibt. In Summe sind wir dennoch ein relativ gerechtes Land.

Wir denken zugleich, wir könnten als Land den Euro, die EU und das Weltklima retten. Zumindest sind wir bereit, dafür erhebliche Geldbeträge aufzubringen. Dass diese Ziele auch mit noch so viel Geld von uns nicht erreicht werden können, ist ein anderes Thema.

Derweil braut sich ein übles Ende des Märchens vom reichen Land zusammen. Im Bewusstsein der Bevölkerung ist das noch nicht so recht angekommen. Nur so kann man die politischen Prioritäten und solche Umfrageergebnisse erklären. Verstehen tue ich sie jedenfalls nicht.

spiegel.de: „Deutsche wollen mehr Staat“, 30. Oktober 2019

Kommentare (36) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Richard Ott sagte:

    bto: „Derweil braut sich ein übles Ende des Märchens vom reichen Land zusammen. Im Bewusstsein der Bevölkerung ist das noch nicht so recht angekommen. Nur so kann man die politischen Prioritäten und solche Umfrageergebnisse erklären. Verstehen tue ich sie jedenfalls nicht.“

    Das liegt vor allen Dingen am Versagen unserer Journalisten. Noch steht das Märchen vom reichen Land in jeder Mainstream-Zeitung. Was Noam Chomsky vor fast 30 Jahren über die amerikanischen Massenmedien geschrieben hat („Manufacturing Consent“), passt auch auf unsere Situation in Deutschland heute, weil die Mechanismen immer noch die gleichen sind, nur die ideologische Stoßrichtung ist anders: „the mass media (…) are effective and powerful ideological institutions that carry out a system-supportive propaganda function by reliance on market forces, internalized assumptions and self-censorship, and without significant overt coercion“.

    Die „Konsensfabrik“ der Massenmedien macht das alles freiwillig, aber weil sie ihre Produkte immer schlechter losbekommt und zu viele Leute misstrauisch geworden sind, werden die Zwangsmaßnahmen gegen ihre Medien-Konsumenten immer weiter verschärft.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Richard Ott

      >Das liegt vor allen Dingen am Versagen unserer Journalisten.>

      Was würden Sie als nicht versagen wollender Journalist tun?

      Sie würden aufklären wollen, damit sich das Bewusstsein der Bevölkerung änderte und daraufhin eine andere Politik erfolgte.

      Sie würden also z. B. für die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten Formate entwickeln und produzieren, die nicht den Reichtum des Landes zelebrierten, sondern über seine Defizite und die Folgen informierten.

      Weil Sie die breite Bevölkerung und nicht nur ein paar Leute, die nachts einschalten, erreichen wollen, müssten Sie zur besten Sendezeiten ausstrahlen.

      Sie wissen, was das Ergebnis wäre:

      Keine Zuschauer, die eh überfordert wären, noch mehr Geschrei über die Zwangsgebühren, Druck auf die um Legitimation für ihren Sendeapparat ringenden, Absetzung Ihrer Sendungen.

      Hätten Sie als Journalist versagt?

      Natürlich nicht.

      Sie hätten aber an der Nachfrage vorbei produziert.

      Das heißt in aller Regel, dass sie pleite sind.

      Die Erklärung ist ganz einfach:

      Das SYSTEM verhindert, dass Aufklärung erfolgt, weil es DURCHGÄNGIG darauf angelegt ist, Konsum zu befriedigen.

      Wenn dieser für fast alle Menschen darin besteht, bestätigt zu bekommen, dass sie im gelobten Land leben mit allenfalls ein paar Schwierigkeiten, die sich technisch lösen lassen, aber nicht erfordern, eine ganz andere Politik zu betreiben, dann bekommen sie eben keine Aufklärung, sondern das „Märchen vom reichen Land“ serviert.

      Insofern haben Sie Noam Chomsky passend zitiert:

      >… („Manufacturing Consent“), passt auch auf unsere Situation in Deutschland heute, weil die Mechanismen immer noch die gleichen sind,…

      nämlich:

      >„the mass media (…) are effective and powerful ideological institutions that carry out a system-supportive propaganda function by reliance on market forces, internalized assumptions and self-censorship, and without significant overt coercion“.>

      „system-supportive … by reliance on market forces …“:

      Das ist nichts anderes als das, was De Tocqueville, Hayek und andere bereits vorausgesehen hatten, als an die Formen des heutigen, verdichtenden Massenkonsums noch nicht einmal zu denken war.

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    Tobias W. sagte:

    Das „Trommelfeuer der Umverteiler“?

    LOL.

    Deutschland ist so weit entfernt vom Sozialismus wie kein anderes Land der OECD – wenn man Sozialismus als die Vergemeinschaftung des Kapitals oder des Vermögens definiert.

    In kaum einem anderen OECD Land sind Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland, bei gleichzeitiger Abwesenheit von Steuern auf Vermögen oder Vermögensverkehr. Fast nirgendwo liegt das Medianhaushaltsvermögen so weit unter dem Durchschnittshaushaltsvermögen wie in Deutschland. Die vermögendsten 10% der Deutschen sitzen auf mehr als 60% des Vermögens. Nicht mal jeder vierte Haushalt in Deutschland kommt auf den Wert des Durchschnittsvermögens. Es gibt in Deutschland keine Vermögenssteuer, Grundsteuern sind lächerlich niedrig, Erbschafts- und Schenkungssteuer sind weitestgehend vermeidbar.

    So viele Armutsmigranten kann man gar nicht herbeireden, um diese Ungleichverteilung von Vermögen zu erklären, denn das Medianvermögen der Haushalte liegt bei weniger als 20.000EUR – die Hälfte der deutschen Haushalte hat also weniger als 20.000EUR Vermögen. Sind das alles zugewanderte Schluckspechte?!

    Statt von einem Trommelfeuer der Umverteiler zu schwadronieren, wäre es angebrachter auf die Missinformationskampagne zu Lasten von sozialversicherungspflichtiger Arbeit statt Vermögen und Vermögenseinkünften zu sprechen! An der Umverteilung beteiligen sich nämlich überwiegend die Erwerbstätigen mit der Besteuerung ihres Einkommens, dazu kommt die Tatsache, dass Erwerbstätige von ihrem Einkommen einen viel größeren Teil für Verbrauchssteuern wie Mehrwertsteuer, Ökosteuer usw. aufwenden müssen. Schaut Euch einfach mal die Einnahmenseite auf http://www.bundeshaushalt.de an.

    Ich weiß gar nicht warum Stelter in der Sache so verdeckt und schüchtern ist, schließlich hat er sich in seinem Buch auch für eine stärkere Besteuerung der Vermögen und des Vermögensverkehrs ausgesprochen, mit dem Hinweis, das Einkommen aus Arbeitsleistung entlastet werden muss.

    Wer ständig Eigenverantwortung der Bürger fordert, sollte den Bürger, der sich mit Arbeitsleistung „reinhängt“ auch die Möglichkeit zur Eigenverantwortung geben: und dazu gehört die Möglichkeit der wesentlichen Vermögensbildung statt einer maximalen Besteuerung der Erwerbseinkommen, die kaum Raum für eine stattliche Vermögensbildung lässt. Wohlhabend wird alleine mit angestellter Erwerbsarbeit in Deutschland kaum noch jemand. Und das ist genau das Problem. Nicht die Tatsache, dass wir in einen imaginären Sozialismus absinken, denn nichts ist weiter von der Wahrheit entfernt.

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      Richard Ott sagte:

      @Tobias W.

      „Deutschland ist so weit entfernt vom Sozialismus wie kein anderes Land der OECD – wenn man Sozialismus als die Vergemeinschaftung des Kapitals oder des Vermögens definiert.“

      Wenn Sie Vermögen „vergemeinschaften“ wollen, dann sind Sie vermutlich ein Kommunist und nicht nur ein Sozialist. Die gängige Sozialismus-Definition, die Sie hier völlig falsch wiedergegeben haben, bezieht sich auf die Enteignung und die staatliche Inbesitznahme der *Produktionsmittel*, und längst nicht jeder Vermögensgegenstand ist ein Produktionsmittel.

      Sie scheinen einer dieser hochinteressanten Fälle zu sein, wo jemand „Sozialismus“ toll findet und sich aufregt wenn den jemand kritisiert, ohne genau zu wissen, was das eigentlich ist. Sind Sie zufällig SPD-Mitglied? ;)

      „Es gibt in Deutschland keine Vermögenssteuer, Grundsteuern sind lächerlich niedrig, Erbschafts- und Schenkungssteuer sind weitestgehend vermeidbar.“

      Wie kommen Sie auf die Idee, dass die Superreichen bei höheren Vermögenssteuern in Deutschland keine neuen Vermeidungswege finden, oder gleich ganz abwandern würden?

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        Tobias W. sagte:

        Herr Ott,

        „längst nicht jeder Vermögensgegenstand ist ein Produktionsmittel“

        Das ist einfach nur falsch.

        Jede Immobilie, jeder EURO Guthaben auf dem Konto, JEDER Vermögenswert ist ein Produktionsmittel.

        Ihre Eigentumsimmobilie, in der Sie wohnen, produziert Wohnraum. Dass Sie darin wohnen und kein Mieter, der Sie dafür bezahlt, ist vollkommen irrelevant. Den Wohnraum produziert Ihre Immobilie immer und ist damit Produktionsmittel.

        Das gleiche trifft auf Ihr Barvermögen zu, solange Sie es nicht unter der Matratze bunkern, sondern bei einem Geldinstitut halten, das damit wirtschaftet.

        Ihr wertvolles Gemälde an der Wand produziert Kultur.

        Und so weiter.

        Vermögen ist immer Kapital und Kapital ist immer ein Produktionsmittel.

        Die Forderung nach einer höheren steuerlichen Beteiligung der Vermögen an der Finanzierung des Bundeshaushalts hat nichts mit Sozialismus oder Kommunismus zu tun. Mit Ihren ideologischen Kampfbegriffen können Sie nicht von der Tatsache ablenken, dass der Faktor Arbeit und Erwerbseinkommen in Deutschland einseitig stark belastet wird, während der Faktor Vermögen so gut wie gar nicht belastet wird und sich damit so gut wie gar nicht an der Finanzierung des Bundeshaushalts beteiligt. Kritik an diesem Ungleichgewicht hat nichts mit Sozialismus zu tun – lustigerweise auch deswegen nicht, weil weitaus liberalere, kapitalistischere Systeme wie im Vereinigten Königreich oder in den USA deutlich ausgeglichenere Steuersysteme haben, in denen Einkommen aus Arbeit weniger hoch besteuert und Vermögen und Vermögensverkehr deutlich höher besteuert wird.

        Und zu ihrer letzten Frage: Sie kennen meine Lebensumstände. Ich bin aus Deutschland ausgewandert – nicht weil ich ein Vermögen in Sicherheit bringen musste – sondern weil ich meine Erwerbskraft ins Ausland gerettet habe, wo ich mehr verdiene und weniger Steuern auf meine Erwerbsleistung bezahlen muss, damit ich dort überhaupt ein nennenswertes Vermögen aufbauen kann! So machen das übrigens jedes Jahr zehntausende Deutsche, die überwiegend überdurchschnittlich qualifiziert sind und auswandern. Jetzt kann man sich die Frage stellen, was schlechter für Deutschland ist: die Abwanderung der hochqualifizierten Erwerbsfähigen und ihrer Erwerbskraft sowie Innovationskraft oder die Abwanderung von Kapital? Was lässt sich einfacher in einer Volkswirtschaft durch Import ersetzen? Hochqualifizierte Arbeitnehmer oder Kapital?

        In dem Sinn, beste Grüße aus Seattle.

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      007 sagte:

      Tobias W. Sie sprechen mir aus dem Herzen:
      Klären Sie diesen kleinen Haufen selbstgefälliger neoliberaler Schwadronierer einmal auf.
      Von denen hier hat noch keiner gemerkt daß das meiste Geld dorthin „umverteilt“ wird wo ohnehin schon genug ist, u.a. auch dank einer vollkommen irrsinnigen und aus dem Ruder gelaufenen Dienstleistungsgesellschaft.
      Fragen sie die ganzen selbsternannten Sterndeuter mal warum es in Frankreich eine Gelbwestenbewegung gibt !
      Raubzüge gegen die eigene Bevölkerung wo man hinschaut ausgelöst durch Kleptokraten im Stile eines Ackermann, äußerst wandlungsfähig und sehr wirkungsvoll im Maskentauschen. Im Moment tragen Sie eine grüne Maske. Fällt aber hier keinem auf….. im Gegenteil…Tobias W. bringen Sie weiterhin Licht in diese neoliberale Dunkelzelle ich danke Ihnen….

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        Tobias W. sagte:

        Freuen Sie sich nicht zu früh! Ich bin wahrscheinlich neoliberaler als Sie denken! Jedenfalls im eigentlichen Sinn des Liberalismus.

        Ich bin der Meinung, dass sich Leistung lohnen muss. Und Einkommen aus Erwerbsarbeit ist im direkten Sinn Leistung. Ich bin der Meinung, dass man diese Einkommen nicht deutlich höher belasten darf, als Einkommen oder Vermögensverkehr, die nicht aus eigener Leistung stammen, wie beispielsweise Erbschaften oder Schenkungen.

        Mir geht es nicht um Kampfbegriffe wie Kapitalismus oder Sozialismus, sondern vernünftige Anreizsysteme und ein Steuer- und Abgabensystem, dass es leistungsbereiten und leistungsfähigen Menschen möglich macht, auch mit Erwerbsarbeit und ohne Erbschaft oder Schenkung wohlhabend zu werden – statt einseitig die Finanzierung des Bundeshaushalts zu tragen.

        Um es mit einem Beispiel auf den Punkt zu bringen: eine Verena Bahlsen, deren einzige Lebensleistung darin bestand in die richtige Familie geboren zu werden, wird in den Medien wie folgt zitiert:

        Verena Bahlsen: „Ich bin Kapitalistin. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, das ist toll. Ich will mir ’ne Segel-Yacht kaufen und solche Sachen. […] Ich wollte früher unbedingt rebellieren und kreative Schriftstellerin werden. Doch dann habe ich gemerkt, was die Wirtschaft für ein Hammer-Vehikel ist.“

        Das Hammer Vehikel ist nicht die Wirtschaft, sondern das deutsche Steuerrecht, dass es ihr ermöglicht dieses Vermögen weitgehend steuerfrei zu erben und dann auf die Kapitalerträge, die sie aus diesem Vermögen erhält, keine Sozialabgaben zu bezahlen und einen Steuersatz, der pauschal bei 25% gedeckelt ist, während Arbeitnehmer auf ihr Erwerbseinkommen oft doppelt so viel Steuern und Abgaben zahlen müssen.

        Das ist ein Mißstand zu Ungunsten der leistungsbereiten und leistungsfähigen Menschen in Deutschland, die nicht das Glück hatten Millionen zu erben. Diesen Mißstand kritisiere ich. Und dieser Mißstand führt maßgeblich dazu, dass Deutschland das niedrigste Haushaltsmedianvermögen im ganzen Euroraum hat.

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        Thomas M. sagte:

        „…und einen Steuersatz [bei Kapitaleinkünften], der pauschal bei 25% gedeckelt ist, während Arbeitnehmer auf ihr Erwerbseinkommen oft doppelt so viel Steuern und Abgaben zahlen müssen.“

        Der guten Ordnung halber: Bitte nicht die Steuern vergessen, die die Kapitalgesellschaft vor Ausschüttung an Eigentümer bereits bezahlt. Das sind in D rund 30%. Danach kommen erst die scheinbar niedrigen 25% bei der Ausschüttung. Wenn man das zusammenrechnet, ist man bei rund 50%.

        „Die steuerliche Gesamtbelastung einer Kapitalgesellschaft mit Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und Gewerbesteuer liegt überschlägig bei rd. 30 %. Es handelt sich dabei um einen groben Richtwert, der im Einzelfall höher oder niedriger liegen kann.“

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        Tobias W. sagte:

        Thomas,

        das Zusammenrechnen der durch die Kapitalgesellschaft gezahlten Steuern und die Kapitalertragssteuern ändert aber nichts an der Sache, schließlich wirkt sich die Steuerlast des Unternehmens auch auf die Höhe des Gehalts aus, welches die Kapitalgesellschaft den Mitarbeitern zahlen kann – die Mitarbeiter sind nämlich ebenso wie die Eigentümer Stakeholder, deren wirtschaftlicher Erfolg als Stakeholder von Kosten und Gewinn nach Steuern abhängt. Wenn der Nach-Steuern-Gewinn steigt, gibt es mehr Spielraum für höhere Gehälter, wenn er sinkt, gibt es weniger Spielraum für Gehaltserhöhungen. Boni in den meisten Kapitalgesellschaften sind unmittelbar als variabler Bestandteil des Gehalts von dieser Dynamik abhängig. Die Eigentümer werden also durch die Unternehmenssteuern nicht besser oder schlechter gestellt, als die Mitarbeiter des Unternehmens, die auf ihr Gehalt viel höhere Steuern und Sozialabgaben zahlen, als derjenige, der nur Kapitalertragssteuern auf die Dividenden zahlt.

        Dazu kommt, dass diese Zusammenrechnung schon deswegen problematisch ist, weil Sie Steuern zweier unterschiedlicher juristischer Personen zusammenrechnen, die vollkommen unabhängig voneinander agieren und entscheiden. Ein Unternehmen entscheidet sich vielleicht trotz Verlusts in einem Quartal oder Jahr für eine Dividende – in der Folge zahlte die Firma keine Steuern, die Dividende wurde vorher nicht mit Firmensteuern belastet, weil sie sich nicht aus Gewinn speiste. Nur ein Beispiel. Und auch die Höhe der Dividende legt die Kapitalgesellschaft selbst fest, nicht der (teilweise) Eigentümer.

    • Avatar
      troodon sagte:

      @ Tobias W
      „Wer ständig Eigenverantwortung der Bürger fordert, sollte den Bürger, der sich mit Arbeitsleistung „reinhängt“ auch die Möglichkeit zur Eigenverantwortung geben: und dazu gehört die Möglichkeit der wesentlichen Vermögensbildung statt einer maximalen Besteuerung der Erwerbseinkommen, die kaum Raum für eine stattliche Vermögensbildung lässt.“

      Genau dies ist doch eine Forderung von Dr. Stelter !
      Aber in welcher D Partei finden Sie genau solche Forderungen ? Wo sehen Sie denn politische Mehrheiten für diese Positionen ? ICH sehe diese in D nicht
      Mehr Eigenverantwortung ist genau das nicht, was sich die Mehrheit ganz offensichtlich wünscht. Leider. Ansonsten gäbe es auch andere Positionen der Parteien.

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      • Avatar
        Tobias W. sagte:

        Alle Parteien in Deutschland (außer vielleicht der Linken) sind maßgeblich geprägt durch einen starken Lobbyismus aus Kreisen der familiengeführten Unternehmen, die ein starkes Eigeninteresse daran haben, dass sich an dem Ungleichgewicht der Steuerfinanzierung des Bundes durch mehrheitlich Einnahmen aus Besteuerung der Erwerbsarbeit und Verbrauchsgütern statt einer stärkeren Beteiligung des Vermögens nichts ändert. Es ist vollkommen egal, ob Sie CDU, CSU, AfD, FDP, SPD oder Grüne wählen – wenn bei diesen Parteien die Rede von der stärkeren Belastung der „Reichen“ ist, sind damit nicht die Vermögenden gemeint, sondern Erwerbstätige mit hohen Einkommen. Selbst die SPD hat kein Programm zur Vermögenssteuer, Erbschafts- oder Schenkungssteuer, weil auch die SPD als Partei durch den Einfluss der Familienunternehmer geprägt ist. Sie haben politisch keine Wahl, etwas an diesem Mißstand zu ändern.

        Man kann ewig wiederholen, was sinnvoll oder notwendig wäre, um diesen Mißstand aufzuheben – solange sich die politische Landschaft nicht ändert oder der Einfluss der Familienunternehmer trockengelegt wird, wird sich nichts ändern.

        Diese Hoffnung habe ich selbst vor mehreren Jahren bereits aufgegeben und mich entschieden nicht darauf zu warten, dass meine Erwerbskraft fairer besteuert wird, indem Vermögen und Vermögensverkehr stärker an der Steuerlast beteiligt werden, so dass Arbeit entlastet werden kann. In Anbetracht der langfristigen Verbindlichkeiten des Staats und seines Sozialwesens und der Rentenversicherung, die mittlerweile als der nackte Kaiser ohne Kleider enttarnt wird, habe ich meine Erwerbskraft ins Ausland gerettet – eine Empfehlung, die ich anderen jüngeren, qualifizierten Erwerbsfähigen in Deutschland ebenfalls empfehlen kann – denn wer noch über Jahrzehnte in Deutschland erwerbsfähig bleibt, dort steuer- und sozialversicherungspflichtig ist, wird in den nächsten Jahren immer weiter belastet werden. Nein Danke. :)

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Tobias W.

        Ich teile nicht Ihre ausschließliche Ursachenzuweisung mit Blick auf familiengeführte Unternehmen.

        Was hier Sache ist, soll aber keine Rolle spielen, weil ich auf etwas anderes hinaus will.

        Ihren Ausführungen nach wären Sie nicht ausgewandert, wenn sie hinreichend geringer besteuert würden in Deutschland.

        Ihr Erwerbseinkommen und das anderer deutlich weniger zu besteuern wäre möglich, wenn man den Sozialstaat abbauen und damit die Sozialausgaben reduzieren würde.

        Das ist nicht durchsetzbar und daher ein Problem, wenn man es durchsetzen wollte.

        Für Sie und andere wäre weniger Sozialstaat keines – es ist ja offensichtlich auch keines in USA für Sie, wo der Sozialstaat weitgehend fehlt, verglichen mit unserem.

        Es gibt hierzulande nicht genügend Leute wie Sie, die leistungsorientiert für sich sorgen können und das auch wollen.

        Das ist das Problem – und nicht ein vermeintlicher oder tatsächlicher Lobbyismus bei der Besteuerung der Familienunternehmen.

      • Avatar
        Tobias W. sagte:

        Das ursächliche Problem liegt in der zu hohen Belastung des Faktors Arbeit. Der Lobbyismus der Familienunternehmer in Deutschland ist einer der Gründe, warum es politisch nicht zu einer Entlastung des Faktors Arbeit durch eine teilweise Umschichtung der Steuerlast auf den Faktor Vermögen kommt. Das abzustreiten ist absurd.

        Und Sie haben Recht, statt die Steuerlast von Arbeit auf Vermögen umzuverteilen, könnte man die Ausgaben auch senken. Ich bin durchaus der Meinung, dass der Staat Einsparpotential hat – nicht nur bei Sozialausgaben, sondern auch bei Subventionen, Beamten usw. – nur: wo liegt die Grenze dieses Einsparpotentials? Viele Transferleistungen sind in Gesetze gegossen, aus denen sich Ansprüche ableiten, die nicht schnell beseitigt werden können. In anderen Worten: der Bund hat sich ohne Not viele massive Fixkosten kreiert, weil die Politik im letzten Jahrzehnt Wahlgeschenke verteilt hat.

        Übrigens: in den USA gibt es einen Sozialstaat, insgesamt etwas schlanker und strenger, aber zu behaupten der Sozialstaat würde hier weitestgehend fehlen, ist einfach nur falsch. Als Vater eines schwerbehinderten Kindes mit besonderen Bedürfnissen kann ich Ihnen bescheinigen, dass wir hier mehr und bessere staatliche Strukturen in Anspruch nehmen, als in Deutschland zur Verfügung ständen, vor allem im Bereich Schule und Inklusion.

        Zu behaupten, es gäbe in Deutschland nicht genügend Leute, die leistungsorientiert für sich sorgen können und das auch wollen kann ich nicht nachvollziehen. Schließlich wandern jedes Jahr zehntausender solcher Leute aus Deutschland aus. Das Problem ist nicht, dass es diese Leute nicht in Deutschland gibt, sondern dass diese Leute nicht in Deutschland bleiben wollen. Und weitergehend: dass Deutschland auch keine Anreize bietet, qualifizierte Einwanderer aus anderen Ländern anzulocken.

        Sorgt dafür, dass sich Leistung wieder lohnt – dann werden die Leute auch Leistung bringen.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Tobias W.

        Sie klingen schon etwas anders als zuvor:

        Aus „… maßgeblich geprägt durch einen starken Lobbyismus… “ ist jetzt „Lobbyismus … ist einer der Gründe“ geworden.

        Ich will aber nicht kleinlich sein, das müssen wir beide nicht haben.

        Deshalb nur zu den zwei Punkten, bei denen ich die Dinge doch etwas anders sehe:

        a) ich glaube schon, dass sie bessere staatliche Strukturen in Anspruch nehmen und freue mich für Sie, dass Ihnen das möglich ist.

        Nur:

        Wie sieht es mit den Kosten aus, die Sie zu tragen haben?

        b) Ja, es ist richtig, dass leistungsorientiere Menschen in zu großer Zahl aus Deutschland auswandern. Es mag unterschiedliche Gründe dafür geben, aber die Besteuerung ist sicher einer – Sie werden nicht der einzige sein, für auch das eine Rolle gespielt hat.

        Wenn sie gehen, gibt es eben zu wenige.

        Und wenn daraufhin die verbleibenden Menschen noch höher besteuert werden müssen, sind diese eben leistungsunwilliger.
        Die gesetzliche Regelung, Elternzeit zu nehmen und nicht zu arbeiten, sie aber durch Elterngeld etwas anzureichern, ist zwar kein Beweis für diese Auffassung, unterstützt sie aber schon.

        Jedenfalls gibt es Anreize, nicht maximal leistungswillig zu sein, was die Erwerbsarbeit anlangt.

      • Avatar
        Tobias W. sagte:

        Hallo Herr Tischer,

        meine Lebenskosten liegen hier in den USA im Verhältnis zu meiner Erwerbs- und Kaufkraft viel niedriger als in Deutschland.

        Ich zahle hier Steuern und Sozialabgaben bei ungefähr ~25% meines Bruttoeinkommens – das etwa dreimal so hoch ist wie mein letztes Gehalt in Deutschland und mehr als 5 mal so hoch wie das Durchschnittseinkommen in Deutschland.

        Die Mehrwertsteuer liegt hier bei knapp über 10%, Strom kostet USD0,08 die kWh. Sprit, Gas usw. sind ebenfalls deutlich billiger als in Deutschland. Nahrungsmittel, Miete, Immobilien usw. sind hier deutlich teurer – nicht auf Silicon Valley Niveau, aber eben auf Seattle Niveau.

        Wir zahlen etwa USD5.000 im Jahr an Grundsteuern – die Hälfte davon geht an den örtlichen Schulbezirk, der wesentlich bessere Bildungs- und Betreuungsangebote bietet als öffentliche Schulen in Deutschland.

        Die Versorgung mit medizinischen Angeboten und Leistungen ist Weltklasse. Unsere Krankenkasse hier zahlt übrigens eine Behandlung unseres Sohns mit übernommenen Kosten um die USD30.000 im Jahr, die in Deutschland von den Kassen nicht bezahlt wird. In Deutschland müssten wir das aus unserem Netto bezahlen – und hoffen, dass wir überhaupt ein Therapieangebot in Deutschland finden, denn ohne Kassenübernahme gibt es in Deutschland für diese Therapien auch nur ein dünnes Angebot. Aus unserer Situation heraus betrachtet ist Deutschland in Sachen medizinischer Versorgung für bestimmte Schwerbehinderte ein Entwicklungsland. Dazu kommt die miserable Situation in Bezug auf Inklusion Behinderter.

        Ich werde hier deutlich vor meinem Renteneintrittsalter ein Millionenvermögen erarbeitet haben – mit angestellter Erwerbsarbeit ohne Personalverantwortung. Wer kann das in Deutschland mit angestellter Erwerbsarbeit?!

        Insofern hat mich Ihre Frage nach „was mich das kostet“ doch etwas amüsiert. Ich habe durch meinen Weg aus Deutschland schnell meine eigene Validierung des Märchens vom reichen Land Deutschland bekommen – es gibt viele Regionen in der Welt, in der das Gras deutlich grüner ist als in Deutschland – jedenfalls für diejenigen, die eine gute Ausbildung haben und leistungsbereit sind.

        beste Grüße aus Seattle,

        Tobias W.

    • Avatar
      Helge sagte:

      Lieber Tobias W.,

      warum kritisieren Sie nur die staatlich organisierte Umverteilung und setzen nicht auch mal sozusagen eine Stufe tiefer, nämlich bei der Primärverteilung der Einkommen an? Umverteilung wird unnötig, wenn Arbeitnehmer Löhne erhalten, von denen sie ein Leben ohne staatliche Unterstützung finanzieren könnten.

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        Tobias W. sagte:

        Dass Umverteilung notwendig ist, streitet niemand ab. Die Frage ist, welche Quelle ist die geeignete Quelle für eine Umverteilung, welche die richtigen Anreize setzt.

        Und meine Meinung ist, dass die hohen Steuern und Abgaben auf Erwerbseinkommen schädlich sind. Arbeit lohnt sich nicht in Deutschland – vor allem nicht im direkten Vergleich mit vielen anderen entwickelten Ländern. Und verstehen Sie mich nicht falsch: ich kritisiere sowohl die zu hohe Abgabenbelastung in Deutschland von Löhnen als auch das Lohnniveau.

        Ich bin nicht nur wegen der lächerlich hohen Steuer- und Abgabenlast aus Deutschland weggezogen, sondern auch weil ich nach drei Jahren im Ausland nicht nur die Hälfte Steuern und Abgaben zahle, sondern auch in etwa dreimal so viel im Jahr verdiene wie in Deutschland.

        Löhne, von denen man nicht leben kann, sind in Deutschland auch die Konsequenz eines zu niedrigen Mindestlohns, sowie der einfachen Tatsache, dass man in Deutschland mit Steuergeldern (Aufstockung und andere Transferleistungen) die windigen Geschäftsmodelle von Unternehmern subventioniert, die nur deshalb funktionieren, weil diese Unternehmer Niedriglöhne bezahlen, die vom Steuerzahler mit Transferleistungen ergänzt werden. Diesen Geschäftsmodellen gehört der Stecker gezogen. Staatliche Transferleistungen, die es Arbeitgebern ermöglichen Niedriglohnsektoren aufzubauen, sind eine der Ursachen des Problems. Die andere Ursache ist mangelnde Qualifikation und Bildung, sowie eine komplett fehlgeleitete (wenn nicht gar nicht existente) Einwanderungspolitik, die dazu führt, dass man sich Millionen Menschen ins Land holt, die man nicht soweit qualifizieren kann, dass sie zu Nettosteuerzahlern werden.

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      troodon sagte:

      @ Tobias W
      „In kaum einem anderen OECD Land sind Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland“

      Na wie schön, dass dann wenigstens in den USA die Vermögen noch ungleicher verteilt sind als in Deutschland. GINI Vermögen 0,79 in D, 0,85 in USA. Liegt das in den USA jetzt auch am bösen Mittelstand oder zu geringer Erbschaftssteuer ?

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        Tobias W. sagte:

        Schauen Sie doch mal in die Forbes Liste, dann verstehen Sie warum. Es gibt in den USA wesentlich mehr Superreiche als in Deutschland.

        Das Medianhaushaltsvermögen in den USA liegt übrigens bei um die USD100.000, das heißt die Hälfte der amerikanischen Haushalte besitzt mehr als USD100.000 – das ist etwa fünf mal so viel wie der Medianwert in Deutschland. Im Mittel sind die amerikanischen Haushalte also viel reicher als in Deutschland. Das trifft auch auf den Durchschnitt zu.

        Und im Verhältnis betrachtet ist der Durchschnittswert in den USA zum Median etwa 6 mal so hoch. In Deutschland liegt das Verhältnis ungefähr bei 12. In anderen Worten: den Durchschnittswert erreichen anteilig mehr Amerikaner als Deutsche.

        Es fällt also nicht schwer zu argumentieren, dass Amerikaner sowohl im Mittel als auch im Durchschnitt reicher sind als deutsche Haushalte. Und ja, das liegt auch an der Tatsache, dass die amerikanische Wirtschaftslandschaft weniger von privaten Kapitalgesellschaften geprägt ist als in Deutschland. In den USA beteiligen sich die meisten Haushalte aktiv als Anteilseigner bei öffentlich notierten Unternehmen – das ist auch einer der Hauptgründe für die bessere Vermögensentwicklung amerikanischer Haushalte im Vergleich zu einem Deutschland, in dem die meisten Unternehmen keine Kapitalbeteiligung durch eigene Mitarbeiter und Bürger vorsehen und Unternehmensmasse überwiegend von einem Eigentümer an seine Nachfahren vererbt wird.

        Sie haben sich mit Ihrer Argumentation ein schönes Eigentor geschossen.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Tobias W
        Es ging bei Ihnen auch im die Verteilung. „In kaum einem anderen OECD Land sind Vermögen ungleicher verteilt als in Deutschland“
        Da darf man dann schon darauf hinweisen, dass es in den USA noch ungleicher als in D verteilt ist. Um mehr ging es mir nicht.

        Das andere ist ein Binse:
        „Es fällt also nicht schwer zu argumentieren, dass Amerikaner sowohl im Mittel als auch im Durchschnitt reicher sind als deutsche Haushalte. “
        Ich würde nie etwas anderes behaupten. Die Deutschen verlassen sich leider sehr viel mehr, zu viel, auf den Staat. Dies kritisiere ich hier im Blog regelmäßig.

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        Tobias W. sagte:

        Sie haben es nicht verstanden.

        Sie schauen bei der Bewertung Gleichverteilung lediglich auf den GINI. Allerdings sollte Ihnen zu denken geben, dass in den USA das Durchschnittsvermögen nur 6 mal so hoch über dem Median liegt, während in Deutschland das Durchschnittsvermögen 12 mal so hoch über dem Median liegt. Dass der GINI für die USA trotzdem schlechter ausfällt, lässt sich wahrscheinlich auf die vielen Superreichen zurückführen. Tatsache ist aber, dass ein Median, der näher am Durchschnitt liegt, auf eine gleichere Verteilung hinweist.

        Ich bin kein Freund vom GINI Koeffizienten. Hier ist ein Beispiel:

        Angenommen in einem Land besitzen 50% der Haushalte kein Vermögen, in der anderen Hälfte ist das Vermögen absolut gleich verteilt. Der GINI ist hier 0,5. In einem anderen Land besitzen 25% der Haushalte gleichverteilt 75% des Vermögens, während 75% der Haushalte die restlichen 25% des Vermögens auf sich vereinen, ist der GINI ebenfalls 0,5. Rechnen Sie es nach.

        Es ist also wesentlich aussagekräftiger sich den Abstand zwischen Median und Durchschnitt anzuschauen, um etwas über die Gleichverteilung zu sagen. Und damit ist klar, dass die Haushaltsvermögen in den USA nicht nur höher, sondern auch gleicher verteilt sind als in Deutschland. Ihre ursprüngliche Aussage war also schon nicht richtig.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Tobias W
        „Das Medianhaushaltsvermögen in den USA liegt übrigens bei um die USD100.000, das heißt die Hälfte der amerikanischen Haushalte besitzt mehr als USD100.000 – das ist etwa fünf mal so viel wie der Medianwert in Deutschland. “
        Und im folgenden Post: „Allerdings sollte Ihnen zu denken geben, dass in den USA das Durchschnittsvermögen nur 6 mal so hoch über dem Median liegt, während in Deutschland das Durchschnittsvermögen 12 mal so hoch über dem Median liegt.“

        Von wann und woher stammen Ihre Zahlen ?

        Ich betrachte mal die recht AKTUELLEN Vermögen pro ERWACHSENEN.
        Lt. Credit Suisse Global Wealth Databook sieht es für Mitte 2018 so aus:
        USA : Median:61667US$ Durchschnitt 403.974 US$ ; 6,55 fach (Durchschnitt/Median)
        D: Median 35169US$, Durchschnitt 214892US$ ; 6,11 fach (Durchschnitt/Median)
        Somit ist in den USA das Vermögen auch nach diesem Indikator nach neuen Zahlen ungleicher verteilt als in D.

        „Es ist also wesentlich aussagekräftiger sich den Abstand zwischen Median und Durchschnitt anzuschauen, um etwas über die Gleichverteilung zu sagen. “

        Aha, so so… Und nun ?

        Nun setzten wir einmal 6,55 ins Verhältnis zu 6,11 und vergleichen dies mit dem von mir oben angegeben beiden GINI Werten für die USA und D und stellen was fest ? Genau, beide Verhältnisse sind gleich.

        Aber schön dass Sie schreiben „Sie haben es nicht verstanden.“

  3. Avatar
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Derweil braut sich ein übles Ende des Märchens vom reichen Land zusammen.“

    Ist es wirklich nur „übel“? Ihr Freund Herr Dr. Krall nennt es mit guten Argumenten ein notwendiges und reinigendes Ereignis. Vielleicht hilft das ja, den aktuell üblichen sozialistischen Unfug aus den Köpfen der Wähler zu vertreiben. Ich würde die kommende Krise als Chance und Risiko zugleich beurteilen. Sonst geht es schleichend weiter bergab, ohne dass eine Verhaltensänderung in der Bevölkerung zu erkennen ist.

    Antworten
  4. Avatar
    Thomas M. sagte:

    „…weil sie keine Ahnung von Wirtschaft haben und einer medialen Dauerbeschallung ausgesetzt sind, die ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit hierzulande abgibt.“

    Man kann den Leuten kaum einen Vorwurf machen, finde ich. Nur wer misstrauisch in Kombination mit Neugier und Intelligenz ist – und Zeit hat, macht sich auf die Suche nach Informationen wieso freie Märkte funktionieren und wo die Vorteile liegen.

    In der deutschsprachigen Literatur wird man da sicherlich auch fündig, besser noch man liest gleich die englischen Bücher oder Websites zur Marktwirtschaft und warum Sozialismus keine gute Idee ist. Aber wer macht das schon? Wer nur deutsche (Online-) Zeitungen liest und ÖR guckt und hört, hat kaum eine Chance; sie/er kommt ja nicht einmal auf Gedanken, das bestehende System zu hinterfragen.

    Ich würde sogar vermuten, dass die meisten Journalisten und Politiker selber keine echte Ahnung haben und wirklich glauben, man könnte so etwas Komplexes wie eine Gesellschaft / Markt top-down ordentlich steuern. Man ist schließlich schlau und weiß es besser.

    Zudem sind wir in einer Gesellschaft auf, die Kontrollillusion lehrt: Man kann alles kontrollieren, optimieren, planen. Ursache-Wirkung, Modelle, Prognosen, Regeln, Gesetze etc. pp. Freier Markt? Kann doch gar nicht funktionieren. Da muss man doch regeln! (Ja, sehe ich übrigens auch so; die Frage ist aber nach dem Ausmaße der Regelung.)

    Freier Markt ist anstrengend. Natürlich lockt da das betreute Bürgersein.

    Wieso hat die FDP zum Beispiel nichts auf ihrer Website und wirbt mit den Vorzügen der Freiheit und den abschreckenden Beispielen, wie Zentralplanung scheitert? Ich finde, dass die liberalen Kräfte in Deutschland sehr ruhig sind. Die wenigen, die schreiben, sind eher so ein bisschen wie Untergrundorganisationen, wo man auf dubiose Websites gehen muss, wo sich dann Austrians und andere Querköppe rumtreiben. Oder dieser rheinische Kapitalismus. Klingt schon fast mystisch – wüsste ich nichts von, hätte Herr Stöcker den Begriff nicht hier mal genannt.

    Zum Thema „Unwissenheit“ fand ich folgendes noch interessant:
    https://www.cato.org/publications/commentary/why-so-many-millennials-are-socialists

    Die amerikanischen Jüngeren finden Sozialismus (zunehmend?) besser. Kurioserweise wissen sie selten, was das ist. Am meisten machen die sich Sorgen, die wissen, was es ist:

    „First, millennials don’t seem to know what socialism is, and how it’s different from other styles of government. The definition of socialism is government ownership of the means of production—in other words, true socialism requires that government run the businesses. However, a CBS/New York Times survey found that only 16 percent of millennials could accurately define socialism, while 30 percent of Americans over 30 could. (Incidentally, 56 percent of Tea Partiers accurately defined it. In fact, those most concerned about socialism are those best able to explain it.)“

    Ich denke Roland Baader hatte mit „Kreide für den Wolf“ schon recht. Der Sozialismus wird kommen und ich sehe hier in Deutschland (bzw. Europa ex-Britannia) keine Abwehrkräfte. Das ist nicht das Ende der Tage und „passt“ kulturell vielleicht auch ganz gut. Wie schon früher von mir gesagt/gefragt: Womöglich entwickelt sich das Land nicht falsch, sondern die Liberalen sind im falschen Land.

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    • Avatar
      guter-verwalter sagte:

      @Thomas M.
      Genau wie ihnen ist mir Baaders ‚Kreide für den Wolf‘ von ’91 sofort ins Gedächtnis geschossen. Es brauchte zeitlich gesehen nurmehr eine halbe Generation, und die menschenverachtenden, freiheitsberaubenden Ideen der DDR und UdSSR sind wieder en vogue.
      Die wohlstandsgetriebene kognitive Entkopplung von eigentlich logisch zusammengehörigen Realitäten (Rendite und Risiko, Tat und Konsequenz, Lebensführung und Eigenverantwortung, Meinungsfreiheit und Toleranz) ist auf ihrem Höhepunkt angelangt. Es besteht die reelle Chance, dass neue, totalitär-genozidale kognitive Paarungen in den nächsten Jahrzehnten in den Köpfen der Menschen etabliert werden, von denen man sich nie erträumt hätte, dass sie kommen könnten:
      „Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Stärke“.
      Orwell grüßt aus seinem Grabe!

      Grüße,
      guter Verwalter

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Thomas M, guter-verwalter

      Ich stimme Ihnen nicht zu.

      >Der Sozialismus wird kommen und ich sehe hier in Deutschland (bzw. Europa ex-Britannia) keine Abwehrkräfte.>

      Ob der Sozialismus irgendwann einmal kommen wird, ist heute nicht auszumachen, aber selbstverständlich gibt es Abwehrkräfte.

      Man muss sich nur klar darüber sein, was Sozialismus ist, um zu begreifen, dass es Abwehrkräfte gibt.

      Sozialismus ist die Vergesellschaftung der Produktionsmittel, d. h. Enteignung.

      Dagegen soll es keine Abwehrkräfte geben?

      >Es brauchte zeitlich gesehen nurmehr eine halbe Generation, und die menschenverachtenden, freiheitsberaubenden Ideen der DDR und UdSSR sind wieder en vogue.>

      Die Zeit einer halben Generation ist längst überschritten (nach dem Fall der Mauer bzw. des Eisernen Vorhangs) und en vogue ist in dieser Richtung überhaupt nichts.

      Ein paar Irrläufer wie Kühnert und Habeck sind die Ausnahmen, die das bestätigen.

      Ich biete folgende Sicht der Dinge an:

      Die große Depression ab Okt. 2029 war der Auslöser einer Weltwirtschaftskrise, die wiederum eine Bedingung für WK II war.

      Um eine nochmalige Ungeheuerlichkeit dieses Ausmaßes zu vermeiden gab es die folgenden Alternativen:

      Sozialismus, um damit den vermeintlichen Ursachentreiber Kapitalismus zu eliminieren oder einen Staatsinterventionismus, der durch aktive Fiskalpolitik den Nachfrageausfall der Privatwirtschaft kompensieren und dadurch dessen Folgen wie Arbeitslosigkeit und politische Radikalisierung verhindern soll.

      Im Westen bekam dieser Staatsinterventionismus seine Chance.

      Dem stand das Verständnis einer freiheitlichen Gesellschaft gegenüber, dem schon sehr früh klar war, was mit diesem Staatsinterventionismus verbunden ist.

      Ich verweise hier nur auf De Tocqueville, der bereits in den Anfängen der USA eine „neue Art der Knechtschaft“ entdeckt und auf F. A. Hayek, der 1944 „Die Straße zur Knechtschaft“ geschrieben hat.

      Beide sehen nicht die Gefahr eines Sozialismus nach dem Muster der UdSSR, sondern einen sanften, schleichenden Übergang in einen das Individuum dominierenden KOLLEKTIVISMUS.

      Selbst Keynes, der die theoretischen ökonomischen Grundlagen für den Staatsinterventionismus gelegt hatte, erkannte vorbehaltlos an, was Hayek in diesem Buch analysiert und als dessen Folge vorhergesehen hatte.

      Er schrieb ihm:

      „ … Moralisch und philosophisch finde ich mich in Übereinstimmung mit so gut wie dem ganzen Buch; und nicht nur in Übereinstimmung damit, sondern in einer tief bewegenden Übereinstimmung“.

      Moralische und philosophische Übereinstimmung den Menschen und das betreffend, was er verlieren hat – aber nicht POLITISCHE Übereinstimmung, weil ein erneutes Desaster globalen Ausmaßes verhindert werden musste.

      Der Lauf der Dinge ist bekannt und wo wir heute stehen, wird hier am Blog immer wieder beleuchtet.

      Noch ein paar kurze Bemerkungen dazu:

      Die Wurzel dieser epochalen Weichenstellung zu einem staatsinterventionistischen Kollektivismus liegt m. A. n. im Kapitalismus selbst.

      Er hat einen Wohlstand ermöglicht, von dem vor – sagen wir 250 Jahren – niemand auch nur annähernd eine Vorstellung haben konnte. 250 Jahre sind ein Nichts in der Menschheitsgeschichte und dennoch dieser „plötzliche“ Wohlstand.

      Daran wollen Menschen festhalten, vor allem wenn sie älter werden oder alt sind.

      Ich verweise nur auf dieses Blog, an dem sich so ungefähr jeder dritte Beitrag um Gold, Anleihen oder Aktien dreht und mittlerweile vermehrt um Wertsicherung und nicht mehr so oft um Wertsteigerung.

      Nichts gegen die Prinzipien der Marktwirtschaft, aber wenn es angesichts ihre Wohlstands um VERLUSTRISIKEN geht, dann setzen die weitaus meisten Menschen doch lieber auf den Staat, insbesondere auch dann, wenn man bei der ganzen Überforderung durch Beruf, Familie und Sonstiges sowieso nicht mehr richtig durchblickt und schon dadurch die Risiken, etwas falsch zu machen, steigen.

      Wenn das so ist, hilft auch nicht, den Leuten zu erzählen, dass sie auf dem falschen Trip sind.

      Es wäre so, als ob man Menschen, die Mensch-ärgere-Dich-nicht spielen, einreden wollte, dass sie das falsche Spiel spielen und stattdessen Monopoly spielen sollten, weil sie sich bei diesem Spiel nicht ärgern müssten, sondern über die Vermehrung von Eigentum freuen könnten.

      Diesen Leuten kann man nichts einreden.

      Sie hören mit dem Spiel erst dann auf, wenn sie SICH tatsächlich ärgern.

      Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Ich biete folgende Sicht der Dinge an: Die große Depression ab Okt. 2029 [Sie meinen vermutlich Herbst 2008?] war der Auslöser einer Weltwirtschaftskrise, die wiederum eine Bedingung für WK II war. Um eine nochmalige Ungeheuerlichkeit dieses Ausmaßes zu vermeiden gab es die folgenden Alternativen: (…)“

        Nein, diese Zwangsläufigkeit gab es nicht, obwohl Sie von den an Staatsinterventionismus Interessierten natürlich gerne konstruiert wird. Anders als zu Zeiten der Großen Depression in den 1930er Jahren haben die Großmächte mittlerweile Atombomben, und sie wissen alle, welche Zerstörungskraft diese Waffen haben. Einen Weltkrieg zu vermeiden liegt immer in deren Interesse und einen anzufangen ist nie gerechtfertigt, auch in einer schweren Wirtschaftskrise nicht, weil es in einem Atomkrieg nur Verlierer gibt.

        Die Dummheit einzelner Politiker darf man natürlich trotzdem nicht unterschätzen, Hillary Clinton brachte 2016 mit der Idee von der „Flugverbotszone“ in Syrien einen Vorschlag in die politische Debatte ein, die das Potential gehabt hätte, einen Weltkrieg auszulösen, aber am Ende wurde ja zum Glück in den USA Donald Trump gewählt.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Tut mir leid, Sie auf die falsche Fährte geschickt zu haben:

        Ich meinte die große Depression von 1929.

        Dafür gilt, was ich als Folge skizziert habe, nicht für das, was nach 2008 geschehen ist.

        >Einen Weltkrieg zu vermeiden liegt immer in deren Interesse und einen anzufangen ist nie gerechtfertigt>

        Es liegt im Interesse aller, ob sie nun Atomwaffen haben oder nicht.

        Es hätte auch im Interesse Deutschlands gelegen, 1939 keinen anzufangen, zumal Frankreich und England zuvor beim Zusammentreffen mit Hitler in München mit erheblichen Zugeständnissen zu Lasten der damaligen Tschechoslowakei deutlich gemacht hatten, dass sie keinen Krieg wollten.

        Historische Tatsache ist es aber, dass Deutschland einen angefangen hat und zwar durch eine Regierung, die als DEMOKRATISCH gewählte an die Macht gekommen war.

        Dass man sich daraufhin Gedanken machte, wie so ein Ereignis und die Folgen zu vermeiden sind, ist VERANTWORTLICH, RICHTIG und war auch ERFOLGREICH insoweit es nach WK II nicht einmal im Ansatz Verhältnisse wie 1929 geben hat.

        Dass es keinen WK III der mittlerweile verfügbaren Atomwaffen wegen gegeben hat, ist eine andere Sache.

        Der Punkt ist – und dabei bleibe ich:

        Der so BEGRÜNDETE Staatsinterventionismus ist letztlich die Ursache dafür, dass wir auf einen alles umfassenden Kollektivismus zusteuern.

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        @Hr. Tischer: Verstehe ich Ihren Einwand richtig wie folgt: Die Produktionsmittel bleiben im privaten Besitz, aber sowohl was produziert wird als auch was nachgefragt wird, wird staatlich in zunehmend höheren Maße vorgegeben (Staatsinterventionismus). Dies führt schleichend zu einem das Individuum dominierenden Kollektivismus?

        Bzgl. der Präferenz, auf den Staat zu setzen: Das sehe ich letztlich ähnlich. Aktuell dürften viele Wünsche nur noch (scheinbar) durch den Staat zu erfüllen sein (bezahlbarer Wohnraum, Verkehrswende, Rente, Gesundheit, Klimarettung, Arbeitsplatzsicherheit). Entsprechend hofft man auf staatliche Lösungen. Ich kann es nur vermuten; in ehemaligen Ostblockländern hat man vermutlich den freien Markt willkommen geheißen, weil er liefern konnte, was man wünschte – Waren und Dienstleistungen.

        Ich fand interessant, dass ein (ich meine) serbischer Bekannte meinte, damals sei sein Professoren-Bekannter abends bei Coca-Cola Gabelstapler gefahren, weil die gut und pünktlich bezahlten.

        Vielleicht ist es einfach ein Zyklus…

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        Sie verstehen mich richtig – genau das meine ich.

        Man hofft nicht nur, sondern verlangt staatliche Lösungen, weil es nicht mehr das wirtschaftliche Wachstum gibt, das in der Vergangenheit attraktive Optionen für mehr Wohlstand geboten hatte.

        Außerdem sind die Menschen durch die vielfältigen Regelungen, die nicht nur, aber auch eine Konsequenz ihrer Forderungen an den Staat sind, unrettbar überfordert – es soll schließlich gerecht zugehen, weil nicht nur umverteilt, sondern auch finanziert werden muss (siehe aktuell: Grundrente mit oder ohne Bedürftigkeitsprüfung).

        Kurzum, die Menschen verfangen sich in einem Netz, ohne zu verstehen, dass sie sich damit ihrer Handlungsoptionen berauben.

        Ihr sehr angebrachter Verweis auf Osteuropa wäre eine eigene Diskussion wert.

        Dort setzt man offensichtlich aus sozialistischer Armut kommend auf einen etwas anderen Weg der Wohlstandsmehrung.

        Er wurde durch die Verlagerung von Produktion aus dem Westen befördert und jetzt offensichtlich durch Korruption behindert. Hier ist der Staat in einer anderen Rolle – noch.

  5. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >Womit wir zum Fazit kommen: Es ist merkwürdig.>

    Hier ist erst einmal nichts merkwürdig, sondern es wird vielmehr ein STIMMIGES Meinungsbild präsentiert:

    >..sind 57 Prozent der Ansicht, dass der soziale Ausgleich in Deutschland – eines der Grundprinzipien der vielbeschworenen sozialen Marktwirtschaft – heute nicht mehr funktioniert.>

    Gestern hat es noch funktioniert heute nicht mehr – so die ANSICHT.

    Ob das wirklich so ist, wenn MEHR und MEHR umverteilt wird, spielt keine Rolle, sondern es geht nur um das, was die Umfrage zu Tage fördert: MEINUNG.

    Und die ist eindeutig.

    >81 Prozent schätzen das Risiko eines sozialen Abstiegs heutzutage als größer (54 Prozent) oder gar sehr viel größer (27 Prozent) ein als für frühere Generationen. Noch höher ist mit 83 Prozent der Befragten der Anteil, der erwartet, dass dieses Abstiegsrisiko künftig sogar weiter steigen wird.“>

    Wenn das die Meinung ist – eine, die sich mit der Realität sogar gut begründen lässt -, kann wiederum nur Meinung sein:

    > … weisen die Deutschen dem Staat Verantwortung angesichts einiger absehbarer sozialer Gefahren zu>

    Warum dem Staat?

    Weil NUR Umverteilung vor Risiken schützt und NUR der Staat umverteilen kann – so die Meinung.

    Dafür gibt es auch eine Begründung:

    > … enttäuschenden Erfahrungen mit der Privatisierung öffentlicher Leistungen in den vergangenen Jahrzehnten …. 78 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass diese zu weit gegangen ist>

    Dass ohne Privatisierung z. B. der ehemaligen Post und ohne Wettbewerb die Kommunikationskosten heute erheblich höher wären, ist keine Erfahrung. Die Erfahrung ist, dass es immer noch billiger geht – TROTZ Privatisierung und Telekom.

    Und ob die sozialen Gefahren absehbar sind, WEIL die Umverteilung nicht funktioniert, ODER weil die berechtigten oder unberechtigten Ansprüche gewachsen sind, spielt allenfalls für Theoretiker ein Rolle, nicht jedoch für die Meinung der Menschen.

    Für die ist mehrheitlich klar, was zu erfolgen hat:

    >.. dass die Regierung Betroffene in einem solchen Fall stärker schützen sollte, „voll und ganz“ (23 Prozent) oder „eher“ (57 Prozent) zu.“>

    Wie soll denn sonst geschützt werden?

    Durch vorbeugende Eigeninitiative, etwa zielgerichtete Qualifizierung, die auch in Zukunft ein auskömmliches Einkommen ermöglichen könnte?

    Wieso denn das, wenn nach Meinung der Mehrheit die Lösung sein muss, was sie immer war:

    MEHR Umverteilung.

    Wer diese Logik nicht teilt, soll mir bitte erklären, warum die „Privatisierungs-Partei“ FDP auch mit Spitzenpersonal wie Genscher im Nachkriegsdeutschland NIE mehr ca. 15% der Stimmen erringen konnte.

    Die FDP sollte endlich einmal die Realität zur Kenntnis nehmen und sich stark dafür machen, dass die Regierung den von ihr vertretenen Betroffenen endlich Kurse für die Qualifizierung zur Auswanderung finanziert.

    Bleibt noch eine interessante Frage:

    Warum steht die SPD dort, wo sie steht, wenn Merkel sie doch jahrelang hat rackern lassen bei der Umverteilung und Leute wie Schwesig, Nahles und Heil nun wirklich nicht geschlafen haben.

    Und die Jungen erst, die sind noch schneller in dieser Partei:

    Das Urteil des BVerfG zu Hartz IV war noch warm, da hat K. Kühnert schon gewusst, wie richtig umverteilt wird – Hartz IV Sanktionen komplett abschaffen.

    Diese Partei ist nicht mehr zu halten, die überholen bei der Umverteilung gerade die Grünen.

    Ich kann mir die Frage nicht befriedigend beantworten.

    Vermutlich teilt die SPD nicht „richtig“ um.

    Allerdings erkenne ich:

    Seit ein paar Jahren erfolgt an den Wahlurnen die Umverteilung der Stimmen – und immer mehr beteiligen sich daran.

    Man kann darin die Sehnsucht nach einer ganz ANDEREN Umverteilung in der Gesellschaft sehen.

    Bei allen Irritationen an den Flügeln:

    Es wäre aus heutiger Sicht MEHRHEITLICH verstanden immer noch Umverteilung.

    Antworten
  6. Avatar
    Elektroheini sagte:

    „Abbau von Leistungen? Ich habe nur Rente mit 63 und Mütterrente im Kopf.“

    So unterschiedlich sind die Köpfe!

    Viele Menschen denken bei „Abbau von Leistungen“ an das (mittlerweile abgeschaffte) „Arzteintrittsgeld“ von 10€ pro Quartal, an Rezeptgebühren und das Kassengestell. Das mögen nur unwesentliche Dinge gewesen sein, es war aber eine direkte Erfahrung für den kleinen Mann und hat sich gut ins Gehirn geprägt.
    Die Absenkung des Rentenniveau (und die Anhebung des Eintrittsalters) hingegen ist alles andere als unwesentlich. Und dass die Versicherten dies mittels untauglichen Riesterverträgen ausgleichen sollten, macht es nur noch schlimmer.

    Natürlich gibt es die wählerkaufenden Geschenke für diverse Randgruppen, aber daraus sollte man nicht folgern dass Hans Mustermann keinen Abbau von Leistungen hinnehmen mußte.

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