Beim Margin-Call fällt auch Gold – aber dann …

Es passt zum Bild. Der Goldpreis fängt (endlich) an zu steigen und das auch, weil die Notenbanken der Welt kaufen – und die Italiener denken darüber nach, ihre durchaus schönen Goldbestände zu verkaufen. Das verstehe ich übrigens nicht, weil ich denke, dass so ein Goldschatz ganz nutzbringend ist, wenn ich die Lira wieder einführen möchte.

Dennoch ist der Anstieg des Goldpreises wohl mehr die Folge der „Alles-Blase“, die derzeit aufgepumpt wird und weniger ein Zeichen für die um sich greifende Furcht vor einem Systemkollaps. Bedeutet im Umkehrschluss: Wenn es kracht, wird Gold wie immer in solchen Situationen erst mal deutlich verlieren. Einfach weil es am fungibelsten ist und so schnell zu Liquidität gemacht werden kann. So sieht es auch Ambroise Evans-Pritchard im Telegraph:

  • „There is nothing more beautiful for a gold mining executive than the spectacle of total capitulation by the US Federal Reserve. (…) The start of a Fed loosening cycle is a rare event and invariably a catapult for gold. This time the effect is turbo-charged by the onset of negative real interest rates across the US maturity curve. It is happening against the backdrop of a disintegrating world trade system, a Sino-US superpower showdown, and the end of global Pax Americana.“ – bto: Ich denke, es sind keine Angstkäufe, sondern es ist die nüchterne Überlegung, dass es besser ist, Gold zu halten als Staatsanleihen mit negativen Zinsen.
  • „Hedge funds are loading the boat on the CFTC futures market. (…) the last three weeks have seen the biggest jump in ‘spec long’ gold positions since records began. Net longs have reached 190,000 lots. The G4 central banks are moving together like a peloton.“ – bto: Das ist allerdings kein Kauf, sondern ein eindeutiges Verkaufssignal!
  • „The old refrain that gold is dead money because it pays no yield has lost its sting.  If you want a safe and liquid store of value today in Europe the choice is surreal: you can pay Portugal’s Socialist government to look after your money until the mid-2020s or buy a bar of gold that is nobody else’s liability.“ – bto: schön formuliert! Deutlicher kann man nicht zeigen, dass die Welt sich in eine Ecke manövriert hat.
  • „EU leaders cleared the way for easier sovereign debt restructuring at their summit last December. There can be no further rescues by the eurozone bail-out fund (ESM) unless debt is deemed sustainable. (…) – a huge haircut risk for creditors in the next debt crisis. (…) European savers are taking precautions. Flows into gold-backed ETFs jumped 49pc in the first quarter to 40 tonnes, and the lion’s share of this was in Europe. (Purists of course prefer to keep designated gold bars with a serial number in a vault.)“ – bto: Natürlich geht das nur physisch. Aber hier kommt ein anderer Faktor ins Spiel, nämlich die Gefahr von Bail-ins. Ich glaube nicht, dass die Eurozone das machen wird. Sie werden immer zu große Angst haben und deshalb zieht das Argument meines Erachtens nicht. Es ist einfach nur die Flucht aus Negativzinsen.
  • „Central bankers bought a net 651 tonnes of gold last year, the highest for half a century. A barbarous relic no more. (…) Russia’s holdings have jumped from 3.5pc to 18.5pc of its foreign exchange reserves over the last decade. Turkey has gone up from zero to 14pc, India from 3.8pc to 6.2pc, and China (officially) from 0.5pc to 2.5pc. (…) China’s declared reserves of 1,900 tonnes are the tip of the iceberg. (…) a deep suspicion that the real figure is well north of 20,000.“ – bto: was den Verkauf der Italiener noch schlechter erscheinen lässt.
  • Bonds are pricing in a deflationary ice age. Real rates are falling lower in every cycle. Debt ratios have reached 320pc of global GDP. The authorities are running out of policy ammunition. Monetary Monetary Theory – i.e ‘governments can spend whatever they like and never have to pay for stuff’ – is causing apoplexy (=Gehirnschlag) in orthodox circles.“ – bto: was sein mag. Dennoch dürfte es kommen, weil es die einzige Möglichkeit ist, den deflationären Kollaps zu verhindern.
  • „This is an unstable equilibrium. It can break two ways: a hyperinflationary blow-off after we have tasted too much deflation for comfort; or a deflationary collapse with a cascade of defaults and a Schumpeterian wiping of the slate. Both are good for gold.“ – bto: aber erst am Ende des Weges, dazwischen kann es durchaus auch unter die Räder kommen. Vor allem beim deflationären Kollaps.
  • „If global panic sets in, the dollar will rocket (the yen will rocket even more) and gold will be sucked into the downdraft along with everything else. Cross-holdings by hedge funds and banks lead to firesales. It crashed from $982 to $677 between July and October 2008. Once the dust settled, and the QE era began in earnest, it soared to an all-time high of $1,917 two years later.“ – bto: weshalb man es durchhalten können muss. Und auch die Kraft, in der Panik zuzukaufen.

telegraph.co.uk: „Gold hits six-year high amid warnings of a deflationary ice age“, 25. Juni 2019

Kommentare (14) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Eva Maria Palmer sagte:

    Gold hat etliche Jahr-Tausende seine Kaufkraft erhalten, während fast alle Papierwährungen auf nahezu Null gegangen sind.

    Goldkäufer sind bei der Finanz-Industrie nicht gerne gesehen, weil man sie damit nicht über den Tisch ziehen kann, obwohl die 4-5 Finanz-Kriminellen in London den Goldpreis permanent manipulieren.

    Die Eigenschaft als Wertaufbewahrungs-Mittel betrifft aber nur physisches Gold.
    Alles andere kann genauso gut wertlos werden, wie die ungedeckten Blüten, die unsere Zentralbanken unters Volk bringen.

    Früher hat man gesagt, Gold bringe keine Zinsen und man könnte es nicht essen.

    Heute erhält man für sein ungedecktes Inflations-Geld nur noch Minus-Zinsen, während die Finanz-Hyänen in ihren Nobel-Restaurants Blattgold auf ihren Hummer und Kaviar drapieren.

    Der alte Grünspan (Vernichter des amerikanischen Mittelstandes) hat Gold als einziges Wertaufbewahrungs-Mittel testiert aber gleichzeitig ausgeführt, daß der Sozialstaat kollabieren würde, wenn man das deckungslose Geld ohne weiteres in Gold umtauschen könnte.

    Aus diesem Grund wurde von den regierenden kriminellen Politikern der Besitz mehrfach verboten.

    Der Goldbesitzer schläft ruhig, während die Besitzer schwankender „Wertpapiere“ jeden Tag aufs Neue mit glühenden Augen und mahlenden Kiefern die Charts betrachten.

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      Thierry sagte:

      @ Frau Palmer

      „Früher hat man gesagt, Gold bringe keine Zinsen …“. Sie haben recht, das zu erwähnen, denn es stimmt nicht. Es genügt, dass Gold seine Kaufkraft behält.

      Die Rechnung ist einfach. Als Nixon 1971 die Goldbindung des Dollar aufkündigte, war die Unze Gold 35 $ wert. Heute sind es etwa 1’400 $, das ist das 40-fache. Es entspricht einer gemittelten Jahresverzinsung von knapp 8%. Welches Wertpapier hätte das über diesen Zeitraum von 48 Jahren ebenso sicher gebracht? Gibt es ja garnicht!

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        troodon sagte:

        @ Thierry
        Seit Anfang 1971 ist der S+P 500 auf rd. das 32 fache angestiegen. Insofern ist es richtig, dass man mit Gold seit Anfang 1971 mehr verdient hätte als mit einer Indexanlage im S+P 500. Diese Gold Outperformance beruht aber nur auf dem ersten Anstieg bis Ende 1972. Ab Anfang 1973 ist Gold bis heute auf rd. das 21fache angestiegen, der S+P auf das 25fache.
        Und wer unglücklicherweise Anfang 1980 in Gold eingestiegen ist, der musste über 25 Jahre warten, bis er NOMINAL seinen Einstandskurs wiedersah. So lange musste man beim S+P 500 nie warten, um vorangehende Verluste auszugleichen.
        Selbstverständlich ist Gold eine sinnvolle Vermögensbeimischung, aber keinesfalls ohne große Schwankungen, wie es manchmal suggeriert wird. Gold und Aktien gehören beide zu einer sinnvollen Vermögensstruktur dazu und natürlich auch noch weitere Anlageformen…

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    Thierry sagte:

    „Beim Margin-Call fällt auch Gold“
    Das ist die Frage. Wer Gold auf Kredit gekauft hat, fürchtet den margin call, insofern also richtig.
    Viel grösser ist aber doch der Einfluss nicht gedeckter Goldfonds, deren Käufer nun die Ware sehen, d.h. ausgeliefert haben wollen. Das würde einen squeeze geben, denn die Fonds müssten zukaufen. Man denke an die Geschichte der VW-Aktie beim Übernahmeversuch durch Porsche.

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      Thierry sagte:

      @ troodon

      Wem sagen Sie das? Hätten Sie während dieser 48 Jahre immer die Indexe erreicht oder geschlagen? Und mit welchem Aufwand an Zeit, Energie und Zweifeln? Ausserdem sind die Indexe auch keineswegs linear angestiegen und enthalten heute ganz andere Einzelwerte als damals, was zu häufiger Umschichtung zwingt.

      Da hatte ich es besser. Mein erstes Gold habe ich 1973 in der ersten Ölkrise gekauft, habe seitdem immer zugekauft wenn die Börsen wackelten, das ganze gut vergraben und mich darauf ausgeruht, bzw. bin meinen Hobbies nachgegangen. Und im übrigen bin ich längst saturiert, da ich am Ende eh‘ nichts mitnehmen kann, und meine potentiellen Erben schon für sich selbst sorgen müssen.

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    Axel sagte:

    Wird Gold nicht über Kontrakte gehandelt, die in der Regel nur zu einem Bruchteil mit physischem Gold hinterlegt sind? Und wird überhaupt reales Gold ausgeliefert? Was passiert, wenn sich die Kontrakthändler im Falle einer starken Inflation einer großen Währung dazu entschließen sollten, sich die Kontrakte komplett in physischen Metallen auhändigen zu lassen? Wird dann der Speicher der COMEX gesprengt und der Goldpreis explodiert geradezu?
    Könnte die Goldbullen über den Hebel der physischen Auslieferung in einer konzentrierten Aktion (z.b. durch weltweit eingesammelte Gelder) die Comex knacken und den Golpreis wieder auf einen Angebot/Nachfrage basiertes Fundament stellen (und nebenbei heftigen Reibach machen)?

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      Horst sagte:

      Nachdem Dalio der ganzen Welt erklärt hat, wie die Maschine arbeitet, will natürlich jeder Zweifelnde an das Glänzende (ein Umstand, der die Preise steigen lässt). Das freut vor allem Dalio, der vorher für sich und seine Kunden günstig (vllt. auch „nur“ Zertifikate) einkauft hat – ganz zum Nachteil für die Zweifelnden.

      Dalio ist für mich nicht glaubwürdig. Aber bitte: Jedem seine Vorlieben.

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Zweifler: So ist es. Oder wie es ein anderer angelsächsischer Investor mal formuliert hat:

      I don´t worry about the return ON my money but on the return OF my money.

      Damit ist alles gesagt, wenn man mit einschließt, dass er nicht mit einer kaufkraftentwerteten Geldsimulation bezahlt werden will.

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    MFK sagte:

    Es gibt Länder, die aus politischen Erwägungen heraus keine USD halten möchten oder ihre Bestände verringern. Gold ist da ein guter Ersatz. Ansonsten ist Gold halt eine Währung und kein Rohstoff, weil es nicht verbraucht wird.

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    Michael Hoppe sagte:

    Wenn das Szenario so absehbar ist wir im letzten Punkt, stellt sich mir die Frage, ob die Anleger dies nicht antizipieren und versuchen (Not)Verkäufe während eines deflationären Kolaps vermeiden ?
    Ebenso könnten die Notenbanken den deflationären Kolaüs antizipieren z.b. mit Helikoptergeld ?

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      Johannes sagte:

      @MH: Genau das wird die „Kunst“ sein; den m.E. kommenden deflationären Kollaps zu überstehen und sein physischen Gold dabei nicht anzutasten. Darum halte ich auch nichts davon, Gold wie Geld zu betrachten (auch wenn es das einzig „wahre“ ist, alles andere ist ja bekanntermaßen Kredit) sondern als begehrten Vermögenswert in der nach-deflationären Zeit.

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    Thomas M. sagte:

    Ein Gedanke / eine Diskussionsfrage zum Thema „Wertaufbewahrung“: Sollte man Gold bei der Portfolio-Rebalancierung besser komplett außen vor lassen? Wenn man Gold als Schutz gegen starke oder Hyper-Inflation hält, verkauft man sonst sukzessive seine Bestände bei steigenden Kursen (die es beim Crack up-Boom / starker Inflation gäbe) und hält somit immer weniger Gold und mehr Währung (ggf. wiederum eingetauscht gegen andere Assetklassen).

    Das Argument zählt natürlich letztlich für andere Asset-Klassen wie Aktien und Immobilien auch.

    Im Falle einer globalen Panik (wie auch immer man diese genau definiert mit Blick auf Wertentwicklungen) sollte man dann besser die Rebalancierung aussetzen: Sonst lässt man womöglich den Gewinner viel zu früh ziehen und kauft bei abstürzenden Assetklassen ins fallende Messer?

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