„Wer das Bargeld zerstört, zerstört die freiheitliche Rechtsordnung“

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Professor Max Otte im Interview mit Focus. Am Rande erwähnt er auch mich. Ein paar Auszüge:

  • für den Euro gäbe es dringenden Reformbedarf. Südländer, die es sich nicht leisten können, müssten aus der Euro-Zone aussteigen können. Stattdessen machen wir das Gegenteil, das heißt, wir belasten nun auch das deutsche Bankensystem durch eine Haftungsunion, nur um die Insolvenz im Süden zu verschleppen und irgendwann gemeinsam in die Insolvenz zu gehen.“
  • Heute wissen wir, dass der Euro Europa immens geschädigt und zurückgeworfen hat. Ich habe in meinem Vortrag im April 1998 gesagt, das System hält ungefähr zehn Jahre, dann kommt es in große Schwierigkeiten. Es hat ungefähr elf Jahre gehalten, bevor die Schwierigkeiten anfingen. Die Schwierigkeiten sind riesig.“ – bto: stimmt. Der Vortrag liegt mir vor. 
  • Die Staaten Europas haben sich verschworen, um dieses Kunstprojekt am Leben zu halten. Solange ich diesen Zwang anwende, solange ich noch Reserven im System habe, geht das weiter. Ich rechne nicht damit, dass der Euro in den nächsten Jahren platzt. Irgendwann wird er platzen müssen, weil er künstlich ist, weil er in dieser Form nicht funktionieren kann.“
  • wir haben die Zeit seit der Finanzkrise überhaupt nicht genutzt. Es gab Versäumnisse bei der Regulierung und der Kontrolle der Finanzmärkte, sprich bei der Ordnung der Finanzmärkte – das Wort gefällt mir besser. Die Welt hat seit der Finanzkrise ein ganzes Welt-Bruttoinlandsprodukt an Schulden draufgepackt. Wir kommen aus der Schuldenspirale nicht raus.“
  • Wenn wir dieses System ändern wollen, dann bringt es wenig, auf die Funktionäre in den Banken und Konzernen zu setzen. Dann müssen wir die Politik ändern. Das müssen aber die Bürger tun. Im Moment ist es doch leider so, dass die Finanzbranche und andere Lobbyisten die Politik dominieren.“ – bto: und die Bürger einfach nicht verstehen, was da getrieben wird bzw. es nicht wissen wollen.
  • „…Bargeld ist ein Rechtsgut. Es ist die einzige Möglichkeit der Bürgerinnen und Bürger, Notenbank-Geld direkt zu besitzen, sprich öffentliches Geld, Geld des Gemeinwesens.“ – bto: das ist ganz entscheidend!
  • Wenn Schäuble sagt, niemand habe die Absicht, das Bargeld abzuschaffen, dann klingt das so ähnlich wie der Satz, niemand habe die Absicht eine Mauer zu errichten„. 
  • wir leben in einer Welt voller Schulden. Daniel Stelter (Anmerkung der Redaktion: Stelter ist Autor des Buches „Die Schulden im 21. Jahrhundert“) sagt ja ganz kluge Dinge über die verschuldete Welt, unter anderem, dass es nach einem Crash besser ist, zu den Schuldnern zu gehören als zu den Gläubigern. Es wird etwas ganz Einfaches stattfinden – die Inhaber von Geldforderungen, (…) werden irgendwann aufwachen und feststellen: „Oh, da ist ja viel davon weg.“ Ob das schleichend passiert oder plötzlich, wissen wir nicht.“
  • Das heißt im Umkehrschluss – ich muss Aktien haben, Edelmetalle vielleicht, auch Immobilien sowie Liquidität.“ – bto: deckt sich mit meinen Empfehlungen.

Focus.de: „Wer das Bargeld zerstört, zerstört die freiheitliche Rechtsordnung“, 13. Juli 2016

3 Kommentare
  1. Dietmar Tischer says:

    >Ich rechne nicht damit, dass der Euro in den nächsten Jahren platzt. Irgendwann wird er platzen müssen, weil er künstlich ist, weil er in dieser Form nicht funktionieren kann.“>

    Bargeld ist auch künstlich.

    Kann es in dieser Form nicht funktionieren?

    „Künstlich“ – das ist diffus, erklärt nichts.

    >„…Bargeld ist ein Rechtsgut. Es ist die einzige Möglichkeit der Bürgerinnen und Bürger, Notenbank-Geld direkt zu besitzen, sprich öffentliches Geld, Geld des Gemeinwesens.“ – bto: das ist ganz entscheidend!>

    Es gibt viele Rechtsgüter.

    Eines ist, Bargeld zu besitzen.

    Ein anderes ist, Buchgeld zu schaffen durch das Recht, Schuldverhältnisse eingehen zu können.

    Was ich für entscheidend halte in der bestehenden Situation:

    Mit Bargeld kann ich etwas tun, was ich mit Buchgeld nicht tun kann – ich kann es vernichten, OHNE dass es andere Parteien tangiert. Ich kann es z. B. verbrennen.

    Wenn Buchgeld vernichtet wird, ist eine andere Partei beteiligt und betroffen, ob willentlich oder nicht. Das ist so, weil es durch ein Schuldverhältnis, eben vertraglich durch zwei Parteien geschaffen wurde.

    Wenn Otte sagt, dass der Euro in dieser Form nicht funktionieren kann, muss er meinen, dass die Schuldverhältnisse in der Eurozone nicht EINVERNEHMLICH aufgelöst werden können.

    Würden sie aufgelöst werden, müssten nach Lage der Dinge die Gläubiger verlieren.

    Das lassen sie nicht zu und deshalb findet es nicht statt.

    Und nicht nur das:

    Nehmen wir einmal an, dass ein Land seine Wettbewerbsfähigkeit ALLEIN durch Reduzierung seiner Kosten und damit seiner Preise um 30% erreichen könnte.

    Würde man sich darauf einigen, müssten auch die Nominalwerte von Hypotheken etc. auch um 30% sinken.

    Die Gläubiger werden nicht mitspielen, auch wenn dadurch die Schulden wieder bedient würden.

    Der Staat wird auch nicht mitspielen, zumindest dann nicht, wenn die Gläubiger eine kritische, über politische Macht entscheidende Masse der Bevölkerung sind.

    Das ist die Krux.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      Was die Bargeldabschaffung als Willkürakt betrifft, ist das aus dem genannten Grund auch meine Meinung.

      Ich glaube allerdings, dass Bargeld schleichend an Bedeutung für den Zahlungsvorgang verliert. Dies, weil die Bezahlung mit Karte oder Handy einfach komfortabler und kostengünstiger ist und sich daher durchsetzen wird. Wenn es nichts oder fast nichts mehr gibt, was abgeschafft werden könnte, dann wird nichts abgeschafft.

      Antworten

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar zu Karl Antworten abbrechen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.