Rezension von “Ein Traum von einem Land”

Diese Besprechung meines Buches erschien in der Schweiz:

In “Ein Traum von einem Land. Deutschland 2040” schreibt Daniel Stelter, dass Deutschland heute kein glückliches Land sei. Es brauche eine massive Kehrtwende hin zu einer intelligenten Wirtschaftspolitik. Er bemängelt den deutlichen Rückgang der Produktivitätszuwächse in einem Land, das vor einem erheblichen Rückgang der Erwerbsbevölkerung steht. Wesentliche Gründe für die geringe Binnennachfrage in Deutschland sieht er in seit Jahren langsam steigenden Löhnen, in einer immer höheren Abgaben- und Steuerlast und in unzureichenden Investitionen des Staates in Infrastruktur, Innovation und Digitalisierung.

Deutschlands Geschäftsmodell bezeichnet Daniel Stelter als eines, das einseitig am Export orientiert sei, mit einer impliziten und expliziten Subventionierung der dazugehörigen Industrien. Deutschlands Exportüberschüsse führten bei Handelspartnern zu zunehmender Unzufriedenheit und dienten als wesentliches Argument, von Deutschland Zahlungen zu fordern, so beim EU-Gipfel im Sommer 2020. Wenn Transferleistungen gezählt würden – allein für den europäischen Wiederaufbaufonds mindestens 80 Milliarden Euro –, dann sei das ökonomisch so, als würden die Deutschen beispielsweise ihre Autos verschenken. Das nütze den Eigentümern deutscher exportorientierter Firmen; die Kosten hingegen trügen alle Bürgerinnen und Bürger (ich: nur die Steuerzahler).

Daniel Stelter führt weiter aus, dass mit den Exportüberschüssen zudem entsprechende Kapitalexporte einhergingen. Und niemand lege laut Studien seine Ersparnisse im Ausland so schlecht an wie die Deutschen, u.a. am US-Immobilienmarkt. Das führt laut unserem Autor dazu, dass die Deutschen das „Wunder“ vollbrachten, gut zu verdienen, zugleich aber über deutlich weniger Vermögen zu verfügen als ihre Nachbarn. In Deutschland liege das Privatvermögen beim 3,8-Fachen des BIP, in Italien beim 5,5-Fachen (ich: allerdings bei einem geringen BSP per capita; dennoch natürlich schlechter). In Deutschland seien die Vermögen zudem besonders ungleich verteilt, weil der deutsche Mittelstand kaum vermögend sei. Da tröste es wenig, wenn die Vermögensverteilung etwas besser sei, wenn man Renten- und Pensionsansprüche berücksichtige.

Der deutsche Staat gelte als „reich“ im Vergleich mit seinen europäischen Nachbarn, da dies nur, weil Deutschland im Kreis der OECD-Staaten die zweithöchste Abgabenlast trage und weil zugleich die Zinspolitik der EZB erhebliche Mittel, die im privaten Sektor gespart würden, zum Staat umverteilt.

Daniel Stelter fasst zusammen: Deutschland sei ein Land mit enttäuschender realer Netto-Einkommensentwicklung, geringen und ungleich verteilten Vermögen, einem Staat, der Bürgerinnnen und Bürgern viel Geld abnimmt, jedoch nur unzureichend investiere. Zugleich werde der vermeintliche Reichtum von der Politik als Argument genutzt, um sich eine grosszügige Migrationspolitik, eine teure Energiewende und die Rolle des europäischen Zahlmeisters zu leisten.

Doch die Entwicklung kippe in den 1920er Jahren. Nur eine Minderheit schultere die hohen Abgaben für Mütterrente, Rente mit 63 und andere Wohltaten. Die Mehrheit in Deutschland lebe von Transfers. Er folgert mit Margaret Thatcher, dass es so lange gut gehe, wie das Geld anderer Leute nicht ausgehe.

Daniel Stelter sieht Deutschland vor dem Punkt der völligen wirtschaftlichen Überforderung, weil: Schlüsselindustrien wie die Automobilbranche stünden vor einem existenzbedrohenden Umbruch; die Erwerbsbevölkerung schrumpfe, die Zahl der Rentner steige; unzureichende Integration der Eingewanderten in den Arbeitsmarkt; unterlassene Investitionen des Staates in die Infrastruktur, insbesondere Internet und Mobilfunk; der Einstieg in eine Transfer- und Schuldenunion der EU; die Inflation werde durch eine immer offenere Finanzierung der Staaten und der EU durch die EZB zurückkehren, was Deutschland besonders hart treffe, da hier viele ihre Ersparnisse auf Bankkonten und in Lebensversicherungen halte, die von Inflation besonders hart getroffen werden. Vor diesen Herausforderungen wäre Deutschland auch ohne Corona gestanden, so Daniel Stelter.

In der Folge orientiert sich das Buch an vier Grundideen. In den Kapiteln 1 bis 5 widmet er sich der Frage, wie Deutschland professioneller gemanagt werden kann. In Kapitel 6 unternimmt Daniel Stelter eine Standortbestimmung. In den Kapiteln 7 bis 9 präsentiert er eine Liste von Massnahmen, die die deutsche Politik ergreifen sollte. Es geht ihm nicht nur um den Erhalt von Wohlstand, sondern auch darum, wie dieser intelligent genutzt werden kann. In Kapitel 10 betont er zum Thema Klimaschutz die Notwendigkeit, die Grundsätze von Effizienz und Effektivität zu beachten. In Kapitel 11 widmet der sich der seiner Meinung nach notwendigen Reform von EU und Euro. Im 12 Kapitel erinnert er an die Rolle Deutschlands in der Welt. Kapitel 13 dreht sich um die Förderung der Vermögensbildung und die breitere Verteilung von Vermögen. Kapitel 14 widmet sich der Finanzierung des Staates. Immer wieder fasst er seine Gedanken als „Hausaufgaben“ für die Politik zusammen.

Zuzustimmen ist Daniel Stelter, dass sich der Euro immer mehr zum Spaltpilz für die gesamte Union entwickelt. Mit Transfers kaufe man sich bestenfalls Zeit, löse das Problem aber nicht. Der Autor fordert daher eine Reform des Euros und der Eurozone. Er betont, dass die Eurozone unter Diskrepanzen der Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsländer und der zunehmend problematischen Verschuldung einiger von ihnen leide.

Meines Wissens nicht in diesem Buch, aber anderswo empfahl Daniel Stelter auch schon Italiens Austritt aus der Eurozone; NZZ-Chefredaktor Eric Gujer hat dies übrigens in „Der fehlende Durchblick“ – pardon: „Der andere Blick“ – ebenfalls schon getan. Italiens Austritt aus der Eurozone forderte einst die Fünf-Sterne-Bewegung unter Beppe Grillo. Doch selbst die M5S-Populisten sind davon vor einiger Zeit schon abgekommen, noch unter Luigi di Maio, denn eine neue italienische Währung würde sofort massiv an Wert verlieren, die Staatsschulden würden noch viel stärker in die Höhe schiessen, und Italien wäre über Nacht zahlungsunfähig.

In “Ein Traum von einem Land. Deutschland 2040” empfiehlt Daniel Stelter nun einen gemeinsamen Schuldentilgungsfonds der EU-Staaten, wie er es bereits im Mai 2020 in seinem Buch “Coronomics” vorgeschlagen hatte. Statt einer unbegrenzten Schuldenunion tritt er dafür ein, dass alle Mitgliedsstaaten Staatsschulden in einer bestimmten Grössenordnung relativ zu ihrer jeweiligen Wirtschaftskraft auf die EU-Ebene verlagern. Nähme man 75 % des BIP als Zielmarke, so würde die Verschuldung aller Staaten um diesen Prozentsatz sinken. Staaten wie Deutschland und die Niederlande wären faktisch schuldenfrei, hoch verschuldete Staaten würden so stark entschuldet, dass sie genug Freiraum hätten, ihre Wirtschaft zu sanieren. Laut Autor wäre der Vorteil, dass alle Staaten profitieren würden, und es gäbe keine Blankoverpflichtung für die Zukunft. Es ginge um eine sehr langfristige Umschuldung dieser Verbindlichkeiten mittels Anleihen, die von der EZB aufgekauft würden. Eine offenere und direkte Finanzierung der Staaten durch die EZB sei – wie in anderen Regionen der Welt – bereits heute faktisch der Fall und werde in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen. Das sei nicht wünschenswert angesichts der Alternativen – Pleiten, Schuldenrestrukturierung, Euroverfall – aber wohl das geringere Übel. Ohnehin sei dies der Weg, den die anderen Mitgliedsländer des Euros, namentlich Frankreich, Italien und Spanien, befolgen wollten.

Dies ist nur ein winziger Ausschnitt aus dem detailreichen, impulsgebenden Buch von Daniel Stelter.

cosmopolis.ch: “Rezension von Daniel Stelter: Ein Traum von einem Land”, 25. August 2021

Kommentare (26) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. weico
    weico sagte:

    “In “Ein Traum von einem Land. Deutschland 2040” schreibt Daniel Stelter, dass Deutschland heute kein glückliches Land sei.”

    Herr Stelter hat sich wohlweislich viel Zeit gelassen, für diesen “Traum von einem Land”. Bis 2040 ist ja noch eine menge Zeit bzw. fast keine Zeit …..um im Klimajargon zu bleiben.

    Egal welche Koalition JETZ auch kommen mag, die Koalitionsparteien werden wird sich die Zähne ausbeissen, an den gewaltigen Problemen die im Land und EU so anstehen.

    Die beste Zusammenfassung über den Wahlsonntag und wie verzwickt die Parteisituationen sind, ist meiner Meinung nach die von Prof. Patzelt.
    https://wjpatzelt.de/2021/09/27/sieg-und-debakel-mit-ansage/

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @weico

      “Die beste Zusammenfassung über den Wahlsonntag und wie verzwickt die Parteisituationen sind, ist meiner Meinung nach die von Prof. Patzelt.”

      Ja, der Professor Patzelt geht dahin, wo es wehtut. Jetzt können Sie sich vermutlich auch vorstellen, wieso er von der sächsischen CDU nach der Landtagswahl kaltgestellt, an der TU Dresden ausgebootet und sein Auto nachts angezündet wurde: https://www.mz.de/deutschland-und-welt/politik/werner-patzelt-auto-von-politikwissenschaftler-angezundet-1291683

      Was er ganz am Ende mit seiner Empfehlung des Baden-Württembergischen Wahlsystems meint, kann ich aber nicht nachvollziehen. Dort gibt es bei den Landagswahlen genauso Ausgleichsmandate wie in unserem dysfunktionalen Bundestagswahlrecht, und dazu kommt noch, dass das Wahlsystem dazu führt, dass bevölkerungsreiche Wahlkreise und Regierungsbezirke mit Abgeordneten überrepräsentiert werden, und zwar insbesondere dann, wenn Ausgleichsmandate vergeben werden. Ich ahne schon, welche Tricksereien dann auf uns zukommen, und die würden den Konflikt Stadt-Land noch viel weiter verschärfen.

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  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Dies ist nur ein winziger Ausschnitt aus dem detailreichen, impulsgebenden Buch von Daniel Stelter.>

    Das Buch gibt KEINE Impulse, sondern es KLÄRT auf.

    >In “Ein Traum von einem Land. Deutschland 2040” schreibt Daniel Stelter, dass Deutschland heute kein glückliches Land sei. Es brauche eine massive Kehrtwende hin zu einer intelligenten Wirtschaftspolitik.>

    Deutschland ist ein Land mit ABNEHMENDER Zufriedenheit der Bevölkerung und daher sich vertiefender gesellschaftlicher Spaltung.

    Was es BRAUCHT, damit sich das nicht gesamtheitlich fortsetzt, ist eine sehr BERECHTIGTE, aber keine RELEVANTE Frage, weil es – REALITÄT – darum geht, was die unzufriedene Bevölkerung WILL.

    Die will z. B. in Berlin die VERSTAATLICHUNG von Wohnungen.

    Daher:

    KRITIK, die auf die KONSEQUENZEN derartigen Wollens abhebt ist RELEVANT.

    Denn sie zeigt auf, WAS mit ernsthafter Anstrengung VERHINDERT werden muss, damit die Unzufriedenheit sich nicht noch steigert und die Gesellschaft sich nicht auf Unregierbarkeit zubewegt.

    Mein Credo wiederholt:

    Umfassende Lösungsentwürfe vermögen nichts zu ändern, sondern es kann lediglich um die Verhinderung des Schlimmsten gehen.

    Gelingt dies, ist DAS die Lösung.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      “Was es BRAUCHT, damit sich das nicht gesamtheitlich fortsetzt, ist eine sehr BERECHTIGTE, aber keine RELEVANTE Frage, weil es – REALITÄT – darum geht, was die unzufriedene Bevölkerung WILL.

      Die will z. B. in Berlin die VERSTAATLICHUNG von Wohnungen. Daher: KRITIK, die auf die KONSEQUENZEN derartigen Wollens abhebt ist RELEVANT.”

      Nein, ein bisschen komplizierter ist es schon.

      Ich wage zu behaupten, dass selbst in unserem sozialistischen Hauptstadtslum die meisten Wähler keine verstaatlichten Wohnungen wollen, sondern günstige und reichlich vorhandene Wohnungen. Sie sind nur zu blöd, zu begreifen, dass Verstaatlichung keinen Wohnraummangel beheben kann – was ich nach 40 Jahren Erfahrung mit der DDR-Wohnungspolitik bemerkenswert finde, aber offensichtlich ist es so.

      Wenn die Leute zu blöd sind, die Konsequenzen ihrer eigenen Forderungen zu begreifen und die ihre eigenen Interessen konterkarieren, dann ist das schon ein relevanter Punkt.

      Antworten
      • Gnomae
        Gnomae sagte:

        @ Richard Ott

        “Ich wage zu behaupten, dass selbst in unserem sozialistischen Hauptstadtslum die meisten Wähler keine verstaatlichten Wohnungen wollen, sondern günstige und reichlich vorhandene Wohnungen.”

        Das dürfte den Punkt treffen, es geht um günstige und reichliche Wohnungen.

        Hieran sieht man zwei Dinge: Der Berliner Senat hat über Jahrzehnte versagt (es gibt ja immerhin auch ein gemeindliches Vorkaufsrecht bei Grundstücken) und es gibt tatsächlich in Berlin auch städtische Wohnungsbaugesellschaften.

        Ferner ist eine Enteignung von Bestandswohnungen idiotisch, wenn man sich an einer Wohnungsbaugesellschaft auch mehrheitlich beteiligen kann.

        Enteignete Wohnungen schaffen sicherlich mehr Wohnraum, meint der Berliner Bürger.

        Lösung: Berlin als Bundesland auflösen.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Lassen Sie uns die Dinge nicht zerbröseln.

        Die meisten oder sogar fast alle Bürger WÜNSCHEN sich in reichlicher Menge günstige Wohnungen.

        Wohl keine Mehrheit, aber die einflussreich Engagierten WOLLEN durch Verstaatlichung darüber verfügen.

        Darauf kommt es an – aufs WIE, auf die Maßnahmen.

        Denn diese haben Konsequenzen.

        >Wenn die Leute zu blöd sind, die Konsequenzen ihrer eigenen Forderungen zu begreifen und die ihre eigenen Interessen konterkarieren, dann ist das schon ein relevanter Punkt.>

        Richtig.

        Aber es hilft aller Erfahrung nach nicht, sie von ihrer Blödheit zu kurieren, sondern die Konsequenzen müssen verhindert werden.

        Das ist die RELEVANTE Schlussfolgerung.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Aber es hilft aller Erfahrung nach nicht, sie von ihrer Blödheit zu kurieren, sondern die Konsequenzen müssen verhindert werden. Das ist die RELEVANTE Schlussfolgerung.”

        Es überrascht mich nicht, dass Sie mal wieder Ihre Rentner-Argumentation aufmachen und die Probleme noch ein bisschen weiter mit Gelddrucken zudecken wollen, bis es nicht mehr Ihre Probleme sind, sondern nur noch die von Leuten wie mir.

        Langfristig ist der Kampf gegen die Blödheit der einzige Weg, um die Demokratie und die Zahlungsfähigkeit unseres Staates zu erhalten.

        Und da stehen unsere Chancen gar nicht so schlecht, wir hatten ja schon öfters im Wahlkampf Diskussionen darüber, dass viele Leute gar nicht selbst blöd sind, sondern Propgaganda-Opfer, und unsere Medien erstaunlich oft daran scheitern, die für die Zukunft unseres Landes relevanten Themen zu setzen oder die existierenden Themen auf einem so einem Niveau abzuhandeln, dass primitive Panikmache nicht verfängt.

        Professor Patzelt (in diesen Tagen oft in Radio und Fernsehen) schreibt auch gerade darüber in seinem Blog:

        “Offenbar wird die politische Klasse von sehr anderen Anliegen bewegt als die die Bürgerschaft. Dann es freilich muss es nicht wundern, wenn so viele den Wahlkampf als inhaltlich unbefriedigend empfinden.

        Unübersehbar trugen zu dieser Lage unsere etablierten, immer noch sehr reichweitenstarken Medien bei. Bemerken deren Journalistinnen und Journalisten wohl wirklich nicht, dass sie allzu oft genau das aussparen, was sehr viele Leute sogar vorrangig interessiert – etwa: Wie passen wir unsere Integrationspolitik der mangelnden Integrationsbereitschaft von vielen ins Land Gelangten an? Wie gehen wir am besten um mit Clankriminalität und Gewaltbereitschaft von „südlich Aussehenden“? Wie mit jenem Islam, der nicht nur viele zum Flüchten bringt, sondern obendrein jene Gesellschaften verändern möchte, die muslimische Geflüchtete aufnehmen? Gibt es ernstzunehmende Gewalt wohl auch von links? Wie hängt sie zusammen mit der inzwischen selbstverständlichen kulturellen Hegemonie von Linken und Grünen in Deutschlands großen Städten? Alimentiert vielleicht unser Staat selbst deren Umfeld durch die üppige Finanzierung des „Kampfs gegen rechts“, der dann eben mit aller Macht geführt wird – und zwar auch gegen unliebsame Leute aus der politischen Mitte? Beim Nachdenken über das alles hilft es zu wissen, dass – ausweislich entsprechender Umfragen – rund zwei Drittel unserer Medienleute mit Grünen, Sozialdemokraten und Linken sympathisieren.”
        https://wjpatzelt.de/2021/09/23/wahlkampfkritik-2021-1/

        Könnte man den Leuten in Berlin zum Beispiel erklären, warum Enteignungen ihr Wohnraumproblem nicht lösen werden? Den meisten schon (überraschend vielen vielleicht nur auf Türkisch, Kurdisch oder Arabisch und nicht auf Deutsch, aber das ist wieder ein anderes Problem…), es ist nicht besonders schwierig zu verstehen und die historischen Beispiele sind noch relativ frisch. Die einzigen Beratungsresistenten werden die SED-Altkader sein, die auch in den 1980ern vom Regime schon vergleichsweise hübsche Berliner Wohnungen zugeteilt bekommen hatten, und deren später nach Berlin gezogenen westdeutschen Pendants aus den K-Gruppen und ähnlichen Organisationen, die auch zu einem wesentlichen Teil aus SED-Geld finanziert wurden, vielleicht auch ihre marxistischen Genossen mit Migrationshintergrund aus dem Iran und aus Kurdistan, aber damit ist die Berliner Klientel, die eine DDR-Wohnungspolitik aus ideologischen Gründen begrüßen könnte, auch schon ausgereizt.

        In Wirklichkeit ist das Problem, dass unsere Medien auch mit sozialistischen Kadern verseucht sind, die lokalen Medien in Berlin noch viel schlimmer als auf Bundesebene, und die gar kein Interesse haben, die negativen Konsequenzen einer Wohnungsenteignungspolitik zu thematisieren.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Es macht keinen Sinn, den Medien die Schuld zu geben.

        Die Medien sind wie sie sind.

        Ich weiß auch, WAS sie zu dem gemacht hat, was sie sind.

        Nur:

        Die Ignoranz der Bevölkerung änderte sich NICHT, wenn die Medien anders ticken würden.

        Es würde mehr oder weniger ändern, WAS sich die Ignoranten WÜNSCHEN.

        Daher ist Ihre Aussage:

        >Langfristig ist der Kampf gegen die Blödheit der einzige Weg, um die Demokratie und die Zahlungsfähigkeit unseres Staates zu erhalten.>

        FALSCH.

        Wenn die Zahlungsfähigkeit unseres Staates erhalten werden kann – ich bin mir dessen überhaupt nicht sicher –, dann nur dadurch, dass die Bevölkerung ERFAHRUNGEN macht, die sie rechtzeitig veranlassen, einer Regierung zur Macht zu verhelfen, die dies abwendet.

        Kommen Sie runter vom Baum der Erkenntnis.

        Realität findet in den Niederungen von Präferenzen mit KURZER Reichweite statt.

        Darauf und nichts anderes reagiert Politik.

        Reagierte sie auf weitreichendere, fundamentalere Probleme, würde das als MISSACHTUNG des Wählerwillens gedeutet.

        Ich frage Sie:

        Seit ca. 40 Jahren ist die Rentenproblematik als STRUKTURELLES Problem unserer Gesellschaft bekannt.

        Sagen Sie mir doch einmal, WARUM es bis heute nicht einmal ANSATZWEISE gelöst wurde und im Wahlkampf vom „Sieger“ Scholz mit einer „Rentengarantie“ unter den Tisch gekehrt wurde.

        Meine Antwort ist jedenfalls:

        Man muss die Ignoranz der Wähler AKZEPTIEREN, wenn man als Politiker gestalten WILL.

        Kampf gegen die Ignoranz macht die Kämpfenden zu Verlierern, die in der Opposition nahezu NICHTS ändern können.

      • Rolf Peter
        Rolf Peter sagte:

        Liegt wirklich “Blödheit” vor? Für einen Bestandsmieter ist es durchaus rational, fuer Verstaatlichung zu stimmen. Damit bekommt er praktisch Unkündbarkeit, Preisdeckelung und eine Möglichkeit, fuer Modernisierung auf Kosten der Allgemeinheit (d.h. fuer Berlin: der übrigen Bundesrepublik) Lobbyarbeit zu betreiben.

        Der folgende Wohnungsmangel betrifft andere, die nicht unbedingt jetzt wählen können.

      • weico
        weico sagte:

        @Rolf Peter

        “Liegt wirklich “Blödheit” vor? Für einen Bestandsmieter ist es durchaus rational, fuer Verstaatlichung zu stimmen. ”

        Klar. Für den Bestandsmieter rational.
        Im End-Ergebnis bzw. für die folgenden Mieter…FATAL.

        Langfristig kennt man das Resultat, aus verschiedenen Ländern, ja zu genüge.

        “Fazit: Ein Mietpreisdeckel führt über kurz oder lang dazu, dass das Angebot an Mietwohnungen sinkt, weil private Investoren fernbleiben. Alternativ verfällt der Gebäudebestand – auch im sozialen Wohnungsbau im Falle finanziell erschöpfter Kommunen – oder es bilden sich merkwürdige Umgehungsstrategien und Schattenmärkte. In keinem der Beispiele ist das Wohnungsangebot gestiegen, vielmehr sorgte das knappe Angebot für explodierende Mietpreise nach dem Ende der Preisgrenzen.”

        https://www.wiwo.de/finanzen/immobilien/wohnungsmarkt-broeckelnde-innenstaedte/24458408-2.html

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Die Medien sind wie sie sind. Ich weiß auch, WAS sie zu dem gemacht hat, was sie sind.”

        Etwa die gleiche Kollektivistin mit der typischen Rauten-Handbewegung, die auch die CDU ideologisch entkernt hat?

        Oder wollen Sie auf etwas anderes hinaus?

        “Die Ignoranz der Bevölkerung änderte sich NICHT, wenn die Medien anders ticken würden. Es würde mehr oder weniger ändern, WAS sich die Ignoranten WÜNSCHEN.”

        Das mag schon sein, aber so lange wir noch eine Demokratie in Deutschland haben, sollte es in unserem Interesse liegen, dass die Ignoranten sich ihre Wünsche wenigstens nicht von einem öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit schwerer ideologischer Schlagseite in den Kopf gepflanzt bekommen.

        “Kommen Sie runter vom Baum der Erkenntnis.”

        Im Baum der Erkenntnis wohnt bekanntlich die gefährliche, böse, AfD-wählende Schlange. Hier bin ich genau richtig, da würden sogar unsere Haltungsjournalisten zustimmen…

        “Sagen Sie mir doch einmal, WARUM es bis heute nicht einmal ANSATZWEISE gelöst wurde und im Wahlkampf vom „Sieger“ Scholz mit einer „Rentengarantie“ unter den Tisch gekehrt wurde”

        Weil Scholz damit durchkommt. Und das liegt daran, dass er zu einer Partei gehört, welche die meisten unserer Linksjournalisten mögen, oder zumindest als nötigen Koalitionspartner für die geliebten Grünen pflegen wollen. Als die AfD noch in Talkshows eingeladen wurde, haben die gleichen Journalisten ihr jahrelang das Fehlen eines Rentenkonzepts unter die Nase gerieben. Wobei “wir haben kein Konzept” zumindest ehrlicher war als die lächerliche Scholz-Rhetorik von der “Rentengarantie bis 2070”, die garantiert niemand geglaubt hat, der heute schon lebt und um 2070 in Rente gehen wird.

        @Rolf Peter

        “Für einen Bestandsmieter ist es durchaus rational, fuer Verstaatlichung zu stimmen. Damit bekommt er praktisch Unkündbarkeit, Preisdeckelung und eine Möglichkeit, fuer Modernisierung auf Kosten der Allgemeinheit (d.h. fuer Berlin: der übrigen Bundesrepublik) Lobbyarbeit zu betreiben.”

        So gesehen haben Sie Recht. Sie vergessen allerdings, dass so ein Bestandsmietvertrag in sozialistischen Systemen sehr wertvoll ist und auch gerne weitervererbt wird (das Lobbying für entsprechende Änderungen im Mietrecht läuft ja auch schon).

        Das funktioniert aber nicht, wenn die Wohnsubstanz dank Mietpreisbremse und Enteignungspolitik verrottet und irgendwann keine Wohnung mehr übrig ist, die noch tatsächlich bewohnbar ist.

        Die Erfahrung aus der DDR lehrt, dass es ungefähr 40 Jahre dauert, bis der Verfall so weit fortgeschritten ist, dass es für die Bevölkerung schmerzhaft und für die Sozialistische Einheitspartei gefährlich wird.

        Das ist dann doch wieder Blödheit – oder vielleicht ein Symptom der fortgeschrittenen Degeneration der Sozialisten, die sich heute für ihre eigenen Nachkommen gar nicht mehr interessieren?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Zur Rentengarantie von Scholz sagen Sie:

        >Weil Scholz damit durchkommt. Und das liegt daran, dass er zu einer Partei gehört, welche die meisten unserer Linksjournalisten mögen, oder zumindest als nötigen Koalitionspartner für die geliebten Grünen pflegen wollen.>

        FALSCH.

        Es liegt daran, dass ältere Menschen die Botschaft vernehmen WOLLEN, dass die Rentenbezüge sicher sind.

        Wenn jemand kommt und dies GARANTIERT, wird er gewählt, insbesondere dann, wenn die andere „Volkspartei“ dies NICHT sagt.

        Folge:

        Für die über 60jährigen weist das Wahlergebnis aus:

        SPD 35% (plus 11%) vor CDU/CSU 34% (minus 7%).

        So sieht das Ergebnis aus, wenn man den langjährigen Erfolgsfaktor vernachlässigt.

        Unter Kohl wäre dies nie passiert, der hat Norbert Blüm schon Ende der 80er Jahre „Die Rente ist sicher“ plakatieren lassen.

        Dass die Amateure von CDU/CSU so sehr VERSAGT haben, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, liegt NICHT an den Medien.

        Weichen Sie der Realität weiter tapfer aus.

        Desto leichter können Sie sich Illusionen vorgaukeln.

    • Tom96
      Tom96 sagte:

      Was für eine sinnentleerte Frage : Was die Bevölkerung will!
      Die Bevölkerung kann garnix, sie hat den Senat geben darüber zu diskutieren, dieser ist an Recht und Gesetz gebunden und unterliegt dem Grundgesetz und seiner Rechtsmäßigkeitsanwendung gegebenfalls durch die Gerichte. Kein Abgeordneter kann von einem Bürger zu irgendetwas gezwungen werden. Eigentum ist ein besonders geschütztes Grundrecht, wenn Politiker und Richter dieses abschaffen, zeigt das ihr Demokratieunverständnis.
      Die Diskussion offenbart die Einbindung von Gedankenkonstruktionen die völlig abstrahiert von den Grundlagen dieser Staatsordnung sind.

      Antworten
  3. Wolfgang Selig
    Wolfgang Selig sagte:

    Schön, dass das Buch in der Schweiz rezensiert wird. Leider werden es die wenigsten Leute lesen und ganz sicher wird es in den wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten Deutschlands gemieden werden wie die Pest, denn es wäre ja politisch kritisch; das geht gar nicht in der angepassten Welt der deutschen Hochschulen.

    Antworten
  4. foxxly
    foxxly sagte:

    im grundsatz haben wir besonders in D ein verteilungsproblem zwischen den oberen 30 und den unteren 30% der bevölkerung.
    d.stelter erkennt gut, dass der untere bevölkerungsteil sich immer weniger leisten kann und entsprechend weniger nachfragen können.
    bisher wurde dies mit dem hohen export mehr als ausgelichen.

    aber vielleicht ist doch ein widerspruch in d.stelters ausführungen:
    soweit ich dies verstehe, bemängelt er, dass die oberen “leistungsträger?” zuviel an steuern und abgaben leisten müssen.

    NEIN, in realtion der einkommen von reichen und ärmeren, zahlen die reichen noch viel zuwenig an steuern und abgaben!
    das muss man realistischer weise feststellen. daher kommt auch die steigende ungleichheit/-vertelung.

    der schlüssel für eine gesunde gesellschaftliche entwicklung und stabilität, liegt bei den reichen und deren weit überdurchschnittlichen vermögenszuwachs.
    das spaltet die gesellschaft und schafft unfrieden.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @foxxly

      “NEIN, in realtion der einkommen von reichen und ärmeren, zahlen die reichen noch viel zuwenig an steuern und abgaben!”

      In Deutschland? Immer noch, obwohl wir mit die höchste Steuern- und Abgabenlast auf der ganzen Welt haben?

      Wer gilt denn im Sinne Ihrer Aussage als “reich”?

      “das muss man realistischer weise feststellen. daher kommt auch die steigende ungleichheit/-vertelung.”

      Nein. Die steigende Ungleichheit in Deutschland kommt daher, dass wir in den letzten Jahren Millionen von unqualifizierten Migranten ins Land geholt haben, und die bestenfalls bei Hilfsarbeiter-Einstiegsjobs anfangen oder aber, wie zum Beispiel 60% der Syrer, gleich eine Hartz4-Karriere beginnen. Und dann gelten Sie im Sinne der deutschen Sozialstatistik natürlich als “arm”, obwohl ein deutscher Hartzer einen vielen höheren Lebensstandard hat als ein Mittelschicht-Haushalt in den Asyl-Hauptherkunftsländern.

      Und jetzt erhöhen wir auch noch “fürs Klima” die Energiesteuern, was den Hartzern ziemlich egal ist (der Regelsatz wird entsprechend erhöht), aber denjenigen aus der Unterschicht und unteren Mittelschicht, die gerade so viel verdienen, dass sie nichts aufgestockt bekommen, finanziell am meisten weh tut.

      Antworten
      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ ott
        >Nein. Die steigende Ungleichheit in Deutschland kommt daher, dass wir in den letzten Jahren Millionen von unqualifizierten Migranten ins Land geholt haben,<

        her ott, sie haben in diesen teilsapekt 100%ig recht!
        aber, das könnte implizieren, dass vor 2015 unsere welt in der ungleichheit und reichtums-wachstum, noch fast in ordnung war? das wäre falsch!

        die ungleichverteilung war immer schon eine einseitige und falsche politik-richtung! (aber, auch teils systemisch bedingt!)

  5. Dr. Lucie Fischer
    Dr. Lucie Fischer sagte:

    Vielleicht könnte die Neuauflage von Dr. Stelters mit verändertem Titel erscheinen?
    ” Deutschland, ein ALPTRAUM von einem Land” ?
    Wenn Berliner Bürger eine wissenschaftliche Betrügerin zur Bürgermeisterin küren UND nicht sofort Universitäten /Akademiker / eines Landes streiken/ protestieren/ einen Aufstand organisieren:
    dann ist ein Land ( wissenschaftlich ) so herunter gekommen, dass die Gesamt-Gesellschaftlichen Folgen absehbar sind:
    https://blog.staedelmuseum.de/bild-des-monats-johann-heinrich-fusslis-nachtmahr/

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Doc Fischer

      Der neue Titel muss politisch korrekt und an den Zeitgeist angepasst natürlich lauten:
      “Das Land, in dem wir schon länger leben – ein Traum von einem klimaneutralen Land”

      “Wenn Berliner Bürger eine wissenschaftliche Betrügerin zur Bürgermeisterin küren UND nicht sofort Universitäten /Akademiker / eines Landes streiken/ protestieren/ einen Aufstand organisieren”

      Ich befürchte, die Giffeysche Plagiatstechnik (von der Jämmerlichkeit, eine Doktorarbeit über ihre eigene politische Arbeit zu schreiben, mal ganz abzusehen…) wird von den Genderforschern und Soziologen in der Shithole-City im brandenburgischen Sumpf als fachgerechtes “wissenschaftliches” Arbeiten angesehen, solange dabei die letztendlich herauskommende ideologische Schlussfolgerung stimmt.

      Da kommt kein Aufstand mehr, die Idioten haben dort die Kontrolle übernommen und machen weiter, solange über den Länderfinanzausgleich immer wieder neues Geld nachgeschoben wird.

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    • foxxly
      foxxly sagte:

      @ dr l fischer
      ergänzend muss gesagt werden, dass auch ein scholz mit den cumm ex vorgängen (er leugnet dies) kein kanzler werden dürfte

      und leider haben wir sehr viele dutzend parlamentarier, welche massiv dreck am stecken haben und dort sicher nicht hin gehören sollten, sondern wo anders!

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    • Lele Castello
      Lele Castello sagte:

      Herr Stelter macht das schon richtig. Von den Doomfuzzies haben wir seit jeher genug in D. Ist bereits eine eigener Geschäftszweig. Mein Titel wäre “D gefangen zwischen Utopie und Dogmatiker”. Aber das würde keiner kaufen.

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      • Tom96
        Tom96 sagte:

        @ Le Castello
        “Doomfuzzies” charakterisiert etwas ungenau, weil die, wie @foxxly ober schrieb, 30 Oberen % die 30 Unteren % einfach gerne abzocken, denn die sind ja mittlerweile so auf Dope (Rauschstoffe, Junkfood, Transferkohle, Sociajobbings …), daß es nur noch um Rentseeking in jeglichen Ebenen und Hinsichten geht. Wer die Suchenenden, die die Initiatoren (Pharma, Foodindustrie, Kapitalanleger, global, mißgestalterische Rechtssystemschöpfer, Politikparteienbonzentum usw.) des ganzen Turbodesaster an psychoterrorististischer Verhaltensmaximierung, nur als “Doomfuzzies” bezeichnet wartet ob einer ausserodrentlichen Nachschulung – meinen Sie nicht auch?
        Etwas mehr Differenzierung tut immer gut, finde ich immer wieder.

      • Lele Castello
        Lele Castello sagte:

        Sry mit “Doomfuzzies” meine ich Menschen die zeitlich nahe Doomszenarien an die Wand werfen und damit ihr Geld verdienen. Sozusagen Angst verkaufen.

      • Hans Severin
        Hans Severin sagte:

        @Gnomae wenn man das Schreibild sieht, sieht man den Schrei einer gequälten Seele. Kein Schmerz kann größer sein, als das psychische Leid, das man sich selber zufügt.

        Wurde mal fristlos entlassen, von einem Tag auf den anderen, der Chef fuhr mich nach Hause, vielleicht auch weil er dachte, ich könnte mir was antun. Eine Entlassung oder ähnliche Dinge können die Wertschätzung, die man von sich selber hat, stark beeinträchtigen. Aber wie kann der Selbstwert, das “self esteem” weniger werden, wenn man sein Selbst nicht kennt?

        Und wenn man es kennt, weiß man, dass es niemand herabsetzen kann, denn ohne dem Selbst würde man nicht mehr leben. Darum sagte (nicht nur) Sokrates “Erkenne dein Selbst”.

        In keiner Heiligen Schrift heißt es, “erkenne deinen Nächsten”, erkenne die Schlechtigkeit von der oder der Person. Das Selbst zu erkennen reicht, um zu sehen, dass dieses Leben ein einmaliges Geschenk ist, dass von niemandem getrübt werden kann, außer von einem selber.

        Als PS: bei der Kündigung war ich nur das Bauernopfer für den Chef, war für mich selbst an dem Tag kein wirklicher Schock, am nächsten Tag wurde ich in untergeordneter Funktion neu angestellt, verdiente fast dasselbe bei nur halb so viel Arbeit und blieb mit dem Chef weiter freundschaftlich verbunden.

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