Neustart in der Klimapolitik

Deutschland ist wenig sonnig, dicht besiedelt und hat einen hohen Energiebedarf. Wir verfügen über die drittniedrigsten Solar- und Windressourcen der Welt im Vergleich zu unserem Gesamtenergiebedarf. → carbontracker.org: “The Sky is the Limit”

Klartext: Fast nirgendwo ist es so schwer, die Versorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen wie bei uns. Dass dies nicht nur in der Theorie so ist, zeigt das erste Halbjahr 2021. Weil der Wind weniger blies, steuerte die Windkraft nur 22 Prozent zur Stromversorgung bei statt 29 Prozent wie im Vorjahr. Neun Prozent entfiel auf Fotovoltaik und sechs Prozent auf Biogas. Zwölf Prozent steuerten Atom- und 27 Prozent Kohlekraftwerke bei. Also genau die Erzeugungsquellen, die wir nach Auffassung vieler Beobachter möglichst rasch vom Netz nehmen sollen. Nun könnte man denken, die Programme der Parteien zur Bundestagswahl adressieren das offensichtliche Problem und zeigen auf, wie man trotz schlechter Rahmenbedingungen, Klimaschutz und Versorgungssicherheit unter einen Hut bringt. Doch weit gefehlt, es wimmelt von Allgemeinplätzen und Versprechen. Dies hindert das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) nicht daran, in einer Studie GRÜNE und LINKE  für ihre Absichten beim Klimaschutz zu loben. Die gute Platzierung dieser Parteien ergibt sich bei genauerem Hinsehen aus drei Gründen:

  • der Erklärung bis 2030 die Kohlekraftwerke stillzulegen,
  • der Erklärung bis 2030 den Verbrenner zu verbieten
  • Fokussierung auf staatliche Steuerung und Verbote sowie Misstrauen gegen den Markt.

Eine glaubwürdige Antwort, wie die Lücke der Stromversorgung geschlossen werden soll, fehlt in den Programmen genauso wie bei den anderen Parteien.

Womit wir beim Kernproblem der deutschen Klimapolitik sind. Sie entfernt sich zunehmend von der Realität und basiert auf einem Wettlauf, sich in Versprechen zu überbieten. Getrieben wird die Politik nicht zuletzt von Instituten wie dem DIW oder der Agora Energiewende, die regelmäßig Studien veröffentlichen, wie ein klimaneutrales Deutschland realisiert werden kann, ohne dabei die wirtschaftlichen und finanziellen Folgen zu berücksichtigen. Ganz zu schweigen von der technischen Realisierbarkeit, die in wesentlichen Bereichen, wie der Speicherung von Energie für Zeiten ohne Wind und Sonne, auf noch zu erfolgende Innovationen setzt.

Wir brauchen dringend einen Neustart in der Klimapolitik, denn das Motto „Es-wird-schon-gut-gehen“ taugt nicht zur Sicherung von Wohlstand hierzulande. Statt alles auf eine Karte zu setzen, sollten wir verstärkt nach Möglichkeiten suchen, grüne Energie zu importieren und unsere Mittel auf Forschung und Entwicklung konzentrieren. Dann können wir nicht nur einen Beitrag leisten, deutlich mehr als unseren Zwei-Prozent-Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß zu reduzieren, sondern wirklich die Zukunftsindustrien aufbauen, die grünen Wohlstand für morgen bedeuten. Voraussetzung ist allerdings, dass die kommende Bundesregierung erkennt, dass die Idee, Energielücken über Einschränkungen des Verbrauchs zu schließen, die wichtigste Voraussetzung für Klimaschutz gefährdet: die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

handelsblatt.com: “Die deutsche Klimapolitik braucht dringend einen Neustart”, 17. September 2021

Kommentare (54) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Frau Andrea Saalburg:

      Die Aufstellung ist schon richtig.

      Es geht um die einflussreichsten Ökonomen, nicht um die klügsten, ehrlichsten, schonungslosesten, unabhängigsten, patriotischten oder besten Ökonomen.

      Daher suchen Sie auch Leute wie Dr. Krall oder Prof. Otte vergeblich. Der junge Warren Buffet wäre 1953 auch nicht auf einer amerikanischen Liste gestanden. Herr Dr. Stelter muss nicht einflussreich sein, er muss nur langfristig besser sein. Und da ist er auf dem besten Wege.

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    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Claus

      Ganz im Gegenteil!

      Wir haben auf der Welt viel zu viele grüne Möchtegern-Blockwarte, die unter dem Deckmäntelchen der “Ethik” anderen Leuten vorschreiben wollen, wie sie sprechen, produzieren, arbeiten und leben sollen.

      Die Scheinheiligsten von ihnen lehnen es dabei auch noch ab, sich selbst an die Regeln zu halten, die sie wie selbstverständlich für alle anderen als zwingend erachten.

      Antworten
  1. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    @ troodon

    >Natürlich ist das Ziel erreichbar.>

    JA – aber NICHT technologisch durch die Erzeugung erneuerbarer Energie in einem Umfang, der es erlauben würde, das Potential INSTALLIERTER Leistung wie gewohnt zu nutzen (Prof. Dr. Watter).

    WIE dann ist es erreichbar?

    Mit der Erzeugung erneuerbarer Energie im technologisch MÖGLICHEM Umfang UND durch WENIGER Verbrauch in dem Maß, das erforderlich ist, konventionelle Energieerzeugung soweit überflüssig werden zu lassen bis die Absorption von Treibhausgasen sie nachhaltig neutralisiert.

    Kurzum:

    Weniger Verbrauch – in meiner Terminologie „Verzichtleistung“ IST die Konsequenz.

    Es ist ein anderes Thema als die Generierung von Energie – das gegenteilige.

    Es ist aber verbunden mit diesem.

    Denn wenn die Verzichtleistung zu GROSS wird, dann werden die Menschen aufhören zu verzichten und das Ziel wird NICHT erreicht.

    Das ist m. A. n. umso MEHR der Fall, wie die Klimaschäden ersichtlich NICHT ab-, sondern ZUNEHMEN und das selbst dann so, wenn wir kurz vor der Erreichung des Ziels stehen.

    Blackouts und Rationierungen beschleunigen dies.

    Das ist dann die DE FACTO Verabschiedung von den vorgegebenen Zielen.

    Ich denke, dass wir d’accord sind – habe das mutmaßlich sich entwickelnde Szenario lediglich ausbuchstabiert.

    @ Stoertebekker

    Kanzlerkandidat Scholz hat die VCI-Studie in einem seiner Auftritte erwähnt, aber dabei nur auf die Menge elektrischer Energie pro Jahr, die darin gefordert wird für den Pfad zu 2050, verwiesen.

    Die Absicht war:

    Es muss noch viel getan werden, damit wir über die erforderlichen Mengen erneuerbarer Energie verfügen.

    Die 4ct/kWh – Lieferung selbstverständlich frei Haus – hat er unterschlagen.

    Er wollte sicher die Leute nicht in Unruhe und Wut versetzen, angesichts dessen, was sie heute für die kWh bezahlen und die Industrie für die Generierung von Profiten verlangt.

    Das Ungerechtigkeitsproblem wäre auf dem Tisch gewesen.

    @ Christian Anders

    >Auch bei Verfehlen der Klimaziele ( halte ich für gesetzt ) macht es einen essentiellen Unterschied, um wie viel man daneben liegt.>

    Klar.

    Anlagen und Installationen für erneuerbare Energien werden nicht abgerissen werden, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien abnimmt oder zum Erliegen kommt, d. h. die Zielerreichung aufgegeben wird.

    Sie werden weiterhin Energie produzieren und verteilen und das sogar kostengünstig.

    Aber die volkswirtschaftlichen Wohlstandsverluste, die dafür in Kauf zu nehmen waren, können dadurch nicht kompensiert werden.

    Wie auch immer, ich bin sicher, dass wir unsere Ressourcen in einer nicht allzu fernen Zukunft sehr viel mehr für die Anpassung an den Klimawandel, z. B. den Bau von Dämmen als für den Ausbau erneuerbarer Energie einsetzen werden.

    Antworten
    • troodon
      troodon sagte:

      @Dietmar Tischer
      “in meiner Terminologie „Verzichtleistung“ IST die Konsequenz.”
      Das sehe ich als eine Variante an, wenn die Umsetzung der theoretischen Modelle extrem schlecht klappt.
      Möglich ist aber auch, dass man sich von Klimaneutralität 2045 wieder verabschiedet, sich bis dahin z.B. mit 80% Umbau zufrieden gibt und 2055/60 für D als neues Ziel ausgibt oder ein konkretes Datum offen lässt, da man erkennt, dass es effizienter ist, in anderen Ländern der Welt erst einmal ebenfalls auf z.B. 80% zu kommen, statt bei uns versucht die letzten 20% deutlich unwirtschaftlicher zu erreichen.

      “Denn wenn die Verzichtleistung zu GROSS wird, dann werden die Menschen aufhören zu verzichten und das Ziel wird NICHT erreicht.” Absolute Zustimmung.

      Und es ist wichtig, wie sich die Kosten für den Verbraucher tatsächlich darstellen, von Thema Verzicht/Versorgungssicherheit einmal abgesehen.
      Und da komme ich, für den theoretischen Fall, wenn ich die Modelle als umsetzbar erachte, eben auf Kosten/kWh die unter den heutigen in D, wenn man EEG und sonstige Umlage beim heutigen Preis mitberücksichtig.
      Auf über 10c/kWh per 2050 ! komme ich nicht, selbst bei hohen unterstellten Preisen für Teilerzeugung über H2. Das ist in der Bevölkerung anders verankert, was aufgrund der Vergangenheit auch nachvollziehbar ist. Nur waren da eben die Gestehungskosten für EE und fossile Energien noch komplett anders. Wir zahlen jetzt für in der Vergangenheit teuer gebaute EE.

      Das Problem wird entsprechend der Weg zum Ziel sein. Und ja, da gibt es genügend mögliche Probleme bei der Umsetzung.

      Interessant war gestern die Äußerung von Xi keine Kohlekraftwerke mehr im Ausland zu bauen. Wäre schon ein wichtiger Gamechanger
      Zudem Ziel 2060 Co2 Neutralität.
      https://www.focus.de/politik/ausland/historische-entscheidung-fuers-klima-staatschef-xi-verkuendet-china-wird-keine-kohlekraftwerke-mehr-im-ausland-bauen_id_24267113.html

      “ich bin sicher, dass wir unsere Ressourcen in einer nicht allzu fernen Zukunft sehr viel mehr für die Anpassung an den Klimawandel, z. B. den Bau von Dämmen als für den Ausbau erneuerbarer Energie einsetzen werden.”
      Wir brauchen definitiv beides

      “Aber die volkswirtschaftlichen Wohlstandsverluste, die dafür in Kauf zu nehmen waren, können dadurch nicht kompensiert werden.”
      Da bin ich weniger pessimistisch als Sie. Der tatsächliche Preis je kWh wird nicht unwichtig sein. Das AKW Hinkley bekommt rd 11c zzgl. 2% Inflationsausgleich. Wenn das tatsächlich ans Netz geht wird es 2050 deutlich teurer für die Abnehmer sein, als die 100% EE Systeme, FALLS sich die als weit überwiegend, nicht notwendigerweise zu 100%,umsetzbar erweisen sollten.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        “Und da komme ich, für den theoretischen Fall, wenn ich die Modelle als umsetzbar erachte, eben auf Kosten/kWh die unter den heutigen in D, wenn man EEG und sonstige Umlage beim heutigen Preis mitberücksichtigt.”

        Rechnen Sie es mir vor.

        Und zwar mit Speicher, Netzausbau und Abschreibung der Investitionskosten für die Anlagen zur Erzeugung der “erneuerbaren Energie” über ihre Laufzeit.

        Und keine Tricksereien mit Stromrationierung, ich will Strom ganzjährig genau so zuverlässig geliefert bekommen, wie wenn er aus grundlastfähigen konventionellen Kraftwerken käme.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Es sind zu viele interagierender Variablen im Spiel, um zu Szenarien zu kommen, die man entschieden verteidigen könnte.

        Auch wenn bestimmte Wirkmechanismen unstrittig sind, muss man letztlich im Subjektiven verbleiben, was die ERGEBISSE anlangt.

        Insofern ist die Entwicklung auch ein gutes Stück Ansichtssache.

        Dies gesagt, folgende Bemerkungen zu Faktoren, die ich stark gewichte:

        1) Die fortschreitend zu bewertende Bilanz

        Es geht darum, ob die Anstrengungen des Umbaus ERKENNBAR die gewünschte Wirkung zeigen. Sollte der Energieverbrauch mehr steigt als erneuerbare Energie zusätzlich liefern kann – was aufgrund der Umbaumaßnahmen gut möglich sein kann – sinkt die Motivation der Bevölkerung und der Widerstand steigt tendenziell. Einen stärkeren Umbau zu verlangen, wird dann zunehmend schwieriger, insbesondere auch dann, wenn auch noch die Verzichtleistungen steigen.

        2. Mögliche Deindustrialisierung

        Wenn zu viele Industriearbeitsplätze verloren gehen – also mehr als durch den demografischen Wandel bedingt die Dienstleistungsbranchen verlangen – wird es eng für die Fortführung oder gar Beschleunigung der Energiewende. Man wird mit ausgeweiteten Sozialleistungen zwar ein Stück weit gegensteuern, aber ab einem gewissen Punkt werden die Deutschen rebellieren.

        3. Inflation

        Es geht nicht allein um die Energiepreise. Allein schon durch die Verschmutzungszertifikate kommt Inflation ins Spiel, Mangel an Facharbeitern und EU-Zölle für „schmutzige“ Produkte verstärken sie. Dazu kämen dann auch deutlich höhere Zinsen für die Anleihen, die Deutschland vermehrt auflegen wird. In der Summe kann das großen Widerstand produzieren. Kompensation durch „Klimageld“ etc. löst dieses Problem nicht.

        Ich bin sehr sicher, dass die Energiewende nicht der Selbstläufer wird, als den die Parteien – abgesehen von der AfD – ihn trotz unterschiedlicher Umsetzungsstrategien als Politikziel ansetzen.

        Wir werden erleben, dass die Republik stärker als bereits jetzt zu beobachten von einer Konsensorientierung zu einer Konfliktorientierung mutiert.

        Das verheißt nichts Gutes.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        “Netzausbau” habe ich hier ausdrücklich nicht geschrieben. Thema hatten wir aber letztens schon. Der wird dazu führen, dass diese Kosten pro kWh stiegen werden. Aber nach dem, was ich gelesen hatte, eben nicht so dramatisch, dass dieser Punkt alleine den zukünftigen Endkundenstrompreis in die Höhe schießen lässt. Bin gerne bereit mich korrigieren zu lassen. Aber dann nennen Sie mir bitte konkrete Zahlen, um wie viel die auszubauenden Netze den Preis pro kWh erhöhen.

        “Rechnen Sie es mir vor”
        Rechnen Sie es doch mal selbst auf Basis der LFZ Annahmen per 2050 und schreiben sie mal hier eine Zahl hin.
        https://enertile-explorer.isi.fraunhofer.de:8443/open-view/6701/608ceda1b4d97bea1532ebdc5dfcedda
        Ich habe auch hier kein Problem mich zu korrigieren, denn Wissen habe ich keines. Es wundert mich nur, dass darüber nicht diskutiert wird.
        Hinkley wäre 2050 bei ~18c/kWh, wenn es 2025 ans Netz ginge und jährlich der 2% Aufschlag addiert wird.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        Langsam strapazieren Sie meine Geduld.

        Sie hatten geschrieben:

        “Und da komme ich, für den theoretischen Fall, wenn ich die Modelle als umsetzbar erachte, eben auf Kosten/kWh die unter den heutigen in D, wenn man EEG und sonstige Umlage beim heutigen Preis mitberücksichtigt.”

        Und wenn ich wissen will, wie Sie darauf kommen, dann antworten Sie mir ernsthaft: “Rechnen Sie es doch mal selbst”?

      • troodon
        troodon sagte:

        @Dietmar Tischer
        Stimme Ihren Ausführungen grundsätzlich zu.
        Ich erachte es nur nicht für extrem wahrscheinlich, dass die Energiewende krachend scheitert UND man dann immer noch mehrheitlich “mehr davon” ruft. Dann wird man das Ziel und/oder den Weg anpassen. Die Mehrheit sollte es dann dafür geben.

        “Ich bin sehr sicher, dass die Energiewende nicht der Selbstläufer wird, als den die Parteien – abgesehen von der AfD – ihn trotz unterschiedlicher Umsetzungsstrategien als Politikziel ansetzen.

        Wir werden erleben, dass die Republik stärker als bereits jetzt zu beobachten von einer Konsensorientierung zu einer Konfliktorientierung mutiert.”
        Selbstläufer nein, da bin ich mir auch sicher.

        Aber meinen Sie nicht, es würde der emotionalen Diskussion gut tun, mindestens nicht schaden, wenn man, unabhängig von den ganzen anderen Risiken, eine ungefähre Bandbreite hätte, auf welche Strompreise der Endkunde sich langfristig einstellen muss?

      • troodon
        troodon sagte:

        @Rihard Ott
        Schmeißen sie doch mal eine Zahl in den Raum, die für Sie auf Basis der LFZ realistisch sind.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        >Aber meinen Sie nicht, es würde der emotionalen Diskussion gut tun, mindestens nicht schaden, wenn man, unabhängig von den ganzen anderen Risiken, eine ungefähre Bandbreite hätte, auf welche Strompreise der Endkunde sich langfristig einstellen muss?>

        So wünschenswert es an sich wäre und ich gern zustimmen würde, meine ich, dass es uns nicht gut tun würde und zwar auch dann nicht, wenn es SERIÖS ermittelte Preise wären:

        Es gäbe nur Schlammschlachten übelster Art, weil das gesellschaftliche Klima mittlerweile so VERGIFTET ist, dass in der breiten Öffentlichkeit nicht objektiv diskutiert werden kann.

        Jeder würde bei anderen als seinen Preisen vermuten, dass durch Eigeninteresse oder „falsche“ Präferenzen vom jeweils als richtig erachteten Weg abgelenkt werden solle.

        Missgunst und Spaltung würden zunehmen.

        Ich bin daher der Auffassung, dass ERFAHRUNG die letztlich bestimmende Determinante für Orientierung sein MUSS.

        Sie wird es auch sein.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Dietmar Tischer
        “Es gäbe nur Schlammschlachten übelster Art, weil das gesellschaftliche Klima mittlerweile so VERGIFTET ist, dass in der breiten Öffentlichkeit nicht objektiv diskutiert werden kann.”
        Mag sein, wäre schlimm.

        ” ERFAHRUNG die letztlich bestimmende Determinante für Orientierung sein MUSS.”

        Ja.
        Dazu zählt aber auch die Erfahrung, dass EE über die letzten Jahre deutlich günstiger Strom produzieren als in der Vergangenheit. Kommt aber mehrheitlich NICHT an, da die Lasten alter, teurer EE Anlagen zu hoch sind. Das dauert noch, bis Kohlestrom durch die politischen Maßnahmen noch teurer gemacht wird. Dann haben wir dort den “Kipppunkt”.

        Erfahrung ist auch, wenn man es sich leisten kann, mit PV auf eigenem Dach und Batteriespeicher günstiger zu produzieren als den Strom komplett vom Versorger zu beziehen
        Fehlen “nur” noch die Speicher in der Breite… DAS dauert.

        Selbstverständlich ist die Gefahr gegeben , dass die gesellschaftliche Stimmung vorher kippt.
        Aber (reale) Nullzinsen werden die Gefahr etwas abmildern. Mit Nebenwirkungen in wiederum anderen Bereichen. Das System wird weiter instabiler. Etwas besseres als “Operation am offenen Herzen” fällt mir dazu weiter nicht ein. Nur hat man sich eben darauf festgelegt und nun geht/irrt man vorwärts.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Sie differenzieren mit mehr Optimismus als ich, ohne das Negative auszuschließen.

        Ist wohlwollend positiv, aber nicht unkritisch.

        Es ist ein akzeptabler Standpunkt.

  2. RMPetersen
    RMPetersen sagte:

    Mein Ausgangspunkt:

    Es gibt einen Klimawandel in Richtung “warm”, und die anthropogenen CO2-Emissionen wirken daran in nicht sicher erkennbarem Umfang mit.

    Deutschland hat sich völkerrechtlich verplfichtet, an einer globalen CO2-Reduzierung mitzuwirken; die deustche wahnwitzige, selbstzerstörerische “Energiewende” ist jedoch ein freiwilliges Vorgehen. Zu dieser Idiotie ist D natürlich nicht verpflichtet.

    CO2-Emissionen sollten (auch) von uns soweit reduziert werden, wie dies ohne Schäden für unser Volk und die (gesellschaftliche wie natürliche) Umwelt möglich ist. Die deutsche Energiewende, mit ihrem EEG und ihrer kopflosen, verschwenderischen Batterieauto-Fixierung, ist mE volkswirtschaftlich ineffizient, also schädlich für unser Land.

    Ein Teil des Problems ist der Ausstieg aus der Kernenergie, ein weiterer die nutzlos verstrichenen letzten beiden Jahrzehnte, in denen das Speicherproblem noch nicht einmal theoretisch sauber geklärt wurde. Bundesregierung und die sie tragenden Parteien (- also alle bis auf eine) überbieten sich in Treuebekenntnisse zum bisherigen Kurs und sehen nicht, dass a. die Wirtschaft runiert wird und b. spätestes ab 2024 Blackouts mit katastrophalen Folgen wahrscheinlich werden.

    Währenddessen festigen die Haupt-Konkurrenten China und USA ihre Wirtschaft und denken nicht im entferntesten daran, solche CO2-Minderungspolitik nach Harakiri-Art zu machen wie die Deutschen.

    Antworten
    • Gnomae
      Gnomae sagte:

      @ RM Petersen

      “Währenddessen festigen die Haupt-Konkurrenten China und USA ihre Wirtschaft und denken nicht im entferntesten daran, solche CO2-Minderungspolitik nach Harakiri-Art zu machen wie die Deutschen.”

      und ergänzend: die USA will führend werden in “climate finance”.

      Antworten
  3. troodon
    troodon sagte:

    Habe mich ja beklagt, dass ich keine 100% EE Studie kenne, die eine Prognose zu Stromgestehungskosten abgeben würde.
    Da war ich nicht aufmerksam genug. Na ja, Studie wäre sicherlich übertrieben, aber…

    Wer bisher schon bei Agora, DIW, LFZ Herzrhythmusstörungen bekam bzgl. der Ausbauziele und Voraussetzungen für das Gelingen eines 100% EE-Ausbaus, der muss nun ganz stark sein :)

    Die Klima-Union will es durch “Entfesselung des Energiemarkts” schaffen bis 2030 bei 100% EE zu sein. Man benötigt nur 1000 GW neu zu installierende Kapazität bis 2030. So einfach geht das in der Politik :)

    Und sie haben auch eine Vorstellung von den Gestehungskosten:
    “Die Energiegestehungskosten können wettbewerbsfähig bei 7,6 Cent pro kWh gehalten werden.”

    Alle grün angehauchten Wähler werden jetzt sicher noch schnell CDU/CSU wählen. Die schaffen das bis 2030, statt bis 2045 :) Party. Augen zu, der Glaube hilft.
    Wir können also jegliche defätistische Diskussion diesbezüglich beenden. “Wir schaffen das” muss nun wirklich reichen.

    https://uploads-ssl.webflow.com/6061c563550e14acdb20989a/60d95b437a8c3d8ec40a2139_Klimaplan_KlimaUnion_28_06_21.pdf

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @troodon

      Ich bin schon zu blöd, oder vielleicht auch nur nicht “fortschrittlich” genug, um das Kreisdiagramm auf Seite 7 zu kapieren.

      Da werden der jährliche Zubau von Photovoltaik, “Wärmepumpe”, Windkraft, Bioenergie (?), “Elektroheizung” und Geothermie addiert und gemeinsam in einem Diagramm dargestellt.

      Kann mir jemand erklären, was das soll? Erzeugen Wärmepumpen und Elektroheizungen im Weltbild der Klimaunion etwa Strom?? Oder ist das Diagramm einfach nur Quatsch?

      Antworten
  4. JürgenP
    JürgenP sagte:

    @DS
    Prof. Püschel, ehem. Leiter der Rechtsmedizin am UKE Hamburg im Ruhestand, wird heute morgen wie folgt zitiert:

    „Püschel: Wir sollten erklären, dass die Pandemie beendet ist.“

    https://www.abendblatt.de/hamburg/article233375713/rechtsmediziner-klaus-pueschel-corona-pandemie-beendet-uke-hamburg.html

    Er begründet seine Aussage schlicht und einfach damit, dass auf seinem Seziertisch bis dato niemand zu finden war, der die Deklaration einer Coronapandemie begründen könnte. Schlicht und einfach ist die Aussage – und an den Fakten orientiert.

    Selbstverständlich wird die Pandemie von Spahn & Co nicht beendet. Die Diskussion darüber, welche Gründe dabei eine Rolle spielen, kann man sich ersparen, weil Fakten keine Rolle spielen – sondern „Berater“.

    Anderer Inhalt, dieselbe Methode ist in Sachen „Klimaschutz“ am Wirken. Es sind doch auch dieselben Politiker. Die ändern ihre Methoden nicht über Nacht, mit denen sie sich erfolgreich mit Angst und Schrecken auf gut dotierten Sitzen platzieren und korrumpieren (lassen).

    Die berechtigten Fragen von Prof. Watter & Team (den Sezierern der Energiewende) wurden m.W. bis heute nicht beantwortet.

    Nach dem Blackout durch eine Mikrobe kommt eben der Blackout durch fehlenden Wind. Im Weihnachtsschlussverkauf mit Kerzen eindecken sollte über die ersten drei Tage helfen …

    Antworten
      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ jürgen p 07:39
        ………. ein typisches deutsches politiker-verhalten. ein einmal gesetztes ziel mus auf biegen und brechen erreicht werden. koste es was es wolle! (ideologisch und fanantisch)

  5. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    >Deutschland ist wenig sonnig, dicht besiedelt und hat einen hohen Energiebedarf. Wir verfügen über die drittniedrigsten Solar- und Windressourcen der Welt im Vergleich zu unserem Gesamtenergiebedarf. >

    Das ist ein Sachverhalt, den man FAKT nennen kann.

    >Klartext: Fast nirgendwo ist es so schwer, die Versorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen wie bei uns.>

    Das ist eine NICHT hinreichend begründete Annahme, weil sie sich NUR auf obigen Sachverhalt bezieht und die für die Realisierung der Versorgung einsetzbaren Ressourcen unberücksichtigt lässt.

    Wir sind eines, wenn nicht das INDUSTRIELAND (was ausgewiesene technische Funktionalität beinhaltet), das mit den höchsten WOHLSTAND hat und dadurch auch über die RESSOURCEN verfügt, auf EINE Versorgung mit Erneuerbarer Energie umzustellen.

    Und wir haben einen (noch) funktionierenden gesellschaftlichen Prozess demokratischer Mehrheitsbildung, mit dem wir (noch) relativ problemlos, wenngleich immer problembehafteter zu Konsenslösungen kommen können.

    Bei diesen Voraussetzungen wird es NICHT als zu schwer empfunden, DIE Versorgung auf Erneuerbare Energie umzustellen, obwohl der Energiebedarf sehr HOCH und die natürliche Basis, erneuerbare Energie „ernten“ zu können, extrem SCHWACH ist.

    Das ist unser mehrheitliches gesellschaftliches Verständnis.

    Es ist RELEVANT für den GEWOLLTEN und daher genehmigten Prozess der Energiewende.

    Die Parteien stellen ihn NICHT infrage, sondern BESTÄRKEN ihn noch, indem sie – mit der einen Ausnahme AfD – NUR über das WIE der Realisierung reden.

    Damit fällt das NICHT zu leistende Delta zwischen EINER Versorgung und DER Versorgung durch Erneuerbare Energie unter den Tisch.

    Der hier geforderte NEUSTART in der Klimapolitik müsste das Delta öffentlich THEMATISIEREN, so wie es an diesem Blog geschieht.

    Geschähe dies, würde man nicht einfach sagen können:

    >… sollten wir verstärkt nach Möglichkeiten suchen, grüne Energie zu importieren und unsere Mittel auf Forschung und Entwicklung konzentrieren. Dann können wir nicht nur einen Beitrag leisten, deutlich mehr als unseren Zwei-Prozent-Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß zu reduzieren, sondern wirklich die Zukunftsindustrien aufbauen, die grünen Wohlstand für morgen bedeuten.>

    Denn ohne es klar auszusprechen, ERKENNT diese Auffassung zwar an, dass wir UNSER heimisches Ziel, .d. h, unseren Zwei-Prozent-Anteil am weltweiten CO2-Ausstoß zu reduzieren, NICHT erreichen können, aber durch Forschung und Entwicklung es schaffen würden, dass die ANDEREN zumindest besser vorankommen, als sie es ohne uns könnten. Und ganz nebenbei wäre auch noch unser Wohlstand gesichert.

    Dr. Stelter erkennt, dass unser Problem NICHT zu lösen ist und verschiebt es daher WEG von uns, aber natürlich DURCH uns zu einer „Lösung in der Welt“.

    Das ist – ich muss es so leider so hart sagen – nichts weiter als

    Eine ILLUSION durch eine andere zu ERSETZEN.

    Wenn der Klimawandel aufgehalten werden SOLL, dann kann das bei allen Anstrengungen, ihn aufzuhalten, nach Lage der Dinge NUR durch eine DEUTLICHE Verminderung des globalen Energieverbrauchs erfolgen, was durchweg eine EXTREME Senkung des gegenwärtigen WOHLSTANDS bedeutet.

    Alles andere halte ich für Augenwischerei.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      “Wenn der Klimawandel aufgehalten werden SOLL, dann kann das bei allen Anstrengungen, ihn aufzuhalten, nach Lage der Dinge NUR durch eine DEUTLICHE Verminderung des globalen Energieverbrauchs erfolgen, was durchweg eine EXTREME Senkung des gegenwärtigen WOHLSTANDS bedeutet.”

      Oh, da vergessen Sie etwas: Es ginge auch durch eine extreme Senkung der gegenwärtigen Bevölkerungszahl bei Beibehaltung des gegenwärtigen Wohlstands…

      Schauen Sie mich nicht so an, ich erwähne das nur der Vollständigkeit halber.

      Ich bin dagegen, den schwachsinnigen “Kampf gegen den Klimawandel” überhaupt zu führen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Ich bin dagegen, den schwachsinnigen “Kampf gegen den Klimawandel” überhaupt zu führen.>

        Das können Sie selbstverständlich tun.

        Sie und alle anderen, die das tun, halten aber DADURCH den Klimawandel NICHT auf.

        Man kann natürlich BEHAUPTEN, dass es keinen Klimawandel gibt – dann muss man auch nicht gegen ihn kämpfen.

        Oder aber man ist der Auffassung wie ich, dass es ihn gibt und sogar menschengemacht gibt, aber dass es zu spät ist, ihn erfolgreich bekämpfen zu können – dann muss man auch nicht gegen ihn kämpfen.

        Letzteres ist natürlich nur eine ÜBERZEUGUNG (Glaube), aber eine – darauf bestehe ich –, die durch starke EVIDENZ gestützt wird.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Fühlen Sie sich jetzt für den Rest des Tages besser, wenn sie sich gegen einen dieser bösen, das heilige Klima und seine kindliche Prophetin leugnenden, AfD-Sympathisanten mal so richtig schön abgegrenzt haben?

        “Oder aber man ist der Auffassung wie ich, dass es ihn gibt und sogar menschengemacht gibt, aber dass es zu spät ist, ihn erfolgreich bekämpfen zu können – dann muss man auch nicht gegen ihn kämpfen. ”

        Falls es ihn gibt, von wem auch immer zu welchem Anteil verursacht, dann sollten wir jedenfalls Maßnahmen vorbereitet haben, um irgendwelche Schäden zu reparieren beziehungsweise um unsere Schutzsysteme entsprechend anzupassen.

        Eigentlich gar kein großer Unterschied zwischen unseren Positionen, wenn man die religiös-weltanschaulichen Unterschiede mal ausblendet, aber die gibt es zwischen Mormonen und Muslimen ja beispielsweise auch, obwohl ihre praktischen Einstellungen zur Vielehe dann wieder überraschend ähnlich sind. ;)

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Es geht in der Diskussion nicht um besser fühlen oder abgrenzen.

        Es geht darum, mit WELCHER Begründung man WELCHE Auffassung vertritt.

        Soweit ich sehe, ist die Begründung für MEINE Auffassung so stark, dass sie bisher noch niemand mit Bezug auf REALE Sachverhalte umstoßen konnte.

        Sie wird JEDEN Tag ERNEUT bestärkt, weil u. a. ein Tag um den anderen in der Welt mehr Kohlekraftwerke gebaut als stillgelegt werden.

        >Eigentlich gar kein großer Unterschied zwischen unseren Positionen,>

        Was das die Auffassungen und die Begründungen betrifft, gibt es große Unterschiede.

        Was das HANDELN aufgrund der Auffassungen betrifft, sind sie vermutlich sehr viel kleiner.

        So ähnlich ist das auch mit der AfD:

        ANDERE Auffassung mit ANDERER Begründung, den Klimawandel betreffend, befürworte ich jedoch der Tendenz nach das Handeln, für das auch die AfD ist – ANPASSUNG.

        Im Übrigen:

        Entschiedene Abgrenzung zur AfD, weil ich mir zwar eine andere Politik für Deutschland wünsche, aber kein anders Deutschland, wie beträchtliche, sehr einflussreiche Teile dieser Partei.

        Das hält mich nicht davon ab, Positionen der AfD auf ihre Begründung und auf Handeln hin unvoreingenommen zu beurteilen, wie etwa:

        Bei hart, aber fair war A. Weidel gestern mit Aussagen zur Wirtschafts- und Europa-Politik allen anderen vom Ansatz her überlegen u. a. mit

        Wir sind das Land mit der höchsten Steuer- und Abgabenlast und sollten uns einmal mit der AUSABENSEITE des Staats befassen sowie keine Gegenrede, sondern betretenes Schweigen in der Runde als sie darlegte, dass permanent EU-Verträge GEBROCHEN werden.

        Weidel lag aber FALSCH mit der Aussage, es sei nicht erwiesen, dass GEIMPFTE weniger ansteckend sind bzw. weniger anstecken mit GEFÄHRDENDER Wirkung.

        Es ist meinem Wissen nach erwiesen, dass Geimpfte der STATISTIK nach weniger ansteckend sind bzw. weniger anstecken mit gefährdender Wirkung – jedenfalls bei den bisher auftretenden Varianten des Virus.

        Der SIGNIFIKANTE statistische UNTERSCHIED zwischen Geimpften und nicht Geimpften ist entscheidend und nicht, ob es bei alle Geimpften einen geringen statistischen Unterschied bezüglich gefährdet sein und gefährdend wirken gibt.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Entschiedene Abgrenzung zur AfD, weil ich mir zwar eine andere Politik für Deutschland wünsche, aber kein anders Deutschland, wie beträchtliche, sehr einflussreiche Teile dieser Partei.”

        Hat Ihnen so gut gefallen, wie sich Deutschland in 16 Jahren Merkel-Kanzlerschaft verändert hat?

        Falls ja, ist natürlich klar, dass Ihnen ein Wahlslogan wie “Deutschland, aber normal” Angst macht…

  6. weico
    weico sagte:

    bto: “Wir brauchen dringend einen Neustart in der Klimapolitik, denn das Motto „Es-wird-schon-gut-gehen“ taugt nicht zur Sicherung von Wohlstand hierzulande. Statt alles auf eine Karte zu setzen, sollten wir verstärkt nach Möglichkeiten suchen, grüne Energie zu importieren und unsere Mittel auf Forschung und Entwicklung konzentrieren. ”

    Ängste müssen keine aufkommen, wenn die Energiewende nicht vorankommt bzw. gelingt, denn Deutschland ja noch nette Nachbarn, die dann ja gerne aushelfen werden:

    “Tschechien würde seinem Nachbarn Deutschland nach Darstellung von Präsident Milos Zeman aus der Patsche helfen, falls die deutsche Energiewende scheitern und es zu Versorgungsengpässen kommen sollte. Sein Land werde sich anschauen, welche Folgen das Auslaufen von Atomenergie und Kohleverstromung in Deutschland haben werde, sagte Tschechiens Staatsoberhaupt am Donnerstag nach einem Treffen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in Prag. „Wenn es zu einem Mangel an Elektrizität kommt, wird Tschechien als bedeutender Exporteur sehr gerne bereit sein, Strom in die Bundesrepublik zu liefern – zu einem vernünftigen Preis.”

    https://www.berliner-zeitung.de/news/tschechien-bietet-deutschland-strom-bei-scheitern-der-energiewende-an-li.179287

    Nebenbei:
    Auch Wir Schweizer helfen sicherlich sehr gerne aus — zu einem vernünftigen Preis !

    Antworten
    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @weico:

      Ich dachte nicht, dass ich das mal schreiben würde, aber Gott sei Dank haben wir (noch) keinen europäischen EU-Zentralstaat, sondern eigenständige Nationen, die nicht so ideologisiert sind wie die Deutschen.

      Gott sei Dank kommt in Prag keiner auf die urdeutsche Idee, dass am tschechischen Wesen die Welt genesen müsse. Bei uns ist die Großmannssucht leider immer noch sehr lebendig. Das ist nach den Vorkommnissen während der Nazi-Diktatur nicht selbstverständlich. Ich könnte es verstehen, wenn die Tschechen sagen, wir kappen das Netz zu Euch, kümmert Euch um Eure selbstverschuldeten Probleme alleine. Gott sei Dank hat Deutschland neun direkte Nachbarländer und keines ist so dämlich wie wir.

      Antworten
      • weico
        weico sagte:

        @Susanne Finke-Röpke

        “Ich dachte nicht, dass ich das mal schreiben würde, aber Gott sei Dank haben wir (noch) keinen europäischen EU-Zentralstaat, sondern eigenständige Nationen, die nicht so ideologisiert sind wie die Deutschen.”

        Man kann wirklich nur hoffen, dass Dies auch so bleibt !

        Die neusten Klimadaten zeigen, dass der Sommer in Deutschland bzw. das nördliche Europa zwar kälter war als der Durchschnitt….aber der der Klimawende-Tenor lautet:

        “Warmest summer for Europe by small margin; August globally joint third warmest on record”

        Warum gerade im nun kälteren Deutschland die meisten diese Klimawandelwärmeschreier hocken und sich der Welt offenbaren und diese “retten” wollen, scheint wirklich ein rein deutsch-Ideologisches Grundproblem zu sein.

        https://climate.copernicus.eu/copernicus-warmest-summer-europe-small-margin-august-globally-joint-third-warmest-record

        Nebenbei:
        In Grönland freuen sich die Menschen, dass es endlich wärmer wird.

  7. weico
    weico sagte:

    bto: “Fast nirgendwo ist es so schwer, die Versorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen wie bei uns. Dass dies nicht nur in der Theorie so ist, zeigt das erste Halbjahr 2021. Weil der Wind weniger blies, steuerte die Windkraft nur 22 Prozent zur Stromversorgung bei statt 29 Prozent wie im Vorjahr. Neun Prozent entfiel auf Fotovoltaik und sechs Prozent auf Biogas. Zwölf Prozent steuerten Atom- und 27 Prozent Kohlekraftwerke bei. Also genau die Erzeugungsquellen, die wir nach Auffassung vieler Beobachter möglichst rasch vom Netz nehmen sollen.”

    HEUTE sieht es ja mal wieder ganz “düster” aus, mit der Solarstromproduktion, im Klimawendeland… und der Wind will auch nicht so richtig…!

    https://www.electricitymap.org/zone/DE

    Antworten
  8. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    bto: “Fast nirgendwo ist es so schwer, die Versorgung auf Erneuerbare Energien umzustellen wie bei uns. Dass dies nicht nur in der Theorie so ist, zeigt das erste Halbjahr 2021. Weil der Wind weniger blies, steuerte die Windkraft nur 22 Prozent zur Stromversorgung bei statt 29 Prozent wie im Vorjahr. Neun Prozent entfiel auf Fotovoltaik und sechs Prozent auf Biogas. Zwölf Prozent steuerten Atom- und 27 Prozent Kohlekraftwerke bei. Also genau die Erzeugungsquellen, die wir nach Auffassung vieler Beobachter möglichst rasch vom Netz nehmen sollen.”

    Und diese Prozentzahlen beziehen sich nur auf den Stromverbrauch, und nicht auf den Primärenergieverbrauch. Ob die Grünen jemals begreifen werden, dass das zwei unterschiedliche Konzepte sind?

    Wenn wir auch noch die Mobilität und das Heizen und die industriellen Produktionsprozesse “dekarbonisieren” wollen, wo die im Moment mit Diesel, Benzin, Erdgas und Kohle laufen, dann sind unsere Probleme noch viel, viel schlimmer.

    Antworten
    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Richard Ott:

      Sie schreiben: “Wenn wir auch noch die Mobilität und das Heizen und die industriellen Produktionsprozesse “dekarbonisieren” wollen, wo die im Moment mit Diesel, Benzin, Erdgas und Kohle laufen, dann sind unsere Probleme noch viel, viel schlimmer.”

      Sind sie nicht. Die Lösung ist schon vorbereitet:

      https://www.bundestag.de/mediathek?videoid=7514774#url=L21lZGlhdGhla292ZXJsYXk/dmlkZW9pZD03NTE0Nzc0&mod=mediathek

      Die Lösung heißt angebotsorientierte Stromversorgung. Sie kennen das vielleicht von diversen Stadtrandsiedlungen in Ostafrika. Ihr Licht brennt halt dann, wenn gerade Strom da ist.

      Antworten
    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @R Ott

      a) Ich glaube mittlerweile, dass die Erkenntnis bei den Beratern der Grünen sehr wohl vorhanden ist (unsere Diskussion um die Studie “Klimaneutrales Deutschland bis 2045”, dort steht ja – wenn auch sehr versteckt -, dass 3/4 importiert werden sollen). Allerdings SAGT das niemand, weil ein so steiniger Pfad die Wähler verschrecken könnte. Die müssen ja an die Machbarkeit der Versprechen glauben.

      b) Auch die anderen Parteien sind leider nicht besser. Warum zB die FDP diese Importzahlen nicht aufgreift, den Grünen um die Ohren haut und den eigenen technologieoffenen Pfad stärker bewirbt, ist doch nicht erklärbar.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Stoertebekker

        “Ich glaube mittlerweile, dass die Erkenntnis bei den Beratern der Grünen sehr wohl vorhanden ist (unsere Diskussion um die Studie “Klimaneutrales Deutschland bis 2045”, dort steht ja – wenn auch sehr versteckt -, dass 3/4 importiert werden sollen). Allerdings SAGT das niemand, weil ein so steiniger Pfad die Wähler verschrecken könnte”

        Ja, das ist ein interessanter Gedanke.

        Ich verstehe nur nicht, wie die stattdessen neu angebotene Import-Ausflucht irgendjemanden ernsthaft von der Machbarkeit der Pläne überzeugen könnte. Das macht mich ja noch viel skeptischer als vorher und es ist für mich noch viel offensichtlicherer Unsinn.

        Vor allen Dingen dann, wenn gleichzeitig immer noch behauptet wird, dass Deutschland mit seinem Klimaneutralitäts-Plan ein Vorbild für den Rest der Welt werden soll. Das funktioniert nämlich nicht für die ganze Welt, wenn der Plan auf dem IMPORT riesiger Energiemengen beruht.

        “Warum zB die FDP diese Importzahlen nicht aufgreift, den Grünen um die Ohren haut und den eigenen technologieoffenen Pfad stärker bewirbt, ist doch nicht erklärbar.”

        Die lesen es nicht. Sie glauben den Grünen, dass das “alles durchgerechnet” ist.

        Die meisten Leute lesen nicht einmal ihre eigene Nebenkostenabrechnung, also zumindest nicht so intensiv, dass sie die Rechenschritte nachvollziehen und Fehler oder Ungereimtheiten finden könnten. Das machen nur einige wenige hochspezialisierte Anbieter. Aber wieso sollten Sie zu einem gehen, wenn Sie glauben, dass Ihr Vermieter bestimmt immer richtig rechnet?

        Bei der FDP, die ja eigentlich die Steuerberaterpartei ist und wo ich zumindest ein paar Spezialisten vermute, die die Energiewende-Rechnungen nachvollziehen können müssten, kommt noch Angst vor der eigenen Courage dazu. Die hätten jetzt immer noch einen Ministerpräsidenten in Thürigen haben können, aber sie sind eingeknickt, als die Mutti forderte, dass die Wahl, die ja nur aufgrund der Stimmen der einen bösen Partei erfolgreich war, “rückgängig gemacht” werden müsste.

        Stellen Sie sich nun mal vor, die FDP würde eine Kampagne anfangen und die grünen Energiewende-Pläne auseinander nehmen. Dann werden die FDP-Spitzenpolitiker von den Klimakiddies terrorisiert, so wie Kemmerich damals von der sogenannten “Antifa”, was vermutlich stilistisch und auch vom eingesetzten Personal her kein so großer Unterschied sein dürfte. Es wäre die richtige Sache, und ganz ohne Polemik oder Pathos ein großer Dienst am Gemeinwohl hier in Deutschland, aber es würde den Alltag der FDP-Politiker eine Zeit lang zur Hölle machen. Und natürlich in den Medien die FDP zum totalen Hassobjekt der linksgrünen Journalisten in Deutschland machen, die müssten dann öffentlich auftreten wie Donald Trump (“I’m not running against crooked Hillary, I am running against the crooked media”), und jedes Aufeinandertreffen mit einem Mainstream-Journalisten würde zur erbitterten Konfrontation. Das kann sehr reizvoll sein, gerade für den interessierten Zuschauer unter 65, der nicht mehr gerade viel Vertrauen in unsere Journalisten hat, aber wie vielen FDP-Politikern trauen Sie zu, auf diese Art zu kommunizieren?

        Und natürlich würde es jegliche Koalitionsmöglichkeiten mit den Grünen verbauen, dann ginge nur noch CDU-SPD-FDP. Und die strategische Weitsicht, die Grünen mit dieser Strategie so weit zu schwächen, dass dann wieder CDU-FDP oder SPD-FDP ginge, vielleicht sogar mit einer FDP als stärkerer Partei, hat die FDP nicht.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        >Allerdings SAGT das niemand, weil ein so steiniger Pfad die Wähler verschrecken könnte. Die müssen ja an die Machbarkeit der Versprechen glauben.>

        Genau so.

        Es ist wie bei der Religion:

        Wenn das VERSPRECHEN der Heilslehre bezweifelt wird – hier: weil importiert werden MÜSSTE –, dann ENTFÄLLT das VERPFLICHTENDE der Heilslehre.

        Wenn ich glaube, dass das Klima gerettet werden MUSS, damit nicht die Hölle auf Erden ist, dann kann ich NICHT daran zweifeln, dass die Rettung auch misslingen kann bzw. nicht realisierbar ist.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        Es muss natürlich heißen:

        … dann kann ich NICHT daran glauben, dass die Rettung auch misslingen kann bzw. nicht realisierbar ist.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Wenn das VERSPRECHEN der Heilslehre bezweifelt wird – hier: weil importiert werden MÜSSTE –, dann ENTFÄLLT das VERPFLICHTENDE der Heilslehre. ”

        Warum eigentlich?

        Könnten die Anhänger der Heilslehre nicht auch entgegnen, dass die Gläubigen noch viel größere Anstrengungen im Rahmen der Heilslehre erbringen müssten (täglich sich selbst geißeln und den Bußgürtel tragen, mehr Jungfrauen opfern, jeden Tag Vegan-Day, unrationierter Strom nur noch für die Oberpriester, etc.) wenn das Heilsversprechen wackelig wird?

        Sektenanhänger sind zu ganz erstaunlichen Dingen fähig, und zwar gerade dann, wenn die Sekte ideologisch am Ende ist:

        https://de.wikipedia.org/wiki/Peoples_Temple (da kommt die schöne englische Redewendung “drinking the kool-aid” her)

      • troodon
        troodon sagte:

        @Stoertebekker
        “dort steht ja – wenn auch sehr versteckt -, dass 3/4 importiert werden sollen”

        Wo steht denn da, dass 75% vom Gesamtbedarf importiert werden sollen ?

        “Insgesamt ergibt sich für 2045 ein Bedarf an Wasserstoff und sonstigen synthetischen Brennstoffen und Feedstocks in Höhe von 422 Terawattstunden, von denen 326 Terawattstunden importiert werden.”

        Für den Teilbereich, ja. Aber nicht für insgesamt.
        Insgesamt sind es dann zwischen 30-35% lt. dieser Studie.

        Aktuell ist D auf 70% Energieimport, angewiesen, hatten wir schon.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Das Verpflichtende der religiösen Heilslehre ist VERZICHT auf Diesseitiges, um eine BELOHNUNG im Jenseits zu erhalten.

        Das ist eine historisch STARKE, heute aber eine vergleichsweise SCHWACHE Kopplung.

        Die Belohnung im Jenseits wird, wenn überhaupt noch, als so geringfügig erachtet, dass viele sie nicht in Anspruch nehmen wollen, wenn sie auch nur auf etwas verzichten müssen:

        Sie treten aus der Kirche aus und sparen die Kirchensteuer.

        Beim Klima ist das anders, denn es geht nur um DIESSEITIGES.

        Wenn die Belohnung in INFRAGE steht – hier: die „gerettete Welt“ oder erhaltene Lebensgrundlage –, dann ist das anhand der Klimaereignisse etwas sehr KONKRET Erfahrbares.

        Allerdinges ist auch der VERZICHT enorm.

        Die Kopplung ist also STARK.

        Die Anhänger der Heilslehre stehen daher vor folgendem PROBLEM:

        Wenn für die Gläubigen ERLEBBAR wird, dass ihre Verzichtsleistungen – und insbesondere ZUNEHMENDE Verzichtsleistungen – die Belohnung nicht erreichbar werden lässt, sondern sie in immer weitere Ferne rückt, speziell wenn die Kipppunkte absehbar überschritten werden, dann werden sie die Verzichtleistungen INFRAGE stellen.

        Die Anhänger der Heilslehre MÜSSEN also alles dransetzen, die Gläubigen davon zu überzeugen, dass die Belohnung selbstverständlich erreicht werden kann – mit noch MEHR Verzicht.

        Dafür werden die wildesten Märchen erzählt oder – genauso bodentief unseriös – entscheidende Faktoren ausgelassen, wie etwa die Speichertechnologie.

        Das geht nicht ewig gut.

        Denn je stärker die Verzichtleistungen zunehmen, OHNE dass das Ziel in Sichtweite kommt, desto eher bricht DIESE Heilslehre zusammen.

        Achten Sie auf die Preise an der Tankstelle – da wird für viele Gläubige die Luft nicht sauberer, aber dünner.

        Auch wenn die Gläubigen irgendwann abfallen werden, ist der Schaden ist nicht mehr rückgängig zu machen.

        Es ist daher zu wünschen, dass die Gläubigen so bald wie möglich abfallen.

        Noch mehr zu wünschen:

        Dass es keine Klimarettungsgläubige gäbe.

        Das ist heute freilich ein frommer Wunsch.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        “Insgesamt ergibt sich für 2045 ein Bedarf an Wasserstoff und sonstigen synthetischen Brennstoffen und Feedstocks in Höhe von 422 Terawattstunden, von denen 326 Terawattstunden importiert werden.”

        Aktuell hat die Industrie in Deutschland einen Energiebedarf (Endenergieverbrauch) von 700 Terawattstunden pro Jahr.

        326 Terawattstunden errechneter Importbedarf sind echt viel. Und wenn die Industrie die Impote nicht bekommt, dann kann sie in der Zeit nicht produzieren, und bei Anlagen mit hohen Fixkosten bricht dann die ganze Kostenrechnung zusammen, und die Produktion ist ganzjährig nicht mehr wirtschaftlich.

        “Aktuell ist D auf 70% Energieimport, angewiesen, hatten wir schon.”

        Ja, und dafür stehen Exporteure bereit, die relativ einfach abbaubare fossile Energieträger mit hohem Energiegehalt anbieten.

        Wo sind die Exporteure, die uns “grünen Wasserstoff” oder andere “grüne” Feedstocks anbieten, und wenn überhaupt, zu welchem Preis?

        @Herr Tischer

        “Wenn für die Gläubigen ERLEBBAR wird, dass ihre Verzichtsleistungen – und insbesondere ZUNEHMENDE Verzichtsleistungen – die Belohnung nicht erreichbar werden lässt, sondern sie in immer weitere Ferne rückt, speziell wenn die Kipppunkte absehbar überschritten werden, dann werden sie die Verzichtleistungen INFRAGE stellen.”

        Tja, die Erfahrungen von Sekten wie dem Peoples’ Temple oder auch Heaven’s Gate zeigen, dass dann der kollektive Suizid gewählt -oder von den Sektenführern angeordnet- wird. Hier vielleicht eher metaphorisch zu verstehen. Wer im Rest der Welt wird sich noch für die westlich-grünen Auffassungen zur “klimaneutralen” Lebensführung interessieren, wenn die betroffenen Staaten eine zusammengebrochene Infrastruktur und den Lebensstandard von Dritte-Welt-Ländern haben und sämtliche wertschöpfende Industrie längst abgewandert ist?

        Für die Klimarettungsgläubigen bliebe vorher noch die Option, die Zielmarken zu verschieben.

        Was wollen wir wetten, dass in einigen Jahren neue “wissenschaftliche Erkenntnisse” vom IPCC auftauchen, denen zufolge die gefährlichen Kipppunkte wohl doch erst bei einem höheren Gesamt-CO2-Ausstoß erreicht werden, sodass irdischer Verzicht weiterhin sinnvoll und nötig ist?

      • troodon
        troodon sagte:

        @Richard Ott
        Seien Sie nicht immer so ein Betonkopf, der immer nur im Hier und Jetzt lebt.
        Akzeptieren Sie doch einfach einmal, dass sich D zur Co2 Neutralität bis 2045 verpflichtet hat.
        Ob einem das gefällt oder nicht, ob das erreichbar erscheint oder nicht, spielt keine Rolle, bis man sich mehrheitlich von dem Ziel verabschiedet.
        Vor etlichen Jahren war es in D auch nicht erwartbar, dass E-Autos boomen.
        Ja, sie tun es von niedrigem Niveau aus, aber der Trend wird die nächsten Jahre nicht aufzuhalten sein.
        So wird es imho auch in anderen Bereichen, z.B. Wasserstoff werden.

        Dass das alles nichts an dem Klimawandel ändern wird, ist wiederum ein komplett anderes Thema.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        “Seien Sie nicht immer so ein Betonkopf, der immer nur im Hier und Jetzt lebt.
        Akzeptieren Sie doch einfach einmal, dass sich D zur Co2 Neutralität bis 2045 verpflichtet hat.
        Ob einem das gefällt oder nicht, ob das erreichbar erscheint oder nicht, spielt keine Rolle, bis man sich mehrheitlich von dem Ziel verabschiedet.”

        Jetzt wirken Sie wie die Parodie von typischen Grünen-Anhängern, die auch so ähnlich argumentieren, wenn ich sie nach der Realisierbarkeit der Energiewende-Pläne frage.

        Ob ein Ziel überhaupt erreichbar ist, spielt selbstverständlich eine Rolle! Was denn sonst?

        “Vor etlichen Jahren war es in D auch nicht erwartbar, dass E-Autos boomen.
        Ja, sie tun es von niedrigem Niveau aus, aber der Trend wird die nächsten Jahre nicht aufzuhalten sein.”

        Da muss ich auch widersprechen. Sobald der Ladestrom für das Aufladen der Elektroautos bei Privatverbrauchern zu Hause rationiert wird, wird der Trend ganz schnell stoppen. UK macht trotz Atomkraft und relativ zur Landesgröße sehr großem Windenergiepotential schon erste Lockerungsübungen in diese Richtung:

        “E-car chargers will turn off to prevent blackouts
        Electric car charging points in people’s homes ***will be preset*** [Wichtig zum Verständnis – noch lässt diese Voreinstellung vom Endbenutzer dann wieder ändern] to switch off for nine hours each weekday at times of peak demand because ministers fear blackouts on the National Grid.
        Under regulations that will come into force in May, new chargers in the home and workplace will be automatically set not to function from 8am to 11am and 4pm to 10pm. Public chargers and rapid chargers, on motorways and A-roads, will be exempt.
        The government is also taking powers to impose a “randomised delay” of up to 30 minutes at other times to avoid pressure on the grid if there is a scramble among motorists to recharge their batteries at the same time.”

        https://archive.is/LA63f
        (Archivlink da kompletter Artikel hinter Paywall)

      • troodon
        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        Natürlich ist das Ziel erreichbar. Welche Konsequenzen es hat, das auch tatsächlich bis 2045 umzusetzen ist ein anderes Thema.
        Man hat Ihnen, mir und allen anderen vorgerechnet, wie es machbar wäre. Wissenschaftlich. ;)

        Wenn es dann im Verlauf der Umsetzung z.B. die Importe nicht ausreichend gibt, keine konkreten Maßnahmen dafür getroffen werden, dann gibt es, falls man an dem Ziel festhält, ein komplett anderes D mit massiven Rationierungen und massiven Verboten oder aber, man verabschiedet sich von den Zielen.
        Bis dahin wird man BVerfG unterstützt nach vorne irren.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @troodon 16:07

        Ja, da schulde ich Ihnen noch eine Antwort (vielleicht besser Meinung).

        Heute importieren wir alles Erdöl, dessen Teilfraktionen C2, C3, C4+ als Rohstoff für die organische Chemie verwendet werden. Diese produziert daraus eine Vielzahl an Ausgangsstoffen (=Grundstoff) für einen Großteil unserer produzierenden Industrie.

        Wenn man nun diese Rohstoffe (=Erdölfraktionen) nicht aus der Erde holen, sondern künstlich HERSTELLEN will, braucht es enorme Energiemengen. Diese sind beim in der Erde liegenden Erdöl durch Sonne, Drücke, Zeit bereits aufgewendet worden (das ist nicht ganz richtig, weil selbst das Erdöl nochmal Energie braucht, um zum chem. Rohstoff zu werden – führt aber hier zu weit).

        Meine Anmerkung geht eigentlich nur in zwei Richtungen.

        1. Wir sollten zunächst mal klarstellen, über welches Szenario wir öffentlich diskutieren.

        a) Erdöl weiter verwenden und “nur” die Energie, die wir zur VERARBEITUNG des Erdöls benötigen, grün erzeugen (zB Cracker, die elektrisch betrieben werden) – das ist schon sehr viel Energie
        b) darüber hinaus die aus Erdöl gewonnenen chem. Rohstoffe künstlich erzeugen – das ist dann nochmal extra viel Energie (u.a. CO2 auffangen, H2 erzeugen, beides miteinander reagieren lassen)

        Bin mir ziemlich sicher, dass KEIN Poltiker diese Frage aus dem Stand beantworten kann.

        2. Und dann – und das ist unsere Diskussion (in meinem Verständnis) – sollte geklärt werden, was es heißt, bis 2045 in Deutschland klimaneutral zu sein.

        a) das heutige Verhältnis an selbst erzeugter/importierter Energie in “grüne” Energie zu übertragen (dh den Importanteil gleich zu lassen und einfach von traditionell auf grün umzustellen)
        b) tatsächlich alle bei uns VERBRAUCHTEN Energiemengen (ggfs. inkl. der synthetisch hergestellten Chemierohstoffe) bei uns als grüne Energie zu erzeugen.

        Bin mir ziemlich sicher, dass niemand 2.b) meint, wenn er über 2045er Klimaneutralität in D redet. Wenn er das aber nicht tut, ist das eine Mogelpackung. Denn niemand sollte behaupten, Klimaneutralität zu erreichen, wenn 326 TWh grüner Energie importiert werden müssen, deren Erzeugung und Lieferung er genau NULL beeinflussen kann.

        326TWh ist enorm viel. Bei Fraunhofer (https://www.ise.fraunhofer.de/content/dam/ise/de/documents/publications/studies/aktuelle-fakten-zur-photovoltaik-in-deutschland.pdf, S.38/39) wird unterstellt, dass unter bestimmten Annahmen die GESAMTE landwirtschaftliche Nutzfläche in D für 1,7+1,2+0,6 TW gut ist, also bei 10h Sonne jeden (!) Tag knapp 40 TWh.

      • troodon
        troodon sagte:

        @Stoertebekker
        “Bin mir ziemlich sicher, dass KEIN Poltiker diese Frage aus dem Stand beantworten kann.”

        Bin kein Politiker, deshalb b). Gehe jedenfalls davon aus.

        “Bin mir ziemlich sicher, dass niemand 2.b) meint”
        Bin mir nicht sicher ob DIW “Politikberatung kompakt 167” von saldiert 2b) ausgeht. Die LFZ jedenfalls nicht, KNDE45 auch nicht.
        Erachte ich auch für nicht machbar, außer in Modellen.

        “Wenn er das aber nicht tut, ist das eine Mogelpackung. Denn niemand sollte behaupten, Klimaneutralität zu erreichen, wenn 326 TWh grüner Energie importiert werden müssen, deren Erzeugung und Lieferung er genau NULL beeinflussen kann.”

        Nun seine Sie doch nicht päpstlicher als der Papst… ;)
        Klar wird zur Not gemogelt werden. Was nicht passt, wird passend gemacht.
        E-Autos sind auch nicht “klimaneutral”, gehen aber mit “Null” Co2 in die Statistik ein.

        Wenn man “nur noch” bei dem Thema “Ist der importierte Strom auch wirklich grün?”, ist, dann löst man das Problem auch noch.
        Denn dann hätte man schon rd 65% erreicht, was ein großer Erfolg wäre, wäre nicht gescheitert.

        Ob man dann mit Schummel-Software, Gefallen einfordern a la “Der Pate” für irgendwelche Zertifikate nachhilft oder aber Europa dazu bekommt, D nachzueifern, weil man in D eben nicht gescheitert ist, wird man sehen. Aber am Import lässt man eine Erfolgsgeschichte nicht scheitern ;) Es muss nur auch eine Erfolgsgeschichte werden.

        Wenn es keine Erfolgsgeschichte wird, ist auch ein “nicht grüner” Import kein Problem mehr. Dann nimmt man auch Atomstrom aus FRA und CZ dankend an, ergänzt durch Kohle aus Polen und Russengas sowieso. Pragmatismus 8.0 oder so ähnlich, wird das dann genannt

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        Ich finde diesen Unterstrang interessant und will deshalb nicht zu viel OT gehen.

        Aber ich möchte die Perspektive aufmachen, dass der Klimawandel nicht verhindert werden muss (es gibt ihn doch schon) sondern vermindert werden soll.

        Es ist wichtig zu verstehen, dass auch ein Verfehlen der Klimaziele nicht bedeutet, dass es dann „auch egal“ ist.
        Auch bei Verfehlen der Klimaziele ( halte ich für gesetzt ) macht es einen essentiellen Unterschied, um wie viel man daneben liegt. Es ist nicht wie beim Tore schießen, wo vorbei immer vorbei ist, egal wie knapp.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Ch Anders

        Völlig unbenommen. Mir ging’s ausschließlich um die Ehrlichkeit der KOMMUNIKATION und das ggfs BEWUSSTE Im-Unklaren-Lassen durch die politisch handelnden Akteure.

        Was mich aber fasziniert – offenbar hat es die Chemieindustrie mit ihrer 2019er Studie geschafft, auch im tendenziell feindlich gesinnten Umfeld der Grünen die Diskussion um Energiekosten und notwendige Energiemengen anzustoßen.

        (Und wenn es gelingen sollte, dadurch Planungsverfahren für Flächennutzung/ Leitungstrassen etc. zu beschleunigen, NIMBYs auszubremsen und einen Strompreis von 4ct/kWh anzustreben, wäre doch schon wirklich viel erreicht. Der Weg zu einer echten Carbon-Kreislaufwirtschaft kann dann ruhig noch länger sein…)

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        “Auch bei Verfehlen der Klimaziele ( halte ich für gesetzt ) macht es einen essentiellen Unterschied, um wie viel man daneben liegt. Es ist nicht wie beim Tore schießen, wo vorbei immer vorbei ist, egal wie knapp.”

        Ja, grundsätzlich halte ich das für plausibel.

        Aber wie passt das zu der Theorie von den angeblich existierenden “Klima-Kipppunkten”, deren Anhänger Sie doch auch sind – oder haben Sie da mittlerweile Ihre Meinung geändert?

        Existieren Ihrer Auffassung nach die Kipppunkte vielleicht, aber erst bei viel höherer Erwärmung, was Ihnen eine bequeme Rechtfertigung liefern würde, auch weiterhin im Namen des Klimaschutzes Gängeleien zu fordern und anderen ihre Lebensführung vorzuschreiben, auch wenn das “1,5-Grad-Ziel” schon nicht mehr erreicht werden kann?

        Das wäre genau das, was ich weiter oben mit der Verschiebung der Zielmarken gemeint hatte. Es ist wie bei der UFO-Sekte, die sich auf die UFO-Ankunft vorbereitet hat, aber dann kam das Raumschiff doch nicht – aber der Sektenführer hat schon einen neuen Ankunftstermin von den Außerirdischen mitgeteilt bekommen, der dieses Mal ganz, ganz sicher stimmt…

      • Christian Anders
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        Nein, die Kipppunkte gibt es und sie werden mit Verfehlen der Klimaziele auch erreicht werden.

        Weitere Erwärmung, die nicht von den Kipppunkten sondern weiterem CO2-Ausstoß ausgelöst wird, hat DENNOCH zusätzliche negative Konsequenzen zu denen, die sich durch die Kipppunkte eh ergeben.

        So war die Analogie zum Tore schießen gemeint.

        Und ja: Die Politik wird einfach neue Ziele ausgeben. Dahinter steht oben von mir Beschriebenes.

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