Der Corona-Schock – die große Chance für Deutschland

Dieser Kommentar von mir erschien bei FOCUS:

Unsere Regierung wird nicht müde, dass Märchen vom reichen Land zu erzählen, das dank der vorausschauenden Politik der letzten Jahre die Kosten der Corona-Krise so leicht schultern kann. Die Politik brüstet sich mit der „schwarzen Null“ – eine Lüge, wie ich hier gezeigt habe– und lässt gleichzeitig unsere Infrastruktur verfallen. Auf 450 Milliarden Euro wurde der Investitionsbedarf vor dem Corona-Schock geschätzt.

Die deutschen Unternehmen investieren seit Jahren lieber im Ausland als im eigenen Land. Der Anteil der Industrie an der Wertschöpfung sank seit 2016 auf 21,5 Prozent, den niedrigsten Wert seit der Finanzkrise. Die Automobilindustrie reduzierte ihre Produktion im Inland von 2015 bis Ende 2019 um rund zehn Prozent.

Die Industrien, auf denen bisher unser Wohlstand basierte, stammen noch aus der Kaiserzeit. Jetzt stehen sie teilweise vor einem existenzbedrohenden technologischen Wandel, so zum Beispiel die Automobilbranche, Schlüsselindustrie für den Standort Deutschland. Bei den neuen Technologien spielt Deutschland kaum eine Rolle. Im „Global Competitiveness Report“ des Weltwirtschaftsforums (WEF) rangieren wir in der Informationstechnologie auf Platz 36. Von den Top-100-Technologiefirmen der Welt haben nur zwei hier ihren Sitz – SAP und Infineon. Nur einer von 100 Breitbandanschlüssen in Deutschland basiert auf Glasfaser, im Vergleich zu Korea mit 32 und Litauen mit 20.

Die Erwerbsbevölkerung beginnt in diesem Jahrzehnt zu schrumpfen. Die Produktivität – also die Wirtschaftsleistung pro Kopf – stagniert seit Jahren. Die Energiepreise gehören zu den höchsten weltweit.

Es ist offensichtlich: Wir haben in den letzten Jahren nicht vorgesorgt. Die Politik hat, statt in die Zukunft des Landes zu investieren, lieber konsumiert und die sprudelnden Steuereinnahmen und die gesparten Zinsen in Folge der Nullzins-Politik der EZB für höhere Sozialleistungen ausgegeben, um dafür an der Wahlurne belohnt zu werden.

Mit dem Corona-Schock dürfte sich in den kommenden Monaten die Erkenntnis durchsetzen, dass wir keineswegs schnell und leicht zum Zustand vor der Krise zurückkehren können. Es wird Zeit für einen wahrhaftigen Neustart der Wirtschaftspolitik und für einen Prioritätenwechsel: weg von der Verteilung hin zur Schaffung von Wohlstand. Hier mein 10-Punkte-Programm für intelligente Wirtschaftspolitik post Corona:

  1. Entschuldung der Unternehmen: So richtig es war, die finanzielle „Bazooka“ (Olaf Scholz, Bundesfinanzminister) herauszuholen, um den Unternehmen beim Bewältigen der unmittelbaren Folgen der Corona-Krise zu helfen, so falsch war es, hierbei auf Kredite zu setzen. Nicht wenige Unternehmen haben eine zu geringe Ertragskraft, um diese Schulden ordentlich bedienen zu können. Für viele bedeuten diese Kredite nur einen zeitlichen Aufschub bis zum Konkurs. Aber selbst jene, die die Schulden noch schultern können, werden auf Jahre hinaus damit beschäftigt sein, die Schulden abzutragen, mit dem Ergebnis, dass sie weniger investieren sowie weniger für Forschung und Entwicklung ausgeben können. Dies dämpft die Erholung von der Krise zusätzlich. Aus diesen Gründen sollte schnell und effizient über einen Erlass von Schulden nachgedacht werden. Maßstab sollte der tatsächliche Verlust im Vergleich zum Vorjahr sein. Je rascher dieser Schuldenerlass transparent ist, desto schneller erholt sich die Wirtschaft vom Corona-Schock.
  2. Konsumschub: Aus vergangenen Pandemien wissen wir, dass die Wirtschaft sich danach nur langsam erholt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Zum einen dämpfen die Einschränkungen die Stimmung von Gesellschaften für längere Zeit, zum anderen kam es – glücklicherweise – nicht wie nach Kriegen zur Zerstörung von Maschinen und Anlagen. Deshalb ist es so wichtig, gerade in der Anfangsphase der Erholung einen Schub zu geben. Ein Modell könnte sein, Konsumgutscheine auszugeben, die zu einem bestimmten Zeitpunkt, zum Beispiel Ende Oktober 2020, verfallen. Damit wäre sichergestellt, dass diese Ausgabe zeitnah getätigt wird und damit der Wirtschaft wirklich hilft.
  3. Schuldentilgungsfonds für Europa: Auf Ebene der EU und vor allem in der Eurozone haben wir es schon lange mit zu hohen Schulden vor allem von Staaten zu tun. Alle bisher gedachten Lösungsansätze laufen mehr oder weniger offen darauf hinaus, Steuergelder aus dem Norden in die Krisenländer der EU zu transferieren. Nichts anderes steht hinter den Überlegungen zu gemeinsamen Schulden oder einem europäischen Wiederaufbaufonds. Es ist unstrittig, dass die Krisenländer ihre Schulden nicht weiter erhöhen können, doch ist die Leistungsfähigkeit auch von Deutschland nicht so hoch, wie von hiesigen Politikern angenommen. Deshalb wäre es besser, wenn alle Staaten der Eurozone einen Teil ihrer Schulden in einem gemeinsamen Schuldentilgungsfonds bündeln, der dann von der EZB finanziert wird, am besten zinslos über eine sehr lange Frist. Damit würde die Schuldenlast aller Länder, also auch die Deutschlands, deutlich sinken. Diese Idee klingt gerade für Deutsche sehr befremdlich, denken wir doch eher in Kategorien wie höheren Steuern und Vermögensabgaben. Dies wird sich allerdings auf europäischer Ebene nicht durchsetzen lassen und die anderen Staaten setzen schon jetzt mehr oder weniger auf eine sogenannte „Monetarisierung“ durch die Notenbank. Da wir aber mit dem Euro eine gemeinsame Währung nutzen, bei der es egal ist, ob die zusätzlichen Euro in Italien oder Deutschland geschaffen wurden, bleibt uns nichts anderes übrig, als mitzumachen. Setzen wir weiter auf unsere Politik, werden wir am Ende des Jahrzehnts als die großen Verlierer dastehen. Machen wir hingegen mit, reduziert sich unsere Last der Staatsschulden deutlich und wir haben Spielraum, um endlich mehr im Inland zu investieren.
  4.  Solidaritätsfonds Europa: Bekanntlich leistet Deutschland über die zins- und tilgungsfreien Kredite der Bundesbank an die anderen Zentralbanken im Euroraum in Form der TARGET2-Forderungen einen erheblichen Beitrag zur Stabilisierung der Eurozone. Andererseits ist es eine sehr unbefriedigende Anlage eines wesentlichen Teils unseres Auslandsvermögens, zudem die TARGET2-Forderungen gerechnet werden. Besser wäre es, die Mittel in den Krisenländern produktiv zu verwenden. Hierzu sollten wir einen „Solidaritätsfonds Europa“ gründen, der, versehen mit einer Bürgschaft des Staates, Kredite aufnimmt, um die Gelder im Süden zu investieren. Dies kann über Kredite, Direktinvestitionen, aber auch in Form von Hilfen für bestimmte Zwecke wie das Verbessern der Gesundheitsversorgung erfolgen. In jedem Fall führen die Zahlungen zu einem Abbau der TARGET2-Position und ermöglichen neben der Hilfe für die Krisenländer das Erzielen von Rendite.
  5. Steuern und Abgaben senken: Eine wesentliche Herausforderung der kommenden Jahre wird der Rückgang der Erwerbsbevölkerung aufgrund des demografischen Wandels sein. Deshalb ist es entscheidend, den Anreiz zu erhöhen, einer Arbeit nachzugehen und auch mehr Stunden pro Jahr zu arbeiten. Dies bedeutet, Steuern und Abgaben deutlich zu verringern, was nach der unter 3. beschriebenen deutlichen Senkung der Staatsschulden kein Problem darstellt. Das Steuer- und Abgabensystem gehört grundlegend umgebaut, damit für jeden Bürger von jedem zusätzlich verdienten Euro mehr als 50 Cents im eigenen Portemonnaie landen. Wie dramatisch die heutige Fehlsteuerung ist, zeigt dieses Beispiel: Wenn ein alleinstehender Hartz-IV-Empfänger Arbeit aufnimmt, darf er die ersten 100 Euro behalten, danach werden die Transferzahlungen jedoch drastisch zurückgefahren. Zwischen 100 und 1000 Euro bleiben faktisch nur 20 Prozent netto mehr, zwischen 1000 und 1200 Euro nur zehn Prozent und zwischen 1200 und 1420 Euro bleibt nichts mehr bei dem früheren Hartz-IV-Empfänger. Politiker unterschätzen, dass sich Menschen ökonomisch rational verhalten. Sicherlich nicht immer, aber durchaus dann, wenn sie die Folgen ihres Handelns direkt spüren. Und das ist hier der Fall. Begnügt sich der Single mit einem 450-Euro-Job, hat er 170 Euro mehr in der Tasche. Verdoppelt er seine Arbeitszeit, um 1000 Euro brutto zu verdienen, erhöht sich sein Nettoeinkommen um nur 110 Euro. Warum sollte man das tun? Seit Jahrzehnten sind diese und viele andere Fehlsteuerungen unseres Steuern- und Abgabensystems bekannt. Es ist höchste Zeit dies zu ändern. Es gibt noch vielfältige Hebel, die Erwerbsbeteiligung zu fördern: geringere Abgaben für Menschen, die auch jenseits des offiziellen Rentenalters noch arbeiten möchten, erleichterte Abschreibungsmöglichkeiten für Investitionen, um Arbeitsplätze altersgerecht umzugestalten und die Förderung von Fortbildungsmaßnahmen in Unternehmen.
  6. Investitionsprogramm Staat: Seit Jahren fährt unsere Politik die Infrastruktur des Landes auf Verschleiß. Nicht nur wären 450 Milliarden notwendig, um versäumte Investitionen nachzuholen, wir brauchen auch nachhaltig ein höheres Investitionsniveau. In fast allen Ländern Europas investiert der Staat nachhaltig mehr in die Zukunftsfähigkeit. Dies bedeutet neben der klassischen Infrastruktur vor allem in Breitbandanbindungen und Mobilfunkabdeckung. Hinzu kommt die Notwendigkeit, mehr in Zukunftstechnologien und dabei vor allem in die Grundlagenforschung zu investieren. Dazu sollte der Staat nicht mehr zur Politik der „schwarzen Null“ zurückzukehren. Dies dürfte ohnehin in einer Post-Corona-Welt nicht so leicht möglich sein. Ist sie doch nur denkbar, wenn wir auch wieder den Titel des Exportweltmeisters anstreben. Denn sparen die privaten Haushalte (was sie mit Blick auch die Alterung tun sollten) und die Unternehmen (weil sie Schulden abbauen müssen) und auch noch der Staat, setzt dies ökonomisch zwingend voraus, dass die Ersparnisse im Ausland angelegt werden müssen, was spiegelbildlich mit Handelsüberschüssen einhergeht. Die anderen Länder Europas werden nach der Krise keine Handelsüberschüsse in früherem Umfang akzeptieren, aber auch weltweit dürfte die Kritik wieder laut werden und im Zweifel zu Protektionismus führen. Auch aus diesem Grund muss unser Staat Schulden machen. Nutzen kann er diese für Investitionen, aber auch für die Senkung von Abgaben.
  7. Bildung und Innovation: Vordergründig ist es nicht schlecht um die Innovationskraft der deutschen Wirtschaft bestellt. Blickt man genauer hin, muss man erkennen, dass unsere Innovationen vor allem in den etablierten Industrien entstehen, aber nur unzureichend in den Industrien der Zukunft. Wir müssen Grundlagenforschung fördern und es vor allem attraktiver machen, entsprechende innovative Unternehmen zu gründen. Eng damit verbunden, ist eine Reform des Bildungssystems. Wir immer mehr unter den erheblichen Leistungsunterschieden je nach Bundesland und haben es mit einem strukturellen Niedergang zu tun. Um die Abiturientenquoten nach oben zu treiben – als wäre Masse gleich klasse –, sinken die Standards seit Jahren. Im Bundesdurchschnitt schlossen 2017 mehr als doppelt so viele Abiturienten wie 2006 mit dem Abiturdurchschnitt 1,0 ab. Ganz vorn liegen Berlin, Brandenburg und Thüringen, wo der Anteil der Einser-Abiturienten (1,0 – 1,4) bei rund fünf Prozent liegt. Zum Vergleich: In Niedersachsen schaffen nur weniger als zwei Prozent ein Einser-Abitur. Kein Wunder, dass immer mehr Studenten und Auszubildende Deutsch und Mathematik nachlernen müssen. Klarheit verschaffen auch internationale Leistungsvergleiche. Schneiden wir oberflächlich bei dem internationalen PISA-Test relativ gut ab, offenbart ein genauerer Blick einen erschreckenden Leistungsrückgang: Schafften 2006 noch 4,5 Prozent der 15-jährigen Schüler das Höchstniveau in Mathematik, ist der Anteil bis 2015 auf 2,9 Prozent gesunken. Als rohstoffarmes Land können wir uns diesen Niedergang nicht länger leisten. Ebenso wenig die immer noch viel zu hohen Zahlen von Jugendlichen, die Schule und Ausbildung abbrechen. Wir brauchen eine Qualitäts- und Leistungsinitiative für unser Bildungswesen.
  8. Effizienz: Auch sonst kann unser Staat sich auf vielen Gebieten besser aufstellen. Ich erinnere an das Versagen der Politik, den Bundestag durch eine Wahlrechtsreform zu verkleinern. Ebenso wichtig wäre eine Reduktion der Anzahl Bundesländer. Bei der Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung belegen wir nach allen Studien einen der hinteren Plätze, so im letzten „EGovernment Benchmark 2019“ der EU. Während andere Länder die Routine-Interaktion zwischen Staat und Bürger bereits auf den elektronischen Weg umgestellt haben, entwickeln bei uns die Bundesländer teilweise parallel nebeneinander. In Finnland wurde die elektronische Patientenakte 2010 eingeführt, aber wir planen seit Jahren an einer eigenen Version. Damit nicht genug. Die Verwaltungsausgaben für den Sozialstaat sind seit 1970 um 40 Prozent schneller als das BIP gestiegen. Immer mehr Menschen sind damit beschäftigt, die Umverteilung zu organisieren. Ursache dürften die immer komplizierteren Gesetze sein. Wir brauchen ein Programm zur Reduktion von Komplexität und zur Effizienzsteigerung unserer öffentlichen Verwaltung. Die Potenziale sind groß und sollten genutzt werden.
  9. Intelligenter Klimaschutz: Ja, auch bei mir fehlt der Klimaschutz in der Aufzählung nicht. Er kommt allerdings erst nach den anderen Punkten, weil die Priorität eindeutig auf dem Erhalt und Mehren von Wohlstand liegen muss, bevor man sich dem Konsum zuwendet. Ökonomisch sind die Maßnahmen zur Reduktion des CO2-Ausstoßes eine Form von Konsum. Es führt zu Ausgaben, denen keine höheren künftige Erträge entgegenstehen. An dieser Stelle gibt es zwei Lager der Kritiker. Zum einen jene, die nicht an den Klimawandel glauben, zum anderen jene, die jedes Hinterfragen der Maßnahmen als Klimaleugnung abtun. Deshalb kurz zur Klarstellung: Ich nehme jetzt mal an, dass es ein sinnvolles Ziel ist, den CO2-Ausstoß zu reduzieren. Ich fordere aber auch, dass die Maßnahmen, die ergriffen werden, etwas bringen (Effektivität) und dass man sie wirtschaftlich umsetzt (Effizienz). An beidem bestehen bei der bisherigen Klimaschutzpolitik Deutschlands erhebliche Zweifel. Nicht nur ich habe diese Zweifel. Laut WEF-Energiewende-Index liegen wir auf Platz 17. Ein niederschmetterndes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass keine Nation auch nur annäherungsweise so viel Geld in die Hand genommen hat, um den Umstieg auf erneuerbare Energien zu bewältigen. Doch damit nicht genug: Den 17. Platz belegen wir nur, weil die Energiesicherheit und der Zugang zur Stromversorgung hierzulande noch gut sind. Bei den Strompreisen für Privathaushalte belegen wir Platz 87, bei denen für Industriekunden Platz 113. Mit Blick auf die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern landet Deutschland auf Platz 111 von 115 Ländern, eine direkte Folge des beschlossenen Atomausstiegs. Beim Anteil der erneuerbaren Energien reicht es trotz jährlicher Subventionen von über elf Milliarden Euro nur für Platz 55. Kein Wunder, dass die deutsche Energiewende weltweit als Desaster und keineswegs als Vorbild angesehen wird. Offensichtlich war es weder effizient noch effektiv, was wir bisher gemacht haben. Statt den Weg des Dirigismus weiterzugehen, sollte im Zuge des Umbaus des Steuersystems der Preis für CO2 planbar und signifikant steigen. Dies genügt, um einen Anreiz für die Reduktion des CO2-Ausstoßes zu geben. Wir brauchen keinen Politiker, der den Bürgern vorschreibt, wie genau sie nun den Ausstoß an CO2 reduzieren sollen. Wenn überhaupt, sollte die Politik die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich ergebnisoffen mit zusätzlichen Mitteln fördern.
  10. Staatsfonds: Bleibt die Frage nach dem Vermögensmanagement. In der Vergangenheit haben wir mit unseren Exportüberschüssen und den damit zwingend einhergehenden Kapitalexporten ein erhebliches Auslandsvermögen aufgebaut. Zugleich zeigen Studien, dass wir dieses Geld so schlecht anlegen, wie fast keiner der anderen untersuchten Staaten. Hätten wir unser Auslandsvermögen seit der Finanzkrise so gut angelegt wie die Norweger, hätten wir pro Kopf über 30.000 Euro mehr Vermögen. Angesichts der absehbaren und nicht zu verhindernden direkten Finanzierung der Staaten durch die Notenbanken ist es noch dringender erforderlich, dass wir unser Vermögen international besser anlegen. Die Ideen für einen staatlich organisierten Fonds liegen seit Jahren auf dem Tisch. Zeit, dass wir diese umsetzen. Denn entgegen der Vorurteile der meisten Bürger ist ein globales Aktienportfolio nicht nur sicherer mit Blick auf die drohende Inflation, sondern erbringt nachhaltig eine bessere Rendite. Schwankung hin oder her.

All das hätte unsere Regierung auch ohne Corona tun können und müssen. Angesichts der tiefen Krise, vor der wir stehen, kann sich die Chance ergeben, den dringend erforderlichen Kurswechsel zu vollziehen. Die Gefahr ist groß, dass unsere Politik diese einmalige Chance zur Neuausrichtung unseres Landes verpasst. Aus Mangel an Verständnis für die Wirkung von Schulden und den Optionen, die sich im Euroraum ergeben.

Dann werden wir in zehn Jahren auf ein verlorenes Jahrzehnt zurückblicken und feststellen, dass wir die großen Verlierer im Spiel der Monetarisierung von Schulden in Europa und der Welt sind. Ist es schon ein Fehler in einer überschuldeten Welt der Gläubiger zu sein, ist es ein Desaster auf Steuern und Vermögensabgaben zu setzen und im eigenen Land nicht zu investieren, während die Welt ihr Schuldenproblem über die Notenbanken löst.

Kommentare (28) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    JürgenP sagte:

    Die Anforderung ist, für alle zehn Themengebiete gleichzeitig den größtmöglichen, den wirkungsvollsten, Nenner mit jeweils passender Strategie zu entwickeln und mit größtmöglicher Geschwindigkeit umzusetzen.

    Die Realisierung des Programms mit denselben Methoden und Akteuren anzugehen, die zum aktuellen Desaster beigetragen haben, ist aussichtslos. Andere sind nicht in Sicht. Schade, sieht nicht so aus, dass es etwas wird mit der Chancennutzung zur Neuausrichtung.

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    Richard Ott sagte:

    Um überhaupt in die Lage zu kommen, die „post-Corona“-Wirtschaftspolitik diskutieren zu können, müssten wir erstmal die gemessen am aktuellen Infektionsgeschehen völlig überzogenen Beschränkungen wieder aufheben. Bis dahin wird sich der wirtschaftliche Schaden in Deutschland weiter vervielfachen.

    Die Ausgangsbeschränkungen wurden ursprünglich eingeführt, weil man befürchtete, dass die Krankenhäuser in Deutschland mit Corona-Patienten überlastet werden könnten. Das war die Idee hinter der „flatten the curve“-Strategie, die offenbar mittlerweile zum Selbstzweck verkommen ist und zur emotionalen Bewältigung von diffusen Angstzuständen in der Bevölkerung benutzt wird.

    Aktuell haben wir knapp 1000 Corona-Patienten in Deutschland auf Intensivstationen in Krankenhäusern, und deren Anzahl sinkt fast täglich. Gleichzeitig gibt es über 8000 freie Intensivbetten, in denen Patienten invasiv beatmet werden könnten. Ich kann nicht erkennen, dass unser Gesundheitssystem mit den Corona-Patienten in absehbarer Zeit überfordert sein könnte, dazu müssten die Infektionszahlen erstmal wieder wochenlang massiv ansteigen – und momentan geht der Trend genau in die andere Richtung.
    https://www.divi.de/images/Dokumente/Tagesreport_Intensivregister_PDF/DIVI-Intensivregister_Tagesreport_2020_05_23.pdf

    Diese angeblichen „Schutzmaßnahmen“ richten mittlerweile mehr wirtschaftlichen Schaden an als was sie an gesundheitlichem Nutzen haben. Welche Rechtfertigung gibt es noch für sie?

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      Gregor_H sagte:

      „Welche Rechtfertigung gibt es noch für sie?“ –> absolut KEINE!

      Aber nachdem man der Bevölkerung erfolgreich panische ANGST vor einer lebensbedrohenden Krankheit einjagen konnte und die Bevölkerung „parierte“ – warum sollte man diesen Zustand denn bald aufheben? Die Grünen sind wieder klein, die AFD ist stumm, die LINKE auch: Jetzt kann umgebaut werden.

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        JürgenP sagte:

        @RO
        zu „die verrückte Idee“ – es handelt sich nicht um eine verrückte Idee, sondern das fast wörtliche Zitat eines Vertreters eines Gesundheitsministeriums in einer Infektionsschutzangelegenheit. Die Frage nach Kosten, Komplikationen und Sinnhaftigkeit in dem Zusammenhang interessiert die Gesundheitsüberwachung nicht. Darum kümmern sich andere.

        zu „Haftung“ – genau, es haftet kein Politiker und im Übrigen auch kein Beamter in Sachen Infektionsschutz. Damit das so bleibt, werden Vorgaben an „Betreiber“ von Anlagen und Gerätschaften, im Falle von Corona auch an jeden Bürger gerichtet. Hält er sich nicht daran, so ergeht es ihm wie im Gesetz angedroht.

        zu „Infektionszahlen in Deutschland“ – Der Virologe Dr. Drosten ist anerkannter Wissenschaftler, er kann soviel Thesen aufstellen und verbreiten wie er will. Bezüglich Covid 19 entstanden seine vollkommen neuen Erkenntnisse auf dem Gebiet der Virologie vermutlich kurz nach Bekanntwerden der Erscheinungen in Wuhan. Die Anzahl der Infektionen resp. Erkrankungen geht infolge der empfohlenen grippeschutzähnlichen Maßnahmen zurück. Dass heißt die Thesen scheinen sich in der Praxis zu bestätigen und Prof. Püschel von der Rechtsmedizin am UKE Hamburg bekommt auch nur noch die normalen Toten auf den Tisch.

        Aus wissenschaftlicher Sicht hat Herr Dr. Drosten ganz sicher den Nobelpreis verdient, denn das was er früh erkannte (und andere nicht), ist so fundamental, dass es uns länger als die Atomkraft beschäftigen wird.

        Dass sich mit seinen Empfehlungen auch andere, eher unangenehme Neben-Erscheinungen verbinden lasssen, betrifft glücklicherweise eine andere Falkultät.

        Übrigens: wären die Politiker zum Ende letzten Jahres nicht so sehr von koronargefäßeschädigen Klimaschutzschüler*Innen beschäftigt worden, hätten sie vor dem Umlegen des Hauptschalters vielleicht doch die eine oder andere These von Dr. Drosten hinterfragen können. So gesehen verdanken wir den ganzen Ärger letztlich einer stressigen sechszehnjährigen aus dem Ausland. Hätten wir eine brauchbare Opposition im Lande, wäre das sicher längst aufgedeckt worden.

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        Richard Ott sagte:

        @JürgenP

        „es handelt sich nicht um eine verrückte Idee, sondern das fast wörtliche Zitat eines Vertreters eines Gesundheitsministeriums in einer Infektionsschutzangelegenheit.“

        Umso schlimmer, wenn durchgeknallte oder inkompetente Beamte so einen Unsinn erzählen. Es ist völlig unmöglich, jeglichen „Ansatz einer Besorgnis einer Gesundheitsgefährdung“ auszuschließen, nicht einmal dann, wenn Sie jeden Einwohner dieses Landes wochenlang zu Hause einsperren würden.

        „Die Frage nach Kosten, Komplikationen und Sinnhaftigkeit in dem Zusammenhang interessiert die Gesundheitsüberwachung nicht. Darum kümmern sich andere.“

        Tolle Beamten-Mentalität. Nicht einmal ob die eigene Tätigkeit sinnvoll oder sinnlos ist, interesssiert die Gesundheitsüberwachung? Und wenn die Kosten durch die Decke gehen, kommt frisches Geld aus der Druckerpresse? Wie nützlich sind Regeln für den Gesundheitsschutz, wenn sie unbezahlbar teuer sind? Oder zu Massenarbeitslosigkeit führen?

        „genau, es haftet kein Politiker und im Übrigen auch kein Beamter in Sachen Infektionsschutz. Damit das so bleibt, werden Vorgaben an „Betreiber“ von Anlagen und Gerätschaften, im Falle von Corona auch an jeden Bürger gerichtet.“

        Die Politiker haften grundsätzlich nicht! Mit irgendwelchen Infektionsschutz-Regeln, ob unsinnig oder sinnvoll, hat das nichts zu tun. Der Zusammenhang, den Sie hier zu konstruieren versuchen, existiert nicht. Angst davor, in Haftung genommen zu werden, kann für die Politiker daher keine Ausrede dafür sein, eigentlich nutzlose Einschränkungen weiter aufrecht zu erhalten.

        „zu Infektionszahlen in Deutschland – Die Anzahl der Infektionen resp. Erkrankungen geht infolge der empfohlenen grippeschutzähnlichen Maßnahmen zurück. Dass heißt die Thesen scheinen sich in der Praxis zu bestätigen“

        Sie scheinen sich strikt zu weigern, die Realität zur Kenntnis zu nehmen. Einige der empfohlenen Maßnahmen wurden in den letzten Wochen wieder aufgehoben. Trotzdem geht die Anzahl der Infektionen weiter zurück. Was ist Ihre Erklärung dafür?

        „Dass sich mit seinen Empfehlungen auch andere, eher unangenehme Neben-Erscheinungen verbinden lasssen, betrifft glücklicherweise eine andere Falkultät.“

        Es betrifft uns alle, auch wenn Leute auf der Gehaltsliste des Staates die wirtschaftlichen Folgen ihrer „Empfehlungen“ eine Zeit lang verdrängen können. Die Realitätsverweigerung endet spätestens dann, wenn dem Staat das Geld ausgeht.

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      JürgenP sagte:

      @ RO
      Herr Ott, in der jetzigen Situation den wirtschaftlichen gegen den gesundheitlichen Schaden/Nutzen aufzurechnen, ist sinnlos, denn es wird sich niemand hinstellen, der eine Entscheidung dafür oder dagegen trifft. Die „noch-Rechtfertigung“ ist das Grundgesetz und das Strafgesetzbuch, welche es verbieten, einen anderen Menschen in irgend einer Weise gesundheitlich zu schaden.

      Es gilt hier das Präventionsrecht. Das bedeutet, es darf nicht einmal der Ansatz einer Besorgnis einer Gesundheitsgefährdung bestehen. Und die ist nun mal nicht von der Hand zu weisen oder wollen Sie persönlich darüber befinden – und haften mit Haus und Hof + Lebenszeit hinter Gittern.

      Wer wollte diese Entscheidung auf sich nehmen, nachdem nobelpreisverdächtige Experten der Mikrobiologie die Gefahren ausführlichst sezierten und den Totalstopp fast aller Aktivitäten empfahlen?

      Die aktuellen Infektionszahlen begründen die Richtigkeit der vorausgegangenen Empfehlung der Seziologen.

      Auf einem anderen Blatt steht die Frage: hätte diese Situation grundsätzlich vermieden werden können, wessen Aufgabe ist es das Richtige zu veranlassen und wer trägt die Verantwortung für die Unterlassung der Veranlassung?

      Es ist wie mit einem Schiff im Orkan auf See. Zum Umkehren ist es zu spät und in dem Moment zu ergründen, wer für den Schlamassel verantwortlich ist, zu gefährlich. Außerdem: wer fragt sich das schon, wenn die Brecher über das Schiff stürzen … und es um die eigene Existenz geht.

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        Richard Ott sagte:

        @JürgenP

        „Es gilt hier das Präventionsrecht. Das bedeutet, es darf nicht einmal der Ansatz einer Besorgnis einer Gesundheitsgefährdung bestehen. Und die ist nun mal nicht von der Hand zu weisen oder wollen Sie persönlich darüber befinden – und haften mit Haus und Hof + Lebenszeit hinter Gittern.“

        Politiker haften nicht mit ihrem persönlichen Vermögen für ihre politischen Entscheidungen. Oder fällt Ihnen dazu irgendein Beispiel ein, wo das doch der Fall war?

        Und wie kommen Sie auf die verrückte Idee, dass der Staat irgendwie eine Verpflichtung dazu hätte, jeglichen „Ansatz einer Besorgnis einer Gesundheitsgefährdung“ auszuschließen? Wenn das so wäre, müsste er zum Beispiel den Auto- und Flugverkehr komplett verbieten.

        „Wer wollte diese Entscheidung auf sich nehmen, nachdem nobelpreisverdächtige Experten der Mikrobiologie die Gefahren ausführlichst sezierten und den Totalstopp fast aller Aktivitäten empfahlen?“

        Manche Leute halten auch Greta für „nobelpreisverdächtig“, daran sehen Sie, wie wenig diese Etikettierung tatsächlich wert ist.

        Davon abgesehen können die Epidemiologen Ihnen nur beschreiben (zumindest falls ihre Modelle stimmen), wie sich das Virus ausbreitet wenn bestimmte Maßnahmen getroffen werden. Und wenn Sie sich nicht nur im öffentlich-rechtlichen Staatsfunk informieren, dann sehen Sie sogar, dass es bei den Wissenschaftlern ganz unterschiedliche Auffassungen gibt und die mitnichten im Konsens irgendwelche Maßnahmen empfohlen hatten. Und die wirtschaftlichen Konsequenzen dieser Maßnahmen kommen in ihren Modellen nicht vor. Wir sehen aber mittlerweile, dass die geradezu verheerend sind.

        Das alles in Betracht zu ziehen und zu entscheiden, was tatsächlich umgesetzt wird, ist Aufgabe der Politik. Die möchte sich vor unangenehmen Entscheidungen gerne drücken, aber auf einer anderen Ebene können sie nicht getroffen werden. Selbst der hoch heilige Drosten hat keine Lust, sich von den Politikern vors Loch schieben zu lassen und selbst die Verantwortung für alle Konsequenzen seiner (häufig wechselnden – erinnern Sie sich an seine Äußerungen aus dem Januar darüber, wie gering der Nutzen von Masken ist?) Empfehlungen zu übernehmen – er wird schon wissen, warum.

        „Die aktuellen Infektionszahlen begründen die Richtigkeit der vorausgegangenen Empfehlung der Seziologen.“

        Die aktuellen Infektionszahlen in Deutschland gehen stark zurück, obwohl die Beschränkungen in den letzten Wochen ein bisschen gelockert wurden.

        Wie erklären Sie sich das?

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      jobi sagte:

      Herr Ramelow prescht vor !

      Ganz Realpolitiker merkt er, dass sich die Grundrechtseinschränkungen nicht länger rechtfertigen lassen.

      Was man ihm wohl nicht vorwerfen kann, ist Rechtspopulismus – aber ein bisschen dankbarer könnte er wohl sein .. :-)

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        jobi sagte:

        @JürgenP

        Der Orkan ist seit Ostern doch nur noch eine leichte Brise.

        Nun herrscht Flaute, das Schiff ist leck geschlagen, Wasservorräte und Ruderblätter sind über Bord gegangen.

        Aber die Mannschaft blickt mit Zuversicht zu neuen Ufern, denn es darf ja nicht einmal der Ansatz einer Besorgnis einer Gesundheitsgefährdung bestehen.

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      nk sagte:

      „Das war die Idee hinter der „flatten the curve“-Strategie“
      Falsch. Der Zweck war ebenso, die Fallzahlen niedrig zu halten und insbesondere exponentielle Verläufe so weit möglich zu verhindern, so lange es keinen Impfstoff gibt und um eine wirksame Verfolgung der Infektionswege bewerkstelligen zu können. Bspw. der bekannte Mailab-Beitrag „Wie lange geht es noch so weiter?“ hat das sehr gut zusammengefasst.

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        ruby sagte:

        Die Frage ist so zu beantworten :
        wie mit unzähligen anderen Viren.
        Ausserdem legt die Frage die Manipulation durch Impfungsheilungsgläubige offen.
        Es besteht bei diesem Virus keine Gesundheitswesennotlage.
        Wer dagegen suggeriert alle Menschen mittels Impfungen retten zu können ist ein Scharlatan.
        Über die Folgen und Gesundheitsschäden informiert Robert F. Kennedy, Jr. auf childrenshealthdefend.org

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        Richard Ott sagte:

        @nk

        „Falsch. Der Zweck war ebenso, die Fallzahlen niedrig zu halten und insbesondere exponentielle Verläufe so weit möglich zu verhindern, so lange es keinen Impfstoff gibt und um eine wirksame Verfolgung der Infektionswege bewerkstelligen zu können.“

        Nein, das ist eine Umdeutung der ursprünglichen Idee hinter der Strategie, die vor allen Dingen von Leuten kommt, deren Einkommen sowieso vom Staat bezahlt wird (herzliche Grüße an die „Experten“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk…) und die daher glauben, sie müssten sich um wirtschaftliche Probleme nicht kümmern.

        Beschreiben Sie mir doch mal, wie es in den nächsten Monaten und Jahren weitergehen soll. Wir machen das also so lange weiter, bis entweder ein Impfstoff entwickelt worden ist oder wir alle pleite gegangen sind? Sie können nicht einmal ungefähr vorhersagen, wann so ein Impfstoff verfügbar sein wird – und ob es überhaupt jemals einen geben wird.

        Das ist eine unfassbar dumme „Strategie“.

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    Namor sagte:

    Gold erzeugt nun mal Emotionen. Es geht auch anders. Deutschland hat ca 250 Mrd € Aussenhandelsüberschuss im Jahr, etwa das BIP von Tschechien. Ihr bekommt das Gold nicht wieder das mit Überschüssen angehäuft wurde und ihr werdet auch nie etwas für den Überschuss der aktuell statt findet bekommen. Was sollte ihr auch wollen? Ein Meer an griechischem Olivenöl oder denkt jemand ernsthaft an Inseln, die man euch abtreten wird?!
    Ob Gold, Target oder sonstwas. Alles futsch.

    Dafür habt ihr Macht. Vielleicht genug um Europa um euch zu einen. Wenn die Angelsachsen das diesmal wollen. Die Zeiten haben sich geändert. Deutschland ist relativ gesehen viel schwächer als damals. Mehr als privilegierter Vasall ist mit niemanden drinnen. Und Angelsachsen sind ja irgendwie verwandt.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >Die Gefahr ist groß, dass unsere Politik diese einmalige Chance zur Neuausrichtung unseres Landes verpasst.>

    Sie ist nicht groß, sondern 100%.

    >Aus Mangel an Verständnis für die Wirkung von Schulden und den Optionen, die sich im Euroraum ergeben.>

    Nein, sondern:

    Aus VERSTÄNDNIS dafür, dass sich die Bevölkerung einer solchen „friedliche Revolution“ verweigern würde.

    Die Chance für eine wirkliche, umfassende Neuausrichtung besteht nur dann, wenn eine traumatisierte, völlig desillusionierte Bevölkerung orientierungs- und willenlos am Boden liegt und die Neuausrichtung durch ANDERE erfolgen muss.

    Westdeutschland nach WK II ist beispielhaft dafür.

    Wir sind – Gott sei Dank – nicht in dieser Lage und – leider, leider – werden daher eine Neuausrichtung konsequent vermeiden.

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      Namor sagte:

      Da bin ich ganz bei Ihnen. Und gehe noch weiter; Luhmann meinte, die Gesellschaft als System würde unseren Denkapparat bei weitem übersteigen. Deshalb war er kein Freund der Revolution sondern der langsamen Transformation. Das neue System von dem alle reden; Wer sagt, dass es funktioniert? Es wird behauptet, das alte System sei schlecht, weil es nun nicht mehr, oder bald schon nicht mehr, funktioniert. Ich behaupte; Es funktioniert wunderbar! Nur weil jedes Leben endet, bedeutet das nicht, dass all diese Leben nicht funktionieren.

      Ein Grundproblem ist, Leben ist Wettbewerb. Wenige haben die begehrten Sachen, Frauen, Ruhm, Geld, … Manches sofort, manches kumuliert sich. Manche Kommunisten wollten auch die Frauen für alle verfügbar machen, sie wussten, auch dort gibt es ein Lumpenproletariat. Wettbewerb bringt das Gesamtsystem nach vorne, was prinzipiell gut ist, und wenn man mit anderen Gesellschaften im Wettbewerb ist, ist er dringend erforderlich. Das Schuldgeldsystem gauckelt uns vor, jeder könne beliebig Werte horten, noch dazu in Minibestandteilen (da sparen doch Menschen ETFs mit wenigen Euro monatlich und können sich keine Immobilie kaufen). Der Westen ist produktiv! Ich glaube es war C G Jung der meinte, die Menschen im Westen hätten sich selbst versklavt. Er meinte damit, dass wir Arbeiten wie sonst die Ausgebeuteten und protzen noch damit. Wie des Pfauen Federn.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Namor

        >Es wird behauptet, das alte System sei schlecht, weil es nun nicht mehr, oder bald schon nicht mehr, funktioniert. Ich behaupte; Es funktioniert wunderbar!>

        Richtig, das wird behauptet.

        Eine solche Behauptung ist falsch, weil JEDES System funktioniert, d. h. über Wirkmechanismen verfügt, die zu Effekten führen.

        Aber wunderbar?

        Das ist eine WERTUNG.

        Ich beziehe Wertung ein und sage:

        Die Covidkrise einmal beiseitegelassen, funktioniert das alte bzw. gegenwärtige System schon, aber nicht so, dass es in den entwickelten Volkswirtschaften die Erwartungen und Ansprüche der Menschen erfüllt. In den sich entwickelnden Volkswirtschaften vor allem Asiens ist das nicht der Fall.

        Die Festlandchinesen z. B. lehnen ihr System, das sich zwar regulativ, aber den Wirkmechanismen nach nicht grundlegend von unserem unterscheidet, nicht ab.

        Die Wertung der Menschen, also die Akzeptanz oder Ablehnung des Systems, beruhen demnach auf ERWARTUNGEN und ANSPRÜCHEN.

        Wenn daher hinreichend viele Menschen GLAUBEN, dass – ich vereinfache jetzt einmal – von allem genug da ist, aber nicht alle Menschen in gleichem Maß damit bedacht werden, wird das System abgelehnt und ein anderes mit anderer Funktionalität auf den Weg gebracht.

        Es ist also der ERFOLG des bestehenden Systems, der dessen Ablösung erzwingt.

        Hätten wir einen Mangel wie nach WK II, würde jeder versuchen das System zu NUTZEN, um an seiner Wohlstandsgenerierung so viel wie möglich zu partizipieren.

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      Alexander sagte:

      @Daniel Stelter & Dietmar Tischer

      Das Land wird neu ausgerichtet und die Chance zur Normalität vor Covid-19 ist 0, obwohl der Mehrheit der Bürger nichts neues vorschwebt.

      Dieser Konservativismus der Wähler hat viel mit ihren Investments zu tun, die vielleicht noch nicht abbezahlt sind, noch abzuschreiben sind (Afa) oder alternativlos bleiben wenige Jahre vor Renteneintritt (z.B. Anleihen-, Aktienfonds).

      Dass die Veränderung noch schneller erfolgt als zuletzt der Murx mit der Energiewende, die verpfuschte bedingungslose Massenzuwanderung oder das Katastrophenprojekt EU verdanken wir einem Virus, der nicht verantwortlich abgewählt werden kann.
      Die handelnden Volksvertreter sind selbst Opfer einer Entwicklung, die weltweit kein Land zu Flucht vor Abbau von Lebensqualität=Individuallrechten verschonte. Der Automatismus der Folgen befohlener Geschäftsschließungen erklärt sich aus der Gesetzgebung der Vergangenheit und kennt keine Härtefälle oder Einzelfälle.
      –> Man kann mir die Arbeit verbieten mich aber nicht aus meinen Verpflichtungen befreien. Der Aufgabe ist programmiert.

      Fazit:
      Die Veränderung wird umfassend keine Verbesserung begangener Fehler sein, sondern extrem mehr Macht für politische Entscheider und eine extreme Schwächung des privaten Sektors – weltweit – bringen.

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        ruby sagte:

        @ Alexander, DT

        Möglich ist, daß die Tempel gestürmt, die Priesterinnen entkleidet, die Sprachrohre verstopft werden. Das sind ganz unbekannte Ursachen, Auslöser die im geringsten kontrollierbar zu halten sind.
        Da werden die Späher gleich rufen Mystik, Wunschtraum. Aber den sage ich: ihr wollt die Chipingineure der Träume sein?
        Welch Anmaßung von unsichtbarer Macht.
        „…und es werde Licht…“
        doch es reichte die Naturen, diese Lichter zu löschen.
        Oder schreiben die Geldwechsler weiter ihr Lied die 100.000 Trillionen an die Milliarden zu verteilen über ihre Zeichensprache der Schlüsselträger?
        Keinen Cent wird die Zentrale genau an den, den sie meint ausgewählt zu haben, zuführen. Die Ströme, sie versiegen im Rausch des Blutes und bleiben Rinnsaale der Selbsterwähltheiten und Verwunschenheit.
        Einen Schuldschein für jeden, für das ganze (jubilierende) Weltvolk, aus der Weltwirtschaft der Verborgenen.
        Welch Groteske am Tag des Grundgesetzes.
        Und welch kakophone Geschichte der Aneignung des Erzählertums.

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    Joerg sagte:

    @Michael,
    Welches Problem „an der Wurzel packen“? meinen Sie?
    1) Familienfoerderung: Bestimmt nicht verkehrt, aber kurz- mittelfristig keine Loesung (zu wenig Kinder wurden vor 20-30 Jahren geboren).
    Wieviele Kinder haben Sie selber?
    2) Bei uns herrscht Religionsfreiheit und das ist auch gut so! Islamischer Glaube ist per se kein Problem, sondern boese, machthungrige, missbrauchende Menschen, egal ob Christen, Muslime, etc?
    Kennen Sie Muslime naeher?
    Was verstehen Sie unter christlich?
    Sind Sie Christ?
    3) Gold: Wie sollte ein „finanzieller Neustart“ ihrer Meinung nach aussehen?
    Wo sehen sie Mehrheiten fuer was?
    Besitzen Sie selber Gold und koennen erklaeren, weshalb das fuer Sie vorteilhaft ist?

    Freundliche Gruesse, Joerg

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      Felix sagte:

      @ Joerg

      Nur ein Hinweis: Seit 50 Jahren werden bereits deutlich zu wenig Kinder geboren. Der Befund liegt seit den 70er Jahren vor. Ursache: Pille, Selbstbestimmung der Frau und dahinter natürlich unser Wohlstand.
      Das hätte kein Problem werden müssen, wenn es vernünftig geregelt worden wäre. Zeit war genug, Handlungswille nicht.
      Jetzt dauert es nur noch wneige Jahre, bis es für jeden offenbar wird.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Felix

        >Das hätte kein Problem werden müssen, wenn es vernünftig geregelt worden wäre.>

        Abstrakt-logisch ist das richtig.

        REAL ist das eine Illusion.

        WER hätte etwas für die Geburt von mehr Kindern regeln KÖNNEN, wenn die Pille von den Familien, speziell den Frauen VERSTANDEN wurde, mehr am Wohlstand in welcher Form auch immer partizipieren zu können?

        Die katholische Kirche, deren „Schöpfungsethik“ verletzt wurde durch die Pille?

        Die Journalisten und Wissenschaftler, die den Familien die Folgen hätte erklären müssen?

        Die Politiker, die eine andere Familienpolitik hätten betreiben müssen?

        Hätte alles geschehen können, aber NICHTS ändern KÖNNEN.

        Denn es wäre KEIN Handlungswille da gewesen, die nicht erzwingbaren Verzichtleistungen zu akzeptieren – bei der BEVÖLKERUNG.

        Wenn bei der Bevölkerung nichts erzwungen werden kann (Wahlen!), dann nehmen die Dinge eben ihren Lauf und die KONSEQUENZEN sind zu tragen.

        In der Regel tragen andere die Konsequenzen.

        Das macht es so leicht, die Konsequenzen zu akzeptieren, die man verursacht.

        So einfach ist das.

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    Michael Bodenheimer sagte:

    Sehr geehrter Herr Stelter, meiner Meinung nach geht es in die richtige Richtung, es fehlen allerdings ein paar Punkte, die das Problem bei der Wurzel packen:

    1. Bevölkerungspolitik und Förderung heimischer Familien, sowie das Ungarn erfolgreich macht und dort versucht die Alterspyramide wieder auf die Füße zu stellen

    2. De-Islamisierung Europas, alle von Ihnen genannten Punkte können nur dann erfolgreich sein, wenn Europa christlich-abendländisch geprägt bleibt und Scharia Grundsätze und islamischer Glauben wieder aus Europa verschwinden; das haben unsere osteuropäischen Nachbarn schon lange erkannt.

    3. Rückholung der Goldreserven der Bundesbank in unseren Besitz, um sich für einen finanziellen Neustart vorzubereiten, so wie das Russland und China seit Jahren machen. Die Versprechen, dass wir jederzeit auf diese zurückgreifen können, sind nicht das Papier wert, auf dem sie gedruckt sind, siehe Venezuela.

    https://www.bbc.com/news/world-latin-america-52733299

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      Namor sagte:

      Aus Wiki: „Die heutigen deutschen Goldreserven stammen aus der Zeit des Bretton-Woods-Systems (1944–1973) und der Europäischen Zahlungsunion (1950–1958), als Länder mit Leistungsbilanzdefiziten Staaten mit Leistungsbilanz-Überschüssen Gold überschrieben.“

      Das Gold werden sie nicht bekommen. Das war irgendwas zwischen Reparationszahlungen und uneinbringliche Schulden.

      Ohne Gewaltmonopol muss niemand was zurückzahlen. Und wer fremde Atomwaffen auf eigenem Territorium dulden muss, hat alles, nur kein Gewalt.

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        Michael Bodenheimer sagte:

        Zustimmung, dass die Forderung danach zu Verwerfungen führen würde und dass es schwierig wird, diese Forderungen einzutreiben; entweder die USA und Großbritannien gebe nach und erfüllen diese Forderung, oder sie enttarnen sich als das was sie sind und es wird zu einem weiteren erwachen in Deutschland und im Ausland führen – aber ich würde auf keinen Fall die Flinte ins Korn werfen, bevor ich es versucht habe; dafür wurden die Politiker nicht gewählt!

      • Avatar
        Bauer sagte:

        @ Namor

        Schon richtig und realistisch. Aber das wäre doch DIE Gelegenheit, Klarheit über die Zukunft zu schaffen. Sobald die deutsche Politik ernsthaft und kategorisch die Repatriierung der Goldbestände fordert, wird es die entsprechenden eindeutigen Antworten geben, die der deutschen Öffentlichkeit die Schwäche unserer Position und die reale wirtschaftliche Situation drastisch demonstrieren. Dann gibt es nur noch in die Hände spucken und wieder unten anfangen, statt zu EU etc weiche Zustimmung zu bekunden.

    • Avatar
      Felix sagte:

      @ M.B.:

      An der Politik der Osteuropäer finde ich interessant, dass sie sich insgesamt stärker am Westen orientieren, auch wenn sie einige gesellschaftspolitische Entwicklungen ablehnen. Sie wissen, was sie an den USA haben, und möchten sie offenbar nicht gegen Russland zurücktauschen.

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