Absehbar: Immobilieneigentümer dürfen die Rechnung bezahlen

Dieser Kommentar von mir erschien im September 2017 bei WirtschaftsWoche Online. Heute ist er so aktuell wie lange nicht, übertreffen sich doch die hiesigen Politiker mit der Forderung, endlich die „Reichen“ höher zu besteuern (und verdrängen gerne und konsequent, damit noch Reicheren im Ausland helfen zu wollen). Am Ende ist es viel zu kompliziert, eine Vermögensabgabe auszurechnen. Und da Unternehmen ohnehin ausgenommen werden, bleiben die Immobilien. Und man bastelt ja gerade an der Grundsteuer herum – also …. Höhere Steuern auf deutsche Immobilien, um damit zu verhindern, dass sie in anderen Ländern höher besteuert werden. Wenn es nicht so dämlich wäre, könnte man glatt lachen. 

Hier der damalige Text:  

Schulden können nicht ewig schneller wachsen als die Wirtschaft. Um sie loszuwerden, setzen Politik und Notenbanken auf Inflation. Und wenn die nicht kommt auf Enteignung.

William White gehört zu jenen, die die Finanzkrise vorhersagten. Der damalige Chefvolkswirt der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel („Notenbank der Notenbanken“) legte sich beim alljährlichen Notenbanker-Treffen in Jackson Hole mit Alan Greenspan an und warnte vor den Folgen der Politik des billigen Geldes. Bekanntlich ohne Erfolg. Nicht nur Greenspan, sondern auch die anderen Teilnehmer nahmen die Mahnung nicht ernst.

Untragbare Schulden

Der Rest ist Geschichte. Heute warnt White erneut vor den Folgen der Politik zu billigen Geldes. Weltweit wachsen die Schulden noch schneller als vor der Krise 2008, Blasen an den Finanzmärkten sind unübersehbar und niemand macht sich groß Sorgen. Was soll man angesichts der tiefen Zinsen schon anderes machen, als Aktien und andere Vermögenswerte zu kaufen? So die Logik derer, die es als „alternativlos“ ansehen, mitzumachen im großen Spiel der Suche nach dem Greater Fool.

Dabei verfolgen die Notenbanken mit ihrer Politik zwei Ziele: die Stabilisierung des bestehenden Schuldenberges durch Aufrechterhalten der Illusion der Bedienbarkeit und zugleich eine Inflation um die Schulden – und damit die Forderungen – zu entwerten. Das erste Ziel haben sie bisher erreicht. Mit dem zweiten Ziel sieht es schlecht aus. Allen Bemühungen zum Trotz verharrt die Inflationsrate auf tiefem Niveau. Nur in den Vermögensmärkten herrscht Inflation.

Stellt sich die Frage: wie umgehen mit einer Schuldenlast, die immer weiterwächst und die Realwirtschaft zunehmend belastet?

Keine schmerzfreie Lösung

Schon 2010 hat William White dazu in der „Financial Times“ einen Gastbeitrag veröffentlicht, der auch dem letzten Optimisten vor Augen führt, wohin uns 30 Jahre billigen Geldes und leichter Verschuldung gebracht haben: „We need a plan B to curb the debt headwinds“. Nach einer kurzen Zusammenfassung der Situation diskutiert White vier Möglichkeiten, mit dem Schuldenberg umzugehen: 

  • Sparen und zurückzahlen
  • Aus dem Problem herauswachsen
  • Die Schulden abschreiben
  • Entwertung durch Inflation

Einschätzung von White: sparen und zurückzahlen ist politisch nicht verkraftbar, schon gar nicht, wenn es mehrere Länder gleichzeitig versuchen. Höheres Wirtschaftswachstum setzt Reformen voraus, die in schlechten Zeiten schwer durchzusetzen sind. Schuldenschnitte wären denkbar, sind aber unpopulär. Verbleibt nur die Inflation als vermeintlich schmerzfreie Lösung.

Heute, sieben Jahre später kann man nur sagen, dass White Recht hatte mit seiner Einschätzung: die Krisenländer haben mehr, nicht weniger Schulden (Staaten und Private zusammen). Reformen gab es zwar, aber ohne den gewünschten Effekt beim Wirtschaftswachstum, zu schwer wirken die Gegenwinde aus Überschuldung und Demografie. Schuldenschnitte gab es nur in Griechenland und auch dort wurden sie nur sehr halbherzig umgesetzt. Inflation wurde probiert – bislang ohne Erfolg.

Wäre Inflation leicht zu erreichen, hätten wir sie schon längst. Zu groß sind aber die deflationären Kräfte aus Überschuldung, Demografie, schwacher Produktivitätsentwicklung, neuen Technologien und fehlender Bereinigung von Überkapazitäten und Zombieunternehmen. Letzteres auch Folge der Politik billigen Geldes.

Dass es nicht zur Inflation kommt, ist aus Sicht der politisch Verantwortlichen und der Schuldner mehr als misslich. Solange der Schuldenüberhang bestehen bleibt, wird die Wirtschaft nicht zu nachhaltig höheren Wachstumsraten zurückkehren – trotz der guten Konjunktur zurzeit. Damit wächst aber die Gefahr politischer Unfälle, wie beispielsweise die Wahl einer eurokritischen Regierung in Italien.

Also doch offen

Bleibt keine andere Wahl, als das Schuldenproblem offen anzugehen. Am vernünftigsten wäre es natürlich, die faulen privaten und staatlichen Schulden durch Schuldenschnitte zu reduzieren. Die Schuldner würden nur einen Teil der Verpflichtungen erfüllen, die Gläubiger entsprechend verlieren. Das wäre die fairste Vorgehensweise, tragen doch auch die Gläubiger eine Mitschuld, wenn sie unsoliden Staaten, Banken oder Unternehmen Kredit gewähren. Praktisch wäre eine schwere Rezession die Folge, da die Banken alleine in der Eurozone mindestens 1000 Milliarden verlieren würden.

Aus diesem Grunde habe ich schon 2011 die Möglichkeit diskutiert, dass die Staaten durch Vermögensabgaben den Schuldenabbau finanzieren. Auch diese sind natürlich nicht populär, haben aber den Vorteil, dass sie geordnet vollzogen und damit die gesamtwirtschaftlichen Folgen begrenzt werden können.

Nun, im Jahre 10 seit Ausbruch der Finanz- und im achten Jahr der Eurokrise, kommt das Thema erneut auf die Agenda. In Deutschland wenig beachtet, hat France Strategie, ein staatsnaher französischer Think Tank vorgeschlagen, die Staatsschulden der Eurozone durch Abgaben auf Immobilien zu finanzieren. Der Staat soll – so der Vorschlag – Miteigentümer werden und dafür jährlich eine Verzinsung bekommen. Zahlen die Eigentümer nicht jährlich, sollen Einmalzahlungen bei Verkauf oder Erbschaft anfallen. Verbunden wird diese Überlegung mit der Forderung nach mehr „Solidarität“ und Umverteilung innerhalb der Eurozone.

Immobilien trifft es immer

Schon in früheren Beiträgen habe ich auf die Gefahren der Geldanlage in Immobilien hingewiesen. Zwar gehören Immobilien in jedes diversifizierte Portfolio, allerdings muss man sich der erheblichen Gefahren des Zugriffs des Staates bewusst sein. Mietpreisbremse und neuerdings „Milieuschutz“ geben einen Vorgeschmack auf das, was noch kommen könnte.

So ist es keineswegs neu, Immobilien mit Zusatzabgaben zu belegen. In der Weimarer Republik wurde die Hauszinssteuer eingeführt, um Immobilienbesitzer nach der Hyperinflation höher zu besteuern. Die Nazis haben später die Möglichkeit geschaffen die Steuerschuld auf einen Schlag zu bezahlen, die sogenannte Hauszinsabgeltungssteuer. So innovativ ist France Strategie nun also wahrlich nicht.

Auf den ersten Blick leuchtet es ein, dass sich die Überlegungen auf Immobilien fokussieren. Steht doch der Wertzuwachs der Immobilien hinter dem von Thomas Piketty und anderen bedauerten Zuwachs an weltweiten Vermögen. Rechnet man die Immobilien heraus, gibt es das Problem nicht.

Auf den zweiten Blick wird es problematischer. Hinter der Entwicklung der Immobilienpreise steht – für Leser dieser Kolumne keine Neuigkeit – der Anstieg der Verschuldung. In unserem Geldsystem können Banken faktisch unbegrenzt Kredite vergeben und damit neues Geld schaffen. Am liebsten machen sie das zur Finanzierung von „risikofreien“ Assets, also vor allem Immobilien. Somit leihen wir uns immer mehr Geld, um uns wechselseitig zu immer höheren Preisen vorhandene Vermögenswerte zu verkaufen. Ohne den Anstieg der weltweiten Verschuldung, wäre der Boom der Immobilien gar nicht möglich gewesen.

Käme es nun zu der Sondersteuer auf Immobilien darf getrost davon ausgegangen werden, dass die Preise von Immobilien deutlich unter Druck geraten. Damit würden die Sicherheiten der Banken an Wert verlieren und nicht wenige Immobilienbesitzer in Schwierigkeiten geraten. Folge wäre somit auch bei diesem Vorgehen eine (erneute) Bankenkrise.

Vermögen bleiben gefährdet

Will man diesen Effekt verhindern, muss man alle Vermögen besteuern, um die Last breit zu verteilen. Vermutlich dient die Idee den Beratern des französischen Präsidenten Macron ohnehin nur als Versuchsballon um eine andere Forderung politisch durchsetzbar zu machen: die direkte Staatsfinanzierung durch die EZB. Immer mehr scheint die Politik in der Eurozone zu erkennen, dass die Krise ohne eine echte Verringerung der Schulden nicht überwunden werden kann. Will man keine Schuldenschnitte oder Vermögensabgaben einführen, was angesichts der unklaren realwirtschaftlichen Folgen mit erheblichen Risiken verbunden wäre, bleibt nur der massive Einsatz der Geldpolitik, um letztlich über eine Zerrüttung des Vertrauens in Geld eine Inflation zu erzeugen.

Aus Sicht des Vermögensbesitzers bleibt die Initiative aus Frankreich ein Weckruf erster Ordnung:

  • Umverteilung und Schuldensozialisierung bleiben das Kernziel unserer Partnerländer im Euro.
  • Finanziert werden soll die Solidarität über Steuern auf Vermögen, die tief in Eigentumsrechte eingreifen.
  • Sollte es nicht dazu kommen, wird auf die Monetarisierung der Schulden gesetzt.

So oder so bleibt es beim Ziel der Verringerung der Schulden – und damit der Vermögen. Europa bleibt ein schlechter Platz für Kapitalbesitzer. Zeit, die Konsequenzen zu ziehen.

→ WiWo.de: „Enteignung – weil es mit der Inflation nicht klappt?“, 19. Oktober 2017

Kommentare (23) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Michel sagte:

    ach ja, welch glückliche fügung bzw umstand, dass wie so oft passend wie arsch auf eimer, es eine rechtliche basis für die erneuerung der grundsteuer gibt.
    man stelle sich nur mal vor, das wäre schon vor 5 jahren passiert, nachdem man die berechnungen durch die zensus daten durchgeführt hat…

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  2. Avatar
    Heppi sagte:

    Mit welchem Einkommen ist man denn eigentlich in Deutschland ein „Reicher“ bzw. ein „Superreicher“ oder „Spitzenverdiener“?
    Mit welchem Vermögen gilt man als vermögend?
    In Deutschland werden solche Diskussionen in meinen Augen zu selten an konkreten Zahlen festgemacht. Forderungen nach Schröpfkuren werden immer nur an den vorgenannten Kampfbegriffen festgemacht, nie an konkreten Zahlen.
    Freundliche Grüße Heppi

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      Michel sagte:

      nun ja kommt auf den standpunkt bzw die seite an:
      als kreditnehmer handelt es sich bis 400.000€ um einen kleinkredit!
      auf der anderen seite gilt man laut der grünen khmer und den anderen neo bolschewisten ja schon ab 100.000€ als vermögend.
      als „immo“ besitzer ja sowieso und wenn man nur eine holzhütte mit kaputten dach auf einem 500qm grundstück am arsch der heide hat.

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    Tobias W. sagte:

    „… übertreffen sich doch die hiesigen Politiker mit der Forderung, endlich die „Reichen“ höher zu besteuern…“

    Mir kommen die Tränen.

    Fakt ist, dass in keinem entwickelten Industriestaat Vermögen so gering besteuert werden, wie in Deutschland. Deutschland ist ein Paradies für Vermögende.

    Die Süddeutsche Zeitung hatte dazu vor einigen Jahren auch einen passenden Beitrag: https://www.sueddeutsche.de/geld/vermoegenssteuern-im-vergleich-reichenparadies-deutschland-1.1849026

    Dagegen ist Deutschland die Hölle für Erwerbstätige. Gabor Steingart hatte vor kurzer Zeit Prof. Bernd Raffelhüschen im Interview, der in Steingarts Newsletter folgenermassen zitiert wurde:


    Die bisherigen Schätzungen von Prof. Raffelhüschen, nach denen – wenn der Staat 30 Jahre lang so weiter wirtschaftet wie bislang – den Bürgern für die Einhaltung staatlicher Sozialversprechen etwa zwei Drittel ihres Gehaltes abverlangt werden muss, seien nach dieser Pandemie zu optimistisch, so Raffelhüschen:

    Wir werden schon in den nächsten Jahren 40 Prozent Sozialausgaben oder die Beitragsquote an Arbeitnehmerentgelten nicht mehr halten können. Und dann haben wir schon eine Situation, wo ein durchschnittlicher Beschäftigter zwei Fünftel seines Lohnes zunächst für die sozialen Sicherungssysteme abgibt.“

    Und Einkommenssteuern kommen noch obendrauf.

    Tatsache: die Belastung von Erwerbseinkommen in Deutschland ist deutlich zu hoch, vor allem in internationalen Vergleich. Tatsache: die Verteilung der Nettoeinkommen in Deutschland ist relativ gleich.

    Dagegen stehen folgende Tatsachen: die Belastung der Vermögen in Deutschland ist deutlich zu niedrig, zitiert aus dem Süddeutsche Beitrag, der sich auf OECD Angaben stützt, belastet der deutsche Staat Vermögen nur mit einem BIP Anteil von 0,6%, während es in Grossbritannien 3,6%, in Kanada 3,3% und in den USA immer noch 3,2% sind. Dazu kommt, dass die Vermögen in Deutschland extrem ungleich verteilt sind. 10% der deutschen Haushalte verfügen über 60% der Vermögenswerte. Nirgendwo in den OECD Staaten liegt der Median der Haushaltsvermögen so stark unter dem Durchschnitt wie in Deutschland.

    Wer auch nur ein bisschen Verstand aufbringt wird schnell einsehen müssen, dass es in der jetzigen Situation keinen Weg an einer stärkeren Belastung der Vermögen vorbei gibt – und das ist auch vollkommen OK, denn Vermögen wurden in Deutschland bisher kaum belastet.

    An Herrn Stelter gerichtet: ich vermisse in der Hinsicht mehr Ehrlichkeit in der Darstellung dieses Sachverhaltes. Und prinzipiell hat dieser Sachverhalt auch erst mal nichts mit dem Lastenausgleich innerhalb der EU oder der EURO Gruppe zu tun, sondern betrifft die Ungleichverteilung der Vermögen in Deutschland alleine und die Tatsache, dass der deutsche Staat sich überwiegend aus Abgaben auf Erwerbsarbeit finanziert. Und warum es nicht möglich sein soll, Vermögensabgaben einzuführen, leuchtet mir nicht ein. Schliesslich klappt das offensichtlich auch in den Mutterländern des Kapitalismus, die fünf bis sechs Mal höhere Einkünfte im Verhältnis zu ihrem BIP aus Vermögensabgaben beziehen.

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      Michel sagte:

      ja ja, und trotzdem sind wir innerhalb der eudssr das schlusslicht was das durchschnittsvermögen angeht.
      siehe meine antwort eine etage höher. unter dieser vollkommen verzerrten wahrnehmung der von der realität vollständig entkoppelten parasitären staatsschmarotzer, wird es keine auch nur ansatzweise „faire“ abgabe geben.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Ein guter Beitrag.

    Daher folgt die logische Konsequenz: die selbstgenutzte mitteleuropäische Immobilie nur mit einer ordentlichen, aber nicht überhöhten Portion langlaufendem Darlehen zu beleihen, die der Staat entwerten muss, um die neuen Belastungen einzuführen. Ersparnisse in werthaltige Dinge umwandeln, z.B. einer Dacherneuerung.

    Keine anderen Immobilien im Euroraum besitzen, schon gar nicht vermietet. Und ansonsten den Vorschlägen von Dr. Markus Krall folgen: raus mit dem Vermögen aus dem Euroraum, kurzlaufende Staatsanleihen in soliden Fremdwährungen, Aktien, Edelmetalle. Am besten das Depot in ein sicheres Drittland verlagern.

    Und ansonsten die Ratschläge des guten alten André Kostolany befolgen, den kennenzulernen ich das Glück noch hatte: Investieren Sie in die Ausbildung Ihrer Kinder, das bringt die höchsten Renditen. Immateriell ergänzen würde ich: in soziale Beziehungen, vom Schrebergartenverein über Nachbarschaftshilfe und Kirchengemeinde bis zur eigenen Großfamilie „investieren“. Nichts kann ein stabiles soziales Netzwerk bei einer Währungsreform ersetzen, gar nichts.

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      Tobias W. sagte:

      Die Pandemie sorgt dafür, dass es prinzipiell keinen anderen sicheren Wirtschaftsraum gibt, in dem man flüchten kann. Man kann sich mit seinem Vermögen in sichere Wirtschaftszweige flüchten, nicht in sichere Wirtschaftsräume.

      Und ausserhalb Deutschlands ist die Belastung von Vermögen schon DEUTLICH höher. Im Durchschnitt belasten OECD Länder Vermögen mit 1,3% Anteil am BIP. In Deutschland liegt der Anteil bei 0,6%, es gibt nur eine Handvoll Länder, in denen die Belastung noch niedriger liegt und ich würde diese Länder nicht als stabiler als Deutschland bezeichnen (Mexiko, Tschechien, Österreich, Türkei, Griechenland, Estland, Slowakei, Slowenien, Chile).

      Vermögen in UK, Kanada und den USA wird im Vergleich zum deutschen BIP Anteil fünf bis sechs mal so hoch belastet. Das heisst, selbst wenn es in Deutschland zu einer Erhöhung der Vermögensabgaben kommt, werden Sie in Deutschland mit Ihrer Immobilie noch biller davonkommen.

      Um Ihnen mal anschaulich zu machen, was Immobilienbesitzer in den meisten Gegenden der USA als Steuer auf ihre Immobilie bezahlen: knapp unter 1% des Werts, je nach Bezirk. Ein Anwesen im Wert von einer Million USD kostet damit etwa USD10.000 Steuern im Jahr.

      https://www.brookings.edu/interactives/map-property-taxes-in-your-county/

      Vermögen in Deutschland ist billig. Viel zu billig.

      Also ja, rennen Sie mit Ihrem Vermögen weg aus Deutschland. Nur werden Sie da tatsächlich deutlich stärker belastet als in Deutschland.

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        Thomas M. sagte:

        SZ-Artikel: Bei irgendwelchen relativen Kennziffern findet man immer eine, die zur Story passt. Hier also % irgendwelche Steuern am BSP. Könnte natürlich auch am BSP oder dessen Zusammensetzung liegen oder dass in D die Vermögen so niedrig sind und deswegen die %-Zahl so klein.

        Völlig unbrauchbar zum Vergleich der Steuerbelastung.

        Man muss die Steuern auf Einkommen, Konsum und Kapitaleinkünfte plus meinetwegen Substanzsteuern auf Besitz vergleichen. Sonst kommt man zu keinem Bild.

        Wenn Deutschland das Reichenparadies ist, erklärt das natürlich auch die Reichenflucht zu uns und die zahlreichen Offshore-Konten bei uns?

        Wenn Sie als Deutscher ein Depot in den USA führen, zahlen sie trotzdem deutsche Steuern auf die Kapitaleinkünfte und Veräußerungsgewinne und Währungsgewinne. Es geht darum, in welche Regionen man sein Altersvorsorge / Vermögen investiert.

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      Michel sagte:

      na ja, eine grundschuld/darlehnen bringt ja nix, da sich vater staat ja selbst ermächtigt um an die erste stelle zu gelangen.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >… man bastelt ja gerade an der Grundsteuer herum – also …. Höhere Steuern auf deutsche Immobilien, um damit zu verhindern, dass sie in anderen Ländern höher besteuert werden.>

    Den Satz verstehe ich nicht.

    WARUM soll etwas, das wir bei UNS vornehmen, WOANDERS das Gleiche verhindern?

    Die Prämisse kann doch nicht sein, dass woanders IMMER nur das Gegenteil von uns gemacht wird.

    Italien z. B. KÖNNTE seine Privatvermögen natürlich so belasten, dass die Staatschuld tragbar wird, KANN es aber NICHT, weil dann das Land UNREGIERBAR bzw. von Salvini „übernommen“ würde und auf einen Austritt aus der Eurozone zusteuerte.

    Der wird dort mehrheitlich NOCH nicht gewollt.

    Wenn er aber gewollt würde – eine Mehrheit dafür ist nicht auszuschließen –, dann sicher nicht mit der ABSICHT, die Bevölkerung mit einer Abgabenlast auf ihren Privatbesitz zu belasten.

    Das würde bei einem Austritt Italiens aus der Eurozone zwar sehr wahrscheinlich der Fall sein – aber als FOLGE eines Austritts.

    Kurzum:

    Der Verweis auf die hohen Privatvermögen in Italien kann nur dazu dienen, ABLEHNUNG hierzulande dafür zu generieren, dem Land zu helfen.

    Das ist völlig legitim.

    Man sollte es aber auch offen sagen.

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    • Avatar
      Skeptiker sagte:

      Dazu zwei Beobachtungen:
      1) „die Provinzen werden es schon bezahlen“ von Herrn Stelter an diversen Stellen erwähnt, zuletzt hier: https://www.manager-magazin.de/politik/konjunktur/coronavirus-daniel-stelter-zur-finanzierung-der-corona-kosten-a-1305800.html
      2) Unsere Provinzpolitiker schreiben im Koalitionsvertrag 2018 auf Seite 9 ausdrücklich: „Wir sind zu höheren Beiträgen Deutschlands zum EU-Haushalt bereit.“
      Da hilft der Verstand nicht und Ablehnung zu generieren ist auch nicht vorgesehen.

      Zum instutionalisierten BGE von dem auch DAX-Vorstände träumen: da müsste der perfekte Grenzschutz auch institutionalisiert werden und die Wächter der Grenze wären dann die tatsächlichen Herrscher im Land.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Skeptiker

        >“Wir sind zu höheren Beiträgen Deutschlands zum EU-Haushalt bereit.“>

        Darüber könnte man ja noch reden.

        Das Schlimmste ist:

        Wir und auch die Rest-EU bekommen nichts dafür, was das Geld wert ist.

        30% werden wieder in die Agrarwirtschaft fließen, Riesensummen auch in den Kohäsionsfonds zur Ruhigstellung des Südens und vermutlich eine Unsumme in die Energiewende.

        Zukunftssicherung?

        Nichts davon, brauchen wir auch nicht.

        Die besorgen die Chinesen für uns – allerdings zu IHREN Bedingungen.

        Es weiß nur noch keiner.

  6. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >Am vernünftigsten wäre es natürlich, die faulen privaten und staatlichen Schulden durch Schuldenschnitte zu reduzieren. Die Schuldner würden nur einen Teil der Verpflichtungen erfüllen, die Gläubiger entsprechend verlieren. Das wäre die fairste Vorgehensweise, tragen doch auch die Gläubiger eine Mitschuld, wenn sie unsoliden Staaten, Banken oder Unternehmen Kredit gewähren.>

    Gut so, klar zu sagen, dass die Gläubiger eine MITSCHULD tragen.

    Aber falsch ist es, anzunehmen, dass im vorliegenden Fall eine faire Vorgehensweise auch die vernünftigste wäre.

    Die VERNÜNFTIGSTE Vorgehensweise ist eine, die ENTSCHULDUNG mit einem die Gesellschaften STABILISIERENDEN Fiskalpolitik VERBINDET.

    Dies geschieht durch MONETÄRE Staatsfinanzierung.

    Die Coronakrise schiebt diese gerade massiv an und die bevorstehenden Exit-Maßnahmen werden sie mit dem Finanzierungsbedarf für die Energiewende noch dringlicher machen.

    Interessant wird sein, wieviel davon auf nationaler und wieviel auf EU-Ebene erfolgt.

    Monetäre Staatsfinanzierung wird jedenfalls konsequent vorangetrieben und – wichtig – als BGE oder Bürgergeld INSTITUITIONALISIERT werden.

    Wenn so, ist sie praktisch nicht mehr rückgängig zu machen.

    Dafür werden über kurz oder lang auch unsere „bürgerlichen“ Parteien sein.

    Im Süden ist man bereits weiter als bei uns, hierzulande muss die Bevölkerung noch mehr durch Grün/Rot bearbeitet werden. Der schnelle Fall der Schwarzen Null war ein erster Schritt in diese Richtung.
    Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten stehen bereit, das Thema aufzukochen, wenn es an der Zeit ist.

    Wie auch immer die Modalitäten sind, mittel- bis langfristig wird es zu NICHT mehr kontrollierbaren Inflationsraten kommen und damit zu Entschuldung UND zur Entreicherung der Vermögenden, vor allem derer mit Geldvermögen.

    In diesem Szenario bezahlen die Immobilieneigentümer zwar nicht DIE Rechnung, sie werden aber zur Refinanzierung der Staatsdefizite mit herangezogen.

    Sie sind eine beachtliche, weil vor allem eine für die Öffentlichkeit greifbare Verhandlungsmasse bei der Sortierung der Politinteressen, aber nicht maßgebend für den Lauf der Dinge.

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    thinkSelf sagte:

    „Schulden können nicht ewig schneller wachsen als die Wirtschaft. Um sie loszuwerden, setzen Politik und Notenbanken auf Inflation. Und wenn die nicht kommt auf Enteignung.“
    Der Satz ist schon mal falsch. Natürlich können Schulden ewig und unendlich wachsen. Denn bei 0 Zinsen haben sie keinerlei Auswirkungen auf den Cash Flow (auch 0 mal unendlich bleibt 0). Bleibt noch die Tilgung. Die kann man durch unendliches prolongieren vermeiden. Oder man setzt einfach gleich auf enorm lange Laufzeiten. Der Vorteil dabei ist, dass auf lange Sicht gesehen der Kreditwert selbst bei extrem niedriger Inflation trotzdem gegen 0 konvergiert.

    Das Ding platzt erst dann, wenn die Masse der Geldempfänger=Gläubiger nicht mehr bereit ist irgendeine Art von Gut gegen diese Kontobuchungen zu tauschen. Das ist für mich aktuell nicht in Sicht.
    Das dabei die Wirtschaft weiter zombifiziert wird, sorgt zwar für fallende Produktivität und damit fallenden Wohlstand, treibt aber auch niemand in die Opposition. Da wird dann über die Ungerechtigkeit der Welt geheult, aber das war es dann auch schon.
    Eine größere Inflation setzt erst ein, wenn der produktive Teil der globalen Wirtschaft (also die, die ohne staatliche Marktverzerrungen funktionieren) die Produktion auf Grund von „warum soll ich als einziger Idiot denn arbeiten“ substantiell heruntergefahren ist. Vielleicht kommt das nie und es erfolgt ein lang anhaltender Verfallsprozess. Hat im römischen Reich auch 300 Jahre gedauert.

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    Namor sagte:

    „Die Schuldner würden nur einen Teil der Verpflichtungen erfüllen, die Gläubiger entsprechend verlieren. Das wäre die fairste Vorgehensweise, tragen doch auch die Gläubiger eine Mitschuld, wenn sie unsoliden Staaten, Banken oder Unternehmen Kredit gewähren.“
    Wer sind diese Gläubiger nun möglichst konkret?
    Verliert hier der Michel nicht seine LV, BAV und vielleicht sogar Sparbuchgeld? Diese Gläubiger wurden nie gefragt, und wenn einer nachfragte, wie ich, bekommt er keine Antwort.
    Ich denke die Politik, und die Reaktion der Bevölkerungsmehrheit darauf, seit 2015 zeigt es klar, der Kreativität der Regierung sind kaum noch zivilgesellschaftliche Grenzen gesetzt. Wofür immeran sich entscheidet, es finden sich Argumente die die Masse von der Alternativlosigkeit überzeugen werden.

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    • Avatar
      thinkSelf sagte:

      „Wer sind diese Gläubiger nun möglichst konkret?“
      Jeder, der Schuldgeld in Empfang nimmt. Denn Schuldgeld ist immer ein Kredit. Wenn ihr Arbeitgeber ihnen Gehalt auf das Konto bucht, dann werden sie nicht bezahlt, sondern erhalten einen Schuldschein. „Bezahlt“ werden sie erst, wenn sie das Geld wiederum gegen Güter tauschen, also die Tauschtransaktion schließen.

      „Diese Gläubiger wurden nie gefragt …“
      Die Aussage ist sachlich falsch. Wer Schuldgeld „spart“ vergibt einen Kredit.
      Und wenn er das auch noch anonym (wie z.B. bei einer Lebensversicherung) oder an einen notorisch unzuverlässigen Schuldner wie einen Staat (Anleihen) tut, dann ist er das echt selbst Schuld. Schuldgeld ist eben kein „Wertspeicher“, sondern eine von anderen mir gegenüber gegebene Verpflichtung in Zukunft die von mir durch einen Kaufakt angeforderten Güter zu liefern.
      Dumm ist nur, wenn ich machttechnisch nicht in der Lage bin, das notfalls durchzusetzen. Ich stelle mir immer gerne vor, wie die Bundeswehr versucht die aufgelaufenen Handelsdefizite in Washington einzutreiben.
      „Sparen“ kann man im Schuldgeldsystem nämlich nicht. Das funktioniert nur mit realen Gütern. Wie in der Bibel schon schön beschrieben. Da hat der Pharao in den „fetten Jahren“ keine bunten Zettel gesammelt, sondern die Speicher mit sehr realem Getreide gefüllt. Denn der Nährwert der bunten Zettel hätte wohl kaum über die mageren 7 Jahre geholfen.

      Und jetzt kommen sie bitte nicht mit „aber wie soll er das denn wissen?“
      Wenn einem das selbst erarbeitete Einkommen so egal ist, dass man sich nicht mal ansatzweise mit dem Thema beschäftigt, dann hält sich mein Bedauern mit den Betroffenen doch in argen Grenzen.

      Schlimm an dem ganzen Spiel ist viel mehr, dass auch diejenigen von den Folgen betroffen sind, die sich nie an dem Spiel beteiligt haben.

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        Namor sagte:

        Bis dato konnte man mit Schuldgeld (damit meinen Sie dann wohl [so gut wie] alles Geld) gut Wert speichern.

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        Namor sagte:

        Es sind zwei verschiedene Themen,
        1) ob man mit den kleinen ahnungslosen Gläubigern Mitleid haben soll,
        2) ob man sich traut die brav zur Wahl gehende Mitte zu rasieren indem man die staatlich geförderte Altersvorsorge kassiert

  9. Avatar
    otto ruthenberg sagte:

    naja, unsere politik ist kurzfristig (max 1-3 jahre wahlperiode) und absolut dip avers. es gibt starke Interessen – alle mit besitzständen – erstmal weiter zeit zu kaufen (merkels alternativlosigkeit!), zumindest bis der angespannte status quo bricht. welches sandkorn das erdbeben (alle wieder nur for sich) dann auslöst ist letztlich egal, aber es wird vermutlich politisch sein – nationalismus angesichts von verarmung ist ein heisser kandidat, aber ein militärischer zwischenfall USA-China oder noch ne pandemie – egal, wie gesagt…
    danach fallen alle langfristigen versprechungen (bzgl geldwert, rente, gesundheit, rechtssicherheit, auslandsverpflichtungen) wie dominos um. ein krisenregime agiert nur hier und jetzt – alles andere ist nachrangig, wunschdenken. ich fürchte das zwingt alle nicht-ignoranten realisten dazu sich – engegen dem langfristigen allgemeinwohl zu verhalten und sich im kleinen kontext (familie, soziale gruppe mit unmittelbarer reziprozität) auf eine krise vorzubereiten. was dann von den vermeintlichen errungenschaften unserer zivilisation bleibt könnte recht lokal werden…

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    Horst sagte:

    „Ohne den Anstieg der weltweiten Verschuldung, wäre der Boom der Immobilien gar nicht möglich gewesen.“

    Wem nutzt also der MEGATREND Urbanisierung? Die Menschen strömen in die Städte, weltweit. Sicherlich werden lokal Überkapazitäten geschaffen, für Deutschland und dessen Ballungszentren beobachte ich dies jedoch nicht.

    D.h., der großstädtische Immobilienmarkt ist wesentlich determiniert durch ANGEBOT und NACHFRAGE (dies trifft aus meiner Sicht für keinen anderen Teilmarkt in diesem Umfang zu).

    Eine spannende Frage wird sein, wie sich nach der CORONA-CRISIS die Tendenzen der Urbanisierung im Zuge veränderten Lebens- und Arbeitsbedingungen hin zur Lokalisierung (Wiederbelebung des ländliches Raumes?) verschieben wird.

    Sollte es zu fallenden Immobilienpreisen kommen, dann letztendlich nur durch diesen Effekt.
    Staatliche Interventionen wirken nicht WERTMINDERND auf Immobilien – in diesen Zeiten.

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    • Avatar
      Jacques sagte:

      Die Nachfrage wird aber erst durch vorhandenes Einkommend und Kapital geschaffen.
      Bei sinkenden Einkommen wird es kaum steigende Preise geben können, zumal die wirtschaftliche Unsicherheit da ist…
      Ich mag zwar aktuell ein Einkommen haben, aber keine Garantie das es in 3 Monaten auch noch so ist.
      Ergo wird die Nachfrage einbrechen.

      Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Jacques

        „Ich mag zwar aktuell ein Einkommen haben, aber keine Garantie das es in 3 Monaten auch noch so ist. Ergo wird die Nachfrage einbrechen.“

        Beamte, Berufspolitiker und staatsfinanzierte Quotenprinzess*innen sämtlicher Diskriminierungs-Geschmacksrichtungen können Ihren Gedankengang an dieser Stelle leider nicht nachvollziehen…

  11. Avatar
    Richard Ott sagte:

    bto: “ bleiben die Immobilien. Und man bastelt ja gerade an der Grundsteuer herum – also …. Höhere Steuern auf deutsche Immobilien, um damit zu verhindern, dass sie in anderen Ländern höher besteuert werden. Wenn es nicht so dämlich wäre, könnte man glatt lachen. “

    Also bitte. Wir sind hier in Deutschland. Noch dämlicher geht hier immer.

    Zum Beispiel könnten wir ausländische Besitzer deutscher Immobilien von der Erhöhung der Steuern und Abgaben ausnehmen, oder PKW-Maut-mäßig für diese Gruppe gleichzeitig eine gleich hohe Entlastung auf andere Weise schaffen. Wegen „europäischer Solidarität“ (bei Besitzern aus Italien, Spanien, Frankreich und Griechenland – wäre es etwa gerecht, wenn die in Deutschland mehr Steuern zahlen müssen nur um dann in ihren Ländern zu helfen?) oder dem immer gern benutzten Klassiker „Rassismus“ (bei Immobilienbesitzern aus der Türkei, et cetera).

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