Kommentare (41) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    @ alle

    >Ja, die fachliche Diskussion verkommt leider auch hier immer mehr.>

    Das würde ich so nicht sagen – „verkommt“ trifft es m. A. n. nicht.

    Eher:

    Zu viele thematische Wiederholungen – jeden Tag ein Thema! – mit mehr oder weniger gleichbleibenden Sichtweisen und Bestätigungsritualen.

    Erschöpfung scheint es mir besser zu beschreiben.

    Dies auch aufgrund bestimmter Charakteristiken, die ich so wahrnehme:

    Es gibt eine fachliche Diskussion u. a. über Immobilien, Umverteilung, Vermögensverteilung etc.

    Sich daran zu beteiligen, ist eine Frage des Interesses und wird meiner Einschätzung nach zu oft von individuellen Präferenzen genährt.

    Es gibt darüber hinaus eine fachliche Diskussion zu übergreifenden Sachverhalten, wie z. B. der Ursache für die Zinsentwicklung.

    Hier wird immer wieder zu sehr im Belehrungsduktus auf Rechthaberposition beharrt und die differenzierende Betrachtung fällt unter den Tisch.

    Es gibt darüber hinaus fachliche Diskussionen, die über eine komplexe Funktionsvielfalt urteilen.

    Ich denke hierbei insbesondere an die Geldpolitik der EZB, die durchweg mit einseitig begründeten Verurteilungen belegt wird.

    Es gibt darüber hinaus Diskussionen über politische Ereignisse und Entwicklungen.

    Sie sind zu oft mit Bewertungen und projizierenden Perspektiven verbunden, die u. a. mit ausgewählt extremen Aussagen von Parteimitgliedern etwas beweisen wollen.

    Es gibt fachliche Diskussionen, die thematisch beginnen und sich dann mit Argumentationsmustern beschäftigen.

    Das wird zu oft als Angriff auf die Person gewertet und führt nur selten zu Einsichten, vermutlich interessiert es auch nicht viele.

    Was bleibt?

    Für mich sind es die Podcasts – nicht alle gleichermaßen, aber eine überwiegende Zahl mit beachtlichem Impact schon.

    Die durchweg als sehr kompetent ausgewiesenen Gesprächspartner werden der Thematik entsprechend auf angemessene Weise auf Ihrem Niveau gefordert.

    Das ist eine Leistung von Dr. Stelter, die es erst einmal zu würdigen gilt.

    Es gibt nicht viele, die das können und den Aufwand betreiben.

    Die Themen sind sehr oft übergeordnet und außerordentlich relevant.

    Mit solchen Podcasts kann man Orientierung gewinnen.

    Ich wüsste nicht, wer VERGLEICHBARES bietet.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      “Es gibt darüber hinaus Diskussionen über politische Ereignisse und Entwicklungen. Sie sind zu oft mit Bewertungen und projizierenden Perspektiven verbunden, die u. a. mit ausgewählt extremen Aussagen von Parteimitgliedern etwas beweisen wollen. ”

      Kauen Sie immer noch auf dem Göring-Eckardt-Videoausschnitt (“Dieses Land wird sich ändern und ich freue mich darauf!”) herum, den ich Ihnen gezeigt habe?

      Wenn das für Grünen-Maßstäbe eine “extreme Aussage” gewesen wäre, wieso wird diese Frau dann immer wieder in neue Grünen-Parteiämter gewählt? Müsste man nicht stattdessen erwarten, dass sie dafür abgestraft würde und gar keine Parteiämter mehr bekäme oder gar ein Parteiausschlussverfahren gegen sie angestrengt würde?

      Sehen Sie es ein: Göring-Eckardt ist Grünen-Mainstream. Das prominenteste Parteimitglied der Grünen, das für deren Verhältnisse “extreme” Aussagen tätigt, heißt stattdessen: Boris Palmer. Der will Deutschland auch grundlegend ändern, hat aber manchmal starke Momente, in denen er den Bezug zur Realität irgendwie wiederfindet und dann unangenehme Schlussfolgerungen zieht, die bei den Grünen regelrechte Empörungskoliken auslösen.

      @alle

      “Ja, die fachliche Diskussion verkommt leider auch hier immer mehr.”

      Das großartige an den Diskussionen hier ist, dass jeder als Kommentar schreiben kann, was er will, ohne dass es eine ideologische Vorzensur gibt.

      Früher war das im Internet noch allgemein üblich, mittlerweile ist es fast ein Alleinstellungsmerkmal.

      Das ist ein Symptom dafür, wie sehr die politische Debatte in Deutschland allgemein degeneriert ist und wie bedenklich es um die Meinungsfreiheit hier steht, aber für den Blogbetreiber Dr. Stelter und die Administatoren und die ganzen anderen Leute im Hintergrund, die wir fast nie sehen, ist es der Anlass für ein ganz ausdrückliches großes Lob von mir (und ich lobe hier sehr selten). Machen Sie weiter so!

      Antworten
    • Tom96
      Tom96 sagte:

      In den USA gibt es etliche fachliche Podcasts und freie Publizistesten, die zum Vergleichen herangezogen werden können, eine am Ende.

      Die Verbindung mit dem Mainstream und dessen Formaten ist eine Kunst von Dr. Daniel Stelter und seinem BTO-Team – Chapeau!
      Deskriptive und Schliessende Forschung und Diskussion beinhalten weite Bandbreiten, um sich darin zurecht zu finden und teilzunehmen. Exzellent, wenn Menschen jeglicher Welten und Ideen dazu den Mut sowie ihre Erfahrungen beitragen – gibt es bessere Komplimente?
      Aus und zurück in das tägliche Lebens ist unvergleichliche Herausforderung.

      https://home.solari.com/
      von
      Catherine Austin Fitts
      Ökonomie ist dort realer Gradmesser in vielfältige Wirklichkeiten

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  2. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    @ Joerg

    „Die Beobachtung steigender 10J-Zinsen ab QE-Start ist zwar richtig, aber die Schlussfolgerungen daraus (“QE fuehrt zu generell steigenden Zinsen”) ist uebertrieben?!“

    Ja, das halte ich für übertrieben und zugleich für widersprüchlich, weil ja die Intention der ZBen ist/war, mittels QE die Zinsen zu senken, um auf diese Weise das Wachstum anzuregen. Es ist aber das Wachstum, das das Zinsniveau determiniert und nicht vice versa. Und ja, hohe Wachstumsraten führen dann in der Regel auch zu höheren Inflationserwartungen, die dann wieder in den Zins eingepreist werden.

    „QE bewirkt auf die langfristigen Zinsen mittelfristig ziemlich wenig. Schadet also QE?“

    Ja, QE schadet, weil man inkl. Japan 20 Jahre verplempert hat; es sei denn, man ist Anhänger von Degrowth.

    Zugleich wurde dem Eurodollarmarkt das wichtigste Kollateral (@ R. Ott dazu gehören auch Bunds und britische Anleihen und eben nicht nur USTs) entzogen und somit exakt das Gegenteil gemacht, was ZBen in Finanzkrisen eigentlich machen sollten: Nämlich für die nötige Elastizität sorgen. Gäbe es keinen Eurodollarmarkt, dann hätten die ZBen weitgehend korrekt gehandelt. Denn zentrale Aufgabe einer ZB ist es, im Minsky-Moment mittels der Bagehot-Regel für ausreichende Elastizität zu sorgen. Weitgehend deshalb, weil sie Bagehot nur hinsichtlich der Menge, aber nicht hinsichtlich der Zinshöhe zur Anwendung brachten.

    Da der Eurodollarmarkt (aka Schattenbanken) aber keine ZB als Backstopp hat, übernehmen hier im Minsky-Moment die sichersten aller sicheren Staatsanleihen die Funktion, die die Reserven im Sonnenbankensystem erfüllen. Und diese sicheren Anleihen wurden aber durch QE kontinuierlich dem Markt entzogen. Damit konnten von diesem Markt mangels Kollateral auch keine neuen Kreditimpulse kommen. Und wer stattdessen nur auf den ungewöhnlichen Anstieg der Geldmenge M2 schaut, der blendet komplett aus, dass der Eurodollarmarkt ein Vielfaches davon an Mächtigkeit hat. Wie vel genau? Keiner weiß es.

    Wir leben in einem globalen Geldsystem in dessen Zentrum nicht die ZBen stehen, sondern unregulierte Schattenbanken. Nicht umsonst rede ich seit nunmehr sieben Jahren von der Notwendigkeit einer kopernikanischen Wende im Geldsystemverständnis. Es sind die Zentralbanken, die um die regulierten und unregulierten Geschäftsbanken kreisen und nicht umgekehrt.

    „Es wird uebersehen, dass durch die Ankuendigung (bzw dem vorherigen Durchsickern der Information, dass QE kommen wird) grosse Marktteilnehmer sich vollsaugen mit entsprechenden Staatsanleihen (Frontrunning: die Kurse steigen, die Zinsen sinken, sieht man in den verlinkten Charts sehr schoen?!) und diese dann ab Start von QE dem “dummen Marktteilnehmer”(Zentralbank) wieder zu hoeheren Preisen verkaufen (Ankaufperiode QE).“

    Hier haben Sie einen Denkfehler. Wenn die ZBen bei steigenden Zinsen kaufen, dann fallen die Kurse und sie kaufen billiger ein. Fallen anschließend die Zinsen wieder, dann steigen die Kurse und somit gibt es Kursgewinne bei den Bilanzen der ZBen. Sie hätten nur dann recht, wenn die Zinsen mittelfristig wieder dauerhaft anteigen würden. Davon ist aber weit und breit nichts zu sehen. Zudem: Eine ZB muss keine Gewinne machen und Buchverluste kann sie viel leichter aussitzen als zeitgetriebene Finanzmarktakteure.

    „QE kann weder die Wirtschaft ankurbeln (weil Nachfrage fehlt), noch hilft es bei einer vernuenftigen Assetbepreisung (Bubbles?), aber hilft es viell. die Politiker zu beruhigen? es schafft die Illusion “irgendwas muss man ja machen – wir Zentralbanken sind wichtig”, oder? Waeren wir wieder bei ihrem “Kasperle-Theater”…“

    Ja, wir sind wichtig; und wir sind vor allem ZENTRAL. Dieser mittelalterliche Glaube soll die Politiker und alle anderen beruhigen. Insofern weniger “Kasperle-Theater” als vielmehr ganz ganz großes Illusionstheater. Es handelt sich dabei aber nicht um vorsätzliche Täuschung, sondern wie die Doku von FRONTLINE zur Fed einmal mehr zeigt: Die glauben wirklich an den Unsinn, den sie predigen.

    „Ein Problem sind mE die Negativzinsen auf Einlagen bei der EZB (und schliesslich Verwahrgebuehren beim Buerger), die machen das System je laenger je labiler, das spueren immer mehr Waehler … Die scheinbar von Assetpreis-Inflation profitieren, sind wohl auch die Minderheit im Wahlvolk?“

    Dazu hatte ich bereits vor acht Jahren geschrieben, dass negative Zinsen Kokolores sind: https://blog.zeit.de/herdentrieb/2013/11/07/draghi-coup_6741?sort=asc&comments_page=2&wt_ref=https%3A%2F%2Fwww.google.com%2F&wt_time=1627566203696#comment-103728

    Und ja, es profitiert eine kleine Minderheit und die 99 % schauen in die Röhre. Und dann kommen die Schlaumeier und wollen in einer solchen aufgeblähten Situation die private Vorsorge stärken. ZUERST brauchen wir das Wachstum mit steigenden Zinsen und fallenden Assetpreisen; dann klappt es auch wieder mit der privaten Vermögensbildung bei den 99 %.

    „Die Wolken gehen nicht weg in EU, es werden mehr und dunkler?“

    Leider ja. Und nicht nur in der EU, aber dort schon seit 2007 mit tiefgreifenden sozialen Verwerfungen.

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Joerg
      Joerg sagte:

      Vielen Dank, Herr Stoecker,

      das mit dem Frontrunning habe ich vielleicht schlecht/falsch erklaert, zu diesem von Ihnen verlinkten Chart:
      http://1.bp.blogspot.com/-z5eTcv4Wbo8/UoqO2bXV4WI/AAAAAAAAPZQ/r8B5xwr-vTc/s1600/10-yr+vs+QE.jpg
      Sieht man, dass die Zinsen jeweils am oder kurz vor dem QE-Beginn Tiefpunkte/temporaere Tiefs erreichten (also die Kurse der 10j-Zinspapiere am Top waren)
      Also Q4’2008 bei QE1, Q4’2010 bei QE2, Q3’2012 bei OT und Q3’2013 bei QE3.

      D.h. die “wissenden”, grossen Adressen hatten sich im Vorfeld der QE-Massnahme mit Staatsanleihen vollgesogen, weil sie dachten, dass die Zinsen durch QE noch weiter sinken wuerden (wegen Ankaeufe der Zentralbanken). Das war jedoch ein Schuss in’s Knie (eine Fehlspekulation). Die Kurse stiegen mit QE an statt zu sinken (wie erhofft), so gab es einen laenger waehrenden Short-Squeeze. Erst mit Ende von QE1 war die Lage bereinigt.
      Bei QE2 waren es schon weniger, die den gleichen Fehler wieder begangen haben. Hier war der Short-Squeeze schon ein Quartal vor dem QE2-Ende durch.
      Bei OT/QE3 hatten die BigPlayer endlich dazugelernt, es gab kaum/keinen Short-Squeeze mehr.

      In dieser Geschichte (ob es wirklich so war?) bleibt es dabei: Die Auswirkungen von QE auf 10j Zinspapiere sind minimal. Sie haben mich ueberzeugt.
      Jedoch was passiert bei einem STOPP einer laufenden QE, auch minimale Auswirkungen?

      zB hier in der EU? Die langfr. Zinsen wuerden ploetzlich & staerker? steigen, und Luft aus den Asset-Maerkten entweichen und dadurch zu einer Rezession fuehren? Sozusagen vorauseilender Selbstmord aus Angst vor dem sich nahenden Tod?
      Der Zauberlehrling kann nicht zaubern (QE der ZBs) aber aufhoeren zu zaubern darf er trotzdem nicht, weil er sonst geteert und gefedert wird und seines Hokus-pokus ueberfuehrt ist!

      Also weiter die Illusion leben, weil “Wenn es ernst wird, muss man lügen (Jean-Claude Juncker)”?

      Oder was schlagen Sie vor?

      LG Joerg

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ Joerg

        „Jedoch was passiert bei einem STOPP einer laufenden QE, auch minimale Auswirkungen?“

        Meine Einschätzung: Kurzfristige hektische Ausschläge durch die Gemeinde der Gläubigen, dann Normalisierung auf weiter sehr niedrigem Zinsniveau.

        „Also weiter die Illusion leben, weil “Wenn es ernst wird, muss man lügen (Jean-Claude Juncker)”?“

        Wie bereits gesagt: Kein bewusstes Lügen, denn dazu müsste man zuerst verstehen, WIE das System funktioniert. Insofern eher Umherirren, weil man auf Basis falscher Theorien argumentiert/handelt.

        „Oder was schlagen Sie vor?“

        Ich bleibe bei meinem alten Vorschlag eines niedrigen zentralbankfinanzierten Bürgergeldes, da auf diese Weise kontinuierlich Reserven UND realwirtschaftliche Kaufkraft hinzugefügt werden. Damit bleibt zugleich deutlich mehr Kollateral für den Eurodollarmarkt und das Zinsniveau kann wieder in den positiven Bereich übergleiten; denn negative Nominalzinsen verstärken deflationäre Tendenzen.

        In einer idealen Welt bräuchten wir eine Umsetzung der Vorschläge von Keynes zum Bancor, um den Eurodollarmarkt sukzessive auszutrocknen. Das wird allerdings erst dann kommen, wenn es für alle Beteiligten unerträglich wird; also nicht in den kommenden 50 Jahren; und auch danach mache ich ganz große Fragezeichen.

        Insofern sollten wir uns mit dem aktuellen Regime arrangieren und als Europäer das Beste draus machen. Dazu gehören mAn dann auch Eurobonds. Meinen Vorschlag dazu (Euro Citizen Bonds) haben Sie ja vielleicht bereits gelesen.

        Und abschließend noch eine Leseempfehlung zum Wochenende: https://sites.bu.edu/perry/2018/12/17/where-is-politics-in-the-money-view-2/

        LG Michael Stöcker

  3. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    @ Richard Ott

    „Es ist viel einfacher: Sie haben mich nie davon überzeugen können, dass der Markt für Staatsanleihen der einzige Markt ist, in dem eine riesige Ausweitung der Nachfrage keine Auswirkungen auf den Preis, und damit auf den Zins, hat.“

    Selbstverständlich hat eine riesige Nachfrage Auswirkungen auf den Preis/Zins. Was Sie allerdings die ganze Zeit übersehen: Die wirklich RIESIGE Nachfrage kommt seit 2007/2008 vom Eurodollarmarkt. DIESE RIESIGE Nachfrage hat die Zinsen nach unten gedrückt; also der MARKT! Auf diesen Zug sind dann die ZBen aufgesprungen, weil sie der irrigen Auffassung sind, dass sie tatsächlich das Zinsniveau jenseits homöopathischer Beschwörungsformeln beeinflussen können. Und wenn sie dann so richtig in die Vollen gehen, dann sind es bei optimistischen Schätzungen aus den eigenen Reihen der ZBen bis zu maximal 0,5 %.

    Da stehen sie umher und staunen,
    Vertrauen nicht dem hohen Fund;
    Der eine faselt von Alraunen,
    Der andre von dem schwarzen Hund.

    Jeff Snider hat nochmals nachgelegt: https://alhambrapartners.com/2021/07/28/tapering-the-truth/

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      Das typische wohlfeile Herumgeheule der Bänkerkaste, bei dem der Eurodollarmarkt vorgeschoben wird um das schöne Arrangement vom leistungslosen Einkommen durch das Zeichnen und An-die-Zentralbank-Weiterverkaufen der Staatsanleihen so lange wie möglich am Laufen zu lassen. 3 Probleme:

      1. Wenn sich die Banken gegenseitig und auch ihren Bilanzen trauen würden, könnten sie für ihre Geschäfte eine andere Sicherheit finden und wären nicht auf Staatsanleihen angewiesen, oder?

      2. Wenn die Anleihen nur als *Sicherheit* bei der Abwicklung von anderen Geschäften benutzt werden, wieso leihen sich die Banken die dann nicht irgendwo aus? Fonds und Versicherungsanbieter sind geradezu vollgestopft mit US-Staa

      3. Was hat der Eurodollarmarkt mit der Nachfrage von zum Beispiel britischen Staatsanleihen zu tun?

      PS: Das erste Bild in dem Artikel ist ja süß. Wir extrapolieren also einfach den Wachstumstrend von den 1980ern bis zur Finanzkrise und solange wir unter dieser Trendlinie sind haben wir ein Output-Gap und es kann keine Inflation geben?

      Das erinnert mich an dieses süße Hundewelpen-Meme hier:

      https://en.dopl3r.com/memes/dank/dog-puppy-rigby-die-birth-8-weeks-present-20-weeks-projected-growth-based-on-trend-jessie-robinson/1100173

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ Richard Ott

        „Das typische wohlfeile Herumgeheule der Bänkerkaste, bei dem der Eurodollarmarkt vorgeschoben wird um das schöne Arrangement vom leistungslosen Einkommen durch das Zeichnen und An-die-Zentralbank-Weiterverkaufen der Staatsanleihen so lange wie möglich am Laufen zu lassen.“

        Es gibt genügend an der „Bänkerkaste“ zu kritisieren; aber hier liegen Sie falsch. Es gibt aktuell nicht zu viele Anleihen, sondern zu WENIGE!

        „1. Wenn sich die Banken gegenseitig und auch ihren Bilanzen trauen würden, könnten sie für ihre Geschäfte eine andere Sicherheit finden und wären nicht auf Staatsanleihen angewiesen, oder?“

        Korrekt! So war es ja bis 2007. Dann kam der Minsky-Moment und der Run auf sichere Staatsanleihen ging los. Was dem einen sein bank run ist dem anderen sein collateral run.

        „2. Wenn die Anleihen nur als *Sicherheit* bei der Abwicklung von anderen Geschäften benutzt werden, wieso leihen sich die Banken die dann nicht irgendwo aus? Fonds und Versicherungsanbieter sind geradezu vollgestopft mit US-Staa“

        Das wird bereits gemacht; und zwar ähnlich den Vorstellungen zum fraktionellen Reservesystem. Dort nennt sich das ganz dann nicht Geldschöpfungsmultiplikator – der allerdings eine Chimäre ist – , sondern in Analogie collateral multiplier.

        „3. Was hat der Eurodollarmarkt mit der Nachfrage von zum Beispiel britischen Staatsanleihen zu tun?“

        Sehr viel, weil auch die britischen Anleihen zu den sichersten aller Anleihen zählen; ebenso wie Bunds etc.

        „PS: Das erste Bild in dem Artikel ist ja süß. Wir extrapolieren also einfach den Wachstumstrend von den 1980ern bis zur Finanzkrise und solange wir unter dieser Trendlinie sind haben wir ein Output-Gap und es kann keine Inflation geben?“

        Und wie soll Ihrer Ansicht nach dann die Inflation in die Gänge kommen?

  4. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Ich habe nichts Neues in diesem Podcast erfahren.

    Warum ist in den entwickelten Volkswirtschaften ab den 80er Jahren, wie Dr. Stelter feststellt, die Verschuldung STÄRKER gewachsen als das Wirtschaftswachstum?

    Die Ursache ist, dass das durch Verschuldung generierte Geld NICHT mehr hinreichend PRODUKTIV eingesetzt wurde von den Unternehmen.

    Warum wurde es nicht mehr so eingesetzt?

    Weil die Bedingung dafür, hinreichende Nachfrage nicht gegeben war.

    Daher:

    Ein vergleichsweise großer Teil unternehmerischer Verschuldung dient dem ERHALT von Unternehmen durch den Kauf anderer Unternehmen (Kostensenkung oder Steigerung der Marktstellung) oder der Schuldentilgung durch Aufnahme neuer Kredite → Zombifizierung.

    GLEICHLAUFEND die Erhöhung der Staatsverschuldung.

    Was ist deren Effekt?

    Es ist nur zu einem verschwindend geringem Umfang die KOMPENSATION des Ausfalls privater Nachfrage mit dem Effekt erhöhter produktiver Wertschöpfung durch den privaten Sektor, sondern vielmehr durch den Sozialstaat die ALIMENTIERUNG von Menschen, die durch das aus mehreren Gründen zu geringe Wachstum aus dem als gesellschaftlich akzeptabel geltenden Wohlstandsniveau gefallen sind bzw. zu fallen drohen bzw. der Transfer zu denen, die das an der Wahlurne durchsetzen konnten.

    Das ist im gesellschaftlichen Konsens geschehen.

    Am Schluss die Frage, was der Staat tun müsste.

    Nach D. Ehnts sollten sich die Staaten anders positionieren bei der Verwendung des durch Verschuldung generierten Geldes. Er glaubt, so mein Eindruck, dass dies auch erfolgen würde, wenn sich die Staaten noch MEHR verschulden könnten, was nach MMT möglich ist.

    Dr. Stelter ist da deutlich skeptischer, dass dies gelingt; wenn so, dann wohl nur mit anderem Personal an der Spitze des Staats.

    Ich meine, dass beide falsch liegen.

    Wenn Gesellschaften, wie die mit den entwickelten Volkswirtschaften der westlichen Welt, sozusagen auf der SCHIEFEN EBENE sind und sich durch Wahlen Kompensierung für individuelle VERLUSTE, aber NICHT für mehr WACHSTUM entscheiden, dann wird es tendenziell nicht mehr Wachstum geben.

    Diese Überzeugung gilt auch angesichts der betriebenen Energiewende, mit der AUCH wirtschaftliches Wachstum durch den Staat bzw. die Gesellschaft generiert werden soll, aber – m. a. N. dem Projekt nach UNVERMEIDBAR – MEHR Verlustkompensation geleistet als Wachstums geschaffen werden wird.

    Ganz sicher bin ich jedenfalls, dass die Energiewende nicht so viel Wachstum generieren wird, dass wir aus den Schulden herauswachsen.

    Wird das nachhaltig versucht, dann scheitern wir an der INFLATION.

    Es gibt NIEMANDEN, der die schiefe Eben gerade biegen könnte.

    Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Danke, ich bin immer für Denkanstöße empfänglich.

        Zu „Wagnerisches Gesetz“:

        Ich will nicht in Tiefen steigen, die hier niemanden interessieren, etwa ob mit „Gesetz“ so zu verstehen ist bzw. verstanden werden muss, dass darunter nicht nur REGELHAFTE, sondern NOTWENDIGE Ereignisse zu verstehen sind.

        Auch wenn man das weichere „regelhaft“ ansetzt, bleiben offene Fragen.

        Es mag ja richtig sein, was bei wiki zu lesen ist:

        >Nach dem Wagnerschen Gesetz besteht zwischen Wirtschaftswachstum und Staatsausgaben ein Zusammenhang in der Form, dass langfristig und im Durchschnitt bei steigendem Pro-Kopf-Einkommen die Staatsausgaben überproportional zunehmen.>

        Das ist erst einmal nur eine KORRELATION.

        >Als Ursache sah er die Staatsgewalt mit ihrer inneren und äußeren Sicherheit (Justiz, Militär, Polizei, Verwaltung oder auswärtiger Dienst) und die Kulturhoheit und Wohlfahrtsfunktion (Schulen, Gesundheitsvorsorge, Sozialhilfe), was im Übergang vom Ordnungsstaat zum Wohlfahrtsstaat zu erkennen sei.>

        Ich frage mich, wie die Tatsache, dass Deutschland seit 75 Jahren in keinen Krieg involviert war und es daher KEINE mit Staatsausgaben zu finanzierende Kriegswirtschaft gab, diesem angeblichen Gesetz entspricht.

        Offensichtlich muss es Ursachen gegeben haben, die dieses DEFIZIT der Staatsausgaben KOMPENSIERT haben.

        WELCHE Ursachen sind dies?

        Die Gesetzesgläubigen sollten das einmal erklären.

        Ich rieche jedenfalls, um was beim Wagnerischen Gesetz geht:

        Wenn die Korrelation stimmt, dann ist sie unwiderlegbar mit der Konsequenz:

        Der Staat KANN sich beliebig verschulden, denn seine Verschuldung ist ja GESETZMÄSSIG.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        Dieses “Wagnerische Gesetz” scheint mir genau solchen “Gesetzescharakter” zu haben wie das “Mooresche Gesetz”, dem zufolge sich die Rechenleistung von Mikrochips so ungefähr alle 18 Monate verdoppelt.

        Eine interessante Beobachtung, die auch eine gewisse Zeit lang so funktioniert, aber nicht unbegrenzt lange, beim Mooreschen Gesetz schon aus rein physikalischen Gründen.

        Der große Genosse Stalin hat ja gerne Ingenieure hinrichten lassen, wenn die den Plan nicht erfüllt hatten, was aus seiner Sicht ja nur mit der Absicht erfolgt sein konnte, den Aufbau des Sozialismus der Sowjetunion zu sabotieren…

        Was machen die modernen Sozialisten, wenn das “Wagnerische Gesetz” gebrochen wird?

        PS: Der Anstieg der Staatsquote im 20. Jahrhundert fällt in den OECD-Ländern übrigens sehr schön mit der Einführung des Frauenwahlrechts zusammen – ob das wohl reiner Zufall ist? ;)

    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      “Warum ist in den entwickelten Volkswirtschaften ab den 80er Jahren, wie Dr. Stelter feststellt, die Verschuldung STÄRKER gewachsen als das Wirtschaftswachstum? Die Ursache ist, dass das durch Verschuldung generierte Geld NICHT mehr hinreichend PRODUKTIV eingesetzt wurde von den Unternehmen. Warum wurde es nicht mehr so eingesetzt?

      Weil die Bedingung dafür, hinreichende Nachfrage nicht gegeben war.”

      Seit den 1980er Jahren hat sich die Weltbevölkerung um ungefähr 3,5 Milliarden Menschen erhöht. Glauben Sie ernsthaft, dass da fehlende Nachfrage das Problem ist?

      Die Unternehmen haben seit den 1980ern auch eine Menge investiert – aber nicht mehr in den Industrieländern, sondern in China und den anderen Schwellenländern. ;)

      Und dank “Energiewende” wird sich das auch in Zukunft nicht ändern, in Deutschland investieren dann nur noch Barbiere, Shisha-Bar-Betreiber und ähnliche Dienstleistungsanbieter, die man schlecht durch Importe ersetzen kann…

      Antworten
      • Tom96
        Tom96 sagte:

        @ Richard Ott
        Maybee it is the right thing that these systemblindfolded yes-sayers disappear in full range?
        Wer braucht so angepasste, die die Ödnis vor lauter Windrädern und Geld = Schulden Unvermögen niemals wahrnehmen…

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Seit den 1980er Jahren hat sich die Weltbevölkerung um ungefähr 3,5 Milliarden Menschen erhöht. Glauben Sie ernsthaft, dass da fehlende Nachfrage das Problem ist?>

        Selbstverständlich glaube ich das ernsthaft.

        Denn es lässt sich sehr gut BEGRÜNDEN.

        Wir reden nicht über die Welt, sondern über die entwickelten Volkswirtschaften, die das Welt-BIP immer noch DOMINIEREN.

        In diesen Volkswirtschaften werden zu wenige Kinder geboren, es fehlt schon von daher an Nachfrage.

        Die Globalisierung hat zwar China über mehrere Jahrzehnte ein bis heute anhaltendes HOHES Wachstum ermöglicht – daher, ganz richtig, wird DORT investiert. Es hat aber auch Arbeit in den entwickelten Volkswirtschaften durch den Kostenwettbewerb so unter Druck gesetzt, dass keine großen Beschäftigungszuwächse und höhere Arbeitseinkommen möglich waren.

        Fazit:

        Sie picken sich ein Phänomen heraus und argumentieren damit am Thema VORBEI.

      • Tom96
        Tom96 sagte:

        Zur Mär von Wohlstandsverlusten in alternden und stagnierenden Gesellschaften hat Karl-Otto Hondrich in seinem letzten Werk die richtigen und adäquaten Lösungen erarbeitet. Hatte ich auch hier vorgestellt, allerdings brauchts es dafür eine moderne aktive Persönlichkeit und Auffassungsgabe sowie Geist und Körper praktisch anzupacken, das Gegenteil des aktuellen fast schon als dement zu bezeichnenden Nehmersklaventums.
        https://www.freitag.de/autoren/richardhoerner/karl-otto-hondrich
        Ein Lob dem Geburtenrückgang
        https://www.perlentaucher. de/buch/karl-otto-hondrich/weniger-sind-mehr.html
        und der Karl-Otto hatte mit Gates&Co. nichts am Hut.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Wir reden nicht über die Welt, sondern über die entwickelten Volkswirtschaften, die das Welt-BIP immer noch DOMINIEREN. In diesen Volkswirtschaften werden zu wenige Kinder geboren, es fehlt schon von daher an Nachfrage.”

        Haben Sie schon einmal von einem Konzept namens “Export” gehört?

        “Es hat aber auch Arbeit in den entwickelten Volkswirtschaften durch den Kostenwettbewerb so unter Druck gesetzt, dass keine großen Beschäftigungszuwächse und höhere Arbeitseinkommen möglich waren.”

        In den 1980er Jahren war Kalter Krieg, aber in den 1990er Jahren war Kräfteverhältnis in der internationalen Wirtschaftsordnung noch so, dass die entwickelten Volkswirtschaften bestimmen konnten, welche Import- und Export und internationalen Investitionsbedingungen auf der Welt gelten sollten.

        China wurde erst 2001 überhaupt Mitglied in der Welthandelsorganisation.

        “Sie picken sich ein Phänomen heraus und argumentieren damit am Thema VORBEI.”

        Ach, heute mal kein “Geschwätz” sondern angebliche Themaverfehlung meinerseits? Ihre Abkanzel-Methoden sind ja erstaunlich vielfältig, wenn Sie die Diskussion über ein Thema verweigern wollen.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Sie verfehlen das Thema nicht, argumentieren aber zu SELEKTIV und teilweise IRRELEVANT.

        Wann z. B. China Mitglied der Welthandelsorganisation wurde, ist für das Nachfrageproblem letztlich nicht entscheidend.

        Ergänzungen meinerseits:

        Wir hatten am Blog bereits diskutiert, dass ab dem Fall des Eisernen Vorhangs ca. 600 bis 800 Niedrigstlöhner dem System Kapitalismus beitraten.

        Das war ein Schock für die entwickelten Volkswirtschaften, der u. a. dazu geführt hat, dass – dem Kostenwettbewerb geschuldet – die Teileproduktion und sogar die gesamte Produktion ausgelagert wurden. Haushaltsgeräte von Bosch oder Siemens werden nicht mehr in Deutschland hergestellt. Das hat Arbeitsplätze und Arbeitseinkommen gekostet und damit auch Nachfrage. Dies ist unstrittig.

        Unstrittig ist auch die Warensättigung. Die Haushalte sind überwiegend vollständig ausgestattet. Selbst für Alleinstehende in prekärer Situation, die Kinder erziehen, gilt dies. Auch das führt zu weniger Nachfrage.

        Es fehlt an gewichtigen Innovationen, die Nachfrage durch einen vorteilhaften Produkttausch erzeugen können. Marginale Verbesserungen generieren nicht den großen Nachfrageschub. Deshalb muss er erzwungen werden – siehe E-Automobile. Klar, alle sechs Monate eine neues Handy. Das kommt aber aus China.

        Bis in die unteren Mittelschichten hinein wird durch den Reiseweltmeister Deutschland und nicht weit dahinter in Bevölkerungen aus anderen entwickelten Volkswirtschaften zwar Nachfrage geschaffen, aber als Tourismus vorwiegend im Ausland.

        Wenn man alle Aspekte als Mosaiksteine zusammensetzt, ergibt sich ein EINDEUTIGES Bild:

        Es fehlt an Nachfrage in den entwickelten Volkswirtschaften.

        Der Indikator dafür ist ein relativ schwaches Wachstum.

        Bei uns wird es durch den Export überspielt.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Tom96

        >Zur Mär von Wohlstandsverlusten in alternden und stagnierenden Gesellschaften hat Karl-Otto Hondrich in seinem letzten Werk die richtigen und adäquaten Lösungen erarbeitet>

        WARUM müssen Lösungen erarbeitet werden für Wohlstandsverluste, wenn diese eine Mär sind?

        Mit einem Satz beginnen, der von Wirrnis zeugt und dazu zwei Links.

        Was soll das für eine Diskussion ergeben?!

      • Tom96
        Tom96 sagte:

        @ Herr Tischer
        Wenn etwas verträglich behandelt wird und aufgezeigt wird, wie es machbar ist, darüber zu dozieren als erfinden nur Worte alles neu, zeigt die Wirklichkeitsferne.
        Im folgenden hat @ Namor es im gestrigen Beitrag gut formuliert …
        Stecken Sie Ihre Ressentiments auch mal zur Seite – es geht nicht immer darum das Leben zu erfinden, das brauchen die (fehl) geleiteten Kinder, Jugendlichen, Schüler… nicht lebenserfahrene Persönlichkeiten.
        Moderne hat immer etwas mit Suchen und Lösen am Hut.

        Individualismus versus Kollektivismus, diese Frage haben wir längst entschieden und stehen auch dazu, weil Toleranz eine Tugend bleibt.

  5. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    Stelter & Ehnts sind sich bei der Kritik am herrschenden Geldsystemverständnis weitgehend einig. Ich bezweifle allerdings, dass Ehnts – so sehr ich bei sehr vielen Aspekten seine Einschätzungen teile – wirklich in Gänze versteht, wie das aktuelle Geldsystem funktioniert, weil er die fundamentale Hybridität (vollständig?) ausblendet. Geld ist eben nicht nur staatlicher Natur (Chartalismus), sondern im Wesentlichen privater Natur und hat sich seit den 60er Jahren zunehmend der staatlichen Kontrolle entzogen. Zu den Hintergründen und Anfängen siehe: https://www.sfu.ca/~poitras/EEH_Eurodollar_98.pdf

    Antworten
    • Michael Stöcker
      Michael Stöcker sagte:

      Fundamentales Unverständnis herrscht aber nicht nur bei Ott & Co., sondern bis in die obersten Etagen der Zentralbanken. Woran kann man dies erkennen? An den verzweifelten Versuchen mittels QE die Wirtschaft zu stimulieren; denn anders als vermutet/erhofft, sind die Zinsen während QE nicht gesunken, sondern GESTIEGEN.

      Zugleich wurde dem Eurodollarmarkt das wichtigste Kollateral entzogen, da der Saldenausgleich dort mangels Zentralbankzugang nicht via Reserven erfolgen kann, sondern via Anleihen. Und weil seit 2007 nur noch die sichersten Anleihen gefragt sind, müssen nach endlosen und weitgehend sinnlosen QE-Aktionen diese Anleihen wieder via RRPs (Reverse Repurchase Agreement Operations) in den Markt gegeben werden: https://fred.stlouisfed.org/graph/?g=FIfm

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        Manchmal glaube ich, sie leben in Ihrer eigenen Realität:

        “denn anders als vermutet/erhofft, sind die Zinsen während QE nicht gesunken, sondern GESTIEGEN.”

        Belege bitte.

        Ich bin sehr gespannt auf die kunstvoll zugeschnittenen Charts, die Sie jetzt präsentieren müssen, der langfristige Trend ist jedenfalls überall eindeutig:

        https://www.marketwatch.com/investing/Bond/TMBMKGB-10Y?countryCode=BX
        (Hier als Beispiel britische Staatsanleihen mit 10 Jahren Laufzeit, wenn man im Chart “All” auswählt sieht man den Verlauf seit 2006.)

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        “Sie sind doch sonst nicht so MSM gläubig; warum also ausgerechnet bei QE?”

        Da haben Sie recht, ich halte die Mainstream-Medien mittlerweile für fast reinen Propaganda-Müll, durch den man sich sehr zeitaufwändig wühlen muss, um die sehr gut versteckten interessanten Berichte und Informationen zu finden.

        (Die werden übrigens oft am Nachmittag des letzten Arbeitstages vor einem langen Feiertagswochenendes veröffentlicht – sie glauben gar nicht, was ich schon für interessante Berichte und Statistiken ich mit Veröffentlichungsdatum 23. Dezember gefunden habe…)

        Die Diskussion darüber, wo die niedrigen Zinsen herkommen und welchen Einfluss die Zentralbankpolitik hat, kommt aber in unseren Mainstream-Medien fast gar nicht vor. Selbst beim mittlerweile sehr populären Thema “Immobilienpreise” wird diese Verbindung häufig nicht gezogen, und wenn jemand im Fernsehen “quantitative Lockerung” sagt oder Berechnungen aufmacht in dem deutsche “Billionen” vorkommen, dann schalten 98% des Publikums sowieso geistig ab.

        “Passt halt so schön ins persönliche Glaubensbekenntnis. Ist aber nun wirklich nicht bto.”

        Es ist viel einfacher: Sie haben mich nie davon überzeugen können, dass der Markt für Staatsanleihen der einzige Markt ist, in dem eine riesige Ausweitung der Nachfrage keine Auswirkungen auf den Preis, und damit auf den Zins, hat.

        Sie haben Glück, dass die meisten Leute im Mainstream das auch schon nicht kapieren, weil man ihnen den Zusammenhang zwischen dem Preis einer Anleihe und dem Zins einer Anleihe auch erst mühsam erklären muss.

      • jobi
        jobi sagte:

        @Herrn Ott

        “Manchmal glaube ich, sie leben in Ihrer eigenen Realität”

        Allerdings wird nie richtig klar, wie diese eigentlich genau aussieht.

        Beispiel: Reverse QE, also das “Zurückgeben von Anleihen in den Markt” hat so gar nichts mit der aktuellen Reverse Repo Operation zu tun.

        Genauso wenig, wie sich das Ende des globalen Geldsystems mit einer unbegrenzten US-Staatsverschuldung verhindern ließe.

      • Joerg
        Joerg sagte:

        Vielen Dank, Herr Stoecker, fuer die zwei Links

        es leuchtet ein, dass die Aussicht auf geringes Wirtschaftswachstum auch dazu fuehrt, dass die langfristigeren (10J) Zinsen niedrig bleiben.
        Allerdings ist das nur ein Faktor (Inflationserwartung, Angebot/Nachfrage sind andere)? Oder wie wuerden Sie den Faktor quantifizieren?

        Die Beobachtung steigender 10J-Zinsen ab QE-Start ist zwar richtig, aber die Schlussfolgerungen daraus (“QE fuehrt zu generell steigenden Zinsen”) ist uebertrieben?!

        Es wird uebersehen, dass durch die Ankuendigung (bzw dem vorherigen Durchsickern der Information, dass QE kommen wird) grosse Marktteilnehmer sich vollsaugen mit entsprechenden Staatsanleihen (Frontrunning: die Kurse steigen, die Zinsen sinken, sieht man in den verlinkten Charts sehr schoen?!) und diese dann ab Start von QE dem “dummen Marktteilnehmer”(Zentralbank) wieder zu hoeheren Preisen verkaufen (Ankaufperiode QE). Irgendwann ist die gezielte Ueberbevorratung der Staatsanleihen abverkauft und die Kurse sinken, die Zinsen steigen wieder da hin, wo sie ~3 Mo vor QE-Beginn waren.
        Bei der Chartinterpretation sollten also die “schlauen” Marktteilnehmer einbezogen werden?
        Wie auch immer, ist offensichtlich: QE bewirkt auf die langfristigen Zinsen mittelfristig ziemlich wenig. Schadet also QE?
        QE kann weder die Wirtschaft ankurbeln (weil Nachfrage fehlt), noch hilft es bei einer vernuenftigen Assetbepreisung (Bubbles?), aber hilft es viell. die Politiker zu beruhigen? es schafft die Illusion “irgendwas muss man ja machen – wir Zentralbanken sind wichtig”, oder? Waeren wir wieder bei ihrem “Kasperle-Theater”…

        Ein Problem sind mE die Negativzinsen auf Einlagen bei der EZB (und schliesslich Verwahrgebuehren beim Buerger), die machen das System je laenger je labiler, das spueren immer mehr Waehler … Die scheinbar von Assetpreis-Inflation profitieren, sind wohl auch die Minderheit im Wahlvolk?

        Die Wolken gehen nicht weg in EU, es werden mehr und dunkler?

        LG Joerg

  6. Bauer
    Bauer sagte:

    @ M. Stöcker + R. Ott

    Der zitierte Text von Weizsäcker stammt aus dem Jahr 2010. Wer dachte da an nachhaltige Negativzinsen?

    Antworten
  7. Michael Stöcker
    Michael Stöcker sagte:

    Auch Braunberger hat sich mal wieder diesem Thema gewidmet; allerdings mit einer sehr unausgewogenen Headline: „Zerstörerischer Staatskredit“. Das ist es, was hängen bleiben soll. Und nur wenige werden sich den viel bedeutsameren Essay von von Weizsäcker nochmals/erstmals zu Gemüte führen, den Braunberger dann doch noch ganz am Ende erwähnt. So schrieb von Weizsäcker bereits 2010:

    „Staatsschulden haben ein Janusgesicht. Einerseits stehen sie potentiell in der Konkurrenz zu privaten Schuldnern, die Kredite nachfragen, um Realkapital zu bilden (potentielles Crowding-out). Andererseits entspricht ihnen in genau gleicher Höhe privates Vermögen, das zu dem Realvermögen der Weltwirtschaft hinzutritt, wodurch Vorsorge erreicht werden kann, die über die Kapitalaufnahmefähigkeit des produzierenden Sektors hinausgeht. Welches der beiden Gesichter das für die Wirtschaftspolitik ausschlaggebende ist, kann am Realzinsniveau abgelesen werden. Ist es hoch, stehen staatliche und private Kreditnachfrage zueinander in Konkurrenz: Geringere Staatsverschuldung senkt die Zinsen und schafft mehr Raum für Realkapitalbildung. Ist bei Preisstabilität das Realzinsniveau und damit das Nominalzinsniveau niedrig, so kann es durch Verminderung der Staatsschulden gar nicht weiter sinken; denn die Nominalzinsen können nicht negativ werden. Die Verminderung der Staatsschulden hat in dieser Situation keinen stimulierenden Effekt auf die Investitionen. Eher im Gegenteil: Weil mit dieser Verminderung auch die Gesamtnachfrage sinkt, werden die Investitionen eher zurückgehen.“ https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/essay-das-janusgesicht-der-staatsschulden-1999357.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    LG Michael Stöcker

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Stöcker

      “Welches der beiden Gesichter das für die Wirtschaftspolitik ausschlaggebende ist, kann am Realzinsniveau abgelesen werden.”

      Ach, gilt das auch dann, wenn die Zentralbanken durch QE in Billionenhöhe das Zinsniveau manipulieren?

      Antworten
    • Elias
      Elias sagte:

      @ Herr Stöcker,

      vielen Dank für Ihren Beitrag – gerade weil sich dieser von Mainstream unterscheidet.

      Leider klopft man sich mittlerweile auch in diesem Blog mit der Meinung zu QE gegenseitig auf die Schulter, sodass eine fachliche Diskussion verkommt. Unbeirrbare Meinungen finden sich allerdings zuletzt eher in den Links-Grünen-Parteibüchern.

      Beste Grüße

      Antworten
      • Michael Stöcker
        Michael Stöcker sagte:

        @ Elias

        Ja, die fachliche Diskussion verkommt leider auch hier immer mehr. Ein Grund, weshalb ich mich in letzter Zeit zurückgezogen habe und nur noch sporadisch ein paar Denkanstöße einwerfe. Falls Sie meine Sicht auf die Staatsverschuldung noch nicht gelesen haben sollten: Ich hatte dazu Ende letzten Jahres eine vierteilige Serie geschrieben: https://www.hayek-verein-dresden.de/aktuell-einzelanzeige/michael-stoecker-serie-4-%C3%BCber-den-sinn-und-zweck-von-staatsschulden.html

        LG Michael Stöcker

      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Elias:

        Sie und Herr Stöcker haben recht. Der Blog hier läuft sich argumentativ tot, weil die immer gleichen Argumente im Wesentlichen von den immer gleichen Leuten wieder vorgetragen werden, so dass man am Namen des Verfassers den Inhalt schon prognostizieren kann.

        Ich denke, das wird sich erst wieder ändern, wenn das nächste “Schuldenereignis” wie Lehmann, Griechenland oder “whatever it takes” kommt, vielleicht sogar der “margin call” selbst. Dann werden wir live und in Farbe miterleben, welche Meinung in welchem Anteil recht hatte.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        “Der Blog hier läuft sich argumentativ tot, weil die immer gleichen Argumente im Wesentlichen von den immer gleichen Leuten wieder vorgetragen werden, so dass man am Namen des Verfassers den Inhalt schon prognostizieren kann.”

        Wir könnten ja mal ein wenig Abwechslung reinbringen und die Rollenverteilungen auslosen, so wie das bei Debattierwettbewerben üblich ist, wo Sie dann auf der Kontra-Seite landen können und sich Argumente überlegen müssen obwohl Sie persönlich eigentlich “Pro” sind. Ich bin mir sicher, ich würde einen mindestens passablen Herrn Stöcker abgeben. Interessant wäre, ob ihm meine Interpretation von ihm ehrlich gefällt oder ob er das dann als Karikatur seiner Auffassungen versteht.

        “Ich denke, das wird sich erst wieder ändern, wenn das nächste “Schuldenereignis” wie Lehmann, Griechenland oder “whatever it takes” kommt, vielleicht sogar der “margin call” selbst.”

        Ich hoffe ja, dass es vor der Bundestagswahl noch ein bisschen interessant wird. Momentan ist ja kaum vorstellbar, dass in nicht einmal 2 Monaten der Wahltermin ist, das Land wirkt geistig so sediert als ob Merkel tatsächlich nochmal antreten würde.

      • weico
        weico sagte:

        “Sie und Herr Stöcker haben recht. Der Blog hier läuft sich argumentativ tot, weil die immer gleichen Argumente im Wesentlichen von den immer gleichen Leuten wieder vorgetragen werden, so dass man am Namen des Verfassers den Inhalt schon prognostizieren kann.”

        Eine nachvollziehbare Entwicklung JEDES Blog’s.

        Die Wendung von den eher theoretisch-ökonomischen Themen wie …Geldentstehung,QE,”Inflation” usw.. zu einer mehr politischen Richtung ,ist meiner Meinung nach, POSITIV.

        Für die grosse Mehrheit der Leute sind ja die politischen Entscheidungen/Entwicklung ,am Enden, viel spürbarer und lebensnaher.. wie die theoretisch-ökonomischen Themen.

        Die schon mehrfach gehörten/gelesenen Stelter’schen Forderung von einem “SYSTEMWECHSEL”, geht ja Schlussendlich NUR über die “politische Schiene” …bzw. WAHLEN/WÄHLER !

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