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	Kommentare zu: Polen als Zugpferd der EU	</title>
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	<description>Daniel Stelter ist die unabhängige Stimme zur Finanzkrise</description>
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		<title>
		Von: Tom96		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355386</link>

		<dc:creator><![CDATA[Tom96]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Dec 2023 14:01:57 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355197&quot;&gt;Alexander&lt;/a&gt;.

@ Menschentotmacher

Giorgio Agamben:Homo Sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben 
VS Verlag; Springer-Verlag; V S - Verlag fur Sozialwissenschaften; Springer Science and Business Media LLC; Nomos Verlag (ISSN 0032-3470), Politische Vierteljahresschrift, #1, 44, pages 104-106, 2003 mar
Regina Kreide :

&quot;Es ist ein häufig beschriebenes Paradox, dass
dem Staat als Inhaber des Gewaltmonopols zu-
gleich die Aufgabe obliegt, die eigene Gewalt-
ausübung zu kontrollieren. Viele politische
Philosophen erachten staatliche Herrschaft da-
her nur dann als legitim, wenn sie mit Zustim-
mung der Bürger zustande kommt und vertrag-
lich Kontrollbefugnisse eingeräumt werden –
für den italienischen Philosophen Giorgio
Agamben eine geradezu niedliche Herrschafts-
auffassung.
Agamben unternimmt in seinem vor kur-
zem erschienenen Buch „Homo sacer. Die sou-
veräne Macht und das nackte Leben“ nicht we-
niger als den Versuch, die Geschichte der Poli-
tik des Abendlandes neu zu deuten. Nicht
Staat und Vertrag sind seiner Meinung nach
das Paradigma der Moderne, sondern das Lager
und die physische Gewalt; nicht der Bour-
geoise oder der Citoyen sind die gesellschaftli-
chen Hauptfiguren, sondern die menschlichen
Körper, nackt im metaphorischen Sinne, ohne
Rechte, degradiert zum Objekt politischer Ent-
scheidungen
 Und Politik schließlich ist für
Agamben nicht allein Meinungsbildungs- und
Rechtsetzungsprozess, sondern in erster Linie
Biopolitik. Darunter versteht er jede Form der
Machtausübung, die den Körper als bloßen
Gegenstand juridisch-institutioneller Verwal-
tung und medizintechnischer Untersuchung
betrachtet und auf der Schwelle zwischen Le-
ben und Tod umstandslos ins Jenseits beför-
dern kann. Deutlicher als Michel Foucault in-
teressiert sich Agamben aber nicht nur für die
Mikrophysik der Macht, die in den kapillar
operierenden Disziplinierungsmaßnahmen von
Strafanstalten, Krankenhäusern und auf dem
Gebiet der Sexualität ihre Wirkung entfaltet.
Er erweitert von vornherein den Begriff der
Biopolitik auf die Legitimitätsbedingungen po-
litischer Herrschaft. Die Entscheidungsmecha-
nismen im Grenzbereich von Leben und Tod,
die die meisten politisch-philosophischen
Theorien nur als Randerscheinungen rezipie-
ren, werden von Agamben zur eigentlichen
Grundlage der Herrschaftsbegründung vergrö-
ßert.
Hinweise darauf, dass diese Perspektive die
einzig richtige ist, findet er bereits in der Anti-
ke. Aristoteles unterscheidet zwischen zôé, der
einfachen Tatsache des Lebens und bíos, dem
guten Leben, das sich vor allem in der Sphäre
der polis entfalten kann. Das einfache oder
nackte Leben ist vom politisch kultivierten Le-
ben ausgeschlossen – allerdings, und das ist ein
entscheidender Aspekt, nur vordergründig.
Denn das nackte Dasein ist auch bei Bürgern,
die nach einem guten Leben streben, immer
anwesend, angesiedelt in einem merkwürdigen
Zwischenbereich: Es bleibt in dem unablässli-
chen Versuch präsent, ausgeschlossen zu wer-
den. Diese stets wiederkehrende Argumenta-
tionsfigur der Ausschließung des nackten Le-
bens aus dem Politischen bei seiner gleichzeiti-
gen Einschließung ziehe sich, so Agamben, als
roter, um nicht zu sagen blutiger Faden durch
die Geschichte der Rechts- und Staatstheorie.
Agamben wird zunächst fündig im Traktat
„Über die Bedeutung der Wörter“ von Sextus
Pompeius Festus, in dem ein eher randständi-
ger Aspekt des archaischen römischen Rechts
beschrieben wird (81ff.). Plebejische Tribune,
so heißt es da, dürfen sich an Verbrechen rä-
chen, die gegenüber ihren Vertretern begangen
wurden, indem sie den Beschuldigten den Sta-
tus homo sacer angedeihen lassen. Auf diese
Weise wird er für heilig erklärt. Entgegen land-
läufiger Vorstellung bedeutet diese Zuschrei-
bung, den Betroffenen für unrein zu erklären
und für nicht würdig, auch nur geopfert zu
werden. Gleichwohl kann er getötet werden,
und zwar ohne, dass die Mörder für ihre Tat
bestraft werden. Er unterliegt daher weder dem
Schutz des göttlichen noch dem des menschli-
chen Rechts. Der homo sacer wird so auf zwei-
fache Weise ausgeschlossen und zugleich einge-
schlossen: Den Gottheiten wird er als nicht-
opferbares Objekt überlassen, der Gemein-
schaft steht er als Vogelfreier zur Verfügung.
Ein weiteres juridisch-politisches Schema
des Ausgeschlossen-Eingeschlossenseins macht
Agamben im mittelalterlichen Bann aus. Er be-
ruft sich auf Rudolf von Ihering, der Ende des
19. Jahrhunderts in germanischen und angel-
sächsischen Rechtsquellen eine Art Pendant des
römischen homo sacer aufspürte: den Werwolf
(114). Durch zahlreiche Erzählungen ist die
Gestalt des Werwolfes prägend für kollektive
Mythen geworden. Er symbolisiert als hybrides
Wesen zugleich Tier und Mensch, das Wilde
und die Zivilisation, den Verbannten und den
Geachteten. Wie der homo sacer ist er den ge-
schützten Lebenden ebenso nah wie den will-
kürlich zu Tötenden und kann, nach bestimm-
ten Regeln, eine gefährliche Wolfsfratze zeigen
oder eine harmlose menschliche Gestalt anneh-
men. Und doch spielt er, bei aller Ähnlichkeit,
in der weiteren Argumentation eine völlig an-
dere Rolle als der homo sacer.
Agamben verbindet die beiden von ihm
freigelegten juristischen Figuren, den homo
sacer und den Werwolf, mit Hobbes’ Staats-
theorie: Die souveräne Macht basiert auf der
Potenz, Ausnahmesituationen zu bestimmen,
in denen der Mensch als homo sacer bzw. als
Verbannter definiert wird. Das Zwitterwesen
Werwolf symbolisiert nun allerdings nicht den
Verstoßenen, sondern den Souverän (117).
Und der kann, ganz im Sinne von Carl
Schmitt, uneingeschränkt im rechtsfreien
Raum agieren, ohne selbst an Rechtsnormen
gebunden zu sein. Die souveräne Macht, so das
Fazit Agambens, basiert nicht auf einem wech-
selseitig geschlossenen Vertrag, sondern liegt in
der gewaltsamen ausschließenden Einschlie-
ßung des nackten Lebens (117). Wolfsnatur
und Vogelfreiheit erscheinen als zwei Seiten
derselben Medaille.
Man kann Agamben nun entgegenhalten,
dass unveräußerliche Freiheitsrechte bzw. Men-
schenrechte willkürlichen Übergriffen des Sou-
veräns einen Riegel vorschieben. Und Agam-
ben gibt sich in der Tat alle Mühe, diesen Ein-
wand aufzugreifen. Damit aber steht er vor der
nicht ganz leicht zu lösenden Aufgabe nachzu-
weisen, Menschenrechte hätten in der Ge-
schichte nie den Stellenwert besessen, uneinge-
schränkte dezisionistische Herrschaftsausübung
des Souveräns begrenzen zu können. Um das
zeigen zu können, greift Agamben auf sein be-
währtes Argumentationsmuster zurück. Auch
die Deklaration der Menschen- und Bürger-
rechte – fast schon ist es müßig, dies hinzuzu-
fügen – basiere auf der Idee des nackten Le-
bens. Agamben wendet das eigentlich auf Ein-
schließung zielende Kriterium der Geburt ge-
gen die Menschenrechte: Gerade da man Men-
schenrechte mit der Geburt besitze, stelle die
Menschenrechtserklärung die originäre Ein-
schreibung des natürlichen Lebens in die juri-
disch-politische Ordnung dar (136). Zugleich
sind Menschenrechte uneinholbar vom Politi-
schen und von jeder Art der Bürgerschaft abge-
trennt, da sie, sobald sie zu juridifizierten Bür-
gerrechten werden, eben nicht mehr nur allein
auf dem Prinzip der Nativität beruhen. Andere
Aspekte, wie Abstammung oder Territorium,
überlagern die Zugehörigkeit zur Menschenge-
meinde und fügen damit einen weiteren gut
funktionierenden Mechanismus der Ausschlie-
ßung hinzu.
Wie irreführend seine Argumentation ist,
wird deutlich, wenn man sich die Schlussfolge-
rungen aus seinen Analysen vor Augen führt.
Im Durchgang durch die ausgewählten Kapitel
der Rechts- und Staatsgeschichte wird die Ex-
klusion des nackten Lebens zur eigentlichen
politischen Dimension. Alle Politik, ob die des
römischen Kaiserreichs, des Absolutismus’, der
demokratischen Nationalstaaten oder der Dik-
tatur, teilt diese Beziehung des Politischen auf
das nackte Leben. Foucaults genealogische Per-
spektive wird auf die Geschichte der Herr-
schaftsbegründung ausgedehnt und zugespitzt:
Das Subjekt ist einer dezisionistisch operieren-
den politischen Macht unterworfen, die weder
rechtlich, noch religiös, und schon gar nicht
moralisch legitimiert ist, dennoch aber über
Leben und Tod entscheidet.
Die Agamben’sche Biopolitik gelangt aber
erst vollends im modernen Staat zur Entfal-
tung: In der Medizintechnologie etwa, wo die 
Grenze zwischen Leben und Tod so gezogen
wird, dass man die Noch-nicht-Toten für Or-
ganspenden benutzen kann. Noch deutlicher
zeigt die Biopolitik ihre Präsenz nur noch im
Lager. Das Konzentrationslager, so Agamben,
ist keine Anomalie moderner Gesellschaften
und nicht bloß eine historische Tatsache, son-
dern, wie er sagt, die „verborgene Matrix der
Politik“ (185); das Lager ist der nomos des po-
litischen Raumes, der auch heute noch dem
Staat zu Grunde liegt. Man denke nur, so
Agamben, an das Stadion von Bari, in das die
Polizei 1991 illegale Einwanderer aus Albanien
pferchte.
Überzeugen kann das alles nicht, schon al-
lein nicht wegen der dünnen empirischen De-
cke, in die seine Aussagen eingekleidet sind.
Asylbewerber, die es bis Europa geschafft ha-
ben, sind nicht rechtelos – nicht einmal dann,
wenn sie von Beamten hinter verschlossener
Tür misshandelt werden. Für sie gilt die Gen-
fer Flüchtlingskonvention, die jetzt bereits
Grundlage des Asylrechts der einzelnen euro-
päischen Staaten ist und die ebenfalls Richt-
schnur für ein gemeinsames europäisches Asyl-
recht sein wird. Und auch ein Blick auf neuere
Studien im Grenzbereich von Medizintechnik
und Sozialwissenschaft zeigt, dass gerade ein
Komapatient Rechte besitzt. Die Diagnose des
Hirntods durch den Arzt ist ein äußerst auf-
wendiges Verfahren. Der Patient muss unbe-
dingt tot sein, da er nur dann keine Rechte
mehr besitzt, die einen Eingriff zur Organent-
nahme verhindern könnten.
Originell sind Agambens Ausführungen,
wenn sie Licht in die Abgründe der Rechtsge-
schichte werfen, wie bei dem Versuch, ver-
schiedene juridische Variationen des ausschlie-
ßenden Eingeschlossenseins zu rekonstruieren.
Seine Analogien und die daraus gezogenen
Verallgemeinerungen haben aber ganz deutlich
eine wenig überzeugende geschichtsphilosophi-
sche Tendenz: Biopolitik, nur richtig gedeutet,
hatte immer schon Macht und immer schon
das nackte Leben zum Gegenstand. Daraus
gibt es kein Entkommen, weder durch freie
Willensentscheidungen noch durch freie Wahl.
Wieso eine Institution wie das Haager Tribu-
nal ins Leben gerufen werden konnte, dafür
stellt Agambens theoretisches Instrumentarium
keine Erklärung bereit.


???]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355197">Alexander</a>.</p>
<p>@ Menschentotmacher</p>
<p>Giorgio Agamben:Homo Sacer. Die souveräne Macht und das nackte Leben<br />
VS Verlag; Springer-Verlag; V S &#8211; Verlag fur Sozialwissenschaften; Springer Science and Business Media LLC; Nomos Verlag (ISSN 0032-3470), Politische Vierteljahresschrift, #1, 44, pages 104-106, 2003 mar<br />
Regina Kreide :</p>
<p>&#8220;Es ist ein häufig beschriebenes Paradox, dass<br />
dem Staat als Inhaber des Gewaltmonopols zu-<br />
gleich die Aufgabe obliegt, die eigene Gewalt-<br />
ausübung zu kontrollieren. Viele politische<br />
Philosophen erachten staatliche Herrschaft da-<br />
her nur dann als legitim, wenn sie mit Zustim-<br />
mung der Bürger zustande kommt und vertrag-<br />
lich Kontrollbefugnisse eingeräumt werden –<br />
für den italienischen Philosophen Giorgio<br />
Agamben eine geradezu niedliche Herrschafts-<br />
auffassung.<br />
Agamben unternimmt in seinem vor kur-<br />
zem erschienenen Buch „Homo sacer. Die sou-<br />
veräne Macht und das nackte Leben“ nicht we-<br />
niger als den Versuch, die Geschichte der Poli-<br />
tik des Abendlandes neu zu deuten. Nicht<br />
Staat und Vertrag sind seiner Meinung nach<br />
das Paradigma der Moderne, sondern das Lager<br />
und die physische Gewalt; nicht der Bour-<br />
geoise oder der Citoyen sind die gesellschaftli-<br />
chen Hauptfiguren, sondern die menschlichen<br />
Körper, nackt im metaphorischen Sinne, ohne<br />
Rechte, degradiert zum Objekt politischer Ent-<br />
scheidungen<br />
 Und Politik schließlich ist für<br />
Agamben nicht allein Meinungsbildungs- und<br />
Rechtsetzungsprozess, sondern in erster Linie<br />
Biopolitik. Darunter versteht er jede Form der<br />
Machtausübung, die den Körper als bloßen<br />
Gegenstand juridisch-institutioneller Verwal-<br />
tung und medizintechnischer Untersuchung<br />
betrachtet und auf der Schwelle zwischen Le-<br />
ben und Tod umstandslos ins Jenseits beför-<br />
dern kann. Deutlicher als Michel Foucault in-<br />
teressiert sich Agamben aber nicht nur für die<br />
Mikrophysik der Macht, die in den kapillar<br />
operierenden Disziplinierungsmaßnahmen von<br />
Strafanstalten, Krankenhäusern und auf dem<br />
Gebiet der Sexualität ihre Wirkung entfaltet.<br />
Er erweitert von vornherein den Begriff der<br />
Biopolitik auf die Legitimitätsbedingungen po-<br />
litischer Herrschaft. Die Entscheidungsmecha-<br />
nismen im Grenzbereich von Leben und Tod,<br />
die die meisten politisch-philosophischen<br />
Theorien nur als Randerscheinungen rezipie-<br />
ren, werden von Agamben zur eigentlichen<br />
Grundlage der Herrschaftsbegründung vergrö-<br />
ßert.<br />
Hinweise darauf, dass diese Perspektive die<br />
einzig richtige ist, findet er bereits in der Anti-<br />
ke. Aristoteles unterscheidet zwischen zôé, der<br />
einfachen Tatsache des Lebens und bíos, dem<br />
guten Leben, das sich vor allem in der Sphäre<br />
der polis entfalten kann. Das einfache oder<br />
nackte Leben ist vom politisch kultivierten Le-<br />
ben ausgeschlossen – allerdings, und das ist ein<br />
entscheidender Aspekt, nur vordergründig.<br />
Denn das nackte Dasein ist auch bei Bürgern,<br />
die nach einem guten Leben streben, immer<br />
anwesend, angesiedelt in einem merkwürdigen<br />
Zwischenbereich: Es bleibt in dem unablässli-<br />
chen Versuch präsent, ausgeschlossen zu wer-<br />
den. Diese stets wiederkehrende Argumenta-<br />
tionsfigur der Ausschließung des nackten Le-<br />
bens aus dem Politischen bei seiner gleichzeiti-<br />
gen Einschließung ziehe sich, so Agamben, als<br />
roter, um nicht zu sagen blutiger Faden durch<br />
die Geschichte der Rechts- und Staatstheorie.<br />
Agamben wird zunächst fündig im Traktat<br />
„Über die Bedeutung der Wörter“ von Sextus<br />
Pompeius Festus, in dem ein eher randständi-<br />
ger Aspekt des archaischen römischen Rechts<br />
beschrieben wird (81ff.). Plebejische Tribune,<br />
so heißt es da, dürfen sich an Verbrechen rä-<br />
chen, die gegenüber ihren Vertretern begangen<br />
wurden, indem sie den Beschuldigten den Sta-<br />
tus homo sacer angedeihen lassen. Auf diese<br />
Weise wird er für heilig erklärt. Entgegen land-<br />
läufiger Vorstellung bedeutet diese Zuschrei-<br />
bung, den Betroffenen für unrein zu erklären<br />
und für nicht würdig, auch nur geopfert zu<br />
werden. Gleichwohl kann er getötet werden,<br />
und zwar ohne, dass die Mörder für ihre Tat<br />
bestraft werden. Er unterliegt daher weder dem<br />
Schutz des göttlichen noch dem des menschli-<br />
chen Rechts. Der homo sacer wird so auf zwei-<br />
fache Weise ausgeschlossen und zugleich einge-<br />
schlossen: Den Gottheiten wird er als nicht-<br />
opferbares Objekt überlassen, der Gemein-<br />
schaft steht er als Vogelfreier zur Verfügung.<br />
Ein weiteres juridisch-politisches Schema<br />
des Ausgeschlossen-Eingeschlossenseins macht<br />
Agamben im mittelalterlichen Bann aus. Er be-<br />
ruft sich auf Rudolf von Ihering, der Ende des<br />
19. Jahrhunderts in germanischen und angel-<br />
sächsischen Rechtsquellen eine Art Pendant des<br />
römischen homo sacer aufspürte: den Werwolf<br />
(114). Durch zahlreiche Erzählungen ist die<br />
Gestalt des Werwolfes prägend für kollektive<br />
Mythen geworden. Er symbolisiert als hybrides<br />
Wesen zugleich Tier und Mensch, das Wilde<br />
und die Zivilisation, den Verbannten und den<br />
Geachteten. Wie der homo sacer ist er den ge-<br />
schützten Lebenden ebenso nah wie den will-<br />
kürlich zu Tötenden und kann, nach bestimm-<br />
ten Regeln, eine gefährliche Wolfsfratze zeigen<br />
oder eine harmlose menschliche Gestalt anneh-<br />
men. Und doch spielt er, bei aller Ähnlichkeit,<br />
in der weiteren Argumentation eine völlig an-<br />
dere Rolle als der homo sacer.<br />
Agamben verbindet die beiden von ihm<br />
freigelegten juristischen Figuren, den homo<br />
sacer und den Werwolf, mit Hobbes’ Staats-<br />
theorie: Die souveräne Macht basiert auf der<br />
Potenz, Ausnahmesituationen zu bestimmen,<br />
in denen der Mensch als homo sacer bzw. als<br />
Verbannter definiert wird. Das Zwitterwesen<br />
Werwolf symbolisiert nun allerdings nicht den<br />
Verstoßenen, sondern den Souverän (117).<br />
Und der kann, ganz im Sinne von Carl<br />
Schmitt, uneingeschränkt im rechtsfreien<br />
Raum agieren, ohne selbst an Rechtsnormen<br />
gebunden zu sein. Die souveräne Macht, so das<br />
Fazit Agambens, basiert nicht auf einem wech-<br />
selseitig geschlossenen Vertrag, sondern liegt in<br />
der gewaltsamen ausschließenden Einschlie-<br />
ßung des nackten Lebens (117). Wolfsnatur<br />
und Vogelfreiheit erscheinen als zwei Seiten<br />
derselben Medaille.<br />
Man kann Agamben nun entgegenhalten,<br />
dass unveräußerliche Freiheitsrechte bzw. Men-<br />
schenrechte willkürlichen Übergriffen des Sou-<br />
veräns einen Riegel vorschieben. Und Agam-<br />
ben gibt sich in der Tat alle Mühe, diesen Ein-<br />
wand aufzugreifen. Damit aber steht er vor der<br />
nicht ganz leicht zu lösenden Aufgabe nachzu-<br />
weisen, Menschenrechte hätten in der Ge-<br />
schichte nie den Stellenwert besessen, uneinge-<br />
schränkte dezisionistische Herrschaftsausübung<br />
des Souveräns begrenzen zu können. Um das<br />
zeigen zu können, greift Agamben auf sein be-<br />
währtes Argumentationsmuster zurück. Auch<br />
die Deklaration der Menschen- und Bürger-<br />
rechte – fast schon ist es müßig, dies hinzuzu-<br />
fügen – basiere auf der Idee des nackten Le-<br />
bens. Agamben wendet das eigentlich auf Ein-<br />
schließung zielende Kriterium der Geburt ge-<br />
gen die Menschenrechte: Gerade da man Men-<br />
schenrechte mit der Geburt besitze, stelle die<br />
Menschenrechtserklärung die originäre Ein-<br />
schreibung des natürlichen Lebens in die juri-<br />
disch-politische Ordnung dar (136). Zugleich<br />
sind Menschenrechte uneinholbar vom Politi-<br />
schen und von jeder Art der Bürgerschaft abge-<br />
trennt, da sie, sobald sie zu juridifizierten Bür-<br />
gerrechten werden, eben nicht mehr nur allein<br />
auf dem Prinzip der Nativität beruhen. Andere<br />
Aspekte, wie Abstammung oder Territorium,<br />
überlagern die Zugehörigkeit zur Menschenge-<br />
meinde und fügen damit einen weiteren gut<br />
funktionierenden Mechanismus der Ausschlie-<br />
ßung hinzu.<br />
Wie irreführend seine Argumentation ist,<br />
wird deutlich, wenn man sich die Schlussfolge-<br />
rungen aus seinen Analysen vor Augen führt.<br />
Im Durchgang durch die ausgewählten Kapitel<br />
der Rechts- und Staatsgeschichte wird die Ex-<br />
klusion des nackten Lebens zur eigentlichen<br />
politischen Dimension. Alle Politik, ob die des<br />
römischen Kaiserreichs, des Absolutismus’, der<br />
demokratischen Nationalstaaten oder der Dik-<br />
tatur, teilt diese Beziehung des Politischen auf<br />
das nackte Leben. Foucaults genealogische Per-<br />
spektive wird auf die Geschichte der Herr-<br />
schaftsbegründung ausgedehnt und zugespitzt:<br />
Das Subjekt ist einer dezisionistisch operieren-<br />
den politischen Macht unterworfen, die weder<br />
rechtlich, noch religiös, und schon gar nicht<br />
moralisch legitimiert ist, dennoch aber über<br />
Leben und Tod entscheidet.<br />
Die Agamben’sche Biopolitik gelangt aber<br />
erst vollends im modernen Staat zur Entfal-<br />
tung: In der Medizintechnologie etwa, wo die<br />
Grenze zwischen Leben und Tod so gezogen<br />
wird, dass man die Noch-nicht-Toten für Or-<br />
ganspenden benutzen kann. Noch deutlicher<br />
zeigt die Biopolitik ihre Präsenz nur noch im<br />
Lager. Das Konzentrationslager, so Agamben,<br />
ist keine Anomalie moderner Gesellschaften<br />
und nicht bloß eine historische Tatsache, son-<br />
dern, wie er sagt, die „verborgene Matrix der<br />
Politik“ (185); das Lager ist der nomos des po-<br />
litischen Raumes, der auch heute noch dem<br />
Staat zu Grunde liegt. Man denke nur, so<br />
Agamben, an das Stadion von Bari, in das die<br />
Polizei 1991 illegale Einwanderer aus Albanien<br />
pferchte.<br />
Überzeugen kann das alles nicht, schon al-<br />
lein nicht wegen der dünnen empirischen De-<br />
cke, in die seine Aussagen eingekleidet sind.<br />
Asylbewerber, die es bis Europa geschafft ha-<br />
ben, sind nicht rechtelos – nicht einmal dann,<br />
wenn sie von Beamten hinter verschlossener<br />
Tür misshandelt werden. Für sie gilt die Gen-<br />
fer Flüchtlingskonvention, die jetzt bereits<br />
Grundlage des Asylrechts der einzelnen euro-<br />
päischen Staaten ist und die ebenfalls Richt-<br />
schnur für ein gemeinsames europäisches Asyl-<br />
recht sein wird. Und auch ein Blick auf neuere<br />
Studien im Grenzbereich von Medizintechnik<br />
und Sozialwissenschaft zeigt, dass gerade ein<br />
Komapatient Rechte besitzt. Die Diagnose des<br />
Hirntods durch den Arzt ist ein äußerst auf-<br />
wendiges Verfahren. Der Patient muss unbe-<br />
dingt tot sein, da er nur dann keine Rechte<br />
mehr besitzt, die einen Eingriff zur Organent-<br />
nahme verhindern könnten.<br />
Originell sind Agambens Ausführungen,<br />
wenn sie Licht in die Abgründe der Rechtsge-<br />
schichte werfen, wie bei dem Versuch, ver-<br />
schiedene juridische Variationen des ausschlie-<br />
ßenden Eingeschlossenseins zu rekonstruieren.<br />
Seine Analogien und die daraus gezogenen<br />
Verallgemeinerungen haben aber ganz deutlich<br />
eine wenig überzeugende geschichtsphilosophi-<br />
sche Tendenz: Biopolitik, nur richtig gedeutet,<br />
hatte immer schon Macht und immer schon<br />
das nackte Leben zum Gegenstand. Daraus<br />
gibt es kein Entkommen, weder durch freie<br />
Willensentscheidungen noch durch freie Wahl.<br />
Wieso eine Institution wie das Haager Tribu-<br />
nal ins Leben gerufen werden konnte, dafür<br />
stellt Agambens theoretisches Instrumentarium<br />
keine Erklärung bereit.</p>
<p>???</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Vater Thiel		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355369</link>

		<dc:creator><![CDATA[Vater Thiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Mon, 25 Dec 2023 08:23:43 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355369</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355193&quot;&gt;Christian Anders&lt;/a&gt;.

@ Christian Anders

Danke für die Antwort.

Wie beurteilen Sie diese Aussage, die seltsamerweise vom Physik-Nobelpreisträger und Hardcore-Materialisten Wilczek stammt:

&quot;Das Bewusstsein belebt die objektive Welt der Physik, die nicht geschieht, sondern einfach nur ist.
Der Akt der Betrachtung bringt einen Aspekt der Welt zum Leben.&quot;

Mich erinnert das an die berühmte &quot;Kugel des Parmenides&quot;.
Demnach ist die Welt eine feste, endliche, einheitliche Kugel ohne Zeit, ohne Bewegung und Wechsel.
Diese passive, zeitlose Materie (nicht zu verwechseln mit den Stoffen) wird erst durch den Akt der Betrachtung durch ein individuelles (oder kollektives) Bewusstsein zum Leben erweckt. Da das individuelle Bewusstsein begrenzt ist durch seine Perspektive, erlebt jeder seine eigene subjektive Welt.
Was (auch) erklären könnte, warum ein &quot;Grüner&quot; eine völlig andere Weltsicht hat als ein &quot;Rechter&quot;.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355193">Christian Anders</a>.</p>
<p>@ Christian Anders</p>
<p>Danke für die Antwort.</p>
<p>Wie beurteilen Sie diese Aussage, die seltsamerweise vom Physik-Nobelpreisträger und Hardcore-Materialisten Wilczek stammt:</p>
<p>&#8220;Das Bewusstsein belebt die objektive Welt der Physik, die nicht geschieht, sondern einfach nur ist.<br />
Der Akt der Betrachtung bringt einen Aspekt der Welt zum Leben.&#8221;</p>
<p>Mich erinnert das an die berühmte &#8220;Kugel des Parmenides&#8221;.<br />
Demnach ist die Welt eine feste, endliche, einheitliche Kugel ohne Zeit, ohne Bewegung und Wechsel.<br />
Diese passive, zeitlose Materie (nicht zu verwechseln mit den Stoffen) wird erst durch den Akt der Betrachtung durch ein individuelles (oder kollektives) Bewusstsein zum Leben erweckt. Da das individuelle Bewusstsein begrenzt ist durch seine Perspektive, erlebt jeder seine eigene subjektive Welt.<br />
Was (auch) erklären könnte, warum ein &#8220;Grüner&#8221; eine völlig andere Weltsicht hat als ein &#8220;Rechter&#8221;.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Dr. Lucie Fischer		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355199</link>

		<dc:creator><![CDATA[Dr. Lucie Fischer]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Dec 2023 12:05:08 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355199</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355197&quot;&gt;Alexander&lt;/a&gt;.

@Alexander
Giorgio Agamben ( 2021 ) : 
An welchem Punkt stehen wir heute, S. 11
...&quot; Der Ausnahmeszustand stellt das juristisch-politische und die Wissenschaft das religiöse Dispositiv der Grossen Transformation dar. 
Auf der Ebene sozialer Beziehungen wirkt sie mithilfe der digitalen Technologie, die ihrerseits eine offenbare Einheit mit der &quot; sozialen Distanzierung&quot; bildet: der  neuen  Art, in der sich zwischenmenschliche Interaktionen strukturieren. Menschliche Beziehungen sollen nach Möglichkeit auf physische Anwesenheit  verzichten, um sich statt dessen ...im virtuelle Raum abzuspielen...&quot; 
https://www.buecher.de/shop/politische-philosophie/an-welchem-punkt-stehen-wir/agamben-giorgio/products_products/detail/prod_id/60703605/#product_description]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355197">Alexander</a>.</p>
<p>@Alexander<br />
Giorgio Agamben ( 2021 ) :<br />
An welchem Punkt stehen wir heute, S. 11<br />
&#8230;&#8221; Der Ausnahmeszustand stellt das juristisch-politische und die Wissenschaft das religiöse Dispositiv der Grossen Transformation dar.<br />
Auf der Ebene sozialer Beziehungen wirkt sie mithilfe der digitalen Technologie, die ihrerseits eine offenbare Einheit mit der &#8221; sozialen Distanzierung&#8221; bildet: der  neuen  Art, in der sich zwischenmenschliche Interaktionen strukturieren. Menschliche Beziehungen sollen nach Möglichkeit auf physische Anwesenheit  verzichten, um sich statt dessen &#8230;im virtuelle Raum abzuspielen&#8230;&#8221;<br />
<a href="https://www.buecher.de/shop/politische-philosophie/an-welchem-punkt-stehen-wir/agamben-giorgio/products_products/detail/prod_id/60703605/#product_description" rel="nofollow ugc">https://www.buecher.de/shop/politische-philosophie/an-welchem-punkt-stehen-wir/agamben-giorgio/products_products/detail/prod_id/60703605/#product_description</a></p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Alexander		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355197</link>

		<dc:creator><![CDATA[Alexander]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Dec 2023 11:50:17 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355197</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355188&quot;&gt;Vater Thiel&lt;/a&gt;.

@Vater Thiel

Zum Fest eine Kaiserschnitte
https://youtube.com/shorts/a1ZmDpbeUeY?si=z1j0dK0hj9aJAtzv

Friede den Individuen und allen ihren Teilchen, 
Krieg den Totalitaeren.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355188">Vater Thiel</a>.</p>
<p>@Vater Thiel</p>
<p>Zum Fest eine Kaiserschnitte<br />
<a href="https://youtube.com/shorts/a1ZmDpbeUeY?si=z1j0dK0hj9aJAtzv" rel="nofollow ugc">https://youtube.com/shorts/a1ZmDpbeUeY?si=z1j0dK0hj9aJAtzv</a></p>
<p>Friede den Individuen und allen ihren Teilchen,<br />
Krieg den Totalitaeren.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Christian Anders		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355193</link>

		<dc:creator><![CDATA[Christian Anders]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Dec 2023 11:13:05 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355193</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355188&quot;&gt;Vater Thiel&lt;/a&gt;.

@Vater Thiel

„Es besteht aus “Teilchen”, die den bekannten Naturgesetzen folgen.
Dennoch kann ich nicht extrapolieren, welche Wege mein PKW morgen zurücklegen wird.“

Richtig. Aber nur deshalb, weil Sie dafür nicht kompetent genug sind, nicht etwa deshalb, weil es prinzipiell nicht ginge. Das ist ein anderer Grund als der von Ihnen genannte:

„Denn er ist nur das Werkzeug seines Lenkers.“

Das ist eine falsche und deshalb irreführende Analogie für das, was Sie als nächste schreiben:

„Am Ende ist auch das Gehirn nur der “Vollzugsbeamte” eines Lenkers, eines immateriellen Bewusstseins, das “sein” physisches Gehirn mittels “wireless” übertragener Informationen wie eine Maschine steuert ?“

Das Problem der Analogie ist, dass der Lenker eines Automobils nicht aus dem Verhalten der Teilchen des Automobils entsteht.

Ein selbstbewusstes Ich ist jedoch Produkt eben jenes Gehirns, dem es wiederum als Lenker zugedacht ist. Zumindest, wenn man im Rahmen der bekannten Naturgesetze und Mathematik bleibt.

Alternativ geht man von sogenannter „starker Emergenz“ aus. Das ist, wenn sich aus dem Verhalten vieler Dinge auf Mikroebene ein Verhalten auf Makroebene bildet, dass NICHT aus den Mikroeigenschaften folgt.

Man kann for the sake of argument damit spekulieren, bekannt geworden oder nachgewiesen ist starke Emergenz aber noch nie.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355188">Vater Thiel</a>.</p>
<p>@Vater Thiel</p>
<p>„Es besteht aus “Teilchen”, die den bekannten Naturgesetzen folgen.<br />
Dennoch kann ich nicht extrapolieren, welche Wege mein PKW morgen zurücklegen wird.“</p>
<p>Richtig. Aber nur deshalb, weil Sie dafür nicht kompetent genug sind, nicht etwa deshalb, weil es prinzipiell nicht ginge. Das ist ein anderer Grund als der von Ihnen genannte:</p>
<p>„Denn er ist nur das Werkzeug seines Lenkers.“</p>
<p>Das ist eine falsche und deshalb irreführende Analogie für das, was Sie als nächste schreiben:</p>
<p>„Am Ende ist auch das Gehirn nur der “Vollzugsbeamte” eines Lenkers, eines immateriellen Bewusstseins, das “sein” physisches Gehirn mittels “wireless” übertragener Informationen wie eine Maschine steuert ?“</p>
<p>Das Problem der Analogie ist, dass der Lenker eines Automobils nicht aus dem Verhalten der Teilchen des Automobils entsteht.</p>
<p>Ein selbstbewusstes Ich ist jedoch Produkt eben jenes Gehirns, dem es wiederum als Lenker zugedacht ist. Zumindest, wenn man im Rahmen der bekannten Naturgesetze und Mathematik bleibt.</p>
<p>Alternativ geht man von sogenannter „starker Emergenz“ aus. Das ist, wenn sich aus dem Verhalten vieler Dinge auf Mikroebene ein Verhalten auf Makroebene bildet, dass NICHT aus den Mikroeigenschaften folgt.</p>
<p>Man kann for the sake of argument damit spekulieren, bekannt geworden oder nachgewiesen ist starke Emergenz aber noch nie.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Vater Thiel		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355188</link>

		<dc:creator><![CDATA[Vater Thiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 23 Dec 2023 09:39:11 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355188</guid>

					<description><![CDATA[@ Christian Anders und @Interessierte

Eine philosophische Frage bzw. Einschätzung  an den Naturwissenschaftler bezüglich Ihres Satzes

&quot;Wenn das Gehirn aus Teilchen besteht, folgen diese den bekannten Naturgesetzen.&quot;

Wenn man ein Automobil als Analogie benutzt:
Es besteht aus &quot;Teilchen&quot;, die den bekannten Naturgesetzen folgen.
Dennoch kann ich nicht extrapolieren, welche Wege mein PKW morgen zurücklegen wird.
Denn er ist nur das Werkzeug seines Lenkers.

Am Ende ist auch das Gehirn nur der &quot;Vollzugsbeamte&quot; eines Lenkers, eines immateriellen Bewusstseins, das &quot;sein&quot; physisches Gehirn mittels &quot;wireless&quot; übertragener Informationen wie eine Maschine steuert ?

Wenn dies so wäre und der &quot;Lenker&quot; würde sich dieses Mechanismus bewusst, wäre er mit gewissen materiellen Beschränkungen frei.
Wenn nicht, wäre er gefangen in seiner Materie (seinem Körper, seinen Gedanken, Theorien, Modellen, Emotionen) und deren Spielball. 

Frohes Fest]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>@ Christian Anders und @Interessierte</p>
<p>Eine philosophische Frage bzw. Einschätzung  an den Naturwissenschaftler bezüglich Ihres Satzes</p>
<p>&#8220;Wenn das Gehirn aus Teilchen besteht, folgen diese den bekannten Naturgesetzen.&#8221;</p>
<p>Wenn man ein Automobil als Analogie benutzt:<br />
Es besteht aus &#8220;Teilchen&#8221;, die den bekannten Naturgesetzen folgen.<br />
Dennoch kann ich nicht extrapolieren, welche Wege mein PKW morgen zurücklegen wird.<br />
Denn er ist nur das Werkzeug seines Lenkers.</p>
<p>Am Ende ist auch das Gehirn nur der &#8220;Vollzugsbeamte&#8221; eines Lenkers, eines immateriellen Bewusstseins, das &#8220;sein&#8221; physisches Gehirn mittels &#8220;wireless&#8221; übertragener Informationen wie eine Maschine steuert ?</p>
<p>Wenn dies so wäre und der &#8220;Lenker&#8221; würde sich dieses Mechanismus bewusst, wäre er mit gewissen materiellen Beschränkungen frei.<br />
Wenn nicht, wäre er gefangen in seiner Materie (seinem Körper, seinen Gedanken, Theorien, Modellen, Emotionen) und deren Spielball. </p>
<p>Frohes Fest</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Vater Thiel		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355069</link>

		<dc:creator><![CDATA[Vater Thiel]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 17:27:17 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355069</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882&quot;&gt;Thomas M.&lt;/a&gt;.

@ Thomas M

&quot;…und man ist ganz im Jetzt und das Jetzt erkennt man als Teil des Ichs.&quot;

Mit Nichtdenken meine ich &quot;totale Gedankenfreiheit&quot;, wie Sie es oben als Negation angedeutet haben. Keine Erinnerung, keine Denkprozesse, erlebtes reines Bewusstsein ohne jegliche Form.

&quot;Irgendeinen Einfluss bzw. manigfaltige Einflüsse gibt es immer. ... Keine totale Gedankenfreiheit.&quot;

Das ist für mich die maximale Freiheit &quot;von&quot;:
Freiheit von Vergangenheit und Zukunft.

Für mein Börsianer-Ich heisst Zukunft Hoffnung auf Gewinne, Furcht vor Verlusten, zu den Gedanken gehören auch die Gefühle und Emotionen wie Euphorie und Panik.
Vergangenheit ist z.B. &quot;Wissen&quot; in Form von Theorien.
Was nicht heisst, dass Euphorie, Panik, und Wissen nicht auch einen grossen Reiz haben.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882">Thomas M.</a>.</p>
<p>@ Thomas M</p>
<p>&#8220;…und man ist ganz im Jetzt und das Jetzt erkennt man als Teil des Ichs.&#8221;</p>
<p>Mit Nichtdenken meine ich &#8220;totale Gedankenfreiheit&#8221;, wie Sie es oben als Negation angedeutet haben. Keine Erinnerung, keine Denkprozesse, erlebtes reines Bewusstsein ohne jegliche Form.</p>
<p>&#8220;Irgendeinen Einfluss bzw. manigfaltige Einflüsse gibt es immer. &#8230; Keine totale Gedankenfreiheit.&#8221;</p>
<p>Das ist für mich die maximale Freiheit &#8220;von&#8221;:<br />
Freiheit von Vergangenheit und Zukunft.</p>
<p>Für mein Börsianer-Ich heisst Zukunft Hoffnung auf Gewinne, Furcht vor Verlusten, zu den Gedanken gehören auch die Gefühle und Emotionen wie Euphorie und Panik.<br />
Vergangenheit ist z.B. &#8220;Wissen&#8221; in Form von Theorien.<br />
Was nicht heisst, dass Euphorie, Panik, und Wissen nicht auch einen grossen Reiz haben.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Thomas M.		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355051</link>

		<dc:creator><![CDATA[Thomas M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 14:58:40 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355051</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354487&quot;&gt;Christian Anders&lt;/a&gt;.

@Hr. Ott

Stimmt, das passt auch... fehlt nur noch die einfühlsame Stimme bei der Bevormundung.
Der Dick&#039;sche Wahnsinn kommt erst etwas später :)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354487">Christian Anders</a>.</p>
<p>@Hr. Ott</p>
<p>Stimmt, das passt auch&#8230; fehlt nur noch die einfühlsame Stimme bei der Bevormundung.<br />
Der Dick&#8217;sche Wahnsinn kommt erst etwas später :)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Thomas M.		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355040</link>

		<dc:creator><![CDATA[Thomas M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 13:23:33 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355040</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882&quot;&gt;Thomas M.&lt;/a&gt;.

@Hr. Anders

&#062;Es reicht, den Experimenten weniger anzudichten, als man es seinerzeit tat.

Mit dem &quot;Andichten&quot; ist damit sogar abschließend der Bogen wieder zur Diskussionskultur zurückgeschlagen.   ;-)]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882">Thomas M.</a>.</p>
<p>@Hr. Anders</p>
<p>&gt;Es reicht, den Experimenten weniger anzudichten, als man es seinerzeit tat.</p>
<p>Mit dem &#8220;Andichten&#8221; ist damit sogar abschließend der Bogen wieder zur Diskussionskultur zurückgeschlagen.   ;-)</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Christian Anders		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355032</link>

		<dc:creator><![CDATA[Christian Anders]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 12:31:19 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355032</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882&quot;&gt;Thomas M.&lt;/a&gt;.

@Thomas M.

„Nun zwei Beispiele, dass das von Ihnen beschriebene Teil-Ich kausal aktiv wird.

Sie ärgern sich über die eigene schnippische Reaktion, beschäftigen sich mit dieser und gehen aufgrund dieser inneren Beschäftigung in die nächste Unterhaltung mental anders rein.

Sie machen Musik, hören diese bewusst an, empfinden diese und basierend auf dieser Empfindung verändern sie Noten und Klänge.“

Die Kausalität wäre hier mittelbar. Was Sie beschreiben ist Training: Das Ich würde das Gehirn trainieren.
Richtig wäre dann, dass WEGEN des Trainings das Gehirn später anders denken wird, als es das ohne das Training getan hätte (kausaler Einfluss des Ichs). 
Falsch ist, dass das Ich beim späteren, vorher durch Training beeinflussten Denken mehr direkten Einfluss hat, als ohne das Training (der unvermeidliche „Tick zu spät“)

Ein kluger Einwand dagegen ist natürlich, dass das Ich, wenn es eh IMMER zu spät ist, auch die Trainingsgedanken erst wahrnimmt, nachdem sie schon erzeugt wurden. In dem Fall wäre der Ärger der eigentliche Grund, der das Gehirn trainiert und warum das eine Gehirn dadurch anders trainiert wird als das andere, ist unklar.

Training führt aber noch zu was anderem:
Gerade hochtrainierte Vorgänge werden oft zu unbewussten Reflexen verwandelt, was manche außergewöhnliche Leistungen überhaupt erst möglich macht. Das Ich hat das Gehirn dann darauf getrimmt, alleine zurecht zu kommen, wo das untrainierte Gehirn das nicht könnte. Das ist sowohl schnell als auch energiesparend.
Und da das nicht nur beim Sport gilt, sondern auch bei zwischenmenschlichen Interaktionen, folgere ich, dass unsere Persönlichkeit kein Ausfluss unseres Ichs ist sondern davon, wie unsere Gefühle unser Gehirn formen.

Sieht man gut an Leuten, die sich selbst nicht leiden können, und dennoch aus ihren Verhaltensmustern keinen Ausweg finden. 

„Aber nun gut, lösen können wir das hier nicht. Ich möchte nur ein paar Zweifel streuen.“

Das muss man nicht lösen. Es reicht, den Experimenten weniger anzudichten, als man es seinerzeit tat. Gezeigt haben sie trotzdem etwas: Es gibt kein Bewusstsein für das, was in unserem Gehirn Bewusstsein schafft. Sonst wären die Ergebnisse nicht erklärbar.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882">Thomas M.</a>.</p>
<p>@Thomas M.</p>
<p>„Nun zwei Beispiele, dass das von Ihnen beschriebene Teil-Ich kausal aktiv wird.</p>
<p>Sie ärgern sich über die eigene schnippische Reaktion, beschäftigen sich mit dieser und gehen aufgrund dieser inneren Beschäftigung in die nächste Unterhaltung mental anders rein.</p>
<p>Sie machen Musik, hören diese bewusst an, empfinden diese und basierend auf dieser Empfindung verändern sie Noten und Klänge.“</p>
<p>Die Kausalität wäre hier mittelbar. Was Sie beschreiben ist Training: Das Ich würde das Gehirn trainieren.<br />
Richtig wäre dann, dass WEGEN des Trainings das Gehirn später anders denken wird, als es das ohne das Training getan hätte (kausaler Einfluss des Ichs).<br />
Falsch ist, dass das Ich beim späteren, vorher durch Training beeinflussten Denken mehr direkten Einfluss hat, als ohne das Training (der unvermeidliche „Tick zu spät“)</p>
<p>Ein kluger Einwand dagegen ist natürlich, dass das Ich, wenn es eh IMMER zu spät ist, auch die Trainingsgedanken erst wahrnimmt, nachdem sie schon erzeugt wurden. In dem Fall wäre der Ärger der eigentliche Grund, der das Gehirn trainiert und warum das eine Gehirn dadurch anders trainiert wird als das andere, ist unklar.</p>
<p>Training führt aber noch zu was anderem:<br />
Gerade hochtrainierte Vorgänge werden oft zu unbewussten Reflexen verwandelt, was manche außergewöhnliche Leistungen überhaupt erst möglich macht. Das Ich hat das Gehirn dann darauf getrimmt, alleine zurecht zu kommen, wo das untrainierte Gehirn das nicht könnte. Das ist sowohl schnell als auch energiesparend.<br />
Und da das nicht nur beim Sport gilt, sondern auch bei zwischenmenschlichen Interaktionen, folgere ich, dass unsere Persönlichkeit kein Ausfluss unseres Ichs ist sondern davon, wie unsere Gefühle unser Gehirn formen.</p>
<p>Sieht man gut an Leuten, die sich selbst nicht leiden können, und dennoch aus ihren Verhaltensmustern keinen Ausweg finden. </p>
<p>„Aber nun gut, lösen können wir das hier nicht. Ich möchte nur ein paar Zweifel streuen.“</p>
<p>Das muss man nicht lösen. Es reicht, den Experimenten weniger anzudichten, als man es seinerzeit tat. Gezeigt haben sie trotzdem etwas: Es gibt kein Bewusstsein für das, was in unserem Gehirn Bewusstsein schafft. Sonst wären die Ergebnisse nicht erklärbar.</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Thomas M.		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355026</link>

		<dc:creator><![CDATA[Thomas M.]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 11:48:04 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355026</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882&quot;&gt;Thomas M.&lt;/a&gt;.

@Hr. Anders

Eine Anmerkung: Sie benutzen „Ich“ anscheinend anders als ich selbst und beziehen das auf den selbstbewusst-reflektierenden Teil des phänomenalen Erlebens. 

Der „Tick zu spät“ passiert in der Tat laufend. Beispielsweise beim Bremsen im Verkehr. Der Fuß ist schon längst auf der Bremse, bis man sich gedanklich mit dem bremsenden Vordermann beschäftigt. Oder wenn man auf eine Äußerung schnippisch reagiert und das eigentlich „selber“ nicht gut fand. Das sind Alltagsbeispiele, wie – ich nenne es einmal so - Module im Hirn von anderen unabhängig aktiv werden.

Nun zwei Beispiele, dass das von Ihnen beschriebene Teil-Ich kausal aktiv wird.

Sie ärgern sich über die eigene schnippische Reaktion, beschäftigen sich mit dieser und gehen aufgrund dieser inneren Beschäftigung in die nächste Unterhaltung mental anders rein.

Sie machen Musik, hören diese bewusst an, empfinden diese und basierend auf dieser Empfindung verändern sie Noten und Klänge.

Ohne die bewusste Empfindung und Beschäftigung würde in den zwei Beispielen kein (verändertes) Verhalten resultieren. (Letztlich natürlich nur eine Hypothese aus der Introspektion.)

Mein Hauptproblem mit der *generalisierten* Ableitung von kein freier (bzw. bewusster) Wille aus Experimenten von Libet und in Folge sind Instruktionen wie „Entscheiden Sie sich zufällig für A oder B“ (Wie soll das gehen, ohne irgendwelche inneren Zustände zu nutzen, die man neurologisch schon vor der Entscheidung messen kann?) und vor allem die sehr schnellen Reaktionen, die in den Experimenten erfordert werden und gerade der recht langsamen selbst-reflexiven, bewussten Empfindung entgegen laufen.

Aber nun gut, lösen können wir das hier nicht. Ich möchte nur ein paar Zweifel streuen.

&#062; Was ist denn, wenn ich will, dass für mich bei einer A/B-Wahl der Zufall entscheidet? Ist die A/B-Wahl dann deterministisch oder zufällig?
&#062; Die Wahl des Wahlmechanismus ist deterministisch, die Wahl zwischen A und B ist es nicht. Hier liegen schlicht zwei Wahlen vor.

Das ist die analytische, trennende Beschreibung. Worauf ich hinaus wollte: Wie würde man die Entscheidung *der Person* beschreiben? Ist diese zufällig (das Ergebnis ist zufällig) oder deterministisch (der Wahlmechanismus wird festgelegt). Ist aber vielleicht auch eine philosophische Spitzfindigkeit…

@Vater Thiel

&#062;Fünf Minuten waches, entspanntes Nichtdenken und das Ich mit seinen tausend Problemen und seinen determinierten Autopilot-Aktivitäten verschwindet.

...und man ist ganz im Jetzt und das Jetzt erkennt man als Teil des Ichs.

Hinter dem Link verbirgt sich übrigens ein dickes Buch…]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354882">Thomas M.</a>.</p>
<p>@Hr. Anders</p>
<p>Eine Anmerkung: Sie benutzen „Ich“ anscheinend anders als ich selbst und beziehen das auf den selbstbewusst-reflektierenden Teil des phänomenalen Erlebens. </p>
<p>Der „Tick zu spät“ passiert in der Tat laufend. Beispielsweise beim Bremsen im Verkehr. Der Fuß ist schon längst auf der Bremse, bis man sich gedanklich mit dem bremsenden Vordermann beschäftigt. Oder wenn man auf eine Äußerung schnippisch reagiert und das eigentlich „selber“ nicht gut fand. Das sind Alltagsbeispiele, wie – ich nenne es einmal so &#8211; Module im Hirn von anderen unabhängig aktiv werden.</p>
<p>Nun zwei Beispiele, dass das von Ihnen beschriebene Teil-Ich kausal aktiv wird.</p>
<p>Sie ärgern sich über die eigene schnippische Reaktion, beschäftigen sich mit dieser und gehen aufgrund dieser inneren Beschäftigung in die nächste Unterhaltung mental anders rein.</p>
<p>Sie machen Musik, hören diese bewusst an, empfinden diese und basierend auf dieser Empfindung verändern sie Noten und Klänge.</p>
<p>Ohne die bewusste Empfindung und Beschäftigung würde in den zwei Beispielen kein (verändertes) Verhalten resultieren. (Letztlich natürlich nur eine Hypothese aus der Introspektion.)</p>
<p>Mein Hauptproblem mit der *generalisierten* Ableitung von kein freier (bzw. bewusster) Wille aus Experimenten von Libet und in Folge sind Instruktionen wie „Entscheiden Sie sich zufällig für A oder B“ (Wie soll das gehen, ohne irgendwelche inneren Zustände zu nutzen, die man neurologisch schon vor der Entscheidung messen kann?) und vor allem die sehr schnellen Reaktionen, die in den Experimenten erfordert werden und gerade der recht langsamen selbst-reflexiven, bewussten Empfindung entgegen laufen.</p>
<p>Aber nun gut, lösen können wir das hier nicht. Ich möchte nur ein paar Zweifel streuen.</p>
<p>&gt; Was ist denn, wenn ich will, dass für mich bei einer A/B-Wahl der Zufall entscheidet? Ist die A/B-Wahl dann deterministisch oder zufällig?<br />
&gt; Die Wahl des Wahlmechanismus ist deterministisch, die Wahl zwischen A und B ist es nicht. Hier liegen schlicht zwei Wahlen vor.</p>
<p>Das ist die analytische, trennende Beschreibung. Worauf ich hinaus wollte: Wie würde man die Entscheidung *der Person* beschreiben? Ist diese zufällig (das Ergebnis ist zufällig) oder deterministisch (der Wahlmechanismus wird festgelegt). Ist aber vielleicht auch eine philosophische Spitzfindigkeit…</p>
<p>@Vater Thiel</p>
<p>&gt;Fünf Minuten waches, entspanntes Nichtdenken und das Ich mit seinen tausend Problemen und seinen determinierten Autopilot-Aktivitäten verschwindet.</p>
<p>&#8230;und man ist ganz im Jetzt und das Jetzt erkennt man als Teil des Ichs.</p>
<p>Hinter dem Link verbirgt sich übrigens ein dickes Buch…</p>
]]></content:encoded>
		
			</item>
		<item>
		<title>
		Von: Richard Ott		</title>
		<link>https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-355009</link>

		<dc:creator><![CDATA[Richard Ott]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 22 Dec 2023 09:56:00 +0000</pubDate>
		<guid isPermaLink="false">https://think-beyondtheobvious.com/?p=28525#comment-355009</guid>

					<description><![CDATA[Als Antwort auf &lt;a href=&quot;https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354487&quot;&gt;Christian Anders&lt;/a&gt;.

@Thomas M.

&quot;Fühlt sich zunehmend mehr wir ein Philip K. Dick-Roman an.&quot;

Wäre ja toll! Mich erinnern diese bizarren Dialoge mit dem Computer eher an &quot;2001: Odyssee im Weltraum&quot;. (&quot;Es tut mir Leid, Dave, aber das kann ich nicht tun.&quot;)

Da bekomme ich auch richtig Lust, dem Computer den Stecker zu ziehen - oder wenigstens die Steckkarten.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Als Antwort auf <a href="https://think-beyondtheobvious.com/polen-als-zugpferd-der-eu/#comment-354487">Christian Anders</a>.</p>
<p>@Thomas M.</p>
<p>&#8220;Fühlt sich zunehmend mehr wir ein Philip K. Dick-Roman an.&#8221;</p>
<p>Wäre ja toll! Mich erinnern diese bizarren Dialoge mit dem Computer eher an &#8220;2001: Odyssee im Weltraum&#8221;. (&#8220;Es tut mir Leid, Dave, aber das kann ich nicht tun.&#8221;)</p>
<p>Da bekomme ich auch richtig Lust, dem Computer den Stecker zu ziehen &#8211; oder wenigstens die Steckkarten.</p>
]]></content:encoded>
		
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