Die Zentral­banken löschen mit Benzin

Der ehemalige Chefökonom der BIZ, William White, über die folgenschwere Geldpolitik

Ein hochkarätiger Gesprächspartner bereichert die 53. Ausgabe von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“. Schon 2003 hat William White dem damaligen Fed-Chef Alan Greenspan persönlich dargelegt, welche Folgen dessen Geldpolitik haben wird. Dennoch ist der Kurs fortgesetzt worden – bis sich die Warnungen bestätigten, als 2007 die Weltfinanzkrise ihren Lauf nahm. Im Gespräch mit Daniel Stelter warnt White nun erneut. Der Weg, den die Zentralbanken seit Jahren beschreiten, werde sehr bald enden.

William White hat seine Laufbahn Ende der 60er-Jahre als Ökonom bei der Bank of England begonnen. Danach ist er über 20 Jahre für die Kanadische Zentralbank tätig gewesen. 1994 ist White zur Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) gewechselt. Seine Expertise schöpft er aus über 50 Jahren Erfahrung.

Informationen zum Nachlesen finden Sie im Blog auf think-beyondtheobvious.com. Fragen und Rückmeldungen zu diesem Podcast schicken Sie per E-Mail an podcast@think-bto.com.

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Kommentare (33) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Christoph Oertel sagte:

    Lieber Daniel Stelter,

    vielen Dank für die Darstellung das komplexen Themas “easy money” zusammen mit William White… das mich auch schon länger umtreibt. Inhaltlich die Puzzleteile fast gleich sortiert zu haben bis zu dem Punkt, an dem die Währungsräume China, Europa und USA synchron höhere Inflationsraten “zulassen”, fand ich spannend.

    Nun ist bei mir die Frage offen geblieben, warum – mangels alternativem Währungsraum – die Verschuldung nicht über 10 Jahre auf ein erträgliches Maß weginflationiert werden kann? Bedingung wäre, daß die Staatsschulden deutlich länger laufen als der Inflationszeitraum und somit (zu einem relevanten Teil) erst deutlich nach der Inflationsphase umgeschuldet werden müssen. Schließlich ist ein erheblicher Anteil der Staatsanleihen bei Neuemission mittlerweile auf lang laufende Titel mit niedrigen Zinsen “umgeschuldet” – auch von Italien… Durch den vorliegenden Primärüberschuß sogar von schwierigen Volkswirtschaften (vor der Corona-Krise) könnte eine Neuverschuldung minimiert werden, was die Bedingung wäre.

    Eine solche kalte Enteignung wäre höchst elegant, weil kein Wirtschaftraum ein Interesse an einer Krise zur Bereinigung der Schulden hat, durch die entstehenden Brüche und politische Instabilitäten. Dieser indirekte “Schuldenschnitt” würde parallel mit einer “Entzombifizierung” durch die Zinserhöhung erfolgen, die wiederum wegen des demographischen Wandels den erwarteten Fachkräftemangel – in der westlichen Welt einschließlich Japan und China – wegen des Entfalls unproduktiver Arbeitsplätze reduzieren würde. Mangels alternativer Anlagemöglichkeiten würde in neue Unternehmen investiert, die ihre Anleihen bedienen können und aus den Assetblasen “die Luft” herausgelassen mit einer breiten Streuung der Verluste in die Mittelschicht, die damit ihre Alterssicherung alternativ zu den klassischen Anlageformen aufbauen will. Insofern wäre es jetzt, eine falsche Reaktion aus Angst vor Inflation in überbewertete Assets einzusteigen.

    Gibt es Autoren, die solche Szenarien diskutieren und mit denen Sie einen weiteren herausfordernden und kurzweiligen Podcast machen könnten?

    Vielen Dank

    Christoph Oertel

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    Timur Erkan sagte:

    Guten Tag Herr Dr. Stelter,

    Ihr allwöchentliches SPD/Scholz-Bashing ist vielleicht sehr verführerisch aber im Grunde zu einfach. Ich denke es ist offensichtlich, dass für die SPD es am einfachsten ist einen Führungskopf loszuwerden indem man ihn zum Kanzlerkandidaten macht. DIE SPD wird sich mit den aktuellen Vorsitzenden neu aufstellen, wenn die alte Riege weg ist. Und dann haben Sie sicher etwas, was sie kritisieren können.

    Zu komplizierten Förderprogrammen gibt es viele CDU-initierte Beispiele, die nach dem Motto lanciert wurden :“Es ist egal wie viele Fantasillarden wird bereitstellen, solange wir verhindern, dass sie tatsächlcih abgerufen werden“. Ein Beispiel ist die Förderung von E-Autos in der Vergangenheit. Da wurden Förderungen bereitgestellt für autos, die es in der Form noch gar nicht gab. Also die CDU macht es nicht besser, zumal sie das Wirtschaftministerium stellen. Hier wirken Sie sehr voreingenommen.

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      Christoph Oertel sagte:

      Lieber Timur Erkan,

      ganz im Gegenteil zu Ihrer kritischen Einschätzung ist die Besetzung des Finanzministeriums mit Olaf Scholz für die SPD eine historische Chance in der Corona-Krise. Olaf Scholz kann dafür auf ein funktionierendes Ministerium aufbauen. Wenn erfolgreich, dann wird die Kanzlerkandidatur eine realistische Option für ihn und die SPD. Wenn nicht, dann ist der Abstieg zur 10%-Partei beschleunigt.

      So leid es mir tut, Sie verwechseln die Risiken, die Olaf Scholz eingeht mit SPD-Bashing. Es gilt hier, nicht markige Sprüche wie “Bazooka” anstatt solider Vorgaben herauszuhauen und handwerkliche Fehler wie die temporäre Mehrwertsteuersenkung zu vermeiden.

      Einen schönen restlichen 4. Advent und lassen Sie uns aus unserem Hin und Her eine herausfordernde Diskussion mit Daniel Stelter machen :-)…

      Christoph Oertel

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    Michael Mohnburg sagte:

    Vielen Dank für diesen außergewöhnlich interessanten Gesprächsgast. William White ist bekannt dafür, dass er die Zentralbanken für das geld- und schuldenpolitische Desaster verantwortlich macht. Es ist auffällig, dass die meisten Zentralbank-Bürokraten leider erst nach ihrer aktiven Karriere die Vernunft (oder den Mut?) wieder finden, die ungeschminkte Wahrheit auszusprechen.

    Auf sachlicher Ebene gab das Interview zwar keine neuen Erkenntnisse, aber allein die Tatsache, aus wessen Munde die harsche Zentralbankkritik vorgetragen wurde, war die Geduld wert, auch das Original-Interview in voller Länge zu hören.

    Jedem sei das von W. White angesprochene Buch von Peter Bernholz „Monetary Regimes and Inflation“ als Basisliteratur zum Thema Inflation empfohlen! Es ist leider nicht auf Deutsch erhältlich.

    Bei einem Gesprächsgast aus dem inneren Zirkel der Zentralbankbürokratie hätte ich mir allerdings noch folgende Fragen gewünscht:
    – Wie hoch ist der Goldanteil ihres Vermögens?
    – Wie kann man es nur so lange bei der BIZ aushalten, wenn man mit ansehen muss, wie sich die FED (und schließlich der Rest der Welt) immer weiter von einer seriösen Geldpolitik entfernt?
    – Muss es erst zu einem Totalzusammenbruch kommen, bevor ein seriöser Neuanfang begonnen werden kann und wie könnte dieser aussehen? Währungswettbewerb?

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    • Avatar
      Michael Mohnburg sagte:

      Ergänzung:
      Der Schweizer Professor Peter Bernholz untersuchte in einer wirtschaftshistorischen Studie 29 Beispiele von Hyperinflationen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Inflationen gibt es nur bei ungedeckten Papiergeldwährungen. Inflationen sind immer das Ergebnis einer verantwortungslosen, unseriösen Fiskal- und Geldpolitik. Inflationen werden immer
      durch Defizite des Staatshaushaltes verursacht, die überwiegend durch Geldschöpfung finanziert werden. Der Zusammenhang zwischen Geldentwertung, Staatsverschuldung und Geldmengenwachstum wird bewusst verschleiert.

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        foxxly sagte:

        @ M.M. 21:26
        > Inflationen gibt es nur bei ungedeckten Papiergeldwährungen.<
        das denke ich nicht, denn auch der wert einer zb.goldmünze lässt sich inflationieren. wenn der goldpreis hoch getrieben würde und man aber trotzdem nicht mehr kaufen kann, dann infltioniert auch gold.
        eine goldgedeckte währung ist sicher besser, als das aktuelle, aber nicht inflationsfrei.
        zudem müsste der preis sowieso "mitwachsen mit dem wirtschaftswachstum. allerdings könnte eine goldpreisbindung auch wachstums-bremsend wirken

      • Avatar
        Michael Mohnburg sagte:

        @foxxly
        Inflationen bei goldgedeckten Währungen sind nur durch ein zusätzliches Angebot des Metalls möglich (siehe Spanien im 16.Jht.) oder durch Verschlechterung der Währung durch die Herrschenden (Stichwort Münzverschlechterung, Reduzierung des Edelmetallgehalts).

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    JürgenP sagte:

    @ DS
    William White formulierte in einem Nebensatz, dass „Notenbänker auch nur Menschen seien“. Damit wird nach meinem Verständnis gesagt, dass auch Notenbänker & Finanzakteure aufgrund ihrer „menschlichen“ Konstitution in Bezug auf den Umgang mit (komplexen) Systemen genau denselben Restriktionen unterliegen, wie jeder andere Mensch.

    Dazu ist alles notwendige erforscht und gesagt, bspw. in „Die Logik des Misslingens“, Dietrich Dörner.

    Wenn Notenbänker neben sachbezogenen Inhalten der Notenbanktätigkeit, nicht auch die notwendigen Managementfähigkeiten erworben haben, muss „logischerweise“ der falsche Umgang mit dem komplexen System „Finanzwirtschaft“ in einem fürchterlichen Desaster enden.

    WW hat zwar Bezüge zu Komplexitäts- und Systemwissenschaften angedeutet, jedoch keinen substanziellen Vorschlag in diese Richtung gemacht, um Lösungen zu entwickeln. Allein auf Appelle zu setzen, das drohende Desaster abzuwenden, genügt in einer solchen Position einfach nicht.

    Allerdings ist/war auch er Teil des Systems und verfügte – selbst wenn er gewollt hätte – nur über wenig Möglichkeiten, die Prozesse der Notenbank-/Finanzwirtschaft so zu verändern, dass sich konkret hätte ein anderer Verlauf ergeben können. Dazu sind Beharrungskräfte viel zu stark. Das hätte ihn seinen Job gekostet.

    Soweit ich die Darstellung der vergangenheitsbezogenen Detailzusammenhänge richtig verstanden habe, folgt das System „Finanzwirtschaft“ folgendem, stark verkürztem, Wirkungsverlauf:

    > bestehendes System > unterliegt komplexitätsgetriebenen Wandel > ist im Kern desaströs konfiguriert > und führt dadurch zunehmend zur DeStabilisierung > erfährt durch problemverdeckende Verschuldung zurzeit noch Akzeptanz in der Bevölkerung > das Ende naht unweigerlich.

    In den Worten von Herrn Tischer lautet die Beschreibung (frei aus dem Zusammenhang gegriffen):

    „Ein hochproduktives kapitalistisches System, das demografischem und technologischem Wandel unterworfen ist und die Akzeptanz der Bevölkerung zu verlieren droht, muss durch Staatseinfluss so KONFIGURIERT und durch die Geldpolitik so STABILISIERT werden, dass es NICHT die Akzeptanz der Bevölkerung verliert“.
    @ Dietmar Tischer 13. DEZEMBER 2020, 18:00

    mit seinem Fazit in Bezug auf den aktuellen Erkenntnisstand:

    „Nichts NEUES also, sondern MEHR vom Gehabten“.

    Auf nach diesem Podcast erkenne ich kein ein klares, normativ gestütztes, Szenario mit schlüssiger Strategie, wie der Verlauf ohne einen gewaltigen Crash umgekehrt werden könnte. Woher denn auch sollten Notenbänker wissen, wo anzusetzen ist, außer bei Notenbanken.

    Eine Idee für Suchende:
    „Die Theorie dynamischer Systemen, die insbesondere als Selbstorganisations- und Chaostheorie bekannt geworden ist, dient als Verständnisrahmen und als Gestaltungskonzept für Veränderungsprozesse in Unternehmen und Institutionen“.
    [Peter Kruse, next practice – Erfolgreiches Management von Instabilität, Seite 13]

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ JürgenP

      >Wenn Notenbänker neben sachbezogenen Inhalten der Notenbanktätigkeit, nicht auch die notwendigen Managementfähigkeiten erworben haben, muss „logischerweise“ der falsche Umgang mit dem komplexen System „Finanzwirtschaft“ in einem fürchterlichen Desaster enden.>

      Das ist korrekt.

      Es gilt für den Umgang mit ALLEN Systemen.

      Aber:

      Managementfähigkeiten sind nur eine notwendige, aber KEINE hinreichende Voraussetzung, um ein System DAUERHAFT zu stabilisieren oder in einen BESSEREN Zustand zu bringen.

      Die implizite Überzeugung von W. White, die ich in meinem Fazit explizit gemacht habe, lautet:

      Es gibt KEINE hinreichende Voraussetzung, das System dauerhaft zu stabilisieren, geschweige denn, es in einen besseren Zustand zu überführen.

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    foxxly sagte:

    @
    ein exponentielles geldsystem, wie es das derzeitige Kreditgeldsystem ist, führt vom grundsatz her immer in eine selbstzerstörung, – weil zumindest mit diesen herrschenden bedingungen,- einerseits die realwirtschaft und anderseits das bankensystem, eine exponentielle asymetrie gegeben ist.
    die realwirtschaft muss stets dabei, durch den arbeitsleistung (und erfindungen) entstandenen höheren mehrwert, – diesen wert in geld plus zinsen, an neuen kredit tätigen. und dieser mechanismus ist fatal, weil keine mehrleistung die verschuldung mindert, sondern immer das gegenteil der fall ist.

    um diese asymetrie zwischen banken und real wirtschaft zu überwinden, sind folgende bedingungen nötig.
    – der mehrwert (jährl), also das BIP-zuwachs in geld, etwa zb. 50mrd € muss der realwirtschaft ohne rückzahlverplichtung zur verfügung gestellt werden. auszahlung pro kopf
    – kreditnehmer zb. unternehmer dürfen dieses geld aber nicht geschenkt bekommen: sie müssen die zinsen an den staat bezahlen
    – um die geldmenge zu steuern, muss der größte teil dieser kredite an die banken zurückfließen und aus dem umlauf entfernt werden.

    in dieser herrschenden asymetrie,- um es anders zu sagen:
    jeder kredit der realwirtschaft ist eine geldschöpfung, – er macht die kreditgebende bank um diese kredithöhe augenblicklich reicher. zudem fließen zinsen zurück an die bank.(die zinsen decken in der regel mehr, als das kreditrisiko ab.)
    das heisst, dass neben den vermögen der realwirtschaft, die gelddruckerbanken sogar (automatisch) noch reicher sind und werden.
    also nochmals: die realwirtschaft kann diesen asymetrischen wettlauf niemals gewinnen.
    an diesen asymetrieschen mechanismus ändert grundsätzlich auch eine zb. schuldentigung und haftungen, sowie evtl, andere maßnahmen nichts. sie können allenfalls die crash-geschwindigkeit etwas verlängern.

    zur weiteren stabilisierung der gesellschaft, ist eine begrenzung von einkommen und vermögen erforderlich. ansonsten müssen rahmendedingungen für einen wettbewerb, sowie alles getan werden, das kein sozialismus entsteht.

    meine idee ist,
    bitte helft mit, um diese asymetrie zu beseitigen, -konstruktiv vorschläge zu erarbeiten bzw zu verbessern. nur dieses bringt uns wirklich weiter.

    mir ist völlig klar, dass ein anderes gelsystem etc. derzeit nicht umsetzbar ist. aber, man sollte mindestes vor dem crash wissen, wie ein anderes nachhaltigeres geldsystem später ausschauen sollte.

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    Guido Hüpper sagte:

    Herzlichen Dank für diesen tollen Beitrag! Vorab die wesentlichen Kernaussagen zusammenzufassen und zu kommentieren hat das Verständnis des auf englisch geführten Interviews wesentlich erleichtert,

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    dummbatz sagte:

    sehr geschätzter herr stelter!

    ich schliesse mich dem vorschlag/bitte von
    @Horst Kespohl:
    „Man stellt sich automatisch die Frage, wie kann ich nun bestmöglich vorsorgen. Ich würde mir als Fortsetzung einen Beitrag mit Experten wünschen, zu dem Thema „Was soll ich heute tun, um in Anbetracht der bevorstehenden Probleme meine Vermögenswerte bestmöglich zu schützen?“

    als auch

    @weico:
    „Viel zielgerichteter wäre/ist doch, sich Gedanken darüber zu machen,wie man SELBST am BESTEN von dieser verfahrenen Situation profitieren kann bzw. wie ein „Neustart“ aussehen könnte.“

    an!
    es wäre in der tat extrem hilfreicher sich praxis lösungsorientiert auszutauschen, denn die verantwortlichen und fehler zum x-ten mal durchzukauen, zumal es für die meisten (mich eingeschlossen) eh nur bis zu einem gewissen grad und zeit nachvollziehbar ist, und letztendendes keinen persönlichen mehrwert des viel zu kurzen lebens generiert.

    das wäre ein lichtblick in diesen unsicheren, stürmischen als auch hochgradig geisteskranken zeit!!!

    allen versammelten weiterhin einen schönen 3. advent!

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    Dietmar Tischer sagte:

    Das Format hält sein hohes Niveau:

    Auch dieser podcast besticht durch ein aufschlussreiches Gespräch mit einem ausgewiesenen Fachmann, der mit Insidererfahrung der Notenbankpolitik und intellektueller Souveränität dazu Abstand haltend Aufklärung leistet.

    Man könnte zu jedem seiner Sätze etwas sagen und würde dabei den allermeisten zustimmen müssen.

    Ich versuche, mit einigen Schritten zu einem Fazit zu kommen:

    1. FEHLGELEITETE Geldpolitik der NOTENBANKEN

    Seit 1987 sehr akkommodierende Geldpolitik der Notenbanken, um Bust-Konsequenzen abzumildern:

    „Easy money works“ – es hat funktioniert.

    Die westlichen Volkswirtschaften haben keine fundamentalen Einbrüche erfahren und dies trotz eines – im podcast nicht angesprochenen – externen Supply-Schocks billiger Arbeitskräfte nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der forcierten Expansion Chinas.

    2. LOGIK

    Krisenverhinderung → Krisenmanagement → Krisenlösung:

    Dieser von den Notenbanken betriebene Mechanismus hat die Verschuldung kontinuierlich hochgetrieben, dabei vor allem durch unproduktive Verschuldung (der Konsumenten) belastend.

    3. KONVENTIONELLE Lösungen:

    Bei geringem Wachstum keine Lösung, weil bei unvermeidbar niedrigen Zinsen weitere massive Verschuldung erforderlich ist.

    Bei hohem Wachstum und steigender Inflation steigende Zinsen, was nicht nur die mit Verschuldung gehebelten Assetpreise abstürzen, sondern auch die Neuverschuldung zu teuer werden ließe.

    Sonderfall nach WKII, der hohe Verschuldung in überschaubarer Zeit auf ein tragbares Niveau gebracht hat, ist nicht reproduzierbar, weil unter heutigen Bedingungen bei steigender Inflation – wenn man sie denn hätte – die Zinsen regulativ nicht niedrig gehalten werden könnten.

    4. Denkbar MÖGLICHE Lösung

    Inflationierung durch ausufernde Fiskalpolitik auf Basis monetärer Staatsfinanzierung (MMT), bei der die Inflation erfahrungsgemäß nicht unter Kontrolle gehalten werden kann.

    Abwertung der Währung und Flucht aus dieser Währung.

    Interessante Variante:

    Wenn die großen Wirtschaftsblöcke (USA, EU, Japan – China?) das gleichgerichtet betreiben, gibt es keine Fluchtmöglichkeiten → länger anhaltende Phase steigender Inflation möglich.

    5. ANZUSTREBENDE Lösung

    Da die Gläubigerverluste de facto bereits eingetreten sind, geht es rational nur noch darum, sie verträglich zuzuteilen (geordnete Entschuldung). Das erfolgt nicht, weil zu viele Menschen von de jure-Verlusten betroffen wären, d. h. nicht mehr versuchen könnten, Ansprüche durchzusetzen, weil sie diese nicht mehr haben.

    Es müsse darüber viel mehr nachgedacht werden, um auf diesem Weg doch noch von der zu hohen Verschuldung runterzukommen.

    6. Die LÖSUNG nach einer HYPOTHETISCHEN Entschuldung

    Unternehmen, insbesondere Banken und deren Eigentümer müssten ins RISIKO gehen können mit den durchsetzbaren Sanktionen, nicht nur ihr Eigentum zu verlieren, sondern auch Gefängnisstrafen antreten zu müssen.

    Modalitäten im Finanzsektor: Free banking ohne „Rettungsnetz“, narrow banking mit geringer Regulierung.

    Des Weiteren: Institutionelle Reformen, Strukturreformen und Änderung des Verhaltens der Menschen.

    Mein Fazit:

    W. White bleibt durchweg im MONETÄREN Bereich.

    Dies sehr kompetent und überzeugend.

    Er lässt aber die REALWIRTSCHAFTLICHEN Bedingungen des/der Verschuldungsmechanismen AUSSER Acht.

    Schon von Anfang an:

    WARUM wurde die Geldpolitik der Notenbanken ab 1987 als ERFOLGREICH angesehen, obwohl DADURCH die Verschuldung – ob als Problem erkannt oder nicht – weiter zunehmen MUSSTE?

    Ganz einfach:

    Sie hat INSOLVENZEN und MASSENARBEITSLOSIGKEIT, die in Wohlstandsgesellschaften nicht hinnehmbar sind, vermieden.

    Dieses Problem stellt sich auch nach 6. einer hypothetischen Lösung.

    Wenn die unternehmerisch tätigen Akteure VOLL für ihr Handeln HAFTEN müssen, werden sie NICHT so handeln, dass hinreichende Beschäftigung erreicht wird.

    Kurzum:

    W. White kommt NICHT zum EIGENTLICHEN Problem:

    Ein hochproduktives kapitalistisches System, das demografischem und technologischem Wandel unterworfen ist und die Akzeptanz der Bevölkerung zu verlieren droht, muss durch Staatseinfluss so KONFIGURIERT und durch die Geldpolitik so STABILISIERT werden, dass es NICHT die Akzeptanz der Bevölkerung verliert.

    Wird die Akzeptanz verloren, ist das System NICHT mehr KONTROLLIERBAR.

    Bisher wurde die Akzeptanz erhalten.

    Die INSOWEIT erfolgreichen Mitteln und Maßnahmen des INTERVENTIONISTISCHEN ZENTRALISMUS und die einer Geldpolitik des WHATEVER it TAKES werden verstärkt eingesetzt werden.

    Es gibt nichts ANDERES, das akzeptabel und durchsetzbar wäre.

    Nichts NEUES also, sondern MEHR vom Gehabten.

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    @Dr. Lucie Fischer sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,
    Vielen Dank für diesen Beitrag, Ihnen gelingt es , auch Laien ( wie mir) komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen- und sie sprechen NICHT zu schnell:
    eine Wohltat , verglichen z.B. mit der ermüdend- pädagogisch- gedehnten Predigten einer Ursula v.der Leyen oder den inhaltsleeren Worthülsen von Politikern.
    Mir fiel -schon bei Prof. Werner- auf, dass an entscheidenden Punkten offensichtlicher Fehl-Entscheidungen die “ human nature“ bemüht wird-das finde ich unbefriedigend.
    In keinem “ normalen“ Beruf ( sei es Heizungsbauer oder Arzt) können Fehler mit gravierenden Folgen auf die conditio humana verschoben werden. Als Arzt muss ich materiell und mit meiner Ehre haften wenn ich Fehler in Diagnostik und Therapie begehe, die Angst davor ist ständiger Begleiter. Hohe Haftpflicht-Versicherungen sind Pflicht , beruhigen aber kaum.
    Warum dürfen sich hochqualifizierte Notenbank-Chefs & Top-Ökonomen mit so flach-banalen Begründungen zufrienden geben? Ideen und Lösungs-Vorschläge zum Thema Haftung und Risiko fand ich im letzten Buch meines Lieblings-Autors Nassim N. Taleb: “ Skin-in-the-game“ ( 2018) :
    „Dinge, die von Menschen ohne Skin -in-the-Game- entworfen werden, nehmen tendenziell an Komplexität zu,
    bevor sie schliesslich in sich zusammen brechen“ ( S. 54).
    Warren Buffet :
    “ Man soll nur in Firmen investieren, die auch ein absoluter Vollidiot leiten kann, denn eines Tages wird genau das passieren“.
    Wie wird sich wohl ein Herr Jens Weidmann in 5 Jahren äussern, wenn er von Ihnen interviewt werden wird?

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Dr. Lucie Fischer

      >Warum dürfen sich hochqualifizierte Notenbank-Chefs & Top-Ökonomen mit so flach-banalen Begründungen zufrienden geben?>

      Sie müssen sich NICHT mit Fehlentscheidungen zufrieden geben.

      Sie können IMMER begründen, dass sie das RICHTIGE getan haben:

      Beispielsweise:

      >Wie wird sich wohl ein Herr Jens Weidmann in 5 Jahren äussern, wenn er von Ihnen interviewt werden wird?>

      Antwort:

      Wenn wir nicht so gehandelt hätten, wie wir gehandelt haben, wäre der Laden schon viel früher zusammengefallen.

      Wir haben also geschafft, großen Schaden zu vermeiden.

      Das Gegenteil kann zwar niemand beweisen, aber es spricht einiges dafür, dass diese Antwort NICHT falsch wäre.

      Antworten
  10. Avatar
    Michael Bodenheimer sagte:

    Sehr gutes Interview! Herr White hat völlig recht, das Problem ist, dass korrupte und kriminelle Bänker und Politiker das Risiko auf den Staat abgewälzt haben; Dr. Markus Krall bläst hier schon seit Jahren ins gleiche Horn. Das Problem wird erst gelöst sein, wenn die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden und das Risiko wieder bei Banken und Entscheidern liegt und nicht einfach auf die Allgemeinheit abgewälzt werden kann!

    Antworten
  11. Avatar
    Florian Leinauer sagte:

    Vielen Dank für dieses spannende und informative Interview: interessant, wie sich die Argumente von William White und von Prof. Richard Werner (Podast Nummer 50) decken und ergänzen. Zwei ausgewiesene Fachleute, die viel zu wenig gehört werden, weil sie unangenehme Wahrheiten aussprechen.

    Antworten
    • Avatar
      @Dr. Lucie Fischer sagte:

      @Alexander
      Vielen Dank für den Hinweis, vielleicht ist es ( manchmal) der einzige Trost, dass es kluge, kritische und humorvolle Denker noch gibt in diesem Schland.

      Antworten
  12. Avatar
    Horst Kespohl sagte:

    Kompliment, wieder ein Beitrag der die aktuelle Situation sehr gut beleuchtet. Man stellt sich automatisch die Frage, wie kann ich nun bestmöglich vorsorgen. Ich würde mir als Fortsetzung einen Beitrag mit Experten wünschen, zu dem Thema „Was soll ich heute tun, um in Anbetracht der bevorstehenden Probleme meine Vermögenswerte bestmöglich zu schützen?“

    Antworten
  13. Avatar
    MFK sagte:

    Ein Gedanke der mir schon bei einem der letzten Beiträge kam: Bräuchte man nicht mehrere Zentralbank Refinanzierungssätze. Möchte eine Geschäftsbank einen Konsumentenkredit refinanzieren, müsste sie einen höheren Zinssatz zahlen als bei einem Investitionskredit. Für Immobilienkredite für Bestandsimmobilien müssten ebenfalls höhere Zinsen gezahlt werden.

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    • Avatar
      foxxly sagte:

      @mfk 12:36
      was soll dieses lösen?
      eine investition, wenn sie erfolgreich durchgeführt wurde, steigert sie das wachstum. wachstum erzeugt mehr verschuldung, – was ist dabei gewonnen? wachstum durch kredite beschleunigt die spirale der unmöglichkeit einer lösung des kreditgeldsystems.

      Antworten
  14. Avatar
    foxxly sagte:

    es lässt sich hervorragend und unendlich diskutieren, wenn man sich fragmente eine gesamtsystems herauspikt. nur sie leider sind mehr ablenkung, als lösung!
    herr withe beschreibt die probleme sehr gut, sogar so gut, dass es dabei widersprüche gibt:
    er sagt, zb. dass die notenbanken fehler gemacht haben, dass sie in einer falle stecken und auch, dass es ein „herauswachsen nicht geht.
    andererseits wird suggeriert, dass zb. bankenhaftung und schuldenschnitte, eine lösung sein könnten.

    herr withe beschreibt die probleme sehr gut und weicht einer wirklichen lösung aus. ist natürlich klar, denn sonst müsste er auf das kreditgeldsystem als erbsünde benennen. das geht natürlich nicht, sonst würde er dem system in den rücken fallen, in dessen er selber sitzt.

    im ergebnis ist dieser beitrag eine 100%ige bestättigung meiner these, dass das kreditgeldsystem ursächlich ist für die probleme und fehlentwicklungen, – und es im grunde keine lösung daraus gibt.

    schuldenschnitte und haftungen, haben zur folge, dass die zinsen sehr viel höher sein müssten um deren risiko auszugleichen. hohe zinsen würgen/bremsen die wirtschaft und wachstum.
    wachstum als lösung ist schon mal falsch, weil dieses stets eine weitere verschuldung bedeutet.

    es gibt zu einem exponentiellen geldsystem keine lösung, als mitzumachen bis es kracht.
    die frage bleicht, wie dies von statten geht: in der vergangenheit wurden dazu rechtzeitig kriege angezettelt.
    denkbar wäre auch, dass ein weitgehend totaler finanz-crash zunächst ohne kriegshandlungen abläuft, – ob es dann auch ohne bürgerkrieg geht?

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    • Avatar
      Hans Severin sagte:

      Hallo @foxly, gehe d`accord mit Ihrer Einschätzung. „Flüchte“ mich verstärkt in die Philosophie. Schlimmer als ein Krieg oder Bürgerkrieg ist einen Krieg gegen sich selber zu führen. Selbstmord zähle ich nicht dazu, wohl aber (Zukunfts-)Ängste, Zweifel, generell sein Leben im Zustand des nicht glücklich seins zu verbringen.

      Die Alternative ein glückliches, erfülltes Leben zu haben, ist nicht von den Einkommensverhältnissen abhängig. Sonst wären alle Menschen mit Geld glücklich… Aber wir sind so gepolt, dass wir es dennoch denken und uns vorrangig bemühen, das Glück im Materiellen zu finden.

      Las oder hörte neulich, dass es drei Dinge braucht um wirklich Mensch zu sein:

      Man muss sich selber /sein Selbst kennen. Man muss bewusst sein. Man muss ein Herz voller Dankbarkeit haben.

      Und danach kommt natürlich das Bemühen, auch die äußeren Dinge schön und angenehm zu machen. Daher interessieren mich auch immer Anregungen und Hinweise dazu in diesem Blog.

      Antworten
      • Avatar
        markus sagte:

        @HS:
        Ich denke, ein Dach über dem Kopf, genug Essen und Zukunftschancen für seine Kinder zu sehen, gehört auch dazu.

  15. Avatar
    weico sagte:

    William White macht es sich etwas gar einfach mit „seinem Fazit“….. ! Er ist schlicht (Mit)verantwortlich,dass die ZB’s in dieser „Ecke“ stehen.Wer es aber in fast 50 Jahren nicht kapiert hat,wird es wohl auch JETZT nicht mehr.

    Nur schon die simpelste GRUNDREGEL einer ZB wurde bzw. wird ja nicht eingehalten, obwohl Diese schon seit 1873 bekannt ist (Walter Bagehot’s Buch: „Lombard Street“) ,WIE die ZB in einer „Krise“ HANDELN MUSS :
    «Für die Kredite ist ein sehr hoher Zinssatz zu verlangen. Das wird die Mehrzahl der Anträge von Häusern verhindern, die sie gar nicht brauchen.»

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      Bauer sagte:

      @ weico

      Sie gehen mit Mr. White zu hart ins Gericht, obwohl Sie sachlich natürlich recht haben.
      Was hätten Sie an seiner Stelle getan? Er hat ja gewarnt, wann und wo er konnte. Aber wenn er noch unbequemer geworden wäre, hätte ihn das System ausgesondert. Das ist ja das Dilemma aller einsichtigen, schon angefangen bei unserem Dr. Stelter.

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        weico sagte:

        @Bauer
        Klar . Darum sind ja solche „Fehler- bzw. Lösungs-Diskussionen“ ja auch nur ein reiner Zeitvertreib.

        Viel zielgerichteter wäre/ist doch,sich Gedanken darüber zu machen,wie man SELBST am BESTEN von dieser verfahrenen Situation profitieren kann bzw. wie ein „Neustart“ aussehen könnte .

        Ein Podcast, Herr Stelter mit Herrn Heinsohn ,wäre wohl ein richtiger „Augenöffner“

        Heinsohn’s neuster Artikel,auf „Achgut“,beschreibt den Abstieg Deutschlands treffend und wie sich die Jungen dagegen „wehren“.Man lese ruhig auch die Leserkommentare…
        https://www.achgut.com/artikel/Hightech_deutschlands_abschied_koreas_aufstieg

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        weico sagte:

        @Daniel Stelter

        „Das Interview mit Gunnar Heinsohn, den ich persönlich kenne, ist bereits aufgenommen.“

        S U P E R….! Wird sicher ein absoluter Hochgenuss.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ weico

      Wenn das PROBLEM darin besteht, dass die Leute NICHT arbeitslos werden, sondern weiterhin Einkommen erzielen, dann handeln die Notenbanken so, wie sie gehandelt haben.

      Ob Anträge von Häusern verhindert werden oder nicht, ist dann BELANGLOS.

      Wir sind HEUTE nicht in der Welt, in der Bagehot war.
      Wer das nicht begreift, hat nichts begriffen.

      Damit ist nicht gesagt, dass die Notenbankpolitik in jeder Hinsicht zu bejahen ist.

      Es wird damit lediglich gesagt, dass es gute GRÜNDE für sie gibt, so zu handeln, wie sie handelt.

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    Seuchenvogel sagte:

    Guten Tag,

    vielen Dank für den, wie immer, interessanten Podcast. Ich bleibe bei meiner Einschätzung: Das Problem ist das Fractional Reserve Banking System.

    Nun zum Podcast:

    Um zu sehen was eigentlich in den Banken los ist, muss man sich nur einmal die Aktienkurse der europäischen Banken anschauen. Diese werden nahezu alle weit unter ihrem bilanziell ausgewiesenem Eigenkapital gehandelt.

    Beispiel Deutsche Bank: Das bilanzielle Eigenkapital der Bank wird mit rund 56 Milliarden Euro ausgewiesen. Das ist die Summe, die mindestens rauskommen müsste, wenn man die Bank liquidiert. Also alle Vermögenswerte verkauft und davon alle Verbindlichkeiten tilgt.
    Die Börse bewertet die Bank aber nur mit 18 Milliarden Euro. Das sind 38 Milliarden Euro Lücke. Die Börse sagt also, mindestens die Hälfte des Eigenkapitals der Bank sind eigentlich nicht mehr da.

    Dafür gibt es nur 3 Erklärungen:

    1. Die Vermögenswerte werden bilanziell zu hoch angesetzt und damit falsch bilanziert
    2. Die Verbindlichkeiten werden zu tief angesetzt und damit falsch bilanziert
    3. Die Börse irrt sich

    Wenn es 3. wäre, dann wäre längst eine JP Morgan gekommen, hätte die Hälfte ihres Jahresgewinn 2019 genommen, die Deutsche Bank gekauft, die Bank liquidiert und sich 38 Milliarden Euro Liquidationserlös eingestrichen.

    Es bleiben also nur 1. oder 2. Die Möglichkeit Nummer 2 schliesse ich aus. Das heisst es bleibt Nummer 1.
    Die Vermögenswerte stehen zu hoch in der Bilanz. Das bedeutet, auf der Aktivseite der Bilanz der Deutschen Bank, schlummern noch mindestens 38 Milliarden Euro nicht abgeschriebene Posten. Das heißt das Eigenkapital der Bank ist zu mindestens 50% weg. Das bedeutet, die Bank ist faktisch pleite. Und das war zum Stichtag 31.12.2019, also VOR Corona.
    Natürlich wissen das auch die Aufsichtsbehörden wie Bafin und EBA. Und natürlich wissen das auch die Wirtschaftsprüfer, Ratingagenturen und die Politik (ok manche Politiker wissen es vielleicht nicht, weil zu dumm). Natürlich wissen das auch Vorstand und Aufsichtsrat. Und das weiß auch die EZB. Und alle wissen, dass es nicht nur bei der Deutschen Bank so ist.

    Und warum passiert nichts? Weil hier ein erlaubter Bilanzbetrug stattfindet. Weil hochgradig Kriminelle in den Schaltzentralen der Banken und Aufsichtsbehörden / Notenbanken sitzen. Und weil die auf dummes und / oder kriminelles Führungspersonal in der Politik bei diesem Betrug mitmacht. Damit das System nicht zusammenbricht. Der aufgeflogene Bilanzbetrug bei Wirecard ist nur ein laues Lüftchen im Verhältnis zum Bilanzbetrug bei den Banken in Euroland. Das Problem war, dass bei Wirecard der Bilanzbetrug nicht zum Erhalt des Systems diente, sondern das sich einige Personen bereichert haben. Oder anders ausgedrückt. Die Wirecard Drahtzieher haben sogar die kriminelle Energie und Dummheit der Bankvorstände, Politiker, WPs und Politiker ausgenutzt, um sich zu bereichern. Sie haben das kriminelle System genutzt, um sich,durch kriminelle Handlungen, zu bereichern. Wenn der Bilanzbetrug bei Wirecard zum Erhalt des Systems gedient hätte, wäre er nie aufgeflogen, weil er erlaubt worden wäre.

    Ich wünsche allen einen schönen 3. Advent.

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