Die bemerkenswerte Politik der US-Notenbank

Und: warum der Urgedanke der EU eine ferne Utopie ist

Entscheidung der US-Notenbank und ihre Folgen; Kritik von ungewohnter Seite am Konjunkturpaket; der Versuch, etwas Optimismus zu verbreiten – gleich mehrere aktuelle Wirtschaftsfragen stehen in Folge 27 von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ im Mittelpunkt. Zunächst die Hintergründe zum bemerkenswertesten Zitat dieser Woche: „Wir denken nicht einmal daran, über eine Erhöhung der Zinssätze nachzudenken.“ Sie hören, warum diese Aussage von Fed-Chef Jerome Powell so bedeutend ist. Darüber hinaus werden die durchaus unterschiedlichen Bewertungen der Konjunkturprogramme von EU und Bundesregierung analysiert. Außerdem: Highlights aus dem Live-Talk zwischen Gabor Steingart und Daniel Stelter. Außerdem gab es wieder spannende Fragen von Hörern dieses Podcasts, die Daniel Stelter beantworten wird.

… oder hören Sie diesen Beitrag über Ihre eigene Player-App:

Kommentare (22) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    micheline sagte:

    also als aller aller erstes gehört dieses konzept des berufs (berufung???) politikers abgeschafft!
    dieses konzept ermöglicht doch erst die korruption und vetternwirtschaft, als auch dass man als zu 100% vollkommen kompetenzbefreit in solche entscheiderpositionen kommt.

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    Dr. Lucie Fischer sagte:

    Ein Abladen von Staats-Schulden EINMALIG wäre nur glaubhaft und vertrauenswürdig, wenn DANACH für immer die “ goldene Regierungsregel“ für ALLE gelten würde:
    Staatliche Kreditaufnahe müsste generell untersagt sein, Haushalte müssten immer ausgegliche sein.
    Mein Lieblings-Autor Nassim Nicholas Taleb plädiert dafür in seinem Buch “ Antifragilität“ ( S.391), seine Ausführungen zu Schulden haben mich am meisten überzeugt.

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      Richard Ott sagte:

      @Dr. Lucie Fischer

      Leider utopisch. Dazu bräuchten wir Regierungen, die bereit wären, sich an die geltenden Gesetze zu halten.

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        LDr. Lucie Fischer sagte:

        @ Lieber Herr Ott,
        Utopisch derzeit sicher, aber man könnte von Parteien und Regierungen ganz naiv
        finanzielle Transparenz fordern. Cum-Ex, liebe Leute! ( verbunden- auch utopisch!- mit der Forderung direkter Demokratie nach Schweizer Vorbild). Das Entsetzten der Herrschenden wäre gesichert. Diskussions-Orgien sind anzustreben, Merkel zittirig und blass. Taleb zitiert historische / Bibel/ Quellen- wir sollten es einfach wagen, von Politikern Gesetzestreue zu verlangen.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Dr. Lucie Fischer

      Leider utopisch.

      Denn dazu bräuchten wir Regierungen, die – ALLE in ALLEN beteiligten Nationen – bereit wären, NICHT auf ihr Volk zu hören, was als Missachtung von Interessen verstanden und dazu führen würde, eine nach der anderen sofort aus dem Amt zu jagen.

      Die Ausnahme wären wir, weil wir als das auserwählte Volk IMMER die Schwarze Null schaffen, was die „goldene Regierungsregel“ für uns zu einer Selbstverständlich macht : – )

      Wegen des Defizits an Regierungsentscheidung bei den anderen käme es zwar zur gewünschten Nichtaufnahme von staatlichen Krediten, zugleich gäbe es aber auch keinen Haushalt, geschweige denn einen ausgeglichenen – und damit, letztlich, Chaos und Anarchie.

      Zum Punkt:

      Dr. Stelter weiß, dass das EINMALIG von Merkel/Macrons Finanzierungsvorschlag eine ILLUSION ist und SEIN Einmalig auch eine wäre.

      Es geht daher nur darum, anhand von KONZEPTIONELLEN Alternativen darzulegen, was die vorteilhafteste Lösung wäre.

      Sein Entschuldungsvorschlag ist eine solche, kauft aber auch nur Zeit, weil das Gebilde Eurozone/EU eine Fehlkonstruktion ist, die sich aus eigener Kraft nicht reparieren lässt.

      Sein heutiger Podcast ist bemerkenswert POLITISCH und lässt einen selbstbekundeten PESSIMISMUS deutlich durchschimmern, was mit Blick auf seinen Anspruch und die Realität gar nicht anders sein kann.

      Allerdings kann er das nicht so explizit sagen, wie z. B. Diskutanten an diesem Blog.

      Würde er es dennoch tun, könnte man ihm vorwerfen, dass seine Anstrengungen AUFZUKÄREN und WEGE zu WEISEN, ein Projekt ad absurdum wären, weil sie eigener Überzeugung nach letztlich keinen Erfolg haben würden.

      Kurzum:

      Wer auf Basis der neuen Finanzierungsmodalitäten ein Morgenrot für die EU wittert, kann das nur mit einer gehörigen Portion IGNORANZ.

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    Michael Bodenheimer sagte:

    Sehr geehrter Herr Stelter,

    vielen Dank für ihren tollen Beitrag!

    Lassen Sie uns doch mal das Szenario der Schulden-Annullierung (bei den von der EZB auf gekauften Staatsanleihen) durchspielen. Ein einmaliger Schuldenschnitt dieser, von der EZB auf gekauften Staatsanleihen, würde unsere südeuropäischen Nachbarn eher dazu verleiten, sich nach dem Schuldenschnitt noch schneller zu verschulden, als diszipliniert zu wirtschaften, bis schließlich der nächste Schuldenschnitt notwendig wird, und so weiter und so fort. Dann enden wir langfristig im besten Fall mit dem Euro irgendwo im Bereich einer Weichwährung, à la ehemaliger italienische Lira und im schlechtesten Fall bei Simbabwe oder Venezuela. Diejenigen Staaten, die sich an die Regeln halten, werden in einem solchen Konstrukt immer wieder die Verlierer sein. Warum kann man nicht stattdessen anerkennen, dass der Euro scheitern wird und mit solchen vermeintlichen Partnern auch In Zukunft nicht Bestand haben kann? Man sollte dann doch eher einen Euro anstreben, wo strukturell und kulturell ähnliche Volkswirtschaften zusammenarbeiten. Bis zum Schuldenschnitt, der Auflösung des Euro oder des Zusammenbruchs sollten wir unsere verbliebenen finanziellen Ressourcen doch eher dahingehend einsetzen, uns auf diesen Zusammenbruch vorzubereiten, so wie das die Schweizer, norwegische, russische, und chinesische Zentralbank längst tun, in dem sie sich Anleihen an Produktivkapital und Gold ins Depot legen, anstatt Staatsanleihen von Staaten, die zu einem späteren Zeitpunkt per Schuldenschnitt entwertet werden.

    Viele Grüße

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Michael Bodenheimer

      >Dann enden wir langfristig im besten Fall mit dem Euro irgendwo im Bereich einer Weichwährung…>

      Abgesehen davon, dass „diszipliniert wirtschaften“ RELATIV ist, d. h. die Südeuropäer etwas anderes darunter verstehen als wir und eine verbindliche EINIGUNG darauf, was darunter verstanden werden sollte und daher auch zu praktizieren wäre, nicht zu erreichen ist, haben Sie Recht:

      LANGFRISTIG.

      >… sollten wir unsere verbliebenen finanziellen Ressourcen doch eher dahingehend einsetzen, uns auf diesen Zusammenbruch vorzubereiten,…>

      Wenn wir das – erkennbar für alle – auch nur ANSATZWEISE täten, wäre die Auflösung der Eurozone besiegelt und zwar:

      KURZFRISTIG.

      Mehrheitlich ist die Meinung der betreffenden Bevölkerungen, insbesondere auch bei uns:

      Kurzfristig NICHT (und langfristig ist öffentlich kein Thema, weil wir langfristig alle tot sind).

      Die Italiener sind allerdings schon nahe bei 50:50.

      Deshalb uns nicht hastig in Vorleistung bringen, was uns nicht zu Unrecht übel angerechnet würde, sondern:

      Wir sollten nett und freundlich sein, hin und wieder ein paar Milliarden auf den Tisch legen und die anderen werkeln lassen.

      So kommt man auch ans Ziel.

      Wenn es gut geht, sogar verträglich miteinander.

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        Michael Bodenheimer sagte:

        „Wir sollten nett und freundlich sein, hin und wieder ein paar Milliarden auf den Tisch legen und die anderen werkeln lassen.“

        Das meint der Restaurant-Besitzer auch, der wöchentlich Schutzgeld an die Mafia bezahlt, anstatt dem Spuk ein Ende zu bereiten und lässt hier tief blicken…

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Bodenheimer

        WIE würde Ihr Restaurant-Besitzer dem Spuk ein Ende bereiten, was Sie als Möglichkeit ja implizieren?

        Selbstjustiz oder Anzeige bei der Polizei?

        Selbstjustiz:

        Bezogen auf das hier behandelte Problem in der Eurozone sollten wir WIE handeln?

        Wenn Anzeige bei der Polizei:

        Bei WEM sollten wir den unhaltbaren Zustand anzeigen und WELCHE Institution hätte die Macht bei dem hier behandelten Problem in der Eurozone ordentliche Verhältnisse herzustellen?

        Sie meinen vermutlich nicht den EuGH oder?

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        Bauer sagte:

        @ D.Tischer

        >> „Bei WEM sollten wir den unhaltbaren Zustand anzeigen und WELCHE Institution hätte die Macht bei dem hier behandelten Problem in der Eurozone ordentliche Verhältnisse herzustellen?“

        Da wird man sich schon dazu durchringen müssen, nicht lang zu fragen, sondern sich selbst zu helfen, auch wenn man da einige Zeit die Zähne zusammenbeissen müsste.

        Schritt 1: Eine eigene nationale Währung für den Hausgebrauch schaffen, ohne sich aus dem Euro-Verbund zu lösen. DURO wäre dafür ein schöner programmatischer Name. Ziemlich die Hälfte aller Staaten auf dieser Welt lebt mit einem Doppelwährungssystem, und das meist nicht schlecht. Warum also nicht D auch? Die EU ist schon längst ein zahnloser Bettvorleger, Verzeihung, Tiger und wird das schlucken.

        Schritt 2: Sobald Schritt 1 läuft, der EU den Euro-Geldhahn zudrehen, warten bis sie implodiert und die qualifizierten Bruchstücke aufklauben.

        Anderenfalls, das Schicksal erdulden und den bto-blog gleich einstellen.

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        Michael Bodenheimer sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „WIE würde Ihr Restaurant-Besitzer dem Spuk ein Ende bereiten, was Sie als Möglichkeit ja implizieren?“

        Rückgrat zeigen und nicht mehr zahlen, zumal es sich beim Mafioso um nichts weiter, als um einen kleinen kleffenden Köter handelt…

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        >Schritt 1: Eine eigene nationale Währung für den Hausgebrauch schaffen, ohne sich aus dem Euro-Verbund zu lösen.>

        Was wäre die Konsequenz, wenn dies geschehen würde?

        Es wäre m. A. n. ein eindeutiges POLITISCHES Signal, dass man raus will aus der Eurozone.

        Wenn Deutschland, Frankreich oder Italien eine Parallelwährung einführten, die als gewollte und auch unterstützt werden MÜSSTE, würden sich wahrscheinlich die Kapitalmärkte vom Euro verabschieden.

        Er könnte dramatisch an Wert verlieren.

        Das würde weit über die Eurozone hinaus erhebliche Turbulenzen verursachen, die möglicherweise nicht beherrschbar sind.

        Das ist meine Einschätzung, wobei ich gern zugebe, dass ich mir dabei nicht sicher bin.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Bodenheimer

        >Rückgrat zeigen und nicht mehr zahlen, zumal es sich beim Mafioso um nichts weiter, als um einen kleinen kleffenden Köter handelt…>

        Wenn das so ist, warum nicht.

        Aber glauben Sie wirklich, dass die Analogie stimmt mit Blick auf die Eurozone/EU?

        Wenn WIR nicht mehr zahlen würden, sähe das wohl anders aus.

        Ich vermute, dass wir zumindest eine Zeit lang unser Lokal schließen müssten wegen „besonderer Vorkommnisse“.

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        Michael Bodenheimer sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Wenn wir unser Lokal, dank unserer südländischen Freunde, ein paar Wochen schließen müssen, müssen diese wohl danach für ein paar Monate dicht machen und beginnen dann wieder mit einem schäbigen Straßenkiosk bei 0. Die typisch deutsche Angst ist hier wohl unser größter Feind.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Bodenheimer

        >Die typisch deutsche Angst ist hier wohl unser größter Feind.>

        Kann man so sehen.

        Allerdings:

        Die Angst ist nicht unbegründet und sie ist ENTSCHEIDEND dafür, dass wir unser Lokal NICHT freiwillig schließen.

      • Avatar
        Bauer sagte:

        @ D. Tischer

        >> „Wenn Deutschland, Frankreich oder Italien eine Parallelwährung einführten, die als gewollte und auch unterstützt werden MÜSSTE, würden sich wahrscheinlich die Kapitalmärkte vom Euro verabschieden.“

        Es macht schon einen entscheidenden Unterschied, ob man eine Parallelwährung aus einer Position der Stärke oder der Schwäche heraus einführt. In ersterem Falle käme die Unterstützung vom Markt, denn niemand ist ja gezwungen, sie zu verwenden.

        Vor einigen Jahren konnte man an türkischen Geldautomaten noch frei wählen, ob man Lira oder Euro haben wollte. Damit ist es nun zwangsweise vorbei seit die Lira rapide verfällt, da sie niemand mehr freiwillig haben will. Gutes Geld verdrängt immer das minderwertigere.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bauer

        >Es macht schon einen entscheidenden Unterschied, ob man eine Parallelwährung aus einer Position der Stärke oder der Schwäche heraus einführt.>

        Richtig.

        Wenn Deutschland eine einführte, würde DIESE sofort an Wert gegenüber dem Euro gewinnen.

        Denn die Einführung würde signalisieren, dass Deutschland dem Euro nicht mehr vertraut, irgendwann die Eurozone verlassen würde und dann die eigene Währung aufwerten WÜRDE gegenüber dem für Deutschland zu billigen Euro.

        Wenn Italien eine einführte, würde der Euro relativ an Wert gegenüber dieser Parallelwährung gewinnen.

        Denn die Einführung würde signalisieren, dass Italien irgendwann die Eurozone verlassen würde und dann die eigene Währung abwerten MÜSSTE gegenüber dem Euro.

        Die Italiener würden mit ihren Euro schnellsten in deutschen Immobilien kaufen bis der Staat Kapitalverkehrskontrollen erließe.

        Das wäre das Ende der Eurozone.

        Also:

        Parallelwährungen sind hoch problematisch, aber schon so etwas wie eine relativ „elegante“ Lösung, die Eurozone zerfallen zu lassen.

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      weico sagte:

      @Michael Bodenheimer
      Es ist ,für den deutschen Steuerzahler, sicherlich auch sehr schwer zu verstehen und zu vermitteln,warum Er den „armen“ Italienern helfen soll (oder den Franzosen) … wo doch die jeweiligen Regierung auf einem „fetten Goldschatz“ sitzen….!

      https://www.gold.de/goldreserven/

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      RealTerm sagte:

      In der Tat wird auch ein einmaliger(!) Schuldenschnitt in Realität das Grundproblem nicht lösen und früher oder eben später den nächsten Schuldenschnitt nach sich ziehen. Es ist letztlich eine Prolongation eines dysfunktionalen Systems.
      Da Deutschland bei dem Spiel mit gezinkten Karten die „schwäbische Hausfrau“ gibt und als Verlierer enden wird, bleibt nur die zumindest partielle „Rettung“ auf persönlicher Ebene. Und auch nur dann, wenn man Zugang zu Kredit hat, also vermögend ist. Dann aber gilt es, auf privater Ebene einfach das Spiel mit den gezinkten Karten mitzuspielen und mit nahezu zinsfreien Krediten Sachwerte (Gold) zu kaufen.
      Auf Kredit spekulieren? Bloß nicht? Das galt zu Zeiten, als die Deutsche Bundesbank das Sagen hatte. Heute aber ist das Spekulieren auf Kredit nur die Wette darauf, dass die Notenbanken keine Kehrtwende vollziehen werden. Diese Wette ist die letzten 15 Jahre aufgegangen und wird solange aufgehen, bis die Schulden aus dem System beseitigt sind, auf welche Weise auch immer.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      „Einfach die letzten 10 Jahre wiederholen.“

      Das könnte aber schwierig werden, wenn wir gleichzeitig in den nächsten 10 Jahren auch noch das Weltklima retten wollen. Schulden abbauen und gleichzeitig superteure Sinnlos-Projekte finanzieren ist ganz schön kompliziert.

      Zum Glück kann Ziemak nicht rechnen, deshalb ist er so optimistisch. ;)

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