STELTERS MAILBOX: Was ist Ihre Einschätzung zum Thema Gold?

Ich erhalte zahlreiche Zuschriften von bto-Usern, Lesern meiner Bücher oder Fernsehzuschauern. Viele ermuntern mich dazu, dieses Projekt weiter zu betreiben, weil es ihnen wichtig ist und weil sie meine offene und häufig gegen den Strich gebürstete Themenansprache schätzen. Natürlich gibt es auch Zuschriften, die eher kritisch sind. Ich kann aus Kapazitätsgründen leider nicht alle E-Mails beantworten, aber wie wäre es mit einer neuen Rubrik bei bto? „STELTERS MAILBOX“. Hier könnte ich Leserfragen beantworten, die nach meiner Einschätzung für ein breiteres Publikum interessant sind.

Ich finde, das käme auch der Philosophie von bto, ein Diskussionsforum zu sein, sehr entgegen. Darum mache ich es einfach mal und schaue mir das Feedback an. Wenn Sie, die Leser, es gut finden – und weitere Fragen schicken – dann kommt eine neue Folge von STELTERS MAILBOX immer donnerstags um 15:00 Uhr.

Und hier geht es schon los. Leser Johann schreibt:

„Sehr geehrter Dr. Stelter,

ich bin Österreicher und lese Ihren Blog seit ca. 2 Jahren regelmäßig, auch, weil ich denke, dass Sie einer der – wenigen – Ökonomen sind, die die Lage richtig einschätzen und ich Ihre nüchterne Analyse der Fakten sehr schätze.

Da ich kein Ökonom bin, sondern Techniker, verstehe ich zwar nicht alles, bin jedoch davon überzeugt, dass die Grundrichtung Ihrer Argumentation GOLD- richtig ist.

Dazu jetzt eine konkrete Frage:
Was ist Ihre Einschätzung zum Thema Gold? Ich akkumuliere Gold und auch Minenaktien seit mehreren Jahren.
Was halten Sie von Analysen wie bspw. jene von Matterhorn Assets, Hr. Egon von Greyerz?

Bspw. hier:

→ Greyerz – The Destruction Of The World Economy Will Unleash More Global Panic And Market Crashes

Der geht von einem exponentiell steigenden Goldkurs aus. Oder finden Sie Artikel dieser Art nur reißerisch bzw. schon ins „Esoterische“ driftend?

Über eine Antwort, gerne auch via Blog, würde ich mich freuen.“

Die Antwort ist wie immer gar nicht so leicht. Ich würde sagen, es gibt verschiedene Fragen:

  1. Was halte ich von Kommentaren und Foren wie den oben verlinkten King World News?
  2. Wie stehe ich zu Gold als Investition zum Vermögenserhalt und als renditeträchtige Investition?
  3. Sehe ich einen deutlichen Aufschwung bei Gold?
  4. Welchen Anteil meines Vermögens sollte man in Gold halten?

Meine Sicht auf diese Fragen:

  1. Ich bin kein Freund von diesen Quellen. Andere Leser haben mich bereits kritisiert, wenn ich auf Zero Hedge verlinke, obwohl diese Seite von sehr angesehenen Investoren und Analysten gelesen wird. Auf bto verlinken würde ich deshalb diese Seiten nicht. Damit will ich nicht sagen, dass ich die Aussagen prinzipiell nicht teile. Was mich stört, ist, dass es oftmals mehr Behauptungen und Fakten sind und es an einer logisch stringenten Erläuterung mangelt, wie man bestimmte Empfehlungen und Aussagen ableitet. Hinzu kommen ein (manchmal) problematischer Stil und eine Tendenz zu Verschwörungstheorien. Von Letzteren halte ich gar nichts. Ich denke, es ist Inkompetenz oder Überzeugung das Richtige zu tun, nicht jedoch eine bewusste Absicht, zu schaden. Wir wissen doch alle, dass das Gutgemeinte oft das Schlimmste produziert.
  2. Hingegen bin ich ein großer Freund von Gold. Ich habe das immer wieder an dieser Stelle und meinen Kolumnen erläutert.

→ „Gold – Totgesagte leben länger“
→ Die Goldfrage
→ Gold als Alternative
→ Beim Margin-Call fällt auch Gold – aber dann…
→ Was tun mit dem Geld (12)? ‒ Wozu Gold?

Die Kernnachricht ist: Gold schafft einen Kaufkrafterhalt über lange Frist – das berühmte Toga-Anzug-Beispiel. Es kann allerdings jahrzehntelang hinten liegen, weniger steigen als die allgemeine Inflation und nimmt nicht an der allgemeinen Wohlstandsentwicklung teil. Man muss heute weniger Stunden für einen Anzug arbeiten als früher für eine Toga. Gold ist ein Wertaufbewahrungsmittel außerhalb des Finanzsystems ohne jegliches Kontrahentenrisiko und deshalb als Portfoliobestandteil unerlässlich. Dies allerdings nur in physischer Form außerhalb des Systems gelagert. Was wiederum nicht risikofrei ist, würden sich im Ernstfall doch die mit den Waffen, das Gold einfach holen.

Wie wichtig Gold ist, zeigt auch ein Kommentar in der FINANCIAL TIMES (FT), der sich kritisch mit der Abneigung Warren Buffets gegenüber Gold auseinandersetzt:

  • „Legendary investor Warren Buffett’s much-quoted dismissal of the investment merits of gold is simple: the metal is “neither of much use nor procreative.” – bto: Er hat auch zu Recht angemerkt, wie widersinnig es ist, es aus der Erde zu holen mit viel Aufwand und danach wieder unter der Erde im Safe zu lagern. Leuchtet ein, und er hebt vor allem auf die fehlende produktive Verwendung ab, was der Unterschied zu Aktien ist.
  • „But the Oracle of Omaha has got this wrong. Gold is constantly offering useful insights, (…) Gold as an investment yields nothing and generates no cash flow, (…) it is only worth what other people are prepared to pay for it.” – bto: In der Panik übrigens fällt der Preis von Gold zunächst immer, weil es am leichtesten liquidierbar ist. Danach wird es gekauft aus der Suche nach Sicherheit.
  • „(…) gold is the original profitless unicorn, summoning billions from investors well before tech start-ups arrived on the scene. The obvious difference between tech enthusiasts and goldbugs is that few of the latter get excited about industry-disrupting platforms. On the contrary, they see gold as the ultimate anti-disrupteran insurance policy against asset price deflation.” – bto: Ja, es ist die Versicherung gegen den Kollaps aller Papierwerte, was nicht ausgeschlossen ist angesichts der Schulden-Vermögensblase, in der wir leben.
  • „(…) even if you have no intention of considering an allocation to gold, there is a value in keeping an eye on the price, as it can be an interesting signal amid the increasing noise of macroeconomic data. (…) central bank intervention and a much-changed regulatory landscape have increased the importance of  ‘non-fundamental’ investing — investment decisions that are not grounded in an analysis of the value of an asset based on business or economic fundamentals. The result is that, increasingly, decisions to buy or sell securities are based less on notions of value and more on unrelated functional needs.” – bto: eine umständliche Formulierung dafür, dass Gold ein guter Stressindikator ist.
  • „(…) the market structure that has arguably changed the least is gold. Given there was never a concept of fundamental value, and it was never bought and sold on that basis, its underlying price drivers have remained consistent. So, could it be that in today’s market, gold is a rare source of wisdom?” – bto: nach dem Motto: Wenn alle spinnen, dann nehmen wir am besten jenen, der schon immer gesponnen hat. Dennoch hat der Punkt etwas. Gold ist die natürliche Antwort, wenn es unsicher wird (abgesehen von dem Verkaufsdruck jener, die verkaufen müssen, weil sie dringend Liquidität brauchen).
  • „If so, it is a contrarian wisdom. Gold’s price action over the past decade has confounded the expectations of even its most devoted fans. In the years immediately after the financial crisis, many goldbugs geared up for a bull market that never arrived. Given the widespread use of quantitative easing globally and a sovereign crisis in Europe, it would be hard to imagine a more favourable environment for gold as an inflation hedge. Given the fragile financial system, dysfunctional politics and an apparent threat to fiat money, how did gold not catch a bid?” – bto: Das ist mein Punkt von vorhin. Auch Gold kann anders reagieren, einfach deshalb, weil die Akteure weiter blicken. Es ist eine Versicherung, dessen Preis davon abhängt, ob sie gebraucht wird. Braucht man sie nicht, fällt der Preis. Und nicht immer muss das falsch sein, ist es doch auch eine Frage des Zeitpunktes!
  • „(…) counter to conventional wisdom at the time, inflation did not pick up with quantitative easing. It collapsed.” – bto: Das hat mich damals auch gewundert. Aber ich muss zugestehen, dass der Goldmarkt damals richtig erkannt hat, dass wir im japanischen Szenario stecken. Keine Inflation und vor allem – vorerst! – kein Kontrahentenrisiko, dank Money for Nothing!
  • „Even when it is strengthening, the gold price is surprising. To the extent gold is an alternative store of value to the US dollar, it would be expected to move in the opposite direction to the currency. But recently it has been making material gains despite a strengthening dollar.” – bto: Deshalb erreicht Gold, u. a. in Euro gerechnet, neue Höchststände.
  • „What then is the message that gold prices are sending? There are two very different answers to this question. The first is that gold’s theoretical value — as an asset that yields nothing — should go up as the amount of negative-yielding assets increases. In this explanation, gold’s rising price is a sign that negative real rates will persist and the recession already priced into many asset classes will be more severe than consensus expectations.” – bto: Angesichts der weltweiten Überschuldung mit den erheblichen Nebenwirkungen würde ich diese Sicht auf jeden Fall ernst nehmen.
  • „The alternative explanation is equally plausible, but more important. It is that gold prices could signal a pick-up in inflation. (…) If gold proves correct this time in signalling higher inflation, investors take note, given the impact this would have on asset prices across markets. It has always been wise to listen to Mr Buffett. But given the seismic shift in market structure in recent years, gold may yet prove to be an indicator not only of “bandwagon” investor behaviour but broader economic expectations.” – bto: Nun wissen wir nicht, ob das Argument der Inflation stimmt oder jenes des deflationären Kollapses. Für beide Szenarien empfiehlt es sich, Gold im Portfolio zu haben.

3. Ich mache keine Prognosen über die kurz- und mittelfristige Preisentwicklung von Gold. Kann es sein, dass Gold vor einem Ausbruch steht? Ja. Kann es sein, dass es erneut an den wichtigen charttechnischen Hürden scheitert? Ja. Im Kern spielt es jedoch keine Rolle, weil wir Gold als Versicherung sehen und nicht als Spekulationsobjekt. Wenn man es als Letzteres betrachtet, so muss man meines Erachtens feststellen, dass es Gold in den letzten Wochen nicht gelungen ist, wichtige Hürden nach oben zu nehmen.

    Will man spekulieren, bieten sich sicherlich auch Minenaktien an. Diese haben in den letzten Jahren relativ zum Markt schlecht abgeschnitten und sich erst in den letzten zwölf Monaten erholt. Ich selber finde Minen interessant, weil sie a) immer noch die Möglichkeit haben, Effizienzreserven zu heben, b) eine Konsolidierung tendenziell die Margen stützen dürfte und sie c) im Zuge von Enteignungsmaßnahmen wie einem Verbot privaten Goldbesitzes – gab es bekanntlich sogar in den USA – vermutlich weiter operieren und man so einen indirekten Bezug zum Gold behalten kann.

    4. Gold ist eine Versicherung und sollte als solche betrachtet werden. Ich habe mich immer wieder dafür ausgesprochen, eine Teilung des Vermögens auf Gold, Immobilien, Aktien und Liquidität vorzunehmen und dies idealerweise mit einer globalen Streuung. Viele Investoren haben zu viel Immobilien, zu wenig Aktien, zu viel Liquidität (inklusive Anleihen) und zu wenig Gold. Außerdem besteht eine viel zu große Ausrichtung am Heimatmarkt. Besser wäre eine Aufteilung von 20 bis 25 Prozent je Anlageklasse. Wenn man Immobilien richtig rechnet (also inklusive der selbstgenutzten) dürfte eine Aufteilung in Richtung 35 Prozent Immobilien, 20 Prozent Gold, 25 Prozent Aktien und 20 Prozent Liquidität/Anleihen vernünftig sein. Taktisch kann man davon abweichen, zum Beispiel, wenn man einen Rückschlag an den Börsen vermutet. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es nur den Wenigsten gelingt, den Markt richtig zu timen.

    Das führt mich zum Fazit: Ich bin für Gold, halte es aber für einen Fehler, wenn man sein ganzes Vermögen auf diese einzelne Assetklasse ausrichtet. Man sorgt für das Katastrophenszenario vor, partizipiert nicht an der Wertentwicklung anderer Vermögensgegenstände und muss zudem im Falle der Katastrophe damit rechnen, das Gold nicht einsetzen zu können (Verbote) oder Opfer von Kriminellen zu werden. Silber ist für die Zwecke des täglichen Bedarfs in einem solchen Szenario besser geeignet. Gold gehört als Beimischung unbedingt dazu, mehr aber auch nicht.

    → ft.com (Anmeldung erforderlich): „Why Buffett is wrong to dismiss the benefits of gold“, 2. Oktober 2019

    Kommentare (36) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
    1. Avatar
      Thomas M. sagte:

      @Ruby: Dankeschön – werde ich mir einmal zu Gemüte führen. Das Lesen alter Texte gibt oft eine „entspannende“ Perspektive in dem Sinne, dass die neuen Probleme und Beobachtungen tatsächlich nicht neu sind.

      Antworten
      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        Sorry, sollte unten hin… hatte Häkchen nicht gesetzt und dann postet er anscheinend als neuen Eintrag beim erneuten Klicken.

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    2. Avatar
      ikkyu sagte:

      Sehr geehrter Herr Stelter,

      mich würde Ihre Meinung zur zunehmenden antikapitalistischen Propaganda in den Medien interessieren.

      Ein Vertreter dieser Bewegung ist z.B. der eloquente Herr Precht, dem Sie ja vor kurzer Zeit bei Lanz ohne rechte Gegenwehr gegenüber saßen.

      Wie man diesen „Intellektuellen“ argumentativ entzaubert und seine falschen Behauptungen widerlegt, zeigt Gunnar Kaiser in diesem etwas längeren Video:

      https://www.youtube.com/watch?v=aiwOnhK3FN0

      Oder die von den Medien geförderten Bestrebungen die pluralistische Gesellschaft in eine ökosozialistische Technokratie umzuwandeln und die Freiheit des Individuums massiv zu beschneiden, um das Klima zu „retten“.

      Hierbei dient die „grüne Bewegung“ nach Gunnar Kaiser als Trojanisches Pferd.

      Die Protagonisten sind z.B. Greta, Rezo und wieder der Herr Precht.

      https://www.youtube.com/watch?v=RNhvXzmATDc

      Meine Fragen konkret:

      Sehen Sie auch diese Tendenz hin zur undifferenzierten Kapitalismuskritik?

      Wenn ja, für wie gefährlich halten Sie diesen Trend für die Entwicklung des Wohlstandes in Deutschland?

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        Richard Ott sagte:

        @ikkyu

        Sehr schöne Frage, die Antwort darauf würde mich auch interessieren.

        Aber: Greta und Rezo sind nur PR-Maskottchen, von den dreien ist nur Precht ein ernstzunehmender Diskussionspartner.

        Ohne Skript bringt Greta kaum einen sinnvollen Satz zustande: https://www.youtube.com/watch?v=bGW5jW_WpVg

        Und Rezo steht für Live-Diskussionen nicht zur Verfügung und lässt sich nur unter kontrollierten Bedingungen interviewen beziehungsweise produziert seine eigenen Videos, und zwar weil er angeblich ganz, ganz schlimm stottert. ;)

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        Ihre beiden Links sind es wert, aufgerufen zu werden.

        Denn sie sind sehr lehrreich.

        Dazu nur einige Anmerkungen:

        a) Das Erklärungsmodell von Precht – die Methodik:

        Precht operiert mit VIELDEUTIGEN Begriffen wie Geld, Glück, Zeit, die jeder problemlos auf sich beziehen kann und die daher DIREKTE Betroffenheit herstellen. Das enthebt Precht der Mühe, Wirkmechanismen aufzuzeigen, die GESELLSCHAFTLICH bestimmend sind, wie z. B. die Geldschöpfung durch die Banken. Würde er sie aufzeigen, brächte er durch Differenzierung eine Komplexität in seine Erklärungen, die ihrer Akzeptanz schaden würde. Daher die grundlegende Methodik: Bleibe einfach, auch wenn es falsch ist und nichts erklärt. Du kannst es auch sein, denn du musst nur überzeugen, nicht belehren.

        b) Precht als Verkünder – hat alles, was es braucht, um Gläubige zu schaffen

        Der eindringliche Blick, die klare, aber intensive Sprache, die prägnante Gestik ohne Schaubilder, Grafiken und Tabellen: Das hat BEWEISKRAFT bei uninformierten, naiven Zuhörern. Wer wollte widersprechen, wenn so einer sagt, dass das Geld im 19. Jahrhundert auftauchte und erst seitdem alles vergleichbar ist.

        c) Das öffentlich-rechtliche TV – Precht liefert, was gefordert wird

        Precht ist wie geschaffen fürs öffentlich-rechtliche TV: Er suggeriert durch seinen Auftritt Niveau und erfüllt damit am oberen Rand dieses Mediums den geforderten Bildungsauftrag. Besonders hilfreich dabei: Er ist nicht Technokrat, sondern gelernter Philosoph, dem allgemeinen Verständnis nach also einer der durchblickt, den SEHERN vergangener Zeiten gleich. Dass die Philosophie, als sie erwachsen wurde, ehrlicherweise das Bekenntnis ablegte „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, muss daher unter den Tisch fallen – bei Precht genauso wie in den mit Experten hochgerüsteten Redaktionen der TV-Sender.

        d) Akzeptanzbedingung der Sender erfüllt – nicht Widerspruch wecken, sondern Harmonie fördern

        Precht benennt keine schädigende VERURSACHER im System, sondern das System ist sozusagen das Übel. Das ist wichtig, weil damit den Sendern nicht angehängt werden kann, dass sie sich an der Identifikation von SCHULDIGEN beteiligen und sich somit für die Hatz auf sie, selbst wenn es nur eine kommunikative wäre, rechtfertigen müssen. Dieses dramaturgische Konstrukt ist nahezu überlebenswichtig für die Sender: „Information“ mit hoher Glaubwürdigkeit – und das zugleich mit Unangreifbarkeit verbunden.

        e) Die Zuschauer – voll bedient, ohne überfordert zu werden

        Dem Zuschauer einer solchen Precht-Sendung wird eine NEUE Sichtweise auf seine unbefriedigende Befindlichkeit zugleich mit der sich abzeichnenden LÖSUNG dargeboten. Mehr will er nicht haben, mehr kann er nicht verkraften. Man vergleiche die Redezeit von Precht und die Zeit, die G. Kaiser für seine Widerlegung benötigt. Der Unterschied macht deutlich: Aufklärung ist aufwendig und anstrengend – und sie verfehlt die Zuschauer von Precht, die mit ihr überfordert sind.

        Fazit:

        Das Geschäftsmodell des öffentlich-rechtlichen Fernsehens erzielt mit solchen Sendungen eine ASYMMETRISCHE Wirkung:

        Mit dem so untermauerten Anspruch für aufklärerische Pluralität zu sorgen, wird weitreichende Ignoranz befestigt.

        Im Übrigen:

        G. Kaiser macht sich mit seinen Darlegungen auch im anderen Link verdient. Denn er zeigt auf, WAS verloren geht, wenn die Meinungen und Auftritte von Figuren wie Greta T. für die Politik und damit die Gesellschaft HANDLUNGSRELEVANT werden.
        Allerdings ist G. Kaiser da argumentativ deutlich schwächer als in seinem Filmchen gegen Precht – und damit angreifbar.

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    3. Avatar
      Felix S. sagte:

      Sehr geehrter Herr Dr. Stelter, sehr geehrte Kommentatoren,

      zunächst einmal vielen Dank an Herrn Dr. Stelter für seine hervorragenden Beiträge, die hier seit Jahren in großer Zahl erscheinen.
      Zum Thema Gold: Mir ist aufgefallen, das es bei der Bewertung von Gold sehr polarisiert zugeht.

      Daher habe ich mit vertretbarem Aufwand den für mich relevanten Zeitraum eines „theoretischen“ Goldinvest durchgerechnet, weil ich die echte nonimale „Verzinsung“ / die Fähigkeit zum Kaufkrafterhalt bei einem regelmäßigen Erwerb von physischem Gold bestimmen wollte.

      Annahme: Ein Sparer erwirbt monatlich jeweils zum ersten Handelstag eine Unze Gold (physisch beim Händler) und verwahrt diese.
      Der Sparplan beginnt am 2. Januar 1998 und endet am 1. Oktober 2019, es wird jeweils am ersten Handelstag zu Beginn durchgeführt, das Aufgeld/Marge des Händlers beträgt 2,35%. Lagerkosten sind nicht berücksichtigt.

      Der Sparer hat in dem Zeitraum von 21,75 Jahren dann bis heute 262 Unzen Gold erworben.
      Die günstigste Unze am 1. August 1999 mit EUR 244,58
      Die teuerste Unze am 1. Oktober 2012 mit EUR 1.413,70
      Um die Verzinsung bei diesem physischen Goldsparplan zu berechnen habe ich den realistischen VK Preis für eine Unze vom 25. Oktober 2019 mit EUR 1.355 angenommen.
      Der Sparer verkauft für die Berechnung der Verzinsung am 25. Oktober 2019 für EUR 355.010 seine 262 Unzen Gold an einen Händler.
      Ergebnis:
      Die netto = brutto Verzinsung beträgt 7,5% (keine Steuern bei der Veräußerung).
      Ein alternatives Invest müßte also mind. 10,18% abwerfen, um den physischen Goldsparplan zu schlagen (Kapitalertragssteuern und Soli sind berücksichtigt)

      Die Berechnung (einfache Zinseszinsrechnung, die Kursdaten kommen von boerse.de) stelle ich gerne zur Verfügung.

      Das Ergebnis hat mich sehr erstaunt, jeder kann selbst entscheiden ob er dies mit vertretbarem Aufwand und Risiko mit alternativen Sparplänen innerhalb der letzten fast 22 Jahren erwirtschaftet hat oder nicht.

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      • Avatar
        Marco C. sagte:

        Uihh, vielen Dank für die Zahlen. Dadrüber sollte es mal einen ausführlichen Artikel geben. Mich überrascht das Ergebnis ebenso. Besonders der Steuervorteil ist nochmal schön hervorgehoben. Da weiss man ja aber leider nie, obs so bleibt….

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    4. Avatar
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      Ich befürworte die Mailbox. Ich glaube zwar, dass die Bundesregierung in ein paar Jahren privaten Goldbesitz verbieten wird, um die Flucht aus dem Euro zu bremsen, aber das Thema bleibt ja dennoch wichtig.

      Antworten
      • Avatar
        Hoxworth sagte:

        Ihr Deutschen seid sowas von obrigkeitshörig.
        In dem Fall hab ich‘s vergraben.
        Und wenn das Finanzamt fragt: Durchgebracht mit leichten Mädchen in Nachtclubs :)

        Antworten
        • Avatar
          Richard Ott sagte:

          @Hoxworth

          Bootsunfälle sind auch oft ein tragischer Grund, wieso Gold einfach verloren geht. Soo schade für diejenigen, die selbstverständlich gerne ihren solidarischen Lastenausgleich an den Staat leisten würden, wenn sie das Gold noch besäßen…

        • Avatar
          Susanne Finke-Röpke sagte:

          @Hoxworth:

          Obrigkeitshörig? Na ja. Ihr Argument mit den leichten Mädchen erklärt nur das Verschwinden Ihres Goldes. Das ist künftig nicht der schwere Teil der Debatte mit den Behörden. Der schwere Teil kommt auf Sie zu, wenn Sie das Wiederauftauchen des Goldes erläutern sollen…

          Da bleibe ich lieber bei der Wahrheit.

        • Avatar
          Richard Ott sagte:

          @Frau Finke-Röpke

          „Da bleibe ich lieber bei der Wahrheit.“

          Sehr deutsch. Sie begreifen Ihren Staat immer noch als Dienstleister und nicht als korrupte Organisation, die versucht Sie abzuzocken oder die Sie mit etwas Geschick oder guten Beziehungen auch selbst abzocken können.

          Da sind die Menschen in Griechenland und Italien schon weiter.

        • Avatar
          Dietmar Tischer sagte:

          @ Richard Ott

          Wenn man das Verhältnis von Staat und Bürger als gegenseitige Abzockerei begreift und danach handelt, können wir den Schlüssel abgeben.

          Mag sein, dass die Menschen in Griechenland und Italien diesbezüglich schon weiter sind.

          Aber WO sind sie denn?

          Ich möchte nicht dort sein, wo sie „schon“ sind.

        • Avatar
          Richard Ott sagte:

          @Herr Tischer

          „Mag sein, dass die Menschen in Griechenland und Italien diesbezüglich schon weiter sind. Aber WO sind sie denn?“

          Es hat alles seine Vor- und Nachteile. In einem Staat, in dem die Bürger dem Staat nicht mehr vertrauen, kann der Staat viel weniger leisten. Gleichzeitig kann der Staat aber auch viel weniger Zwang ausüben. Und die Bürger verlassen sich weniger auf den Staat sondern mehr auf sich selbst – ob Sie das jetzt positiv oder negativ interpretieren, überlasse ich Ihnen.

          Sooo schrecklich ist es jedenfalls nicht, in einem Land wie zum Beispiel Italien zu leben. Es ist halt nur völlig anders als in Deutschland; die ganze Art und Weise wie man über den Staat denkt, ist anders.

          Unser Problem ist, dass wir die krassen Mentalitätsunterschiede von Italien und Deutschland, oder noch extremer, Finnland, in eine Währungsunion hineinpressen und uns dann wundern, wieso das ganze System dysfunktional ist.

          PS: Griechenland ist schon sehr speziell, aber auch in Griechenland kann man gut und gerne leben, wenn man zum Beispiel ein Reeder ist und 0% Steuern zahlt, oder für den dortigen Staatsfunk arbeitet, oder als überbezahlte Putzkraft im Parlament angestellt ist ;)

      • Avatar
        Christian sagte:

        Liebe Frau Finke-Röpke,
        nur ein kleines Addendum zu Ihrem Kommentar, da ich mich seit Jahren mit dem Thema “Gold“ sowie möglichen politischen Gestaltungsszenarien beschäftige. Zunächst einmal muss zwischen einem (privaten) Goldbesitzverbot und einem (allgemeinen) Goldhandelsverbot unterschieden werden. Ein Goldbesitzverbot würde beinhalten, dass Goldinvestoren ihre privaten Bestände (ganz oder den Teil, der oberhalb einer zuvor definierten Freigrenze liegt) gegen einen vom Staat festgelegten Preis abgeben müssten. Wie es sich hier mit der Kontrolle (durch den Staat) verhält, kann ich nicht einschätzen, da m.E. die staatlichen Behörden gar nicht das Personal zur Verfügung haben, um von Haustür zu Haustür zu gehen. Bei in Bankschließfächern gelagerten Edelmetallen wäre dies deutlich einfacher, da die Schließfachhalter z. Bsp. nur unter Aufsicht eines Beamten ihre Fächer öffnen und an den Inhalt gelangen können. Für diejenigen Investoren, die ihr Edelmetall physisch zuhause (also z. Bsp. in einem Tresor) lagern, müsste die Politik dann zudem ein Gesetz erlassen, das eine Umkehr der Beweislast über den Besitz bzw. Nicht(mehr)besitz von zuvor erworbenen Beständen vorsieht. Denn nach aktueller Rechtslage sind Edelmetallinvestoren nicht verpflichtet, gegenüber dem Staat Rechenschaft darüber abzulegen, was sie mit ihren privaten Edelmetallbeständen gemacht haben (z. Bsp. gegen Bares veräußert und das Bargeld im Casino auf den Kopf gehauen, verschenkt, vergraben, etc.). Ein Goldhandelsverbot hingegen würde darauf abzielen, dass Investoren ihre Bestände gar nicht oder nur dann veräußern können, wenn sie eine Steuer/Abgabe entrichten, d.h. der Staat würde in diesem Fall die möglicherweise erzielten Gewinne ganz oder in Teilen für sich beanspruchen. Im Grunde genommen wären beide Szenarien ein Raubzug des deutschen Staates/der EU, der sich gegen jene richtet, die die Verantwortungslosigkeit der politischen Eliten erkannt haben und sich gegen deren Auswirkungen schützen. Wenn es jedoch so weit kommt, dass die Politik (in Deutschland und/oder der EU) solche Maßnahmen in Erwägung zieht oder beschließt, ist es m.E. Zeit zum Auswandern. Denn ich – und das ist nur meine persönliche Meinung – würde nicht einsehen, dass ich mit auch nur einem Cent aus meinem Vermögen dazu beitrage, den Laden wieder zum Laufen zu bekommen, den die unheilige Allianz aus Politik und Banken (die eine Seite gibt ständig mehr aus als sie einnimmt um mit Geschenken die Wähler zu „bestechen“ und die andere Seite finanziert diesen Exzess freudestrahlend, da sie daran verdient) gegen die Wand gefahren hat.

        Antworten
        • Avatar
          Richard Ott sagte:

          @Christian

          „Wie es sich hier mit der Kontrolle (durch den Staat) verhält, kann ich nicht einschätzen, da m.E. die staatlichen Behörden gar nicht das Personal zur Verfügung haben, um von Haustür zu Haustür zu gehen.“

          Ob die staatlichen Kontrolleure dann auch in die Stadtteile von zum Beispiel Berlin gehen, die von den arabischen und kurdischen Clans kontrolliert werden? Das könnte sehr unterhaltsam werden…

    5. Avatar
      RealTerm sagte:

      Zu diese Thema muss ich natürlich etwas sagen;-)
      Gold ist eine Versicherung. Richtig! Richtig? Man investiert 20% seines Vermögens in Gold und freut sich, wenn der Goldpreis fällt, der Versicherungsfall also nicht eintritt. So emotionsfrei zu denken, gelingt aber nur den wenigsten Investoren.
      Die Zeit für eine Investition in Edelmetalle muss die richtige sein und es ist derzeit genau die richtige, und dies seit ca. dem Jahr 2000. Der entscheidene Punkt ist, aktuell zu erkennen, dass trotz des deutlichen Goldpreisanstieges noch immer der richtige Zeitpunkt ist!
      Wenn sie seit 2005 kontinuierlich zu 100% in Edelmetalle investiert waren, hatten sie die letzten paar Jahre im Vergleich zu Aktien eine Durststrecke, sicher, aber bereuen würden sie nichts. Und solange die Verschuldung nicht aus dem System ist, wird man ein Goldinvestment meines Erachtens auch weiterhin nicht bereuen. im Gegenteil: anonym, steuerfreu und ohne Kontrahentenrisiko.

      Antworten
      • Avatar
        qed sagte:

        Ich habe versucht, es genau so zu sehen, RealTerm. Ich denke, es ist mir auch gelungen: Ich habe den großen Run auf Gold nach 2008 ausgesessen und erst gekauft, als es wieder gegen 1000$ ging. So kamen über die Zeit einige Dublonen zusammen. Und immer schön in begrenzten Mengen als Tafelgeschäft, dann braucht man den Ottschen Bootsunfall auch nicht. Eignet sich im Gegensatz zu Silber auch gut als Einlage im Gartentresor und wer sich einfach mal mit dem Spielzeug beschäftigt, das „Schatzsucher“ so haben, hat auch davor keine Angst. Auch nicht vor einem Goldbesitzverbot, sowas war jedes Mal eine ineffektive Luftnummer. Und eisern merken: Es ist rein eine Versicherung. Einen meiner Altforderen bewahrte es vor dem Erschießungskommando und den Beamtenbüttel möchte ich sehen, der in kargen Zeiten im Angesicht einer Goldunze nicht feuchte Augen kriegt. Wer hingegen glaubt, groß damit herumdealen zu können in solchen Zeiten, hat schnell eine ganze Jagdgesellschaft mißgünstiger Zeitgenossen incl. der Gauner-Staatin am Hals. Auch ein Grund, keine Dagobertschen Gold-$-Zeichen in den Augen zu kriegen. 25% und Schluß mit lustig.

        Antworten
        • Avatar
          Richard Ott sagte:

          @qed

          „Dagobertsche Gold-$-Zeichen“

          Volle Zustimmung aber eine Ergänzung: In den Krisenszenarien, von denen wir hier sprechen, wird das Dollarzeichen noch genau so ein passendes Symbol für Reichtum sein wie es das Wort „Titanic“ heutzutage als Name für ein besonders großes und sicheres Schiff ist.

    6. Avatar
      Seuchenvogel sagte:

      Hallo Herr Dr. Stelter,

      ich finde die Idee sehr gut. Bitte beachten Sie aber eventuelle aufsichtsrechtliche Vorschriften, wenn Sie über Wertpapiere etc. sprechen. Zb über das Offenlegen von Interessenskonflikten

      Meine Vermögensbilanz:

      50% Cash (durch Aktienverkäufe generiert)
      20% selbstgenutzte Immobilie auf dem Land. Etwas Wald und etwas Ackerfläche
      25% Aktien
      5 % Gold

      Ich werde Gold noch aufstocken und auch Silber hinzunehmen.

      Alles schuldenfrei. Leider ein sehr hohes Euro Exposure.

      Schönen Abend an alle!

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      René Bolliger sagte:

      Sehr interessante Zitate aus der FT, lieber Herr Stelter. Und mindestens ebenso interessante Anmerkungen von Ihnen. Ein echter Erkenntnisgewinn, dieser ‚Dialog‘!

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        Thierry sagte:

        @Johann
        Bevor die BuBa Gold zukauft sollte sie lieber und dringend ihre ausgelagerten Bestände zurückholen in den eigenen Tresor.
        Gold ist bekantlich seit dem 31.03.2019 wieder als tier 1-asset klassifiziert (BIZ), jedoch wohlweislich nur unter der Bedingung, dass es im eigenen Keller gelagert ist. Wenn die BuBa nicht bald und schnell handelt, setzt sich deren gesamter Vorstand dem Vorwurf schwerer Fahrlässigkeit aus. Eine entsprechende Klage dürfte erfolgreich sein, insbesondere, wenn es tatsächlich zum show-down kommt.

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      Richard Ott sagte:

      Zerohedge ist quasi unser Westfernsehen für Finanznachrichten, bitte unbedingt weiter verlinken und zitieren und sich nicht von irgendwelchen Kritikern ins Bockshorn jagen lassen!

      „King World News“ kenne ich als Quelle überhaupt nicht und kann ich auch nicht einschätzen. Ich möchte aber grundsätzlich daran erinnern, dass es durchaus auch „Verschwörungstheorien“ gibt, die sich später belegbar als wahr erweisen. Dass die westlichen Geheimdienste verdachtsunabhängig sämtliche Kommunikation im Internet auslesen und abspeichern war auch jahrelang eine ganz schlimme und gefährliche Verschwörungstheorie; dank Edward Snowden wissen wir mittlerweile, dass es tatsächlich die Wahrheit ist.

      Die Mailbox-Rubrik finde ich eine sehr schöne Idee. Ich erwarte aber, dass sich viele Fragen darum drehen werden, irgendwelche Investment-Tipps zu bekommen, in der Erwartung, dass man sich irgendwie komplett von den negativen Auswirkungen der nächsten Finanzkrise schützen könnte falls man nur sein persönliches Portfolio richtig strukturiert. Ich glaube nicht, dass das funktionieren wird, dafür sind unsere Probleme schon viel zu groß und auch nur auf politischer Ebene zu bewältigen. Aber diese Antwort wird die Mailbox-Frager sicherlich enttäuschen.

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        globalvoterorg sagte:

        In der Finanzkrise sich schützen!? Am allerwenigsten denken die Leute, außer der „Prepper“, an das „grüne“ Gold. Selbstanbau von Lebensmitteln. Darauf wird es, eines Tages ankommen. Diese Art Vorsorge hat, aber, eklatante Nachteile in Mitteleuropa, wo der Winter die Knappheit der Lebensmittelversorgung das Nadelöhr darstellt. Sowie, die Gesamtversorgung, auch aller Anderen, der Knackpunkt ist.
        Deshalb plädiere dafür, ich für eine „Fluchtimmobilie“ in subtropischen Gefilden zu haben. Dort, wo es keine Winter und, meist, genug „Futter“ für Alle gibt! 24/365. Beim herrschenden Irrsinn, wenn ehrlich wäre, ist das Unvorstellbare, genau der Weg!

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      Michael sagte:

      Mailbox finde ich sehr gut!

      Habe auch schon eine Frage dazu: Wie ist Ihre Meinung zu dem Krisenszenario von Dr. Krall ? Er prognostiziert einen Kollaps der EU-Banken etwa in Q4 2020. Auf YT gibt es zahlreiche Vorträge von ihm.

      Gruss

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        Bakwahn sagte:

        „Wie ist Ihre Meinung zu dem Krisenszenario von Dr. Krall ? Er prognostiziert einen Kollaps der EU-Banken etwa in Q4 2020.“

        Es wird keinen Knall, keine Superkrise, keine Explosion, kein Um-die-Ohren-fliegen etc. geben.
        Sicher wird sich bei etlichen europ. Banken die Lage zuspitzen, aber eine Katastrophe wird es nicht geben.
        Alle Kollapstheoretiker wie Kralle, Weik, Friedrich und viele andere analysieren zwar die Lage sehr richtig, aber dann stellen sie das Denken ein. Sie wollen, daß es kracht, sie sehnen geradezu das Chaos und das Unglück herbei. Sie übersehen sehr großzügig, daß es europäische Institutionen gibt, die noch in jeder Krise rechtzeitig helfend und erfolgreich eingegriffen haben.
        Wie ruhig und überlegen ein erfahrener Banker den beiden aufgeregten Kollapsfreunden Friedrich und Weik entgegentritt, sieht und hört man hier:
        https://www.youtube.com/watch?v=cbsi5Ms8-CA

        Erst vor gut einem Jahr auf Phoenix:
        Mit Weik, Sinn und Steinbrück:
        https://www.youtube.com/watch?v=lnwIve2X-1c
        Die europäischen Institutionen werden es richten. Ganz in Ruhe und mit großer Überlegenheit.

        Also liebe Untergangsfreunde, laßt die Tassen im Schrank und die Kirche im Dorf.
        Bei der EZB werden Sie geholfen. Wieder einmal und mit Sicherheit nicht das letzte mal.

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          Richard Ott sagte:

          @Bakwahn

          Das Beschwichtigen hilft uns aber genau so wenig weiter wie die Crash-Prophetie. Die Zentralbänker erzählen grundsätzlich immer, dass angeblich alles in bester Ordnung sei, auch wenn der Laden kurz davor steht, allen um die Ohren zu fliegen. Erinnern Sie sich noch an den Experten hier?

          “At this juncture, however, the impact on the broader economy and financial markets of the problems in the sub-prime market seems likely to be contained.” – Ben Bernanke, März 2008

    10. Avatar
      Steffen Koch sagte:

      Eine sehr gute Idee, diese neue Kategorie! :-)
      Für mich persönlich ist Ihr Blog Aufklärung über Finanz-Grundlagen und eine sehr hilfreiche, unabhängige Stimme.

      Zum Thema Gold: Da wir uns ja seit Jahren auf eine neue große Weltwirtschaftskrise zubewegen, ist eine taktische Übergewichtung in Gold (und Silber) aktuell nahe liegend, oder? Das erscheint mir jedenfalls sehr viel sinnvoller, als die meisten Anleihen (Staatsanleihen AAA und AA bringen außer bei den USA kaum noch was ein und der Rest, incl. Unternehmensanleihen, ist mir persönlich inzwischen fast flächendeckend zu spekulativ).

      MfG
      Steffen Koch

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      • Avatar
        Georg Winter sagte:

        Antwort Dr. Stelter aus dem obigen Beitrag:
        „Taktisch kann man davon abweichen, zum Beispiel, wenn man einen Rückschlag an den Börsen vermutet. Die Erfahrung zeigt jedoch, dass es nur den Wenigsten gelingt, den Markt richtig zu timen.“

        Dr. Stelter selbst hat sich mal beklagt/geoutet, dass seine negative Erwartung seit Jahren nicht in Erfüllung gegangen ist. Das System ist zäher als gedacht und wird mit allen Mitteln am Leben gehalten. Warum auch sollte es nicht noch 10 oder 20 Jahre so weiter gehen? Denn solch ein Ereignis will niemand verantworten müssen. Alle, wirklich ALLE sind daran interessiert, dass kein Crash passiert. Ja, je länger man es herauszögert, desto schlimmer wird es. Aber kein Crash während meiner Amtszeit!

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          Dietmar Tischer sagte:

          @ Georg Winter

          >Alle, wirklich ALLE sind daran interessiert, dass kein Crash passiert.>

          Deshalb wird versucht, dass es weiter geht – SO weiter geht.

          Heißt:

          Dass es ohne einen Crash weitergeht, aber nicht, dass sich das System dabei nicht ändern muss.

          Es kann, je nach Einschätzung auch heißen:

          Das System MUSS fundamental verändert werden, z. B. durch ein stark modifiziertes Geldsystem, etwa die Einführung von Helikoptergeld, damit es keinen Crash gibt.

          Und das wiederum kann im Extremfall heißen:

          Das Flugzeug muss im Flug umgebaut werden und zwar so, dass die Passagiere nie das Gefühl verlieren, doch noch irgendwo unbeschädigt zu landen.

          Kurzum:

          Das mit dem Crash ist so eine Sache und die Verhinderung eines Crashs ebenso.

    11. Avatar
      Johann sagte:

      Sehr geehrter Dr. Stelter,

      vielen Dank, dass Sie meine Zuschrift so rasch aufgegriffen und beantwortet haben!

      Ja, man darf auf eine lebhafte Diskussion hoffen, da dieses Thema doch vermutlich viele Leute interessiert und beschäftigt. Im privaten Kreis wird aus mancherlei Gründen ja recht wenig über solche Dinge offen gesprochen..:)

      Ihre Einschätzung zu Zerohedge halte ich für völlig richtig, man erfährt dort vieles, worüber andere Medien nicht berichten. Und dabei handelt es sich oft um finanzpolitische Entscheidungen, die wesentlich größeren Einfluss auf unser Leben haben werden als ob jetzt bspw. Fridays for Future mal wieder irgendwo rumhüpfen (Das erledigt sich ohnehin, sobald es kalt wird..)

      Bspw. heute:

      https://www.zerohedge.com/markets/fed-injects-134bn-liquidity-term-repo-obersubscribed-amid-month-end-liquidity-panic

      Ihre Einschätzung zu einer vernünftigen Vermögensaufteilung teile ich ebenfalls, Immobilien bilden bei mir nach wie vor den Hauptbestandteil. Ich bin damit klarerweise sehr gut gefahren und beabsichtige nicht, das zu ändern.

      Allerdings betreffend Gold: Ich hoffe nach wie vor auf eine Verdoppelung oder Verdreifachung. Unter Umständen auch mehr.
      Ja, das Thema Notenbanken, Geldschöpfung usw…die ganzen ökonomischen Zusammenhänge.. das ist alles sehr komplex.
      Wenn man es aber an der Wurzel betrachtet: (Fiat) Geld wurde seit der Krise 2008 in einem unglaublichen Ausmaß geschöpft, und diese Summen sind letztlich nicht gedeckt. Auch wenn es jetzt so aussieht, als wäre das gar nicht notwendig: Bis 1971 hatte man eine Golddeckung.
      Ich glaube nach wie vor, dass Geld und Gold zusammenhängen, quasi wie an einem Gummiband, dass halt jetzt aufs äußerste gedehnt ist. Irgendwann aber kommt wieder eine Zeit der Wahrheit.

      Ihre Idee mit der Mailbox finde ich ganz toll!

      Freue mich auf Kommentare und Einschätzungen anderer Leser.

      LG

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      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        Eine kurze Anekdote hierzu.

        Ich hatte vor rund 10 Jahren keinen blassen Schimmer vom Finanzsystem. Ich hatte damals zum Thema Staatsanleihen gegoogelt, weil ich wissen wollte, wie eine private Rentenversicherung, die ich abschließen wollte, funktioniert. Ich entdeckte dann bei google-Bilder zufällig ein Diagramm, wo globale Geld-Vermögen und Schulden über die letzten Jahrzehnte gegeneinander abgetragen waren. Die „Spiegelung“ fand ich damals mehr als kurios und ich sah zudem sofort, dass irgendwann in den 70ern irgendwas „passiert sein musste“, weil Geld-Schulden und -Vermögen ab da beschleunigten.

        Also hab ich dann an dem Sonntagnachmittag ein bisschen rumgegoogelt und entdeckte dann das Ende der Golddeckung und etwas später war ich auch schon bei der Überschuldung angelangt. Wo Rauch war, gab es anscheinend auch Feuer…

        Gold und Silber sind m.E. das generations- und kulturübergreifende Geld. Da ändern die paar Jahre, in denen nun vom barbarischen Relikt geschrieben wird, nichts dran.

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        • Avatar
          ruby sagte:

          Thomas, wenn Sie von kulturübergreifend schreiben kann ich „Philosophie des Geldes“ von Georg Simmel 1900 empfehlen. Dort wird die Metatheorie dargestellt.
          Diese bedeutet im römischen Recht das Abstraktionsprinzip zwischen Schuld und Erfüllung, welche den Rechtsrahmen bildet. Ökonomen scheitern immer wieder daran, leider, aber die Masse der Menschen ebenfalls. Das machen sich die Kündigen zunutze, eine ziemlich lange Zeit schon.
          https://gutenberg.spiegel.de/buch/philosophie-des-geldes-6/1

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