Altmaiers Hoffnungsperspektive ist Zweckoptimismus

Warum es gut ist, optimistisch zu sein, aber es noch besser wäre, realistisch zu sein.

In Folge 21 von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ steht die aktuellste Wirtschaftsprognose für Deutschland von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) im Fokus. Aus politisch unabhängiger Sicht werden seine Aussagen analysiert. Wo ist Zweckoptimismus zu erkennen, ab welchem Punkt wird Altmaier zum Propaganda-Minister der deutschen Politik und was sind die Alternativen zu seinen Ansätzen, aus der Corona-Krise wieder herauszukommen – die Antworten darauf und weitere Erkenntnisse hören Sie in dieser Ausgabe.

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Kommentare (25) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Dietmar Tischer sagte:

    In Substanz und Schlüssigkeit eine brillante Analyse der Darlegungen von Altmaier.

    Vor allem:

    REALISTISCH.

    Man greift sich an den Kopf, wenn man hört, dass Altmaier wieder zur Schwarzen Null zurückkehren will – das überhaupt für MÖGLICH hält.

    WIE soll das funktionieren, wenn Staaten/Gesellschaften/Volkswirtschaften auf dem Weg in eine den Ausprägungen nach zwar unbestimmten, aber definitiv anderen Welt sind.

    Relativ sicher ist nur eines:

    Es wird anders FINANZIERT werden.

    Dazu hat sich Braunberger in der FAZ Gedanken gemacht. Hier:

    https://www.faz.net/aktuell/finanzen/finanzmarkt/zukunft-der-zentralbanken-weshalb-die-maechtigen-am-limit-sind-16750222.html?printPagedArticle=true – pageIndex_2

    Die Zentralbanken sind nicht am Limit, weil es kein Limit für sie gibt.

    Man kann sich ein Limit wünschen – das ist aber etwas anderes.

    Interessant wie Braunberger das Verhältnis von Politik und Notenbanken sieht:

    „Aus demokratietheoretischer Sicht ist eine von Regierungsweisungen unabhängige Zentralbank unproblematisch, die mit einem klaren Mandat Geldwertstabilität sichert, weil die Erfahrung zeigt, dass Regierungen oft kein Interesse besitzen, dieses für viele Menschen nützliche öffentliche Gut bereitzustellen. Aber das demokratietheoretische Fundament wird brüchig, wenn die Zentralbank durch Aktionismus etwa in der Finanzaufsicht oder in der Staatsfinanzierung Aufgaben übernimmt, die besser von gewählten Politikern wahrgenommen werden sollten.“

    Was können Politiker denn überhaupt noch „besser“ wahrnehmen, wenn sie angesichts der Lage und weiteren Entwicklung, d. h. drohender Massenarbeitslosigkeit, Kaufzurückhaltung und folglich Insolvenzwellen, Geld ausschütten MÜSSEN?

    Die KONVENTIONELLEN Mechanismen der Refinanzierung sind jedenfalls definitiv überfordert und DAMIT nehmen sie nichts besser wahr.

    Braunberger weiter:

    >Natürlich werden Regierungen unangenehme Reformen scheuen und großzügig Wohltaten versprechen, wenn sie davon ausgehen, dass die Geldpolitik Probleme beseitigen wird. Das ist kein spezielles Problem der EZB und Südeuropas. Der Ökonom Raghuram Rajan hat in seinem 2010 erschienenen Buch („Fault Lines“) gezeigt, wie in den Industrienationen über Jahrzehnte durch expansive Finanz- und Geldpolitik fundamentale Bruchlinien in der langfristigen wirtschaftlichen Entwicklung übertüncht wurden, weil die Politiker sich den eigentlichen Herausforderungen nicht stellten. Diese Fehlentwicklungen waren ein Grund, wenn auch nicht der einzige, der zur Finanzkrise der Jahre 2008 und 2009 führte.>

    Die Politiker konnten sich in der Vergangenheit den „eigentlichen Herausforderungen“ nicht stellen und sie werden sich ihnen auch diesmal nicht stellen können.

    Würden sie es versuchen, wäre gesellschaftliche Destabilisierung die Folge.

    Denn die „eigentlichen Herausforderungen“ hätten von der Bevölkerung Verzichtleistungen zu fordern, die sie nach 70 Jahren kontinuierlichen Wohlstands und damit verlorener Bereitschaft zu verzichten, nicht akzeptieren würde.

    Die EIGENTLICHEN „eigentlichen Herausforderungen“ sind daher für die Regierungen:

    LANGSAME Anpassung nach unten mit dem Schmiermittel kontinuierlicher, breit gestreuter Geldzuweisungen verträglich zu gestalten.

    Dafür ist die kontinuierliche monetäre Staatsfinanzierung durch die Zentralbanken unentbehrlich.

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      Horst sagte:

      „LANGSAME Anpassung nach unten mit dem Schmiermittel kontinuierlicher, breit gestreuter Geldzuweisungen verträglich zu gestalten.„

      Mehr Geld für Anpassung nach unten, ergo Wohlstandsverluste?

      Ein klassisches Oxymoron.

      Gerade deshalb sollte doch monetäre Starts Finanzierung nicht notwendig sein.

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      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Ja, Wohlstandsverluste.

        Da wir von Deutschland reden, wird die Anpassung nach unten, d. h. weniger Jobs und vor allem weniger gut bezahlte, nicht als Schicksal und Chance wie in USA verstanden – dort ist Tellerwäscher der START und kein ENDE wie bei uns –, sondern sie ist mit ANSPRÜCHEN verbunden, die den AUSBAU des Sozialstaats verlangen, wenn die Anpassung VERTRÄGLICH erfolgen soll.

        Heißt:

        Ruhigstellen mit unterm Strich insgesamt MEHR Geld und daher KEIN Oxymoron.

        Wichtig dabei:

        Es ist ein KONTINUIERLICHER Prozess, weil das für die Anpassung nach unten verteilte Geld vorrangig für Konsum ausgegeben wird und nicht für Investitionen, um mehr Wachstum zu generieren.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Was können Politiker denn überhaupt noch „besser“ wahrnehmen, wenn sie angesichts der Lage und weiteren Entwicklung, d. h. drohender Massenarbeitslosigkeit, Kaufzurückhaltung und folglich Insolvenzwellen, Geld ausschütten MÜSSEN?“

        Jaja, alles angeblich „alternativlos“.

        Die Politiker „müssen“ genauso Geld ausschütten wie ein Alkoholiker jeden Tag eine Flasche Schnaps trinken „muss“. Wenn er es nicht tut, dann geht es ihm nämlich richtig dreckig. Aber eine Handlungsalternative, nämlich den Entzug machen, hat er trotzdem.

        @Horst

        „Mehr Geld für Anpassung nach unten, ergo Wohlstandsverluste? Ein klassisches Oxymoron.“

        Nein, da steckt kein Widerspruch drin. Jedenfalls nicht in der Logik einer schweren oder gar Hyperinflation. 1923 gab es in Deutschland auch unfassbar große Megen an Geld, und gleichzeitig verschlechterte sich der Lebensstandard erheblich.

      • Avatar
        Horst sagte:

        „Jedenfalls nicht in der Logik einer schweren oder gar Hyperinflation.“

        Diese Determinante ist NICHT Bestandteil der „Entzauberung“ der Aussage von Herrn Tischer.

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        Horst sagte:

        „…weil das für die Anpassung nach unten verteilte Geld…“

        Das Geld wird ausschließlich in der 1. Runde nach UNTEN verteilt (eine Umverteilung findet NICHT statt, denn das Geld existierte vorher NICHT, insofern d´áccord).

        Über die 2. und 3. Runde wird es FOLGEND (wie IMMER) nach OBEN – nun aber – UMVERTEILT (denn nun ist es im Kreislauf der Wirtschaftssubjekte angekommen).

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Horst

        „Diese Determinante ist NICHT Bestandteil der ‚Entzauberung‘ der Aussage von Herrn Tischer.“

        Nur mit Inflation löst sich der scheinbare Widerspruch auf. Geld und Wohlstand sind nicht das gleiche – ich fürchte, Sie werden das auf die harte Art lernen.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Aber eine Handlungsalternative, nämlich den Entzug machen, hat er trotzdem.>

        Es ist eine gedankliche Alternative, aber KEINE realistische Handlungsalternative.

        Wer große Teile der Bevölkerung auf „Entzug“ einstellt, wird abgewählt und ist damit gescheitert.

        Große Teile der Bevölkerung können natürlich trotzdem verlieren, und zwar dann, wenn die Umstände es so erzwingen, dass ihnen keine Partei helfen kann.

        Dafür gibt es realistische Szenarien und zwar auch solche, die Kriege ausschließen.

        Dann, meine Befürchtung, erhalten Leute Zulauf, die viel versprechen, aber eben auch nichts halten können.

        Sie werden dann Maßnahmen ergreifen, um angebliche Hindernisse beiseite zu räumen und entsorgen so den Rechtsstaat.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Über die 2. und 3. Runde wird es FOLGEND (wie IMMER) nach OBEN – nun aber – UMVERTEILT (denn nun ist es im Kreislauf der Wirtschaftssubjekte angekommen).>

        Davon gehe ich aus, das ist richtig.

        Der entscheidende Punkt ist aber:

        Ruhigstellung mit Konsum statt nachhaltige Besserstellung durch Investitionen.

        Richtig ist m. A. n. auch, auf was R. Ott verweist und was ich anderswo dargelegt habe:

        Es wird zunehmend Geld verteilt, das aber bei nicht oder nicht hinreichenden Investitionen KEINEN Wohlstand generiert.

        Wenn die Geldverteilung institutionalisiert sein sollte, also u. a. per Gesetz auf Basis eines BGE erfolgte, dann ist FORTSCHREITENDE Inflation sehr wahrscheinlich.

        Sie würde die Wohlstandsverluste stark beschleunigen und wäre dann auch keine „Lösung“ mehr, sondern nur noch ein Desaster.

        Aber wie gesagt, das ist Zukunft …

      • Avatar
        Gregor_H sagte:

        @Tischer
        Sie schreiben:
        „Dann, meine Befürchtung, erhalten Leute Zulauf, die viel versprechen, aber eben auch nichts halten können.
        Sie werden dann Maßnahmen ergreifen, um angebliche Hindernisse beiseite zu räumen und entsorgen so den Rechtsstaat.“

        Sie meinen damit die gerade jetzt aktuellen Verhältnisse?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Gregor_H

        Nein, ich meine nicht die aktuellen Verhältnisse.

        Man kann über vieles geteilter Meinung sein bezüglich unseres Rechtsstaats.

        Er wird aber zurzeit ganz sicher NICHT entsorgt.

        Natürlich gibt es die gegenteilige Meinung dazu.

        Wer sie vertritt, hat Maßstäbe, die weder zu dem passen, was historisch geschehen ist, noch zu dem, was in einer Demokratie möglich ist bzw. sein sollte.

        Ich stelle das nur fest, will aber hier keine Diskussion darüber führen.

  2. Avatar
    Wolf K sagte:

    Zahlen für Altmeier
    Hier belegbare Zahlen von unserem Familienbetrieb.
    -Veranstaltungsbranche (Sport)
    -Saisonbetrieb April-Oktober
    -Tätig in D,A,CH und benelux
    Saisonvorbereitende Ausgaben in Höhe von ca. 10-15% vom Jahresumsatz in 2020 bereits getätigt. Umsatzausfall bis 1. Juli durch absagen genau 100%. Betrieb wurde wieder in Winterschlaf gelegt.Eine Öffnung ab Juli mit ca. 50 % Auslastung (für 2. Saisonhälfte liegen auch schon Stornierungen vor) machen aus kaufm. Sicht keinen Sinn, da logistische Synergien nicht zum tragen kommen. Die Zahlen sagen, der Betrieb sollte bis zur nächsten Saison März 2021 weiterschlafen. Wegen der kundenbindung müssen wir dieses sehr wahrscheinliche Minusgeschäft annehmen.
    Unsere Ziele für 2020 und 2021 sind somit überleben, für 22 und 23 versuchen wir die Reserven nochmal aufzufüllen. Über Investitionen denkt hier keiner nach! Unternehmensverlagerung ist schon Thema und wird bei zunehmender Belastung und zunehmendem Behördenmobbing vollzogen .
    Soforthilfe wurde vor Wochen beantragt und bis dato nicht ausgezahlt. Kredite sind zum jetzigen Zeitpunkt keine Alternative.
    Schöne Grüße aus einem wirklichen Leben.

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    • Avatar
      Alexander sagte:

      @Wolf K

      Alles was ich den Verursachern der hysterischen Panik aus Politik / Medien / followern von ganzem Herzen wünsche sind 20 Jahre Arbeit / Risiko / Existenzangst unter den Bedingungen, die sie selbst so stolz fabriziert haben.
      Gerne kombiniert mit der Schließung aller Schlupflöcher in sämtlichen Zäunen, Verpfändung der Altersvorsorge, 110%iger Erbschaftssteuer unter Anwendung aller zur Terrorbekämpfung legaler Mittel – Ausreiseverbot, Kapitalverkehrskontrollen. Da müssten sie durch….. der Gleichheit wegen.

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      • Avatar
        Wolf K sagte:

        @AlexanderDie Suizidrate würde die Sterblichkeit durch Corona in den Schatten stellen.Und das ist meine Überzeugung.!

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