Was, wenn Geld drucken nicht gegen Deflation wirkt?

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Seit Monaten gibt es einen Streit um das Thema „Deflation“. Dieser verläuft entlang verschiedenster Fronten:

  • Besteht die Gefahr einer Deflation?
  • Wäre eine Deflation denn überhaupt ein Problem?
  • Was kann getan werden, um eine Deflation zu verhindern?

Dabei wird sehr schnell deutlich, dass hinter den Argumenten oftmals die Verteilungsfrage für den Schaden der Überschuldungskrise steckt. Doch schauen wir uns die Argumente an.

1. Besteht die Gefahr einer Deflation?

Namhafte Beobachter sehen die akute Gefahr einer deflationären Entwicklung in Europa: Der IWF warnt, Wolfgang Münchau warnt im SPIEGEL ; Ambrose Evans-Pritchard warnt im Telegraph, und Herr Draghi betont, jederzeit handeln zu können, um eine Deflation zu verhindern. Auf der anderen Seite sind die Kommentatoren, vor ie USA scallem der deutschen Medien (hier die WiWo), die betonen, dass die Eurozone als Ganzes keine Deflation hat, sondern nur einige Länder, in denen die Deflation aber politisch gewollt ist, um über eine „interne Abwertung“ die Wettbewerbsfähigkeit wieder herzustellen. Diese unterstellen denjenigen, die vor einer Deflation warnen, dass sie mit dieser Panikmache nur weitere Geldschöpfung der EZB rechtfertigen wollen, mit dem Ziel, über Geldentwertung die Schuldenlast abzutragen.
Ich sehe die Gefahr einer Deflation sehr wohl. Dies deshalb, weil ich ganz mit Irving Fisher der Auffassung bin, dass in einer überschuldeten Welt der deflationäre Druck überwiegt: Das Kreditvolumen schrumpft, Vermögenswerte fallen im Preis, die Wirtschaft ist in der Rezession, das Bankensystem ist angeschlagen. Hinzu kommt, dass es große Teile der Weltwirtschaft gleichzeitig trifft, und jede Region versucht zu Lasten der anderen einen Vorteil zu erlangen: Die USA schwächen den Dollar durch aggressive Geldpolitik, die Japaner versuchen durch massive Abwertung die Wirtschaft in Schwung zu bekommen und die Deflation zu überwinden, die Chinesen werden die Wirtschaft ebenfalls über Exporte stimulieren und dank Shale Gas werden die Ölpreise gedämpft. Überinvestitionen der Bergbaukonzerne und einiger Schlüsselindustrien, wie zum Beispiel Stahl, tun das Ihrige dazu, dass das Preisniveau unter Druck gesetzt wird. Damit ist Deflation durchaus realistisch.

2. Wäre Deflation überhaupt ein Problem?

Der Normalzustand der Wirtschaft ist Deflation. Über lange Zeiträume hinweg – gerade im 19. Jahrhundert – herrschten geringe Deflation und hohes Wirtschaftswachstum. Fundamental lässt sich das auch erklären. Die Unternehmen entwickeln immer neue Wege, um Güter kostengünstiger herzustellen. Die Betriebswirtschaftslehre spricht dabei von Erfahrungseffekten. Studien der Fed zeigen, dass Deflation keineswegs mit einer negativen Wirkung auf das wirtschaftliche Wachstum verbunden sein muss.

Genau darauf weisen jene hin, die betonen, dass selbst wenn eine Deflation drohen sollte, diese keineswegs so fatal wäre wie die besorgten Kommentatoren meinen.

In einem Umfeld hoher Schulden haben wir es aber mit einer anderen Art der Deflation zu tun. Diese ist nicht Folge effizienterer Produktionsmethoden sondern Ergebnis eines Entschuldungsprozesses. Dabei wirkt die Deflation krisenverstärkend, weil sie die reale Schuldenlast steigert. Wenn das Nominalwachstum der Wirtschaft unter dem Nominalzins liegt, wird es den Schuldnern schwer gemacht, die Schulden abzutragen. Dies setzt dann echte Ersparnis voraus, bei Staaten spricht man vom „Primärüberschuss“, also einem Überschuss im Etat vor Zinszahlungen. Dies führt zu einem Fehlen an Nachfrage in der Wirtschaft und damit krisenverstärkend. Im heutigen Umfeld ist genau dies die Gefahr. Wie anderweitig diskutiert, haben wir es mit geringem fundamentalen Wachstum (schrumpfende Erwerbsbevölkerung und Produktivität!) zu tun. Bei hohen Schulden führt Deflation direkt in die Zahlungsunfähigkeit des Schuldners.

3. Was kann getan werden um eine Deflation zu verhindern?

Hier wird es interessant: Beide, die Warner vor Deflation wie auch jene, die die Warnung für unbegründet halten, denken, es wäre in der Hand der Wirtschaftspolitik, namentlich der Zentralbanken, eine Deflation zu verhindern. Alle glauben Ben Bernanke, der schon 2003 in einer Rede betont hat, dass die Notenbank nur genug Geld drucken müsse, und es käme nicht zu einer Deflation.

Doch stimmt das wirklich? Seit fünf Jahren bekämpfen die Notenbanken der westlichen Welt die Finanz- und Wirtschaftskrise. Alle haben ihre Bilanzen massiv ausgeweitet, nur bei der EZB ist sie seit einigen Monaten – ich sprach darüber – rückläufig. Nun wird behauptet, dass gerade in Europa wegen dieser rückläufigen EZB-Bilanz die Gefahr einer Deflation wächst. Doch ist dies der Grund? Auch in den USA, wo die Fed fast ungebremst weiter expandiert, ist die Inflation immer geringer geworden. In der Schweiz ist von Inflation keine Spur, in Japan gibt es zwar erste Anzeichen aber deutlich unter dem eigentlich angestrebten Zwei-Prozent-Ziel. Nur in England scheint das mit der Inflation zu klappen. Schaut man genauer hin, wird klar, dass nur in England das Kreditvolumen an die Realwirtschaft wieder wächst. Damit ist auch die Hauptvoraussetzung für Inflation klar: wachsende Kredite. Ohne diese ist Inflation nicht möglich. Wenn nun aber alle sparen, also versuchen bestehende Schulden abzutragen, ist Deflation das Thema, nicht Inflation. Dann fließt das „frische Geld“ der Notenbanken eben nicht in die Realwirtschaft sondern in die Finanzmärkte wo es die Vermögenspreise treibt. Auch eine Art der Inflation, aber eben nicht von der Sorte die den Schuldnern hilft.

Billiges Geld hilft nur dann, wenn die potentiellen Schuldner noch über beleihbares Eigentum verfügen, und diese auch bereit sind, dieses Eigentum zu beleihen, weil sie attraktive Investitionsmöglichkeiten sehen. In einem Umfeld der Rezession sehen Unternehmen dies nicht, und private Haushalte werden sich ebenfalls mit Schulden zurückhalten, wenn Arbeitslosigkeit droht und die Preissteigerung gering ist. Kein Grund zur Eile. Einige Beobachter gehen gar so weit zu sagen, dass die tiefen Zinsen als solche deflationär wirken, signalisieren sie doch Investoren geringe zu erwartende Renditen und zwingen die Sparer mehr zu sparen, um für ihr Alter vorzusorgen.

Der Ruf oder die Angst vor mehr Zentralbankintervention ist somit irrelevant. Die Geldpolitik wirkt nicht im Umfeld der Überschuldung. Alles was sie erreichen kann, sind weitere Blasen in einzelnen Vermögenswerten, deren Platzen die Wirtschaft in erneute Krisen und damit in noch größere Deflationsgefahr stürzt – siehe die Schwellenländer heute. Damit würde die Geldpolitik das befördern, was sie eigentlich zu verhindern trachtet.

Folgt man dieser Argumentation, wird klar, dass die Notenbanken alleine eben eine Deflation nicht verhindern können. Es fehlt der Schuldner, der bereit ist mehr Schulden zu machen und damit die Nachfrage anzuheizen. Der Ruf nach aggressiver Geldpolitik – gerade in Europa – mag erhört werden. Aber er alleine wird keine Deflation verhindern.

Wer dies möchte, muss zusätzlich nach aggressiver Neuverschuldung rufen. Und diese kann nur vom Staat kommen. Nur dieser kann sich ohne Rücksicht auf die eigentlichen Schuldner seiner Schulden – die Steuerzahler – in weitere Schulden stürzen, dann direkt finanziert von den Notenbanken.

Die Folgen wären klar: Über die Zeit kommt es zu einer Inflation. Und angesichts der derzeit tiefen Umlaufgeschwindigkeit – ein Euro oder Dollar wird viel weniger pro Jahr eingesetzt als im historischen Durchschnitt – ergibt sich ein deutliches Inflationspotential. Dann wäre in der Tat Weimar nicht weit.

Was wirkt, ist die Zerrüttung des Geldwesens durch ungehemmten Staatskonsum auf Notenbankkredit. Wer das versteht und sieht, kann nur für geordnete Schuldenrestrukturierung sein.

Wer hingegen alleine auf die Geldpolitik setzt, wird feststellen müssen, dass diese nicht greift, sondern in letzter Konsequenz die deflationären Tendenzen eher fördert als bekämpft. Dies wird sich allerdings erst nach einigen Jahren der Enttäuschungen und Stagnation zeigen, in denen die Wirtschaft nicht richtig auf die Beine kommt, die Arbeitslosigkeit hoch bleibt und die Schulden weiter steigen. Und wenn jetzt der eine oder andere Leser meint, uns in Deutschland muss das angesichts der guten Wirtschaftslage doch nicht kümmern, sei erinnert: Unsere Wirtschaft profitiert enorm von den Stabilisierungsbemühungen anderer Staaten und den Vermögenspreisblasen, die international angefacht werden. Beides wird nicht ewig andauern.

7 Kommentare
  1. samy says:

    Guten Abend,

    selten so eine hohe Übereinstimmung festgestellt. Auch ist es eine Wohltat, wenn ein Ökonom nicht reflexhaft die Deflation verdammt. Die Kolonialisierung Nordamerikas fand in einem deflationären Umfeld statt. Das dt. Kaiserreich erlebte kurz vor dem WK I eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte auf Basis eines Bimetallstandards.

    Bloß: „Wer das versteht und sieht, kann nur für geordnete Schuldenrestrukturierung sein. …“

    Nein, gilt bei mir nicht. Die heutige Welt ist nicht das überschaubare Mesopotamien von damals.

    Wer will mit welcher Legitimierung in wessen Auftrag mit welchen Befugnissen Verhandlungen starten?
    Was geschieht geopolitisch, wenn die Gläubigerstaaten den Schuldnerstaaten nicht entgegenkommen? Eine solche Umstrukturierung kann sich ja nicht nur auf Gläubiger und Schuldner innerhalb Deutschlands und/oder die EU beschränken, oder?
    Wer kann garantieren, dass er versteht, was dann auf den Finanzmärkten geschieht, welche teuflischen verschachtelten Finanzprodukte bei wem als toxic Asset schlummern? Die AAA-Ratings bei den MBS hat auch niemand für möglich gehalten.Der unkontrollierte OTC-Derivatehandel auf irgendwelche Kursentwicklungen sei ebenfalls erwähnt.
    Das alles lässt sich im Vorfeld nicht berechnen, meine ich jedenfalls. Und wenn die Massenmedien darüber berichten, so kann das auch ein Nachteil sein, denn die Gläubiger werden versuchen ihr Vermögen zu „tarnen“. Vielleicht verstehe ich aber auch nur noch nicht die Idee.
    .
    Vielleicht könnte man einmal ganz plastisch die erste Frage angehen: Wer will mit welcher Legitimierung in wessen Auftrag mit welchen Befugnissen die Verhandlungen zwischen Gläubiger und Schuldner starten?

    Das würde mir helfen.

    VG

    Antworten
  2. Michael Stöcker says:

    @ samy

    „Auch ist es eine Wohltat, wenn ein Ökonom nicht reflexhaft die Deflation verdammt. Die Kolonialisierung Nordamerikas fand in einem deflationären Umfeld statt. Das dt. Kaiserreich erlebte kurz vor dem WK I eine kulturelle und wirtschaftliche Blüte auf Basis eines Bimetallstandards.“

    Ein Gold- und/oder Bimetallstandard hat aber nichts mit einem modernen Kreditgeldstandard zu tun. Warengeld ist eben etwas anderes als Schuldgeld. Und Geld ist etwas anderes als Kredit. Einem Warengeld muss immer eine reale Arbeitsleistung vorausgehen. Dies sieht man daran, dass sich der Goldpreis immer wieder an den Produktions-/Förderkosten orientiert. Dies ist doch eine ziemlich unsinnige menschliche Tätigkeit. Vor allem wenn man bedenkt, was wir anschließend mit diesem Gold wieder machen: Wir verbuddeln es unter hohem Kosten- und Überwachungsaufwand wieder in der Erde. Welchen Sinn hat es, eine Investition davon abhängig zu machen, ob ich Gold finde? Dann hätten die spanischen Goldaneignungen ja zu hohem Wohlstand führen müssen. Es leitete aber den Niedergang Spaniens ein (http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2011/01/Suedamerika-Gold-Silber ). Die Güterpreisrelationen werden eben auch über Knappheitsverhältnisse determiniert. Aber nochmal: Kreditgeld ist etwas grundlegend anderes als Warengeld.

    Ein modernes Kreditgeld kann – in Gegensatz zum Warengeld – mit sehr geringem Arbeitsaufwand hergestellt/gebucht werden. Es ist ein Instrument, die Vertragsbeziehungen (=Schuldbeziehungen) effizient zu managen. Der Fehler liegt nur immer wieder darin, dass Banken allen möglichen Unsinn finanzieren, ohne die dafür nötigen Rückstellungen zu bilden. Mit jeder zusätzlichen Kreditvergabe wird zusätzliches Buchgeld (=Kreditgeld) geschaffenen, das bei Kreditrückzahlung wieder vernichtet wird. Nun wurde durch die Banken einfach mehr Buchgeld geschaffen, als reales Wachstum vorhanden war bzw. aus der Kreditvergabe entstand. Dies wäre auch nicht so problematisch gewesen, hätten Banken angemessene Rückstellungen gebildet und nicht überhöhte Gehälter, Boni und Dividenden gezahlt. Haben sie aber nicht. Und jetzt liegt das Kind ganz tief unten im Brunnen und wir wollen uns nicht eingestehen, dass wir alle einer riesigen Vermögensillusion aufsitzen.

    Warum Deflation aber im aktuellen Umfeld ein großes Problem darstellt, hat Herr Stelter klar und deutlich dargelegt. Davon abweichend bin ich allerdings überzeugt, dass ein Kreditgeld immer einem kontinuierlichen Entwertungsprozess unterliegen sollte. Warum ein solcher Entwertungsprozess mit einer Inflationsrate von 2 % systemisch notwendig und damit auch sinnvoll ist, können Sie hier nachlesen: http://zinsfehler.wordpress.com/2013/08/21/zinsmythen/ .

    VG Michael Stöcker

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  3. Enrico says:

    „Damit ist auch die Hauptvoraussetzung für Inflation klar: wachsende Kredite. Ohne diese ist Inflation nicht möglich. Wenn nun aber alle sparen, also versuchen bestehende Schulden abzutragen, ist Deflation das Thema, nicht Inflation. Dann fließt das “frische Geld” der Notenbanken eben nicht in die Realwirtschaft sondern in die Finanzmärkte wo es die Vermögenspreise treibt. Auch eine Art der Inflation, aber eben nicht von der Sorte die den Schuldnern hilft.“

    Genau aus diesem Grund sehen wir aktuell eine Umverteilung von unten nach oben. Alles was also die (Geld-)Politik zu tun hat, ist es diesen Fluss umzukehren. Ist scheinbar aber leichter gesagt als getan, auch wenn die berühmten 99% einen solchen Prozess offensichtlich unterstützen würden.

    @Michael Stöcker: Danke für den Link zum Zinsfehler-Blog. An dieser Stelle möchte ich gern nochmal auf den Professor für Volkswirtschaftslehre Bernd Senf hinweisen, der weniger verschwörungstheoretisch (wie z.B. ein Popp) sondern eher sachlich-kritisch das Zins- und Geldsystem analysiert.

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  4. thewisemansfear says:

    Geldpolitik funktioniert nur in eine Richtung, nämlich als Tritt auf die Bremse. Die jetzige Phase ist treffend mit „pushing on a string“ umschrieben worden, da bewegt sich halt nichts. Wenn ich ein System habe, das aus sich heraus (mehr) Geld erzeugen kann – Stichwort „Geld“schöpfung aus dem Nichts über einfache Buchungsvorgänge (zudem bei witzlosen Eigenkapital- und Mindestreservevorschriften) – dann reicht die Funktion als Bremse ja vollkommen aus. Man kann sich natürlich auch der Illusion hingeben, das wäre alles zentral durch die „Geldpolitik gesteuert…

    Geld besitzt keinen intrinsischen Wert, und hat diesen (wenn man Anthropologen wie Graeber folgt) auch nie besessen. Geld existiert nur im Verbund mit Schulden, wobei Schulden immer ein Versprechen (auf eine zukünftige Leistung) darstellen. Heutzutage sind diese Versprechen in Vertragsform gegossen, was sie rechtlich höher stellt, aber nichts an der Grundaussage ändert. Was anderes ist Geld also, als eine quantifizierbare Form dieser Versprechen? Wo kein Vertrauen herrscht, besteht natürlich der Wunsch, ein werthaltiges Zwischentauschmittel zu installieren, z.B. Geld mit Goldbindung. Diese Vorstellung führt aber letztlich in die Irre bzw. muss man fragen, wem welche Form des Geldes nützt.
    Zur Verdeutlichung: Zu einer Zeit wurden nur Edelmetallmünzen zur Bezahlung akzeptiert, diese verschwanden irgendwann im Tresor und wurden von Schuldverschreibungen (Papiergeld) abgelöst. Die Edelmetalle im Tresor haben effektiv (fast) niemanden mehr interessiert. Heute wiederum werden Forderungen auf diese Papierscheine (Giralgeld) zum Bezahlen genutzt, also nur Zahlen elektronisch hin- und hergeschoben. Geht bislang problemlos, oder? Solange Vertrauen herrscht, seine Forderungen eingelöst zu bekommen, ist (fast) vollkommen egal, WAS da eigentlich zirkuliert.

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    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Vielen Dank für diesen Kommentar. Wie ich in der Serie „Eigentumsökonomik“ gezeigt habe, ist Geld genau das: umlauffähig gemachte Schulden“. Sind die Schulden „faul“, ist auch das Geld „faul“, und Geldpolitik versagt. Wobei: Vermutlich wirkt Geldpolitik nie richtig, denn letztlich ist Geld immer die Folge eines privaten Verschuldungskontrakts, und damit kann Geldpolitik nur die Preissignale verfälschen und Sicherheiten manipulieren….

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  5. Ronald Stöferle says:

    Herzlichen Dank für den äußerst gelungenen Artikel!

    Mein Partner Marl Valek und ich haben zum Thema Inflation vs. Deflation den Begriff der „monetären Tektonik“ geprägt. Was meinen wir damit?
    Auf der einen Seite sind die deflationären Kräfte sehr stark, diese werden jedoch auf der anderen Seite durch inflationäre Kräfte ausgeglichen. Oberflächlich ist alles relativ ruhig geblieben. Allerdings baut sich hier unter der Oberfläche eine enorme Spannung auf, welche – auch hier ist die Analogie der monetären Tektonik recht treffend – sich früher oder später entladen wird in die eine oder andere Richtung.
    Aus unserer Sicht steht nicht im vornhinein fest, ob die inflationären Kräfte dieses Kräftemessen gewinnen werden. Allerdings wird aufgrund der sozioökonomischen Anreizstrukturen im Zweifel jedenfalls eine höhere Inflation in Kauf genommen – deswegen sehen wir dies als den längerfristig höher wahrscheinlichen Ausgang an. Zwischenzeitlich kann es aber durchaus passieren, dass beispielsweise aufgrund einer weiteren großen Bankkrise oder einer Staatspleite die deflationären Effekte überwiegen. Wenn sozusagen die Zentralbanker dann nicht „schnell genug den nächsten Gang beim Drucken einschalten“ können die deflationären Kräfte überwiegen. Also ein zwischenzeitlich deflationärer Akt wie 2008, auf dem Weg zu stärkeren Inflation wäre durchaus auch denkbar.
    Das ist das Bild, welches wir im Zusammenhang mit der monetären Großwetterlage momentan malen – oberflächliche, scheinbare Stabilität, zumindest gemäß dem herrschenden Paradigma einer Geldentwertung von wenigen Prozent pro Jahr, aber unter der Oberfläche brodelt es gewaltig.

    Das Chartbook, welches die inflationären und deflationären Kräfte illustriert, kann man hier downloaden:
    http://www.incrementum.li/latest-news/monetary-tectonics-the-interplay-between-inflation-and-deflation-incrementum-chartbook/

    Herzliche Grüße! Ronald Stöferle

    Antworten

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