Zu viel Reichtum kostet Wachstum: Die Kritik am Kapitalismus nimmt zu

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Ein erstaunlicher Beitrag auf n-tv. Aufgehängt an dem Thema der Vermögensverteilung – Piketty mal wieder – geht es um die Funktionsweise und die Vor- und Nachteile unseres Wirtschaftssystems.

  • „Die Wohlstandsdiskrepanz in den USA ist riesig. Die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung besitzen drei Viertel (74,4 Prozent) des landesweiten Vermögens. Dieselben zehn Prozent halten auch 80 Prozent der Aktien.“
  • „Ausgerechnet die Ratingagentur Standard & Poor’s, ein Kernbestandteil des westlichen Wirtschaftssystems, warnte vor wenigen Tagen vor der ungleichen Verteilung von Einkommen und Vermögen in den USA. Die Analysten sind zum Schluss gekommen, dass sie nicht nur ungerecht ist, sondern auch das Wachstum der Wirtschaft drosselt.“
  • „Als Alternative kommt für den Professor der Volkswirtschaftslehre – wenig überraschend – nur ein System mit Privateigentum und Märkten infrage. Märkte sichern Wachstum. Gleichzeitig sucht Corneo aber auch ein System, das nicht kapitalistische Elemente berücksichtigt. Sie sollen die Scharten im reinen Kapitalismus auswetzen.“ bto das sehe ich genauso. Siehe meine Serie zur Eigentumsökonomik.
  • „Das Modell, das Corneo deshalb vorschlägt, ist ein ‚Aktienmarktsozialismus‘. Bei diesem Modell soll sich der Staat bei den größten Unternehmen beteiligen. Um die nötigen Anreize zu schaffen, damit effizient gewirtschaftet wird, sollen die Unternehmen börsennotiert sein. Ziel ist es, dass sie so produktiver sind.“
  • „Er würde aber der Polarisierung von Vermögen einen Riegel vorschieben, wie Corneo hervorhebt. Denn im Kapitalismus wächst das Kapitaleinkommen schnell, das Arbeitseinkommen stagniert dagegen. Der Kleinsparer bekommt null Prozent auf sein Konto, während für den Milliardär zehn oder zwanzig Prozent Kapitalrendite normal sind. Eine Ungleichheit im System wäre mit seinem Modell also beseitigt.“ bto: Der Idee einer breiteren Streuung von Eigentum kann ich viel abgewinnen. Ob es wirklich besser ist, Politiker mit lukrativen Aufsichtsratsposten auszustatten, wage ich zu bezweifeln. Wenn, dann sollte das Volksvermögen von Profis und nicht von Politikern verwaltet werden. Außerdem bezweifel ich die auch hier gemachte Annahme, dass die Kapitalrenditen hoch bleiben, während die Löhne stagnieren, sehr. Dann müsste die Gewinnquote auf 100 Prozent des BIP steigen. Siehe auch mein Kommentar dazu in der Börsen-Zeitung.
  • „‚Wenn wir die Gewinne von öffentlichen Unternehmen in den Staatshaushalt einfließen lassen und die Gewinne benutzen würden, um öffentliche Dienstleistungen zu finanzieren oder das Geld direkt an die Bürger in Form einer Sozialdividende weiterzuleiten, steigt die Chancengerechtigkeit‘, sagt der Theoretiker. Die Folge wäre, dass es keine Schicht von Spekulanten und kapitalistischen Dynastien geben würde, die Milliarden Kapitaleinkommen erwirtschaften. Auch in der Praxis wäre das ein Anfang, das System zu bändigen. Es würde für etwas mehr Gerechtigkeit sorgen, ohne dass sich das System vom Gedanken des Wachstums verabschieden müsste.“

Ich denke, breitere Streuung des Eigentums und vor allem bessere Bildung können die Antwort sein auf die natürliche Tendenz des Kapitalismus zur Vermögenskonzentration. Aber ich bezweifle, dass mehr Staatseigentum die Lösung ist. Was die angeblich nachhaltig hohe Kapitalrendite betrifft: Mit Rückdrehen der Globalisierung und zunehmendem Personalmangel werden sich die Machtverhältnisse ohnehin ändern.

n-tv: Zu viel Reichtum kostet Wachstum: Die Kritik am Kapitalismus nimmt zu, 23. August 2014

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