«Zu hohe Anforderung an Eigenkapital von Banken»

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Vor einigen Tagen habe ich ein Interview mit Martin Hellwig verlinkt, in dem er drastisch höhere Eigenkapitalquoten für Banken fordert. In einem weiteren Interview mit der FINANZ und WIRTSCHAFT äußert sich Stephen Cecchetti, ehemaliger Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ). Ich halte große Stücke auf ihn und habe schon mehrfach Studien von ihm verlinkt. Er betont in dem Interview – sehr zu meiner Überraschung – dass hohe Eigenkapitalanforderungen die Kreditvergabe der Banken übermäßig einschränken würden. Deshalb plädiert er für das bestehende System und fordert eher Änderungen im Bereich des Derivatehandels. Letzterem folge ich, würde aber dennoch für eine Kombination von Maßnahmen plädieren:

  • Einführung von Vollgeld (für welches Thomas Mayer in seinem neuen Buch ein eindrückliches Plädoyer abgibt).
  • Größenbeschränkung mit vollem Konkursrisiko und -möglichkeit für Banken.

FuW: «Zu hohe Anforderung an Eigenkapital von Banken», 24. Oktober 2014

11 Antworten
  1. Hartmut G. says:

    Warum plädieren Sie immer wieder so gern für staatliche Planwirtschaft? Haben wir bisher noch nicht genug? War diese bisher so ein grandioses Erfolgsmodell?

    Wissen Sie wann ich irgendwem von diesen Predigern das „Vollgeld-ist-toll“ abnehme? Wenn diese für ein Gold-Vollgeld plädieren würden, dann ist nämlich kein staatlich monetäres Schummeln mehr möglich. Komischer Zufall, dass derartige Vollgeld-Etatisten jedoch Gold scheuen, wie der Teufel das Weihwasser. Ganz nach dem Motto: Nur das Vollgeld ist gut, welches wir auch beliebig drucken können.
    Und mal ganz ehrlich unter uns: So dumm sind diese Leute doch nun auch nicht, nicht selber zu sehen, was sie da fordern oder promoten. Oder etwa doch?
    mfG HG

    P.S.
    http://recentr.com/2014/10/die-vollgeld-utopie/

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  2. Dieter Krause says:

    Lieber Hartmut G. – warum reagieren Sie denn bei Vollgeld immer so hysterisch? Niemand behauptet – am allerwenigsten Dr. Stelter – das damit alle makroökonomischen Probleme, die uns momentan plagen, gelöst werden könnten. Welcher Staat soll denn aber bitte FREE BANKING einführen und dann die ganze Privatwährungen kontrollieren? Sollen dann etwa alle Preise in Ihrem Supermarkt in vier Privatwährungen ausgezeichnet sein, die dann auch noch – oh Übel! – täglich noch viel mehr schwanken dürften wie heute Dollar, Euro und Yen? Keine private Firma würde da lange mitmachen! Am Ende wären wir wieder beim heutigen System: Eine Leitwährung, an der sich die anderen (bald schwachbrüstigen) Währungen (so sie denn nicht sehr schnell vom Markt wieder verschwinden) anlehnen würden. Also wieder Europa vor dem Euro-Einführung – mit der DM als Leitwährung in Europa! Nur diesmal mit Währungen von Banken oder großen Firmen. Irre! – Die ganze Debatte gab es schon mal in den 1980er Jahren, nachdem Hayek seine Ideen dazu publiziert hatte. Prof. Bofinger aus Würzburg hat dazu sogar seine Doktorarbeit geschrieben! Tenor: Zu viele unbeabsichtigte Nebenwirkungen, die zu hohe Transaktionskosten produzieren! – Geld ist eben ein klassisches öffentliches Gut, das erst dann große Probleme bereitet, wenn man dessen Bereitstelllung als Privatangelegenheit betrachtet. Was die Notenbanken jetzt machen, ist faktisch ein Herumkurieren an den Überschuldungssymptomen, die uns eine zu große unkontrollierte Giralgeldschöpfung der Banken (meist über Kredit gleich Schulden) vor 2008 bereitet hat. Der Immobilienhype in Spanien und Irland vor 2008 wäre mit Vollgeld so niemals möglich gewesen! In Dr. Stelters Büchern können zur gegenwärtigen Überschuldung übrigens sehr viel nachlesen (auch hier in seinem Blog). Die Einführung von Vollgeld würde aber den jetzigen politisch-monetären Komplex (Ja, der Staat ist auch immer mit dabei!) wieder ein bisschen besser unter öffentliche Kontrolle bringen. WENN MAN ES RICHTIG MACHT! Aber mit Staatsantipathie lösen Sie hier kein Problem – sie schaffen höchstens noch viele weitere!

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    • Hartmut G. says:

      Ich befürchte Sie haben schlichtweg das Teilreservesystem nicht verstanden. Das ist eine wunderbare Sache, funktioniert einwandfrei und ist eben gerade Freebanking, egal mit welcher Art von Geld/Währungseinheit (und von mir aus kann da auch eine Notenbank die Kinderzimmertapete drucken und das dann „Geld“ nennen und mittels Guthaben/Soll als Währung umlaufen lassen).
      Erkundigen Sie sich mal, wie Bullionbanking über die letzten 400Jahre funktionierte und auch heute noch einwandfrei funktioniert.
      Das Problem mit Teilreserve ist jedoch, wenn Sie einen notorischen Schuldner haben, der nichts produziert zudem exklusiv zu >>90% konsumiert und permanent auf- und umschuldet und schlichtweg per Definition nie insolvent sein kann. Sie verstehen, der STAAT. Richtig heftig wird es aber dann, wenn der Staat auch noch kurzer Hand Bankpleiten und Versicherungspleiten per Definition ausschließt….

      Das ist dann ein schlichtweg unlösbares mathematisches Problem, mitnichten wegen den phösen Banken und dem phösen „Giralgeld“.

      Noch garnicht aufgefallen, fast alle Banken die über die Wupper gegangen sind oder kurz davor waren, hatten fast alle ausschließlich ihre Probleme aufgrund von Staatsinterventionismus oder ihrer Staatsnähe (siehe NINJA-Kredite, Griechenland, IKB, Hyporealestate, WestLB, HSH….), oder eben gerade weil da inkompetente staatliche Parteifreunde am Ruder saßen. Und derartige Trottel, die bewiesener Maßen von Tuten und Blasen keine Ahnung haben, den Bock wollen Sie also demnächst zum Gärtner machen?

      Und wenn Sie mir nun auch noch ausgerechnet mit Prof. Bofinger kommen, besten Dank, dann ist schon klar, woher derartige etatistische Religion kommt.

      „Geld ist eben ein klassisches öffentliches Gut, das erst dann große Probleme bereitet, wenn man dessen Bereitstelllung als Privatangelegenheit betrachtet.“

      ES GIBT NICHT SO ETWAS WIE ÖFFENTLICHES GUT, das hat Ihnen höchstens Ihr Politkommissar eingetrichtert.
      https://www.youtube.com/watch?v=cVdI4Kx8TdY

      Das einzige was mich immer zum Grübeln bringt: Sind Leute wie Bofinger und Sie nun eigentlich gut oder schlecht für den Goldkurs?

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    • thewisemansfear says:

      @Hartmut G.
      Sie haben anscheinend die volkswirtschaftliche Gesamtrechnung nicht verstanden? Sonst würden Sie den Staat nicht als „notorischen Schuldner“ bezeichnen. Dieser Schuldner ermöglicht erst die Vermögensbildung bei den Privaten (und neuerdings auch sinnentleert bei Unternehmen).
      Der Staat konsumiert zu 100%, es gilt Einnahmen = Ausgaben und als Bonus sogar die Netto-Neuverschuldung. Die Ausgaben auf Staatsseite sind aber nichts weiter als die Einnahmen von Unternehmen und Privaten. Und jetzt kommen Sie.

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      • Hartmut G. says:

        „Sonst würden Sie den Staat nicht als “notorischen Schuldner” bezeichnen.“

        heutzutage:
        Definition Staat=Gewaltmonopol?
        >90% Staatsausgaben=Umverteilung+Staatsprodukte?
        Das erzwungene Umverteilung keinen Mehrwert schafft ist wohl jedem klar (schauen sie sich nur die Loser und Schwätzer in den Schaltzentralen an). Das Staatsprodukte deshalb Zwangssprodukte mit nepotistischen Zwangspreisen sind, weil diese sonst keiner kaufen würde, ist ebenfalls offensichtlich (GEZ, EEG, Rentenversicherung, Krankenversicherung…).
        Wie bitte kann eine derartige Organisation „produktive Schulden“ aufnehmen? Kann sie nicht, ganz einfach. Deswegen ist bisher auch jeder Staat pleite gegangen, weltweit in der Menschheitsgeschichte.

        „Dieser Schuldner ermöglicht erst die Vermögensbildung bei den Privaten“

        Um was für Vermögen soll es sich denn dabei insbesondere handeln? Das der Staat so nett ist und Papierstückchen verteilt? Toll, ganz große Leistung.

        Oder „ohne Staat“ hätten wir doch gar keine Arbeit?

        Hmmm, wissen Sie, ich sehe es nicht für meine Lebensaufgabe an, für andere (oder lustige Papierstückchen) zu arbeiten.

        Wenn Sie wissen wollen, wie realer Wohlstand und nicht nur staatliche Papierzettel entstehen, kleiner Tipp, es hat nichts mit Staat oder einer keysianischen „volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung“ zu tun, hier verdaulich, sogar auf Grundschulniveau:
        http://home.earthlink.net/~schiffeconomics/

      • thewisemansfear says:

        Das ist ja ein nettes Kindermärchen. „Unterkonsumption“, lol. Unsere tägliche Ersparnis gib uns heute ;-) Vorfinanzierung existiert in dieser Welt anscheinend nicht, von daher, deckt sich nicht mit dem, was ich als Realität kenne. Österreichische Schule war noch nie mein Fall.

        Dass ein Staat kein Unternehmen ist, sondern die Gesellschaft als Ganzes repräsentiert, ist Ihnen schon bewusst? Dass Verschwendung kein Alleinstellungsmerkmal der öffentlichen Hand ist auch?

      • Hartmut G. says:

        Underkonsumption bedeutet das die Arbeit in den Aufbau der Zunkunft in Form von Investitionen und Effizienzsteigerung gelenkt wird. Overkonsumption bedeutet, dass der Bauer das Saatgut frisst, welches er eigentlich für’s nächste Jahr bräuchte. Woran Sie Gefallen haben, ist nicht schwer zu erraten.

        „Dass ein Staat kein Unternehmen ist, sondern die Gesellschaft als Ganzes repräsentiert, ist Ihnen schon bewusst?“

        Der Staat ist das GEGENTEIL von Gesellschaft, siehe auch Wikipedia (und das obwohl Wiki tendenziös vom Zeitgeist kollektivistisch links gefärbt ist).

        Gesellschaft=Gesamtmenge der freiwillige interagierenden Individuen einer Region.
        Staat=Menge der priviligierten Menschen, die mittels Zwang über die Gesellschaft herrschen, sich dabei selber die Regeln schreiben und sich selber die Waffen dazu austeilen.

        Aber ich vermute, bei all den Diskrepazen, in einem sind wir uns einig: Jede Gesellschaft bekommt die Regierung, die sie verdient.
        Mein einziges Problem: Auch wenn die Mehrheit der Schlafschafe und Dumm-Michel vermutlich ein 1984-THX1138-Brave-New-World ganz toll findet, ich verspüre dazu keine allzu große Lust, nun denn, dumm für mich gelaufen.

  3. thewisemansfear says:

    Sorry, aber Cecchetti ist in dem Interview nicht ernst zu nehmen. (es ist übrigens der falsche fuw-Artikel verlinkt)
    Vielleicht kann dem Mann mal jemand näher bringen, dass Risiken (z.B. eines Kreditausfalls) nicht plötzlich verschwinden und auch kein bisschen kleiner werden, wenn man anfängt sich in alle Richtungen mit Derivaten gegen den Ausfall abzusichern. Diesem Irrglauben sind die Banker schonmal aufgesessen, bis es geknallt hat.
    Hellwegs Forderungen sind unterstützenswert. Anstatt massenhaft Boni und Dividenden auszuschütten, sollen die Gewinne besser ins Eigenkapital gesteckt werden. Davon wird kein einziger Kredit teurer! Und selbst wenn, Hellweg weist ja darauf hin: aufs Gesamtsystem bezogen sinken die Kosten mit mehr EK in jedem Fall (mehr Stabilität), da die Gesellschaft als Ganzes keine teuren Bailouts mehr schultern muss.

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