„You’ll have to save yourself from systemic risk“ – à la hilf Dir selbst, sonst hilft dir keiner

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„Hilf Dir selbst, sonst hilft Dir keiner“, ist eine der Erkenntnisse, die bisher für jedermann außer Banker und Finanzmarktspieler zu gelten schien. Letztere konnten sich immer darauf verlassen, im Zweifel von Notenbanken und Staat rausgehauen zu werden. Doch nun warnt die FT: Es könnte gut sein, dass es beim nächsten „systemischen Risiko“ nicht klappt. Die Argumentation:

  • In den USA passiert auf dem Gebiet der Finanzmarktregulierung in den nächsten 14 Monaten, bis ein neuer Kongress und Präsident vereidigt wird, erst einmal nichts.
  • Sollte es zu einer Finanzkrise kommen – aus welchem Grund und wo auch immer – wird Washington nicht in der Lage sein, halbwegs schnell und vernünftig zu reagieren.
  • Größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass irgendwelche Wahlspots gedreht werden, um aus so einer Krise Kapital zu schlagen, als sie zu lösen. Dahinter steht die Tatsache, dass die jetzigen Kandidaten von politischen, nicht von ökonomischen Beratern umgeben sind.
  • Bleibt den Akteuren in den Finanzmärkten nur die Option, selber für eine effektive Krisenantwort zu sorgen. – bto: Ich würde denken, dass die Fed weiterhin das tun kann, was sie am besten kann: Drucken.
  • Dabei dürften beim nächsten Mal die Banken nicht das Problem sein: Sie haben mehr Liquidität, mehr Eigenkapital und sind mehr reguliert, dürfen einige Geschäfte nicht mehr machen. – bto: Naja, in Europa stimmt das zunächst Mal nicht. Siehe die Probleme in Italien etc. Hier haben wir immer noch Zombies. Und für die USA würde ich nicht von richtig gut kapitalisierten Banken sprechen.
  • Damit ist das Risiko zu den „Buyside-Institutions“ gewandert. Damit sind Pensionsfonds, Lebensversicherungen, Investmentfonds gemeint. Wenn Banken keine Märkte mehr machen, drohen diese, nicht mehr handeln zu können. Daher das Problem mit einer Panik.
  • Einige haben das verstanden und sichern sich „Bulletproof“-Kreditlinien und Zugang zu erstklassigen Wertpapieren als Sicherheit.
  • Diese Sicherheiten sind besonders wichtig. Nicht weil diese Institutionen mit Schulden arbeiten, aber aus einem anderen Grund. Für die Termingeschäfte und Absicherungsgeschäfte sind Sicherheiten zu leisten. Auch dann, wenn sie genau in die richtige Richtung laufen. Wer das nicht erbringen kann, der verliert seine Position.
  • Dabei sind gute Sicherheiten schon heute knapp. T-Bills zahlen negative Zinsen, Bankeinlagen wollen die Bank nicht gerne, angesichts der damit verbundenen Kapitalanforderungen.
  • Deshalb sorgen die Cleveren jetzt vor. Die Banken werden offen bleiben. Ob es auch unsere Portfolios bleiben?

Anmerkungen:

  1. Auf die Idee, wie krank es eigentlich ist, den Unfall im Spielkasino immer von staatlicher Seite reparieren zu müssen, kommt die FT nicht.
  2. Es wird auch nicht gefragt, ob es besser wäre, das Ganze wieder einzudämmen, da – erwiesenermaßen – der realwirtschaftliche Nutzen gegen null geht.
  3. Was heißt das eigentlich für den Privatanleger? Genau. Auch wir müssen uns auf geschlossene Märkte und fehlende Handelsmöglichkeiten einstellen. Erinnert sei an den Handel mit CHF am 15. Januar 2015!

→ FT (Anmeldung erforderlich): „You’ll have to save yourself from systemic risk“, 13. November 2015

2 Antworten
  1. Schrödingers Katze says:

    Die Botschaft ist eindeutig. Danke

    Diverse Alternative propagieren ja eine kommende, überragende Bedeutung des Renimbi nach Aufnahme der Währung in den Korb. Langfristig mag dies ja zutreffen, wenn ein Stein auf dem anderen bleibt.
    Das hieße, Renimbi in Scheinen unter der Matratze wären eine Alternative. Ihre Meinung?

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  2. Nana Albert says:

    Hallo Herr Stelter,

    da ist sie wieder…die Frage nach der Moral und Verantwortung! Da das aber keiner hören will und die, die nach Strich und Faden ausgenommen wurden/werden in unserer dekadenten Gesellschaft keine wirklich strarke Lobby mehr haben (da rufen eher Einsame im Walde)…wird dieses böse Spiel so weiter gehen. Der Klimaschutz muss hinter dem Fuhrpark der Autolobbyisten zurückstehen etc. (Abgasmanipulationen bei fast allen Marken!). Ist es bei Ihnen auch so warm? Und wie geht es eigentlich dem Teil der Bevölkerung in England und Schottland, die von den massiven Regenmengen geflutet wurden? Mal was gehört? Viele Grüße; Nana Albert

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