Wie wir den Euro – und damit Europa – retten können

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France is now a Eurosceptic nation, whoever wins the election“ titelt The Telegraph und hat damit recht. Der als Heilsbringer gefeierte Emanuel Macron, der doch noch einen Sieg von Marine Le Pen verhindern soll, hat, wenn er gewinnt, keine eigene Mehrheit im Parlament. Wie soll er da das Reformwunder erbringen?

Auch so ist die Stimmung in Frankreich eindeutig. Fast 43 Prozent der Franzosen unterstützen EU- und Eurokritiker in den Umfragen also beinahe wie in Italien, wo die Oppositionsparteien fast alle für einen Austritt plädieren.

Der Telegraph:

  • Marine Le Pen is not going to be the next president of France of course but that does not settle matters.“ bto: Wenn sich alle sicher sind, werde ich immer etwas unruhig.
  • „Supposing that the debonaire Emmanuel Macron wins the elections (…)  he will not have a governing majority in the French parliament.“ bto: womit er nichts durchsetzen kann.
  • „How will such a leader deliver on his plans for galloping strides towards a federal Europe with a eurozone finance ministry and shared debts, legitimised by a eurozone parliament? bto: Das sind die Forderungen der Linken um Thomas Piketty schon lange. Er hat gute Chancen sie durchzusetzen, sobald Martin Schulz denkt, er müsse seine Vision von Europa mit deutschem Steuergeld erkaufen. Dumm ist nur, dass es selbst dann nicht genügen wird! Am Ende ist Geld weg und der Euro Geschichte, weil es über Umverteilung eben nicht geht, nicht gehen kann.
  • „By my count, hardline Eurosceptic candidates in the debate between them have 43pc support in the opinion polls. There is no positive consent in France for the messianic Europeanism of Mr Macron. The former economy minister aims to restore French leverage in relations with Germany by fiscal rectitude and a package of market reforms – as if Berlin will agree by some miracle to debt pooling and fiscal union, which require changes to the German constitution.“ bto: Da bin ich „optimistischer“. Ich denke, die neue SPD-geführte Regierung würde das machen.
  • „Yet how will he muster the votes in Assemblée Nationale to break the power of the trade unions over the neuralgic issue of collective bargaining, or to cut the civil service by 120,000, or to reduce the state by from 55pc to 52pc of GDP?“ bto: Das ist undenkbar und auch lächerlich. Wie soll das bitte genügen, um die Probleme zu lösen?
  • „The task is enormous. France has lost 15pc in labour competitiveness against Germany since the exchange rates were locked in the 1990s. (…) It has switched from a structural trade surplus of 1pc of GDP to a structural deficit of 2pc. (…)  Output of passenger vehicles has dropped from 3.7 million a year in the early 2000s to nearer 2 million. (…) The public debt to GDP ratio was roughly the same (as Germany) as recently as 2009. By next year Germany’s debt will have fallen to 63pc and France will be flirting with 100pc.“ bto: wie Italien auf einem untragbaren Weg.
  • „Mr Macron thinks it possible to claw back lost competitiveness by knuckling down, eroding the legacy of high debt by enforcing the draconian terms of the EU’s Fiscal Compact. It implies primary budget surpluses for decades to come. bto: Da kann er gleich einpacken. Es wäre wie Italien.
  • „Such a policy might be possible if Germany were willing to inflate and do its full part to narrow Europe’s North-South imbalances by stimulating demand.“ bto: Oh man, ich bin ja auch dafür, dass wir unser Geld lieber hier ausgeben. Aber das rettet doch die Eurozone nicht!

Doch mit dieser Hoffnung ist Ambroise Evans-Pritchard vom Telegraph nicht alleine. In der Vorbereitung auf die Maßnahmen einer Regierung Schulz wird auch bei uns schon an dem Meinungswandel gearbeitet. Beispiel: der von mir sehr geschätzte Henrik Müller.

SPIEGEL ONLINE:

  • Der Euro das ist nicht nur Geld. Das ist das Projekt, bei dem das Zusammenwachsen am weitesten fortgeschritten ist: Ein Teil der EU, derzeit 19 Mitgliedstaaten, hat einen wichtigen Teil der Souveränität aufgegeben, nämlich die nationalen Währungen. Aber sie haben eine Konstruktion geschaffen, die zu wacklig ist, als dass sie auf Dauer Bestand haben dürfte.“ bto: So ist es. Und Umverteilung wird daran nichts ändern.
  • Kracht die Eurozone doch noch zusammen, dann wird das Signalwirkung auf andere Politikfelder haben, die derzeit ebenfalls als Kandidaten für eine engere Zusammenarbeit einzelner Staatengruppen gehandelt werden. Verteidigungspolitik? Verbrechensbekämpfung? Schutz der Außengrenzen? All das dürfte kaum Chancen auf Realisierung haben, wenn schon der gemeinsame Währungsraum vor 25 Jahren beschlossen, vor 18 Jahren begonnen, seit sieben Jahren in der Krise nicht anständig funktioniert.“ bto: weshalb der Euro eben mehr Spaltpilz ist als verbindendes Element. 
  • „Es fehlt eine eigene demokratische Legitimation, eine eigene Bürgervertretung. Und eben deshalb fehlen jene Mechanismen, die andere Währungsräume ganz selbstverständlich besitzen: ein automatischer Ausgleich zwischen wachsenden und kriselnden Regionen durch ein gemeinsames Budget, beispielsweise eine übergreifende Arbeitslosenversicherung; eine möglichst klare Zuweisung von Aufgaben, Ausgaben und Einnahmen zwischen der regionalen und der gemeinschaftlichen Ebene inklusive der teilweisen Übertragung von Hoheitsrechten, wodurch es möglich wird, gemeinsame Regeln einheitlich durchzusetzen.“ bto: was im Klartext eine Mehrheit für die Schuldnerländer bedeutet. Ein Traum von Piketty und Co.
  • Weil es keine gemeinsame Volksvertretung gibt, ist auch die wichtigste Institution der Eurozone, der Rettungsfonds ESM, ein Vehikel der Eurostaaten und nicht der EU. Gelenkt und überwacht wird der ESM von den nationalen Regierungen, das EU-Parlament bleibt außen vor. Da es aber um die Umverteilung von finanziellen Risiken in Höhe von bis zu 500 Milliarden Euro geht, haben die nationalen Parlamente, etwa der Deutsche Bundestag, dabei mitzureden. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand.“ bto: Es wäre besser, wenn ein Parlament, in dem wir immer in der Minderheit sind, unser Geld ausgibt?
  • Ohne Eurozonen-weite Umverteilungsmechanismen sind ökonomische Spannungen, die innerhalb einer Währungsunion unweigerlich auftreten, kaum lösbar. Spannungen, die wiederum fast automatisch zu politischen Konflikten führen.“ bto: Und die stehen uns in den kommenden Jahren ins Haus.
  • Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf eigene Faust ihren Aktionsradius bis hart an die Grenzen der Legalität ausgedehnt, so weit, dass sie die Verfehlungen der Politik eine Zeit lang ausbügeln konnte. Aber all das genügt nicht.“ bto: natürlich nicht. Wir brauchen einen Schuldenschnitt und einen Neustart. Wie hier immer wieder erläutert.

→ The Telegraph: „France is now a Eurosceptic nation, whoever wins the election“, 5. April 2017

→ SPIEGEL ONLINE: „Wie wir den Euro und damit Europa retten können“, 2. April 2017

18 Antworten
  1. Ondoron says:

    Was passieren wird, ist doch klar: Deutschland wird genauso sozialistisch werden wie Frankreich; die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie hier wird schon eingeebnet. Wenn kein Wettbewerb mehr da ist – so die Logik – klappt es auch mit dem Euro. In Deutschland werden dann nur auch keine Autos mehr gebaut werden – die kommen dann aus China und Korea. Oder der Markt wird merkantilistisch abgeschottet, so, wie Le Pen als NationalSOZIALISTIN vorschlägt. Die europäischen InternationalSOZIALISTEN werden das europaweit durchführen.

    Und um das „politische Projekt“ zu „retten“, wird die Zensur angezogen. Alles ganz „maaslos“. Und schwups, sind wir in der totalitären EUSSR.

    Das Ponzi-Schema Euro wird damit natürlich nicht gerettet. Aber die EUSSR könnte durchaus so lange – in völliger Armut und zunehmenden Verfall aller Infrastruktur – überleben wie seinerzeit die USSR. Und unser Martin schwadroniert ja schon wie ein Protagonist einer GROSSmacht: Mitmischen in der Welt.

    Ich empfehle heute mal zu lesen:
    Solschenizyn u.a., „Stimmen aus dem Untergrund“. Luchterhand 1974. Und dann vergleiche man mit der heutigen Situation in der EU.

    Wenn man an Freiheit und Selbstbestimmung interessiert ist, kann man sich nur den Kollaps der EU wünschen und zurück zu einem wettbewerbsintensiven Wirtschaftsraum. Aber die CDU unter Merkel/Schäuble ist mittlerweile nur noch ein sozialistisch inspirierter Haufen von „Europa-Visionären“ – wie auch so einige der Kommentatoren hier. Da ist jeder Maßstab verloren…

    Der Euro wird für Deutschland das gleiche Ergebnis wie ein verlorener Krieg sein. Die Armut wird jämmerlich werden… aber daran führt kein Weg vorbei. Die ganzen „Konstruktivisten“, die in peinlich-pathologischer Selbstüberschätzung meinen, sie wüssten den Ausweg – auch hier im Forum – sind an Größenwahn kaum zu überbieten

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  2. Thorsten Schuppenhauer says:

    ich bin da viel optimistischer: der Euro wird auseinanderbrechen und dann die EU als Ganzes. Und wir beginnen wieder wie 1945 neu.

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  3. Katalin says:

    Hallo,

    Herr Dr. Stelter, haben Sie schon mal daran gedacht, dass Sie mit vielen Ihrer Behauptungen falsch liegen könnten. Nichts von dem wovon Sie seit Jahren warnen ist eingetreten. Im Gegenteil, es geht langsam aber stetig aufwärts.

    Der Telegraph ist keine ernstzunehmende Quelle um den Zustand des Euros zu beschreiben, da zu sehr Interessengeleitet. Da die Britten in der EU und beim Euro nicht das bestimmende Land sein können (zu klein in Vergleich zu BRD und germanische Nachbarn DE, AT, NL weit über 100 Mio. Menschen) wollen Sie es zerstörten. Nach dem Motto, wenn wir nicht die Chefs sein können, dann lieber zerstören, als das man die Rolle den Deutschen überlässt.

    Der Euro, kann und davon haben viele namhafte Ökonomen schon vor der Einführung schon gewarnt, ohne die Fiskalunion (oder wie Sie es nennen: die Umverteilung) nicht funktionieren (der Dollar könnte es auch nicht).

    Sie nennen es Umverteilung, andere würden sagen: Die Sicherung der DE Arbeitsplätze und Reduzierung der AL unter 10% in BRD. Damit zusammenhängend auch die Verhinderung eines Linkrucks in der Bevölkerung, der vielleicht zu eine, wahren Wechsel in der Politik führen könnte mit der Folge einer Umverteilung von oben nach unten. (Höhere Steuern, Höhere Löhne, höhere Inflation = Kannte man früher als Wirtschaftswachstum an dem alle Bevölkerungsteile partizipierten. Ohne diese 3 Sachen (Glaube man nennt es sekundäre Umverteilung oder das Primat der Politik über die Wirtschaft) kann die einfache Bevölkerung an der Wohlstandssteigerung eines Landes nicht partizipieren. Und wenn man bedenkt, dass die DE Bevölkerung schrumpft und damit automatisch weniger Profite möglich sind – wobei die Frage zu stellen ist, ob die Reichen, die sie international Vergleichen, mit weniger Profit zufriedenzustellen sind – kommt man sehr schnell zu der Schlussfolgerung, dass der Euro und Europa der einzige Ausweg für DE sind, da nur im Euro BRD International im heutigen Ausmaß Wettbewerbsfähig ist (billige Währung und billige Arbeitskräfte aus der EU)
    um diese Umverteilung von oben nach unten zu verhindern, da es durch die EU eine Umverteilung von anderen Ländern (fehlenden Inlandsnachfrage) zum Gunsten BRD erreichen kann.

    Denn wenn man die LB Überschüsse abzieht, haben die AGENDA 2010 „Reformen“ oder besser gesagt Strukturreformen gar nichts gebracht, kann man sehr gut an der Investitionsquote in Inland der dt. Industrie ablesen.

    Über einen möglichen „Politikwechsel“ durch Martin Schulz freuen sich die Reichen heute schon, denn er würde genauso Umverteilen wie Gerhard Schröder, nur das er halt anders heißt.
    Denn es heißt ja nicht um sonnst; „Genossen wer hat Euch verraten….
    Und es gibt auf der ganzen Welt keine Sozialdemokraten, die das so erfolgreichen bei Ihren Wählern praktiziert haben wie die Deutschen, (d.h. sich in den entscheidenden Momenten „Staatstragend gezeigt“ heißt es dann immer glaube ich, d.h. sich auf die Seite der Eliten gestellt, gegen die die Sie gewählt haben, die AN.) konnte man in den letzten über 100 Jahren sehr gut beobachten.

    Gruß

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  4. Katalin says:

    Ja, finde ich auch, deshalb sollten wir zusammenstehen und eine Politikwechsel herbeiführen, der allen nützt, Eliten und den AN.

    Das können wir schaffen, wir müssen nur zusammenhalten.

    Gruß

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  5. Dietmar Tischer says:

    >Am Ende ist Geld weg und der Euro Geschichte, weil es über Umverteilung eben nicht geht, nicht gehen kann.>

    Es könnte schon über Umverteilung gehen, dann nämlich, wenn sich alle einig sind, das Konstrukt Eurozone sei so vorteilhaft, dass man kontinuierliche Wohlstandsverluste dafür in Kauf nehmen solle.

    Diese Einigkeit wird es nicht geben. Daher wird es auch keine Rettung des Euro durch Umverteilung geben. (Wohlstandsverluste an sich sind zu ertragen, aber nicht, wenn sie erkennbar zum Vorteil anderer erfolgen).

    >There is no positive consent in France for the messianic Europeanism of Mr Macron.>

    Es gibt aber auch keine positive (mehrheitliche) Zustimmung für die messianische Europaverweigerung von Le Pen.

    Deshalb wird es ein mehr oder weniger modifiziertes, von politischen Destabilisierungstendenzen begleitetes Weiter so geben.

    >„Such a policy might be possible if Germany were willing to inflate and do its full part to narrow Europe’s North-South imbalances by stimulating demand.“>

    Die Macron unterstellte “Rettungspolitik” Frankreichs mag mit unserem Inflationsbeitrag durchaus möglich sein. Unabhängig davon, ob sie erfolgreich wäre oder nicht:

    Wir werden diesen Beitrag nicht leisten, weil er in Deutschland nicht durchsetzbar ist.

    > Es fehlt eine eigene demokratische Legitimation, eine eigene Bürgervertretung. Und eben deshalb fehlen jene Mechanismen, die andere Währungsräume ganz selbstverständlich besitzen: ein automatischer Ausgleich zwischen wachsenden und kriselnden Regionen durch ein gemeinsames Budget, beispielsweise eine übergreifende Arbeitslosenversicherung; eine möglichst klare Zuweisung von Aufgaben, Ausgaben und Einnahmen zwischen der regionalen und der gemeinschaftlichen Ebene inklusive der teilweisen Übertragung von Hoheitsrechten, wodurch es möglich wird, gemeinsame Regeln einheitlich durchzusetzen.“>

    Die demokratische Legitimation als eigene Bürgervertretung gibt es als Institution – das Europäische Parlament.

    Was es nicht gibt:

    Die Aufgabe nationaler Souveränitätsrechte und damit verbunden den Übertrag nationaler Legitimation auf die europäischen Bürgervertretung derart, dass diese mit den genannten Mechanismen Macht ausüben könnte.
    Der Grund:

    Wir, durchweg alle Menschen in Europa, sind ZUERST Nationalstaatsbürger (Deutsche, Franzosen …) und erst dann, d. h. nachgeordnet Unionsbürger.

    Beweis:

    Jeder der im Ausland gefragt wird, was er ist, wird nicht „Europäer“, sondern „Deutscher“ oder „Franzose“ etc. sagen. (Ich kenne Menschen, die würden zwischen „Deutscher“ und „Franzose“ abwägen, aber trotzdem nicht „Europäer“ sagen).

    >„Weil es keine gemeinsame Volksvertretung gibt, ist auch die wichtigste Institution der Eurozone, der Rettungsfonds ESM, ein Vehikel der Eurostaaten – und nicht der EU. Gelenkt und überwacht wird der ESM von den nationalen Regierungen, das EU-Parlament bleibt außen vor. Da es aber um die Umverteilung von finanziellen Risiken in Höhe von bis zu 500 Milliarden Euro geht, haben die nationalen Parlamente, etwa der Deutsche Bundestag, dabei mitzureden. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand.“ >

    Der Zustand ist nicht unhaltbar, sondern GEWOLLT und damit vertretbar, weil nicht nur Europarecht, sondern – Deutschland betreffend – AUCH das Grundgesetz gelten soll. Diesem entsprechend MUSS der Bundestag über die finanziellen Risiken Deutschlands entscheiden.

    Das Bundesverfassungsgericht hat den Deutschen und Europäern diesen Sachverhalt dargelegt.

    Keine deutsche Regierung wird daran rütteln können (manche allerdings versuchen, durch Trickserei dem Zwang zu entkommen).

    Antworten
    • NoFiatMoney says:

      Zitat: „Es könnte schon über Umverteilung gehen, dann nämlich, wenn sich alle einig sind, das Konstrukt Eurozone sei so vorteilhaft, dass man kontinuierliche Wohlstandsverluste dafür in Kauf nehmen solle.“

      Nun, daß sich eben nicht alle einig sind, daß das Konstrukt Eurozone vorteilhaft ist oder jemals auch nur in der Konzeption gewesen sein könnte, können wir als gegeben und übereinstimmend als Fakt festhalten.

      Mich interessiert Ihr „Es könnte schon über Umverteilung gehen“.

      Sie als einer der Experten hier, werden es dem geneigten Publikum doch einmal vorrechnen können, oder?

      Also, wohl nicht nur ich warte auf Ihre Berechnung.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Wenn ich über einen Satz wie

        >Am Ende ist Geld weg und der Euro Geschichte, weil es über Umverteilung eben nicht geht, nicht gehen kann.>

        stolpere, frage ich mich:

        Warum soll es nicht durch Umverteilung gehen können?

        Es kann natürlich gehen, aber eben unter einer Bedingung, die nicht nur gedacht, sondern FAKTISCH erfüllt sein muss, nämlich dass sich ALLE darüber einig sind, dass die Vorteile der Eurozone die mit Umverteilung verbundenen Wohlstandsverluste übersteigen.

        Da sie NIE erfüllt sein wird, ist der Euro nicht durch Umverteilung zu retten, sondern wird irgendwann einmal Geschichte sein.

        Man wird sehen, ob diese Auffassung richtig ist.

        Die Kredite für Griechenland sind de facto Umverteilung, auch wenn es „nur“ Kredite sind. Irgendwann wird Schluss damit sein. Denn man kann dem Deutschen Bundestag und damit der Bevölkerung nicht ewig erzählen, dass die Griechen „auf einem guten Weg“ seien, aber immer wieder Kredite brauchen, obwohl sie auf einem guten Weg seien.

        Was soll man da berechnen?

      • Daniel Stelter
        Daniel Stelter says:

        Ich denke es geht nicht, weil wir in Deutschland an Schwindsucht leiden. Wir sind schon jetzt nicht so gut wie wir denken. Gedopt von einer Sonderkonjunktur. Wenn diese zu Ende geht wird deutlich, dass wir schon jetzt mit die ärmsten in der EU sind. Dazu noch Unterinvestition hier, zunehmende Umverteilung, falsche Zuwanderungspolitik, demographischer Wandel. Wir können gar nicht, selbst wenn wir wollten. Deshalb werden wir irgendwann auch pleite sein und dann ist spätestens Schluss.

      • NoFiatMoney says:

        @ Dietmar Tischer

        Sie lieferten in Ihrem Kommentar vom 13. April 2017 um 02:12 nur erneut exakt das, was ich erwartete: Nichts!

        Mehr als die geradezu borniert erscheinende -von Vertretern Ihrer Einstellung aber längst bekannten- Gegenfrage, „Warum soll es nicht durch Umverteilung gehen können?“ haben Sie nicht zu bieten.

        Wer seinen Verstand nicht in Kollektivismus/Planwirtschaft/Interventionismus verloren oder an der Garderobe zum Betsaal u.a. des J.M. Keynes abgegeben hat, könnte z.B. „Die Ethik der Umverteilung“ von Bertrand de Jouvenel lesen. Ihm gelang das Gegenteil dessen, was nicht nur Ihnen, @ Tischer, noch nie gelang und auch niemals gelingen wird: auch de Jouvenel wies nämlich anschaulich nach, daß Umverteilung mehr als das Ergebnis ihrer Umsetzung selbst gar nicht bringen kann. Kein Gewinn- erst recht nicht für die angebliche Klientel der Umverteiler- ; nur noch mehr -umverteilend ausgeweitetes – Darben und Siechen. Ludwig Erhard wußte das übrigens auch.

        Das scheint Dr. Stelter -zurückhaltender und weniger generell als von mir formuliert- offenbar im Ergebnis ebenso zu sehen (Daniel Stelter; 13. April 2017 um 08:30).

    • NoFiatMoney says:

      Nachsatz zu NoFiatMoney 14. April 2017 um 23:09:

      Selbstredend meinte ich den wirtschaftlichen, den ökonomischen Verstand.

      Antworten
  6. MFK says:

    Geld ist niemals weg. Es hat nur jemand anderes. Deshalb verstehe ich die Aufregung um das bereits umverteilte Geld, das nicht wieder nach D zurück geholt werden kann, nicht. Dieses wirkt es wie eine Exportsubvention zugunsten der Eigentümer und AN derjenigen Betriebe, die exportieren. Ein Teil davon kommt zudem über Steuern und Sozialabgaben wieder rein. Über diese Praxis sollten sich eigentlich die anderen EU Staaten mehr aufregen als der deutsche Steuerzahler, weil hierdurch Wettbewerbsvorteile geschaffen werden, gegen die die lokalen Industrien der anderen EURO Staaten nur schwer ankommen.

    Antworten
  7. Johannes says:

    In Deutschland wurden letztes Jahr knapp 10 Mrd. Euro im Rahmen des Länderfinanzausgleichs (LFinA) umverteilt – vorgeblich zur „Herstellung“ gleicher Lebensverhältnisse…

    Rheinland-Pfalz (dort lebe ich) ist ein Nehmerland. Es wirbt z.B. mit kostenlosen Kita-Plätzen, die es sich ohne LFinA nicht leisten könnte. Übriges RLP macht auch noch jedes Jahr fleißig neue Schulden. Bayern ist ein Geberland – dort kostet die Kita richtig viel Geld.

    RLP finanziert, stark vereinfacht, mit anderer Leute Geld, soziale Leistungen, die es sich ohne Umverteilung nicht leisten könnte. Berlin und Bremen z.B. sind darin noch besser…

    Für eine Umverteilung auf europäischer Ebene sehe ich keine politischen Mehrheiten; die Erfahrungen in Deutschand und auch in Spanien (s. Katalonien), Italien (reicher Norden, versus armer Süden) sprechen für mich klar dagegen.

    Es wäre auch nicht gerecht ;-)

    Antworten
  8. Dietmar Tischer says:

    @ Dr. Stelter

    >Ich denke es geht nicht, weil wir in Deutschland an Schwindsucht leiden. Wir sind schon jetzt nicht so gut wie wir denken….>

    Ich stimme Ihrer Situationsbeurteilung – Sonderkonjunktur – zu und glaube auch, dass Entwicklungen wie der demografische Wandel, Zuwanderung, Globalisierung und Digitalisierung sowie die bürokratische, umverteilungsorientierte Selbstfesselung zu Wohlstandsverlusten führen wird, die im Augenblick nicht wirklich abzuschätzen sind. Mit die Ärmsten in der EU sind wir zwar nicht, aber wir werden wohl zu denen gehören, die die sich erweiternde Kluft zwischen Wohlfühlblase und Realität am schmerzhaftesten erfahren werden.

    Daraus folgt für die Argumentation bezüglich der Zukunft des Euro:

    Ja, der Euro wird nicht durch Umverteilung zu retten sein.

    Der Grund wäre jedoch nicht die Abwägung von (allein) EUROBEDINGTEN Vor- und Nachteilen, die ich vertrete.

    Er wäre vielmehr die PROJEZIERUNG des eigenen MULTIURSÄCHLICHEN Abstiegs auf die Eurozone, obwohl die möglicherweise noch den geringsten Anteil am Niedergang haben würde.

    Kurzum:

    Zerfall der Eurozone, weil diese fälschlich als die Haupt- oder alleinige Ursache für den eigenen Niedergang ausgemacht wird.

    Somit mögen „Transfer-Erwägungen“ nach wie vor ein ANLASS für das Verlassen der Eurozone bzw. deren Zerfall sein – siehe Griechenland – aber letztlich nicht die Ursache, die in einer „Rebellion“ gegen die Zustände zu suchen wäre.

    Ich kann dieser Sicht viel abgewinnen und übernehme sie.

    Antworten
  9. Dietmar Tischer says:

    @ NoFiatMoney

    >Mehr als die geradezu borniert erscheinende -von Vertretern Ihrer Einstellung aber längst bekannten- Gegenfrage, „Warum soll es nicht durch Umverteilung gehen können?“ haben Sie nicht zu bieten.>

    Wenn ich eine Behauptung lese, wie

    >Am Ende ist Geld weg und der Euro Geschichte, weil es über Umverteilung eben nicht geht, nicht gehen kann.>

    frage ich mich, warum der Euro NICHT durch Umverteilung gerettet werden KANN.

    Ist das wahr, warum sollte es logisch oder faktisch nicht möglich sein?

    Sind Bedingungen denkbar, unter denen es möglich wäre?

    Mag sein, dass Ihnen das borniert erscheint.

    Das ist dann aber nicht mein, sondern Ihr Problem.

    Ich habe die Frage beantwortet.

    Mag sein, dass ich Ihnen damit nicht genug geboten habe.

    Auch das ist Ihr Problem.

    Ich sehe es jedenfalls nicht als meine Aufgabe an, allen genug zu bieten hier am Blog.

    Dr. Stelter hat sich jedenfalls bemüßigt gesehen, nach mir auch eine Begründung anzubieten.

    >Wer seinen Verstand nicht in Kollektivismus/Planwirtschaft/Interventionismus verloren oder an der Garderobe zum Betsaal u.a. des J.M. Keynes abgegeben hat, könnte z.B. „Die Ethik der Umverteilung“ von Bertrand de Jouvenel lesen.>

    Selbstverständlich.

    Aber wenn seine Erkenntnis tatsächlich sein sollte

    >… auch de Jouvenel wies nämlich anschaulich nach, daß Umverteilung mehr als das Ergebnis ihrer Umsetzung selbst gar nicht bringen kann.>,

    dann lohnt es nicht, ihn zu lesen.

    Denn diese Auffassung ist falsch, weil

    a) unter BESTIMMTEN Umständen die Effekte mehr sein können als nur Umverteilung (Übergang von Besitz oder Verfügbarkeit). Das steht in jedem Lehrbuch und ist unbestritten.

    ALLERDINGS (und das ist etwas anderes):

    Eine Gesellschaft kann man damit nicht „kurieren“, wie es etwa M. Stöcker tun will und noch viel mehr andere, die damit quasi alle Probleme lösen wollen. Eher werden damit zusätzliche Probleme geschaffen, habe ich hier oft genug zum Ausdruck gebracht. Das schon deshalb, weil es viel zu viel Widerstand gegen diese „Lösung“ in Volkswirtschaften wie unserer gibt.

    und

    b) kann Umverteilung u. U. eine notwendige Bedingung dafür sein, dass eine Gesellschaft sich nicht SOZIAL destabilisiert. Ich sehe dieses Problem vor allem in USA. Selbst wenn die USA durch Umverteilung, d. h. ein anderes Steuersystem etwas an Wachstum verlieren würden, hielte ich es für besser, dass für die Befriedung der Gesellschaft umverteilt würde, z. B. in soziale Sicherungssysteme für die prekär Beschäftigten. Ich glaube, dass jemand wie Ehard, der „Wohlstand für ALLE“ gepredigt hatte, sein damaliges Wissen den geänderten Umständen entsprechend neu justieren würde.

    Übrigens:

    Die Eurozone ist BISHER durch Transfers und Umverteilung von Risiken vor dem Zerbrechen bewahrt worden.

    Das besagt noch lange nichts, außer dass man sich über diese Mechanismen durchaus Gedanken machen kann.

    Antworten
    • NoFiatMoney says:

      Sie beantworteten die Frage NICHT. Sie könnten es auch nicht, da es niemand könnte. Daß Sie de Jouvenels Buch überhaupt zu lesen ablehnen, ist Beleg Ihrer ideologischen Befangenheit und Engstirnigkeit und eben auch dafür, daß Sie seine Argumentation nicht widerlegen können.

      Sie meinen, die EUROZONE sei -bisher-mittels Umverteilung etc. vor dem Zusammenbrechen gerettet worden. Damit haben Sie recht. Jedoch waren die Umverteilungs- und Transferleistungen eklatanter Versprechens- und Rechtsbruch. Sie mögen -und müssen wohl auch in Ihrer Ideologie verfangen- ein Freund von beidem sein. Ich bin es nicht! Und die armen nichtswissenden Opfer Ihrer Irrungen -die von Sozialisten angeblich unterstützten Otto Normalungtertanen- wären es aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht, wüßten jene, was Menschen wie Sie von ihnen halten und mit ihnen anstellen und anzustellen gedenken.

      Antworten

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