Wie weg vom billigen Geld?

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Die FT stellt die alles entscheidende Fragen: „Has the developed world finally embarked on a transition from extraordinary monetary stimulus to policy normalisation? Is the great global deflation scare finally over? And is fiscal policy set to remove the burden of keeping economies afloat from central bankers’ shoulders?“ bto: Wer diese Fragen richtig beantwortet, könnte damit sehr erfolgreich Geld anlegen! Die FT versucht die Antwort zu geben:

  • „One thing at least is clear. The central bankers’ language, which is hugely important in influencing expectations, has changed. (…) In Europe Mario Draghi, European Central Bank president, said earlier this month that the battle against deflation had been won. He added that the ECB was no longer committed to use ‚all available instruments‘ to ward off deflation as economic recovery strengthened.“ bto: was mit Blick auf die Schulden schon mal eine Aussage ist.
  • „(…) the Bank of Japan, has not changed its commitment to super-loose monetary policy. Yet it is safe to assume that the high point of monetary easing has passed.bto: Das finde ich eine mutige Aussage.
  • „In all these economies, to a greater or lesser degree, inflation has been converging on central banks’ targets. Inflationary pressure is increasing both from labour market tightening and the rise in energy and commodity prices. The US, Germany and the UK probably have positive output gaps, meaning that growth is faster than underlying potential.“ bto: Witzig, dass die USA da ein Konjunkturprogramm machen wollen. Irgendwas passt doch da nicht zusammen. Liegt es „nur“ an der zurückgebliebenen Mittelschicht?
  • „The new US president heralds another transition, that from overwhelming reliance on central bank support for the economy, to a greater fiscal contribution from tax cuts and infrastructure spending.“ bto: Ja was nun FT? Sind wir aus der Krise raus oder brauchen wir noch „central bank support“?
  • „It would take monumental policy errors to bring back the deflation scare. The snag is Mr Trump’s predilection for the monumental, and the risk that his protectionist policies spark a trade war or that geopolitical brinkmanship derails the global economy.“ bto: Oder in China platzt die Blase?
  • „For the central banks there are huge risks in the retreat from experimental monetary policy. At one extreme they can kill off recovery through premature tightening. Any attempt to shrink their bloated balance sheets will be a delicate business, not least because public sector debt has risen significantly since 2008. At the other extreme, central bankers chastened by their post-crisis brush with the threat of deflation could inadvertently unleash boom and bust. In short, this policy transition will have to be a nuanced affair — and creeping normalisation the order of the day.“ bto: O. k., die FT weiß es auch nicht. Aber wie sollte sie? Wir befinden uns in absolut unbekanntem Territorium.

→  FT (Anmeldung erorderlich): „Tentative steps on the path to interest rate normalisation“, 19. März 2017

8 Antworten
  1. Michael Stöcker says:

    „bto: Ja was nun FT? Sind wir aus der Krise raus oder brauchen wir noch „central bank support“?“

    Die Zentralbanken haben nun Signale ohne Ende ausgesendet und sind mit Ihrem Latein schon lange am Ende. Aber: It takes two to tango. Insofern benötigen wir insbesondere in Europa keinen weiteren „central bank support“ sondern jemanden, der die Signale der Zentralbank auch richtig versteht und einordnet und sodann endlich in einen „fiscal support“ ummünzt: https://zinsfehler.com/2016/12/01/das-kollektive-versagen/.

    LG Michael Stöcker

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  2. Wolfgang Selig says:

    Richtig, die FT weiß es auch nicht. Aber die Notenbanken doch genauso wenig. Und eigentlich ist das schon mindestens seit den 70er-Jahren so. Egal, ob Ölkrisen 1973 und 1980, Japanbubble 1989 oder Wiedervereinigungsimpuls Anfang der 90er-das wording der jeweiligen Notenbank (en) wird immer schnell Makulatur, sobald sich einschneidende Veränderungen außerhalb der Geldpolitik ereignen. Dennoch finde ich es alleine schon wichtig, dass die FT Überlegungen anstellt. In den verbreiteten deutschsprachigen Medien ist da ja nicht allzu viel Qualitatives zu lesen.3

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  3. Dietmar Tischer says:

    Was wissen wir?

    Wir wissen,

    a) dass ein schnelles Umsteuern der Notenbanken hochrisikoreich ist, weil es bei dem bestehenden Verschuldungsvolumen zu extremen Verwerfungen auf den Kapitalmärkten mit unabsehbaren Folgen für die Realwirtschaften führen würde

    und

    b) dass monumentale Politikfehler ebenfalls hochrisikoreich sind, weil sie die bestehenden internationalen Ungleichgewichte auf die nationalen Ebenen verlagern würden mit der Folge erheblicher Rezessionsgefahren mit gesellschaftlicher Destabilisierung als Folge.

    und

    c) wir – außer M. Stöcker – wissen, dass die Fiskalpolitik zwar ein hilfreiches Instrument für geordnete KONJUNKTURELLE Anpassungslösungen, aber keines ist, mit dem das STRUKTURELLE Problemszenario in eines nachhaltiger Stabilität übergeführt werden kann (mit welcher geldpolitischen Unterstützung der Notenbanken auch immer). Dies nicht zuletzt auch deshalb, weil in USA und Deutschland sowie in einigen anderen Ländern annähernd Vollbeschäftigung herrscht. Fiskalpolitik würde hier nur inflationstreibend wirken, was wiederum die Notenbanken unter Druck setzen würde, die Geldpolitik schneller als wünschenswert zu ändern. Andere Staaten sind so verschuldet, dass sie sich eine wirksame Fiskalpolitik nicht leisten können.

    und

    d) wir wissen, dass die weltweite Verschuldung so hoch ist, dass wir den bisherigen Kurs mit weiterer Verschuldung, der immerhin das Deflationsdrama verhindert hat, nicht ewig fortführen können.

    Was also sollten wir tun?

    Wir wissen es nicht, können es nicht wissen, weil es KEINE LÖSUNG gibt, das Problemszenario in eines NACHHALTIGER Stabilität überzuführen, etwa wie: mehr Wachstum für alle durch mehr Arbeitsteilung und Handel.

    Wir können nur weitermachen wie BISHER, d. h. UNMITTELBAR drohenden Destabilisierungstendenzen durch internationale Kooperation entgegenzuwirken.

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    • Horst says:

      ad a) Zustimmung

      ad b) m.E. ist die gesellschaftliche Destabilisierung durchaus bereits real, wenn auch noch eher subtil > siehe soziale Milieus, Bildungschancen nach Milieu, prekäre Arbeitsverhältnisse, Gini-Index. Manchmal hilft auch ein Spaziergang durch Stadt- oder Landesteile, die nicht dem Milieu des auf bto Kommentierenden entsprechen (nehme ich zumindest an)

      ad c) und d) m.E. ist es das einzige wirksame Instrument zurzeit, auch wenn dieses den Staaten weitaus größere Möglichkeiten zur Umverteilung zuspielt. Evtl. sollten wir uns daher darin trainieren, von einem weltweiten hohen Vermögen (spiegelbildlich zur hohen Verschuldung) mit extremer Konzentration zu sprechen. Daher kann die Entflechtung dieser lediglich über das obige Instrument gelingen (eine freiwillige Abgabe ist wohl ausgeschlossen) und zu einer nachhaltigeren Stabilität führen.

      Bei der internationalen Kooperation stimme ich Ihnen daher voll zu, insbesondere in Hinblick auf die Eliminierung sog. „Steueroasen“ – damit wäre in einem ersten Schritt bereits viel erreicht.

      „…mehr Wachstum für alle durch mehr Arbeitsteilung und Handel.“ Vllt. sollten wir darüber nachdenken, mehr Qualität statt Quantität zu propagieren.

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      • Dietmar Tischer says:

        Zu b):

        Sie habe recht, wir haben bereits Tendenzen zur gesellschaftlichen Destabilisierung. Bei uns sind sie (noch) relativ gering, in anderen Ländern schon sehr stark.

        Um sie nicht weiter zu nicht umkehrbarer Destabilisierung verfestigen zu lassen, muss man den Kontext beachten und unter Einbeziehung damit verbundener Erkenntnisse handeln.

        Ansatzweise:

        In USA, die uns voraus sind auf dem Weg zur Dienstleistungsgesellschaft, sollte ein Sozialsystem bekommen, dass annähernd dem kontinentaleuropäischen entspricht: Absicherung prekärer Lebensverhältnisse, Finanzierung durch die durch Einkommen und Vermögen Bessergestellten. Das wäre der Ansatz, der die Stabilisierung im eigenen Land nicht mit der Destabilisierung woanders lösen würde, beispielsweise den protektionistischen Maßnahmen, die Trump ergreifen will.

        In Deutschland sollte die unbestreitbare Ungleichheit nicht das beherrschende Thema sein, weil wir a) im internationalen Vergleich sehr gut dastehen (siehe OECD, am Blog diskutiert), es insofern objektiv betrachtet nicht dringend ist und weil b) – der ENTSCHEIDENDE Grund – durch Fokussierung auf dieses Thema die ZUKUNFTSSICHERUNG des Landes in den Hintergrund rückt, womit sehr stark zunehmende Destabilisierung vorprogrammiert wäre.

        Die Dinge so zu betrachten, setzt die Einsicht voraus, dass sie NICHT vorrangig nach Befindlichkeit bewertet und gehandelt werden sollte.

        Beispielsweise:

        Es muss klar sein, dass eine akademische Ausbildung nicht mehr die Aufstiegs- und Einkommenschancen wie vor 50 bis 60 Jahren bieten kann, als nur 5% der jungen Menschen eine Hochschule besucht hatten. Ein System, das ganz wesentlichen auf Angebot und Nachfrage beruht und dies mittlerweile im globalen Maßstab, kann dies nicht fortschreiben. Bildung muss demnach nicht mehr allein anhand von Aufstiegschancen, sondern auch unter ANDEREN Kriterien diskutiert werden.

        Es muss auch klar sein, dass die zunehmende Verstädterung enorme Probleme schafft, weil damit der Individualverkehr entwertet wird (Automobilindustrie mit ihren hochbezahlten Arbeitsplätzen), der latente Wohnungsmangel hohes Armutspotenzial birgt bzw. das zunehmende Pendeln volkswirtschaftlich ineffektiv ist.

        ZU c) und e):

        Man muss sich klar darüber sein, dass unter den gegebenen Umständen ALLES, was zu nachhaltiger Stabilität führt oder beiträgt, zumindest potenziell destabilisierend sein kann – wenn, wie oben dargelegt, „IST- BEFINDLICHKEIT“ und nicht EINSICHT in das dafür Notwendige der Maßstab ist.

        Politik kann diesen Maßstab nicht ändern, Öffentlichkeit (Diskurs in den Medien und Parteien etc.) auch nicht.

        Insofern ist national wie international ein ABWÄGENDES Vorgehen, dass sowohl EIGENE Anstrengungen wie auch die ANDERER zu Vermeidung von Destabilisierung einbezieht, der einzuschlagende Weg.

        Käme es dabei nicht zu Entgleisungen, wären wir SEHR ERFOLGREICH.

        Denn – ich kann mich nicht oft genug wiederholen – das GUTE für eine Gesellschaft bzw. für Gesellschaften zu wollen, ist Utopie. Wir wissen nicht, was das ist.

        Destabilisierung zu vermeiden ist gut, weil wir WISSEN, wie verheerend die Konsequenzen sein können.

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