Wie steht es um Chinas Wirtschaft?

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Ponzi-Schemata enden immer dann, wenn weniger Leute hinzukommen/weniger Mittel zufließen als abgehen. China steht dabei vor besonderen Herausforderungen wie heute Morgen gezeigt. Nicht angesprochen habe ich dabei das Thema Demografie, welches die chinesischen Herausforderungen zusätzlich erhöht. China droht schneller arm als als reich zu werden.

Der kolosale, schuldenfinanzierte Boom in China hat geholfen, die Weltwirtschaft in den letzten Jahren auf Kurs zu halten. Nun stellt sich die Frage, wie geht es weiter und welche Rolle könnten die USA spielen, um die Weltwirtschaft auf Kurs zu halten. Zur Erinnerung: Die USA sind der letzte Motor, der noch zu laufen scheint, wie auch der IWF vermerkt.

Hier nun stellt John Authers in der FT eine Verbindung her:

  • Was könnte die weitere Erholung der US-Wirtschaft und damit die dortigen Aktienmärkte gefährden? ‒ China.
  • China hat als zweitgrößte Wirtschaftsmacht der Welt erheblich zum Wachstum der Weltwirtschaft beigetragen und verfügt über ausreichende Mittel um eine Krise zu bekämpfen. ‒ bto: Das ist ein interessantes und häufig gebrachtes Argument. Doch stimmt es wirklich? Natürlich kann China, wie Richard Koo empfehlen würde, die privaten Schulden durch staatliche ersetzen. Doch wie wir sehen, wirkt das bestenfalls stabilisierend und aufschiebend, nicht problemlösend! Es mag keine Krise geben, aber dennoch deutlich weniger Wachstum, was die Probleme der Welt auch schon erhöhen würde.
  • Die Indikatorenliste der Wirtschaft in China, die Warnsignale aussendet, wird derweil immer länger: Richtig gerechnet dürfte China 2014 nur noch mit fünf Prozent gewachsen sein. (Nimmt man hinzu, dass die Produzentenpreise fallen, bedeutet dies massiven Stress für Schuldner!)
  • Der ‒ nicht so leicht manipulierbare ‒ Stromverbrauch ist zum ersten Mal seit 2009 gesunken. Der Stahlverbrauch liegt ebenfalls auf dem Niveau von 2009. Der ISM-Indikator der Einkaufsmanager deutet gleichfalls auf eine Rezession hin. Rohstoffe, die vor allem von der chinesischen Nachfrage abhängen, wie Eisenerz und Kupfer, sind stark im Preis gefallen. (bto: Der Ölpreisrückgang könnte auch an geringerer chinesischer Nachfrage liegen.)
  • Das Bankensystem zeigt kein weiteres Wachstum der Bilanzsummen, nachdem diese in den letzten sechs Jahren um 17 Billionen gewachsen sind. Ohne Frage muss China das Kreditwachstum eindämmen ‒ doch ob dies problemlos gelingt? ‒ bto: Wer die Grundprinzipien unseres Wirtschaftssystems versteht, weiß, dass es ohne Kreditwachstum zwangsläufig zur Krise kommt.
  • Derweil meldet Zero Hedge, dass die Importe von China um fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gefallen sind, die Exporte um 3,2 Prozent (bei einem erwarteten Wachstum von 5,9 Prozent). Kein Zeichen für eine starke Wirtschaft!
  • Es gibt Zeichen für einen Kapitalabfluss aus China. Das Geld wird lieber in den USA angelegt. Folge ist neben einer Kreditverknappung in China auch ein weiteres Anheizen der US-Märkte.
  • China braucht jetzt mehr Exporte. Hat die chinesische Nachfrage 2009 geholfen, die Wirtschaft zu stabilisieren, so muss jetzt die USA entsprechende Nachfrage bereitstellen und China helfen. (bto: Damit sind wir genau beim Punkt: Es geht immer darum einen weiteren Schuldner zu finden. Nachdem die Amerikaner etwas Schulden abgebaut haben, sollen sie also wieder entsprechend mehr Gas geben ‒ was konsistent in der Logik ist, immer weitere potentielle Schuldner zu mobilisieren.)
  • Da andere – vor allem Japan und Europa – die eigene Währung deutlich geschwächt haben, wird China nicht umhinkommen, in den globalen Währungskrieg mit einzusteigen.

Authers Fazit: schwer für Investoren zu spielen. bto: Stimmt. Aber wenn die US-Wirtschaft nicht so stark ist, wie die letzten Zahlen suggerieren (Stichwort: nahe an der Deflation bei gleicher Berechnungsweise wie in Europa), könnte es ganz anders kommen: Kein Motor und alle wollen abwerten.

FT (Anmeldung erforderlich): US economic health remains vulnerable to the China syndrome, 6. Februar 2015

2 Antworten
  1. Cajus says:

    Was China und die Story des ewigen Wachstums anbelangt, so bin ich letztens im PeakProsperity-Blog von Chris Martenson über seine folgenden interessanten Betrachtungen gestolpert:

    „Now, let’s examine that 7.4% rate of growth using the handy ‘rule of 72’, which will answer the question: How long will it take, in years, for something expanding annually at 7.4% to double?“

    Hätten Sie’s gewusst?

    In dem Blog-Beitrag „When This Ends, Everybody Gets Hurt“ bzgl. der China-Thematik etwas weiter nach unten scrollen

    http://www.peakprosperity.com/blog/91558/when-ends-everybody-gets-hurt

    Antworten

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