„Why the euro is a long way from challenging the dollar’s dominance“

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In dem bereits in der letzten Woche an dieser Stelle zitierten Interview des SPIEGEL mit Wolfgang Schäuble hat dieser ziemlich steile Thesen aufgestellt. So unter anderem, dass der Euro die unangefochtene Weltreservewährung Nummer zwei und stabil sei. Das klingt super.

Ja, wir haben keine Inflation, doch ist das schon ein Zeichen für Gesundheit? Wohl eher für die Krankheit, würde ich sagen. Und die Weltreservewährung Nummer zwei ist doch auch gut. Doch wie immer bei solchen Aussagen muss man genauer hinschauen. Und das tat zufälligerweise der Telegraph in der letzten Woche. Ein paar interessante Fakten:

  • When the euro was created (…), one of the implicit goals, at least to the French, was to challenge that (status of the Dollar). A single European currency would be big enough and strong enough to take on the mighty greenback, and eventually even topple it from its throne.
  • It hasn’t happened. According to the latest calculations from the European Central Bank, the euro is not making any progress against the dollar at all.
  • Instead, its share of global currency reserves is declining  steadily every year. Extraordinarily, on some measures, it is now even less important than the old German Deutschmark used to be all by itself – in effect, the other 18 national currencies have been turned into nothing.
  • In fairness, it was not a completely stupid idea. After all, the European Union had, and still does have, both a bigger population and a bigger overall GDP than the US: the EU has slightly over 500m people, compared with 318m in the US, and claims a larger total output.
  • The latest ECB figures show the euro is now declining as a reserve currency. Soon after the currency was launched in 1999, it accounted for 20pc of global reserves.By 2003/4, it was getting up close to 25pc.
  • Since then however it has stalled and then gone into reverse. By last year, the euro accounted for just 19.9pc of global reserves, the lowest level since launch.
  • And here is an extraordinary fact. According to Bundesbank data, if you go back to 1990 and 1991, the Deutschmark by itself accounted for 19pc of global reserves.
  • Even the French franc accounted for 2.4pc of global reserves in the 1990s.  It is as if the French franc, Italian lira and Spanish peseta never existed.
  • Its share of global international payments has dropped from 33pc to 31pc, reflecting the decline of Europe’s economy. Foreign demand for eurozone securities also declined in 2015, according to the ECB, and so did the use of the currency in global debt and loan markets.

Who wants to hold a reserve asset that might not be around in a decade? The whole point is to own something rock solid that will be there when you need it. The Chinese yuan, Bitcoin, and even sterling all look a better bet right now.

So viel zu der politischen Aussage unangefochtene Weltreservewährung Nummer zwei und stabil.

→ The Telegraph: „Why the euro is a long way from challenging the dollar’s dominance“, 13. Juni 2016

6 Antworten
  1. Johannes says:

    „„And here is an extraordinary fact. According to Bundesbank data, if you go back to 1990 and 1991, the Deutschmark by itself accounted for 19pc of global reserves.““

    In der Wahrnehmnung der Weltgemeinschaft ist der Euro an die Stelle der DM getreten. Schmerzlich für die Südländer ist natürlich dieses Ergebnis: „Even the French franc accounted for 2.4pc of global reserves in the 1990s. It is as if the French franc, Italian lira and Spanish peseta never existed.“

    Und hier wird auch das ganze Dilema deutlich – soll der Euro dem Dollar den Rang ablaufen (wie die Franzosen es gerne hätten), dann müsste der Euro so hart werden, wie es die DM einmal war. Und diese Härte wäre der wirtschaftliche und gesellschaftliche Tod Südeuropas (incl. Frankreichs), die mit einer derart harten Währung nicht zurande käme. Sie kommen aktuell ja nicht einmal mit der „Härte“ des Euro´s zurande… der auf dem besten Weg ist, sich dauerhaft als Weichwährung zu konsolidieren.

    Im übrigen widerlegen diese Zahlen auch sehr schön die Mär, dass allein die Größe von Staatengebilden (europäischer „Superstaat“) auschlaggebend für den Einfluss auf die Weltwirtschaft ist.

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  2. Axel says:

    Die Aufgabe der (Regierungs) Politiker ist es ja nicht, die Wahrheit zu verkünden, sondern das Volk zu beruhigen um Aufstände zu vermeiden und wiedergewählt zu werden.

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  3. Felix Kurt says:

    Na ja, ob 20% 1999 oder 19,9% im letzten Jahr ist nicht wirklich ein Unterschied. Der Wechselkurs Euro/Dollar hat seit Einführung 1999 als Buchgeld eine enorme Bandbreite von

    „Harte“ Währung ist sicher auch kein Selbstzweck per se.

    Wichtig scheint mir, dass die Währungsräume eine eigene, wenig von anderen abhängige Geldpolitik machen können. Und da hapert es auch beim Dollar bzw. der FED. Besonders zuletzt, aber insgesamt in diesem Zinsanhebungszylsus im „Gletschertempo“, nimmt die FED ganz offensichtlich und gezwungenermaßen „Rücksicht“ auf die Emerging Markets. Denn diese stellen inzwischen rund die Hälfte der Weltwirtschaft dar und sind ein Faktum für die USA. Die FED kann also, rational betrachtet, auch nicht mehr vollkommen unabhängig agieren. Das Geflecht von Wirkung und Wechselwirkung auf die eigene Konjunktur und den Wechselkurs wird immer komplexer.

    Die Schwankungsbreite des Index für den nominalen effektiven Wechselkurs (Broad effective exchange rate) des Dollar betrug seit Einführung des Euro: 93 bis 127. Für den EURO betrug die Schwankungsbreite 83 – 114. Der Wechselkurs Euro/Dollar schwankte zwischen 0.83 und knapp 1,60 Dollar je Euro. Und wir sind aktuell auf dem Niveau wie zu EURO-Einführung.
    Was ist jetzt eine „harte“ Währung oder eine stärkere/schwächere Reservewährung? Was ist, wenn der Dollar-basierte Handel von ÖL und Rohstoffen – alleine wegen der niedrigen Preise – für längere Zeit (wegen der Eiszeit ?) schwach bleibt und die Dollar-Nachfrage bzw. –haltung entsprechend auf niedrigem Niveau verharrt?

    „Foreign demand for eurozone securities also declined in 2015, according to the ECB, and so did the use of the currency in global debt and loan markets.” => hat sicher was mit der (Un-)Attraktivität des Zinsniveaus / dem Renditeabstand zu tun und ist eher zyklisch zu betrachten. Ob das ein nachhaltiger Trend ist, kann heute nicht beurteilt werden.

    Warum das Pfund Sterling von „Little Britain“ auf Sicht stabiler sein soll, wenn der autonome Anteil des Landes am Welthandel und seine Inflationsperspektiven nicht gerade vor einer besser werdenden Zukunft stehen, ebenso wenig die politische Bedeutung, erschließt sich mir nicht. Das sind alte Träume britischer Autoren. (Sei ihnen verziehen.)

    Diversifizierung aus Sicht derjenigen, die Währungsreserven halten wollen, bzw. in weiser Voraussicht einen Mix aus (nicht öl- und gasabhängigen) Assets für die Zukunftsvorsorge aufbauen (Norwegen, Staatsfonds der reichen und Dollar-lastigen Ölländer, Singapur, China, usw. …), ist sinnvoll. Rang 2 oder 3 auf der Skala der Reservewährungen ist doch gut und max. ausreichend.

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  4. mg says:

    Lieber Herr Stelter… jetzt mal Hand aufs Herz… neither Yuan, nor Bitcoin, nor Pound Sterling come even _close_ to the Euro.

    Bitcoin? Wie wäre es mit Litecoin? Oder doch lieber Ethererum, Ripple, Dodgecoin?

    Einmalig? Jeder mit genügend technischem Hintergrundwissen kann eine neue Blockchain aufsetzen. Das macht natürlich nur Sinn, wenn er genug Peers findet, die beim Rechnen mitmachen. Was sowohl prinzipiell möglich, als auch praktisch bewiesen ist (siehe eben die anderen Cryptocurrencies). Auch hat es in der Vergangenheit mindestens einen unbeabsichtigten Split der Bitcoin-Blockchain gegeben. Verschiedene Bitcoin Fails übersichtlich zusammengefasst: https://blog.fefe.de/?q=bitcoin

    Sicher? Eine Institution wie die NSA hat genug Rechenpower um die Enthusiasten beim Minen mal eben aus dem Rennen zu werfen und zwar mit links. Dann werden alle Buchungsvorgänge von dieser Institution kontrolliert, d.h. alle Wallets könnten von ihr leergeräumt werden.

    Anonym? Bestenfalls pseudonym. Jeder Bitcointeilnehmer kann Einsicht in alle Buchungen nehmen. Bleibt die Zuordnung der Wallets zu ihren „Eigentümern“.

    Bitcoin mit Dollar, Euro oder Gold zu vergleichen ist unseriös. Allein die Volatilität der Cryptocurrencies spricht Bände. Bitcoin ist alles andere als performant und skaliert sehr schlecht. Bitcoins sind was für Enthusiasten, chinesische Zocker und Kriminelle.

    Great Britain ist eine bereits untergegangene Weltmacht. Europa steht nicht sonderlich gut da. Deutschland werden Kosten aufgebrummt, gegen welche die deutsche Einheit wie Fliegenschiss daher kommt. Aber Sie können sich sicher sein, dass die angelsächsische Welt genügend eigene Probleme hat, die sich vor unseren nicht zu verstecken brauchen.

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  5. Christian Müller says:

    Der Dollar hat drei Eigenschaften, die der Euro nicht hat:
    1. die USA hat ein beträchtliches Aussenhandelsdefizit. Die Welt kann sich den Dollar also verdienen mit Warenverkäufen an die USA. Den Euro kann man sich wegen der Deutschen Versessenheit auf Aussenhandelsüberschüsse nur leihen.
    2. Die USA hat eine Fed, die im Notfall bereit ist, für die ganze Welt Dollars bereitzustellen in einer Finanzkrise. Der Euro hat erst seit Draghi überhaupt so etwas wie eine interventionswillige Zentralbank und nicht nur ein currency board mit einem Inflationsziel.
    3. die USA haben eine schlagkräftige Armee, die weltweit intervenieren kann.

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    • mg says:

      Das ist so. Der US-Dollar ist als Handelswährung unumstritten die Nummer Eins, als Wertaufbewahrungsmittel – zumindest seit 1982 – völlig ungeeignet.

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