Why the ECB as a whole can’t go bust

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Wir haben seit Jahren eine intensive Diskussion zu den Folgen der derzeitigen Geldpolitik. Während einige die fortschreitende Monetarisierung der (Staats)schulden begrüßen und als einzige denkbare Lösung für die Überschuldungskrise sehen, warnen andere vor den Folgen für den Geldwert. Siehe dazu den immer wieder lesenswerten Beitrag: Monetarisierung: Rettung oder Desaster?

Die Kritiker befürchten, dass die Notenbank, wenn sie die gekauften Anleihen abschreibt oder aber zins- und tilgungsfrei stellt, einen Verlust anhäufen würde, der das Eigenkapital übersteigt. Technisch gesehen wäre dann die Notenbank überschuldet und nicht mehr glaubwürdig. Andere sehen darin gar kein Problem, denn eine Notenbank wird niemals insolvent, weil sie jederzeit ihren Verpflichtungen durch selbst geschaffenes Geld nachkommen kann. Tschechien und Chile werden dann gerne als Beispiele angeführt, denn hier haben Notenbanken mit „negativem Eigenkapital“ völlig problemlos funktioniert und der Geldwert war nicht in Gefahr.

Zum tschechischen Fall meint die F.A.Z.: „Zwischen 2002 und 2014 wies die Zentralbank konstant negatives Eigenkapital aus. Das heißt: Sie wäre nach herkömmlichen Kriterien für Geschäftsbanken überschuldet und insolvent gewesen. Da eine Zentralbank jedoch Geld selbst produziert und in ihrem Kerngeschäft profitabel war, befand sie sich nach ihrer eigenen Wahrnehmung nicht in Gefahr, zahlungsunfähig zu werden.“ Und weiter: „Im Jahre 2010 empfahl die EZB den Tschechen in einem Bericht über die Konvergenz der Geldpolitik, mit Blick auf ‚finanzielle Unabhängigkeit‘ für ein positives Eigenkapital zu sorgen. Dahinter verband sich ein Hinweis auf die aus der Währungsgeschichte mehrfach bekannte Situation, dass eine Zentralbank, die vom Staat rekapitalisiert werden muss, in Abhängigkeit von der Regierung geraten kann.“

Ein Arbeitspapier aus der tschechischen Zentralbank kam vor wenigen Jahren in einer international angelegten Analyse zu dem Schluss, dass der Zusammenhang zwischen der finanziellen Gesundheit einer Zentralbank und der Inflationsrate trotz Ausnahmen generell gering ist.“ Und: „Dass Eigenkapital in einer Zentralbank eine besondere Rolle spielt, hatte auch der heutige Präsident der Schweizerischen Nationalbank, Thomas Jordan, vor wenigen Jahren in einem seitdem häufig zitierten Aufsatz herausgestellt: ‚Zum einen können Zentralbanken nämlich nicht illiquid werden. Dies hat zur Folge, dass eine Zentralbank nicht in ihrer Handlungsfähigkeit eingeschränkt ist, wenn ihr Eigenkapital vorübergehend negativ wird. Sie wird auch nicht wie andere Unternehmen dazu gezwungen, Sanierungsmassnahmen einzuleiten oder ihre Bilanz zu deponieren.‘“

Der Tenor der F.A.Z. bleibt ‒ wie ich finde zu Recht ‒ skeptisch. Dennoch wird das Thema in Zukunft an Bedeutung gewinnen, liegt es doch nahe, eine Lösung der Schuldenkrise über die Bilanz der Notenbank zu versuchen.

In diesem Zusammenhang passt der aktuelle Beitrag von Willem Buiter bei der FT sehr gut. Buiter spricht sich bereits seit Jahren für eine sehr expansive Geldpolitik aus und sieht keinerlei Gefahr aus einer etwaigen Überschuldung. Eine Notenbank kann seiner Meinung nach nicht pleitegehen. Hier seine Argumentation:

  • Die EZB kann niemals pleitegehen. Diese Gefahr bestünde nur, wenn die EZB Verbindlichkeiten in Fremdwährung hätte (also Geld, was sie selber nicht drucken kann) oder mit Inflationsschutz ‒ „indexed“). Beides ist jedoch nicht der Fall. ‒ bto: Klartext ‒ die EZB kann immer in Euro bezahlen! Egal, wie viel die dann noch wert sind … Nur wenn sie sich im Extremfall scheuen würde so viel Geld zu schaffen, dass es zu Inflation führt, wäre ein Konkurs theoretisch denkbar. Dann müsste sie den Geldwert höher einschätzen als ihre eigene Existenz. Ein Szenario, was Buiter (und ich!) für unwahrscheinlich halten.
  • Außerdem ist der Gegenwartswert der zukünftigen Geldschöpfungsgewinne so groß, dass die EZB faktisch unbegrenzt Verluste tragen könnte.  ‒ bto: In einer Studie hat er diesen auf mehr als drei Billionen Euro geschätzt.
  • Dann bekämen die Staaten zwar auf Jahre hinaus keine Dividende von der EZB, aber im Vergleich zur Bewältigung der Schuldenkrise ist das ein kleiner Preis.
  • Länder wie Zimbabwe sind nur deshalb pleitegegangen, weil sie Schulden in ausländischer Währung hatten, laufende Staatsdefizite, die sie nicht normal finanzieren konnten und einen zunehmenden Vertrauensverlust. ‒ bto: Da ist Buiter auf der Linie von Turner. Wenn es einmalig ist, ist es also kein Problem.

Ich bleibe dabei: Es wird in diese Richtung gehen und wir werden sehen, ob es gut ausgeht oder nicht.

F.A.Z: Zwölf Jahre lang insolvent und trotzdem quietschfidel. Was bedeuten Verluste für Zentralbanken?, 5. April 2015

FT Alphaville: Buiter on why the ECB as a whole can’t go bust, 1. April 2015

Und hier das Originalpapier von Buiter mit der Analyse der Verlustmöglichkeiten der EZB:

Citi: Looking into the Deep Pockets of the ECB, 27. Februar 2012

3 Antworten
  1. OK says:

    Was bei dieser Diskussion m.E. ein bisschen übersehen wird, ist, dass wir es in der Zukunft nicht mit der Monetarisierung von Staatsschulden bei einer „Kleinbank“ wie der tschechischen oder chilenischen Zentralbank zu tun haben, sondern, dass ALLE westlichen Zentralbanken mehr oder weniger vor dem selben Dilemma stehen. Und wenn Jeder fröhlich monetarisiert und zinsfrei stellt und erlässt, kann ich mir kaum vorstellen, dass das nicht ohne schwere Verwerfungen abgehen wird. Für mich ist das ein Spiel mit dem Feuer.

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