„Why Credit Suisse Sees Less Than 1% Chance Of Exitaly: The Answer In One ‚Simple‘ Chart“

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Ich habe die Lage in Italien bereits diskutiert. In der Tat zeigte sich der italienische Premier Renzi auch nach dem Gipfel von Bratislava unzufrieden, wie SPON berichtete:

  • Man solle jetzt nicht so tun, ‚als wären wir uns alle einig‘, erklärte Renzi auf einer Pressekonferenz. (…) „Ich kann keine gemeinsame Pressekonferenz halten, wenn ich mit den Beschlüssen zu Wirtschaft und Immigration nicht einverstanden bin.“
  • „Und weiter: Mit Blick auf den Termin in der italienischen Hauptstadt mahnte Renzi die restlichen Teilnehmer des Gipfels zu Eile und Handlungswillen. Das Treffen in Rom darf nicht in einer wirtschaftlichen Lage und mit einer Flüchtlingssituation in Afrika stattfinden, wie wir sie derzeit haben. bto: Renzi steht auch wie fast kein anderer unter erheblichem Druck angesichts der wirtschaftlichen Misere in Italien.

Nicht wenige Kommentatoren auf diesen Seiten haben betont, dass es angesichts der Vorteile, die Länder wie Griechenland und Italien aus dem Euro ziehen stabileres Geld, (relativ) bessere Politik, Transfers sehr unwahrscheinlich ist, dass diese Länder den Klub freiwillig verlassen. Vielleicht zu Recht. Es stimmt, dass die ökonomischen Gesetze sehr wohl für sehr lange außer Kraft gesetzt werden können von den Politikern, allerdings zu hohen Kosten, die die breite Bevölkerung jedoch nicht wahrnimmt. Beispiel: Exportweltmeister.

Doch auch andere sind der Auffassung, dass Italien nicht austreten wird, egal wie das Referendum ausgeht. Die Credit Suisse beziffert das Risiko auf weniger als ein Prozent, dass es zu Uscitalia kommt:

  • We think that a No vote is a real possibility, which could have negative political, economic and financial consequences for the country – but we also believe that the impact would be contained – and that it would not lead to Italy leaving the euro.“
  • „The domino effect concern – from the constitutional referendum, to early elections, to a referendum on the euro and eventual Exitaly – is motivated by the earlier positioning of Renzi, who initially said he would resign and even suggested he would leave politics completely in case of a No vote, (…).“ – bto: Das ist natürlich richtig, er muss ja nicht zurücktreten.
  • „Over the past few weeks, moreover, Renzi seems to have back-tracked from his original position. He has stopped mentioning his pledge to resign – though not denying it either – and has said that new elections will take place in 2018, as scheduled, whatever happens with the referendum.“
  • „Moreover, it must be noted that it is contrary to the Italian Constitution (art. 75) to hold a referendum on decisions taken through international treaties, such as the membership of the European Union and the euro area.“ – bto: Man könnte es dennoch als eine Art „Stimmungstest“ veranstalten, aber in der Tat ist diese Regelung eine Hürde.
  • „Besides, a referendum on the euro would not be possible per se, as leaving the euro but not the EU is impossible, according to the EU Treaty. Again, this would be an issue for M5S, whose leaders have stated they would like to hold a referendum on the euro, but not on the EU – which is an internally inconsistent proposition.“ – bto: was die Hürde für einen Ausstieg erhöht, aber nicht auf 100 Prozent setzt. Es ist dann nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer parlamentarischen Mehrheit kommt angesichts der desolaten Lage der Wirtschaft.
  • „Finally, support for the EU has fallen but remains sufficiently high in Italy, meaning that even in the unlikely event of a referendum, remain would likely win.“

Zero Hedge: „In summary, Credit Suisse believes the Exitaly scenario requires a sequence of unlikely or even internally inconsistent events. Which is why the bank’s subjective assessment of the probabilities leads it to to assign a mere 1% (or less) chance of it happening.  Then again, we wonder what CS‘ estimate of Brexit odds was.“

„Finally, here is the simple chart showing how the Swiss bank ends up with a less than 1% chance of Exitaly.“

Quelle: Zero Hedge/Credit Suisse

bto: Das wahre Glück der Italiener ist ein anderes: Die Bundesregierung wird, was die Bankensanierung betrifft, nachgeben. Denn die Deutsche Bank bleibt unter Druck. Muss Deutschland von den Bail-in-Regeln der EU abweichen, können das alle anderen auch tun!

SPIEGEL ONLINE: „Renzi zerpflückt Ergebnisse von Bratislava“, 17. September 2016

Zero Hedge: „Why Credit Suisse Sees Less Than 1% Chance Of Exitaly: The Answer In One Simple Chart„, 20. September 2016

8 Kommentare
  1. Katalin says:

    Hallo,

    1. Frage: Was ist die EU.

    EU ist ein undemokratisches durch DE und FR Industrie gesteuertes hoch subventiertes (verdeckt) Exportprotektorat um über die Größe mit Asiaten konkurieren zu können.

    2. Frage: Wer subventioniert wen und wie.

    a) Im Prinzip der dt. AN das dt. Großkapital
    Zahlmeister Europas, heißt nichts anderes als dass das gezahlte Geld über die Umwege bei den DE und FR Industrie landet. Das ist auch der Hauptgrund für den Brexit. GB war auch ein großer Zahler hatte davon aber nur wenig. Kann man sehr gut an den LB-Überschüssen ablesen.
    Damit ist auch die Frage beantwortet, warum die Britten. d.h. die GB Industrie mehrheitlich für den Austritt war und die dt. Industrie (im Gegensatzt zum dt. AN) der Größte befürworter der EU ist.
    (Friedensprojekt, gemeinsame Werte und andere Märchengeschichten)

    Weitere Vorteile für die DE und FR sind:

    -Priviligierter Zugang zum Europ. Binnemarkt (im Gegensatz zu den Chinesen) und billige und zum Teil sehr gut ausgebildete AN aus Osteuropa (Kostenlos!!!!)
    – werden durch das kostenlose Schulsystem – finanziert durch die schlecht bezahlten Jobs der AN in diesen Ländern und der dt, Industrie zur Verfügung gestellt.
    – diese dürfen für dt. Exportindustrie nur als Zuliferer tätig sein
    – Die DE Politik sorgt dafür, dass die Technologieführerschaft und damit die Wertschöpfung in den Clustern in West(BRD) stattfindet.

    Die NordEU dominierte EZB sorgt, dafür dass die Exportüberschüsse durch die Inflation nicht entwertet werden können. Erinnere in diesem Zusammenhang an die Anfänge des Euros, wo die Inflation in SüdEU zu hoch war, aber man die EZB dagegen nichts unternahm um die DE Wirtschaft nicht zu bremsen. Heute will man aber keine höhere Inflation akzeptieren, obwohl sie die SüdEU braucht.

    2. Wem nützt die EU und der EURO.

    Den Europ. Großkonzernen insb. De und Fr. und deren Eigentümern, den 500 Familien in beiden Ländern.

    3. Wer sind die Verlier der EU und des Euros

    Viele EU Arbeitnehmer insb. weniger qualifizierte (besonders in BRD, durch den Kaufkraftverlust und den Bonitätstransfer) aber auch Rentner und Studenten (in Südeuropa)

    4. IT und Euro.

    Warum sollte das IT mit dem DE eng verflochtene Großkapital seinen Wert durch die Abwertung freiwillig halbieren wollen. Warum sollte die dt. Exportindustrie ihre LB Überschüsse (d.h. Profite jetzt, für dessen Verluste später der dt. Steuerzahler und Süd.EU Studis und Rentner – TARGET2) aufkommen müssen) verzichten wollen. Die dt. Bank ist seit Jahren pleite, das weiß jeder und wurde schon (verdeckt) durch den dt. Steuerzahler und die irischen Rentner gerettet und oder Sparprogramme der SüdEU.

    Denn jeder Mensch kennt den Spruch: Schuldest du jemanden 100 Euro bist du Schuldner und kannst du deine Schuld nicht zurückzahlen kommst du vor Gericht (in vielen Ländern ins Gefängnis). Schuldest du jemanden Millionen bist du Partner und an den Verhandlungsstisch.
    (Geldschulden des Einen sind nun mal Geldforderungen des Anderen oder Ohne Schulden kein Vermögensaufbau)

    Gruß

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  2. Uwe Stein says:

    So einfach wie die CS sehe ich das nicht, dass Italien auf Biegen und Brechen in der EU bleibt/bleiben muss (und von den Leistungsträgern wie D mitgeschleppt wird). Letztlich dürfte es wohl eher eine emotionale als eine wirtschaftliche Entscheidung sein. Die Briten haben es ja vorgemacht. Dort herrscht eine traditionelle Festland-Aversion vor und die wenigsten Wähler dürften ihre Wahlentscheidung von (vorsichtig formuliert überzeichneten) wirtschaftlichen Argumenten abhängig gemacht haben. Anyway, die Mehrheit der Bevölkerung hat sich dort für den Exit ausgesprochen, die Politikverantwortlichen haben ihre Konsequenzen gezogen und sind zurückgetreten und eine Nachfolge, die sich ex ante nicht vehement für den Ausstieg aussprach hat, den Auftrag des Volkes angenommen, den erklärten Willen sorgsam und interessewahrend durchzusetzen und die entsprechenden Verhandlungen zu führen. Das ist doch ein Paradebeispiel gelungener Demokratie. Ob sich das auf andere Länder wie Italien replizieren lässt dürfte zumindest fragwürdig sein. Ebenso, ob Italien den schmerzhaften Prozess der Neuorientierung aushalten wird, da er von einem – im Gegensatz zum UK – niedrigen wirtschaftlichen Niveau ausgehen (ausgedrückt im BIP pro Kopf) müsste.

    >leaving the euro but not the EU is impossible, according to the EU Treaty.>

    Das stimmt nicht, denn unter Artikel 352 der EU Verträge kann theoretisch durchaus mit Einstimmigkeit der Mitglieder (wie wahrscheinlich die auch sein wird) ein Staat aus dem Regelwerk der Eurozone ausscheiden, wie z.Bsp. die Zugehörigkeit zur EZB, und dennoch den Euro als Währung führen (eine ähnliche Behandlung wie UK vor Exit und aktuell Dänemark erfährt).

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    • Michael Stöcker says:

      Es wird keinen geordneten Austritt eines Landes aus dem Euro geben. Keine der etablierten und halbetablierten Parteien wird diesen Schritt wagen. Da müssen schon echte radikale Parteien an die Macht kommen. Und dann gnade uns Gott. Ich stehe immer noch zu jedem Wort von vor über zwei Jahren: https://zinsfehler.wordpress.com/2014/05/16/studentenaufruf-vom-16-05-2014/.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        Uwe Stein hat recht: ein geordneter Austritt ist dem Regelwerk entsprechend möglich.

        Im ersten Schritt würde er als Austritt aus der EU erfolgen, im nächsten aus der Währungsunion.

        Aber richtig:

        Es wird keinen geordneten, d. h. vereinbarten Austritt eines Landes geben.

        Das ist so, weil die kurzfristigen Kosten immens wären, d. h. als nicht zumutbar bzw. beherrschbar angesehen werden. Ob auf lange Sicht ein Austritt günstiger wäre als die kurzfristigen Kosten, ist spekulativ und wird nicht auf die Agenda gesetzt. Sicher ist m. A. n. allerdings, dass die Kosten für alle zunehmen, solange die Währungsunion fortgesetzt wird. Kann u. U. auch so sein, wenn sie auseinanderbricht.

        >Und dann gnade uns Gott.>

        Leider auch richtig.

        Das ist so, weil die gesamte Problematik – Verschuldung über die EU und Währungsunion hinaus – nicht thematisiert wird in der Öffentlichkeit. NIEMAND von den OPERATIONAL Verantwortlichen (Politik, Interessengruppen wie Arbeitnehmerverbände, Gewerkschaften, Bankenverbände etc.) hat ein Interesse daran. Ein Diskussion über die Grundlagen, auf denen alle operieren, würde diese Grundlagen infrage stellen und damit auch die Glaubwürdigkeit der Verantwortlichen.

        Hier ein anschauliches, geradezu beklemmendes Beispiel:

        http://www.sat1.de/tv/eins-gegen-eins/video/34-wir-haben-unser-geld-bereits-verloren-clip

        Dr. Stelter legt kurz sein Krisenszenario dar.

        Was ist die Reaktion von Brinkhaus, CDU?

        Er VERWEIGERT eine Diskussion darüber, ob es evtl. eine LÖSBARE Krise ist und wenn so, unter welchen Bedingungen, oder ob sie UNLÖSBAR ist.

        Originalton:

        „Als Politik muss ich gestalten, nach vorwärts gewandt. Kann mich nicht hinstellen, alles schrecklich finden. Stelter ist rückwärtsgewandt“– und das, OBWOHL Dr. Stelter er nach VORNE geschaut hat, u. a. mit Blick auf Japan (IST Realität!)

        Kein Widerspruch, keine Anmerkung vom Moderator, der nächste bitte …

        Wagenknecht, Friedman und Otte auf derselben Schiene.

        So läuft es und deshalb gnade uns Gott.

      • Ondoron says:

        …nein, wir werden also die EUSSR kriegen. Und dann gnade uns Gott!
        Entweder zerfällt die EU mitsamt dem Euro – das wäre das beste – oder das längst angeschobene totalitäre System zur zwangsweisen Etablierung der „Vereinigten Staaten von Europa“ wird vollendet. Freiheit und Demokratie war gestern. Wer heute noch blauäugig ist, sollte mal Geschichtsbücher lesen. Aber nicht diejenigen, die uns in der Schule auf den Tisch gelegt wurden. Als Einstieg wäre Carol Quigley sicherlich nicht die schlechteste Wahl…

  3. Katalin says:

    Hallo,

    wie die EU funktioniert, – freier Wettebewerb, aber immer nur für díe Anderen- kann man aktuell auch sehr gut beaobachten.

    Warum sollte ein ein Telefonnutzer nicht in einem anderem EU Land (d.h. EU Binnemarkt) einen Handyvertrag abschließen können und mit dieser Nummer überall in der EU telefonieren dürfen. Kann mir bitte jemand diese Frage beantworten. Wen stört dieser freie Wettbewerb, einer der Grundpfeiler der EU, siehe hier

    https://de.wikipedia.org/wiki/Europ%C3%A4ischer_Binnenmarkt#Die_vier_Grundfreiheiten

    Gruß

    Antworten
  4. Matthias says:

    Wenn Le Pen an die Macht kommt, und das könnte schon im Frühjahr soweit sein, ist die EU Geschichte denn diese Frau ist ein ganz anderes Kaliber und hat schon mehrfach glaubwürdig den EU-Austritt rübergebracht. Le Pen lässt sich nicht von Merkel oder EZB auf der Nase herumtanzen.

    Wenn sie die neue Präsidentin in FR wird, ist Schluß mit EU & Co.

    Daher glaube ich nicht, dass Italien den Zusammenbruch der EU auslösen wird …. es wird FR sein.

    Antworten
  5. Dietmar Tischer says:

    Meine – subjektive, was sonst – Einschätzung zum Szenario von Credit Swisse:

    1. Wenn das Referendum abgelehnt wird – 50% Wahrscheinlichkeit dafür scheint mir realistisch, dann wird Renzi abdanken MÜSSEN – soweit Übereinstimmung mit CS.

    2. Aber anders als CS: Vorgezogene Neuwahlen mit 70%, nicht 30% Wahrscheinlichkeit. M5S ist zu stark, um darum herum zu kommen. Wenn M5S die Neuwahlen mit einer Wahrscheinlichkeit von 70% gewinnen würde, dann kann man sich an Neuwahlen nicht vorbeimauscheln mit einem „trusted establishment personality“.

    3. Hier wieder Übereinstimmung mit CS: M5S gewinnt die Neuwahlen.

    4. Übereinstimmung mit CS: M5S hat entweder keine absolute Mehrheit (halte ich für wahrscheinlich) oder Angst vor der eigenen Courage, um einen Austritt zu wagen.

    Ergebnis wie CS, aber EXITAY liegt bei deutlich mehr als 1%

    >bto: Das wahre Glück der Italiener ist ein anderes: Die Bundesregierung wird, was die Bankensanierung betrifft, nachgeben. Denn die Deutsche Bank bleibt unter Druck. Muss Deutschland von den Bail-in-Regeln der EU abweichen, können das alle anderen auch tun!>

    Sehe ich etwas anderes, was die Begründung anlangt:

    Die Bundesregierung wird bei der Bankensanierung (italienische Banken) nachgeben, um Renzi zu stärken und nicht wegen der Deutschen Bank. Die steht zwar gewaltig unter Druck und ist lt. IWF das weltweit GRÖSSTE Bankenrisiko (Derivate), muss aber nicht saniert werden durch die Bundesregierung – im Augenblick jedenfalls nicht.

    Antworten

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