„Wer spart, ist der Dumme“

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Schon vor Monaten habe ich auf den Irrsinn hingewiesen, zu sparen und sich über Handelsüberschüsse zu freuen, in einer Welt, die überschuldet ist und die Schulden nicht bedienen kann. Nun greift auch SPIEGEL online das Thema auf und versucht es dem Leser nahezubringen:

  • Natürlich ist es vernünftig, für die Zukunft vorzusorgen. Wer ein langes Leben vor sich hat, sollte Geld zurücklegen. Alternde Nationen sollten sich ein finanzielles Polster für künftige magere Jahrzehnte zulegen und möglichst keine Schulden anhäufen, damit sie kommende Generationen nicht noch zusätzlich belasten.“
  • Kein anderes vergleichbares Land auf dem Globus geht so konservativ mit Geld um.“ – bto: naja, die Schweiz?
  • Die Weltwirtschaft insgesamt ist nach wie vor gefangen in einer Schuldenspirale. Fast 140 Billionen Dollar betragen die globalen Verbindlichkeiten von Staaten, Unternehmen und Bürgern derzeit, ein Drittel mehr als 2007, hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ausgerechnet.“ – bto: Irgendjemand muss übrigens Schulden machen, wenn ein anderer spart …
  • Setzt sich der Schuldenaufbau fort, schlittert die Welt in die kollektive Pleite. Würden die Notenbanken rund um den Globus die Zinsen nicht künstlich niedrig halten, wäre die Lage vermutlich längst prekär.“ – bto: Vermutlich“ bitte streichen.
  • Voriges Jahr flossen aus Deutschland netto 232 Milliarden Euro in den Rest der Welt, so die Bundesbank. Der größte Teil davon wurde in Wertpapiere gesteckt, überwiegend in Anleihen, zunehmend aber auch in Aktien.“
  • Auch deutsche Unternehmen investieren eine Menge im Ausland. 98 Milliarden waren es voriges Jahr, mehr als doppelt so viel, wie ausländische Unternehmen hierzulande investierten. Heimische Konzerne liehen ihren Töchtern in aller Welt 28,5 Milliarden, neun Milliarden mehr als 2014.“ – bto: Angesichts der wirtschaftlichen Aussichten Deutschlands und der verfehlten Wirtschaftspolitik ist es nur rational, außerhalb Deutschlands zu investieren!
  • „Netto verfügt Deutschland derzeit über Forderungen von 1,5 Billionen Euro, mehr als 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP).bto: auf dem Papier!
  • Wenn am Ende überschuldete Staaten und Unternehmen ihre Schulden nicht vollständig zurückzahlen können, weil die Schuldner pleite sind, muss Deutschland Forderungen abschreiben. So einfach ist das.“
  • Zwischen 2001 und 2015 hat Deutschland Leistungsbilanzüberschüsse von aufsummiert zwei Billionen Euro eingefahren, insbesondere durch die hohen Exportüberschüsse. Das Auslandsvermögen beträgt aber lediglich 1,5 Billionen. 500 Milliarden Euro sind also verloren gegangen 20 Prozent des BIP. Und niemanden stört’s.“ – bto: Und es wird noch viel mehr werden!
  • „(…) stellt sich schon die Frage, ob diese Strategie so weise ist. Eigentlich seltsam, dass dies keinen politischen Aufschrei auslöst.“ – bto: Nein, wir Deutschen denken einfach, wir können uns ja leisten. Wie dumm!
  • In Deutschland selbst wird seit Langem zu wenig investiert. Löhne und Arbeitseinkommen sind lange Zeit stagniert, erst seit Kurzem steigen sie moderat. Das Resultat sind sehr hohe laufende Überschüsse von acht Prozent des BIP. Geld, das wiederum überwiegend in ausländischen Wertpapieren angelegt wird, deren Werthaltigkeit zweifelhaft ist dies umso mehr, als Bewertungsverluste und Zahlungsausfälle in den kommenden Jahren zunehmen dürften angesichts der weltweit hohen Schuldenstände.

„Besser wäre es, in die Infrastruktur in Deutschland und im übrigen Europa zu investieren: Bildung für alle, Integration von Zuwanderern, Spitzenforschung, saubere Energie, klimaneutraler Verkehr. Dinge eben, die ihren Wert behalten auch wenn das globale Schuldenkartenhaus irgendwann zusammenbrechen sollte.

Wie habe ich gesagt: wenn schon Pleite, dann doch lieber mit guter Infrastruktur!

SPIEGEL ONLINE: „Wer spart, ist der Dumme“, 1. Mai 2016

11 Antworten
  1. Dietmar Tischer says:

    >Nun greift auch SPIEGEL online das Thema auf und versucht es dem Leser nahezubringen:>

    Wenn der SPIEGEL etwas nahebringen will, BESTÄRKT er seine Leser – der Mehrheit nach immerhin „Gebildete“ – in ihren Vorurteilen:

    „Natürlich ist es vernünftig, für die Zukunft vorzusorgen. Wer ein langes Leben vor sich hat, sollte Geld zurücklegen.“

    Richtig müsste das heißen:

    „Natürlich ist es vernünftig, für die Zukunft vorzusorgen. Wer ein langes Leben vor sich hat, sollte in der Zukunft Geld HABEN.“

    Wie schaffen das deutsche Menschen?

    Am bequemsten und vermeintlich sichersten – gelernt von der Sparkasse um die Ecke und den Weltspartag – ist es, Geld zur Bank zu tragen. Denn tut man dies, gibt es in Zukunft noch mehr Geld, ohne dass man dafür etwas tun muss.

    Was bei diesem Geschehen völlig unter geht, ist die ökonomische Minimalidentität „S = I“.

    Die kann man nicht verstehen, wenn man „Sparen“ mit „Geld zur Bank bringen“ gleichsetzt. Man versteht sie nur, wenn man in die BEZIEHUNG von Konsum und Investition vor Augen führt.

    Hier das einfachste Beispiel dafür, die Kartoffelökonomie, bei der Investitions- und Konsumgut gleich sind und so den Zusammenhang klar macht:

    Die Kartoffeln, die man nicht verspeist, muss man in die Erde stecken, damit man auch in der ZUKUNFT Kartoffeln verspeisen kann.

    Zugegeben, das verstehen und betreiben nur Dorftrottel. Menschen, die mit „lila Kühen“ groß und mit die Zins- und Zinseszins schlau geworden sind, kann man damit allenfalls ein müdes Lächeln abringen.

    Die kämen auch nie auf die Idee, sich bei einem Bankmitarbeiter dafür zu entschuldigen, wenn sie das Konto überzogen haben (was es tatsächlich geben soll).

    So dumm kann niemand sein.

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    • Rob says:

      Das Kartoffelbeispiel ist als Analogie ungeeignet. Denn Kartoffeln „sparen“ können alle gleichzeitig. Geld sparen jedoch nicht. Ähnlich verhält es sich mit nicht selbstvermehrende Methoden, wie etwa das Eichelnsammeln durch die lieben Eichhörnchen. Alle Eichhörnchen im Aggregat können die Sammelarbeit in der „Eichelsaison“ über den täglichen Bedarf hinaus erhöhen. Im Winter sind sie auch alle versorgt (ohne das übehaupt irgendwer sammeln muss).

      Mittlerweile ist das Geldsparen auch nicht mehr eine sich „selbst vermehrende“ Methode. Die Weltspartag-Ideologie ließe sich wunderbar mit Hilfe der lieben Eichhörnchen den Kindern gegenüber vermarkten. Der Unterschied mit den Eicheln ist natürlich klar (leider nicht für die meisten, wie ich vermute). Gutscheine entfalten nur dann ihren Wert, wenn man zu jedem gegebenen Zeitpunkt in der Lage ist, dafür „Wahres“ zu erwerben, was dann auch verfügbar sein muss. Man hat ja nicht die (zum Leben notwendige) Ware selbst gelagert. Aus diesem banalen Grund folgt, dass das Geldsparen notwendigerweise ein Komplement braucht, welches sicherstellt, dass die künftige Lieferung erfolgen kann. Das waren klassischerweise die sich ewig verschuldenden Unternehmen, die aber aufgrund der heute positiven Finanzierungssalden mittlerweile als „Leistungsverplichteter“ ausfallen. Somit verbleibt nur noch die banale Wahrheit des aufbürdens der jeweils jüngsten Generation mit der Verpflichtung, in Zukunft für die alten einzustehen, indem diese die Erparnisse der mittleren Altersgruppe einer eigenen Verwendung zuführen, z.B. Häusle baue, baue. Aus diesem Grund ist es für die Gesellschaft als Ganzes lebensnotwendig, dass die junge Generation Vertrauen in die Zukunft hat, sonst gehen sie keine Verpflichtungen ein, die sie in der Zukunft einlösen müssen (= Verschuldung). Daraus folgt z.B. die Abschaffung befristeter Arbeitsverträge. Es folgt daraus auch notwendig, dass die junge Generation nicht sparen darf! Wenn dieses Zukunftsvertrauen der Jungen da ist, wird die Ökonomie von selbst anziehen. Und die Geburtenrate auch.

      Wenn wir das nicht hinbekommen, sollten wir notgedrungen eine eichelähnliche Sparmethode einrichten. Wenn es beim Geldsparen nicht möglich ist, dass alle gleichzeitig Konsumverzicht üben (außer dadurch, dass alle weniger arbeiten, also Einnahmen = Ausgaben) – was allerdings keine zukünftige Verpflichtungen generiert – so ist es für alle jedoch gleichzeitig möglich, ohne jede Arbeitsminderung extra Zwieback zu fertigen statt Geld anzusparen (Zwieback soll ja haltbar sein), um diesen Zwieback später kollektiv konsumieren zu können.
      Mit diesem Beispiel will ich nur unterstreichen, dass das Kartoffelbeispiel nicht taugt.

      Antworten
      • Dietmar Tischer says:

        >Das Kartoffelbeispiel ist als Analogie ungeeignet.>

        Das Beispiel ist KEINE Analogie. Es IST konkrete Ökonomie (Volkswirtschaft) – wenn auch eine einfache, weil auf nur ein Produkt bezogene ohne Arbeitsteilung, Import und Export, einen Staatssektor etc.

        Aber gerade das macht sie außerordentlich SIGNIFIKANT für das VERSTÄNDNIS dessen, was es – Thema von SPON – heißt „für die ZUKUNFT vorsorgen“.

        Ich versuche mit der Kartoffelökonomie das darzulegen, was im allgemeinen Verständnis fehlt und gerade in Deutschland zu kollektivem Fehlverhalten mit unglaublichen Verlusten geführt hat:

        „Sparen“ ist dem allgemeinen Verständnis nach „nicht alles auf den Putz hauen“ und deckt sich mit dem ökonomischen, nicht das gesamte (Volks)einkommen zu konsumieren.

        Ab diesem Punkt trennt sich das Verständnis:

        Dem allgemeinen Verständnis nach sorgt man dadurch vor mit dem gesparten Geld, dass man es zur Bank bringt, mit deren Hilfe es sich durch Zins und Zinseszins vermehrt. Die Zukunftssicherung besteht dann darin, mehr Geld zu haben.

        Das Ziel ist nicht falsch, aber der Weg bzw. das hier endende Verständnis von Zukunftssicherung.

        Denn dem richtigen ökonomischen Verständnis nach ist Geld zu haben NICHT hinreichend für die Zukunftssicherung. Denn es ist NUR ein Anspruch, den alle Geldbesitzer auf das BIP haben, hier: zu irgendeinem Zeitpunkt in der Zukunft auf die dann verfügbaren Produkte und Dienstleistungen.

        Wenn das BIP stagniert oder schrumpft, ist das Geld, d. h. der Anspruch weniger wert; ist es null, wäre es gar nichts wert.

        Damit befasst sich nicht der „Normalsparer“, sondern die Ökonomie:

        Das BIP hängt der Größe nach von den INVESTITIONEN ab, die getätigt worden sind, BEVOR der Anspruch von Geld auf das BIP, realisiert wird.

        Dieses zeigt die Kartoffelökonomie:

        Isst man alle Kartoffeln, verhungert man in der Zukunft.

        Lagert man die Kartoffeln, die man nicht isst, dann überlebt man vielleicht knapp oder verhungert in der Zukunft, wenn sie nicht mehr genießbar sind. (richtig: wir leben nicht in/mit einer Eichhörnchen-Ökonomie – schon der Gedanke daran ist absurd)

        Investiert man die Kartoffeln, die man nicht isst, dann sorgt man für die Zukunft vor.

        (Habe ich selbst praktiziert: Wenn man gut wässert, kann man es schaffen, mit einer Kartoffel in der Erde 10 zu ernten – in noch nicht einmal einem Jahr! Das ist eine sagenhafte Rendite, von der die DB mit ihren 25% zu den Glanzzeiten von Ackermann nur träumen konnte)

        Wenn die deutschen Geldsparer diese an sich banalen Zusammenhänge kapierten, würden sie ANDERS sparen: Sie würden Ihre erspartes Geld so anlegen, dass damit geschaffene Investitionen das BIP vergrößern. Dies geschieht, wenn man sich an innovativen Unternehmen beteiligt. Deren real erwirtschafteter Wertzuwachs (organisches Wachstum) ist das Geld, mit dem man seinen zukünftigen Anspruch am BIP realisiert.

        >Aus diesem banalen Grund folgt, dass das Geldsparen notwendigerweise ein Komplement braucht, welches sicherstellt, dass die künftige Lieferung erfolgen kann. Das waren klassischerweise die sich ewig verschuldenden Unternehmen, die aber aufgrund der heute positiven Finanzierungssalden mittlerweile als „Leistungsverplichteter“ ausfallen>

        Wenn Sie mich verstehen, dann müssen ihren ersten Satz nur ein wenig umschreiben zu:

        „… dass zukünftig ein möglichst großes BIP GESCHAFFEN werden kann, damit der Anspruch aus Geld mit möglichst großer Lieferung befriedigt werden kann“.

        Der zweite ist falsch und müsste heißen:

        Für die Schaffung waren klassischerweise die Unternehmen zuständig – ob verschuldet, oder nicht ist egal – und sie werden es auch in ZUKUNFT sein MÜSSEN, aber möglicherweise nicht wie wünschenswert sein können.

      • Rob says:

        Ist das Kartoffelbeispiel konkrete Ökonomie?
        Es ist richtig: eine Volkswirtschaft als Ganzes kann investieren. Eine Vw als ganzes kann nicht geldsparen. Weil letzteres so ist, ist das Kartoffelbeispiel m.M.n. ein nicht passendes Beispiel um den Sachverhalt des Geldsparens mit dem Investieren zu verdeutlichen. Gerade auch wenn es nicht als Analogie zum Sparen gesehen werden muss, sondern als Beispiel (OK, nicht Analogie) fürs Investieren.

        Das Kartoffelbeispiel geht davon aus, dass ein jeder für sich selbst investiert, und so auch die ganze Volkswirtschaft. In der Realität wäre das Kartoffelbeispiel sauber abgebildet, wenn alle für umsonst eine Weile in die Abteilung Investition (pauschal gesagt) arbeiten würden, und dafür übertragbare Beteiligungsrechte und Dividenden erhalten.

        Sobald aber das Geld als Möglichkeit gegeben ist, zeitversetzt Leistungen einzukaufen ohne gleichzeitiger Leistungslieferung (oder umgekehrt) wird es schnell verwirrend. Zudem stellt dies eine weitere Möglichkeit der Altersvorsorge dar.

        Im Falle des reinen Geldsparens macht es strikt betrachtet nichts aus, ob meine ausgeliehene Überschüsse für Investitionszwecke, oder für Konsumzwecke verwendet werden. Warum es nichts ausmacht, meine ich so erklären zu können: Irgendwer konsumiert an meiner Stelle, und ich vertraue darauf, dass ich dafür in dreißig Jahren einen vergleichbaren Konsum in Anspruch nehmen kann. Angenommen, wir haben eine stationäre Wirtschaft, wie im Mittelalter. Das funktioniert im Prinzip. Hauptsache, die Kapazität, dass meine im Alter gesparten Ansprüche bedient werden können, ist da.
        Wo Sie zweifellos Recht haben ist beim Thema „organisches Wachstum“. Die Kartoffeln sind da Synonym für Produktivitätswachstum, wohingegen Eicheln sammeln (es geht mir nicht um die Eicheln, sondern um den Sammelaufwand und den Konsumverzicht) eher bei stationäres Wirtschaften passt. Bei der heutigen Demografie sind wir natürlich unbedingt aufs organische Wachstum angewiesen. Ich merke dazu an: solange es keine Vollauslastung gibt, auch im Anbetracht von Investitionen zur Erreichung einer höheren Produktivität, muss niemand auf Konsum verzichten! An der Stelle hapert das Kartoffelbeispiel auch.

        Wo Sie am Ende Ihrer Antwort zwei Umformulierungen anbieten, wird mir bewusst, dass die beiden Sätze von mir etwas unverständlich zu der Begründung mit dem Komplement zum Geldsparen verknüpft wurden. Damit komme ich wieder auf den tieferen Grund meines Anliegens. Wer Kartoffeln setzt, verzichtet auf Konsum und hat Aufwand damit, Aber die Ernte kommt eines Tages einfach so, ohne dass irgendwelche Verpflichtungsbeziehungen eingerichtet werden. Hingegen in unserer Realität dokumentieren wir Ansprüche. Die mit überlassenen Ersparnissen korrespondierende Verschuldung der Unternehmen habe ich als einer der künftigen Lieferung sicherstellende Grundlage angesehen, weil der Tilgungsdruck eben das Angebot sicherstellt (wenn die Guthaben tatsächlich eingelöst werden).

        Ich meine nicht, dass mein zweiter Satz falsch ist. Wie auch immer sagen auch Sie, dass Zweifel („nicht wie wünschenswert“) angebracht ist. Daher auch meine Überlegungen zu Spar/Verschuldungs“vorgaben“ für die unterschiedlichen Altersklassen.

        Fazit für mich: ich denke lieber über Altersvorsorge nach ohne Vergleiche mit Kartoffelanbau, weil es eher Verwirrung stiftet. Stattdessen will ich anhand der realen Welt ein klares Bild schaffen von der Thematik im Bewusstsein der Vermeidung von Denkfehlern aufgrund ggf. zutreffender Aggregatsparadoxien.

  2. KBX says:

    Irgendjemand muss übrigens Schulden machen, wenn ein anderer spart…

    Falsch! Denn Preis und Angebot passen sich an!

    Dass bei einem schonenden Umgang mit Ressourcen, diese länger zur Verfügung stehen und alle länger etwas vom Wohlstand haben, ist leider eine unpopuläre Idee. Deshalb haben wir auch in Rekordtempo den Rohstoff Öl (der Millionen von Jahren für die Entstehung gebraucht hat)zur Hälfte durch und eine Wirtschaft die darauf angewiesen ist – hinter der aktuellen Generation die Sinnflut.

    Mit Vollgas bei verdunkelter Frontscheibe und Blick in den Rückspiegel ist das Motto – und das ist eine Tragödie.

    Antworten
  3. Dietmar Tischer says:

    @ Rob

    Sie argumentieren am Problem VORBEI.

    Es geht um VORSORGE für die ZUKUNFT, d. h. zu sichern, dass man im Alter sein Leben bestreiten kann, ohne noch Einkommen durch Erwerbstätigkeit erzielen zu müssen.

    Sie sagen:

    >Im Falle des reinen Geldsparens macht es strikt betrachtet nichts aus, ob meine ausgeliehene Überschüsse für Investitionszwecke, oder für Konsumzwecke verwendet werden. Warum es nichts ausmacht, meine ich so erklären zu können: Irgendwer konsumiert an meiner Stelle, und ich vertraue darauf, dass ich dafür in dreißig Jahren einen vergleichbaren Konsum in Anspruch nehmen kann.>

    Die Vorsorge ist NICHT gesichert, wenn Sie NUR das REINE Geldsparen betrachten und darauf VERTRAUEN, dass …

    Sie ist nur dann gesichert, wenn ein hinreichend großes BIP erwirtschaftet wird. Das wird aber nur dann erwirtschaftet, wenn VORHER investiert worden ist – das zeige ich mit der Kartoffelwirtschaft, die mit Investitionen Wohlstand und ohne Investitionen Verhungern bedeutet. Investieren heißt: Das Geld, das Sie sparen, muss auf eine BESTIMMTE Weise genutzt werden, nämlich für die Schaffung von produktiven Sachkapital. Es darf nicht dazu genutzt werden, das „irgendwer damit konsumiert“ – im Aggregat jedenfalls nicht.

    Als „reinem Geldsparer“ können Ihnen diese Zusammenhänge egal sein.

    Wenn Sie allerdings Ihre Zukunft SICHERN wollen, müssen Sie sie in Betracht ziehen.

    UND sie müssen dafür sorgen, dass sich Ihr Erspartes nicht in Luft aufgelöst hat, wenn Sie damit einen Anspruch auf das dann geschaffene BIP ausüben wollen. Auch das ist nicht mehr reines Geldsparen im Sinne von „nicht ausgegebenes Geld aufs Bankkonto“.

    Antworten
    • Rob says:

      Das mit dem hinreichend großen BIP ist natürlich klar. Ich habe nur sagen wollen, dass das bei einer stationären Wirtschaft ginge, wenn – abgesehen von Ersatzinvestitionen, und bei unveränderter Bevölkerungspyramide, sozusagen ceteris paribus, wenn man im Laufe seines aktiven Lebens anderen (die älteren) konsumieren lässt, und ich dafür den Anspruch erwerbe, selbst im Alter konsumieren zu können. Das kann man mit Darlehen erreichen, oder meinetwegen mit Care-Tickets (Japan, interessantes Interview dazu mit Lietaer: http://thehealthcareblog.com/blog/2008/08/01/creating-currency-to-care-for-the-elderly/ ).
      Es ist sogar denkbar, dass andere Investieren – und wenn es der Staat ist -, und dass dadurch in Zukunft ausreichend BIP generiert wird, und ich ohne mir darüber im Klaren zu sein, im Alter meine akkumulierten Ansprüche ohne Probleme in Konsum verwandeln kann.

      Nebenbei: Im besagten Interview geht Lietaer auch ausführlich auf die sog. „Time dollars“ ein, passend zur IOU-Diskussion Griechenlands.

      Antworten
    • Rob says:

      Diese Diskussion hat in jedem Fall einen Denkprozess hinsichtlich Aktien ausgelöst. Im Augenblick bin ich nun in meiner Aufassung bestärkt, dass Aktien nicht zum Geldvermögen gezählt gehören, sondern zum Sachvermogen, und auch überall als solches ausgewiesen wird.

      Zweitens sollte man Aktien auch als nichtliquide Assets betrachten, weil der Gegenstand von Aktien nun mal – grob gesagt – Produktionsmittel und deren Rahmenbedingungen (Gebäude usw.) sind. In der Folge musste der Erwerb von Aktien grundsätzlich mit Gebühren belastet werden, wie der Immobilienerwerb ja auch mit Gebühren belastet ist. Das fördert eine längerfristigen Bindung an Aktien.

      Ich habe keine Ahnung von Aktien, aber die Tatsache, dass Aktien zu jederzeit frei verhandelt werden können ist gegen diesen Hintergrund verwerflich, zumal es den Handel in Aktien mit Hilfe von billigen Krediten fördert. Und wir sehen ja, wozu das führt. „Wer spart, ist der Dumme“.

      Antworten
  4. Dietmar Tischer says:

    @ Rob

    >… wenn man im Laufe seines aktiven Lebens anderen (die älteren) konsumieren lässt, und ich dafür den Anspruch erwerbe, selbst im Alter konsumieren zu können.>

    DAFÜR?

    Überlegen Sie doch einmal, was das heißen soll:

    Sie lassen im aktiven Leben, also bis zum Erreichen Ihres Rentenalters die Älteren konsumieren, d. h. die Generation der vor Ihnen Geborenen. Sagen wir der Einfachheit halber, dass die sterben, wenn Sie Rentner werden.

    Gegenüber wem haben Sie den Anspruch erworben?

    Gegenüber den Alten, die gestorben sind?

    Wohl nicht – die liegen im Grabe und können keinen erfüllen.

    Den Jungen NACH Ihnen, die arbeiten, wenn Sie in Rente sind?

    Ja, denn Andere, denen gegenüber Sie einen Anspruch geltend machen können, gibt es nicht.

    Denen gegenüber wollen Sie also den Anspruch damit BEGRÜNDEN, dass Sie die Toten im Rentenalter haben konsumieren lassen.

    Die lachen Sie aus – was DIESE Begründung betrifft.

    Sie sollten schon eine Begründung vorweisen, haben auch eine und die lautet so:

    Ich und Andere meines Alters haben Euch in die Welt gesetzt und so gefördert (Bildung!), dass Ihr nicht nur konsumieren könnt, sondern den bei Eintritt in Euer Arbeitsleben vorgefunden Wohlstand bewahren und sogar steigern könnt. Er kann daher so groß werden, dass ich im Alter auch noch konsumieren kann, OHNE dass Ihr bei der Bildung Eurer Kinder und Eurem Konsum zu kurz kommt (die Erneuerung des Kapitalstocks für die Wohlstandsgenerierung lasse ich weg, um strikt beim Thema, der Begründung zu bleiben).

    Kurzum:

    Ihre Begründung für Ansprüche an die nachfolgende Generation beruht auf einer LEISTUNG, nämlich diese Generation (und/oder: Einwanderern) zur Wohlstandsgenerierung und eben nicht nur zu Konsum befähigt zu haben. Und das NICHT durch Ihren Konsum, sondern durch KONSUMVERZICHT (in Ihrem Arbeitsleben) – eben durch das, was für die Bildung der nachfolgenden Generation erforderlich ist.

    BEFÄHIGUGN zur Wohlstandsgenerierung, um das eigene Leben zu erhalten und wiederum die nachfolgende Generation durch Bildung zu Wohlstandsgenerierung zu befähigen, um im Alter konsumieren und das Leben erhalten zu können – das ist die Begründung, mit der die nachfolgende Generation zu Erwirtschaftung Ihres Konsums in Ihrem Rentenalter VERPFLICHTET werden kann.

    Es ist nur die Begründung für einen Anspruch.

    Sie erwerben damit kein RECHT, d. h. einen DURCHSETZBAREN Anspruch auf eine BESTIMMTE Menge Konsums im Rentenalter.

    Damit ist es jetzt aber genug.

    Sie müssen sich einmal systematisch mit den Dingen auseinandersetzen und dabei das Mittel, einen Anspruch zu verwirklichen (Geld) und das, auf was sich der Anspruch bezieht (Güter und Dienstleistungen) auseinanderhalten.

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    • Rob says:

      „wenn man […] anderen (die älteren) konsumieren lässt“ – habe ich geschrieben. O jee. Der an sich richtig gemeinte Gedanke wird zu einem großen Missverständnis! Das geht auf meine Kappe.

      Hier führte der Hintergedanke des Generationenvertrages, also das, was die gesetzliche Rentenversicherung institutionell realisiert, zum unbedachten Zusatz in Klammern. Im Sparkontext ist das natürlich nicht richtig.
      In einem der Vorbeiträge schrieb ich bereits: die junge Generation soll sich verschulden (wenn der Unternehmenssektor tendenziell nicht mehr ausreichend Verschuldung aufweist). D.h. meine Überschüsse sollen den Jungen zugutekommen.

      Antworten

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