Wenn alle das Gleiche denken

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Gestern habe ich erneut an die deflationäre Wirkung der Geldpolitik erinnert. Inflationär wirkt es bisher nur bezüglich der Vermögenswerte. Damit verbunden ist übrigens notwendig, ständig die Dosis zu erhöhen, wie es sich für ein ordentliches Ponzi-Schema gehört. Doch es mehren sich die mahnenden Stimmen. Was, wenn die Notenbanken nicht mehr nachlegen (können)? Was, wenn die Aktienmärkte sich doch mal wieder an den (enttäuschenden) Fundamentaldaten orientieren?

Zunächst die FT über den Albtraum des „Crowded Trades“ – den also alle machen – von Mario Draghis Gnaden:

  • Die Anleger trauen Mario Draghi zu viel zu. Dieser ist verantwortlich für eine der einseitigsten Positionierungen in den Finanzmärkten. Und das droht furchtbar schiefzugehen.
  • Denn alle Investoren sind „long“  hinsichtlich europäischer Aktien. Das heißt, in ihren Portfolios befinden sich statt der üblichen durchschnittlich 20 Prozent 30 Prozent Aktien. Da Draghi mehr QE versprochen hat, gelten europäische Aktien als sicheres Investment. – bto: Wer will da schon widersprechen, genügt doch ein Blick auf die Staatsanleihen seit den „Whatever it takes“-Worten. Niemals gegen die EZB!
  • Es gibt gute Gründe dafür: Die europäische Wirtschaft erholt sich leicht, die Gewinne wachsen, die Aktien sind noch günstig bewertet und die Notenbank kauft Anleihen in Milliardenhöhe. – bto: in der Tat, alles gute Argumente für Aktien.
  • Vor allem hilft auch, dass die Unternehmen das Umfeld dazu nutzen in Rekordumfang Anleihen zu begeben. Diese neuen Schulden dienen Investitionen, die dann wiederum Erträge und Aktienkurse steigern.
  • Gerade auch im Vergleich zu US-Werten sind die Aktien hier attraktiv. Zum einen, weil US-Aktien schon höher bewertet sind, zum anderen, weil die US-Zinsen steigen (könnten).
  • Dennoch mahnt die FT zur Vorsicht. Wenn alle das Gleiche denken, sind alle schon investiert. Kommt es zu einer Korrektur, fehlen die Käufer, während es nur Verkäufer gibt. War schon im Sommer gut zu beobachten, als die Turbulenzen aus China die gesamten bisherigen Gewinne des EZB QE zunichtemachten.
  • Kommt es zu einer weiteren Abschwächung in China, verbunden mit einer Abwertung der Währung, wird dies Europa treffen; die deutschen Exporteure aber auch alle anderen durch den erhöhten deflationären Druck. – bto: Das ist, wie hier regelmäßig kommentiert, durchaus eine Gefahr.
  • Natürlich kann die EZB dann die Dosis erhöhen. Doch wer weiß, ob das wirkt. Wenn alle schon dabei sind?

Wie solche einseitigen Positionierungen wirken können, zeigt Citi (via Zero Hedge) am Beispiel von Anleihen. Zunächst die relativ einleuchtende Feststellung, dass es einen deutlichen Unterschied zwischen liquiden und illiquiden Anlagen gibt (am Beispiel von Hochzinsanleihen):

Und dann der Hinweis, dass eigentlich der ganze Markt illiquide ist, abgesehen von einigen der häufig gehandelten Papiere:

Das ist naturgemäß bei Anleihen viel problematischer als bei Aktien. Einfach deshalb, weil es viel mehr verschiedene Anleihen gibt: Schuldner, Laufzeit, Währung etc.

Wenn man aber bedenkt, welche Wirkung Turbulenzen an den Anleihenmärkten für die Aktienmärkte haben können, dann wird einem schon mulmig, wenn man diese Bilder sieht:

Egal. Die Superhelden in den Zentralbanken lösen auch dieses Problem!

→ FT (Anmeldung erforderlich): „Nightmare of Mario Draghi’s crowded trade“, 22. November 2015

→ Zero Hedge: „El-Erian Says ‚The Market Believes Central Banks Are Our Best Friends Forever‘, Just Don’t Show It ‚Figure 4‘“, 21. November 2015

3 Antworten
  1. LG says:

    Irgendwo muss das Geld ja hin. Wenn mir bei Anleihen das Gläubigerrisko zu hoch ist, ich Cash vermeide, weil die Banken pleite sind, da bleibt mir doch nur noch Aktien, Gold, Immobilien, Land, ggf. Rohstoffe. Wenn die ersten Ausfälle bei Anleien anstehen, frage ich mich was machen Fonds, insb. die amerikanischen Pensionsfonds? Vermutlich kaufen sie Aktien, oder gibt es noch Alternativen?

    Antworten

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