Wasch mich aber mach mich nicht nass: Saving Globalization and Technology from Themselves

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Noch bei BCG habe ich bekanntlich die „Collateral Damage“-Serie mit geprägt, die Ursachen und Folgen der als „Finanzkrise“ verbrämten Schuldenkrise thematisiert hat. Seit meinem Weggang hat BCG beschlossen, das Thema nicht mehr groß zu bearbeiten, die Krise ist ja auch vorbei und es geht wieder aufwärts. Als Kassandra – siehe Kommentar von Herrn Tischer letzte Woche (der auch zutrifft!) – kann man da nichts gewinnen.

Nun haben die Ex-Kollegen das Thema der Ungleichheit und der negativen Folgen der Globalisierung doch noch entdeckt, immerhin zwei Jahre nach Thomas Piketty. Aufgehängt an der Brexit-Abstimmung kommt es zu einer schlüssigen Zustandsbeschreibung, der dann allerdings eine ziemlich banale Handlungsanweisung für Manger folgt. Da kritisiere ich die Kollegen nicht, ist es doch gängige Denke des Marketings, es müsse – und sei es noch so an den Haaren herbeigezogen – ein konkretes „to-do“ geben. Doch nun zu den Erkenntnissen:

  • „The world has never been more prosperous than it is today. People around the world live longer, healthier lives than ever before. In emerging markets, billions of people have moved out of extreme poverty. In the developed world, we enjoy better medicines, education, information, connectivity, and mobility than most of us could have imagined a quarter century ago.“ – bto: all dies stimmt und auch ich muss mich immer wieder daran erinnern.
  • „Societies in the United States and Europe are being fundamentally challenged in ways we have not seen for decades—with nationalistic rhetoric and agendas from the far right and a deep distrust of business, globalization, and technology from the far left.“ – bto: gut, dass dies auch die Berater merken.
  • „Why this polarization? (..) it reflects in large part widespread and growing dissatisfaction with entrenched economic and social inequality and greater personal uncertainty in a fast-changing global economy. It also reflects people’s mistrust of political and corporate elites, who are seen as the architects of this state of affairs.“
  • Economic inequality within our societies is a byproduct of the way we have managed the past three and a half decades of global economic integration.“ – bto: natürlich hat der Lohndruck dazu beigetragen, doch wo ist der Hinweis auf die Schuldenorgie und das billige Geld, ohne die die Vermögenswerte niemals so gestiegen wären und übrigens auch nicht die Unternehmensgewinne, von denen die Beratungen erheblich profitieren?
  • „At the same time, technology—in particular, recent advances in robotics, machine intelligence, and distributed ledgers (blockchain)—could replace human labor in many areas, further compounding dislocation, inequality, and discontent.“- bto:  ja, es wird noch schlimmer für den Mittelstand.
  • „Firms could soon find themselves in an environment of escalating political risk in terms of trade, access to talent, regulatory rules and constraints, and restrictions on new technologies. Political uncertainty could become the major business risk, compromising firms’ ability to innovate, to access markets and talent, and to invest and create wealth.“ – bto:  da könnte man natürlich anmerken, dass die Unternehmen mit ihrem Fokus auf Aktienrückkäufe und Financial Engineering erheblich dazu beitragen, dass es so ist. Es ist kein „exogenes“ Problem, sondern gerade auch in den USA hausgemacht.
  • „In short, it appears that many are so dissatisfied with the current game that they are threatening to end it, even at significant cost to themselves, thereby jeopardizing two major drivers of global economic prosperity: globalization and technological progress.“ – bto:  was sind denn die Kosten „to themselves“? Was verlieren Menschen, die seit 40 Jahren keine Reallohnsteigerung hatten denn wirklich?
  • Today’s economic inequality is a result of how we have chosen to manage globalization and technology.“ – bto: starke Aussage, der leider keine Erläuterung folgt. Es stimmt, dass der Lohndruck nicht gut gemanaged wurde, doch fehlt jeglicher Hinweis auf unser Geldsystem, die Banken, die Niedrigzinspolitik und den politisch gewollten Ersatz von Einkommen durch Schulden. Doch nur dann kann man verstehen, wo wir sind.
  • „Traditionally, it has been government’s role to provide equality of opportunity (particularly through education), an effective safety net, societal balance, and political and economic stability.(…)  The ability of governments to intervene is constrained by feeble macroeconomic growth in the United States and Europe, which greatly limits the scope of fiscal and monetary policy.“ – bto: hat BCG hier höhere Steuern für Unternehmen und höhere Einkommen vorgeschlagen? Wer weiss, es ist hinreichend vage gehalten.

Danach kommen die Empfehlungen für die Manager von Unternehmen, die alle richtig sind, jedoch zugleich weitgehend themenunabhängig. Ich spare mir die Zusammenfassung und verweise auf den Link unten. Relevant ist aus meiner Sicht, dass BCG das Thema aufgreift. Es ist ein klares Zeichen dafür, dass die Diskussion in den Vorstandsetagen angekommen ist. Nun gilt es den nächsten Schritt zu gehen und die wirklichen Ursachen anzugehen. Was zu tun wäre, erläutere ich in der nächsten Ausgabe des Cicero.

→ BCG Perspectives: Saving Globalization and Technology from Themselves, 26. Juli 2016

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