Was tun mit dem Geld? ‒ Zur Bewertung an den Märkten

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Die Wirkung der Geldpolitik auf die Preise von Vermögenswerten ist unumstritten. Wurde vor einem Jahr noch darüber gestritten, ob QE wirklich die Preise von Aktien nach oben treibt, so ist es heute angesichts der Wirkung auf Wechselkurse, Zinsen und Aktienkurse für jeden offensichtlich.  Im aktuellen „Global Asset Price Monitor“ hat die Ratingagentur Moody’s die globalen Märkte auf Indizien einer Überhitzung untersucht. Ergebnis:

  • „Die Höhe der Bewertung wird dabei anhand der aktuellen Standardabweichung vom zehnjährigen Durchschnitt gemessen. Wenig Grund zur Sorge vermittelt hier der globale Aktienmarkt (Equity Market), der ziemlich genau auf dem zehnjährigen Durchschnitt notiert (Standardabweichung von null). Der Immobilienmarkt (Property Market) hat sich tendenziell über die vergangenen Jahre sogar vergünstigt. Einzig bei den Staatsanleihen (Govt Bond) sind bereits auf globaler Ebene deutliche Überhitzungstendenzen sichtbar.“
  • „In den entwickelten Märkten (Advanced Economies) sind inzwischen rund 50% der untersuchten Assetkategorien mindestens eine Standardabweichung vom historischen Mittel entfernt. In den Schwellenländern (Emerging Markets) liegt der Anteil zurzeit auf 27%.“
  • „In Deutschland, Japan, den USA, Dänemark und Schweden sind sie – selbst um das Wachstum des Bruttoinlandprodukts (BIP) adjustiert – mindestens 1,5 Standardabweichungen vom zehnjährigen Durchschnitt entfernt.“
  • „Spitzenreiter ist Deutschland, was angesichts des jüngsten Feuerwerks im Leitindex Dax kaum erstaunt. Hier liegt das Kursniveau 2,5 Standardabweichungen über dem historischen Mittel. Gleichzeitig hat sich die Dividendenrendite (inverses Verhältnis zum Kurs) auf 2,5% ermässigt. Teuer erscheint auch das Kurs-Gewinn-Verhältnis, das mit aktuell 18,5 rund 1,5 Standardabweichungen über dem zehnjährigen Durchschnitt notiert.“Moodys6Quelle: Moody’s Investors Service, Haver Analytics, Bloomberg
  • „Zur Vorsicht mahnen derweil die Verschuldungsgrade im Privatsektor. Zwar hat sich die Geschwindigkeit der Kreditexpansion weltweit eher verlangsamt. Im Verhältnis zum BIP liegt das private Kreditvolumen (Private Credit as % of GDP) allerdings in vielen Ländern deutlich über dem historischen Mittel. Moody’s hebt in der Studie die Türkei hervor: Von allen betrachteten Nationen hat sich hier im einjährigen Vergleich das Verschuldungsniveau am stärksten erhöht. Gleichzeitig sind auch die Häuserpreise kräftig gestiegen. Moody’s warnt, dass dies im Fall einer Korrektur zu einer rapiden Verschlechterung der Kreditwürdigkeit führen könnte.“Moodys5Quelle: Moody’s Investors Service, Haver Analytics
  • „Zu guter Letzt haben die Analysten von Moody’s auch die Devisenmärkte analysiert. Kaum verwunderlich sticht in dieser Betrachtung der Schweizer Franken hervor: Nach der Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank von Mitte Januar, den Euromindestkurs aufzuheben, ist die helvetische Währung nach oben geschossen. Inzwischen notiert sie 2,3 Standardabweichungen über dem zehnjährigen Mittel. Auch der US-Dollar hat in den letzten drei Monaten seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und sich dabei gar 2,4 Standardabweichungen vom historischen Durchschnitt entfernt.“

FINANZ und WIRTSCHAFT: Divergenz zwischen den Industrie- und den Schwellenländern steigt, 25. März 2015

1 Antwort
  1. OK says:

    Scheint, als ob Moody’s (zumindest für den Aktienmarkt) hier den „Buffett-Indikator“ herangezogen hat. Jedenfalls klingt es so, wenn man das BIP als Vergleichswert betrachtet. Der Beobachtungszeitraum allerdings lässt eher an das Shiller-PE/CAPE denken, wobei das Zufall sein mag und zehn Jahre sich vielleicht einfach als gefühlsmäßig gut greifbarer Wert anbieten.
    Davon abgesehen – die Aussage hält auch für längere Zeiträume. Ich habe das selbst einmal quartalsweise bis 1970 rückgerechnet (im Grunde habe ich nur eine Excel-Liste erstellt), und demnach liegt der deutsche Aktienmarkt jetzt knapp zwei Standardabweichungen über dem Durchschnitt. Ob man nun die Standardabweichung für ein geeignetes Messinstrument hält oder nicht, die statistische Überbewertung ist jedenfalls enorm! Interessant wird es vor Allem, wenn man die folgenden Wertentwicklungen betrachtet – die Folgerenditen der „teuersten“ Quartale waren durchweg negativ, BESTENFALLS gut -3% p.a., im Schnitt über -8%.
    Wer weiß, vielleicht ist es nun wirklich an der Zeit, Gewinne mitzunehmen und ordentlich short zu gehen. Auf jeden Fall aber nicht einfach „Gewinne laufen lassen“ ohne zumindest mit Shortinstrumenten abzusichern!

    Antworten

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