Was tun mit dem Geld ‒ Vorsicht mit Luxus

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Als die Finanzkrise 2009 ihren Höhepunkt erreichte, war ich überzeugt, dass der langjährige Boom der Luxusgüter ‒ Mode, Taschen, Uhren, Luxuswagen ‒ zu Ende wäre. Ich dachte sogar darüber nach, bei entsprechenden Aktien auf fallende Kurse zu setzen. Glücklicherweise habe ich es nicht getan, wohl auch in dem am Montag auf diesen Seiten geschilderten Bewusstsein, dass die Märkte viel länger irrational sein können, als ich Geld habe, um dagegen zu spekulieren.

Dabei hatten die Märkte recht und ich unrecht. Meine Analyse war einfach falsch. Ich habe zwei Dinge unterschätzt: die aggressive Geldpolitik der Notenbanken im Westen, die über den Vermögenseffekt vor allem den Top-0,1-Prozent hilft und den beispiellosen Verschuldungsboom in China. Immerhin hat sich dort die Verschuldung vervierfacht.

Nun aber gibt es mahnende Stimmen zu Luxusaktien. Die FT kommentiert:

  • Johann Rupert der Chairman von Richmont (Marken unter anderem Cartier, Montblanc und Van Cleef & Arpels) hat kürzlich gewarnt, die Industrie würde unter Druck kommen wegen der zunehmenden Ungleichverteilung von Vermögen und der abnehmenden Akzeptanz der „have-nots“ für jene, die Luxusuhren und Schmuck zur Schau stellen.
  • „Was mich umtreibt, ist, wie die Gesellschaft mit struktureller Arbeitslosigkeit, Neid, Hass und Klassenkampf umgeht“, zitiert ihn die FT. „Jene die Geld haben, werden es nicht mehr zeigen wollen.“ ‒ bto: Das war auch meine Überlegung 2009.
  • Die Industrie hat einen zwei Jahrzehnte langen Aufschwung hinter sich. Nur kurz unterbrochen in 2003 und 2008/09.
  • Die Ersten, die eine Zurückhaltung spüren, sind die Anbieter von „affordable luxury“, also Marken, die gehobenen aber nicht absoluten Luxus bieten. Diese haben zwar seit 2010 deutlich prosperiert, doch nun gehen die Absatzzahlen deutlich zurück.
  • Schwerer wiegt die Zurückhaltung in China. Die kommunistische Partei hat der Korruption den Kampf angesagt, weshalb nicht wie früher teuere Geschenke gemacht werden und auch Luxus nicht mehr zur Schau gestellt wird. 2015 wird der Absatz im bisher größten Wachstumsmarkt fallen.
  • Mit 223 Milliarden Umsatz und nach einer Verdreifachung des Geschäfts in den letzten 20 Jahren ist es sicherlich zu früh, von einer Krise zu reden. Aber die Bäume wachsen eben nicht mehr in den Himmel.
  • Diese Umsatzsteigerung war nur möglich, weil immer breitere Käuferschichten auch aus der Mittelschicht sich Luxus gönnten. Doch dies ist weniger der Fall.
  • Damit wird das Luxusleben sich mehr auf Enklaven wie Monaco und Palm Springs beschränken und anderswo nicht mehr zu beobachten sein, weil die Stimmung kippt.
  • Minimalistischer Schmuck statt „Bling-bling“, Stahluhr statt Gold, Audi statt Ferrari könnten die Regeln der neuen Zeit sein.

Warum greife ich das hier auf? Nun, zum einen als Beispiel für eine Industrie, von der ich mich angesichts der hohen Bewertungen und hohen Renditen doch eher weiter fernhalte, zum anderen, weil es in das Gesamtbild passt. Auch ohne Crash stehen wir vor einer Zeitenwende. Die Stimmung kippt, je länger die Krise ungelöst bleibt und die Politik das Spiel auf Zeit fortsetzt. Damit wächst aber der generelle soziale Druck weiter an. Wie immer der Hinweis: Dies gilt außerhalb Deutschlands weitaus mehr als hier.

→ FT (Anmeldung erforderlich): Luxury goods face a global reckoning, 10. Juni 2015

2 Antworten
  1. Thomas Stuemmler says:

    Das Wachstum von Luxuswaren kam in den letzten 20 Jahren vornehmlich aus China, Russland und anderen aufstrebenden Ökonomien, die sich bis heute durch soziale Ungleichgewichte auszeichnen, von denen wir hier weit entfernt sind. Trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb ? – bestanden dort offenbar nicht die geringsten Hemmungen Luxus exzessiv auszuleben. Daher glaube ich das Argument, daß Luxus in einem ärmlichen Umfeld eher verheimlicht wird so nicht. Das ist eher ein Wunschdenken linksintellektueller Kreise…

    Auch unsere Unterschichten bewundern doch die Geissens…. geht den Chinesen oder Russen das Geld aus, dann geht es bergab…aber auch nur aus diesem Grund.

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