Was tun mit dem Geld? ‒ Lieber eine Rolex als Swatch-Aktien?

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Im ersten Beitrag meiner kleinen Serie Was tun mit dem Geld? habe ich mich skeptisch zu „Investitionen“ in exotische Werte wie Whisky, aber auch Uhren und andere Sammlerstücke geäußert. Meine Logik ist einfach: Langfristig mag sich dadurch Vermögen erhalten lassen. Das eine oder andere mag auch als Spekulation interessant sein. Wenn es aber darum geht, in der Krise nutzbares Vermögen zu haben und im Anschluss wieder über beleihungsfähiges Eigenkapital zu verfügen, sind diese Geldanlagen nicht geeignet. Dennoch wird dafür die Trommel gerührt, wie hier in einem Beitrag in der NZZ. Auszüge:

  • „Festverzinsliche Anlagen werfen mittlerweile kaum mehr Rendite ab. Teilweise werden sogar Negativzinsen verlangt. Auf diese Art werden die Bürger schleichend enteignet, dazu kommen in vielen Ländern Gesetze und Massnahmen, mit denen die Staatsschulden und Kosten der Krise auf die Bürger abgewälzt werden. Zudem wächst die Angst, dass das grosse Angebot an Papiergeld letztlich die Inflation anheizen werde. Die Geschichte zeigt, dass nominale Werte in Inflationen oder Deflationen schnell einmal nichts mehr wert sind.“ ‒ bto: so weit, so gut. Die Analyse ist bekannt.
  • „(…) viele Investoren sind wegen derartiger Ausblicke auf der Suche nach alternativer Rendite und Sicherheit. Diese finden sie vermehrt in Real-Anlagen. Real ist vereinfacht gesagt das, was man in den Händen hält, nominal der aufgedruckte Wert auf dem Papier. Diese beiden Werte können stark auseinanderklaffen. Zu den Sachwerten zählen auch Aktien, Immobilien und Edelmetalle. Bei Dividendenpapieren erhält der Käufer einen Anteil an den Vermögenswerten des jeweiligen Unternehmens.“ ‒ bto: Das ist auch richtig, weshalb in meinem Musterportfolio ein entsprechend hoher Anteil an internationalen Qualitätswerten liegt und Immobilien ebenfalls mit internationaler Streuung eine wichtige Rolle spielen.
  • „Die Flut an Papiergeld hat aber die Preise in vielen klassischen Sachwerten erhöht, zahlreiche Beobachter sprechen bereits von einer Blasenbildung am Aktien- oder am Immobilienmarkt.“ ‒ bto: Das stimmt auch in einigen Märkten und Regionen.
  • „Deshalb zieht die Karawane der Investoren weiter und entdeckt vermehrt «exotische» Sachwerte für sich. Dazu gehören unter anderem Schmuck, Uhren, Oldtimer, Porzellan, Antiquitäten, Kunst, Wein oder edle Schreibgeräte. Bankangestellte berichten, dass Kunden in ihren Schliessfächern beispielsweise neue Rolex-Uhren horteten.“ ‒ bto: Alle diese „Investitionen“ funktionieren nur bei Inflation ohne fundamentale Vermögensvernichtung. Da es bei dem von diesen Investoren befürchteten Inflationsszenario jedoch um eben diese Vermögensvernichtung geht, eignen sich diese Anlagen nur bei sehr langem Zeithorizont. Wenn man an die Enkel denkt, ist das o. k. und dann sollte man das auch machen, aber nicht, wenn es um etwas geht, was noch im eigenen Leben eine wichtige Rolle spielen soll!
  • „Der ‚Mei-Moses-Art-Index‘, der die Verkaufspreise von Kunstwerken auf Auktionen abbildet, verzeichnete in den vergangenen Jahren regelmässig zweistellige Wachstumsraten. Gemäss dem Deutschen Oldtimer-Index (DOX) stieg der Wert der begehrtesten 88 Oldtimer in den vergangenen Jahren langsamer als zuvor, aber immerhin noch mit 5% pro Jahr. Auch wenn man die von speziellen Indizes abgebildete Performance exotischer Anlagegüter wie ausgesuchter Weine, edler Whiskeys oder seltener Briefmarken mit der Entwicklung von Aktienkursen vergleicht, blieben Letztere in den vergangenen Jahren trotz Börsenboom meist zurück.“ ‒ bto: Ja, aber dies zeigt nicht die Krisenfestigkeit dieser Anlagen, sondern die Liquiditätsflut. Ebbt diese ab, fallen die Preise!
  • „Allgemein gilt, dass etablierte Sachanlagen in einer Krise wertbeständiger sind. So wird auch das Bild eines alten Meisters in einer Rezession leiden. Das Gemälde eines ‚Jungen Wilden‘, der nur kurz einen Hype erlebte und einige Jahre später wieder vergessen ist, kann gemäss Brückner jedoch fast den kompletten Wert einbüssen.“ ‒ bto: Am Ende der Krise ist so oder so ein Gut knapp: Geld. Dies muss der Investor bedenken. Grundsatz: Man muss dann Geld haben, wenn es andere nicht haben!
  • „Mehrere Schweizer Family-Offices, die Vermögen für sehr wohlhabende Kunden verwalten, bestätigen, dass ihre Kunden mehr Diversifikation suchten und sie vermehrt in reale Werte investierten – auch wenn sie darunter in erster Linie Landwirtschaftsland oder Firmenbeteiligungen verstehen.“ ‒ bto: Da bin ich wieder 100 Prozent dabei. Gerade Direktinvestitionen in Firmen werden auch bei steuerlichen Zugriffen eher verschont.

Dann noch ein Nachtrag zum Bargeld: „Banknoten sind zwar das Gegenteil von Realwerten, aber Investoren stürzen sich auch auf Papiergeld. Die Aufbewahrung von Barem in Safes nimmt zu. Viele Bürger befürchten, dass ihr Geld bei einer Bank nicht mehr in den besten Händen ist.“ (…) „Ein Vermögensverwalter eines Family Office rät aber dringend von dieser Art der ‚Vorsorge‘ ab. Grössere Beträge könnten später wegen des Geldwäscherei-Gesetzes kaum mehr auf ein Bankkonto einbezahlt werden. Ein Bankbeleg, der den Geldbezug dokumentiere, genüge als Beweis nicht. Nur von der Bank versiegelte Pakete mit Beleg könnten wieder einbezahlt werden. Nachdem er diese Möglichkeit durchgespielt habe, rate er vom Vorgehen ab.“

NZZ: Lieber eine Rolex als Swatch-Aktien?, 20. April 2015

1 Antwort
  1. Abdullah M. says:

    Sehr geehrter Herr Stelter,
    wie auch Ihre uebrigen Beitraege hervorragend analysiert. Investitionen zum Kapitalerhalt sind also nur eingeschraenkt moeglich. Wichtig ist sicher auch festzuhalten, dass ungewollt Kapitalvernichtung betrieben werden kann. Denn durch den auch von Ihnen beschriebenen Deflationsdruck werden die Preise fuer die (auch exotischen) Gueter fallen, dann, wenn der Liquidierungsdruck zum Preisverfall fuehrt.
    Beste Gruesse
    AM

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